Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1933_Zeitung_Nr.005

E_1933_Zeitung_Nr.005

14 AUTOMOBIL-REVUE

14 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N 5 Mütze, sinnend das Schwert in der Hand; sie sitzt da, steinern im Stein, die Göttin der Freiheit, und träumt vor sich hin. Plötzlich regt sich die Menge, schäumt auf und wird mit einem Male stumm. In dieser. Stille hört man jetzt wilde Rufe von der Rue Saint-Honore her, man sieht die vorausrükkende Kavallerie, und jetzt biegt um die Ecke der tragische Karren mit der gefesselten Frau, die einst Herrin von Frankreich war; hinter ihr steht, den Strick stolz in der einen Hand, den Hut demütig in der anderen, Samson, der Henker. Völlig still wird es auf dem riesigen Platz. Die Ausrufer rufen nicht mehr, jedes Wort verstummt, so still wird es, dass man das schwere Stapfen des Pferdes und das Aechzen der Räder vernimmt. Die Zehntausende, die eben noch munter schwatzten und lachten, sehen plötzlich beklommen mit einem gebannten Gefühl des Grauens auf die blasse gebundene Frau, die keinen von ihnen anblickt. Sie weiss: nur diese letzte Probe noch! Nur fünf Minuten Sterben noch und dann Unsterblichkeit. Der Karren hält vor dem Schafott. Ruhig und ohne Hilfe, «mit einem noch steinerneren Gesicht als beim Verlassen des Gefängnisses», tritt die Königin, jede Hilfe zurückweisend, die bretternen Stufen des Schafottes empor; sie schreitet genau so leicht und beschwingt in ihren schwarzen, hochstöckeligen Atlasschuhen diese letzten Stufen hinauf wie einst die marmornen Treppen von Versailles. Einen verlorenen Blick jetzt noch über das widrige Gefühl hinweg in den Himmel vor Ihr! Erkennt sie drüben im herbstlichen Nebel die Tuilerien, in denen sie gewohnt und Unsägliches erlitten hat? Erinnert sie sich noch, in dieser letzten, schon allerletzten Minute, des Tages, da ebendieselben Massen sie begeistert im gleichen Garten als Thronfolgerin begrüssten? Man weiss es nicht. Niemand kennt die letzten Gedanken eines Sterbenden. Und schon ist es vorbei. Die Henker fassen sie rücklings an, ein rascher Wurf auf das Brett, und schon packt Samson an den Haaren ein Haupt und hebt es sichtbar empor über den Platz. Mit einem Stoss rettet sich jetzt das atemstockende Grauen der Zehntausende in einen wilden Schrei. «Es lebe die Republik!» donnert es wie aus einer von rasendem Würgen befreiten Kehle. Dann zerstreut sich beinahe hastig die Menge. Parbleu, es ist wirklich schon ein Viertel über zwölf geworden, hohe Zeit zum Mittagsbrot. Es ist Mittag. Die Menge hat sich zerstreut. In einem kleinen Schubkarren fährt der Nachrichter die Leiche weg. Ein paar Gendarmen bewachen noch das Schafott. Aber niemand kümmert sich um das langsam in die Erde sickernde Blut, der Platz wird •wieder leer. Philipp heimste seinen Gewinn ein und drehte sich um, um zu sehen, wer da so rührend schön um Geld bat. Ihm begegnete ein erstaunter Aufruf, zwei aufgerissene blaue Augen — enfin — Mrs. Daisy Bell. «Pa... pardon,» stammelte sie, «ach, Verzeihung... ich habe mich geirrt! Was werden Sie von mir denken? Ich habe Sie für jemand anders gehalten, Sie sehen ihm so riesig ähnlich — von rückwärts meine ich — ich... aber da kommt er!» unterbrach sie sich und eilte auf Mr. Isaacs zu, der eben aus dem Roulettesaal hereinkam. «Ernie, kannst du dir denken, ich habe dich mit diesem