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E_1931_Zeitung_Nr.100

E_1931_Zeitung_Nr.100

Kraftfahrzeugen die

Kraftfahrzeugen die Leistung einer Sicherstellung, wenn auch der 60tägige Zeitraum bereits abgelaufen ist. Die vorgesehene Anmeldung nichtösterreichischer Fahrzeuge am letzten Tage der 60tägigen Frist bleibt jedoch aufrecht. Es est zu erwarten, dass diese nirgends verstandene Massnahme endgültig aus der Welt geschafft werde. Brückenzölle und Abfertigungsgebühren. Das obenerwähnte österreichische Bundesgesetz enthält auch Bestimmungen über eine neue Verbrauchssteuer auf Betriebsstoffen, die dazu bestimmt sein soll, die verschiedenartigen lästigen Abgaben, die den Verkehr mit Kraftfahrzeugen belasten, einzustellen und damit vor allem die einzelnen österreichischen Länder zu verpflichten, Strassenund Brückenmauten auf öffentlichen Wegen aufzuheben. In Nr. 71 der «Automobilrevue » vom 22. Aug. 1930 haben wir in ausführlicher Weise den Werdegang der Brückenzölle an der rheintalisch-vorarlbergischen Grenze geschildert und es wurden seither weitere Eingaben an die schweizerischen und österreichischen Behörden gerichtet, um dem Wortlaut des Gesetzes Nachachtung zu verschaffen. Leider kann von positiven Resultaten noch nicht gesprochen werden. Man weiss, dass schweizerischerseits eine Erhebung von Brückenzöllen gesetzlich unstatthaft ist. Gewisse Interessen diesseits des Rheines scheinen aber auch im Spiele zu sein, und wenn es richtig ist, dass st. gallische Behörden der Beibehaltung der Brückenzölle Vorschub leisten, so wird mit um so grösserem Nachdruck die Forderung zur Aufhebung der Brückenzölle verfochten werden müssen. So lange die Brückenzölle im Rheintal bestehen bleiben, wickelt sich der Verkehr zur Hauptsache über die zollfreien Brücken ab. Als solche Brücken sind zu nennen diejenige bei für jede Eintragung bei Ein- und Austrit- Widnau-Lustenau {Wiesenrhein) und Diepoldsau-Nohenems. Die Erhebung von Gebühren für österreichische Abfertigungen ausser Bureaustunden (8—12 und 2—6 Uhr) und an Sonntagen, wobei für jede Eintragung bei Ein- und Austritten eine Zollabfertigungsgebühr von 1 Schilling erhoben wird, ist noch immer Gegenstand andauernder Kritik. Seit 1. Mai haben auch die Grenzanwohner diese Gebühren zu erlegen. Da der Zolldienst bei diesen Brücken kontinuierlich ist. konnte der österreichischerseits gemachte Hinweis auf die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit nicht verstanden werden. Es handelt sich nicht um freiwillige Funktionen ausserhalb der Bureauzeit. Die Brücken können nicht abgeschlossen werden und sie stehen deshalb dem Fahrzeug- und Fussgängerverkehr auch nachts über offen. B. Der Völkerbund und das Problem der öffentlichen Arbeiten zur Krisenbekämpfung. Auf Grund einer Resolution der jüngsten Völkerbundsversammlung vom September dieses Jahres hat der Völkerbundsrat den von der Europakommission für die Frage der öffentlichen Arbeiten eingesetzten Studienausschuss mit der Ausarbeitung eines Programms für grosse öffentliche Arbeiten betraut, die vor allem dazu beitragen sollen, neue Arbeitsgelegenheiten zu schaffen und dadurch die herrschende Wirtschaftskrise zu mildern. Zu diesem Zweck hat er konkrete Vorschläge der interessierten Regierungen entgegenzunehmen, um diese hauptsächlich vom Gesichtspunkt der Nützlichkeit der betreffenden Arbeiten aus, bei denen natürlich auch an grosse Strassenbauten gedacht ist, u prüfen. Bereits im Oktober ist von der Verkehrs- und Transitkommission des Völkerbundes ein entsprechendes Zirkularschreiben an den Rat und die Mitgliedstaaten erlassen worden. Es wurde dabei betont, dass die gegenwärtige