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E_1931_Zeitung_Nr.099

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN. Freitag, 4. Dezember 1931 Nummer 20 Cts. 27, Jährgang. — N° 99 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe List«** HMbJitirHeb Ft. 5.—, jahrlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portonnehlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Mfern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche äactellung 30 Telephon Bollwerk 19.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Rappen. Postcheck-Rcchnung 111/414. Das Internationale Amt für Autostrassen an der Arbeit Tagung der Finanz- und Reclitskommisslon. Die Arbeitsteilung beim B.I.A.R. Kurz nach der neulichen Jahresversammlung der Internationalen Vereinigung der Nutzautobesitzer-Verbände hat in Genf soeben eine neue Tagung stattgefunden, welche die Automobilwelt in hohem Masse interessiert. Sie stand im Zusammenhang mit dem ersten Internationalen Autostrassen- Kongress, der, einberufen durch das Internationale Amt für Autostrassen (B. I. A. R. = Bureau International des Auto-Routes), in den Tagen vom 31. August bis 2. September dieses Jahres in den Räumen des Internationalen Arbeitsamtes in Genf seine, an dieser Stelle eingehend gewürdigten Beratungen abgehalten hatte. Auf jener Tagung, die zunächst lediglich einen ersten Gedankenaustausch darstellte, kam der einmütige Wille zum Ausdruck, trotz der wenig ermutigenden wirtschaftlichen Verhältnisse — oder besser gesagt, gerade im Hinblick auf die Krise, welche die Initianten durch vermehrte Arbeits- "beschahmg mildern zu können hoffen — die auf den Bau von Autostrassen gerichteten Bestrebungen mit aller Kraft zu fördern und zu diesem Zweck die bisherige Organisation auf eine breitere internationale Basis zu stellen. Zur Bewältigung; dieser Aufgabe hatte sich der Kongress veranlasst gesehen, im Interesse einer rationellen Arbeitsteilung drei Kommissionen einzusetzen: eine technische, unter dem Vorsitz von Senator Puricelü, dem Begründer der italienischen « Autostrade », ( eine für Finanz- und Rechtshagen, zu deren" Präsident der Initiant der Autostrasse Bern- Thurt, Dr. Nyfieler, gewählt wurde, und eine für die soziale, d. h. die Arbeitsbeschaffung betreffende Seite des Problems, an deren Spitze Dr. Guglielminetti, der Gründer und Generalsekretär der Liga gegen die Staubplage, steht. Ein Parlament von Fachmännern. Von diesen drei Ausschüssen ist nun als erster die Finanz- und Rechtskommission am 30. November zu einer zweitägigen Session Die vorletzte Liebe der schönen Frau Erzsebet. Roman von Oskar Sonnlechner. (9. Fortsetzung) Meine gesellschaftlichen Verpflichtungen hatte ich hinter mir. Die ganze Nachbarschaft hatte ich nach der Liste, die mir der Gyuri bäesi gesandt hatte, erledigt. Wohin ich auch kam, überall fand ich eine Aufnahme, wie wenn ich seit langem einer der ihren wäre. Im Begriffe der Gastfreundschaft gaben sie sich mit vollem Herzen, pflegten eine Tugend, die sich unter ihnen seit Jahrhunderten noch aus der Zeit ihres Notnadentums forterbte, als sie ein unübersehbarer Menschenstrom aus den Tiefebenen Asiens, alle Dämme niederreissend, das Land zwischen Donau und Theiss überflutete. Ein .Heerhaufe wilder, menschlicher Tiere, in denen nur die Geltung fanden, die nach uralten, überlieferten, ungeschriebenen Gesetzen die Führer waren. Jeder von diesen ein König für sich. Und diese wenigen unter sich fühlten sich ein Ganzes. Damals und heute noch. Der Selbsterhaltungstrieb ihrer Macht hielt sie zusammen. Sie waren eine äfinzige grosse Familie, die mit der tierischen Hvfenschenflut, die ihnen diente, nichts gemein hatte. Sie liebten sich untereinander im Bewusstsein des gemeinschaftlichen Machtgefühls. Sie hassten