Herrn verwechselt, und ich habe ihn um Geld gebeten!» Philipp, der sogleich zu seiner nicht geringen Ueberraschung Mr. Isaacs aus den illustrierten Zeitungen erkannt hatte, beeilte sich, ein paar artige Phrasen zu sagen; und während Mrs. Bell an Mr. Isaacs' Seite fortflatr terte, warf er ihr einen langen Blick nach, denn sie war wirklich sehr schön. Aber was zum Teufel tat Mr. Isaacs in Monte Carlo — in dieser Gesellschaft? Er hatte die ganze Episode beinahe vergessen, als er am Abend plötzlich wieder mit dem grossen Finanzmann in der Halle des Hotel de Paris zusammenstiess. • «Sie sind also wieder daheim in Europa, Mr. Isaacs?» sagte Philipp im Vorübergehen mit einem artigen Lächeln. «Pst! Keinen Namen,» flüsterte Mr. Isaacs. Gute Schriften Abonnement f)er Verein *- / gute Schriften in Bern offeriert seinen Mitgliedern, die mindestens Fr. 8.— Jahresbeitrag zahlen, die portofreie Zusendung der 12 Monatshefte, jeweilen sofort nach Erscheinen. Anmeldungen nimmt entgegen der Geschäftsführer des Vereins, Fr. nühlheim, Lehrer in Bern. Distelweg 15. Nur die Göttin der Freiheit, in ihren weissen Stein gebannt, ist unbeweglich auf ihrem Platz geblieben und starrt weiter und weiter auf ihr unsichtbares Ziel. Sie hat nichts gesehen, nichts gehört Streng blickt sie über das wilde und törichte Tun der Menschen hinweg, in die ewige Ferne. Sie weiss nicht und will nicht wissen, was in ihrem Namen geschieht. Der Tagesfilm Im Auto 12,000 km durch Afrika. Anlässlich eines Gespräches unter Freunden in Nairobi in Afrika wettete die unternehmungslustige schwedische Amazone Eva Dikson, mit dem Auto die Strecke Nairobi- Algier erfolgreich zurückzulegen. Ihre Partner gingen auf die Herausforäeung ein, und so machte sich bald darauf die junge Schwedin mit einem Sechszylinderwagen auf die gefahrvolle Reise. Sie wurde nur von einem jungen Neger begleitet. In 21 Tagen legte die Autlerin die 12000 km lange, ungeheuer schwierige Strecke Nairobi—Uganda—Belgisch-Nord-Kongo — Oubangui Chari — Englisch-Nigeria—Sahara—Algerien zurück. Die Fahrt stellte an die junge, wagemutige Schwedin grösste Anforderungen. Am schwierigsten wurde die Reise, als während mehrerer Tage gewaltige Regenfluten niedergingen und die Wege unbefahrbar machten. Eva Dikson musste 120 km zu Pferde zurücklegen, um die richtigen Leute zu suchen, die eine abgerissene Brücke wieder aufbauen konnten. Ein weiterer, besonders mühsamer Teil der Reise war die Durchquerung der Sahara, die zudem noch in den letzten Tagen der sonst schon anstrengenden Fahrt durchgeführt werden musste. Die tüchtige Amazonin hat vorläufig keine weiteren autotpuristischen Pläne mehr, sondern will in der nächsten Zeit Langstreckenflüge mit dem Flugzeug wagen, das sie ebenfalls zu führen versteht. Eva Dikson ist Sportlerin durch und durch: Nicht zuletzt ist sie auch eine glänzende Schwimmerin und Tennisspielerin, mb. Automobilisten bevorzugen Blau. Den neuesten Feststellungen der amerikanischen Automobile Color Index zufolge ist Blau zur Zeit die am meisten bevorzugte Farbe für Automobile. Vor wenigen Monaten stand zwar noch Schwarz an erster Stelle, rückte aber Inzwischen auf den zweiten Platz. Von den übrigen Farben zeige» GrTjn, Kastanienbraun und Grau Rückgang Jh der Verwendung, wobei namentlich das Interesse für Grün sehr nachgelassen hat. Braun bekundet nach vorübergehendem