Wirtschaftslage, falls die Bestrebungen ihren Zweck erreichen sollen, ein beschleunigtes Verfahren erfordert, weshalb die Vorschläge der Regierungen die Form von hinreichend geprüften Projekten aufzuweisen haben, damit der Studienausschuss sie zu einem Abschluss bringen kann, sowohl was das Gleichgewicht zwischen der technischen und wirtschaftlichen Seite der Frage, als auch die Finanzierungsmöglichkeiten betrifft. Das betreffende Material ist so bald wie möglich dem Völkerbunds-Sekretariat zu übermitteln. Soweit es sich um bereits angenommene Projekte mit Kostenvoranschlag handelt, wurde der 1. Dezember dieses Jahres als äusserster Eingabetermin festgesetzt. Wie wir erfahren, sind bis zu jenem Zeitpunkt vier derartige Projekte eingegangen. Es können aber auch noch weitere Eingaben für die Prüfung durch die nächste, voraussichtlich im Januar 1932 stattfindende Tagung des Studienausschusses in Betracht gezogen werden, falls diese im weiteren Verlauf dieses Monats erfolgen. Einzelheiten über die bisher vorliegenden Projekte können vor dem Zusammentritt des Studienausschusses nicht bekanntgegeben werden. Aber es handelt sich, wie bereits erwähnt, um schon angenommene Projekte mit Kostenvoranschlag. Bi. «Schweizer Verkehrswerbung». Unnötige Schikanen. Unter dieser Spitzmarke veröffentlicht ein weitverbreitetes deutsches Fachblatt eine Mitteilung, die für unser Land nicht besonders schmeichelhaft ist. Es handelt sich dabei um die leider immer wiederkehrenden unerfreulichen Erfahrungen, welche ausländische Gäste mit Automobilkontrollen machen. Wegen eines Tempos von.40 Kilometer auf fast offener Strecke, welche nur in grossen Abständen von einzelnen Häusern unterbrochen ist, wurde der betreffende Fahrer auf der luzernischen Seetalstrasse vor die Wahl gestellt, entweder 50 Franken sofort zu berappen, oder seinen Wagen beschlagnahsnesiri zu lassen. Das deutsche Blatt vermerkt nicht ganz zu Unrecht, dass man in der Schweiz Zeter und Mordio geschrien habe, als die deutsche Ausreisegebühr von 100 Mark in Kraft trat, dass sich aber anderseits die lokale Polizei scheinbar alle Mühe gebe, um auch noch die letzten Gäste durch derartige Schikanen aus dem Lande zu treiben. Wenn wir natürlich auch von unseren aus ländischen Besuchern unbedingt Verkehrsdisziplin verlangen müssen, so sollten die vernünftigen ausländischen Fahrer nicht durch schikanöse Kontrollen auf Strecken, die tat sächlich als offenes Gebiet angesehen werden müssen, verärgert werden. Es handelt sich dabei übrigens keineswegs um eine vereinzelte Klage, indem neuerdings auch englische Zeitschriften in letzter Zeit wiederholt von derartigen unliebsamen Vorkommnissen berichteten. Von einem Elsässer Gesellschafts wagen-Unternehmen ging unserer Redaktion dieser Tage ebenfalls eine ähnliche Rekla mation zu. Die betreffende Firma führt durch AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° 100 bewährte Chauffeure regelmässig Fahrten nach dem Kloster Einsiedeln aus. Zu Beginn des Monats August wurde einer ihrer Warenführer in Neuenhof bei Baden durch Polizei in Zivil angehalten, mit dem Hinweis, er sei mit 36 km durch das Dorf gefahren. Er wurde ebenfalls veranlasst, an Ort und Stelle zu berappen, war aber nicht in der Lage, den ganzen Betrag aus eigener Tasche zu zahlen. Dieser Tage erhält die Firma nun noch eine ergänzende Bussenverfügung für einen sehr beträchtlichen Betrag, wobei als Grund der Bestrafung ein Tempo von 42 km in der Ortschaft Kilhvangen angegeben wird. Ganz abgesehen davon, dass sich die betreffende Behörde zehn Wochen Zeit Hess, um dem Unternehmer von dem Vorfall Kenntnis zu geben, für welchen der Chauffeur schon zur