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E_1931_Zeitung_Nr.104

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE Schnitt durch den nachträglich einbaubaren, durch Unterdrück betätifften Tourenzahlregulator für Lastwagenmotoren. rohr des Motors entstehenden Unterdruck oder der Geschwindigkeit der einströmenden Frischgase abhängt. Zu den Apparaten des erstgenannten Systems gehört beispielsweise der Regler, der oben im Schnitt dargestellt ist. Dieser Regler wird als Flansch zwischen den Vergaser und das Saugrohr eingesetzt. Entsteht im Saugrohr des Motors ein hoher Unterdruck, wie es ausser im Leerlauf auch bei höheren Tourenzahlen der Fall ist, so überträgt sich dieser durch den Kanal 9 in den Raum 20. Der Kolben 47 wird dadurch, entgegen dem Druck der Federn 10 und 11, nach links herübergezogen und führt so seinerseits eine teilweise Schliessung der Drosselklappe 3 herbei. Durch die Verstellschraube 13 lässt sich die Spannung der Feder 11 und 10 verändern, so dass man leicht bestimmen kann, bei welchem Unterdruck, und letzten Endes bei welcher Tourenzahl der Regler in Wirkung treten soll. th. Bessere Federn. Wir haben die Abfederung des Automobils schon oft als eines der meist verbesserungsbedürftigen Probleme des Autobaues bezeichnet. Anzeichen dafür, dass mit dem Abgehen von der Pferdefuhrwerk-Federung diese Besserung auch bevorsteht, sind deutlich genüg vorhanden. Wir brauchen da nur auf das Beispiel des neuen Mercedes-Typs 170 hinzuweisen, der mit seiner Schwingachs-Abfederung über bisher kaum in diesem Gütegrad für möglich gehaltene Fahreigenschaften verfügt. Aber auch da, wo man die bisherigen Federanordnungen (bis auf weiteres) beibehält, sollten wenigstens die grössten Mängel beseitigt werden. Als ein solcher Mangel wird seit jeher das lästige Quietschen der Federblätter empfunden. Und doch ist das Gequietsch nach wie vor an der Tagesordnung. Es ist nicht zu vermeiden, dass sich die einzelnen Federblätter eines Federpaketes beim Durchfedern aufeinander verschieben. Diese gegenseitige Bewegung der Federblätter gibt ja dem Federpaket auch gerade eine seiner guten Eigenschaften, nämlich die aus der Reibung resultierende Dämpfung. Die Dämpfung kann man sehr wohl gebrauchen, denn sie verhindert, dass der Wagen beim Ueberfahren von Bodenwellen zu stark aufgeschaukelt wird oder nach jeder Unebenheit noch eine Zeitlang nachschwingt. Eine starke Dämpfung ist sogar so erwünscht, dass man sich l»ir«sl«t !*«§*«» Wink« Schutz für vernickelte und verchromte Teile. Die dem Strassenschmutz ausgesetzten, vernickelten Teile, wie Stossstangen. Radkappen usw. müssen oft geputzt werden, wenn sie ihr schönes Aussehen behalten sollen. Diese Arbeit kann man sich ersparen, indem man die betreffenden Teile mit einer Lösung von Zelluloid und Amylacetat bestreicht. Diese Lösung erhärtet sehr bald und wird so fest, dass der schützende Ueberzug auch durch den Strassenschmutz nicht abgewischt wird. Für die Herstellung dieser Lösung eignen sich alte Zelluloidsachen, die man vorher in heissem Wasser reinigt, fr. Der Vergaser-Schwimmer undicht. Das schnellste Verfahren zum Auffinden einer Undichtigkeit im Schwimmer des Vergasers ist das, dass man in genügendem Abstand von feuergefährlichen Gegenständen ein brennendes Streichholz unter den Schwimmer hält. Das im Innern des Schwimmers veranlasst gesehen hat, auch noch zusätzliche Dämpfungsvorrichtungen einzubauen. Gemeint sind damit die «Stossdämpfer», die natürlich «Schwingungsdämpfer» genannt werden sollten. Entschieden, unerwünscht ist jedoch, das Geräusch, das die gegenseitige Bewegung der Federblätter sehr oft verursacht. Dass dieses Geräusch vermieden werden kann, beweisen schon einige Tropfen zwischen die Federblätter gebrachten