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E_1931_Zeitung_Nr.100

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Reihe der Viehwaggons

Reihe der Viehwaggons entlang, aus deren geöffneten Schiebetüren magere, müde Gesichter schauten. Vor dem Pferch der Türken wurde die furchtbare «Strecke» zusammengestellt. Es wunderte uns nicht mehr. Das war fast alle Tage so gegangen. Auf irgendeiner Station, meist gegen Abend, schob man die inzwischen Gestorbenen wie Kollis aus den Schiebetüren, und legte sie ordentlich neben das Geleise. Das war die «Strecke». Heute waren es vier. Sie lagen verkrümmt und schon bocksteif gefroren nebeneinander. Anatolische Redifs mit lächerlichen Opanken an den dünnen Beinen. Pantoffeln für Haremsnächte, nicht für die kalten Berge des Kaukasus. Die Turbane auf ihren Köpfen waren verknittert und schmutzig, aber ihre hageren, dunklen Gesichter blickten trotzig. Und die Kameraden in ihren rollenden Käfigen schauten mit dem stolzen Phlegma ihrer Rasse auf die erlösten Brüder, deren Seelen der Prophet schon in das Paradies gehoben hatte. Wir gingen rasch vorüber. Am heiligen Abend Menschen, tote Menschen, aneinandergereiht wie Kälber, nicht anders wie Kälber — für unser noch nicht ganz vertiertes Empfinden war das denn doch störend. Der Krieg lag ja auch schon viele tausend Meilen hinter uns, und das Spital mit seinen Aetherund Eiterschwaden. Beim letzten Waggon stand ein fadendünner, krank aussehender Türke. Sein zerrissener Uniiormsrock war offen and er suchte im zottigen Gewirr seiner Brust. Tief ernst lauste er sich bei —20° R. Ein Hemd hatte er nicht. Wir steckten ihm 50 Kopeken zu. Er nahm das Geld gleichmütig und ohne Dank, ja er unterbrach seine wichtige Beschäftigung nur, um die Münze in seine weite Hose zu versenken. Der Professor rief einen deutschen Unteroffizier heran: «Hören Sie mal, wie steht's mit der Gesundheit bei unseren Leuten? Schwerkranke?» Der Mann stand stramm: «Zwei, Herr Hauptmann. Die Nacht machen sie's noch. Morgen we'n se fällig sein.» Väterliches: «Sie schweigen sich die Seele aus dem Leib. Das jeht nich. Wir sind alle Aussenseiter, und dass wir so um die Ecke jegangen sind, ist Schicksal jewesen. Wir haben unsere Pflicht jetan und Unglück jehabt. Und nu müssen wa 's eben tragen.» «Ich habe meine Pflicht nicht getan,» sagte der Dragoner langsam. «Aber geh'n S', Herr Baron,» Buchtingers Stimme tremolierte vor Mitgefühl, «aber geh'n S\ dös san Ueberreizungen. Wenn ma g'fangen wird, was kann ma denn da dafür? Den an derwischt's und der andere kummt durch. Je nachdem, ob aner Sau hat oder net. Lachhaft!» «Ich bin unverwundet gefangen.» Der DraiWeihnachten eines jungen Menschen Novellette von E. W. (Fortsetzung aus dem I. Hauptblatt von « Au tler- Weihnachten ») Als Ernst Wendner oben am Waldsaum vor den mächtigen roten Föhrenstämmen einen Augenblick in seiner Wanderung innehielt und überlegte, ob er waldeinwärts weitergehen oder langsam wieder nach dem Städtchen zurückkehren sollte, trug mit einem Male aus dem Waldinnern ein schwacher Windzug ganze Arme voll Harzgeruch und Tannennadelduft gegen ihn heran. Er atmete hingenommen mit tiefem Behagen eine Zeitlang diesen würzigen, herben Brodem ein, bis ihm plötzlich einfiel, zu seinem grossen Verwundern, heute nachmittag unten im Städtchen gar keine