sich untereinander, wenn einer den Machtkreis des andern zu stören wagte, sie stritten sich um ihre Weidegründe, sie töteten sich um den Besitz ihrer Weiber, in Genf zusammengetreten. Die Beratungen standen unter dem Vorsitz des Kommissionspräsidenten Dr. Nyffeler und fanden, wie die des neulichen Kongresses, in den Räumen des Internationalen Arbeitsamtes statt. Obwohl die Verhandlungen unter Ausschluss der Presse erfolgten und deshalb in der breiteren Oeffentlichkeit keine besondere Resonanz fanden, geht ihre Bedeutung schon rein äusserlich aus der stattlichen Zahl und der Qualität der Teilnehmer hervor, unter denen sich, ausser dem schweizerischen Vorsitzenden, aus Frankreich z. B. der Vorsitzende des B. I. A. R., Lucien Laine, sowie der Gouverneur der französischen Rotary-Clubs, Gardot, und der Bürgermeister von Thonon, Andrier, befanden, aus Deutschland der Präsident der Hafraba, Oberregierungsrat Dr Zierau, aus Italien der Generaldirektor der Autostrasse Mailand-Bergamo, Ingenieur Cesareni, aus Spanien der Administrator der Autostrassengesellschaften Madrid-Irun und Frankreich-Marokko, Louis Dibos. Als Fachexperten wohnten der Tagung bei: Dr. Lorenzo Marcoli, Generaldirektor der Puricelli- Gesellschaft, L. Empeyta von der Internationalen Vereinigung der anerkannten Automobil-Clubs, und Robert Aebi, Strassenbau-Industrieller in Zürich. Statutenrevision. Der erste Punkt der Tagesordnung hatte die wichtige Frage der Revision der gegenwärtigen Statuten des B. I. A. R. zum Gegenstand. Wie erinnerlich, war vom ersten Internationalen Autostrassen - Kongress beschlossen worden, eine Organisationserweiterung auf internationaler Basis in dem Sinne vorzunehmen, dass sämtlichen interessierten Staaten, Gesellschaften oder Privatpersonen die Mitwirkung an dem gemeinsamen Werke ermöglicht werden soll, um so mit allen Mitteln die Entwicklung der Autostrassen zu fördern. Die von Dr. Nyffeler in dieser Richtung gemachten Vorschläge sind genehmigt worden und sollen nun dem voraussichtlich im kommenden Frühjahr stattfindenen zweiten internationalen Autostrassen-Kongress zur sie zerfleischten sich im Kampf um ein Beutestück, aber sie achteten sich, denn eines verband sie unlöslich zu einem Ganzen: das Bewusstsein des gemeinsamen Herrentums. Sie liebten und hassten, sie achteten und verachteten immer nur ihresgleichen. Damals und jetzt. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit zur Erhaltung ihrer Macht verband sie. Wenn sie auf ungesatteltem Gaul über ihre endlosen Ebenen dahinjagten, dann gingen sie und kamen sie immer nur zu ihresgleichen. Viel anders war es auch heute nicht. Wo ich auf meinen Fahrten auch hinkam, überall empfing mich rückhaltlose Herzlichkeit, denn, wenn ich auch nicht einer der ihren war, so kann nach ihren Begriffen doch ein Herr zum anderen. Fast ausnahmslos waren es die Abkömmlinge alter Adelsgeschlechter, die ihren Besitz und ihre Herrschaft über andere auf endgültigen Annahme vorgelegt werden, worauf dann die neue erweiterte Gesellschaft sich zu konstituieren hätte. Als Zweck dieser Organisationen nennt der Statutenentwurf : die Förderung der moralischen und finanziellen Zusammenarbeit von Staat und Privatinitiative in allen Autostrassenfragen («Autostrassen im Sinne von Verkehrsrouten, die ausschliesslich dem Automobilverkehr geöffnet sind); als Mittel zur Erreichung des erwähnten Zieles: die Schaffung der technischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Grundlagen, die für den Bau von Autostrassen erforderlich sind. Dabei verdient, besonders im Hinblick auf die Ansprache, die der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, seinerzeit an die Teilnehmer des neulichen Autostrassen-Kongresses gerichtet hat, die Tendenz des B. I. A. R. hervorgehoben