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E_1933_Zeitung_Nr.005

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 17. Januar 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 5 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentra'blatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen AUü\.\Ei\IKMS.|'HEISE! Er-.eheint ieden Ulenolnn und Krrlln» Monatlich „Uelne Liste" HflIbJShrltch Fr. 5.-, lälirlich Kr I O.—. Im Ausland slami unter Portch bestellt. Zuschlag uschlng für postamlllcbe Bestellung 30 Rannen Postcheck-Reehnnns k-ltechnima III 414 Telephon '1S.T22 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern l.\SBIITIO\S-l'ltI£IS: Die achtgespaltene 2 mm nntie Orundzeile oder deren Kaum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 UU GrAssere Inserate nach Seitentarif. Imeratensrhiu** 4 lane rarKrsehelnen der Nummern i Die «Autoherren». Seit der Einführung des Automobils in der Schweiz ist in Sachen Automobilunfreundlichkeit allerhand geleistet worden. Aber es wurde auch hier wie anderswo nicht so heiss gegessen, wie gekocht wurde. Das Motorfahrzeug ist seither zum wertvollen Hilfsmittel in allen Zweigen der Produktion und des Gewerbes geworden, und der hinterste Bergbauer ist schon mit dem neuen Fahrzeug in Kontakt gekommen, sei es auch nur durch das Postautomobil. Seine Nützlichkeit und die vielseitige, ja unentbehrliche Verwendung auf allen Gebieten des Erwerbslebens ist heute allgemein anerkannt. Sich dieser Tatsache verschliessen zu wollen, hiesse das Rad der Zeit zurückdrehen, •fe* Die Landwirtschaft ist einer jener Wirtschaftszweige, der dem Automobil viel zu verdanken hat, selbst wenn es die auf Tierzug versteiften Bauern nicht wahr haben wollten und sich mancher, der mit dem Hergebrachten alt geworden ist, nicht mehr auf die neue Zeit umstellen will. Man wird es diesen Leuten nicht verargen, können wir doch mit der jungen Generation rechnen, die den modernen Verkehrsfragen gegenüber schon ganz anders eingestellt ist. Wenn der abseits der grossen Heeresstrassen lebende Landwirt seine Aversion gegen das Benzinvehikel nicht überwinden kann, so darf wenigstens von den Führern des Bauernstandes etwas mehr Sachkenntnis und ein weiterer Horizont erwartet werden. Dass dem auch so ist, haben u. a. die parlamentarischen Debatten über das neue Automobilgesetz gezeigt, wo die Vertreter der Landwirtschaft vielfach einen recht fortschrittlichen und keineswegs einseitigen Standpunkt nnahmen. Im übrigen hat der Gesetzgeber ja den besonderen Verhältnissen auf dem Lande weitgehend Rechnung getragen und einzelne Wünsche aus diesen Kreisen berücksichtigt, deren Verwirklichung nicht ohne weiteres mit der Forderung nach vermehrter Sicherheit auf der Strasse vereinbar sind. Um so befremdender muss der Standpunkt Vom Tage und die Sprache wirken, die der doch sonst aufgeklärte oberste Führer, Dr. Laur, in seinem Leibblatt, der «Schweiz. Bauernzeitung», führt. Die Automobilisten tituliert er in einem Erguss nie anders als «Autoherren» und übersieht damit bewusst die Tatsache, dass die Fahrer, welche nur in ihrer Eigenschaft als «Herren» das Automobil benützen, in bescheidener Zahl vorhanden sind, der grösste Prozentsatz sich jedoch beruflich und als im Erwerbsleben Tätige seiner bedienen. Anstatt mitzuhelfen, die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Gruppen