Rede gestellt worden war, stimmen die dem Angestellten gegenüber gemachten Vorhalte keineswegs mit der schriftlichen Begründung der Busse überein. Der Korrespondent fragt, ob dies die Quittung für seine Bemühungen sei, trotz der Krise seine Pilgerfahrten nach Einsiedeln auch diesen Sommer durchgeführt zu haben, obwohl die nicht immer gute Besetzung der Wagen den Transport keineswegs zu einem lukrativen Geschäft machte. Dabei hätten die Gastwirte in Einsiedeln ihm versichert, dass der Besuch des Ortes dieses Jahr ausserordentllch zurückgegangen sei und er wohl noch am meisten Gäste gebracht habe. Da werden in der Schweiz beträcht liehe Anstrengungen zur Fremdenwerbung im Ausland unternommen und kurzsichtige Gemeindebehörden samt ihren Polizeibütteln hintertreiben durch ihre kleinlichen Schikanen diese Anstrengungen. Wirklich eine eigenartige «Schweizer Verkehrswerbung»! ß Geplänkel um die Gandrlastrasse. Wird die Strasse im nächsten Jahr gebaut ? Der Kampf um den Bau der Gandriastrasse geht weiter; schweizerischerseits ist man vollständig startbereit und italienischerseits wartet man auf eine weitere obrigkeitliche Bewilligung. In Nr. 91 brachten wir die Meldung, der Präfekt der Provinz Como habe unter den Strassenbauprojekten 1932 auch die Erstellung der Strasse Albogasio-Schweizergrenze genannt (italienisches Teilstück der Gandriastrasse). Wir vermerkten auch, dass das Bauprogramm des Präfekten von Como die Genehmigung der Zentralbehörden in Rom noch nicht erhalten" habe, obschön diese Strasse zu den vier dringlichsten Projekte! der Provinz gehöre. Wir wissen nicht von welchen offenen und geheimen « Bedingungen» der Bau der italienischen Gandriastrasse abhängig ist. können aber feststellen, dass man nicht nur in Tessin, sondern auch in der italienischen Presse immer wieder skeptische Prognosen zu hören bekommt. In einer Regionalzeitung von Porlezza schrieb ein Grenzbewohner über die erfreuliche Initiative der Bürgerschaft des Val Solda, die bekanntlich sich anerboten habe, während fünf Tagen gratis am italienischen Teilstück der Gandriastrasse zu arbeiten (das Val Solda ist das Seitental das von Nordwesten bei San Mamete, 3 km von der Schweizergrenze, in den Luganersee mündet. Red.). Der Präfekt der Provinz Como habe nun verschiedene Male das Fell des Bä ren versprochen, den Bären selber aber bi; heute noch nicht zur Strecke gebracht. Sei dem 4. April 1912, an dem eine italienische Deputation aus der Provinz Como der Tes siner Regierung gemeldet habe, das italienische Teilstück sei nun abgesteckt, ist von italienischer Seite aus wenig positive Arbeit zur Verwirklichung des Gandriaprojektes geleistet worden. Der Präfekt der Provinz Como versichert nun wiederum, die Provinz habe ihre Arbeiten zur Fertigstellung des Projektes so weit gefördert, dass nur noch die Bewilligung der Zentralbehörde in Rom zur Durchführung der Strasse eintreffen müsse. Die Projekte lieen also in Rom. Wie lange schon, wissen wir nicht, rhüssen aber konstatieren, dass in Iatlien das Interesse an einer baldigen Verwirklichung des Projektes nicht gerade überwältigend ist. Den Vorschlag der Bewohner des Val Solda scheint man nicht beachtet zu haben, weshalb der Pessimismus bei diesen Leuten, von denen viele tagtäglich nach Lugano an die Arbeit gehen, verständlich wird. Auch die Forderung, einen Weg von San Mamete bis an die Schweizergrenze zu bauen, ein Vorschlag, der aus dem gleichen Tale stammt, scheint keinen Wind in die italienischen Segel getragen zu haben. So sind diese Leute gezwungen, Tag für Tag auf ihren Barken den Seeweg nach Lugano und zurück zu nehmen, um ihre Produkte in Lugano absetzen zu können, oder