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E_1931_Zeitung_Nr.098

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10 AUTOMOBIL-REVUE A -

10 AUTOMOBIL-REVUE A - N« 98 wenn ihre Geleise erneuert werden müssten, sondern man geht an solche Umbauten zum Trolleybusbetrieb auch dann schon über, wenn sich erst Mindereinnahmen zeigen; wenn man vom Trolleybus eine Verkehrsund damit Rentabilitätssteigerung erhofft und errechnet. Diese Rentabilitätssteigerung bringt der Trolleybus nun nicht nur Dampfoder elektrischen Nebenbahnlinien gegenüber, sondern auch gegen Kraftomnibuslinien. Wir wollen da an ein paar präzisen Fällen untersuchen. a) Umwandlung einer städtischen Strassenbahn in Trolleybuslinien. Birmingham hatte im und nach dem Kriege die Geleiseanlage seiner Strassenbahn derart abgenützt, dass die Kosten einer Geieiseerneuerung die Stillegung einer ganzen Anzahl von Vorortsstrecken zur Folge gehabt hätte. Ein Umbau in den Trolleybusbetrieb ergab eine Ersparnis von einer Million Mark und einen jährlichen Gewinn von 130 000 Mark. Der Verkehr überstieg den der früheren Strassen sofort und dauernd. Die Betriebskosten betrugen nach genauen Ermittlungen pro Wagenkilometer: bei der Strassenbahn 76,8, beim Kraftomnibus 76,9 und beim Trolleybus nur 65,7 Pfennig. In ganz England rechnet man heute, dass der Trolleybusbetrieb nur 86 Prozent der Kosten des Strassenbahnbetriebes verursacht. Von 1922 bis 1928 hat in England die Trolleybuslinienlänge um 136 Prozent zugenommen. Aber die Verkehrssteigerung (Fahrgastzahl) in dieser Zeit betrug 720 Prozent. Die letzten Jahre haben diesen Aufschwung noch gesteigert. b) Umwandlung einer Kraftomnibuslinie in eine Trolleybuslinie. Deutschland ist das Vaterland des Trolleybusses. Siemens und Halske in Berlin waren die ersten, welche in Deutschland (und auch überhaupt in der Welt) einen Trolleybus (schon 1882) betrieben haben. Der deutsche Ingenieur Max Schiemann wurde der Pionier des Trolleybusses. Im Kriege kamen fast alle deutschen Trolleybuslinien zum Erliegen und der Kraftomnibus trat nach dem Kriege seinen Siegeszug an. Da entstand im Jahre 1930 zwischen Gruiten und Mettman (zwischen Düsseldorf und Elberfeld gelegen) eine neue, moderne Trolleybuslinie, 5,7 km lang. Schon als Reststrecke einer wegen Unrentabilität stillgelegten, einst grösseren Kraftomnftmslmie hat sie nicht rentiert, Das Gelände ist noch schwach bevölkert. Das Gelände ist schwierig. Schwere Steigungen (unter 1:10); nur 50 m sind steigungslos. 32 Prozent der Strecke sind Kurven (bis zu 12 m Halbmesser herunter). Hier ist eine Trolleybus-Strecke entstanden, die beweist, was der Trolleybus zu leisten vermag. Hoffentlich ist das, was man in diesem « Mekka des Trolleybusses » (überlaufen von Besuchern aus ganz Europa) geleistet hat, ein Ansporn zur Nacheiferung. Heute rentiert Gruiten—Mettman, wird bald weiter ausgebaut werden (wäre es schon geworden, wenn nicht ein Brückenumbau die Sache verzögert hätte) und wird weitere Trolleybuslinien in Deutschland zur Folge haben. c) Umbau von Dampfbahnen in Trolleybuslinien. In Südfrankreich liefen bis vor ein paar Jahren verschiedene Nebenbahnen. Sie waren auch danach! Uebelste Geleise, Halbruinen von Wagen, kein Verkehr! Eine Erneuerung kam gar nicht in Frage! Die Kosten standen in gar keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Einnahmen. Da riss man die Geleise ab, legte