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E_1931_Zeitung_Nr.096

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 24. November 1931 Nummer 20 Cts. 27, Jährgang. - N° 96 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PH EISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freltan Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich F*. 5.—, jahrlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portrausehtag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern «olern nicht postamtiich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Reehnung HI/414. Telephon BollwerU 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Voranschläge und Wirtschaftskrise Die Zeit der Voranschläge ist wieder gekommen. Jedes solide Unternehmen stell' sein Budget auf das kommende Jahr auf. Diesmal wohl vorsichtiger denn je. Wer weiss, was uns die nächste Zukunft bringen kann? Kopf hängen gilt allerdings nicht. Ganz besonders für einen Automobilisten, der an seinem Volant ruhigen Blickes und mit .starker Hand zu lenken hat. Kaltes Blut, reife Ueberlegung, Zielsicherheit, werden unsere Wirtschaft auch durch grösste Gefahrenmomente errettend führen. Vorsicht ist am Platze. Eine grosse Ungewissheit herrscht allüberall. Man hört heute sehr oft von Vertrauenskrise sprechen. Mag sein, dass ein gewisses Vertrauen ins übliche Geschäfts- und politische Leben fehlt. Gar merkwürdige Blüten treiben ja gegenwärtig ans Tageslicht. Unsere Wirtschaft krankt jedoch weniger am Vertrauen, am Fehlen irgendeines «Planes», als ganz einfach aber bestimmt ausgedrückt an einem viel zu hohen Unkostenkonto. Die Kapitalien sind investiert, die Maschinen sind da, die Betriebsmittel fehlen. Der Umsatz lässt sich vielleicht gewaltsam steigern, das eigentliche Reineinkommen bleibt stabil, weil die Unkosten sich nicht herabsetzen lassen. Direkte Steuern, indirekte Steuern, — worunter die Automobilsteuer ein ganz spezielles Kapitel bildet —, Abgaben aller Art, Versicherungen, starre Lohnansätze, führten in der ganzen Wirtschaft zu einer ausgeprägten Kapitalverknappung. Fesseln der Arbeitszeit, forcierte Vermechanisierung und Rationalisierung schufen die gewaltigen Arbeitslosenheere. Vorsichtiges Budgetieren ist demnach am Platze, sollte aber dennoch nicht zurückhaltend wirken. Mit retardierenden Aufträgen wird die Krise erst recht grossgezogen. Diesbezüglich ist der heute nun gedruckt vorliegende Voranschlag der Schweizerischen Bundesbahnen recht interessant und lehrreich. Man weiss, dass unsere S.B.B, mit starken Defizitposten im Lande umherfahren. Ihre Lage ist gewiss keine günstige F E U I L L E T O N Die vorletzte Liebe der schönen Frau Erzsebet. Roman von Oskar Sonnlechner. (6. Fortsetzung) Bisher erschienener Inhalt: Der Erzähler der Geschichte hat sich seit einigen Tagen auf einem ungarischen Landgut als Verwalter niedergelassen. Er ist als Landesfremder noch völlig Neuling in Ungarn. Sein erster, bedeutsamer Bekannter ist der «Herr Vizegespan», ein ungarischer Adeliger. Soeben befindet sich der Fremde bei ihm auf Visitp. Wieder klatschte die Reitpeitsche auf dem Tisch, dass die Gläser hüpften, und im selben Äugenblick erschien in der Türfüllung der Diener mit einem Korb Weinflaschen. Wieder schwieg mein Hausherr, bis der dienstbare Geist verschwunden war. Der Vizegespan klemmte das Monokel fester ins Auge» hielt eine Flasche nach der anderen gegen das Licht und prüfte mit gerunzelter Stirn die Etiketten. «Roten oder weissen? Ich denke vorsichtshalber alle beide. Aber selbstverständlich nur Ungarwein. Diesen da,» er drehte liebäugelnd eine dickbauchige Flasche hin und her, «diesen da nehmen wir zum Schluss vor. Ungarblut nennen wir ihn. Magyar ver. Da wirst äu zeigen, mein Lieber,» wandte er sich an