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E_1931_Zeitung_Nr.094

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Weise. Oder aber die

Weise. Oder aber die Versuchungen kleiden sich in die unterhaltsamen Reize des «Parterre-Fliegens», dessen Repertoire uner w schöpflich ist und unter anderem «Hindernisnehmen », « Seespiegel-Kratzen », und «das in der Tschechoslowakei beliebte «Gänsejagen » umfasst. Ich will mich hier nicht näher über alle diese grossen und kleinen Teufeleien auslassen, zu denen uns der grosse Versucher während tagelangen Ueberlandfliigen immer und immer wieder verleiten möchte. Ob Automobil, Motorrad oder Flugzeug — im Grunde entspringen die Verlockungen immer denselben Motiven. Sie geben sich mit Vorliebe einen harmlosen Anschein und wenn wir sie neun mal von uns gewiesen haben, suchen sie uns mit unverschämter Ausdauer beim zehnten Male doch wieder- ein Ja zu entlocken Drum: dreimal Vorsicht, wenn der Versucher uns anspringt — unsere Vernunft mit gellendem Signal alarmieren und dann aus Leibeskräften Charakterbremse ziehen! Denn sie haben's in sich —die Ver- .suchungen am Steuer... Bunte Chronik Der Schmied von Gretna Green ist pleite. Aus Schottland kommt die betrübliche Kunde, dass der weltberühmte Schmied von Qretna Green seine Bude geschlossen und sich für bankrott erklärt hat. Gretna Green, ein Dorf in der schottischen Grafschaft Dumfries, war gewissermassen die letzte Residenz der selten gewordenen Liebesromantik. Hier fand so manche heimliche Liebschaft das ersehnte happy end, hier begann so manche Tragödie, die mit heisser Liebe und romantischer Entführung anfing. Der Hufschmied von Qretna Green hatte nämlich das Patent, ohne Aufgebot und Legitimationsprüfung Ehen schliessen zu dürfen. Nur vier Trauzeugen mussten vorhanden sein, damit die Ehezeremonie rechtskräftig vollzogen werde. Der Schmied fragte nach Namen und Herkunft der Heiratsaspiranten und sagte dann : « In Gegenwart und gemäss dem schottischen Gesetz erkläre ich euch für ehelich verbunden.» Ein Schlag mit dem Hammer auf den Amboss schloss die Trauung ab. Oft spielten sich hier aufregende Szenen ab, die nicht selten Wild-West- Charakter annahmen. In den letzten Jahren wurde Gretna Green ein wichiger Fremdenverkehrsort. Viel trug dazu der Snobismus der englischen Gesellschaft bei, der es zur Mode machte, von dem Hufschmied von Gretna Green getraut zu Noch halb hinter den Kulissen, äugt er mit pfiffigem Blinzeln in den vollen Saal. Die Leute scheinen ihm zu gefallen. Er wagt sich vor, schleppt, sich in seinen unwahrscheinlich weiten Hosen, die um die Beine schlottern, in seinem überlangen Kittel bis mitten auf die Bühne vor. Der grosse Koffer, den er mühsam mit der einen Hand neben sich herschleift, gähnt auf. Die berühmte kleine Geige erscheint. Liebevoll und kennerisch umfassen sie seine grossen Tatzen. Das Gesicht droht über dem schmunzelnden Lächeln, das sich nun verbreitert, ganz auseinanderzufallen. Das Kinn wird ellenlang, die Mundwinkel flüchten entsetzt auseinander, die weissen Zähne funkeln auf, in den Augen flimmert eine verborgene Schlauheit. Nun hat er einen wunderbaren Ruhesitz gefunden. Auf der Lehne des Stuhles sitzt es sich wie im Paradies. Er hat seine gute Laune und plaudert, was ihm durch den Kopf fährt. Sein Mäulchen verschweigt