von Strassenbenützern auszugleichen, treibt Herr Laur wissentlich einen Keil zwischen sie. (Dabei wird in der nämlichen Zeitung etwa fünf Zeilen weiter oben die Erwartung ausgesprochen, dass «die Automobilisten ihr Möglichstes tun, um mit den übrigen Strassenbenützern, und ganz besonders der ländlichen Bevölkerung, in gutem Einvernehmen zu stehen»! Der Anfang von Seiten des Bauerngenerals ist wahrlich vielversprechend!) Diese «Autoherren» also werden von Brugg aus hochoffiziell abgekanzelt, weil sie es wagen, gegen eine weitere Erhöhung des Benzinzolles Stellung zu nehmen. Die Begründung, warum man den Motorfahrzeugbesitzern Weitere Lasten aufbürden könne, ist nach dem grossen Volkswirtschaftler vor dem Herrn recht einfach: «Der Bund hat in erster Linie für die Sicherheit auf der Strasse und sodann auch für die Bahnen zu sorgen». Was der Benzinzoll mit der Strassensicherheit zu tun hat, ist für uns vorläufig noch ein Geheimnis, es sei denn, dass Herr Laur die beste Strassensicherheit darin sieht, dass möglichst wenig Automobile darauf verkehren, was allerdings mit weiteren Zöllen ziemlich bald erreicht sein wird! Im weiteren noch diese Begründung für neue Lasten: «Der Bund braucht Geld und er hat das Benzin in den Dienst des Fiskus gezogen. Er gedenkt dies künftig in. vermehrtem Masse zu tun!» Da haben wir der Weisheit letzter Schluss! Weil der Bund das Benzin als ergiebige Fiskalquelle erkannt hat, steht ihm das Recht zu, diesen Born noch stärker für ten. Soll das Automobil weiteren Lasten sich zu erschliessen. Ist Herr Laur vielleicht unterworfen werden, so trifft dies alle jene bekannt, dass die Motorfahrzeugbesitzer, Fahrzeuge, die irgendwie der Landwirtschaft Automobilhandel und -gewerbe zusammen dienen, ebenso hart. Heute schon stellen die jährlich bereits 90 Mill. Fr. dem Kantons- und Transportkosten im Produktionsprozess vielfach die Hälfte der Gestehungskosten dar, Staatsfiskus zukommen lassen? 135 000 Fahrzeughalter bringen allein diese gewaltige so dass jede Zollerhöhung ein Anziehen der Summe auf und sind daneben noch Steuerbürger wie alle anderen. Ist Herrn Laur be- sich bringt. Das sind Binsenwahrheiten, die Preise, eine Erschwerung des Absatzes mit kannt, dass bei einem kleinen Automobil, wie man einem Kenner der Materie, wie es Herr es die Bauern und bäuerlichen Händler mit Laur ist, wahrlich nicht erst zu dozieren Vorliebe verwenden, 36 Prozent der reinen braucht. Fahrkosten nur Aufwendungen für Steuern Es besteht also keinerlei Ursache, zwischen der Bauersame und den «Autoherren» und Zölle darstellen? Hat Herr Laur schon darüber nachgedacht, dass ein 5-Tonnen- unterscheiden und sie in zwei Lager trennen zu wollen. Beide sind schon viel zu sehr Lastwagen, wie er für den Milchtransport und die Abfuhr von rasch verderblichen aufe'nander angewiesen, als dass bei weiteren fiskalischen Massnahmen der eine Teil Lebensmitteln und Gartenprodukten vom Lande in die Konsumationszentren vielfach in etwa ungeschoren davonkommen könnte. Im Frage kommt, bei einer durchschnittlichen übrigen ist gerade Herr Laur Führer einer arbeitstäglichen Leistung von 175 km dieErwerbsgrupne. die auf die finanzielle Unter- runde Summe von 5500 Fr. jährlich nur an Steuern und Abgaben samt Zöllen entrichtet, und dass auf diese Weise der Besitzer des Wagens neun Rappen pro