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E_1933_Zeitung_Nr.003

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10 AUTOMOBIL-REVUE IS33

10 AUTOMOBIL-REVUE IS33 - W 3 Schema der neuen Automobilheizung. A - Motof B - Auspuff C — luWängw 0 - WarmluFtMungm E - Heizkörper, mit 3 AulauSffmxigea r - Reglierktappe G " Steuerung H - todenbre» I - Vontilolor K - Au>lou6lrnima Auspuffsammelrohres wird die zugeführte Luft nochmals stark erwärmt. Die erhitzte Luft gelangt durch die Leitung D in den Heizkörper E, um bei dessen Auslassöffnungen in das Innere des Wagens zu strömen. Der Heizkörper ist so angeordnet, dass die warme Luft entweder nur direkt in der Richtung der Füsse des Fahrers, oder auch noch an eine zweite Stelle gerichtet wird. Die Regulierung der Temperatur erfolgt durch Drehen einer Klappe, die entweder in der Leitung D oder im Heizkörper E angebracht ist. Versuche haben ergeben, dass beispielsweise bei einer Aussentemperatur von minus 2 Grad die Luft in einem 5plätzigen Wagen mit einem Motor von 12 St-PS nach 5 Minuten Fahrzeit auf 10 Grad, nach 10 Minuten auf 14 Grad, und nach 15 Minuten auf 17 Grad stieg und dass die Scheiben des Wagens nicht mehr anliefen. Zudem funktioniert die Heizung absolut geruchlos. Flug-, Automobil- und Dieselmotoren. Das Gewicht eines Flug-, Automobil- oder Dieselmotors pflegt gewöhnlich im Verhältnis zur PS-Leistung angegeben zu werden. Da sich das Motorengewicht im Laufe der Zeit ständig verringert, dürfte ein Vergleich, der nicht zuletzt auch als Gradmesser des technischen Fortschritts auf dem Gebiete des Automobilund Flugzeugwesens anzusehen ist, der verschiedenen Antriebsaggregate ein besonderes Interesse verdienen. Das Gewicht des Autornobilmotors stellt sich zurzeit auf etwa 2,5 bis 3 kg-PS. Die Gewichtsverringerung beträgt hierbei gegenüber einer im Jahre 1925 durchgeführten statistischen Erhebung etwa acht bis zehn Prozent. Bei Flugmotoren stellt sich das Gewicht (modernere Konstruktionen) auf 0,9 bis 1,3 kg-PS. Das durchschnittliche Flugmotorengewicht erreichte im Jahre 1923 noch 1,5 bis 1,8 kg-PS. Im Vergleich zum' Automobil- und Flugmotor weist der Dieselmotor, soweit er für die Automobil- und Flugzeugindustrie in Frage kommt, das höchste Gewicht auf. Bei den allerneuesten Dieselmotorkonstruktionen gelang es, das Motorengewicht auf 3,5 kg-PS zu drosseln. Die Unterschiede sind somit gegenüber dem Automobilmotor verhältnismässig gerine. Pfakl :sdao WCnke Händewaschen — mit altem Schmieröl. Alle richtigen Automobilisten wissen, was schmutzige Hände sind. Den wenigsten ist aber bekannt, wie man sie rasch wieder sauber bringt. Angenommen, wir hätten den Motor entrusst, oder uns mit einer sonstigen < anhänglichen» Arbeit den Samstagnachmittag vertrieben. Auf die Abendemladung und den Sonntag hin möchten wir nun wieder saubere Hände haben. Ein besonderes Händefeinigungsmittel, wie sie speziell für' Automobilisten im Handel sind, ist gerade 5 nicht vorhanden. Mit gewöhnlicher Seife den öligen Russ und Schmutz herunterzubringen, scheint hoffnungslos. Folglich nehmen wir

Bern, Dienstag, 10. Januar 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 3 „Ecke des guten Beispiels Wagen oder Schlitten auf einen Berg hinaufschleppen und dann zu Tal gleiten las- Der Schneegötze sen: das ist nicht eben sportliche Schnelligkeitswonne, sondern die Märchenwonne des Der willkommene freundliche Herr. im Auto nahm keine Notiz von unserem Acus- Von Karel Capek. Alle behaupten, früher habe es mehr Wunders, atavistischer Traum der Zauberbewegung. Buben sind lebendige Mytholo- Sie interessante gute Beispiele. Ich erlaube In Ihrem Autler-Feierabend veröffentlichen seren, das eben nicht mehr ganz salonfähig Schnee gegeben. Ich