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E_1933_Zeitung_Nr.002

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Motorfahrzeuges

Motorfahrzeuges einigermassen würdige Tempo von etwa 25 km in der Stunde erreichen. Die Motoren, die vorher stets ihr Aeusserstes hatten hergeben müssen, konnten dann etwas gedrosselt werden; sie dankten uns auch die freundliche Behandlung dadurch, dass sie uns bisher noch nie ernstlich im Stich gelassen hatten. Eine dieser Fahrten machten der Polarforscher Peter Freuchen und Magister Larsen mit, die von Umanak aus die Expedition besuchten. Am 17. September machten wir den endgültigen Angriff auf « Eismitte ». Den grössten Teil der Last sowie einige Kannen Benzin hatten wir bereits bis km 200 vorgeschoben. Nun fuhren wir mit dem letzten Rest und einer gewaltigen Ladung Brennstoff von unserem bei km 85 angelegten Depot erneut in Eichtung Osten. Wir waren wieder vier Mann. Nach fünf Stunden Fahrt kamen wir abends kurz vor Anbruch der Dunkelheit zum zweitenmal bei km 200 an. Wir erhielten einen unerwarteten Empfang. Unsere Kameraden Wölcken und Jülg waren eben, auf ihrer Hundeschlittenreise von « Eismitte » mit ihren Grönländern zurückkehrend, hier angekommen. Wir bereicherten die schon fertige Zeltstadt schnell noch mit unsern beiden Zweimannzelten, schmierten die Motoren ab und hüllten sie sorgfältig ein. Dann, nach dem Abendbrot, sassen wir zusammen und tauschten unsere Erlebnisse aus. Die letzten Fahrten mit den Propellerschlitten waren so programmässig verlaufen, dass wir mit Berechtigung hoffen durften, am nächsten Tag von hier aus nach «Eismitte» fahren zu können. In bester Stimmung legten wir uns in den Schlafsack, froh, unserm Ziel auf Handbreite nahegekommen zu sein. — Es sollte aber anders kommen. Dicker Nebel und Schneetreiben empfingen uns am nächsten Morgen, als wir früh um 6 Uhr zum Aufbruch rüsten wollten. Sollte uns das Wetter in letzter Minute doch noch einen Streich spielen? Tatsächlich war unter diesen Umständen an einen Start nicht zu denken. Resigniert zogen wir uns wieder in unsere Zelte zurück und hielten Kriegsrat. Wollten wir « Eismitte » erreichen, dann mussten wir mit unserem Brennstoff haushalten. Auf keinen Fall durften wir unsere Reise dadurch aufs Spiel setzen, dass wir im Nebel, ohne dem Fähnchenweg folgen zu können, losfuhren und später durch Suchfahrten nach der Route unser wertvolles Benzin verbrauchten. Es blieb nur eine es war das Wort Police. Dann kamen die Stimmen näher, und einen Augenblick später traten zwei Männer aus dem dahinter liegenden Zimmer ein, dessen Eingang von einer Draperie verborgen war. Beide waren ungefähr von derselben Grosse und hatten schwarze Augen, aber während der eine glatt rasiert war und korrekt gescheiteltes schwarzes Haar hatte, war der Kopf des anderen von einer üppigen roten Mähne umrahmt, und sein Gesicht schmückte ein buschiger, roter Schnurrbart. Ein rothaariger Franzose, das habe ich, by 'Jove, noch nie gesehen, dachte Kenyon; ein Irländer meinetwegen, aber ein Franzose hat schwarz zu sein, so ist es von der Vorsehung bestimmt. Während die beiden Herren, von denen der Rothaarige offenbar der Ladenbesitzer war, .voneinander Abschied nahmen, schnappte Kenyon noch ein Wort auf, Professor, was ein scherzhafter Titel zu sein schien, da er von dem schwarzhaarigen Herrn an den roten gerichtet wurde. Der erstere ging dann fort, Ein Schweizer Konstrukteur in Amerika. Das alte Wort von dem Propheten, der im Vaterlande nichts gilt, hat seine Berechtigung immer und immer wieder erwiesen. So weiss man beispielsweise, dass wichtige europäische Erfindungen auf dem Gebiete des Automobilbaues erst Eingang bei uns gefunden