um ihrer Arbeit nachzugehen. Von unserer Seite aus können wir d'em Vorschlag zur Erstellung eines Verbindungsweges von San Mamete an die Schweizergrenze und von da auf einem ebenfalls neu zu bauenden Teilstück nach Gandria keine besondere Bedeutung beimessen. Unsere Bestrebungen laufen mit denen des Kantons Tessin durchaus parallel und verlangen nach dem Bau einer richtigen Durchgangsstrasse. Ein Verbindunsweg hätte nur rein lokales Interesse. Der Kanton Tessin und die schweizerischen Verkehrsinteressenten erwarten ebenso sehr wie die Bewohner der Region von Porlezza und der Provinz von Como von der italienischen Zentralbehörde die entscheidenden Schritte für eine sofortige Inangriffnahme des Baues der . Gandriastrasse. lt. Bundesbahnen und Strassenverkehr. Es ist schon in Nr. 86 der «A.-R.» von der Bastog, einer Neuerung der S. B. B., berichtet worden. Da die Meinungen über die Zweckmässigkeit und namentlich Wirtschaftlichkeit einer derart bedeutsamen Erweiterung der «Sesa» bei den S. B. B.-Organen selbst auseinanderzugehen scheinen, hat man den Versuch der Lastwagenverfrachtung im Näh^ verkehr vorläufig auf die Strecke Winterthur- Romanshorn beschränkt. Etwa vom Februar 1932 an sollen die Stückgutsendungen nach und von den Zwischenstationen dieser Strecke ausschliesslich mit Lastwagen befördert und nur diejenigen Stationen noch mit Stückgüterzügen bedient werden, die einen beträchtlichen Verkehr aufweisen oder als Umladestellen in Betracht kommen. Als solche Sammel- bzw. Umladestationen sind in Aussicht genommen: Winterthur, Frauenfeld, Weinfelden und Romanshorn. Bei einer Umfrage des internationalen Eisenbahnverbandes gingen die Meinungen übereinstimmend dahin, dass die Ausführung solcher Paralleldienste nur in ganz wenigen Ausnahmefällen tunlich sei. Dieses Urteil stützte sich auf praktische Erfahrungen namentlich in England, Deutschland und Frankreich. Gleichwohl wagen die S. B. B. den Schritt nun wenigstens versuchsweise. Man ist begierig auf die Erfahrungen, die man mit dieser «Bastog» machen wird. W. blick aus seinen grundlosen Taschen ein Notizbuch, blätterte, studierte, notierte, machte wahrscheinlich eine Zwischenbilanz, und ich — ich redete und redete und redete. Ueber alles musste ich berichten. Wie es dem Regiment gehe, wie es mit jeder Schwadron bestellt sei, die Herren Eskadronkommandanten, die anderen Herren der Schwadronen, die Herren der Reserve, der Pferdestand, und dann die Chargenpferde, namentlich die Chargenpferde, heiliges Kanonenrohr, darin stecke noch heute seine Arbeit... und die alten Unteroffiziere, Himmelherrgott, die alten Unteroffiziere! Jeden einzelnen musste ich namentlich aufzählen... ob der alte Wachtmeister Stepniak von der fünften noch immer so saufe? Wurscht! Wenn man so Remonten reite wie der, dann dürfe man sich täglich auch einmal besaufen, sogar zweimal ... dann kam eine lange Geschichte, wie der ihm einmal eine bockige Stute auf die Beine gebracht habe... «Ah! Ah! Weisst du, mein Sohn, der Stepniak, der Stepniak! Also sonst... der Pferdebestand tadellos im Futter... bravo! Bravo! Und dann... die Maschinengewehrabteilung! Leider Gottes, das habe er nicht mehr erlebt. Und... bum, bum, bum! musste ich ihm die Feuergeschwindigkeit vormachen. «Also, man kann sagen, so ein richtiges Prestotempo.» Der alte Herr strich sich befriedigt über das graue, stachelige Kopfhaar. «Bei welcher Eskadron bist du eingestellt, mein Sohn?» «Bei der dritten, Herr Oberst.» «Kommandant?» «Rittmeister Baron Stoltz.» Die buschigen Brauen des Oberst zogen sich zusammen und die grauen Augen sahen mit einem fast feindseligen Blick zu mir herüber. Schweigend hatte er sich