den Verkehr auf die Strasse und ging zum Trolleybus über. Der erste derartige Umbau war ein voller Erfolg. Man hatte gar nie geahnt, wie der Trolleybus den Verkehr in Richtung los vom Benzin und hin zur Elektrizität, dem einheimischen, unabhängig machenden Betriebsmittel moderner Verkehrsanlagen. Pariser Nutzfahrzeug-Salon. Am letzten Samstag wurde im Grand Palais an den Champs Elysees der diesjährige Pariser Nutzfahrzeug-Salon eröffnet. Die Ausstellung ist reich beschickt und dauert bis zum 6. Dezember. Die Konstruktion der Schwerfahrzeuge zeigt eine immer deutlichere Annäherung an diejenige der Personenautomobile. Während man früher im Lastwagenbau Robustheit vielfach mit massigem, wenn nicht gar schwerfälligem Aufbau markieren zu müssen glaubte, sind jetzt in der Mehrzahl der Fälle die verfeinerten, bis ins kleinste Detail durchgerechneten Konstruktionselemente des Tourenwagens zur Einführung gelangt. An Stelle der schweren Chassisrahmen aus gewalzten Profileisen sind leichte, gepresste Stahlblechrahmen getreten. Man hat erkannt, dass die heben würde. Schon 1924 erfolgte ein wei-Wirtschaftlichkeiterer Umbau im Departement du Gard. Eine nicht nur eine FTage der absoluten Zuverläs- des Lastwagenbetriebes Dreieckstrecke von 56 km Länge, mit drei sigkeit, sondern auch in hohem Grade eine solche der bewegten Massen ist. Das Guss eisen und der Gussstahl haben in vielen Fällen dem gepressten Stahlblech und dem Leichtmetall Platz gemacht. An Stelle der früher fast ausschliesslich angewandten Vierzylindermotoren mit niedriger Betriebstourenzahl findet man schon oft verhältnismässig hochtourige, leichte Sechsund sogar Achtzylindermotoren. Bei den zum Aufbau von Omnibuskarosserien bestimmten Chassis bilden die Motoren mit mehr als vier Zylindern schon die Regel. Der stark gesteigerten Geschwindigkeit der Schwerfahrzeuge entsprechen Bremsen von erhöhter Wirksamkeit. Auch auf diesem Konstruktionsgebiet hat der Omnibus den Hauptfortschritt gebracht; Vierradbremsen fehlen bei ihm nur selten. Die Vierradbremse ver- rung und für ein Reisepublikum. Das ist möglichen Abfederung bei Omnibussen wur- schon durch den Kraftomnibus verwöhnt. Der Zug der Zeit geht zum schienenlosen Verkehr auf kleine und mittlere Entfernungen. Er geht aber in volkswirtschaftlicher Hinsicht sicher den bei den Schwerfahrzeugen auch fast überall die Luftreifen eingeführt. In starkem Aufkommen begriffen ist die Dreiachs-Bauart Ḋieselmotoren sind hauptsächlich bei den schwereren Lastwagen in starkem Zunehmen begriffen. Bei den französischen Erzeugnissen werden dabei meist Motoren deutscher Systeme, die in Lizenz gebaut werden, angewandt, at. Ein neuer Sicherheitspneu. Es gibt heute bereits eine ganze Anzahl zuverlässiger Sicherungen gegen Pneudefekte. Trotzdem bleiben die Erfindungen auf dem Gebiet der unver'etzbaren Luftreifen an der Tagesordnung. In Wien hat sich so z. B. kürzlich ein Erfinder den unten skizzierten Zweikammerpneu patentieren lassen, der auf den ersten Blick Schnitte durch den neuen Zweikatnmerreifen. Links- Der unverletzte Reifen. Rechts: Die linke Kammer des Reifens ist luftleer geworden. auch recht aussichtsreich erscheint. Ein Luftschlauch von der Grosse, wie sie bis jetit benützt wurde, ist durch eine Zwischenwand in zwei Längskammern geteilt. Jede Kammer wird durch ein eigenes Ventil mit dem gewöhnlichen Luftdruck aufgepumpt. Solange beide