haben, nachdem sie von amerikanischen Konstrukteuren in amerikanischen Wagen bei uns auf den Markt gebracht worden waren. Nicht so bekannt ist die Tatsache, dass europäische Pioniere zu der Zeit in der amerikanischen Automobilindustrie eine leitende Rolle spielten, als diese noch in ihren Kinderschuhen steckte. Für uns Schweizer dürfte es interessant sein, zu wissen, dass Louis Chevrolet, ein Schweizer von Geburt, zu denen gehörte, die von der Schweiz aus als junge Leute nach den Vereinigten Staaten auswanderten um dort der Automobilindustrie zur weitern Entwicklung zu verhelfen. Chevrolet war erst als Arbeiter, als Werkmeister, dann als Rennfahrer und schliesslich als Konstrukteur in Amerika tätig. Den ersten Chevrolet konstruierte der Schweizer in der oberen Etage eines Hauses in Detroit, die ihm damals noch als Werkstatt diente. Der berühmte Autokonstrukteur lebt heute noch und konnte die grosse Popularität seiner Wagen noch erleben. Während noch im Jahre 1921 die gesamte Chevrolet- Produktion nur 4,5 % der amerikanischen Automobilkonstruktion ausmachte, kommt hielt nach dem Kompass den Kurs, wäh-Möglichkeitrend der Beifahrer in den Lastraum kletdiger gesinnt war. Ein trostloser Ent- warten, bis das Wetter gnäterte, von wo aus er eine viel bessere schluss, dessen Tragweite bei der herrschenden Jahreszeit uns nur allzu deut- TJebersicht über das Gelände hatte, tfnd nach den Fähnchen spähte. Durch Klopfzeichen auf das Dach des Führerraumes Wieder reisten die Hundeschlitten ab, lich vor Augen stand. wies er dann den Führer auf die markierte Route. ging vorüber, ohne dass auch nur einen während wir festgeleimt waren. Der Tag Jedesmal, wenn wir die Strecke von Augenblick lang die Aussicht bestanden « Start» nach km 50 hinter uns hatten, hätte, fahren zu können. Es wurde kalt, atmeten wir auf. Ausser den allerdings und mit dem Thermometer sank auch unserer Stimmung. Mit wachsender Sorge immer lästigen Schneewehen hörten dann die Geländeschwierigkeiten auf, und unsere braven, immer zum Brechen vollgelaten. In wenigen Stunden war unser Zelt sahen wir, wie wir allmählich einschneidenen Schlitten konnten dann das eines so zugeweht, dass wir Mühe hatten, herauszukommen. Auch der nächste Tag brachte vorläufig keine Besserung. Wir hatten uns geduldig mit unserem Schicksal abgefunden und warteten weiter. Schliesslich musste das Wetter doch einmal besser werden. In unsern kleinen Zelten wurde es bereits ungemütlich. Kleider und Schlafsäcke waren nass; beim Kochen war das Zelt sofort wie eine Waschküche mit Wasserdampf erfüllt. Doch als es gegen Abend bei —30 Grad Celsius etwas aufklarte, erwarteten wir mit neuer Hoffnung den nächsten Morgen. viereckiges Monstrum von Hund hervorgebracht, durch dessen ekliges Schnarchen ein ganzer Haushalt des Nachts keine Ruhe finden kann. Daher hat sich eine Bewegung zu dunsten der « Normal-Bulldogge » gebildet, der Bulldogge aus der guten, alten Zeit, frisch, munter und jovial und ohne das dekadente Asthma ihrer Veredelung. Auf diesem Wege hofft man die wankende Bulldoggentradition zu stützen. Bei Gott, möge es ihnen gelingen ! Endlich doch mal eine Kulturaufgabe... War Adam ein Türke ? Auf dem kürzlich in Angora abgehaltenen Kongress der türkischen Historiker tauchten im Verlauf der Vorträge einige interessante Hypothesen auf, die schliesslich zur Wahl einer Kommission führten, die damit betraut wurde, alle auf die Existenz der alten Turkvölker in Zentralasien sowie ihre ursprüngliche Kultur, Wanderungen und Vereinigung mit anderen Rassen bezüglichen Unterlagen zu sammeln. Aus dem Ergebnis dieser Arbeiten soll ein grosses Geschichtswerk der türkischen Rasse hervorgehen. In ihrem Enthusiasmus vertraten