Weihnachtsbäume zum Verkauf angetroffen zu haben. Merkwürdig! Hatte er diese zierlichen, bescheidenen, aber so tapfer dreinblickenden Dinger im Menschentrubel wahrhaftig übersehen? B ^eaaslS^foEni «Menschenskind, haben Sie sich ooch um 'nen Arzt gekümmert? Es ist doch unmöglich, unmöglich! Es sind doch Spitäler in den grösseren Orten.» «Nichts zu wollen, Herr Hauptmann,» meldete der Unteroffizier, «es kommt keener. Es nutzt ooch nischt mehr,» setzte er achselzuckend hinzu. «Was die Herzen sind, die machen's nich.» Wir wendeten uns ab und eilten zum Büffet. Dann trieb uns der «Starschi», ein Kosaken- Unteroffizier von kalmükischem Typus, mit heiseren «skory-skory»-Rufen in die Waggons zurück. Die Maschine pfiff, der Zug rollte, und nun konnte der heilige Abend beginnen. Wir packten schweigend die Wurst aus, die Burschen brachten Tee. Der Professor steckte die Kerzenstümpfe an das Bäumchen und klemmte das dünne Stämmlein in den durchlochten Deckel einer Zigarrenkiste. So. — Nun stand es leuchtend im Zigarettenqualm auf dem Klapptisch beim Fenster. Der Gardedragoner war von seiner Liegestätte herabgeklettert und glotzte, das Kinn auf die Faust gestützt, auf ein Licht. Wir anderen waren zusammengerückt, sassen um das Bäumchen und schwiegen. Aus dem Nachbarabteil hörte man das Kartendreschen der russischen Begleitmannschaft. «Immer a so a Hundswurst, oder Kotelett, scho zwölf Tag! "Also, wann ich's seh', hab' ich scho g'fressen.» Mit diesen Worten leitete der Leutnant Buchtinger die Weihe des Abends ein. Dann fuhr er tiefsinnig fort: «Wann ich bedenk', vorig's Jahr... der Unterschied, wann ma's bedenkt! Wer hätt* sich das gedacht!?» Er lieh sich von mir eine Zigarette aus und versank in Brüten. Der Oardedragoner sass wie Rodins «Der Denker». Er schaute immer geradeaus in das dürftige Licht einer Kerze. Nur der Professor lächelte: «'n Bäumchen ist's doch. Sie werden an uns denken heut'. Ooch an uns. Und nu wolln wa singen!» Er begann ergreifend heiser: «Stille Nacht, heilige Nacht...» Buchtinger fiel ein in grausamem Hochdeutsch: «Alles schlä—häft, einsam wa— hacht...» Und schnurstracks machte er kehrt und lief eilig wieder hinunter zur Stadt, quer über Gräben weg und Aecker und Wiesen. Und das Wiesengras, vom Frost verwüstet, steif und weiss gepudert, splitterte unter seinen stürmischen Schritten wie winzige Scherben von Glas. 3. Die üblichen Weihnachtsbäume fehlten natürlich nicht. Sie standen in grosser Zahl da wie jedes Jahr und warteten, stramm gehütet von den Händlern, auf Käufer. Das Trüpplein vor dem Seitenportal der Kirche erregte Ernsts besondere Aufmerksamkeit. Es waren durchwegs alles Prachtstücke, untadelig im hohen, vollen Wuchs und in der Farbe von einem ungewöhnlich saftigen, würdigen Grün. Sie waren treppan aufgestellt, nahmen sich in dieser gestuften Anordnung sehr malerisch aus wie ein regelrechter Waldwinkel, gar nicht erkünstelt, und verbreiteten ringsum in weitem Bogen das herrlichste Tannenarom. Ganz unten, in der Mitte vor den flott ausgerichteten Gliedern der anderen, gewahrte Ernst Wendner nachträglich noch ein besonderes Tännchen. Es war leicht zu übersehen gewesen, so zwerghaft und unbedeutend klein kauerte es da. AUTOMOBIL-REVUE - N"100 Wir waren zusammengerückt, sassen um daa Bäumcben und schwiegen .. t fessor und zerdrückte das Licht