Kammern unter Druck stehen, besteht dann zwischen dem Verhalten eines Zweikammerpneus und eines normalen Pneus überhaupt kein Unterschied. Wird jedoch die eine .Kammer verletzt, so entweicht natürlich nur die in ihr selbst vorhandene Luft. Der Luftvorrat in der andern Kammer dagegen dehnt sich einfach aus, drückt die Zwischenwand in die in der Skiz- langt ihrerseits wieder den Einbau eines ze rechts sichtbare Form und trägt weiter. Servoapparates, es sei denn, dass die Rei-Debungsarbeit weitgehend vermieden wird, wie so pra'l sein wie vorher, immerhin aber Reifen wird dann allerdings nicht mehr es bei den hydraulischen Brems Systemen der sicher, verhindern, dass das Rad auf der Felge läuft. Beschädigungen des Mantels und Fall ist. .-• Mit Rücksicht auf die relativ hohen Fahrgeschwindigkeiten und im Interesse der bestnen also selbst beim ganz plötzlichen gefährliche Einflüsse auf die Lenkung schei- Un- Die Harke Dilz Lac Erfahrung im Akkumulatorenbau sind die Typ 80, 6 Zyl., Roadster, 2/4pl., Mod. 1928, schöner, eleganter Wagen, wie neu, zu Fr. 4800.— gegen bar aus Privaihand Offerten unter Chiffre 62S01 an die Auinmobil-Revue. Bern. 46 Jahre beste Garantie der Marke Export in alle Weltteile Generalvertriabund Service-Station für die Schweiz: Fratelli U. & Attilio Pianta, Chiasso Tel. 206 kleinen, 5 km langen Abzweigungen. Deren Ergebnis wird vom « Genie civile» wie folgt berichtet: Betriebskosten beim Trolleybus zwischen 0,18 und 0,30 Fr., gegen 0,46 Fr. beim Kraftomnibus. Der Umbau in die Trolleybuslinie kostete 35 000 Fr. per Kilometer. Die Jahfeseinnahmen betrugen 71 000 Fr. per Kilometer. Der Stromverbrauch wird mit 75 Wh.-tkm angegeben. Und aus seit langen Jahren dauernd nur mit Zubussen laufenden Dampfbahnen sind rentierende, von den Fahrgästen gern besuchte, saubere, schnelle Verkehrsmittel geworden. Worin liegt nun das Geheimnis des Trolleybusses als Ueberlandfahrzeug? Er ist eine kleine Verkehrseinheit, die oft eingesetzt werden kann, schnell, geräuschlos, sauber, gefahrlos und billig betrieben werden kann. Hohe mittlere Fahrgeschwindigkeit resultiert aus schneller Anfahrmöglichkeit und schnellem, aber ruck- und schleuderfreiem Bremsen. Eine langsame, russende, unsaubere, selten am Tage verkehrende Dampfbahn ist kein Verkehrsreiz für eine neuzeitliche Bevölke- DELAGE- Chrysler Depositäre in allen grösseren Plätzen. IMPERIAL zu verkaufen Weg. Aufg. d. Autofahrens PACKARD ERSATZTEILE liefert prompt ab Lager H. Lai» Delage-Vertretung, Rohrbach. 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Bern, Dienstag, 1. Dezember 1931 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 98 Rätsel der Gobi *> Leutnant naslunds Reise. Von Sven Hedin. I. «... Als Haslund uns Anfang Februar 1930 verliess, übergab er mir einen kurzgefassten Bericht über sein Verhältnis zu dem Fürsten der Torgoten, Sintjin Khan, und den Erwerb einer vollständigen Tempeljurte. Ich lasse ihn hier selbst seine Schicksale erzählen: «Mein erster Besuch bei Sintjin Gigen Khan fand im Oktober 1928 statt. Ich hatte mich dorthin begeben, da das Gebiet dieses torgotischen Herrschers einsam und, wie ich glaubte, unbemerkt zwischen den prachtvollen, wilden Tsoltsosbergen liegt. Der mongolische Name Tsoltsos bedeutet, dass die breiten, fruchtbaren Flusstäler, die man hier hoch oben im Gebirge vorfindet, höher liegen als Hunderte von Gipfeln in der Nähe. Deshalb