einige der erwähnten Historiker die Meinung, dass die türkische Rasse die älteste der Welt sei, und zitierten zum Beweis einige interessante Belege, die, wenn auch vielleicht nicht allzu überzeugend, so doch sehr originell sind. So soll zum Beispiel aus dem Umstand, dass heute schon auf jedes dritte Auto ein Che-divrolet. So wurde der Name eines einfachen «Greis» und «Haus» den Namen des ersten türkischen Ausdrücke für «Mann» oder Schweizer Arbeiters ein Gemeingut der ganzen Welt, auf der Automobile rollen. x. hervorgehen, dass die ersten Erdenbewohner Menschenpaares «Adam» und «Eva» gleichen, Türken waren. Die Bulldogge stirbt aus. Zur Aufklärung verschiedener dunkler Grossbritannien befindet sich in Wallung. Epochen der türkischen Geschichte soll keine Nicht wegen Indien, nicht wegen des Pfun- Mühe gespart werden, da man hofft, eine des und nicht einmal wegen einej neuen Weste des Prinzen von Wales. Eines der heiligsten Güter der Nation ist in Gefahr : die Bulldogge stirbt aus. Die Bulldogg-Clubs halten bestürzt Konferenz nach Konferenz : bei der letzten Bulldogg-Schau gab es nur 29 Meldungen, und auch weitere Anzeichen verbürgen, dass dieses nationale Tier an Popularität verloren hat. Man suchte nach den Gründen und findet sie vor allem in der Ueberzüchtung dieser Rasse. Die Ueberzüchtung, sagt der Vorsitzende des Bulldoggzuchtkomitees, hat ein bestieg ein Auto und fuhr davon. Kenyon begann nun einige Fragen in der Falschmünzerangelegenheit an den Rothaarigen zu richten. t Aber M. Lavertisse zeigte sich nicht sehr entgegenkommend. Man hatte ihm falsches Geld angehängt, aber er konnte die Quelle nicht angeben. «Das kann heutzutage jedem Geschäftsmann passieren, dass er falsches Geld in die Kasse bekommt,» sagte er kurz. «Die Polizei steht ja dieser Verbrecherbande ratlos gegenüber; und von dem jungen Herrn in der « Daily Mail», der sie herausgefordert hat, hört man doch auch nichts.» Kenyon wurde rot und beeilte sich, das Gesprächsthema zu wechseln. In einer Ecke des Fensters lagen ein paar schöne japanische Holzschnitte, er sprach den Wunsch aus, sie sich anzusehen. Er war ein leidenschaftlicher Sammler und beschloss nach kurzer Prüfung, die Holzschnitte, eine Serie von neun Stück, zu erstehen. « Was ist. der Preis ?.> fragte er. « Achtzehn Pfund, Sir, für alle neun. Zwei Pfund das Stück.» « Hm, das finde ich teuer.» «Nein, Sir, verzeihen Sie, das ist nicht teuer. Ueberdies sind das Dinge, die noch AUTOMOBIL-REVUE 1933 - Der Tagesfilm Reihe von Umständen an den Tag zu bringen, die den grossen Einfluss alttürkischer Zivilisation auf die Weltgeschichte darzutun vermag. So vertritt auch ein anderer türkischer Autor die These, dass das Paradies, aus dem die ersten Menschen verwiesen wurden, sich in den grünen Weidegründen Zentralasiens befunden habsn soll, eine Theorie, die übrigens vor längerer Zeit schon andere Vertreter gefunden hat, ohne dass man damals freilich gleich an ein türkisches Urelternpaar gedacht hat. unerhört an Wert steigen werden. Wir führen nur erstklassige Ware. Sir.» Obgleich noch durch die Anspielung auf die « Daily Mail» verletzt, musste Kenyon innerlich zugeben, dass der Mann recht hatte. Er nahm zwei Zehnpfundnoten heraus, steckte die zwei Pfund ein, die er zurückbekam, und bat, die Sachen zuzuschikken. Inzwischen kamen zwei Junge Männer von gewöhnlichem Kontoristenaussehen von der Strasse herein, nickten dem Ladenbesitzer zu und begaben sich in das rückwärtige Zimmer. Mit einem raschen « Sie entschuldigen, Sir ? » ging M. Lavertisse ihnen nach. Kenyon beeilte sich unterdessen, den Laden einer Prüfung zu unterziehen, konnte aber nichts Verdächtiges finden, und guckte dann rasch durch eine Spalte der