weiss nicht, wohin war. Wir brauchten ihm nur kurz mitzuteilen, der Schnee geraten ist, und auch die Meteorologen haben es bis heute in keiner Weise Siehe da, kaum habe ich mich um die heit zu.erzählen. Es war im Juli 1930. Mein gie; Kinder sind die Urzeit der Menschheit. mir deshalb ebenfalls, eine wahre Begeben- dass wir uns verlaufen hatten, und sofort nötigte er uns, in seinem Wagen Platz zu aufgeklärt. Aber es bleibt Tatsache, dass Vergöttlichung des Schnees bemüht, als mir Freund Alfred und ich hatten von Zug aus nehmen. Wir gaben dem freundlichen Manne es in einigermassen vergangenen Zeiten die Götter bereits ihre Zustimmung erteilten: denn während ich schrieb, schütteten aller Frühe fuhren wir eines Morgens mit eine Bergtour auf den Pilatus vereinbart. In noch weitere Erklärungen, doch er lehnte Schnee in Hülle und Fülle gegeben hat, zum vorneherein allen Dank ab and meinte, dass beispielsweise auf manchen Radierungen eine Stadt ganz verschneit erscheint, Stadt. Es ist wahr: vorderhand ist es nur wil. Dort genehmigten wir noch einen tüch- sie — Flocke um Flocke — Schnee auf die dem Velo von Zug über Luzern nach Hergis- das wäre etwas Selbstverständliches, zumal er ja mit dem leeren Wagen die gleiche dass man auf alten Lithographien Schlitten ein leichtes und kaltes Linnen; der erste tigen Imbiss und versorgten unsere Velos, Strecke fahre. In Hergiswil stiegen wir dann durch die Strassen jagen sieht, dass wir Spatz drüben auf dem Dach zerhüpft die als Jungen alljährlich das Schneeballwerfen, die langen Gleit- und Schlittenbahnen, dann begann die eigentliche Bergtour. Es aus und nötigten den Fremden, uns die Schneedecke, dass die Ziegel sichtbar werden; es wäre schwierig, daraus einen or- stand ein herrlicher Tag in Aussicht. Nach Freude zu machen, gemeinsam mit uns ein das Zeichnen von Hampelmännern in den vier Stunden hatten wir unser Ziel erreicht, Glas Wein zu trinken. Aber auch davon dentlichen Schneegötzen zu kneten und Schnee und den Bau von Schneemännern und unsere Mühen wurden durch eine wunderbare Fernsicht belohnt. Um 3 Uhr nach- wollte der freundliche Herr nichts wissen, noch schwieriger, auf dem Zaubervehikel weit ausgiebiger als die heutige Bubengenenatürlich noch viel weniger von Geld. Nachdem wir ihm für seine Gefälligkeit herzlich die holprige Gasse hinunterzufliegen. Aber Tation praktiziert haben. Das ist eine unbestreitbare Erscheinung. einen anderen Weg wählten. Das Resultat mittags begann unser Abstieg, für den wir diese dünne weissliche Schicht bedeutet gedankt hatten, verabschiedeten wir uns mit wenigstens so viel, dass selbst in dieser davon war, dass wir uns glücklich nach Alpnach verliefen. Eine fürchterliche Hitze emp- Vielleicht hat das Wort, dass die eint kräftigem Händedruck von ihm. Unlängst aber habe ich einen Schneemann gesehen. Ganz unvermittelt, ein paar steren Zeit noch ein bisschen Platz ist für fing uns dort. Da wir uns nun derart stark Gefälligkeit die andere auslöst, doch seine schlechten, zerfahrenen und geradezu dü- Schritte vom Strassenbahngeleise, begegnete ich ihm; er glich einem heidnischen Märchenelemente, Zauber und Wunder; zwei Stunden bei glühender Sommerhitze dafür belohnt worden, dass ich vor fünfzehn die heidnischen Kräfte des Lebens: für verirrt hatten, stand uns noch ein Weg von Berechtigung, und vielleicht bin ich damals Götzenbild, dem .echtbürtigen Bruder irgendeiner steinernen Hexe aus ferner Urgeschrieben habe, ist der Schnee zertaut aber... ehe ich noch diesen Absatz fertig- nach Hergiswil bevor, und wir waren doch Jahren, da ich — ich fahre selbst auch Auto schon mehr als erschöpft. — viele Fahrten über Land in weitentfernte zeit. Dick, gross, monumental, furchtbar und ringsherum Schwärze