pflegen die Mongolen zu sagen, dass man da oben sitzen und auf unzählige Berggipfel hinabsehen kann, die niedriger liegen als die Flusstäler. Mein erster Aufenthalt bei den Kharaschar-Torgoten währte nur sechs Wochen, eine Zeit, die ich dazu benutzte, ihre Lieder auf phonographischen Walzen aufzunehmen und unter der Bevölkerung anthropometrische Messungen vorzunehmen. Der erste Teil meiner Arbeit war sehr einfach, weil die Torgoten selbst und der Khan sich sehr dafür interessierten. Der Khan sandte Reiter in die verschiedenen Lager seines Gebietes, um die besten Sänger und Sängerinnen in seinen Palast, Oereget, zu holen. Am Tage wurden die einzelnen Musik- und Gesangstücke geprobt, und am Abend wurden die Ergebnisse auf meinen Wachswalzen aufgenommen. Ihre Begeisterung war grenzenlos, als sie ihre eigenen Leistungen aus dem Blechtrichter des Phonographen ertönen hörten, und oft war der Beifall so stark, dass die vor dem Tore angebundenen Reitpferde sich losrissen und kollerig und aufgeregt innerhalb der Mauer, die den fürstlichen Hof umgab, umhergaloppierten. Ein Mongole lächelt, wenn er zufrieden ist, und das ist er fast stets. Sieht er einem kecken Reiterstück zu oder einem guten Gewehr- oder Bogenschuss, dann macht er seinem Behagen in munteren Ausrufen oder lautem Beifall Luft; aber wenn ein paar Mongolen sich richtig amüsieren, machen sie einen solchen Lärm, dass man sie weithin hört. Sie rollen und winden sich auf der Erde, schlagen sich selbst auf die Schenkel, den andern auf den Rücken, und Freudentränen strömen ihnen die Backen hinab. Mein kleiner zusammenlegbarer Phonograph hatte grossen Erfolg bei den Torgoten, und weit flog das Gerücht von dem Mann mit dem sprechenden Kasten (Khilitai abder kymin). Im Dezember kam ein Offizier mit vier Soldaten nach Urumtschi in das Hauptquartier, um mich im Namen des Khans nach Oereget in seine Winterresidenz einzuladen. Sie brachten Pferde für mein Gespan mit und einen mongolischen Führer, der mich auf einem nur den Torgoten bekannten Richtweg über die Berge führen sollte. Da ich gerade zu der Zeit von einer Schar wilder Soldaten überfallen worden war, die mir einen recht kräftigen Schlag auf den Kopf versetzt hatten, war es mir nicht möglich, vor Mitte Januar aufzubrechen. Diese Jahreszeit ist nicht die beste, weil man viele Passe übersteigen muss, um Khara-schar zu erreichen. Ausser dem Führer, Sjageder, einem jungen, kräftigen Torgoten der Leibgarde, hatte ich auch einen älteren, sehr belesenen und weitgereisten Lama, Tön Geling, in meinem Gefolge. Tön Geling war der Onkel des jungen Mongrolda Noyen, des Häuptlings der Hoschutmongolen, des Befehlshabers im Heer des Khans. Je weiter wir in die Berge kamen, um so tiefer lag der Schnee, und am vierten Tage verschwand die letzte Spur eines Weges in dem meterhohen Schnee. Ein paarmal waren die Pässe, die wir überschreiten wollten, so vereist, dass es unsern Pferden unmöglich war, vorwärts zu kommen, und wir mussten zum letzten Lagerplatz umkehren, um dann jjieue Wege zu suchen. " Am siebenten Tage befanden wir uns mit unsern zehn schwerbeladenen Packpferden *) Aus « Rätsel der Gobi ». von Sven Hedin. Verlag: F. A. Brockhaus, Leipzig. Siehe «Bücherseite >, Budenstadt Mit dem fallenden Laub und den kurzen Novembertagen ist auch wieder das wandernde Volk der Schausteller eingerückt. Eines Tages schleppten die Lastautos die