erhoben und ging mit langen Schritten im dunkelnden Zimmer auf und ab. Ich wusste, was in ihm vorging. Das war eine böse Geschichte, die jedermann im Regiment kannte. Eine Weibergeschichte. Damals war der jetzige Rittmeister Baron Stoltz ein junger Oberleutnant gewesen und hatte die Tochter einer ehrbaren Familie kompromittiert. Eigentlich war es schon ein bisschen mehr. Der Vater des Mädchens war in seiner Verzweiflung zum Regimentskommandanten gelaufen, der sich den Missetäter sofort vorführen Hess, denn, dies wusste der letzte Fähnrich, in Ehrenangelegenheiten, vor allem in Weiberangelegenheiten, Hess der Alte nicht mit sich spassen. Schulden, Spiel — damit konnte man mit ihm noch fertig werden, aber in Weibersachen war bei ihm der Teufel los. Darum wunderte sich auch keine Seele im Regiment, wie der Oberst die Sache anpackte. Er selbst erkundigte sich über die Familie und das Mädchen, und befahl kurz und bündig, binnen drei Tagen ist die Verlobung zu melden! Das geschah natürlich nicht. War ganz undenkbar. Ein Baron Stoltz, der seine Ahnen bis auf die Kreuzzüge zurückrechnete... ein Geschlecht, das Dutzende von Exzellenzherren aufwies, darunter Joachim von Stoltz-Uerdingen, den die Türken mit seiner ganzen Afmee bei Fogaras gefangen nahmen... ein Geschlecht, das allein drei Bischöfe zu den seinen zählte... ferner einen Obersten Kammerherrn Maria Theresias... und dann kam der alte Herr des Missetäters zum Oberst gerannt und hielt diesem einen Vortrag. Er selbst durch zwei Jahre Flügeladjutant Seiner Majestät ... die Mutter eine geborene Gräfin Niedenheim. •. Einfach zum Totlachen, wegen einer solchen Dummheit Geschichten zu machen! Jedoch der Alte Hess nicht locker und übergab die Angelegenheit dem Ehrenrat des Regimentes. Aber da hatte er sich gründlich getäuscht Die Herren waren nicht nur Richter, sondern auch Standesgenossen. Sie steckten wichtigtuend die Köpfe zusammen und fällten das erbarmungslose Urteil, mit welchem dem Oberleutnant Franz Freiherrn von Stoltz-Uerdingen auf Marbach und Mixen — ein strenger Verweis erteilt wurde. Verletzung der Standesehre. Aber der Oberst war anderer Meinung. Jawohl, die Standesehre wurde verletzt, aber die des Mädchens? Und in der Stunde, in der er das Urteil des Ehrenrates erhielt, nahm er seinen Abschied. Zu spät sahen die Herren des Regiments, was sie, wenn auch unbeabsichtigt, angerichtet hatten. Offiziersabordnungen sprachen bei ihm vor, selbst von oben herab versuchte man ihn umzustimmen, aber alles scheiterte an seinem Starrsinn. «Die Ehre einer wehrlosen Frau ist heiliger wie die eines Mannes.» Mit finster zusammengezogenen Brauen war der Oberst vor mir stehengeblieben und strich sich den ergrauten, buschigen Landsknechtsschnurrbart. «Na! du kennst natürlich die Geschichte, mein Sohn. Wir wollen nicht weiter darüber reden.» Er liess sich in seinen Lehnstuhl fallen und schob mir die Schachtel mit den Zigaretten näher. «Warum rauchst du nicht?» Er zog aus der Seitentasche seiner Steirerjoppe eine kurze, hängende Pfeife mit bemaltem Porzellankopf und setzte sie umständlich in Brand. Ein Schweigen lag zwischen uns. Endlich zog die Pfeife. Nachdenklich blies er die Rauchwölkchen vor sich hin. «Und so, mein Sohn, wurde ich in diese Wildnis verschlagen. Aber es tut mir nicht leid. Ich bin ein alter Mann geworden — mache mir keine Komplimente, mein Sohn, ich weiss, was du sagen willst —, es ist s Für die Welt draussen tauge ich nicht meh£ Ich habe ihr nichts mehr zu bieten, und sie mir auch nicht, und so führe ich hier ein stilles Einsiedlerleben. Mehr gebührt mir heute auch nicht mehr, und mehr beanspruche ich nicht. (Fortsetzung folgt.)