scharfen Niedergang wieder Ansätze zunehmender Beliebtheit. «Sie sind ein Mann von Welt... Sie verstehen.» «Ich verstehe,» sagte Philipp mit einem unterdrückten Lächeln. Mr. Isaacs schien noch nicht beruhigt. Vielleicht war es besser, diesem Herrn, der ihn kannte, etwas nachdrücklich den Mund zu schliessen — die englischen Wahlmänner sind so überaus moralisch. «Verzeihen Sie,» sagte er, «sind Sie aHein? Wollen Sie mit mir... mit uns dinieren? Es wäre mir... uns ein grosses Vergnügen.» «Danke,» sagte Philipp. «Sie sind zu liebenswürdig, aber ich bin sicher, dass ich nur stören würde.» «Aber nein, gewiss nicht. Sie sind herzlich willkommen. Hier kommt Mrs. Bell. Daisy, darf ich dir meinen Freund vorstellen...» «Professor Pelotard,» sagte Philipp mit einer Verbeugung, und sie gingen in den Speisesaal. Das Mittagessen war vortrefflich, die Weine nicht, minder, und die Stimmung war bald die beste. Philipp erzählte den letzten Klatsch aus London, seine Reiseabenteuer und Geschichten aus seiner «Praxis», wie er sich ausdrückte. Mrs. Bell sprach ihre Bewunderung für die Wissenschaft aus, und man redete eine Weile von Marconi, den Mr. Isaacs kannte. «Apropos, Wissenschaft,» sagte Philipp, «es ist doch wunderbar, was für Fortschritte die Technik heutzutage macht Nach dem, asmm Autohotels in U.S.A. In den Vereinigten Staaten ist ein neuer interessanter Hoteltypus geschaffen worden, der allerdings für unser Land weniger in Betracht kommen dürfte. Eine grosse amerikanische Automobilgesellschaft hat sich die Klagen der Autofahrer gemerkt, die nach langen Tagereisen wohl gute Hotels vorfinden, die den Bedürfnissen der Reisenden entsprechen, die aber für die notwendige Pflege des durch die lange Fahrt hergenommenen Wagens nicht genügend gut eingerichtet sind. In der Gegend des Ozark- Gebirges im Westen von St. Louis, die landschaftlich ganz einzigartig ist, und durch die breite Betonstrassen laufen, erstellte die Gesellschaft nun sechs grosse Autohotels. Dem Besucher fällt sofort auf. dass die Garagen mehr Platz einnehmen als die Gasträume. Es handelt sich auch um keine gewöhnlichen Hotelgaragen, sondern um eigentliche, mit allen technischen Hilfsmitteln versehene Werkstätten, die ununterbrochenen Tag- und Nachtbetrieb haben. Alle Spuren und Schäden der langen Fahrten werden hier fachgemäss wieder beseitigt, währenddem der Reisende in kleinen, aber behaglichen Räumen sich reinigen, stärken und ausschlafen kann. Am nächsten Morgen findet der Autler vor der Hoteltüre seinen Wagen blitzblank und sauber vor. und vor der Zimmertüre hängen seine über Nacht gereinigten und gebügelten Kleider. Die Preise dieser Autohotels sind sehr massig. Die Garage ist frei, nur Reparaturarbeiten werden berücksichtigt. Bis an die kleinsten Bedürfnisse des Fahrers wird gedacht: so enthalten die Zimmer beispielsweise Einrichtungen zum Reinigen und Polieren der Fingernägel. Dieser neue Hoteltyp dürfte natürlich in erster Linie für grosse, dünnbesiedelte Länder mit starkem Autoverkehr in Betracht kommen. mb. Kleine Geschichten von Aerzten und Patienten Der gute Ruf. Heroen wirken aus der Nähe ihrer Zeit gesehen oft recht anders, als die Nachwelt sie kennt. Schiller z. B. galt in Jena als ein bissiger Spötter, mit dem nicht gut Kirschen essen sei. Und das traf mitunter wirklich zu. Ein Jenenser Arzt erzählte ihm einmal, er sei vier Wochen