plumpen, schweren Wohn- und Gerätewagen nach dem in den Zwischenzeiten verödeten, unschönen Messeplatz. Nach wenigen Tagen schon war die alte, bunte Budenstadt' wieder aufgebaut. Die Karussells und Schiffschaukeln drängen sich klein und geduckt neben den Neulingen aus einer rekordsüchtigen Zeit, den himmelragenden Gerüsten, die am Tage mit flirrenden Farben und nachts mit einer verschwenderischen Flut von Lichtern prunken. Scheuer als je stehen die Schiessbuden am Eingang zur Budenstadt. An sie reihen sich die Schaubuden mit den unheimlichen Sensationen affenähnlicher Weibsbilder und durchsichtiger Menschen; selbst das alte, längst überlebte Panorama eröffnet noch einmal den Einblick in eine blutrünstige, von Unglück und Totschlag verfolgte Welt. Wenn die frühe Novembernacht den Rummelplatz tückisch überfällt, drängen die tausend Lichter jede Dunkelheit aus dem Bereich dieser Stätte der Freuden und des Vergnügens. Die schwarze Nacht steht am Rande der Budenstadt wie eine drohende, finstere Mauer. Bunte Schaukeln, die zur Begleitung eines Tangos, den ein hölzerner Mozart auf der Orgel dirigiert, kreisen, reissen helle Furchen in die massige Schwere des Dunkels. Die heimkehrenden Arbeiter, die von der Enge der stikkigen Räume gelösten Angestellten stehen in Scharen durch die Budenstadt. Jetzt ist grosses Geschäft für die vielen Sensationen und Attraktionen. Die Karussells, Schiffschaukeln, Bahnen aller Art werfen einen dicken Tonbrei in die Masse, es gellt von den dünnen, belfernden Glocken, die den an einer Stelle, wo vor uns nur Bergschafe, Steinziegen und kühne Jäger zu Fuss hatten durchkommen können. Ein Schneesturm brach aus, und die Pferde wurden abgeladen, um ihre Kräfte zu einem letzten Versuch bei günstigerer Witterung zu schonen. Der alte Tön Geling sass zusammengekrümmt in seinem grossen Wolfspelz und betete seinen Rosenkranz, und Sjageder, von dem es hiess, er kenne Tsoltsos wie sein eigenes Zelt, und der von seinem Herrscher ausgesandt war, einen Fremdling nach Oereget zu führen, machte sich allein und bekümmert bei dem Schneesturm auf, um den mächtigen Pass Tekhe- 'en Darban zu suchen, der die Wasserscheide zwischen Norden und Süden bildet. Am folgenden Morgen hörte der Schneesturm auf, und der Sonnenaufgang goss Schönheit und Pracht über die eben noch so kalte und rauhe Landschaft. Die Sonne schenkte uns auch ein wenig Wärme. Die früher so mutlosen Pferde schüttelten den Schnee von sich und begannen mit den Hufen im Schnee zu scharren, um etwas Essbares zu finden. Tön Geling zeigte froh nach Süden, wo hinter einer Reihe perlschimmernder, schneebedeckter Bergketten sich ein gewaltiger Gipfel, Thekhe-'en Darban, an dem prächtigen azurblauen Januarhimmel abzeichnete. Da kam auch Sjageder zurück, froh und voller Hoffnung, denn er hatte frische Menschenspuren gefunden, die in der Richtung auf den Pass Tekhe- 'en Darban zuführten, den schwer erreichbaren Eingang von Khara-schar, der Heimat der Torgoten. Während die Sonne die Landschaft verschönerte und Menschen und Tieren neuen Mut gab, begannen wir einen recht schwierigen Aufstieg. Die Spuren im Schnee, die in der rechten Richtung führten, feuerten auch uns an, denn wir sahen daran, dass ein Mann vor uns gegangen war; und wo er hatte durchkommen können, da bestand auch für uns die Möglichkeit, zu folgen. Wir waren unserm unbekannten Wegweiser dankbar und bewunderten ihn