Draperie in das anstossende Zimmer. Die beiden jungen Männer hatten einen grössern Haufen Silber- und Goldmünzen vor M. Lavertisse aufgestapelt, und dieser war damit beschäftigt, Posten in ein Geschäftsbuch einzutragen. «Alles scheint hier allright zu sein », sagte sich Kenyon mit einem Seufzer. «Vergessen Sie nicht, mir meine Sachen zu schicken ». rief er und verliess das Lokal. (Forts, folgt.) „Ecke des guten Beispiels Nach einer durch die vergangenen Festtage bedingten kleineren Unterbrechung ( setzen wir heute die Veröffentlichung von s guten Beispielen fort, die einen so erfreulich guten Anklang gefunden haben : Das gute Beispiel im Ausland. Ich möchte nicht verfehlen. Ihnen von einem guten Beispiel zu erzählen, das ich auf meiner Fahrt zur Pariser Kolonialausstellung im Sommer vorletzten Jahres in Frankreich erlebte. Damals fuhr ich von Pforzheim in Deutschland aus die ganze Nacht hindurch in der Richtung nach Paris. Ich wollte mit deutschen Verwandten noch vor dem mutmasslichen Inkrafttreten der berüchtigten 100-Mark-Sperre vor 12 Uhr nachts die deutsch-französische Grenze überschreiten. Beim Morgengrauen langten wir in einer kleineren französischen Stadt an. deren Namen ich mir nicht einmal gemerkt habe. Plötzlich fanden wir uns nicht mehr zurecht. Vergeblich schauten wir nach jemandem aus, den wir nach dem rechten Weg hätten fragen können; weit und breit war kein Wegweiser zu sehen. Zu dieser frühen Stunde lag offenbar alles noch in tiefem Schlafe; nachdem wir einige Zeit ratlos angehalten hatten, kam ein französischer Polizeibeamter in Uniform auf dem Fahrrad daher. Ich hielt ihn an und trug ihm mein Anliegen vor. Statt mir nun lang und breit den Weg zu erklären — wie etwa : die zweite Strasse rechts, dann die dritte Strasse links, dann über die Brücke usw. —. statt all dessen zog er die Uhr aus der Tasche, besann sich einen Augenblick, nickte dann vor sich hin und sagte einfach zu mir : «Veuillez me suivre.» Er schwang sich aufs Rad und fuhr mir mit flottem Tempo voraus : kreuz und quer, eine Zeitlang sogar ziemlich bergan. Nach etwa 5—10 Minuten hielt er an. ordentlich ausser Atem, und deutete mit der Hand nach einem Wegweiser, auf dem «Paris» zu lesen stand. Bevor wir unserem aufrichtigen Danke Ausdruck geben konnten, hatte der dienstfertige Beamte salutiert und sich schleunigst entfernt. Das eben geschilderte kleine Reiseerlebnis entspricht genau den Tatsachen und wird eingereicht von H. E. in L.-B. Zürcher Wochenprogramm Fr. abends Sa. nachm. Sa. abends So. nachm. So. abends 6. Jan. 7. Jan. 7. Jan. 8. Jan. 8. Jan. Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Die Fledermaus (A. Ab. 9), Mit Bonzo im Auto durchs Wunderland. VA Uhr: Tannhäuser. Im Weissen Rössl. Die Fledermaus. Schauspielhaus Abends SVt m h Sonn - tag nnchm 8?4 Uhr Fr. abends 6. Jan. Essig und Oel (Ein Strick, ein Blick, ein Mädel...). Sa. abends 7. Jan. Die Nacht vom Donnerstag, den 17. April. So. nachm. 8. Jan. Die Nacht vom Donnerstag, den 17. April. So. abends 8. Jan. Die Nacht vom Donnerstag, den 17. April, mit Sybille Binder. Clnema Apollo An heiligen Wassern, nach dem Roman von J. C. Heer, mit Karin Hardt. Sonnenquai * 16—18 Uhr und 20—23 Uhr: Gastspiel von «Dolly's three Sinebirds». Restaurant Hungaria, Beatengasse Nachmittags- und Abend-Konzerte. Leo Fagel mit seiner Wiener Künstler- und Stimmungskapelle. Caf6 AstOria, St. Pelersfrasse 18 Künstler-Konzerte, täglich 3—6 und 8—11 Uhr. Orchester Enrico Carletti. Zetthaus-Rest, und Roxy-Bar Erstklassige Küche. Cafe Neumann Inh.: Jos. Schicker. (Das Wiener Gross-Cafe ohne Musik). TJeber 70 Tageszeitungen und Illustrierte. — Parkplatz: St. Annagasse-Pelikanstrasse. (4 MÖBELFABRIK WORB E. SCHWALLER BESTBEKANNTES ETABLISSEMENT FÜR GUTE UND PREISWÜRDIGE ARBEIT! Feine Neuenburgerweine A. Ruedin-Viren aus CRESSIER Neuchätel Rsst. Schmiedstube, Solothurn empfiehlt seine eute Küche, sowie prima Weine Hedy Lehmann, vorm. 