mich, «was du kannst. Ob du ein trinkfester, ganzer Kerl bist. Na, na, beteuere nichts, Schwab, hinterher wollen wir darüber reden, venn du dann überhaupt noch lallen kannst. — Er wächst an den sonnendurchgliihten längen der vörös hid — der roten Brücke, n den Zeiten der ersten Türkenkriege, so irzählt die Ueberlieferung, trieben die Osnanen dort Weiber und Kinder zusammen Auch wenn der Oktober 1931 noch zum Verwundern gut abschnitt. Der Voranschlag verzeichnet eine Gesamtaufwendung von rund 86 Millionen Franken. Es ist dies gewiss ein schöner Betrag. Es ist dem Verwaltungsrat hoch anzurechnen, das er «angesichts der bestehenden und sich eher noch verschärfenden allgemeinen Wirtschaftskrise» und trotz der eigenen ungünstigen Lage es nicht als angezeigt erachtet, « durch teilweise Einschränkung des Bauprogramms auch noch zur Verminderung der Arbeitsgelegenheiten beizutragen». Der Betriebsvoranschlag gilt als typisches Beispiel eines staatlichen Unternehmens zu werten. Währenddem für 1931 Betriebseinnahmen im Betrage von 404 Mill. Franken eingestellt wurden, so für 1932 nur noch 394 Mill. Franken. Die Verminderung beträgt somit rund 2,29 Prozent Die Verwaltung gibt selbst zu, dass bei den Schätzungen zu optimistisch gerechnet worden sei. Es gelte jetzt, im wesentlichen nichts zu unterlassen, um das Gleichgewicht im Finanzhaushalt der Tatsachen entsprechen, wenn die S. B. B. Bundesbahnen wiederherzustellen. Auf wel-einmache Weise? Hier die plastische Antwort: die Lage ist schlecht, die Krise kann sich Tundheraus erklären würden: «Seht, « Hiefür bedarf es sobald wie möglich auch verschärfen, unser Unkostenkonto ist enorm der Massnahmen zum Ausgleich der sich immer nachteiliger geltend machenden Ausitsft Ausgabeposten nicht rütteln und müssen überspannt, wir dürfen aber an unsern grösswirkungen der Automobilkonkurrenz, welche deshalb -auf ..einzelnen kleinen. Konti herumreiten! Das wäre klarer Wein eingeschenkt durch den ausserordentlich niedrigen Benzinpreis noch begünstigt wird.» Ist diese Stellungnahme, mit Verlaub zu sagen, nicht all- Sündenbock hinzustellen. Jeder und gescheiter, als Automobil und Benzin als Privatunter- zu abgedroschen? Das Automobil und der Benzinpreis, von dem der Bund doch in zunehmendem Masse profitiert, sind die altbekannten Siindenböcke! Wir betonen immer und immer wieder, dass eine solche Behauptung nichts anderes bezweckt, als Behörden und Volk irrezuführen. Die schlechte Wirtschaftslage der S.B.B, hängt in erster Linie von der herrschenden Weltwirtschaftskrise, von den veränderten Grenzverhältnissen, dann aber auch ganz ausdrücklich von den horrenden Unkostenposten ab Dies beweisen folgende Tatsachen: Die Betriebsausgaben werden für 1932 "und schlachteten sie ab. Seit diesem Tage trägt der blutgedüngte Boden Rebenblut, schwarz und dickflüssig wie das geronnene Blut der Gemordeten. Aber wie die Natur weise mit allem .kargt, damit der Mensch die Erkenntnis des Wertes nicht verliere, so 'auch hier. Denn nur einmal in einem Jahrzehnt tragen die Rebenstöcke der vörös hid. 'Wenn auch die umragenden Hänge Jahr für 'Jahr von Bündeln saftschwellender Reben Strotzen, die Stöcke der vörös hid stehen leer und verkümmert. Kommt aber ein Blutlahr, wie wir es nennen, dann gebären sie einen Trank, dem nichts im heiligen Ungarland gleichkommt. Nichts, weit und breit.» Er strich liebkosend über die dickbauchige Flasche. «Nun achten Sie», wandte er sich wieder zu mir, «auf die Ueberlieferung, die sich an diesen Wein knüpft. Von Geschlecht zu Geschlecht geht bei uns der Glaube, dass er denen, die ihn in Freundschaft trinken, Feindschaft bringt. Einer meiner Vorfahren stritt mit einem Batthyäny um ein Weib, und er bot ihm den Wein der vörös hid, wenn er 'ihm das Weib überliesse. Und der schlug ein. 