nichts. Er will vieles wissen, alles interessiert ihn. Aufmerksam hört er zu, was sein Freund Max angeregt heraussprudelt. Er blickt ihn aufmerksam an, nickt, nickt, scheint sehr zufrieden zu sein mit dem Gehörten, doch da durchzuckt ihn plötzlich ein Gedanke. Er zieht sein Gesicht fragend in die Länge: Was hat der da eigentlich gesagt? Die Blicke wandern langsam zur Decke empor; dort bleiben sie versonnen ruhen, und leise, wie gehaucht, klagt er: «Waruuum?» Seiner bäuerischen Schlauheit entgeht nichts. Die Reaktionszeit dauert lang, aber die Antwort auf jede Regung der Umwelt kommt. Er setzt der verderblichen Welt seine ganze Ungebrochenheit entgegen. Wenn musiziert wird, und ihn der Teufel sticht* es Hesse sich jetzt im Grunde genommen besser tanzen, dann stört er den Ablauf der Konvention durch seinen Impuls. Er schmatzt breit und beginnt zu hüpfen. Enttäuscht und beleidigt werden.' Wer etwas auf sich hielt, und viel Geld hatte, fuhr nach Gretna Green und machte in Romantik. »Man wollte in den Standesamtsakten neben den vielen berühmten Namen der englischen Aristokratie eingetragen sein. Dieser Umstand lenkte grosse Kapitalien in das kleine schottische Dörfchen, bis die Weltkrise mit ihrer Umwertung aller Werte auch das englische Pfund in den Bereich der Verheerung hereinzog. Mister Richard Rennison, der letztee^Hof« schmied, hat die Steuervorschreibung, die AUTOMOBIL-REVUL 1931 — 94 Grock kehrt er der Welt den Rücken, die ihm das verbietet. Seine Triebregungen kann er nicht unterdrücken. Es wird ihm schwindlig vor Begeisterung, als er vor dem Klavier sitzt und urplötzlich daran erinnert wird, dass das Abrutschen über den geöffneten Flügel wunderbar schön sein müsste. Die nackten haarigen Arme schlottern erbarmungsvoll aus den zu kurzen Aermeln, die Knochen stecken in viel zu engen Hosen, aber dennoch kommt er seinen gesellschaftlichen Pflichten nach; er trägt Manschetten und rückt ängstlich seinen unwahrscheinlichen Frack zurecht. Mit grossen Schritten tappt er durch die Welt. Seine Schlauheit weiss aus allen Dingen einen Gewinn für sich herauszuholen. Mit Wonne bläst er plötzlich mitten in einem sentimentalen, schönen Konzert den gleichen Ton unendlich lange weiter. Es macht ihm Freude. Warum soll er sich die Freude nicht gönnen? Man lebt nur einmal. Er sieht, wie sein Partner ekstatisch Geige spielt. Mit seiner kleinen Handorgel will er nun die gleichen Schwünge produzieren. Es gelingt. Allgemeine Begeisterung. Doch wie er vergeblich auf Wiederholung der Passage wartet, die ihm dieses Extravergnügen bereitete, bricht er in lautes Schelten aus, und sein Fuss pfeift bedenklich nahe am Hinterteil seines Spielverderbers vorüber. Klagen, Jammern! Doch wie der andere begütigend sich zu ihm neigt, ändert sich die Gemütsstimmung bedenklich rasch; er will sich in seinem Schmerze nicht bedauern lassen. Er ist von edlem Stolz erfüllt. Ständig ist die Umwelt voller Gelegenheiten für ihn, sich auszuleben. Der Mund verzieht sich in unendliche Breiten, wenn er sein neues Glück gefunden hat. Die Zähne strahlen grinsend unter den unförmlichen Lipperf hervor; ein dumpfer Ton der Begeisterung dringt aus ihm; er liebt die schöne, böse Welt, die er erproben darf. bo. angesichts seiner frühem Einkünfte ausserordentlich hoch bemessen war, nicht bezahlen können