W° 100 — 1931 AUTOMOBIL-REVUE 3 Ausbau der Strasse Sitten-Montana. Im Walliser Grossen Rat wurde anlässlich seiner Herbstsession der Ausbau der Strasse Sitten-Montana, die die Fortsetzung des Rawylpasses bildet, behandelt. Die Kosten des Ausbaues, die sich auf eine Million belaufen, fallen zum Teil zu Lasten der Gemeinden Sitten, Veyras, Venthöne, Mollens und Randogne sowie der weiter sich am Ausbau interessierenden Gemeinden Nieges, Lens, Chermignon und Montana. Der Staat seinerseits bewilligt iolgende Subventionen : 40% an die effektiven Baukosten innerhalb und 50 Prozent der effektiven Kosten ausserhalb' der Gemeindegrenzen. Die Beratung zeigte ge- An allen diesen Veranstaltungen nahmen zu- rund 2200 Fahrer teil, ohne die Bewisse Meinungsverschiedenheiten, da mansammen sich im Grossen Rate im Prinzip mit derteiligung an den Sternfahrten und den gesell- Notwendigkeit des Ausbaues einverstanden erklärte, anderseits aber starke finanzielle Vorbehalte machen wollte. Einzelne der Gemeinden befinden sich finanziell in derart beschränkten Umständen, dass sie durch ihre Vertreter im Grossen Rat ihre vollständige Unfähigkeit zu einer finanziellen Mitarbeit erklärten. Der Versuch, durch Ergänzungsbestimmungen den Ausbau der Strasse noch hinauszuschieben, wurde indessen verworfen und die Korrektion der Strasse bewilligt. Die Arbeiten können bald beginnen. Sitten wird so mit Montana durch eine prächtige Strasse von 6,5 m Breite verbunden. x. Korrektion der Seetalstrasse. Der Luzerner Grosse Rat behandelte in einer seiner letzten Sitzungen die Korrektion der Seetalstrasse. Die Strasse muss bekanntlich in Verbindung mit den Bundesbahnen verbessert werden, da die Seetalbahn ebenfalls die Strasse benützt. Der Kommissionspräsident für den Ausbau der Strasse setzte sich energisch für eine Trennung von Strasse und Bahn durch ein Geländer ein, das verhindere, dass noch fernerhin Fuhrwerke oder Autos auf der Linie der Bahn fahren. Die Bundesbahnen wollen indessen an den Ausbau zu wenig Beiträge leisten, da sie über den schlechten Geschäftsgang der Seetalbahn klagen und darauf hinweisen, dass eine gute Strasse nur ihren Konkurrenten, das Auto, fördern helfe. Der luzernische Baudirektor erklärte, man werde noch weiter mit den Bundesbahnen verhandeln, um möglichst viel zu erreichen. Das Dekret für den Ausbau der Strasse wurde beinahe einstimmig angenommen, x. Ausstellungen Vor der Eröffnung des Brüsseler Salons. Die offizielle Ausstellerliste des Brüsseler Salons, der vom 9. bis 20. Dezember dauern wird, ist kürzlich erschienen und umfasst n. a. 32 Automarken. Der Salon wird ferner mit Motorrädern, Lastwagen, Fahrrädern und Zubehör aller Art beschickt. Die Fachpresse, die sich diesen Spezialgebieten widmet, ist sehr gut vertreten. Aus den offiziellen Kreisen des Salons wird verlautet, dass als überraschende Neuheit das Modell eines Graham 1932 vorgeführt werde. go. Der Mailänder Automobil-Salon 1932 WUTifle, wie die Syndikalkammer der Automobilnnd Fahrradindustrie der Schweiz mitteilt, durch die «Associazione Nazionale Fascista fra Industriali deü' Automobile», mit Sitz in Turin, autorisiert. Es handelt sich um den V. internationalen Automobil-Salon, der vom 12.—27. April 1932 in Mailand durchgeführt wird. Der Mailänder Salon ist die einzige Automobil-Ausstellung Italiens für das Jahr 1932. Sportnachrichten Autosportfragen in Italien. Campari und Alfa Romeo Sieger der italienischen Automobil-Meisterschaften 1931. Die Sportkommission des Königlich-Italienischen Automobil-Clubs trat vergangenen Mittwoch in Rom zu einer Sitzung zusammen, bei der verschiedene für den italienischen Automobil-Sport wichtige Fragen zu behandeln waren. Zur Einleitung wurde ein Rückblick auf die automobilsportliche Tätigkeit in diesem Jahre geworfen. 