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N° 2 - 1933 AUTOMOBIL-REVUE 15 Uly ULJU II Dem von Kennern und Laien gleich gerühmten «Almanach der feinen Küche» (ein Tagebuch der besten französischen Rezepte), von Marcel Boulestin (Societäts- Verlag, Frankfurt a. Main), entnehmen wir folgenden Abschnitt: Wenn von den Freuden der Tafel, den Talenten der Hausfrau und von allgemeiner Geselligkeit die Kede ist, kommt man immer wieder auf Brillat-Savarin zurück: «Wer seine Freunde einlädt und dem Mahl, das er ihnen vorsetzen lässt, nicht seine persönliche Sorgfalt widmet, verdient nicht, Freunde zu haben.» Diese kleine Sentenz enthält klar und deutlich alle Pflichten und Aufgaben einer vollkommenen Hausfrau: Es ist die persönliche Note, auf die es ankommt, die Erfolg und Stimmung ausmacht, die bewirkt, was man für kein Geld kaufen kann. Ein glänzendes Diner zu geben, mit seltenen, der Saison vorauseilenden Produkten, ist kein Kunststück, wenn man über unbegrenzte Mittel verfügt. Man lässt Gericht auf Gericht folgen, eines vorzüglicher, kostbarer und auserlesener als das andere. Aber werden sich die Gäste dabei wohl fühlen und in Stimmung kommen oder gar entzückt und dankbar sein? Keineswegs. Denn sie 'werden fühlen, dass die Frau des Hauses persönlich nichts dazu getan hat. Dass sie es sich etwas hat kosten lassen, findet man selbstverständlich, obwohl man gleichzeitig sagen wird, dass eine solche «Aufmachung» geschmacklos sei, was wiederum nicht hindert, dass man sie geizig schimpfen würde, wenn sie weniger böte. Und warum sollte man ihr auch dankbar sein? Sie hat ja nichts getan, was Dank verdiente. Ihr Koch hat verschwenderisch eingekauft, und sie hat unbekümmert gezahlt. Das ist alles, Ich habe dieses extreme Beispiel gewählt, um eine typische Art von Gastlichkeit zu kennzeichnen. Angenommen, die Köchin hätte etwas weniger verschwenderisch eingekauft, und die Hausfrau hätte ein wenig ärgerlich gezahlt, so bliebe doch die Atmospäre, das Wesen der Sache, hoffnungslos dieselbe. Das gewisse Etwas würde fehlen, und das ganze Diner wäre missglückt, und zwar ausschliesslich, Weil die Hausfrau sich nicht selbst darum gekümmert hat. Wie die Frau des Hauses, wenn sie mit einem ihrer Gäste spricht, ihm das Gefühl geben muss, er sei die wichtigste und interessanteste Person in ihrem Salon, so muss sie auch bei einem Diner in ihm den Eindruck erwecken, als sei dieses oder jenes Gericht eigens für ihn gewählt und mit besonderer Liebe zubereitet worden. Auf diese Gefühle kommt es an, sonst ist das Diner misslungen. Aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit, die nebligen Höhen theoretischer Allgemeinheiten zu verlassen und zu ein paar praktischen Regeln zu gelangen. Jedes Spiel hat seine Regeln. Die erste lautet: Einfach sein und alles Prätentiöse vermeiden, die Mahlzeit sei kurz und gut. Es gibt nichts Abscheulicheres als ein stundenlanges Essen, bei dem man von sieben Gängen je einen Happen bekommt und hungrig vom Tisch aufsteht. Ferner sollte die Hausfrau wenigstens ein paar Anordnungen oder gar Einkäufe persönlich vornehmen. Ich meine das Einkaufen von Dingen wie Früchten oder besonderen Gemüsen. Dabei muss man sich darüber klar sein, dass das Telephon dazu völlig ungeeignet ist. Man muss sehen, fast möchte ich sagen, fühlen, was man kauft. Kein Obsthändler wird so dumm für Automobilisten und Chauffeure HDaOE Versand gegen Kl A A E« r% n l* v^% A 9EB1TIE V Die Hausfrau als Gastgeberin Der