verreist gewesen. «Ich weiss », antwortete Schiller. < es hat ja sogar in der Zeitung gestanden.» « Tatsächlich ? Wann denn ? Ich habe nichts davon gelesen. > « Hier liegt ja noch das Blatt! was ich heute morgen in den Zeitungen las, scheint ja ein neues Problem definitiv gelöst zu sein — die Frage, die Kraft der Meereswellen auszunützen. Da ist ein junger Ingenieur Maxwell, der hat eben irgendwo an der Westküste seine Apparate fertiggebracht. Nach der «Daily Mail» scheinen seine Versuche über Erwarten gut ausgefallen zu sein. Die «Daily Mail» hatte ihre Notiz allerdings aus dem «Financial Leader» ausgeschnitten, so dass sie ausschliesslich aus dem Börsengesichtspunkt abgefasst war; aber man bekam doch auf jeden Fall ein ganz klares Bild der Sache. Ein grossartiges Unternehmen, Mr. Isaacs!» Mr. Isaacs beeilte sich, innerlich eine Danksagung über die Presse zum Himmel zu senden. «Ein grossartiges Unternehmen, Professor,» sagte er und fügte mit Betonung hinzu: «auch ökonomisch!» «Das kann ich mir denken,» sagte Philipp. «Wissen Sie etwas Näheres über die Gesellschaft?» Mr. Isaacs blinzelte erstaunt. Also wusste der Professor nichts von seinem Verhältnis zu der Gesellschaft! Man denke, wenn sich da etwas tun Hess! Mit einem freudigen Aufleuchten in seinen hochgewölbten Augen beugte er sich über den Tisch zu Philipp vor, der eben dabei war, einen Pfirsich zu schälen, und sagte mit seiner besten Geschäftsstimme: (Fortsetzung folgt.) Ein Empfänger von Qualität für wenig Geld Verkauf hei allen Ihrlinhänitlfirn Fr.3G0.- umuma c-r-r Typ 25 mit 6 modernen Lampen Generalvertreter für die Schweiz: J. Renaud & CJC, A.-G., Neuenburg Sehen Sie selbst! » Und der verblüffte Doktor las : < Im Monat Juli hat sich der Gesundheitszustand unserer Stadt erheblich gebessert. Es waren ?3 Todesfälle weniger zu, verzeichnen als im Vormonat...» Prosit. Des berühmten Kanzler Bismarcks Leibarzt konnte sich viele Jahre lang vor der UeberfüJle von Patienten kaum retten. Besonders in Hofkreisen war es Mode geworden, ihn bei jeder Gelegenheit zu konsultieren. Eines Tages wird er zu Fräulein von Z. gerufen. Der Leibarzt sieht auf den ersten Blick, dass es eine harmlose Erkältung ist, verschreibt eine Kleinigkeit und verschwindet. Kaum zwei Stunden später lässt ihn Frl. v. Z. ganz dringend bitten, doch so schnell wie möglich noch einmal zu ihr zu kommen. Der Leibarzt kann es sich kaum vorstellen, dass so schnell eine Verschlimmerung eingetreten sein sollte, aber vorsichtshalber macht er sich wieder auf den Weg. Die Patientin empfängt ihn mit hilfeflehendem Blick: «Denken Sie sich. Herr Doktor, kaum dass Sie fort waren, musste ich plötzlich dreimal hintereinander niesen ! » Einen Augenblick lang ist der Leibarzt sprachlos. Aber dann hat er sich gefasst: « Da kann man gar nichts machen als Prositl Prosit! Prosit! sagen. » Natürlicher Tod. Der berühmte alte Maler Menzel war eines Tages nicht unbedenklich erkrankt. Aber er war nicht dazu zu bewegen, einen Arzt rufen zu lassen. Verdriesslich antwortete er auf alle ernstlichen Vorstellungen: «Lassen Sie mich doch bloss damit in Ruhe! Wenn ich schon sterben muss. dann will ich wenigstens eines natürlichen Todes sterben...» « Parlamentarisches System.» In der Irrenanstalt X. ist ein neuer Assistenzarzt eingetroffen. Beim ersten Rundgang durch seine Abteilung begegnet er im Garten