'Beim Hochzeitsmahl sahen sie sich wieder. 'Meinem, Ahnen und seinem jungen Weib sass sein Widersacher gegenüber, und in Goldkrügen wurde ihnen das schwarze Blut der vörös hid kredenzt, um auf das Wohl des jungen Paares zu trinken und den alten Groll zu enden. Feierlich erhoben sie sich. ,Dein Weib und mein Wein,' trank ihm der Batthyäny zu. Und als die leergetrunkenen Humpen auf der Tischplatte klirrten, riss mein Ahne die Streitaxt vom Gürtel, und mit dem Schrei: ,Mein Weib und mein Wein,' schmetterte er sie dem Batthyäny bis zum Kinn in den Schädel. Suum cuiaue.» auf 288,4 Millionen Fr. bemessen, betragen demnach etwas mehr als 70 Prozent der Einnahmen. Von diesen Ausgaben beanspruchten die Personalkosten (Besoldungen, Tagund Stundenlöhne, Alters-, Kranken- und Unfallfürsorge) nicht weniger als 227,6 Millionen Fr., das heisst annähernd 80 Prozent. Beinahe zwei Drittel der Einnahmen werden von diesem Unkostenposten allein aufgefressen! Gegenüber 1930 vermehren sich die Personalkosten sogar um 4 Millionen, wobei noch ein ausserordentlicher Beitrag von 2,2 Millionen Fr. in die Pensions- und Hilfskasse hinzukommt. So liegen die Tatsachen. Und deshalb ist es auch gar nicht verwunderlich, wenn schlussendlich beim Voranschlag der Gewinn- und Verlustrechnung ein Defizit von 5,1 Millionen Franken herausschaut, wobei «mit einem vielleicht noch höheren Defizit-zu rechnen» sein dürfte. Es scheint uns deshalb nach wie vor, dass mit der Remedur im Eisenbahnhaushalt ganz anderswo als ausgerechnet bei der Automobilkonkurrenz anzufangen sei, deren Wirkung zudem noch aufgebauscht wird. Sei dem wie ihm wolle, so würde es wohl eher den nehmer muss auch mit Konkurrenz rechnen, ohne dass er Mittel zur Hand hätte, diese gesetzlich abzuwürgen. Wir wollen gerne annehmen, dass die Handels- und Gewerbefreiheit auch für das Automobilgewerbe Geltung besitze. fj Der T.C.S. zum Verkehrsgesetz. Der Vizegespan Hess mit einer Grimasse das Monokel fallen. ,«Das soll uns nicht abhalten, heute der Flasche den Hals zu brechen. Meinen Sie nicht auch? Der Aberglaube ist die Religion der alten Weiber und der Dummköpfe, und ich denke, wir sind keines von beiden. Darum, Herr Nachbar,» er zwinkerte vergnügt mit den Augen, «werden wir heute vom magyar ver trinken, ohne in Feindschaft zu sterben.» Er neigte sich zu mir, und mit leise klingendem Singen stiessen die Gläser zusammen. Immer aufgeräumter und gesprächiger wurde er, und alles, was sein Leben bewegte, zog an mir vorüber. Er wurde zum Staatsdienst erzogen und fünf volle Semester hörte er bei Kohle und Ravenius zu Bonn Staatswissenschaften. Daher vor allem seine überraschende Meisterung der deutschen Sprache, die er ohne jeden Akzent in einer Weise beherrschte, dass niemand in ihm den Nichtdeutschen vermutet hätte Geschweige denn einen Ungarn. Er hatte sich erhoben und trank mir sein volles Glas bis auf den letzten Tropfen zu. Mit einer unsicheren Handbewegung stellte er das geleerte Weinglas auf den Tisch und fuhr sich mit dem Handrücken links und rechts über den feuchten Mongoienschnurrbart. Je mehr er trank, um so gesprächiger wurde er, dabei als liebenswürdiger Hausherr nie aus der Rolle fallend. Allein, wenn ich ihn gewohnheitsgemäss «Herr Vizegespan » ansprach, wehrte er mit eigensinnigem Nachdruck ab und erbot sich schliesslich, mir beim nächsten Verstoss die erstbeste Flasche an den Dickschädel zu werfen. «Für dich bin ich der Gyuri bäesi.» INSEUTIOXS-PHE1S: Die achtgespalteno 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach Seitentarit. Inserntenscliluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Seine Eingabe an die Nationalratskommission. Anlässlich der Sitzung der nationalrätlichen Kommission zur Beratung des Verkehrsgesetzes in