und so hat der letzte Hort europäischer Liebesromantik sein trauriges Ende gefunden. Alle Romantik, alles Gefühl geht futsch ! Bald ist es nicht mehr gemütlich ! Sportsirauen, die auf « grossem Fuss leben ». Wie Pariser Zeitungen berichten, haben die massgebenden Schuhmacher zu ihrem Entsetzen festgestellt, dass die Pariserinnen in den letzten Jahren erschreckend grosse Füsse bekommen haben. Man führt dies auf die sportliche Betätigung der Frauen zurück und ist der Ansicht, dass vor allem der Tenndsport und der Automobilsport schuld an dieser Entwicklung trügen. Besonders die Frauen, die ihr Auto selbst steuern, müssen damit rechnen, dass ihre Füsse die schmale graziöse Form verlieren, denn sie müssen ja mit dem Fuss die Bremse bedienen, und dadurch soll selbst der graziöseste (Frauenfuss sich im Laufe der Zeit unvorteilhaft entwickeln. Noch schärfer hat sich diese Entwicklung in England ausgeprägt. Allerdings muss man bedenken, dass die Engländerinnen niemals als besonders graziös angesprochen werden konnten. Sicherem Vernehmen nach sollen die grossen Pariser Schuhmacher beabsichtigen, eine allgemeine Kundgebung gegen den übertriebenen Frauensport zu erlassen, damit die Französin nicht ihre sprichwörtliche Grazie verliere. Die grossen Schuhkünstler erklären, dass es ihnen unmöglich sei, Kunstwerke für Füsse zu schaffen, die nicht der gewohnten Norm der Aesthetik entsprechen. Das Mädchen mit dem Tierfell. In der Wiener Gesellschaft für Kinderheilkunde stellte dieser Tage ein Arzt seinen Kollegen einen ganz besonders krassen Fall eines Muttermales vor. Ein 6jähriges Mädchen, das, von vorn gesehen, ganz normal ist, trägt im Rücken das Fell eines Tieres. Hals, Nacken, Schultern und Rücken sind mit einem dichten Pelz schwarzer Haare bedeckt, der bis zu den Hüften herunterreich^ Niemand, der das Kind nur von hinten sieh würde auf den Gedanken kommen, dass e ein menschliches Wesen vor sich hat. Nac Ansicht der Aerzte ist es auch ganz ausge schlössen, das Kind auf operativem Weg von dieser Verunstaltung zu befreien. Di Bedauernswerte wird nur versuchen könne! durch möglichst geschickte Kleidung und Fr sur den Schaden einigermassen zu verbei gen. Die Wissenschaft bezeichnet solche Fall von Abnormität , als « Tierfellnävus; Nävus heisst Muttermal. In diesem Fall h< die Natur aber sehr stiefmütterlich gehat delt, als sie gerade ein weibliches Wesen m einem solch ausgefallenen Muttermal versa! Wahre Geschichte! In einem Berliner Filmatelier ist folgende Plakat angeschlagen: «Das Betreten dt Damengarderoben ist den Herren strengsten verboten ! — Der Frisör gilt nach Paragrap 10 der Hausordnung als Frau ! » Die neue Zeit das moderne handgehämmerte Besteck In echt Silber 0.800 und schwerster 100er Versilberung erhältlich. SILBER- WARENFABRIK SCHAFFHATJSEN DEPOSITENKASSEN GEGRÜNDET 1755 HEIMPLATZ • LEONHARDSPLATZ AKTIENGESELLSCHAFT ZÜRICH BAHN HOFSTRASSE 32 besitzen. 