Schmieröls. Die Notwendigkeit, jedes Federpaket alle Augenblicke zu schmieren, würde uns allerdings fast ebenso belästigen wie das Quietschen, das dadurch beseitigt werden soll. Aber es gibt viele andere Arten, dem entwickelte Gas wird dann zu der' undichten Stelle hinausgeblasen, entzündet sich und bildet eine Stichflamme. Nun braucht man NO 104 Lärm dauernd beizukommen. Ausgezeichnet bewährt haben sollen sich Zwischenlagen von poliertem, ganz dünnem Uhrfederstahl zwischen den einzelnen Federblättern. In Amerika stehen statt der Stahlzwischenlagen solche aus Gummi im Gebrauch, anscheinend ebenfalls zur vollen Befriedigung ihrer Benutzer. Und schliesslich bestehen auch noch die bekannten Federbandagen. Dass noch keine Fabrik darauf verfallen ist, sich einen grossen verkaufstaktischon Vorteil durch die Verwendung garantiert quietschsicherer Federn zu verschaffen, zeigt, dass noch manches zu tun übrig bleibt. -thy- die Flamme nur wieder zu löschen und den Schwimmer so zu drehen, dass die Undichtigkeit unten liegt, damit alles noch zurückgebliebene flüssige Benzin durch den innern Gasdruck herausgetrieben wird. Immerhin ist einige Vorsicht am Platz, damit man sich nicht die Finger verbrennt. at. Kennzeichnen von Werkzeugen. Werkzeug wird erfahrungsgemäss nur allzu leicht — bewusst oder unbewusst — verwechselt. Um solche unliebsame Vorkommnisse auszuschliessen, sollte es deshalb immer gekennzeichnet sein. Unveränderbare Zeichen lassen sich auf Metall Werkzeugen leicht .anbringen. Indem man sie einätzt. Als Aetzmittel eignet sich dafür Kupfersulfat, das In jeder Drogerie erhältlich ist. Einige der blauen Kirofersulfatkristalle werden zu Pulver zerdrückt, mit etwas Salz vermischt und dann mit Wasser zu einem dünnen Brei angerieben. Das Werkzeug hat man vorher mit schwarzem Japanlack gestrichen und nur an der zu kennzeichnenden Stelle metallblank gelassen. Komplizierte Zeichen, wie Namenszüge oder Buchstaben, lassen sich auch nach^ träglich aus dem Lack herauskratzen. Die blanken Stellen werden nun mit dem. Aetzmittel bestrichen und dieses so lange wirken gelassen, bis keine sichtbare Reaktion mehr stattfindet. Nach dem Abwaschen des Werkzeuges und Entfernen des überflüssigen Lacks wird man dann das Zeichen deutlich in das Metall eingeätzt vorfinden. — s. Entwurf zu einem Heim-Trainingsapparat für- Rermfabreri •;. Wenn das Personal an der Box nieht genüeenH geschult ist ».; ; . («TnoAutocar»): ; Der Adlerwagen empfiehlt sich selbst! Feuersicherer Verkauf dar Ersatzttib zu Original-Preisen der fieneral-Motors Co. Virlangen Sie dia Preisliste Sägemehlofen .Rapid' Verbesserung des Scheinwerferlichtes. Ein Praktikus hat herausgefunden, dass die Strahlenverteilung von billigeren Scheinwerfern, bei denen auch durch sorgfältiges Einstellen kein gleichmässiges Licht zu erreichen ist, verbessert werden kann, indem man, wie in der Skizze durch eineii Pfeil an* gedeutet, auf dem Abschlussglas, eirfen kleir nen konvexen Spiegel festkittet Das Verfahren erwies sich besonders bei Scheinist der beste u. billigste Ofen dieser Art punltto Betrieb u. Heizkraft, ist stark u. solid gebaut, mit einfacher Regulierung versehen u. absolut feuersicher. Grosse Fassung, datier lange Brenndauer. 10 b. 12 Stunden, ohne jegliche Bedienung- Unentbehrlich f. Werkstätte, Garagen u jede andere Lokalität. 