zwischen den Fingern. Ein Hauch von Harz kroch durch den Brodem. Da vergrub der Gardedragoner sein Gesicht in die Hände. Es war die erste entschlossene Bewegung, die er tat. «Nanu, Herr von Groningen?» sagte der Professor. «Kopf hoch und nich so miese- Und das kleine Bäumchen zitterte bei je-petrigdem Schienenstoss. Das wunderbare alte wa denken.» Uebers Jahr ist's anders. Daran wolln Lied zwängte sich durch den Dunst. Rauh Der Angeredete Hess die Hände sinken und und rissig gleichsam. Denn die führende sah uns alle der Reihe nach an. Wie ein Stimme des Landwehrhauptmanns hatte zwar aus schwerem Schlaf Erwachter: «Uebers die Innigkeit, die dem Anlass entsprach, aber Jahr...?» sie krächzte, trotzdem sich Buchtinger «Hören Sie mal» — der Professor bekam mühte, sie mit dem Fett seines kehltiefen in sein pedantisches Lehrergesicht etwas Tenors einzuschmieren. Das misshandelte Lied umtaumelte das Bäumchen: «...schlaf in himmlischer Ruh', schlaf in himmlischer Ruuuh'.» Und er starb. Die Flamme eines niedergebrannten Kerzen, stumpfes griff nach einem Zweige. «Also Schluss mit dir,» sagte der Pro- Ernst fand das Bäumchen allerliebst und, jelänger er es betrachtete, weit schöner noch als alle seine mächtig in die Breite und Höhe geschossenen trotzenden Kumpane. Sein rührend bescheidenes, ja demütiges Wesen schnitt einem ins Herz. Lächelte es nicht über sein rundes Gesichtlein hin, jenes zerbrechlich dünne, unbeschreiblich schüchterne Lächeln des Kleinen, Armen, Unbedeutenden, Verlassenen und Einsamen, das unsäglich wehtut, durch und durch geht und viel eher zum Weinen als zum Lachen einlädt, weil es nicht aus Lust, sondern aus Qual geboren ist? Ernst Wendner schoss auf das Bäumchen zu, als gelte es, einem hitzigen Konkurrenten zuvorzukommen. Aber es zeigte sich keiner weit und breit. Und indem er es mit schonenden Händen um und um drehte und mit gleichbleibendem Wohlgefallen alle Seiten und oben und unten bewunderte, schritt er damit hinunter an die Ecke, wo er die Verkäuferin stehen wusste. Die hatte ihn gleich erspäht und kugelte ihm rund und warm vermummt schon auf halbem Wege entgegen, rief von weitem den niedrigen Preis, nickte und lächelte dazu Ernst mit treuen Augen aus einem von Kälte blau angelaufenen Gesicht an, indessen er die Münzen laut und bedächtig in ihre Hand zählte. Er trug das Bäumchen vorsorglich vor sich her wie eine Kostbarkeit und wich damit den Passanten ängstlich im Gedränge aus. Inzwischen war es Abend geworden. Es ging auf die Essenszeit. Als Ernst Wender in der Kronengasse den schneeweiss in die abendlich dunkle Strasse hinausgischtenden Lichtkegel des breitfrontigen Kaufhauses «Zur Stadt Paris» betrat, sah er am anderen Saum eine Frau auftauchen und mit beschwingtem Schritt ihm entgegeneilen. Er musste diese Frau kennen! Die Begegnung kam ihm in diesem Augenblick höchst ungelegen, wenn er sich auch sagen durfte, er sei zum Glück ja jedweden Grüssens enthoben. Seit ihrer Verheiratung grüsste Ernst Wendner Lucie Daladier in stillschweigendem, gegenseitigem Uebereinkommen nicht mehr. Dieser Entschluss war für beide Teile das Beste und Gescheiteste und richtete eine Schranke auf, die gehörig Schutz bot. Die kurze, aber unsagbar süsse Zuneigung der Lucie hatte nicht bloss den Neid der Freunde von Ernst, sondern auch im Gründe sein eigenes Befremden erweckt (Schluss folgt.) Jntcrcßc nm fjl in totittn helfen fe$r rege. $en ötofftn&tn ßtfaffttn ffi£l fttff autif f,ti geölte nidft immer au* 6tm Wege gelten. SCuf attt $äüe tarn üetfjület toeröen, flo£ eigene JUta* mtfl Äeten^äöen «e Angehörigen in taittfttfafttitfft «eflrangnfe itnfl ^ängigfei* geraten (offen. 5fit Jeden 4porfau$ü6en6en ijl nfc$t mit eine Unfall*, /onöetn aua) eine gute ttien** üccjidjecung unetinßlitft. ^Mmmhtmi Steliejie und grolle Ue&en«öer0($ecimg*