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Neben der Lebensweise spielt natürlich die Ernährungsweise eine grosse Rolle. Z.B. ist der Kaffee wegen seines Coffeingehaltsfür viele Menschen Jede Bohne Qualität Jeder Tropfen ein Genuss Herz u. Nerven schonend Das ist KAFFEE HAG gar nicht so harmlos,wie sie vielleicht glauben. Sicher unschädlich für Herz, Nerven und Nieren, ohne jede Beeinträchtigung des tiefen, kräftespendenden Schlafes ist unter Garantie der coffeinfreie Kaffee — der Kaffee Hag. Dieser herrliche, echte Kaffee verschafft Ihnen alle Kaffeefreuden, die Sie suchen, alle Anregung, die Sie wünschen, jedoch in absolutgesunder Form. Machen Sie die Probe am Abend, Sie werden ausgezeichnet schlafen undam Morgen springlebendig sein. U I1IPIIU^e immergleiche KIL U M Schuhcreme Hochglanz-Dauerhaftigkeit-Ledererhaltend Gegenwärtig zu besonders günstigen Bedingungen. Telephonieren Sie heute noch 24.864, unser Spezialist nennt Ihnen unverbindlich die Umbaukosten. Ußrirh

N° - 1931 AUTuMUbiL-REVUE 15 Die Mode von heute: Der Platz am Fenster Lob der Beschaulichkeit. Von Corinna. Tn einem Tagebuch meiner Grossmutter, das ich beim Räumen unter alten Zeitschriften und Schulheften im Estrich aufstöberte, befindet sich nachstehende Eintragung : «25. Oktober 18... Heute packten wir die Wpsche und die Kleider zusammen, weil wir morgen in die Stadt zurückfahren. Wie freue ich mich, dieses langweilige Sommerhaas zu verlassen. Ich kann es kaum erwarten, dass wir von neuem in unserer Winterbewohnung sind und sehne mich danach, meinen guten Stuhl im Erker wieder einzunehmen, von wo aus sich so schön der Marktplatz und das halbe Städtchen übersehen lassen. — Ich muss noch die zwei Kreuzstichkissen fertigmachen, damit Mutter und Klara auch ihre Fensterplätze beziehen können. Die Polster sind den Sommer über erneuert worden.» Und am 29. Oktober desselben Jahres fährt die damals Siebzehnjährige fort : «Heute sass ich den ganzen Nachmittag im Erker. Ich habe nicht viel gestickt, weil auf der Strasse unten immer etwas los war, das ich mir betrachten musste. Mutter und Klara sassen im Esszimmer; ich kann sie von meinem Platz aus sehen. Am Abend erzählten wir uns, wen und was wir gesehen hatten. Vater sagt immer, seine Damen seien in der Proszeniumsloge, wenn jemand nach uns fragt.» So beschaulich verlief damals das Leben vieler Frauen. Sie lasen keine Zeitungen und hörten kein Radio; sie rannten weder ins Kolleg noch ins Kino, sondern sie sassen mit einer Handarbeit am Fenster und Hessen den täglichen Kleinstadtfilm vor ihren Augen abrollen. Ihr Interesse galt der nächstliegenden Aussenwelt; ihre Blicke verfolgten mehr oder weniger wohlwollend und mehr oder weniger neidisch die Freundin und Nachbarin. Sie registrierten Freud und Leid aller Bekannten; sie wussten um Kleidung und Nahrung der andern, da Näh- und Backtage der Nachbarschaft vom Fenster aus ersichtlich waren. Sie kannten die Gewohnheiten und Absonderlichkeiten sämtlicher Einwohner des Städtchens, denn was sie von ihrem Logenplatz aus nicht persönlich verfolgen konnten, das erzählte ihnen eine gute Freundin, deren Beobachtungsposten in diesem speziellen Falle günstiger gelegen war. Von den « andern » wusste man in jener Zeit sehr viel; sich selbst kannte man dafür umso weniger. Jene Frauen kannten damals weder Hemmungen noch Minderwertigkeitsgefühle; sie waren weder mit Komplexen noch mit Psychosen beschwert, ja, sie hatten nicht einmal «Nerven ». Sie verliebten sich von ihrem Fensterplatz aus, heirateten, schenkten einem halben Dutzend und mehr Kindern das Leben, waren gesund und zufrieden und erreich- /^EJ ten ein hohes Alter. — Heute aber haben die Frauen keinen Fensterplatz mehr: ihre