und Nässe. Städte zu machen hatte, oftmals auf offener und würdevoll: schlechthin ein Götze. Doch das Schicksal meinte es besser mit Strasse Menschen nötigte, in meinem leeren Es steht also ausser Zweifel: früher gab Der Schneegott. Die Jungen aber hatten die richtigen Zeremonien vergessen; sie offener Strasse, als ein Auto aus dem lieben, nehmen. Jedenfalls hatte ich dabei immer uns. Wir befanden uns noch nicht lange auf Wagen ohne irgendwelches Entgelt Platz zu es mehr Schnee, und jener Schnee war auch besser, solider, wesentlicher. Oder sagen verneigten sich nicht vor dem Götzen und das immer die «Alten»?... schönen Unterwaldner Ländli uns überholte. die köstliche Freude, Gutes tun zu dürfen. brachten ihm keine Menschenopfer dar; sie Mein Freund hob die Hand hoch, und schon Ich hoffe, mit meinem Bericht recht viel hatten, nur einem unbewussten Atavismus hielt der Wagen an. Der freundliche Herr gute Beispiele zu fördern! E. H. in B. folgend, ein Götzenbild errichtet, je grösser, Ein Schweizer Maler als desto göttlicher. Amiguet auch König Alexander von Jugoslawien und verschiedene persische und heiler Haut ziehen liess. Zöllner BO schwach, dass er Amiguet mit Ein Stückchen weiter ein schlecht und Weltenbummler rechter Versuch um eine Rutschbahn: etwa In Paris ist vor wenigen Tagen der indische Prinzen. Der Weltenbummler Bedeutend romantischer vollzog sich zwei bis drei Daumen lang und obendrein schon lange in der französischen Hauptstadt ansässige Schweizer Maler Marcel deutscher und französischer Sprache verslawien. Bei seiner Ankunft in der Resi- führte ein genaues Tagebuch, das in die Begegnung mit dem König von Jugo- mit Kies bestreut, und doch probiert jedes vorbeischlendernde Bürschchen auf ihr (erfolglos) den göttlichen Genuss des Schlit- durch die halbe Welt wieder gelandet. teressanten Einzelheiten sein soll. In Paris feierlichen Galadiner eingeladen. Zeit zum Amiguet von einer abenteuerlichen Reise öffentlicht werden und überreich an indenz des Königs wurde Amiguet zu einem terns. Und noch weiter entfernt bemüht Anfangs des Jahres 1929 fasste der unternehmungslustige Schweizer den Ent- empfangen. Zu seinen Ehren veranstaltete deshalb musste der Weltenbummler sich wurde Amiguet mit grosser Begeisterung Umkleiden in einem Hotel blieb nicht, sich die Strasse, eine Art massigen Abb&ngs zu bilden: und schon ist ein Rudel schluss, sich einen geschlossenen Autocamion anzuschaffen. Auf ein paar Quadrat- gereist — einen offiziellen Empfang, und stellte ihm den «besten Chauffeur de« Renault — mit dieser Marke war Amiguet in seinem Wagen in Gala stürzen. Man Handschlitten da, auf jedem liegt ein Junge auf dem Bauch und plagt sich ab, um wenigstens fünf Zentimeter weit zu fahren. de Raum geschaffen für die künstlerische wurde er willkommen geheissen. Die fran- zum Königsschloss hinausführen, wo der metern Platz im Innern des Wagens wur- auch im Schosse des A. C. von Frankreich Hofes > vor, und dieser sollte den Renault Nun, es geht nicht, es ist zu wenig Schnee Tätigkeit, ein Winkel diente als Küche zösische Presse interessierte sich für den Empfang stattfand. Doch ach, es schien, da, er bedeckt kaum die Kruste des gefrorenen Erdreichs; aber die Jungen versetzen musste der wackere Eidgenosse Autofah- Masse. geeicht, denn bald hatte er Amiguets Wa- und einer als «Schlafzimmer». Noch weitgereisten Mann natürlich in starkem als sei dieser Mann nur auf Rennwagen dem Erdboden einen Tritt, schieben sich ren erlernen, und darauf ging's los. Die Der Schweizer Maler erzählte einem gen zu Schanden gefahren, so dass er mit ruckweise weiter in der ewigen Hoffnung, vorgesehene Auto-Route war gar nicht französischen Journalisten unter anderm Defekt liegen blieb. Glücklicherweise