Genf, Hess der Verwaltungsrat des T. C. S. ein Memorandum überreichen, das zum Entwurf des Bundesgesetzes über den Motorfahrzeug- und Fahrradverekhr, wie es aus den Verhandlungen des Ständerates hervorgegangen ist, Stellung nimmt. Wir haben bereits in Nr. 94 die Eingabe in einigen Sätzen erwähnt und festgehalten, dass bereits die Fassung, die der Na-' tionalrat dem Entwurf gab, für den T. C. S. einen schwerlich annehmbaren Komprotniss darstellt. Vielmehr aber erwecken die fundamentalen Aenderungen, die der Ständerat am Entwurf vornahm, den Widerspruch der Hauptinteressenten an einem einheitlichen Verkehrsgesetz. Die Automobilisten und ihre Verbände erachten die Vorlage, versehen mit den ständerätüchen Aenderungen, als unannehmbar. Damit würde das Zustandekommen des längst ersehnten einheitlichen Verkehrsgesetzes, welches das veraltete und lückenhafte Konkordat zu ersetzen hätte, wiederum in Frage gestellt. Der Vorentwurf hat seinerzeit in vernünftigem Masse den gemässigten Wünschen der Automobilisten Rechnung getragen. Nun ist aber, so führt der Verwaltungsrat desT. C. S. aus, eine einseitige Gesetzgebung zum Schaden der Automobilisten entstanden, die erdrückende Lasten und Ungerechtigkeiten zu tragen hätten, wenn die ständerätliche Fassung des Entwurfes Gesetz würde. Die Haftpflicht der Automobilfahrer sei einseitig erhöht, die der übrigen Strasenbenützer aber herabgesetzt worden. Sperrung von Nichtdurchgangsstrassen. Alle nicht dem Durchgangsverkehr dienenden Strassen können nach Artikel '3, der vom Nationalrat angenommen wurde, ganz oder teilweise für Motorfahrzeuge verboten werden. Dauernde Beschränkungen würden aber der Genehmigung durch den Bundesrat unterstellt sein. Der Ständerat entzog diese Genehmigung aus föderalistischen Gründen der Landesregierung und trug damit ein neues chaotisches Moment in die einheitliche Gesetzgebung hinein. Der Bund muss unbedingt, so verlangt es die Eingabe des T. C. S., das Recht haben, hier nach einheitlichen Gesichtspunkten Ordnung zu schaffen. Dieses Recht lässt sich nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell begründen, da der Bund sich in vermehrtem Umfang an der Erstellung und am Unterhalt der Strassen Ueberhaupt pfeife er auf den Titel Vizegespan. Drei volle Tage habe er diese hohe Würde getragen, die er eigentlich nur aus Tradition übernahm, getreu dem politischen Vermächtnis seines gottseligen Herren Vaters: ein Szöky ist entweder Minister des Königs von Ungarn oder sein Rebell. Beides sei eigentlich ein und dasselbe, denn beide bezwecken, nur unter einem anderen Titel, das gleiche, nämlich dem König von Ungarn zu beweisen, dass er nichts zu reden habe. Und so habe er in einem Augenblick geistiger Befangenheit diese Würde übernommen. Aber! Nach drei Tagen habe er das Vaterland wieder sich selbst überlassen. Für ihn sei das nichts. Nicht wegen der Arbeit! Gott bewahre! Er sei von Haus aus fest entschlossen gewesen, sich seine Zeit nicht stehlen zu lassen. Aber diese Repräsentationskomödien und so weiter! Drei Tage habe er nichts anderes zutun gehabt, wie begeisterte Deputationen, Abordnungen, Gemeindeausschüsse, Ortsvorstände, tiefergebene Geistlichkeiten aller ungarischen Religionen und Religionssekten zu empfangen. So viel fleckige, altmodische Salonröcke und Fracks, wie in diesen drei Tagen, habe er in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Er sei mit allen sehr rasch fertig geworden. In der ersten Stunde seiner Amtstätigkeit, während in den Gängen des Komitatshauses sich die Deputationen triefend und dampfend von Vaterlandsliebe drängten, schob ihm sein Amtsvorgänger, der alte Graf Gebay, die Erwiderungsrede auf alle zu erwartenden Ansprachen in die Hand, mit dem Bemerken, so werde sie oeit dreihundert Jahren gehalten