beliebte Gummistiefel Preis Fr. 1 9 50 Das Haus für bewährte Schuh-Qualitäten BDQXIX sein, auf die Frage, ob seine Birnen auch gut seien, zu antworten, nein, sie seien hart und grün und überhaupt eine schlechte Sorte. Er wird je nachdem versichern, es seien «saftige Tai'elbirneu» oder «feine Kochbirnen». Das muss man selbst beurteilen, und wenn einem das Aussehen der Birnen nicht gefällt, wähle man etwas anderes. Wenn man sein Bestes getan hat, um diese Kleinigkeiten zu besorgen, ist die Speisenfolge mit der Köchin zu besprechen. Das Anordnen eines Diners ist nicht so einfach, wie es aussieht — es sei denn, man hätte eine erstklassige Köchin, der man alles überlassen kann. Es erfortert Kenntnisse und Ueberlegung. Ungeschickte Zusammenstellung ist zweifellos oft am Missglücken einer Mahlzeit schuld, sei es nun zu Hause oder im Restaurant, und der Gesamteindruck kann durch gedankenlose Anordnung der Gerichte, von denen wohlgemerkt jedes einzelne ausgezeichnet sein mag, verdorben werden. Die Regeln sind ebenso schnell vergessen, wie sie leicht zu behalten sind. Sie laufen alle darauf hinaus, dass die Gerichte voneinander abstechen müssen. Wenn man mit einer Cremesuppe anfängt, darf man nachher nicht weisse Sauce zum Fisch geben. Ferner lasse man nie zwei scharf gewürzte Gerichte unmittelbar aufeinander folgen. Das Menü stelle man so zusammen, dass es bei Tisch den besten Eindruck und in der Küche die geringste Arbeit macht. Die Köchin darf nicht zu vielerlei auf einmal zu tun haben. Man wähle zum Beispiel nie mehr als ein Gericht, das in der Pfanne gebraten werden muss, noch solche, die verschieden starkes Feuer brauchen. Dank sorgfältiger Anordnung erreicht man mit einem Minimum an Mühe ein Maximum an Wirkung. Wer diese Regeln beachtet, hat gewonnenes Spiel, und weder die Gäste noch die Köchin werden sich zu beklagen habeni Bei der Aufstellung des Speisezettels muss die Hausfrau (oder wenigstens die Köchin) natürlich auch seine ökonomische Seite in Betracht ziehen und geschickt Genuss mit Sparsamkeit verbinden. Wenn man zum Beispiel zu einem Abendessen «Supremes de Volaille ä l'Alsacienne» (Hühnerflügel auf elsässische Art) geben^ will, ein köstliches und raffiniertes Gericht, muss man sich überlegen, wie man die beiseite gelassenen Schenkel verwenden kann; bei unserem Beispiel wären «Cuisses de Poulet ä la Moutarde» (Hühnerschenkel in Senf) oder «Crepes de Volaille» (Hühnerpfannkuchen) ein nützliches und angenehmes Mittagessen für den nächsten Tag. Zur aufmerksamen Wirtin gehört aber auch ein gutes Gedächtnis. Sie muss nicht nur die Vorlieben und Abneigungen ihrer Gäste kennen, sondern sich auch daran erinnern, was sie ihnen schon einmal vorgesetzt hat. Wenn man diese wichtigen Einzelheiten nicht behalten kann, führe man Buch darüber, auf die eine Seite schreibe man das Menü, auf die andere die Namen der Gäste und nötigenfalls noch Anmerkungen und Notizen. Es wäre grässlich, einem Gast jedesmal dasselbe Essen zu geben. Schliesslich, ebenso wenig wie man Frau X und Herrn Y zusammen einlädt, wenn die beiden sich nicht vertragen, wird man Fräulein A. Hummer oder Herrn B. Kalbsmilch vorsetzen, wenn Schalentiere auf das System der reizenden Dame «wie Gift wirken» oder der alte Knabe «nie innere Teile anrührt». Ich spreche hier selbstverständlich von einem kleinen, mehr oder weniger intimen Diner für nähere Freunde des Hauses, mit deren Geschmack, Schwächen und Sonderheiten die Wirtin vertraut ist. Bei einem formellen Diner dagegen muss es natürlich genügend Gänge geben, damit der Gast Gerichte, die er,nicht mag, überspringen kann. Mode-Frage... Wir möchten unsere Lesern diese entzückend " Ironische « Modefrage » der « B. Z.» nicht