einem Mann, der gerade die Hecke beschneidet. **'* « Doktor Holz ! > stellt er sich vor. « Sehr angenehm ! » Kleine Pause. < Verzeihen Sie >, erkundigt sich dann der Doktor, c sind Sie Patient oder Angestellter ?» «Ich bin ein Opfer des parlamentarischen Systems...» « Opfer des parlamentarischen Systems ? Wie meinen Sie das ? > «Der Fall liegt ganz einfach: ich bin der Meinung, dass alle Menschen verrückt sind. Die andern aber behaupten, ich sei verrückt Wie sie sehen, hat die Majorität gesiegt— » M. G. Zürcher Wochenprogramnr Stadttheater ^^^ 8 tn»*« Sonntag nachmittags 3 Uhr. DL abends 17. Jan. Geschlossen. Mi. abends 18. Jan. La flnta semplice. (A. Ab. 10.) Do. abends 19. Jan. 7HUhr: Volksvorst.: Tannhäuser. Fr. abends 20. Jan. La finta semplice. (A. Ab. 10.) Sa. abends 21. Jan. Zum 1. Mal: Viktoria und Ihr Husar, Operette v. P. Abraham. So. nachm. 22. Jan. Tannhäuser. SO. abends 22. Jan. Die Fledermaus. Abends 8M Uhr. Sonntag nacbm 3H Uhr Di. abends 17. Jan. Derniere representation Georges et Ludmilla Pitoeff et leur Compagnie: Mademoiselle Julie, de Strindherg. Mi. abends 18. Jan. Professor Unrat Do. abends 19. Jan. Premiere: Ueber'n Sonntag (Weekend), Komödie von Noel Coward. Fr. abends 20. Jan. Professor Unrat Sa. abends 21. Jan. Ueber'n Sonntag (Weekend). So. nachm. 22. Jan. Oie Fahrt ins Blaue. So. abends 22. Jan. Professor Unrat. Mo. abends 23. Jan. Gastspiel The English Players: Pygmalion, v. Bernard Shaw. Odeon • Sonnenquai 2 16—18 Uhr und 20—23 Uhr: Gastspiel von «Dolly"« three Singbirds». Restaurant Hlingarla, Beatengasse Nachmittags- und Abend-Konzerte. Leo Fagel mit seiner Wiener Künstler- und Stimmungskapelle. Cafe AstOrla, St. Petersfrasse 18 Künstler-Konzerte, täglich 3—6 und 8—11 Uhr. Oreheetar Enrico Carletti. CAFE-CONDITOREI SERREM Zürich - Stadelhofen tmptiehtt hott, seine angenehmen Erfrischung*' räume. • Gelegenheit zum Parkieren.

N° 5 - 1933 AUTOMOBIL-REVUß 15 EDIEEJQ HD» QE Vielfach begegnen wir im täglichen Leben Ehebündnissen, bei welchen wir uns unwillkürlich die Frage vorlegen, wieso zwei dem äusseren Anschein nach so verschiedenartige Wesen sich zu einer dauernden Gemeinschaft zusammengefunden haben mochten. Mit diesem interessanten Problem befasst sich in fesselnder Weise ein Psychologe im «Neuen Wiener Journal», Es mögen alle jene Fälle nicht in Betracht gezogen werden, da die Kritik nur dem einen Teil gilt und auf rein subjektiven Momenten fusst, denn gerade die Vielfältigkeit de* Wünsche in bezug auf Charakterveranlagung sowie äusserer Erscheinung des jeweiligen Partners gibt dem Problem Liebe seinen kaleidoskopartigen Reiz, rückt es ausserhalb vom Standpunkt der Norm. Wo aber zwischen Wesen, Alter oder äuss^rer Erscheinung der beiden Eheteile eine, starke Diskrepanz vorliegt und die Ehe Bestand hat, können wir — nur von tieferer, psychologischer Einsicht getragen — einem Verständnis des für den Uneingeweihten so sonderbar erscheinenden Umstandes nahekommen. Dies um so mehr, als doch kaum ein Mann oder eine Frau in der Jugend ie einen Blick auf den sogenannten « Durchschnitt» gerichtet hat, vielmehr waren es immer Helden, Sportmenschen, Künstler, Dichter^ auch Gelehrte beim weiblichen Teil, Filmstars, Schauspielerinnen, Aristokratinnen, Ausländerinnen beim männlichen Teil, die angebetet, vergöttert und als Ehepartner ersehet wurden. Der bekannte