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E_1931_Zeitung_Nr.093

E_1931_Zeitung_Nr.093

Austabe: Deutsche Schwein BERN, Freitag, 13. November 1931 Nummer 20 Cts. 27 Jahrgang. - N r 93 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZentrafbSatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS Ei Erscheint teden OtMMMo and Fnltaa Monatlich „Gelbe 1JSM M Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portonnehtag, •otern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Rsatellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breftenruinstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rcchnuns 111/414. Telephon Bollwerk 89.84 Ttteftramm-Adresse: Autorevue, Barn INSERTIONS-PHEISl Die achtgespaltene 2 ihm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grftssere Inserate nach Seltentarlt. tnseratenschliu» 4 Tage ror Erscheinen der Nummern Fiskus und Motorfahrzeugverkehr Gerade im Zeltpunkt, wo der Entwurf für das kommende Bundesgesetz betreffend den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr bei den eidgenössischen Räten in Beratung steht, mag es um so angebrachter sein, durch zuverlässige statistische Zahlenangaben darzutun, •Deren Anwachsen auf rund 2,7 Millionen Fr. welch' enormen finanziellen Tribut die Mo-•zeigtorfahrzeugbesitzer Jahr für Jahr an Bund tone aus dem Vollen schöpfen und diese Ab- deutlich, wie sehr auch hier die Kanund Kantone entrichten. •gaben heute vielfach keine Gebühren für Gerade die 1930er Zahlen zeigen deutlich, Schreibarbeiten, sondern veritable, verdeckte wie schwer heute all diese finanziellen Lasten, wie Zölle, Steuern und Gebühren auf die Verkehrsinteressentenverbände hin und •Steuern darstellen. Kein Wunder, wenn sich dem Motorfahrzeugverkehr lasten und welch •wieder energisch für eine entsprechende Herabsetzung dieser übersetzten Gebühren ver- enorme Summen anderseits Bund und Kantone aus dieser für ihr Finanzwesen hoch wenden, wie dies beispielsweise im Kanton bedeutsamen Einnahmenquelle ziehen. •Zürich durch den A. C. S. für eine Reduktion der Erneuerungsgebühr für den Fahrausweis I. Die Kantone. •von Fr. 10.— der Fall war. Leider aber er Vergleicht man die heutigen Ansätze der Motorfahrzeugsteuern mit denjenigen vor 10 Jahren, so zeigt sich das interessante Bild, •dass, trotzdem der Motorfahrzeugbestand sich seit 1921 fast versechsfacht, die Steueransätze nicht zurückgegangen, sondern in den meisten Kantonen ganz wesentlich erhöht worden sind. So kam es, dass die Er- •trägnisse aus den Motorfahrzeugsteuern nicht nur, wie der Motorfahrzeugbestand, um •das Sechsfache zugenommen haben, sondern sie haben sich seit 1920 mehr als verzwolffacht, wie nachstehende Zusammenstellung •zeigt. Es betrugen die Bruttoeinnahmen der 25 Kantone aus Motorfahrzeugsteuern, Ab- •gaben und Gebühren : Und schliesslich sind unter den Einnahmen der Kantone aus. dem Motorfahrzeugverkehr noch die Erträgnisse an Polizeibussen zu nennen, die, wenn sie auch in einzelnen Kan- Der Tribut der Motorfahrzeugbesitzer tonen auf ein akzeptables Mass zurückgeführt 'sammen. Diese letzteren umfassen die Ge-wordebühren für Ausstellung und Erneuerung der respektablen Betrag abwerfen. Leider fehlen sind, doch noch Jahr für Jahr einen Fahrausweise (nationale und internationale), hiefür zuverlässige statistische Angaben. •Abgabe der Polizeinummern, Abnahme der So ergibt-sich für die Kantone nachstehendes Total von Einnahmen aus dem Motor- •Fahrzeuge, Ablegung der Fahrprüfung etc. fahrzeugverkehr : Total 1919 Fr. 890 430.