71 Autosportveranstaltungen wurden in Italien in diesem Jahre durchgeführt, davon waren 11 international. schaftlichen Anlässen (Schönheitskonkurrenzen usw.) zu berücksichtigen. Die Sportkommission verteilte in der vergangenen Saison total 658 Ehrenpreise. Mit besonderer Spannung erwartete man den Entscheid über die Verleihung des Meistertitels für die italienische Automobilmeisterschaft 1931 sowohl an Fahrer wie an Marke. Die Entscheidung war sehr schwierig, da — wie wir bereits früher berichteten — sowohl bei den Marken wie bei den Fahrern Punktgleichheit bestand. Alfa Romeo siegte 1931 an der Targa Florio, dem Grossen Preis von Italien, der Coppa Acerbo und der Coppa Montenero, während Maserati beim Königspreis von Rom in Alessandria, beim Susa- Mont-Cenis-Rennen und beim Grossen Preis von Monza siegreich war. Das Reglement der italienischen Automobilmeisterschaft sieht nun bei Punktgleichheit eine Differenzierung vor, die den Siegern beim Grossen Preis von Italien, der Targa Florio und dem Grossen Königspreis von Rom den Vorzug gibt. Da Alfa Romeo Sieger beim Grossen Preis von Italien wurde, erhielt die Mailänder Marke trotz Punktgleichheit den Meisterschaftstitel für dieses Jahr zuerkannt. Noch verzwickter war die Lage bei der Feststellung des Meisterschaftstitels für die Fahrer. Campari, Nuvolari und Varzi besassen alle drei je zwei Punkte. Campari gewann beim Grossen Preis von Italien und der Coppa Acerbo, Nuvolari bei der Targa Florio und beim Montenero-Rennen, Varzi beim Susa- Mont-Cenis-Rennen und in Alessandria. Varzi schied von Anfang aus, da er bei keinem der drei bevorzugten grossen Rennen gewonnen hatte. Da Campari den Grossen Preis von Italien gewann und trotz Nuvolaris bekannter, Mithilfe der offizielle Konkurrent war, wurde ihm die Meisterschaft für 1931 zugesprochen. Für die kleineren Klassen ergaben sich folgende Resultate der Meisterschaft 1931: Klasse 1.500 ccm: Marke: Maserati (1 Punkt). Fahrer; 1. Castelbarco (2 Punkte), Di Vecchio (1 Punkt). Klasse 1100 ccm: Marke; Fiat (1 Punkt). Fahrer: Premoli (3 Punkte). Ardizzone, Comotti und Ferrori (1 Punkt). Sportwagen: 1. Alfa Romeo (45 Punkte); 2. Fiat (18 Punkte); 3. 0. M. (10 Punkte); 4. Maserati (4 Punkte); 5. Lancia (3 Punkte). Die neue Kategorie der Amateure. Wir haben bereits in einem früheren Artikel von der Absicht der italienischen Sportkommission berichtet, alle unabhängigen, nicht von einer Firma entsandten, am Automobilsport nicht in erster Linie auch materiell interessierten Sportleute in der neuen Kategorie der Amateure, oder wie es in Italien heisst: der «dilettanti» zusammenzufassen. Die Sportkommission behandelte in längeren Beratungen diese neue Kategorie und stellte entsprechende Bestimmungen dafür auf. Die Meisterschaft für Amateure wird an folgenden drei besonders festgelegten Sportveranstaltungen des nächsten Jahres in Italien ausgetragen: 3. Juli: Rennen der Dilettanten auf den Littorio- Autodrom in Rom. 17. Juli: Coppa Viareggio. 28. August. Stilfserjoeh-Bergrennen. Diese Meisterschaft der Amateure in Italien sieht zwei Klassen vor, bis 1500 ccm und über 1500 ccm Zylinderinhalt. Der italienische Sportkalender 1932. Zum Schluss der Sitzung wurde der Nationale italienische Sportkalender 1932 aufgestellt. Er weist total 74 Sportveranstaltungen auf, für die total 2,858,000 Lire an Preisen ausgeschrieben sind. Drei der grossen Veranstaltungen, die Mille Miglia, das Rennen des Südens, und die Coppa del Gran Sasso werden auf Strassen ausgetragen, die für den Verkehr nicht gesperrt sind. Die Sportkommission drückte den Wunsch aus, dass der Königlich-Italienische Automobil-Club in Verbindung mit dem Automobil-Club von Rom zu Ehren des 10jährigen Bestehens des Fascismus eine grosse autosportliche Veranstaltung inszeniere. Dem Wunsche wird nun entsprochen, und zwar soll der 8. Grosse Königspreis von Rom nach einer noch zu wählenden Formel als besondere festliche Veranstaltung ausgetragen werden. Wir veröffentlichen nachstehend die wichtigen Daten des italienischen Sportkalenders 1932: 27. März: Grosser Preis Pietro Bordino in Alessandria. (150.000 Lire ausgeschriebene Preise.) 9. und 10. April: VI. Mille Miglia (200 000 Lire). 24. April: VIII. Grosser Königspreis von Rom und grosser Preis des 10jährigen Bestehens des Faszismus. (250 000 Lire.) 8. Mai: XXIII. Targa Florio (250 000 Lire). 15. Mai: VI. Coppa Messina (80 000 Lire). 