und seinen harten einsamen Kampf gegen den Zorn der Natur. Seine Spuren waren tief eingedrückt, aber schon wieder halb mit Schnee gefüllt, ein Zeichen, dass er diesen schweren Aufstieg während des Schneesturmes unternommen hatte. Immer höher kletterten unsere kleinen ausdauernden Ponys; wir gingen zu Fuss hinterher, schwitzten und stiessen aufmunternde Rufe aus, die von beiden Seiten der Berge widerhallten Beginn der nächsten Fahrt verkünden, Sirenen surren mahnend, und die Ausschreier versuchen sich gegenseitig zu übertönen. Aus den Schauhein dringen die Schreie der geängstigten Mädchen, die Burschen lachen laut und tief dazwischen, und die Aufseher der drehenden, kreisenden Wunder rennen aufgeregt umher. Weiss schiesst der Dampf der keuchend arbeitenden Maschinen in die Luft. Ihr Pfeifen mischt sich mit dem ekstatischen Brüllen der Ansager vor den kleinen Buden, die ihre Weltsensationen für ausnahmsweise nur 50 Rappen zeigen wollen. Eine leicht verfettete, hochbusige Frau, in billigem Glänze gekleidet, das Antlitz dick verschminkt, um den Mund ein lasterhaft wissendes Lächeln, hält die Arme gekreuzt über dem Leib und starrt ins Dunkel. Manchmal deutet der schreiende Mensch auf sie, dann lächelt sie ihm mit nassen Blicken zu. Nebenan rattert eine Lärmmaschine und ein noch junger Mensch mit stechenden Blicken kreischt. Die Schiessbudendamen ziehen, sobald sich ein Herr nähert, mit verheissend, vielsagendem Lächeln die Lippen hoch und rufen ihm freundliche Worte zu. Auf hellem Wasserstrahl tanzt eine kleine Kugel. Dahinter breiten sich an der Wand greuelhafte Ausgeburten, krankhafter Phantasien, lächelnde Monde, zürnende Sonnen, knickerige Männchen, langhalsige Hähne, und bei allen tickt und tackt es geisterhaft unheimlich. Manchmal fährt ein Windstoss in den Ton- und Lichtbrei, dann sackt der Schwall der vielen Orgeln zusammen, die Lampen beginnen sich zu bewegen und zeichnen unförmige Schatten, dass das Licht, unsicher geworden, durch die tobende Budenstadt torkelt und schwankende Umrisse formt. bo. ^ Immer näher kamen wir dem Pass, ond je weiter wir vordrangen, desto mehr strengten wir uns an; die Torgoten, um wieder über die bekannten Berge ihrer Heimat hinwegzuschauen, und ich, beseelt von dem herrlichen Gefühl, das einen erfüllt, wenn man nach einer anstrengenden Steigung endlich den Gipfel erreicht und über eine nie gesehene Landschaft blickt. Als die sinkende Sonne ihre letzten und goldenen Strahlen über die schneebedeckten Bergzinnen warf, hatten wir die Passhöhe erreicht. Die letzten zwei- oder dreihundert Meter hatten wir uns nicht mehr nach den Spuren unseres unbekannten Wegweisers richten können. Dort, wo die Fussstapfen aufhörten, lag in zusammengekauerter Stellung die halbiiberschneite Leiche eines Mannes. Die Mongolen hatten im Vorübergehen Gebete gemurmelt, um Yama, den mächtigen Totengott, milde zu stimmen. Tön Geling war einen Augenblick stehengeblieben, hatte Brust und Leib der Leiche entblösst, um herumstreifende Wölfe herbeizulocken, und das Gesicht aufwärts gewandt, damit die leeren kalten Augen die Vögel des Himmels zu der Leiche zogen. Denn wenn der Tote seinen letzten Beruf, anderes Leben zu erhalten, erfüllt, dann wird seine Seele befreit und darf in ein neues Leben, das im Augenblick seines Todes geboren wird, übergehen. Von der Passhöhe aus genossen wir einen grossartigen Ausblick. Weit hinten im