entgehen lassen : Weil doch eine Dame, die Niveau hat, pendelnd allerorten stehen bleibt, weil sie selbstverständlich ein Yo-Yo hat, und die die Zeit und mich damit vertreibt, weil sie ferner (wie sie nur und wo se die bewahrt, ich nie begreifen kann!) eine tellergrosse Puderdose rumträgt, frage ich ergebenst an: warum nimmt sie nicht die Puderdose, trennt sich ab ein Fädchen irgendwo und betreibt mit dieser Dosenchose frischgepudert stundenlang Yo-Yo?... Die dämmen Kleider Von Dolly Frank. «Leg' ab und setz' dich zu mir>, sagte Beate müde und kauerte sich auf der Ottomane zusammen. «Ich war den ganzen Vormittag bei der Schneiderin. Zwei Stunden hat die Anprobe gedauert und über- . morgen muss ich wieder hingehen. Wenn ich nur einmal acht Tage lang nichts von den dummen Kleidern hören müsste!» «Acht Tage? Das wird dir nicht gelingen; aber wir wollen uns wenigstens vornehmen, heute nachmittag nicht mehr von Kleidern zu sprechen», sagte Magda und setzte sich. «Mir geht es nicht anders als dir. Ich war zu Mittag bei Lissy, und wovon glaubst du hat sie die ganze Zeit gesprochen? Von Kleidern, von nichts als von Kleidern!» «Lissy hat ja nichts anderes im Kopf.» «Nicht wahr? Erst wollte sie meine Meinung darüber hören, wie sie ihren Pelz am besten modernisieren könnte, dann zeigte sie mir ihr neues schwarzes Abendkleid —» «Ihr neues schwarzes Abendkleid?» Beate lachte höhnisch. «Es ist doch ihr altes grünes, das sie schwarz färben liess.> «Nicht möglich! Es sah ganz neu aus.» «Du kannst dich darauf verlassen, es ist das alte grüne. Die Schneiderin sagte es!» «Ich hätte nie gedacht, dass man so gut schwarz färben kann», sagte Magda nachdenklich. «Da könnte ich eigentlich das rote Crepe-de-Chine-Kleid vom Vorjahr — aber wir wollten ja nicht von Kleidern sprechen. Es gibt doch so viel andere interessantere Themen — Bücher, Theater und —» «— und Menschen», ergänzte Beate. «Der, der das Kleid trägt, ist doch wohl interessanter als das Kleid selbst.» «Das finde ich auch. Warum sprechen dann eigentlich die Frauen untereinander nur so viel von Kleidern?» «Du weisst doch, wie die meisten Frauen sind. Sie haben nur den einen brennenden Wunsch: Wie könnte ich schöner werden als ich bin? Das wollen sie natürlich sich und den andern nicht eingestehen, und so sprechen sie nur in Verhüllungen davon. Nicht von dem Kampf um den Mann selbst, sondern von den Requisiten dieses Kampfes — und das sind die Kleider.» «Ja, so wird es wohl sein», sagte Magda zerstreut und stand auf. «Du willst schon gehen?» «Ja, ich möchte noch rasch einen Sprung zu Lissy machen und sie fragen, in welcher Färberei sie das grüne Kleid schwarz färben Hess. Leb' wohl, Liebste, es war riesig nett und gemütlich bei dir und eine wirkliche Erholung, einmal ein Stündchen lang nichts von den dummen Kleidern zu hören.» Probleme. Der Vater : « Wieviel verbraucht der Wagen pro 100 Kilometer?» Die Mutter : < Welche Farbe hat das Polster ? » Der Sohn : < Wieviel läuft er maximal ? » Die Tochter : « Hat er einen Zigarettenanzünder? » Die Nachbarn : «Wo die nur das Geld für ein Auto hernehmen ? » at. Ein Empfänger von Qualität für wenig Geld Verkauf dpi allen Padintiändlprn Fr. 360— .,„„._. ___ Typ 25 mit 5 modernen Lampen Generalvertreter für die Schweiz: J. Renaud & Gie., A.