Individualpsjychologe Dr. Alfred Adler sagt mit Recht, dass «auch in den Liebesbeziehüngen eines Menschen seine ganze Persönlichkeit mitschwingt » — also auch sein Charakter. Deshalb können wir auch bei entsprechender Menschenkenntnis aus der getroffenen Wahl des einen Teiles, welcher in dem Partner seine Ergänzung, besser sein zweites Ich gesucht und in der Mehrzahl der Fälle auch gefunden zu haben glaubt, häufig recht weitgehende Schlüsse auf seinen Charakter ziehen. Für jene aber, die von der Schicksalhaitigkeit alles Geschehens durchdrungen sind, muss gesagt werden, dass im Grunde genommen der Mensch keinen Charakter hat, sondern ein Charakter ist, so dass eben sein Charakter gleichzeitig sein Schicksal ist. Deshalb spielen auch bei der Wahl des Lebensgefährten Erziehung, Kindheitserlebnisse, Milieu, Erfahrungen des Lebens eine so grosse Rolle, haben einen entscheidenden Einfluss, welche Momente dem oberflächlichen Beobachter natürlich unbekannt sind. Vor einer Reihe von Jahren richtete eine grosse amerikanische Zeitung folgende zwei Fragen an ihren Leserkreis: «Welche Eigenschaften schätzen Sie am Manne (bzw. der Frau) am höchsten? » und « Auf welche männliche (bzw. weibliche) Eigenschaften legen Sie den geringsten Wert?». Aus den vielen tausend eingelaufenen Antworten ergab sich, dass die Frauen Intelligenz und Tüchtigkeit des Mannes als begehrenswerteste Eigenschaften schätzten, wogegen auf Höflichkeit der geringste Wert gelegt wurde. Die Männer dagegen erblickten die Krone weiblicher Eigenschaften in Schönheit und häuslichem Wesen und vermeinten, am ehesten weiblicher Intelligenz entbehren zu können. Diese Antworten, die einen interessanten Einblick in die Psyche nicht nur des Durchschnittamerikaners gewähren, enthüllen typische Tendenzen der Liebeswahl. Die Frau gibt für Automobilisten und Chauffeure Manktgasse42 Versand gegen Kl 4fe A 1« m* A &* a-in 4« i eren bringt Gewinn a v GE yOS\OJ Psychologie der Ehe Der beliebte Gummistiefel Charakter und Liebeswahl. F,. 1950 Das Haus für bewahrte Schuh-Qualitäten dem intelligenten Mann den Vorzug, auf den sie stolz sein kann, der sie als Lebensgefährtin wählt und ihr ein gewisses Niveau bietet, der aber auch tüchtig sein muss, um ihr einerseits den Lebensunterhalt zu gewährleisten und anderseits im gesellschaftlichen Wettkampf der Stärkere zu bleiben verspricht; diesen Vorteilen gegenüber ist man bersit, auf Höflichkeit des Partners, das heisst Rücksichtnahme und Anerkennung der eigenen Persönlichkeit zu verzichten. Die Männer dagegen legen vor allem auf die äussere Erscheinung der Partnerin grossen Wert und natürlich auf hauswirtschaftliche Fähigkeiten, die ihnen eine Erleichterung des Lebenskampfes versprechen; dagegen erscheint ihnen Intelligenz beim Weibe als keine wünschenswerte Eigenschaft. Sowohl aus der weiblichen wie aus der männlichen Entscheidung spricht deutlich die Tatsache, dass der « Typus » der Inbegriff des sozialen Verhältnisses ist, in dem — scheinbar naturgegeben — der Mann « oben » und die Frau « unten » ist; in beiden Fällen spricht jedenfalls das Prestige — « der intelligenteste Mann », « die schönste Frau» — eine sehr wesentliche Rolle. Für diese Einstellung mögen zweifellos in vielen Fällen persönliche Eindrücke und Erlebnisse im Elternhaus massgebend sein, aus der Tatsache heraus, dass das Kind beobachten konnte, wie