N° 100 — 1951 ÄtTrOMOBIL-EEVUE 25 goner hatte plötzlich Augen wie ein geprügelter Hund. «No, mein Gott, is a nix dabei. Es kann net a jeder verwundet sein. Und gar bei der Kavallerie! Sicher auf Patrouille, net?» «Ja. Und ich hätte verwundet werden müssen, wenn —» «Erlauben S', Herr Baron, wieso denn?! Wann S' in an Bredouille kommen und Sie können nimmer aus, und Ihna Pferd is hin..« gewiss war's hin, Ihna Pferd, net wahr?» «Aber ich war noch da, ich. Verstehen Sie das, Herr... Herr —» «Buchtinger, bittä. Halt a aussichtslose, allgemeine eigene Situation. Ich stell' mir vur —» «Verzeihung, aber ich muss Trostgründe dankend ablehnen,» sagte der Dragoner und seine Stimme schnarrte. «Bittä, bittä, ich hab' bloss g'meint...» Buchtinger zog gekränkt die Schultern hoch — «bittä.» Wir schwiegen und man hörte nur das Stampfen der Räder auf den Schienenstössen. Das Bäumchen zitterte leise und rückte im Schüttern langsam gegen den Rand des Klapptisches. «Nu denn — ex.» Der Landwehrhauptmann löschte die Flämmchen des kleinen Tannenwipfels und stellte ihn mit einem Seufzer in eine Ecke des Seitenganges. «Gute Nacht, meine Herren!» Wir legten uns auf die Bänke. Angezogen, die Mäntel unter uns. Der Professor stellte den Reisekorb neben seine Liegestätte, klebte einen Kerzenstumpf auf den Deckel und entfaltete das Reclamheftchen: Faust II.: «Vor dem Palaste des Menelas zu Sparta». Der Gardedragoner verschwand nach aufwärts in seine Expositur unter dem Gepäckbrett. Weiter polterte der Zug. Die Luft war schwül und dumpfig. Die dicke Eishaut der Fenster glitzerte grau, und hinter dem flakkernden Kerzenlicht schwamm in Zigarettenqualm das vergilbte, müde Gesicht des Professors; schwamm mit zwei funkelnden Reflexen, den Kneifergläsern und einem dicken Schatten darunter, dem Schnauzbart. Ich konnte nicht einschlafen. Eine Flucht wirrer Gedanken jagte mir durch den Kopf. Längst Erlebtes, lange Vergessenes. Bruchstücke davon schössen heran, hielten an und verstoben wieder. Ein unordentliches Gemisch .Vager Splitter. Aber ich konnte nicht schlafen. Drüben klappte der Professor den Faust zu, verlöschte das Licht und drehte sich gegen die Wand. Buchtinger schnarchte schon. Ich hatte die Augen geschlossen und sah den Schemen nach, die mich umgaukelten. Weihnachtsbilder von früher. Die Mutter... die alte Spieldose hinter dem leuchtenden Spalt der Salontür. Sie fing zu zirpen an, und ich sah mich auf den Spalt starren, hinter dem die Wunder des Christbaumes sich erfüllen sollten, wenn das Lied der Spieldose zu Ende war. Ich sah mich trippeln vor Aufregung und Erwartung. Jetzt, jetzt geht die Tür auf! Es glüht der Baum, bis zur Decke voll kleiner Lichter; ich trete leise näher und näher... und sehe die schönen Sachen, die auf dem weissgedeckten Tisch bereit liegen: die Uhr, die Eisenbahn, die brasilianischen