29. Mai. X. Rundstreckenrennen von Mugcllo (150 000 Lire). 5. Juni: Grosser Preis von Italien (200 000 Lire). 19. Juni: Bergrennen Ponte deeimo Giovi (75 000 Lire). 26. Juni: III. Coppa Bianchi (100 000 Lire). 24. Juli: V. Rundstrecken-Rennen Principe di Piemonte (60 000 Lire). 31. Juli: II. Rundstreckenrennen von Montencro (200000 Lire). 20. Juli bis 3. August: Internationale Alpenfahrt. 15. August: VIII. Coppa Acerbo (150 000 Lire). 28. August: Stilfserjoch-Rennen (14 000 Lire). 11. September: Grosser Preis von Monza (250 000 Lire). 18. September: Rundstrecken-Rennen von. Cremona und Rekordversuche (150 000 Lire). 2. Oktober: Rennen des Südens (150000 Lire). bo. Krise im deutschen Automobilsport. Wir haben* in der letzten Nummer von den Absichten Caracciolas, im nächsten Jahre auf Maserati die Saison zu bestreiten, berichtet. In informierten deutschen Sportkreisen will man von der Richtigkeit dieser Angaben, die in vielen grossen ausländischen Blättern erschien und die wir unter allem Vorbehalt veröffentlichten, nichts wissen. Dagegen droht dem deutschen Automobilsport eine schwere Krise, da die Daimler-Benz-Werke in Untertürkheim infolge der schwierigen wirtschaftlichen Zeiten beabsichtigen, vorläufig ihren Rennstall eingehen zu lassen. Die genannten Werke beabsichtigen ein sogenanntes Feierjahr einzulegen : ihre Stellungnahme begründen sie mit dem Hinweis auf die schweren finanziellen Opfer, mit denen die offizielle Teilnahme an einem Rennen immer verbunden ist. Die Spitzenfahrer von Mercedes stehen gegenwärtig mit den Werken noch in Unterhandlung, da sie prinzipiell auch im nächsten Jahre gerne auf Mercedes konkurrieren würden. Die Fahrer wiesen vorallem darauf hin, dass von den Die Grabstätten des am 23. November 1930 auf der Strasse Giubiasco-Cadenazzo mit seinem Rennwagen verunglückten bekannten Tessiner Sportsmannes Alfredo C arm ine sowie seines Mechanikers auf dem Friedhof von Bellinzona. Benz-Werken keine Einigung erzielen lässt, so dürfte es dennoch dazu kommen, dass die besten deutschen Fahrer zur ausländischen Konkurrenz übergehen. Diese Tatsache würde allerdings für den dortigen Automobilsport eine schwere Schädigung bedeuten, da deutsche automobilistische Sportveranstaltungen ohne die offizielle Teilnahme der Mercedes-Benz-Fahrer fast nicht denkbar sind. Man wird in den nächsten Tagen über die ganze Frage wohl Entscheidendes erfahren, bo. Internationales Klausenrennen 1932. Das Organisationskomitee hat die verschiedenen Komiteepräsidenten für das Klausenrennen 1932 ernannt. Die Angelegenheit mit dem italienischen Susa-Mont-Cenis-Rennen ist nun soweit abgeklärt, dass dasselbe im nächsten Jahre nicht für Automobile ausgefahren wird. Es ist einzig ein Motorradrennen für den 7. August 1932 geplant, doch sind sowohl von Seiten der U.M.S. wie des A.C.S. Schritte eingeleitet, um das Susa-Mont-Cenis-Rennen auf ein anderes Datum zu verlegen, welchem Ansuchen wohl Folge gegeben werden dürfte. s. Tourenfahrt Brüssel-Kongo. Der Kgl. A.C. von Belgien sieht eine ganz grosse Sache vor; er will im Jahre 1935 eine automobilsportliche und touristische Fahrt von Brüssel aus nach dem Kongo organisieren. Die Sportkommission des R. A. C. B., die in den letzten Tagen zu einer Sitzung zusammentrat, hat bereits die prinzipiellen Ideen für die Fahrt genehmigt. Auch der A.C. von Frankreich hat bereits seine Zustimmung zu der Veranstaltung erklärt. x. Die Tourist Trophy 1932 findet statt. Trotz den hartnäckigen Gerüchten, die vom Ausfall der englischen Tourist Trophy im nächsten Jahre munkelten, besteht beim Königl. englischen A.C. die feste Absicht, die Tourist Tro- neuen Modellen von Alfa Romeo und Bugatti gesteigerte Höchstgeschwindigkeiten zu er-phwarten sind und Mercedes-Benz nur be-Rennen wird am 20. August auf der Rund- 1932 wie gewohnt durchzuführen. Das schränkte Erfolgsaussichten bei Beibehaltung der schon vor mehreren Jahren gebaustaltung soll wiederum nach einem Reglestrecke bei Belfast ausgetragen. Die Veranten Modellen habe. Falls sich zwischen ment ausgefahren werden, das ein Handycap Caracciola, Hans Stuck und den Daimler- vorsieht. x.