— 1927 » 17 115 610.— 1928 »20 028 969.— 1929 » 23 484 907.— 1930 » 25 784 663.— Dabei ist zu berücksichtigen, dass in den Zahlen bis und mit 1928 die Einnahmen aus den sog. Alpenstrassentaxen mit inbegriffen sind, welche dann eben zufolge Abgabe von , einen ungarischen Aderigen von heissblü tigern Temperament. Zwischen den beiden entspinnt sich ein Gespräch, aus dem es sich ergibt, dass der Erzähler in Ungarn als Verwalter eines Gutes leben will. Der Herr «Vizegespan> führt von der Bahn weg im eigenen Wagen seinen Bekannten dem neuen Wirkungskreise zu. Zahllose Herden Vieh, unabsehbare Scharen von Gänsen stoben vor dem dahinjagenden Fahrzeug auseinander. Nicht endenwollende, verstaubte Akazienalleen im stumpfen Graugrün säumten die breite Landstrasse von Dorf zu Dorf. Ueberall sauber getünchte Häuschen, eines wie das andere im Aussehen, Jedes für sich allein stehend, mit einer Bretterplanke oder einem groben Flechtzaun vom Nachbar getrennt, unter den überhängenden, strohgedeckten Dachfirsten in traubenförmigen Büscheln die goldgelben Kukuruzkolben der vorjährigen Ernte und fast aus jedem offenen Hoftor stürzten mit wütendem Bellen grobzottige Hunde auf den dahinjagenden Wagen los, um, bis sie sich heiser geheult, in der Staubfahne des Fuhrwerkes zu verschwinden. •folglos ! Dass die Höhe der Einnahmen der Kantone aus diesen Motorfahrzeugsteuern und Gebühren von Kanton zu Kanton erheblich variiert, •liegt auf der Hand. In einer sehr glücklichen, •ja beneidenswerten Lage befinden sich die •Kantone Zürich mit Fr. 5 935 329.90 und Bern mit Fr. 4 030 270. Das automobilreiche Zürich vereinnahmte 1930 mehr als ein Fünftel der bezüglichen Erträgnisse aller Kantone. Auf die Kantone verteilen sich die 1930er Motorfahrzeugsteuerit und -gebühren nach Massgabe der Tabelle auf Seite 2. ' Mit diesen 25,8 Millionen Franken sind nun aber die Einnahmen der Kantone aus dem •Motorfahrzeugverkehr keineswegs erschöpft. •Seit dem WegfaH der Alpenstrassentaxen im •Jahre 1928 erhielten die Kantone als Ausgleich 25% an den Benzinzolleinnahmen des •Bundes. Stellten sich dieselben pro 1929 auf •Fr. 7927 401.—, so sind sie nun 1930 bereits auf Fr. 8 996 808.— angewachsen, haben somit innert Jahresfrist um mehr als eine Million Franken zugenommen. Dazu kommt als dritter Einnahmeposten der Kantone die Bundessubvention an gewisse Gebirgskantone für den Unterhalt der •Alpenstrassen von total Fr. 1 060 000, welcher in dieser Höhe seit dem 1. Januar 1925 an folgende Kantone zur Verteilung gelangt: Graubünden Fr. 400 000, Tessin Fr. 400000, Uri Fr. 160000 und Wallis Fr. 100 000. 1930 1929 Fr. Fr. Motorfahrzeugsteuern und -gebühren 25 784 663.— 23.484 907.— Anteil der Kantone aus dem Benzinzoll 8 996 808.— 7 927 401.— Bundessubvention für Alpenstrassen 1 060 000.— 1 060 000.— Bussen aus dem Motorfahrzeug verkehr 650 000.— 600 000.— Total 36 491471.— 33 072 308.— Somit ein Plus von rund 3K Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr. II. Der Bund. Die beiden: grossen Quellen, die dem Bund durch den Motorfahrzeugverkehr zur Verfügung stehen, sind seine Zolleinnahmen aus der Einfuhr von Benzin und Benzol einerseits und von Motorfahrzeugen und Zubehör anderseits. Spielten die Benzinzolleinnahmen im eidgenössischen Budget im Jähre 1920 nocH eine äusserst bescheidene Rolle, indem damals «nur» Fr. 117 554.