Schmetterlinge... Und alles gehört mir! Und ich küsse der lächelnden Mutter die Hand. Ja, das zog an mir vorüber, kam viele tausend Meilen hergewandert, bahnte sich durch hässliche, harte, erwachsene Gedanken, wie sie die Jähre, die dunklen Jahre, über diese Seligkeit gebreitet hatten, den Weg zu mir. Aber da hörte ich durch den Dämmer, in dem noch immer die Spieldose erklang und die Mutter stand, ein Stöhnen. Es kam von oben her, wo der Deutsche lag. Ich richtete mich halb auf und lauschte. Stöhnte der so im Schlaf? Jetzt war's wie ein Röcheln. Und durch die Finsternis kroch ein Geräusch wie langsamer Tropfenfall. Tlak — tlak — tlak —. Ich erhob mich, zündete meine Kerze an und sah hinauf. Der Baron lag auf dem Rücken und aus seinem rechten Handgelenk floss Blut. Der Mantel, den er unter sich ausgebreitet hatte, war dort, wo seine Hand ruhte, vollgesogen und aus dem Aermelaufschlag, der herabhing, tropfte es auf den Fussboden. Ich weckte den Professor. «Nanu..« nee...?» murmelte der Schlaftrunkene. Wir hoben den halb Bewusstlosen herab und umschnürten die Schlagader am Oberarm mit einem Kofferriemen. Die Blutung hörte auf und wir machten einen Notverband. Dann wuschen wir dem Dragoner die Schläfen mit Kölnischwasser, das der Professor im Reisekorb hatte. , Er schlug die Augen auf. «Gestatten Sie, Herr von Groningen, 'das ist denn doch —» stotterte der Professor mit einem langen, weissen Gesicht, in dem der Unterkiefer schlaff hing. «Donnerwetter, ist Ihnen besser?» «Nee,» kam es leise zurück, und zwei graue Augen starrten uns unwillig erstaunt an, «lassen Sie i mich man alleene fertig veraen, bitte.» i «Nu ist's aber jenug!» Der Professor war rot geworden und seine gemessene Stimme hatte plötzlich etwas Exekutives, eine schmetternde Energie, wie bei einer Schülermassregelung. «Sie freveln, Herr von Groningen, und ich bitte Sie als Mann, als Kamerad —» «Danke verbindlichst, aber das ist doch wohl meine Sache und die muss ich austragen, nicht Sie.» Ein spitzes Lächeln flog über sein bleiches Gesicht. «Menschenskind,» rief der Professor in hellem Zorn, «sind Sie doch froh...! Ein bisschen später — und — nee, so'n Wahnsinn!» «Für Sie vielleicht, für mich nicht,» sprach der Baron und würgte die nächsten Sätze wie ekle Brocken stossweise hervor: «Keiner meines Namens hat's noch erlebt, und ich will's auch nicht. Ich hatt' 'n Browning... acht Schuss, versteh'n Sie? Und wie die Kerls kommen... mich hoppnehmen am Waldrand... lass ich 'n in der Tasche, schiess nicht, nicht, und... lass mich fangen wie 'n Schwein. Oh, ich Schuft, ich Schuft, ich Schuft!» Er wimmerte die letzten Worte und schluchzte auf. Der Professor nahm nervös den Kneifer ab und schüttelte den Kopf: «Zu solchen harten Selbstanklagen ist kein Grund, nich der ]eringste. Dass Sie eine aussichtslose Situation nich noch janz zwecklos —» er räusperte sich. Der Dragoner lag still. Er sah uns beide ausdruckslos an. Buchtingers Gesicht lugte verschlafen aus dem Dunkel des Abteils: «Na, aber so was!» Und verschwand wieder. Der Zug donnerte über eine Brücke. Der Professor legte dem Gardedragoner die Hand auf die Schulter: «Nun versuchen Sie zu schlafen, oder überdenken Sie mal: Die Heimat wird sich mehr darüber freuen, wenn Sie zurückkommen, als wenn Sie damals sinnlos jeschossen hätten, und jetzt unterm Rasen