Kilometer an den Staat in irgendeiner Form abliefert, während die Eisenbahnen samt und sonders steuerfrei sind und, nicht genug damit, vom Staate, zu dem auch die «Autoherren» gehören und ihren redlichen Teil an Steuern beitragen, noch Millionenbeiträge als Subventionen fordern? Rund zweitausend Traktoren stehen im Dienste der Landwirtschaft. Tausende von Fahrzeugen, und worunter wiederum Hunderte von altern Wagen, die als Benzinfresser bekannt sind, dienen dem mit dem bäuerlichen Betriebe zusammenhängenden Handel und Gewerbe. Zahlreiche Lastwagen besorgen die Abfuhr von Milch und andern landwirtschaftlichen Produkten aus allen jenen Dörfern und Gegenden, die von der Eisenbahn weit abliegen und für welche das Automobil die einzige Möglichkeit darstellt, rationelle und wirtschaftlich ertragsfähige Beziehungen mit grösseren Ansiedelungen und Konsumationszentren zu unterhalten. Die Postautomobile, die Fahrzeuge der öffentlichen Dienste wie Krankenwagen, Feuerwehrautos, Arztwagen usw. haben die frühere Abgeschiedenheit ganzer Talschaften beendigt und deren Entvölkerung aufgehal- stützung des Bundes ganz besonders abstellt. Noch im Leitartikel der nämlichen Nummer seines Blattes steht zu lesen, dass (nach allen bisherigen Opfern des Bundes) der schweizerische Bauernstand vor dem Untergang bewahrt bleiben könne, wenn das Schweizervolk einen jährlichen Zuschuss von 20—30 Millionen Fr. bewilligen möchte. Wer auf solche. Subventionen angewiesen ist. dem steht es wahrlich schlecht an. mit e'ner Gruppe von Bürgern abrechnen zu wollen, welche dem nämlichen Bund letztes Jahr bare 50 Millionen Fr. abgeliefert haben, über die der eidgenössische F'nanzminister verfügt, ohne auch nur einen Rappen davon dem Aufomobilwesen zugute kommen zu lassen! Vieüe'cht stopft er gerade mit einigen dieser Millionen ein Loch, das sich bei der Landwirtschaft gezeigt hat! Der Fiskus, und Herr Laur dazu, haben also allen Grund, dieser Einnahmequelle alle Sorgfalt angedeihen zu lassen und sie nicht durch allzu brüske Forderungen zu verschütten. Dass sie nicht unversiedich und nicht unerschönflich ist. haben andere Länder bereits erfahren, die zufolge übermässiger Besteuerung nun einem gewnltiaren Rückgang der Einnahmen aus dem Motorfahrzeugwesen gegenüberstehen Bereits machen sich auch in der Schweiz ähnliche Anzeichen geltend Haben n'cht schon mehrere F E U I L L E T O N Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (8. Fortsefzuns) Bis dahin hatte Totenstille in dem Räume geherrscht, aber bei den letzten Worten des Professors sprang plötzlich ein stattlicher weisshaariger Herr vom Tisch auf und eilte auf das Fenster zu. Als hätte dieses Ereignis den Zauber gebrochen, sprangen nun auch sämtliche anderen Tischgäste von ihren Plätzen auf, ein wildes Handgemenge entstand, bei dem die Konstabier rasch die Oberhand erlangten, und die ganze Zeit über klang die Stimme des Professors in artigem Vorstellungston durch den Raum: «Darf ich die Herren White, Younge, Hawkins, Burton, Waller und Edwardes vorstellen, alle Professor Chandlers Mitarbeiter bei seinem letzten und berühmtesten Werke. Zuletzt führe ich die Rarität der Sammlung vor, Mr Tom Jeffries, ehemals in der Banknotenfabrik der Bank of England angestellt, kürzlich ganz legal gestorben und begraben, dann wieder von den Toten auferstanden und jetzt mit seinen