-G., Neuenburg Die Grossmeisterin der Wah rsage-Kunst In der Pariser Gesellschaft für Psycholo-" gie wurde dieser Tage ein interessanter Vortrag über die berühmteste französische Hellseherin aller Zeiten, Madame Lenormand, gehalten. Diese aussergewöhnliche Frau wurde mit Recht die Wahrsagerin der Könige genannt, denn Napoleon Bonaparte, Zar Alexander I., Friedrich Wilhelm III. konsultierten sie. An fast allen historischen Ereignissen jener Zeit hatte sie in irgendeiner Art ihren Anteil. Es ist fast selbstverständlich, dass ein ganzer Kranz von Legenden die erfolgreiche Tätigkeit deser Frau umrankt. Und so ist es nicht leicht zu unterscheiden, was sie wirklich geleistet und was ihr erst später bloss nachgerühmt wurde. Für einige frappante Fälle gibt es jedoch einen absolut verlässlichen Kronzeugen. Es ist dies einer der berühmtesten französischen Aerzte, der grosse Psychiater Liebeault, der unter anderem folgende Aufzeichnung über Madame Lenormand hinterliess. « Chevalier konsultierte mich heute den 8. Januar 1886 um 4 Uhr nachmittags wegen eines leichteren nervösen Uebels. Chevalier ist gegenwärtig ganz eingenommen von einem Prozess und von dem Vorfall, den ich hier erzählen werde. Als er am 26. Dezember 1879 sich in Paris erging, sah er an einer Tür «Madame Lenormand. Nekromantin», angeschrieben. Von gedankenloser Neugier getrieben, ging er hinein und wurde in ein ziemlich dunkles Zimmer geführt. Madame Lenormand kam und Hess ihn an einem Tisch Platz nehmen. Sie ging hinaus, kam wieder, betrachtete eine seiner Handflächen und sagte : «Heute über ein Jahr werden Sie ihren Vater verlieren. Bald werden Sie Sol--. dat werden — er war 19 Jahre alt —, aber nicht auf lange Zeit. Sie werden jung heiraten, zwei Kinder haben und mit sechsundzwanzig sterben. » Chevalier vertraute diese merkwürdige Prophezeiung einigen seiner Freunde an, nahm sie aber nicht ernst. Als jedoch sein Vater nach, kurzer Krankheit am 26. Dezember 1880, genau ein Jahr nach dem Besuch bei der Nekromantin. starb, wurde er schon weniger ungläubig. Als er auf nur sieben Monate Soldat wurde, heiratete, zwei Kinder bekam und sich seinem 26. Geburtstag näherte, geriet er in grosse Unruhe und glaubte, nur noch einige Tage leben zu dürfen. Deswegen konsultierte er mich, und er hoffte, ich könnte ihm helfen, seinem Schicksal zu entgehen. Da sich ja die ersten vier Ereignisse eingestellt hatten, glaubte er, dies wäre auch mit dem letzten so. An diesem und den nächsten Tagen bemühte ich mich, Chevalier in tiefen Schlaf zu versenken, um ihn über die Empfindung wegzubringen, dass er am 4. Februar, seinem Geburtstag, sterben müsse. Madame Lenormand hatte keinen bestimmten Tag genannt; aber er war doch so aufgeregt, dass ich auch nicht den leisesten Schlaf veranlassen konnte. Da ich ihn jedoch unbedingt aus seiner Ueberzeugung reissen musste, damit sie sich nicht durch Selbstsuggestion verwirkliche, änderte ich meinen Plan und legte ihm nahe, einen meiner Somnambulen zu konsultieren, einen alten, ungefähr 70jährigen Mann mit dem Beinamen « der Prophet», weil er seine eigene Heilung von einem vierjährigen Gliederreissen richtig vorhergesagt hatte, ebenso die Heilung seiner Tochter, welch letztere durch Suggestion erfolgte. Chevalier nahm meinen Vorschlag bereitwillig an. Als er mit dem Somnambulen in Rapport gebracht worden war, lautete seine erste Frage: < Wann werde ich sterben ? » Der Somnambule, welcher ahnte, wie der Fall lag. erwiderte nach einer Pause: « Sie werden in... in einundvierzig Jahren sterben. » Die Wirkung war wunderbar, der junge Mann wurde wieder guter Dinge, und als der 4. Februar vorbei war, hielt er sich für gerettet. Ich hatte all das schon vergessen, als ich Anfang Oktober eine Todesanzeige über meinen unglücklichen Patienten erhielt, der am 30. September 1886, Der Verein gute Schriften sucht überall, wo er noch keine Ablage hat, Wiederverkäufer unter Zusicherung von üblichem Rabatt, Zurücknahme der verbleibenden Ware und Vergütung bezüglicher Rücksendungskosten. Man wende sich an den Inhaber der Hauptablage, Fritz Mühlheim, Lehrer, in Bern, Distel weg 15.