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Bern, Dienstag, 22. Dez. 1931 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 104 Wie die Völker Weihnachten feiern Wer kennt sie nicht und wem sind nicht Jene uralten Sitten und Gebräuche teuer, die sich mit dem Weihnachtsfeste und vor allem mit dem Weihnachtsabend selbst verbinden, mit dem besonders bei Kindern soviel •Freude erweckenden Weihnachtsbaum und den Weihnachtsgeschenken? Das Festessen am Weihnachtsabend ist, wie es scheint, uralt und noch ein Ueberbleibsel jener heidnischen Sonnenwendieiern, mit denen der Glaube 1 an ein Leben im Jenseits Hand in Hand ging, um sich auf diese Weise zu einer Ehrung, der Toten auszuwirken, die man bei jenen Gastmählern zu bewirten pflegte. Und noch heute trifft man besonders im Osten Europas in verschiedenen Gegenden die Sitte, Töpfe mit Speiseresten am Weihnachtsabend unter den Tischen für die Seelen • der Verstorbenen zurückzulassen oder die andere Sitte, einen freien Platz am Festtisch entweder für noch unbekannte Gäste, die an diesem Abend vielleicht kommen könnten odeT für die Seelen der Verstorbenen freizulassen. Die uralten Ueberbleibsel der ehemals heidnischen Sitten, heiligte später die fromme christliche Tradition. Der Tisch sollte am Weihnachtsabend, gemäss einer alten Sitte, zunächst mit Heu und dann erst mit einem Tischtuch bedeckt werden, und zwar zur Erinnerung an das Heu, das in der Wiege in Bethlehem lag. An den Tisch sollte sich unbedingt nur 'eine gerade Zahl von Teilnehmern setzen, damit nicht der Inhaber der ungeraden Zahl im nächsten Jahre sterben musste. Die Zahl der Speisen für den Weihnächtsabendtisch hat aber ungleich zu sein; weswegen, dafür gibt es keine zufriedenstellenden Erklärungen. Auch die besonders im Osten Europas weitverbreitete Sitte, sich am Weihnachtsabend vor dem Essen Oblaten zu verteilen, geht auf eine unbekannte Herkunft zurück. Die einen sehen darin die Uebertragung des Oste'rabendmahls auf den Weihnachtsabend, wo' sich Christus mit seinen Jüngern in das Brot teilte — die anderen das Echo einer Sitte der Urchristen, die das Brot zum Zeichen der Brüderschaft und Einigkeit brachen und auf diese Weise die Sitte der symbolischen Glückwünsche, wie sie die zeitgenossischen Heiden kannten, heiligten. Die Heiden wollten damit zum Ausdruck bringen, dass es niemanden an Brot fehlen sollte, also" an jenem überall vorhandenen und grundsätzlichen Lebensmittel. Nach dem Weilinachtsessen befiehlt die Tradition Weihnachtslieder zu singen, deren Entstehung gleichfalls häufig in die Zeit des Urchristentums zurückgeht. Ihre Wiege ist vor allem das antike Rom, wo die ersten Tage des Monats die sogenannten «Caiendae •»• durch das Absingen entsprechender Lieder und die Beschenkung der Freunde gefeiert wurden. Und da noch bis ins Mittelalter hinein das Neujahr am Weihnachtsfest gefeiert wurde, verband sich das Singen der Neujährslieder für immer mit der Tradition des Weihnachtsabends und den darauf folgenden Feiertagen. Die Christenwelt gab jenen Liedern einen heiteren und schönen Infialt und brachte sie grösstenteils mit der Geburt des Erlösers in Verbindung. 1 Aber das Weihnachtsfest wird nicht über- ÄII in gleicher Weise begangen. In Frankxeichheisst das Weihnachtsabendessen « Re- •velllon» und wird nicht nach dem Erscheinen des ersten Sterns verzehrt, wie besonders bei uns auf dem Lande und im Osten 'Europas, sondern nach Mitternacht, und zwar nach der Weihnachtsmette. Es setzt sich statt aus Fasten — aus Fleischspeisen zusammen und besitzt schon eher karnevalistischen und öffentlichen, als gesammelten und häuslichen Charakter. In dem, man kann schon sagen, ziemlich vergnügungssüchtigen Paris legt sich in dieser Nacht kein echter Pariser, der etwas auf sich hält, schlafen. Den Weihnachtsabend, der in Frankreich ein normaler Arbeitstag ist. beschliesst der gläubige Pariser mit dem Besuch einer der vieler) Kirchen, wo an diesem Abend besonders feierliche Gottesdienste mit häufig grossartif)gen Konzerten stattfinden. Nach der Kirche kommt die Restauration an die Reihe, die ebenso wie bei uns am Silvesterabend schon lange vorher Vorbestellungen