Norden erhoben sich die drei majestätischen Spitzen des Bogdo-ola, die wir seit unserm Aufbruch aus dem Hauptquartier nicht mehr gesehen hatten; sie Hessen uns jetzt alle überstandenen Schwierigkeiten und Mühsale vergessen. Die Mongolen starrten nach Süden über die Berge hin, wo weit hinter unendlichen und unabsehbaren Wüsten der Dalai Lama auf dem Budul Ole oder Potala seinen Sitz hat. «o haben Hl dien guten Uhrmachern Die religiöse Ueberzeugung, die sie beseelte, verlieh ihrer Phantasie Flügel, und in stiller Andacht schauten sie den Weihrauch, der vom Budul Ole aufstieg, um die Formen dreier majestätischer Bergschafe anzunehmen, die den Pilgern entgegenkamen. Alten Gangraeen Gruregrolda, ein Phantasiefasan, schwang sich mit goldenen Flügeln zum Himmel auf, und Mindjaem Hangraeen Boro, ein Phantasiehirsch, schwebte in langen, geschmeidigen Sprüngen zwischen den Zinnen der Berge dahin. Die Sonne sank, und aus den Tiefen stiegen die Schatten empor.' Nur noch der Gipfel, auf dem wir standen, war vom Sonnenlicht beschienen, unter uns brütete schon allenthalben das Dunkel. Aber die Sonne ging unter; bald waren auch wir von Nacht um-* geben. Während des Abstieges erstrahlte ein klarer Stern nach dem andern, und die Stille der frostigen Winternacht wurde nur von langgezogenem Wolfsgeheul unterbrochen. Als der Mond aufging, schlugen wir unser Lager auf. Früh am nächsten Morgen langte Mongrolda mit einigen seiner Soldaten an* Sie brachten Futter für die Pferde, Brennstoff und für mich ein ausgeruhtes Reitpferd. Da der Weg jetzt bedeutend besser war, verliess ich die Karawane und ritt mit Mongrolda Noyen voraus zu seinem Lager, das wir am Nachmittag erreichten. Gegen Abend kam auch Tön Geling an, und wir sassen noch bis in die Nacht hinein beisammen und erzählten. Wir hatten es nun wieder bequem, streckten uns auf den Bärenfellen ans, Hessen die Pfeife von Mund zu Mund wandern und nippten an unserm Tee. In Begleitung von Mongrolda Noyen ond einer Abteilung seiner Reiterei brach ich am folgenden Tag nach Oereget auf, das wir bei Sonnenuntergang erreichten. (Schluss folgtj Anekdoten! um Mark Twain Erzählt von Peter Purseibaum. Mark Twain — der grosse amerikanische Humorist — war einem guten Glase Wein oder Bier nicht abgeneigt und ist Zeit seines Lebens kein «Totaler» d. i strenger Temperenzler, gewesen. Aber er hatte einen Freund — Blones mit Namen — der das Blaue Band, das Zeichen der Temperenz, im Knopfloch trug und von seiner Enthaltsamkeit viel Wesens machte. Darum erzählte Mark Twain gern folgende Geschichte: Beide waren von einer Familie zum Essen eingeladen. Unter anderem Guten gab es als Kompott sogenannte «Rumfrüchte», die dem Mr. Blones besonders zu munden schienen, denn er füllte sich fortwährend den Teller damit auf. Stillvergnügt beobachtete Mark Twain seinen Gefährten und bemerkte zu seiner Genugtuung, dass sich der Rum bereits in den Augen seines alkoholfreien Freundes widerspiegelte. Und als Mark Twain ihm die Schüssel zum zehnten Male reichte, lallte Mr. Blones mit schwerer Zunge: «D — danke! -^ F — fruchte mag ich nicht mehr — a — aber wenn du nichts dagegen hast — n — nehme ich noch etwas von ihrem S — saft.» Als in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das hohe Fahrrad ge- Der nächste «Autler-Feierabend» erscheint als grosse L Weihnachts- Sondernummer Sie werden an dieser Beilage grosse Freude haben.