zu werden, an das schon bestehende Strassennetz anzuknüpfen und dessen Ausbau in keiner Weise zu hindern, sondern im Gegenteil zu fördern. Das Arbeitsprogramm. Neben der Aufstellung des Budgets für das erste Geschäftsjahr 1932 und der Festlegung des Geschäftsreglementes, die als mehr interne Fragen hier weiter nicht interessieren, hatte die Kommission sich auch mit der Ausgestaltung des Arbeitsprogrammes zu befassen. Dieses setzt, wie bereits angedeutet, voraus, dass sich Staat und Privatinitiative ausammentuTi, um den Bau von Autostrassen zu fördern, und zwar in dem, den heutigen Verhältnissen angemessenen Sinn, durch die betreffenden Arbeiten die Beschäftigungslosigkeit bekämpfen zu helfen. Das ist ja auch der Grund, weshalb sich das Internationale Arbeitsamt für die Bestrebungen des B.I.A.R. interessiert. Man geht von dem Gedanken aus, dass es auf diese Weise möglich wäre, einen Teil der heute unproduktiv für Arbeitslosenunterstützung ausgegebenen Gelder, in wirtschaftlicher Weise zu verwenden, mit andern Worten produktiv zu gestalten, wofür verschiedene Methoden in Aussicht genommen werden können. Grundlegend ist die Idee, dass, wenn der Autostrassenbau, wie vorgesehen, der Privatinitiative überlassen bleiben soll, zur Ermunterung des heute vielfach brach liegenden Kapitals vor allem erforderlich ist, auf einer internationalen Basis INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 nun hohe Grundzelle ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU> Grftssere Inserate nach Seitentarit. Inseratenscnlns« 4 Tage vor Erscheinen der Kammern eine wirtschaftliche Grundlage zu finden, unt die betreffenden Anlagen rentabel zu machen. Soweit diese Wirtschaftlichkeit noch nicht völlig hinreicht, um die investierten Gelder entsprechend zu amortisieren und zu verzinsen, so könnte eben mit dem Staat, der durch solche Arbeitsbeschaffung einerseits in seiner Unterstützungstätigkeit entlastet wird, ein Uebereinkommen getroffen werden, wonach anderseits die in einem bestimmten Verhältnis von ihm noch zu leistenden Beiträge dem Unternehmen dazu verhelfen würden, den nötigen Grad der Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Eine internationale Vertrauensstelle. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das B.l. A.R. selbst keine Strassen baut, sondern lediglich eine internationale Beratungs- und Vermittlungsstelle sein will. Auf diese Weise hofft es, sich zu einer eigentlichen Vertrauensstelle internationalen Charakters auswachsen zu können, einer Stelle, die dem anlagesuchenden Kapital in wirtschaftlichen Fragen des Autostrassenbaus erschöpfende und zuverlässige Auskunft zu geben imstande wäre. Die entsprechende Denkschrift des Präsidenten Dr. Nyffeler, welche die Richtlinien für das gesamte Arbeitsprogramm enthält und von der Kommission als grundlegende Arbeit anerkannt und gewürdigt worden ist, geht ausführlich auf alle wirtschaftlichen, und rechtlichen Fragen ein, die sich in diesem Zusammenhange stellen. Um sich einen Begriff von dem Wege zu machen, der zur Beantwortung der •.Kardinalfrage der Wirtschaftlichkeit führt, seien die folgenden Punkte genannt, die sukzessive abgeklärt werden müssen : Eruierung der voraussichtlichen Verkehrsfrequenz der Autostrasse; Erstellung eines technischen Projektes zwecks Berechnung der voraussichtlichen Baukosten; Festlegung der Unterhalts- und Betriebskosten, sowie der Finanzierungsart; Abklärung anderweitiger Verwendungsmög-- Henkelten der Autostrassenanlage; Festlegung der voraussichtlichen Taxen an Hand der geschätzten Verkehrsfrequenz, sowie der voraussichtlichen Amortisations-, Unterhalts- und Betriebskosten; Festlegung der Vorteile der Autostrasse gegenüber der bestehenden Strasse; Vergleich der zu erhaltenden Werte mit