— eingingen, so hat die Benzinzollerhöhung 1922 ein ^erstes Anschwellen gebracht, "dem dann '1924 noch ein zweites, läwirienhaftes Anwachsen folgte. Die nachstehende kurze Zusammenstellung bedarf wohl keines besondern Kommentars, sie spricht für sich genug : Total Zunahme gegenüber dem Vorjahr Der Reitstock meines Führers wies in die Ferne, wo sich im zitternden, glasigen Sonnendunst des Horizontes ein dunkler Waldstreif zeigte. «Der Zauberwald. Eigentlich weniger Wald, wie Buschholz, Riedgras, Schilfinseln und undurchdringliches Niederholz. Dort stehen die guten Hirsche, von denen Sie träumen. Was wir von hier sehen, gehört meinem Freunde Pista. Was daran anschliesst, ist Ihr Eigentum.» Der Wagen bog auf einen holprigen Seitenweg ein, um nach einigen Minuten in einer Waldinsel von Akazienbäumen zu verschwinden. Zwischen den Stämmen tauchte ein einfach getünchtes, ebenerdiges Haus auf. Mit einem scharfen Ruck sassen die Pferde auf den Hacken. « Sie sind zu Hause, Herr Nachbar.» Er reichte mir mit offener, herzlicher Miene die Hand vom Wagen herunter. «Nochmals von Herzen willkommen, und ich hoffe, wir sehen uns bald und oft wieder. Kommen Sie zu mir, wie es Ihre Zeit erlaubt. Ich warte auf Sie: Fragen Sie nur nach dem Gyuri bäesi, und der Teufel soll mich reiten, wenn Sie nicht bald verstehen werden, was es heisst: extra Hungariam non est vita.» Einige ungarische Worte, und der Wagen stob davon. — Ich war allein. 2. Fast eine Woche war verstrichen. Ich machte die ehrlichsten und verzweifeltsten Anstrengungen, um mich so rasch wie möglich in meiner neuen Hinterwäldlertätigkeit einzuleben. Mit den wenigen slawischen Brocken, die ich beherrschte, machte ich mich mit den slowakischen Gutsknechten vertraut, lernte Hafer vom Kukuruz unterscheiden, die Dreschmaschine von der Milchzentrifuge und die Rübenschnitzel vom Kunstdünger. Am sichersten fühlte ich mich noch in den Stallungen, denn wenigstens in der Unterscheidung zwischen den Pferden und dem Hornyieh fühlte ich mich sicher. Am ersten Tag stand ich, wie es sich für einen Landwirt gebührt, um vier Uhr morgens auf, da ich zu meiner unangenehmen Ueberraschung gehört hatte, dass dies die tägliche Morgenstunde des verstorbenen Verwalters gewesen war. Sommer und Winter. Diese frühe Stunde war mir eigentlich nichts Neues, denn um diese Zeit ging ich in meiner Grossstadteinteilung gewöhnlich zu Bett. Am nächsten Tag gab ich bereits eine kleine halbe Stunde zu, und so war ich am Ende der ersten Woche bereits bei der sechsten Morgenstunde angelangt Als Wohnraum diente mir das mehr wie einfache Zimmer meines Vorgängers. Ein schmuckloser Raum, mit den notwendigsten Möheln ausgestattet, ein Schrank, eine unförmige Kommode im Küchenstil, in der Ecke beim Fenster die schmale, 'gestrichene Bettstatt, in der der alte Kohlmeier seine schwarze Anarchistenseele ausgehaucht hatte. Die einzige Zierde einige billige Oel drucke, und neben der Eingangstür ein Pfeifenbrett, auf welchem noch wohlgeordnet in Reih' und Glied die Pfeifen mit ihren weissen Gipsköpfen standen. Einige 1920 Fr. 117554^- 1928 » 26 017 061.— 5 255 057.— 1929 » 32 204 71Z— 6187 651.— 1930 » 34 987 233.— 2 782 521.