Blicke sind nach innen gewendet. Sie wollen ungestört sein und sie ziehen'die Vorhänge zu, um nichts vom Leben und Treiben ihrer Mitmenschen auf der Strasse und in den benachbarten Häusern sehen zu müssen. Sie lesen viele Zeitungen und viele Bücher... und sie schreiben selbst. Und zum Schluss lassen sie sich psvchoanalysieren... Deshalb bin ich für den Platz am Fenster. Bebrillte Augen Ehemals waren bebrillte Augen ein radikales Abschreckungsmittel. Spitznäsige Ballmütter, alte Jungfern, Schullehrer, Gouvernanten trugen Zwicker, Brillen, Lorgnons, und wie widerlich wären sie uns alle gewesen, wenn sie nicht so lächerlich ausgeschaut hätten. Mit einer Brille verzichtete eine Frau öffentlich, ein weibliches Wesen zu sein; die Brille war ein Schandfleck und ebenso unmöglich in der Gesellschaft wie ein Holzfuss. Nun kamen die Frauen, die zunächst aus Lust zum Widerspruch und aus Emanzipation des weiblichen Geschlechts zur Hochschule liefen, um dort auf den Schulbänken zu sitzen, bis sie das Glück oder Pech hatten, weggeheiratet zu werden. Für viele war die Brille sozusagen der einzige Schutz, die Dummheit zu bemänteln (natürlich gab es auch viele, die wirklich schlechte Augen hatten), andere trugen die Hornbrille aus Neugier, Mode, Laune, Eitelkeit. Kurz: es geschah, dass die Brille urplötzlich ein Signal für den «Geist» war. Vom Wissen nie berührte, unbefrachtete Menschen und speziell erwachsene Mädchen trugen nun die Brille, um einen gewissen Intelligenzgrad vorzuheucheln, genau ungefähr wie man die deutsche Sprache radebrecht, um ein ausländisches, exotisches Fludium auszustrahlen. Indessen handelte es sich bei der Hornbrille nicht mehr um das scheussliche und lächerliche Brillengestell aus dem Ausklang des letzten Jahrhunderts. — Auch auf dem Heiratsmarkt drang die Brillenmode siegreich durch. Neben der Miederlosigkeit, der kurzen Kleidung, der kurzen Haartracht, war sie ein unentbehdicher Faktor. Eine grosse Menge Frauen trug auch hier Brillen, niemand wollte mehr gute Augen haben, und alle taten so ungeschickt, wie der Elefant im Pörzellangeschäft: mit der geschicktesten Ungeschicklichkeit verwechselte man Menschen auf der Strasse, grflsste wildfremde Herren aus Versehen und gute Bekannte und Freunde nicht, und dies alles, weil man keine Brille trug. So geriet die Hornbrille en vogue. Heute ist diese Mode bereits wieder im Ausklingen. Indessen scheint man sich für das Einglas leidenschaftlich zu begeistern. Man hat schon über viel Menschen mit dem Einglas gelacht, und die Witzblätter haben auch viele Karikaturen veröffentlicht. Menschen mit Monokels wurden zur Zielscheibe des Spotts. Sie waren Grenzfälle in der menschlichen Gesellschaft. Es handelt sich eigentlich beim Einglas um ein Requisit aus der wilhelminischen Aera, als man bei einem schnoddrigen Jargon das Einglas fallen Hess, um es bei einem Intermezzo wieder spöttelnd ins Auge zu klemmen. Heute gibt es repräsentative Grossen, die das Einglas tragen. Bekannt ist Chamberlain als Einglasträger. Aber wie die grossen Fische nie allein ziehen, sondern immer noch kleine hinter sich herziehen, so ziehen auch repräsentative Grossen ein Geschmeiss von Snobs hinter sich her, allerlei Gecken und Fatzkes, die mit dem Einglas kokettieren. Auch Damen in den Bars kokettieren höchst eingebildet mit dem