kam der Schlitten werde sich plötzlich bewegen anspruchslos: Balkan, Kleinasien, Persien anch von seinen verschiedenen Erlebnissen. Den ersten Zwischenfall auf seiner und brachte sie noch rechtzeitig rum ihnen ein Wagen vom Schloss entgegen und sie fahren — fahren —. Hallo, ist das und Afghanistan, Ueberwindung des Taurus- und Himalayagebirges und Einschif- Reise erlebte Amiguet, als er die italie- Empfang. nicht wiederum der ewige Traum des Menschen, sich mühelos, selbsttätig durch blosse fung in Bombay. Trotz allen Schwierigkeiten wurde die gewaltige Reise glückwächter verweigerte ihm die Ausfahrt mit den Morgen eine Sitzung um 10 Uhr, da nische Grenze passieren wollte. Der Grenz- Der König vereinbarte auf den folgen- Zaubermacht von einem Ort an einen andern befördern zu lassen? Ist dies etwa lich durchgeführt, und der fahrende Maler des 20. Jahrhunderts vermochte es, der Erklärung, er wisse nur zu gut, was er von Amiguet gemalt sein wollte. Der nicht im Kern das uralte Märchen vom es mit diesem geschlossenen Lastwagen Schweizer bat sich die Erlaubnis aus, am trotz unglaublichen Hindernissen und Zaubermantel, vom fliegenden Koffer, von für eine Bewandtnis habe. Darin steckten Morgen früh den Park des Schlosses besuchen zu dürfen, um den passenden Hin- Abenteuern aller Art, trotz unwegsamen den Siebenmeilenstiefeln oder von den geflügelten Pferden, der uralte Mythus vom werke alter Meister, die, auf diese Weise tergrund für das Porträt zu finden. Die nämlich berühmte italienische Kunst- Strecken durch Kot und Sand, grauenhaft schlechten Strassen, Irrwegen, behördlichen Schikanen, Räuberangriffen und an- herrlichen Zauberflug? Entführt werden! über die Grenze gebracht werden sollten! Bitte wurde ihm huldvoll gewährt. Wenn nicht über sieben Berge und Meere Glücklicherweise hatte der Mann eine ausgesprochene Schwäche für das weibliche dern angenehmen Dingen mehr, seinen Um 6 Uhr morgens fuhr ein Wagen, besetzt von einem Offizier, vor, und Ami- hinweg, dann wenigstens einen halben Plan in dreieinhalb Jahren durchzuführen. Die Kosten für die gewaltige Fahrt guet stieg ahnungslos ein, in der Mei- Strassenmeter weit; an Stelle des alltäglichen prosaischen Gangs von einem zaubersperigen Wienerin gerade das Herz warm Geschlecht, das ihm in Gestalt einer knu- waren nicht gering, doch sie wurden nung, er werde nun im grossen Park spazieren geführt. Welche Ueberraschung, als haften Vehikel entführt werden, das selbsttätig dahineilt, mag es auch ein wenig müh- machte, so dass er Amiguet völlig zu vergessen schien. Kurz entschlossen entwarf durch die künstlerische Produktion, die auch während der Reise nicht aussetzte, das Auto in schnellem Tempo zum nächsten Bahnhof fuhr, wo Amiguet Kopf über samer Nachhilfe bedürfen! Für derlei haben Jungen einen geheimnisvollen Sinn: dieser eine kleine Skizze von dem reizenden TSte-ä-tete, und daraufhin wurde der Hals in den Schnellzug nach Belgrad wieder gedeckt. Unter andern sassen. ge- F E U I L L E T O N Herrn Collins Abenteuer Roman von Frank Heller. (Fortsetzung aus dem HauptblaU.) Kenyon. wurde plötzlich durch ein Kichern an seiner Seite in seiner Lektüre gestört; M. Lavertisse hatte das Ende des Artikels im «Star» gelesen und seinen humoristischen Gefühlen freien Lauf gelassen. Kenyon warf ihm einen Blick zu, der seine Heiterkeit rasch dämpfte, und versank wieder in Gedanken. Was bedeutete diese letzte Phase der Affäre? Wie konnte der Verbrecher es wagen, den Kopf in den Rachen des Löwen zu stecken? W,ar es Uebermut? Oder war es eine Herausforderung, ein Zeichen, dass die Zirkulation des falschen Geldes, die eine Woche lang aufgehört hatte, wieder beginnen sollte? Sicherlich das letztere, dachte Kenyon, und dann: Adieu, Mr. James Kenyon. Bis morgen musste er sie gefangen haben, und das sah recht wahrscheinlich aus. Noch zwölf Stunden! Er zuckte zusammen, denn das Auto hielt eben vor einem respektabel aussehenden dreistöckigen Haus an, und der Chauffeur sagte: «Qothenburg Road 49, Sir!» Den jetzt wieder ganz melancholischen M. Lavertisse beim Arm fassend, ging er durch das Gartentor, nachdem er noch ein umfangreiches Paket aus dem Automobil genommen und dem Chauffeur befohlen hatte, zu warten. Dann drückte er an die Hausglocke. Ein Dienstmädchen öffnete. Einige Augenblicke der Konversation folgten, worauf Kenyon. mit seinem Begleiter in ein elegantes Arbeitszimmer im Erdgeschoss geführt wurde. Der Professor war nicht zu Hause, musste aber jeden Augenblick kommen. Es dauerte auch keine fünf Minuten, so sauste ein weisses Auto zum Haustor heran, ein junger Mann sprang heraus; nahm den Gartengang mit drei Schritten und lief an dem Dienstmädchen, das in der Halle wartete, vorbei in das Arbeitszimmer. «Einen Augenblick, Mary,» rief er dem Mädchen zu, «ich rnuss telephonieren.» Kenyon erhob sich mit einem kalten Lächeln aus seinem Fauteuil, der Neuangekommene betrachtete ihn verständnislos und stutzte beim Anblick von M. Lavertisse. Dann verbeugte er sich leicht und sagte: «Ach so, ich habe Besuch. Warum stellen Sie mich nicht vor, Lavertisse? Mein Name ist Professor Pelotard.» «Meinen Namen zu hören, Herr Professor, wird Ihnen nicht so besonders willkommen sein,» sagte der Detektiv langsam. «Ich bin der Detektiv Kenyon, und ich befasse mich mit der berüchtigten Falschmünzeraffäre.» Das Gesicht des Professors drückte die grösste Befriedigung aus, während er antwortete: «Im Gegenteil, Mr. Kenyon, im Gegenteil! Sie sind gerade der Mann, den ich zu treffen wünschte.» «Das bezweifle ich,» erwiderte Kenyon mit einem Hohnlächeln. «Ich versichere es Ihnen, ich war eben im Begriff, zu telephonieren, und derjenige, den ich anrufen wollte, war niemand anders als Sie!» «So?» sagte Kenyon trocken. «Sie wollten mir telephonieren? Obgleich mir heute nachmittag allerlei über Sie bekannt geworden ist, wusste ich doch nicht, dass ich Ihnen bekannt bin.» «Das macht nichts,» sagte der Professor liebenswürdig. «Ich weiss, dass Sie ein aufstrebender junger Mann sind, wenn Sie sieb auch manchmal an zu schwere Dinge wagen. Ich hatte in einer kleinen Angelegenheit zwischen Ihnen und der Scotland Yard zu wählen und habe mich eben für Sie entschieden.» Kenyon errötete vor Aerger. «Danke! Um so mehr bedaure ich, Ihnen sagen zu müssen, dass ich hergekommen bin, um Sie zu arretieren!» Glaubte er, den Professor damit niedergeschmettert zu haben, so irrte er sich. So, als hätte er die letzte Replik gar nicht gehört, nahm er gedankenvoll eine Whiskyflasche und ein Syphon von einem Seitentischchen, schenkte ein paar Tropfen — etwa dreihundert — Whisky ein und goss Wasser zu. «Ein Whisky gefällig?» wandte er sich dann herzlich an Kenyon. «Nicht? Sie dürfen nicht über das böse sein, was ich eben sagte, Mr. Kenyon. Niemand weiss besser als ich, wie mühevoll und schwer der Detektivberuf ist, ich komme eben selbst von einer solchen kleinen Expedition heim. Mr. Kenyon. Sehr anstrengend; man hat kaum Zeit, zu schlafen, Mr. Kenyon.» Kenyon runzelte bei dieser neuen boshaften Anspielung die Augenbrauen, aber bevor er noch etwas gesagt hatte, fuhr der Professor nach einem tiefen Schluck aus seinem Glas fort: «Und jetzt wollen Sie mich also arretieren? Und weswegen, wenn ich fragen darf? Arretierungen gehen doch hierzulande nicht so ohne weiteres vor sich.» «Ich gedenke, Sie zu arretieren,» brüllte Kenyon, dessen Wut durch die Ruhe des Professors noch gesteigert wurde, «einerseits wegen Ihres sauberen Geschäftes in Sout-