Kollegen auf dem Wege ins Gefängnis.» Eine halbe Stunde später überliessen Kenyon, der Professor und Lavertisse das Haus der Hut der Konstabier. Sämtliche acht Verbrecher waren auf dem Wege zum Polizeiamt; eine rasche Hausuntersuchung war vorgenommen worden und hatte genügt, um die Schuld sämtlicher Beteiligter zu erweisen. In Professor Chandlers Laboratorium hatte man die modernsten Münzmaschinen gefunden, in den Schränken lagen Haufen von falschem Gold, Silber und Banknoten, bereit, ihre Zirkulation zu beginnen. Was das Geheimnis der Legierungen betrifft, so kam es, nebenbei gesagt, nie an den Tag. Professor Chandier nahm es unenthüllt ins Gefängnis mit. Doch alles in allem war die Sache klar, und mit einem Seufzer der Befriedigung sagte sich Kenyon, dass er jetzt ruhig schlafen konnte. Wieder auf der Strasse angelangt, räusperte er sich und sagte: «Bei näherer Ueberlegung, Herr Professor, will ich das Verfahren gegen Sie wegen Ihres Geschäftes in Southampton Road nicht aufnehmen — die Idee war so gut, dass ich darüber schweigen werde, wenn Sie mir Ihr Ehrenwort geben, die Zerstreuten in England nicht mehr auszuplündern.» «Gerne,» sagte der Professor lächelnd. «Ich hatte ohnehin schon halb und halb daran gedacht, das Geschäft aufzugeben, es nahm mir zuviel Zeit und Mühe. Wollen Sie mir dafür die Freundlichkeit erweisen, meinen Namen in der Falschmünzersache nicht zu nennen? Behalten Sie die Ehre für sich selbst, Sie erweisen mir einen Gefallen damit.» Kenyon errötete und reichte dem Professor das Paket, das er in der Hand trug. «Hier haben Sie Ihre Bücher,» sagte er verlegen. «Behalten Sie Ihr Paket,» sagte der Professor lächelnd. «Meine Böcher sind schon längst in Gothenburg Road verbrannt. Ich habe der Sicherheit wegen die Pakete ausgetauscht, bevor wir uns auf unsere kleine Expedition machten.» Kenyon betrachtete ihn lächelnd. «Sie flössen mir vor Frankreich Respekt ein, Herr Professor,» sagte er, gegen seinen Willen von diesem geschickten Gauner und seiner guten Laune sympathisch berührt. «Das ist recht,» sagte der Professor, «von Seiten meiner Mama bin ich ja Franzose, aber im übrigen bin ich Schwede.» «Schwede, by Jove!» «Ja, und nennen Sie mich nicht Professor Pelotard, wenn wir uns wieder treffen, was ja wahrscheinlich ist. Nennen Sie mich Herr Collin!» III. Mr. Isaacs' betrübliche Geschichte. Mr. Isaacs war Mitglied der Londoner Börse. Sein Wahlspruch in Geschäften lautete: Tue den Menschen immer das, was du nicht willst, dass sie dir tun, und sein Ziel im Leben war, von Edward VII. geadelt zu werden. An Mr. Isaacs' Wiege dürfte wohl niemand geahnt haben, dass er einmal auch nur davon träumen würde; und wenn es jemand geahnt hatte, so ist es unbekannt geblieben, da man nicht weiss, wo Mr. Isaacs' Wiege gestanden hat. Wir können weitergehen und sagen, dass es ungewiss ist, ob Mr. Isaacs überhaupt eine Wiege gehabt hat, ja, ob er auch nur ein geborener Isaacs war. Mit Ausnahme dessen, dass er irgendwann zu Anfang der Siebzigerjahre irgendwo in Polen geboren war, ist alles über Mr. Isaacs Leben bis zum Alter von zehn Jahren lose Spekulation von der Art, dass nicht einmal er selbst ein Geschäft darauf bauen möchte. Im besagten Alter finden wir ihn jedoch auf einem Emierrantendampfer. mit der Bestimmung von Hamburg nach New York; ob Mr. Isaacs, der damals ein zartes K"3W