Einglas. Fest steht zwar, dass das Einglas sympathischer als die Lorgnette wirkt, mit der die Damen zuweilen im Hotelspeisesaal oder auf der Promenade die Menschen benörgeln und betrachten, mit einer solch zudringlichen und dummen Arroganz, die billig ist wie schlechtes Parfüm. C. B. „Mrs. Etcetera/' Die Stadt Reno im amerikanischen Staat Nevada ist* bekanntlich das Paradies der Scheidungslustigen. Die schwierigsten Scheidungisfälle werden dort, dank der geltenden weitherzigen Vorschriften, rasch und billig erledigt Seit einigen Jahren gehört Frau Carolyn Willis zu den Stammgästen dieser Scheidungszentrale. Di« jetzt 64 Jahre alte Dame hat einen selbst für die Vereinigten Staaten noch nie dagewesenen Rekord aufgestellt: sie heiratete dieser Tage zum elftenmal. Frau Carolyn, Besitzerin einer grossen Baumwollplantage im Staate Louisiana, heiratete im Jahre 1886 zum erstenmal, und zwar den Plantagenbesitzer Orville Mac Donald. Nach dreijähriger Ehe starb er Ein haibös Jahr später wurde sein Nachfolger der Börsenmakler Theodor Waters. Auch diese Ehe war nicht von langer Dauer, denn Frau Carolyn liess sich scheiden. Seither hat sie noch neunmal geheiratet. Im ganzen starben ihr drei Gatten und von sieben liess sie sich scheiden. Ihre Visitenkarte lautet: «Carolyn Willis-MacDonald-Waters- Brown - Burgess -Chevalier-Gardener-White- Luigi-Hatfield». Da ihre Bekannten nie wissen, wie sie momentan heisst, ob sie momentan verheiratet oder geschieden ist, ergeben sich im gesellschaftlichen Verkehr mit ihr sehr schwierige und groteske Situationen. Wer sie längere Zeit nicht gesehen hat, traut sich weder sie mit ihrem letztbekannten Namen anzusprechen noch nach dem Befinden ihres Gatten zu fragen. Mrs. Garolyn scheint jedenfalls auf ihren Rekord stolz zu sein, wie ihre Visitenkarte beweist. Sie hat deshalb in der Gesellschaft den Spitznamen «Mrs. Etcetera» erhalten. Die grosse Männerverbrancherin hat sechs erwachsene Kinder, die jedes von einem andern Gatten stammen und demzufolge auch jedes einen andern Familiennamen haben. Bei Protzens. « Sie haben Paris besucht ? Waren Sie denn auch im Louvre ? » «Das haben wir nicht nötig, Frau Meier. Unsere Tochter malt selber ! » Grünes Abendkleid aus Cr&pe de Chine mit Volants in Verbindung mit dem Rückenausschnitt. (Photo Winterfeld, Berlin.) Tourismus Ideale Touren Ein Dichter reist Im Automobil. E. W. Der üble Sommer 1931 hat eine schlechte Presse. Mit Recht Er hat den Naturfreund radikal betrogen. Die paar schönen September-, Oktober- und November- Wochen verbessern seinen Nachruhm nicht: Sie kommen auf das Konto des Herbstes, nach der richtigen Feststellung: Ehre, wem Ehre gebühret! Die kurzen Tage,. Regen, Nebel, Kälte und lange Abende bannen uns wieder stärker ins Haus, und man greift in die Bücherreihen, die monatelang verlassen standen. Ein glücklicher Griff hat uns eine Entdeckung beschert, die auch anderen nicht vorenthalten sei. Gerne geben wir sie weiter. Jeder Freund der Landschaft, jeder Geniesser stimmungsvoller Naturgefühls weiss heute, dass der höchste Genuss, den das Auto bietet, im Anhalten, Schauen und Verweilen besteht. Diese Behauptung klingt nur schein- //öftere Ha Zürich'Neu-Seidenhof'UraniasttrGerbiirn* BISGUITS UND WAFFELN zu Fabrikpreisen! 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