— Wenn auch die Zunahme pro 1930 ganz erheblich hinter derjenigen des Vorjahres zurückgeblieben ist — ein Resultat, das auf die weniger starke Zunahme der Motorisierung des Verkehrs und auch auf die anfangs 1930 ziemlich hohen Benzinpreise zurückzuführen ist — so lässt das Zollerträgnis von rund 35 Millionen Franken doch deutlich ersehen, dass es sich hier nicht mehr um einen eigentlichen Zoll handelt — eine eigene Industrie gilt es ja nicht zu schützen — sondern vielmehr um eine ausgesprochene fiskalische Massnahme, resp. Abgabe, die seinerzeit willkürlich und verfassungswidrig einzig allein festgesetzt worden ist, um den Finanzhaushalt des Bundes ins G(eichgewicht zu bringen und, dies war wohl der. deutliche Mitzweck — die Konkurrenzkraft des Automobils gegenüber den Eisenbahnen" zu reduzieren. Nun ist allerdings 'zuzügeben, dass dem Bunde heute diese 35 Millionen Franken nicht mehr restlos zufHessen. Von ihnen kommen einmal in Abzug der 25prozentige Anteil der Kantone von Fr. 8 996 808 und eigentlich auch die Alpenstrassensubvention von Fr. 1060 000, so dass effektiv für die Bundeskasse Fr. 24 930 425 verbleiben. Zu diesen 25 Benzinmillionen des Bundes gesellen sich noch die Erträgnisse aus den Zöllen von Motorfahrzeugen und Zubehör, die sich pro 1930 wie folgt stellten: Mo'orräder Fr. 1114 301 Automobile und Lastwagen » 19 059 626 Karosserien » 103 509 Elektrokarren » 7 371 Traktoren » 201908 Schläuche aus Gummi (Pneus) » 771521- Total Fr. 21 258 236 Wenn somit gegenüber 1929 (22 760870 Franken) ein Rückgang von rund 1 500 000 Franken zu verzeichnen ist, so ist dies auf das geringere Einfuhrkontingent bei Personenautos und Motorrädern zurückzuführen. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Einnahmen des Bundes aus dem Motorfährzeügverkehr pro 1930 wie folgt stellen: Erträgnis der Zolleinnahmen aus dem Benzinzoll, unter Abzug des Anteils der Kantone und der Alpenstrassensubvention Fr. 24 930 425.—» Erträgnis der Zolleinnahmen aus den Zöllen auf Motorfahrzeugen und Zubehör Fr. 21 258 236.— Total Fr. 46 188 661.— Wenn so gegenüber dem Vorjähr mit FT. 44 733 074 wieder ein bemerkenswertes Plus an Einnahmen verbucht werden kann, so zeigen diese Zahlen ebenso deutlich, welch ausserordentlichen Tribut die Motorfahrzeugbesitzer heute in Form von übersetzten Und verfassungsrechtlich eigentlich unhaltbaren Zöllen dem Finanzhaushalt des Bundes Jahr für Jahr zuführen. ITT. Bund und Kantone« Stellten sich die Gesamteinnahmen von Bund und Kantonen aus dem Motorfahrzeug- (Tabelle siehe Seite 2) krummbeinige Stühle, mit verschossenem Rips überzogen, eine einfache Waschgelegeriheit. Aber über allem schwebte die peinlichste Sauberkeit. Eine sämischlederne Klubgarnitur, bespannte Fussböden mit Perserauflagen und •einige gute, alte Meister an stoffbespannten Wänden wären mir lieber gewesen, aber es hat auch etwas für sich, ohne grössere Gewissensbisse auf den Fussböden spucken zu können. Einstweilen fühlte ich mich In meinem neuen Urwaldidyll ganz wohl, um so mehr, als ich meine Morgenstunde auf eine etwas mitteleuropäische Zeit verjegt hatte. Der Tag verlief mir in meiner Einsamkeit schneller, als ich dachte. Es fand siüi zu viel des neuen für mich. Fast ununterbrochen sass ich im Sattel und trabte über die Felder, ass ein karges Frühstück aus der Satteltasche, um erst des Abends, wenn ich heimkam, meine erste kräftige Mahlzeit zu nehmen. Beim Schein einer kleinen^ stinkenden Petroleumlampe studierte ich dann die Rechnungsbücher des -ilten Verwalters. Soweit ich es übersehen konnte, sah ich nur Erfreuliches. Ueberall musterhafte Ordnung. Auch meinen liebenswürdigen Reisegefährten hatte ich nicht vergessen, allein einesteils hielt mich die Arbeit zurück, andernteils wollte ich nicht zudringlich erscheinen und ihm sogleich mit der Tür ins Haus fallen. Ich sass in meiner einfachen Stube, in deren Dunkelheit die kleine Hängelampe einen verschwindend kleinen, gelben Licht-