entgegennehmen, und hier dauert die Feier bis in den Morgen hinein. In Frankreich herrscht auch die Sitte, sich an diesem Tage mit einem «Weihnachtsholz» zu beschenken, in dessen ausgehöhltem Innern Geschenke verborgen sind. Heute überwiegen natürlich Imitationen aus allen möglichen Stoffen, vor allem aus Schokolade usw. Aus Fleisch und gleichfalls nicht aus Fastenspeisen besteht das Weihnachtsabendessen in England, die sogenannte «Christmas », wo jedes, auch das ärmste Haus, mit Grün geschmückt sein muss, grösstenteils mit Stechpalmen oder Mistelzweigen. Unter dem von der Zimmerdecke herabhängenden Mistelzweige darf der junge Mann das Mädchen am Weihnachtsabend küssen. Es ist wohl nicht nötig hinzuzufügen, dass der junge Engländer dieses lustige Privileg, so gut es ihm möglich ist, ausnutzt. Die Engländer essen überhaupt sehr viel, aber an diesem Abend verschlingen sie unwahrscheinliche Mengen von Truthähnen, die auf keinem Weihnachtstisch fehlen dürfen. In vielleicht noch grösserem Masse als bei uns gedenkt man in England an diesem Tage der Armen und beschenkt sie mit warmer Kleidung, Kohlen usw. Ebenfalls sehr viel isst man an diesem Tage in Spanien, wo man sich nicht mit einer einzigen Weihnachtsfeier begnügt, sondern deren gleich zwei hat, und zwar eine mit Fastenspeisen, wenn die Dämmerung hereinbricht, und eine zweite mit Fleischspeisen nach der sogenannten «Hahnenschreimesse», die bei Morgengrauen abgehalten wird. Mit diesem Zeitpunkt beginnt im ganzen Lande eine allgemeine Heiterkeit und ein Volksvergnügen. Man brennt Feuer ab, feuert Salutschüsse und tanzt auf der Strasse. In Spanien existiert eine interessante Sitte, die auch in südamerikanischen Ländern spanischer Zunge zu Hause ist, dass nämlich der Militärgouverneur der grossen Städte in dieser Nacht die Militärgefängnisse besucht und den am wenigsten schuldigen Uebeltäter freilässt. Die wohl interessanteste und gleichzeitig rührendste Sitte ist die, die Vögel zum Weihnachtsabendeswsen einzuladen; eine Sitte, "die besonders in Dänemark und Norwegen weitverbreitet ist. Man stellt reich mit Körnern und Brosamen beschüttete Futterkrippen auf, damit auch die Vögel an diesem Tage ihre Freude haben. So vielfältig die verschiedenen Völker das Weihnachtsfest feiern, so herrscht doch überall die Sitte, die Kinder am Weihnachtsabend zu beschenken, nicht nur die eigenen, sondern auch die Waisen und andere arme Kinder, deren Eltern an diesem Tage ihren Kleinen keine Freude zu bereiten imstande sind. Ob unter dem Tannenbaum oder Mistelzweig oder im Innern des ausgehöhlten Weihnachtsholzes, überall verbergen sich kleine Geschenke für die Kinder, deren eigentliches Fest Weihnachten ist. K. Das beste Weihnachtsandenken Der dem Weihnachtsfest vorangehende Zeitabschnitt, ist eigentlich der kummervollste im Jahre, denn jeder, die Frau wie der Mann, die Kinder und die Dienstboten, alle haben Kummer. Die Frau denkt dauernd daran, dass der Kuchen ja nicht daneben gerate, weswegen sich doch im vorhergehenden Jahre die Herrschaften Hinkebein beleidigt fühlten. Der Herr des Hauses grübelt von früh bis spät, wie man aus 50 Franken Weihnachtsgratifikation drei Feiertage und einen Weihnachtsbaum mit den nötigen Zutaten zurechtstutzen könne. Die Kinder sind von dem Gedanken in Anspruch genommen, was sie zu Weihnachten bekommen, denn das eine möchte nach alter Sitte ein Schaukelpferd und das andere ein Auto zum Aufdrehen. Mit einem Wort: in. der Vorweihnachtswoche brummt jeder Familie — wenn man so sagen kann — der Schädel, dass sie über das magische Wort «Feiertage» hinaus nichts anderes zu denken in der Lage ist. Ich bin keine familiäre Natur, habe keine Kinder, komme ohne Dienstboten aus und dennoch habe auch ich vorweihnachtliche Forcen