dem errechnenten Betrage der Taxen; Jahrhunderte zurückrechneten, und wenn sich hie und da ein Eindringling einschlich, so verkehrte man mit ihm nur, wenn man musste, begegnete ihm mit anerzogener, gekünstelter Höflichkeit, aber nicht mit zwangloser Herzlichkeit. In mir sah man dergleichen nicht. Mit dem instinktiven Spürsinn ihrer hochgezogenen Rasse sahen sie in mir den Gleichgestellten, den Herrn, aber nicht den Diener. Mit raschem und scharfem Blick prüften sie den Fremden. Allein, wenn man sich das Geringste vergab, sei es in der Ritterlichkeit ihren Frauen gegenüber, ein schlechter Sitz im Sattel, ein übellauniges Wort im Spiel, so witterten sie in einem den Abkömmling aus der Pfütze des Volkes, der sich vor den Pferden ihrer Vorfahren zu Boden kauerte, damit sie sich über dessen gekrümmten Rücken in den Sattel schwangen. Und dann wanderte man unweigerlich auf den Misthaufen ihrer gesellschaftlichen Empfindungen. Und noch eines ! Wehe dem, der ihr Vaterland verletzte. Alles konnten sie vergeben, aber dies nicht. Ihr Vaterland ! Ihre Heimat! Ihre Wiege ! Ihr Stolz! Ihr Blut! Ihr Alles ! Extra Hungariam non est vita ! So zog ich mit meinen beiden Trabanten von Herrschaftssitz zu Herrschaftssitz. Besuche, für welche ich mir nach unsern gesellschaftlichen Anschauungen Minuten vorgenommen hatte, wurden zu Stunden, und wenn ich mich nicht gewehrt hätte, wären sie zu Tagen geworden. Von dem Augenblick an, wo ich das Haus betrat, schien jeder einzelne davon beseelt zu sein, mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, mir beweisen zu müssen, dass es nirgends schöner sein könne wie in ihrem Hause, in ihrem heiligen Vaterland; die Männer schwärmten von dem Liebreiz und der Anmut ihrer Frauen, die Frauen schwärmten von der Ritterlichkeit ihrer Männer, mit liebenswürdiger Höflichkeit vergassen sie nie des Gastes, sprachen zu ihm mit Entzücken von dessen Heimat, und dass bei ihm die Berge und Täler, die Männer und Frauen — kurz alles — fast so schön sei wie in Ungarn. Meine Anwesenheit musste sich in der ganzen Umgebung herumgesprochen haben, denn, wohin ich kam. überall quiekten in Todesangst die Ferkel, blökten die Kälber, und schnatterten die Gänse. Wenn ich dann endlich wieder meinen Wagen bestieg, womöglich unter den Klängen einer Zigeunermusik, hundert Händedrücke tauschend, darin lauerte ich auf den Augenblick, in dem mein gastlicher Aufenthalt hinter mir verschwunden war, nahm rasch drei Esslöffel Soda, die mir Katzenstein besorgen musste, und fuhr auf mein nächstes Besuchsziel los, wo meiner ohne jeden Zweifel dieselben Genüsse harrten. Manchmal mit Zigeunern, manchmal ohne Zigeuner. Am Ende der ersten Besuchswoche, die mich Tag für Tag unterwegs sah, trug ich mich mit dem Gedanken, meine Arbeit auf dem Gut einzustellen und mich mit einer sechsmonatigen Karlsbader Kur für die Menschheit wieder gebrauchsfähig zu machen. Ueberall bestellte ich Grüsse meines neuen Freundes Gyuri bäesi. Ueberall lachte man freudig, wenn ich seinen Namen erwähnte. Der Gyuri bäesi! Wo er sei ? In Budapest ? So, so ! In Budapest ! Na ja ! In Budapest ! Vor zwei Tagen hatte ich den letzten meiner Besuche erledigt, wenn er auch nicht auf der Liste des Gyuri bäesi stand, aber ich hatte es den Herren im Regiment fest versprochen.,. Oberst Hans Leopold Freiherr von Gratt, der Schnorrer, wie in Pinkas Katzenstein mit verächtlicher Miene genannt hatte. Als ich in meinen Wagen stieg, stand Katzenstein vor mir und traf sofort alle Anstalten, um zu Jan Szivak auf den Bock zu klettern. « Was ist, Katzenstein ? Sie wollen zu Ihrem Todfeind ? » «Schauen Sie, Herr Baron ... schon gut, ärgern Sie sich nicht, ich werde Ihnen nicht mehr Baron sagen.... also schauen Sie, Herr Ba..., schauen Sie, gnädiger Herr, bis jetzt