faulten.» Ueber das starre Gesicht des Liegenden lief ein Zucken. Dann sagte er langsam und ruhig: «Meine Heimat nicht. Ein Groningen darf nicht so abschneiden. Ich danke Ihnen aber, meine Herren. Sie meinen es gut. Ich kann es nur eben nicht brauchen. «Quatsch. Morjen ist ooeh 'n Tag. Da werden Sie anders denken,» versetzte der Professor, «dann wolln wa mal philosophisch darüber reden. Gute Nacht — und vernünftig sein!» Es war wieder finster geworden. Der Zug ratterte weiter durch die weisse Nacht. Die fette Stimme Buchtingers tappte zu mir: «Du, ich muss dir was sagen. Komm her!» Als ich an seinem Lager stand, flüsterte er: «Also wirklich...? D'Schlagader hat er sich aufschneiden wolln, mit 'm Taschenmesser?! A so a Verrücktheit. No ja, a auf'blasener Mensch! Ich frag', wem tat er damit nutzen? A so a Bleedsinn! Aber imponieren tut er mir deswegen noch lang net. Scho gar net!» Der Gardedragoner hat trotzdem, nicht lange nach diesem heiligen Abend, in einem Gefangenenlager Selbstmord begangen. Rätsel der Gobi Leutnant Haslands Reis©.*) Von Sven Hedin. II. Ich erhielt in dem Hause des Khans ein 'Quartier angewiesen. Meine Diener waren, solange ich mich hier aufhielt, von aller Arbeit befreit, und ich bekam Gehilfen aus dem Gefolge des Khans. Der Herrschersitz ist von einer 3 m hohen Mauer umgeben, in deren Südseite sich ein grosses Tor befindet. Vor dem Eingang des Palastes und an dem Tor in der Mauer halten Soldaten Wache. Ueber dem Tor befindet sich ein Wachtturm, wo Hornbläser Signale ertönen lassen, wenn jemand naht, der den Khan aufsuchen wilL Vor diesem Tor stehen sieben grosse, prächtig geschmückte Tempeljurten mit Bildern der vornehmsten Götter und Heiligen des Lamaismus, und hier verrichten die Schriftgelehrten und hohen Lamas täglich ihre Gebete. Hier halten sich auch zwei von den Mongolen sehr hochgeachtete Astrologen auf. Jeden Tag bekommen die Lamas vom Khan Bescheid, welche Gebete sie sprechen sollen, und hat er vor, eine neue Arbeit zu beginnen, oder schwebt er im Zweifel über eine Person oder ein Unternehmen, dann fragt er die Astrologen um Rat Nördlich der Mauer liegt der Jamen, das amtliche Regierungsgebäude, wo alle Zwistigkeiten geschlichtet, alle Urteile verkündet und Steuern bezahlt werden. Den Vorsitz im Jamen hat ein Tuslartji. Wer diesen Titel trägt, ist der Höchste bei den Torgoten, nächst dem, der fürstliches Blut in den Adern hat. Er wird vom Khan ernannt und *) Aus «Rätsel der Gobi» vom Sven Hedin. Verlag 1 : F A. Brocfehaus. Siehe «A.-F.> Nr. 98. F. Spitzbarth-Grieb, Zürich 8 SILBERSCHMIED fii/e ZürichNeu-Seidenhof'UraniasteGerbergj besonderer Vorliebe auf aw neuen Olivetti M.40, denn et ist die einzige Schreibmaschine von solch moderner Bauart. Nur europäische Arbeit kann eine solch feine Schreibmaschine konstruieren. Der weich »angenehme Anschlag, das klar-prägnante Schriftbild, erfreuen jedes Hers. ING.C OLIVETTI CO. ZORICH BAHNHOFPLATZ7 TBL31521 Kr vtMChl*d«M Honton* facMnind.Ag*nhm Sportpreise Faldeggatrasse B8 — Telephon 27.464 Fr. 360.. vom Einfachsten bis zum Elegantesten von Fr. 875. - an Kennen Sie das RADIO-AMATEURE zögert nicht länger, wählt von Fr. 95.- an Verlangen Sie unsere Offerte! in modernen Farben LÄNDOLT- ÄRBENZ& an der Marktgasse 15' Jetzt einen echten . . . 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