zufolge mangelnder Intelligenz und Tüchtigkeit des väterlichen Teiles der Haushalt in pekuniärer Hinsicht in Unordnung geriet, anderseits aber das Fehlen äusserer und häuslicher Vorzüge des mütterlichen Teiles vielfach Anlass zu ehelichen Konflikten bot Wenn wir nun das Leben näher betrachten und auch uns selbst ein wenig mehr beobachten, können wir die Wahrnehmung machen, dass wir sehr häufig der unrichtigen Ansicht sind, dass die geliebte Person durch die blosse Tatsache, geliebt zu werden, bereits irgendwie verpflichtet sei; auch dieser Irrtum stammt aus der Kindheit, aus den Beziehungen innerhalb der Familie, in welcher tatsächlich die Liebe des einen nahezu eine Verpflichtung für den anderen bedeutet. Diese Anschauung beim, Erwachsenen ist nichts anderes als ein Rückfall ins Infantile, schwingt fast in jeder Liebesbeziehung mit, wird aber bei dem neurotischen Partner, der nach Macht und persönlicher Ueberlegenheit strebt, besonders verstärkt, oft in einem Masse, dass er Gehaben, Mienen, Anschauungen der geliebten Person in seine Schablone zwingen will, lediglich mit der einzigen, recht unhaltbaren Begründung: «Weil ich dich liebe!» Solche Menschen stossen daher bei der Wahl ihres Ehepartners auf besonders grosse Schwierigkeiten, da sie — aus ihrer inneren Unsicherheit heraus — nur einen Partner wählen, der sich ihnen blindlings unterordnet, oft in ein Hörigkeitsverhältnis zu ihnen tritt und ihnen derart die Sicherheit ihrer Ueberlegenheit zu gewährleisten scheint. Hieher gehören Menschen, die «unter dem Stande heiraten», in ein tieferes und ungeeignetes soziales Milieu hinabsteigen, etwa ihre Wirtschafterin oder Köchin heiraten, und in der Mehrzahl dieser Fälle können wir auf Charaktere schliessen, die dem Liebesproblem sehr zaghaft gegenüberstehen und sich einen solchen Partner nur gewählt haben, weil sie bei demselben weniger Macht und Stärke vermuten; sie nehmen hiebei viel lieber andere Nachteile in Kauf, als dass sie ihr übersteigertes Selbstgefühl einer etwa drohenden Erschütterung aussetzen wollten. Dabei handelt es sich absolut nicht immer um minderwertige Charaktere — wir können diese Tatsache vielfach auch bei geistig hochstehenden Menschen beobachten, wie etwa bei Goethe, dessen Liebesleben — wenn schon von so einer rein privaten Sache geredet werden soll — auf der ganzen Linie von einer gewissen inneren Unsicherheit bestimmt wurde, was auch seine schliessliche Ehe mit der ihm MÖBELFABRIK WORD E. SCHWALLER BESTBEKANNTES ETABLISSEMENT FÜR GUTE UNO PREISWÜRDIGE ARBEIT! Rest. Schmiedstube, Solothurn empfiehJt seine eute Küche, sowie prima Weine Hedy Lehmann, vorm. Bullet Bern gänzlich unebenbürtigen Christiane Vulpius erhärtet hat; auch Rousseau sei in diesem Zusammenhang genannt. Bei Erforschung der tieferen Gründe der jeweiligen Liebeswahl des einzelnen erscheint es — wie bereits angedeutet — immer wichtig, die Rolle der Eltern aufzudecken. So können wir häufig die Wahrnehmung machen, dass Söhne, die eine vergötterte Mutter in einer relativ glücklichen Ehe sahen, stets einen vollwertigen Mutterersatz suchen und geneigt sind, vor allem jener Frau den Vorzug zu geben, die ihrer Mutter am meisten ähnelt. Anderseits wieder trachten Töchter, die im eigenen Vater einen schwächlichen, lebensuntüchtigen und unsicheren Menschen erblicken, das Gegenteil zu wählen, wobei sie sich stets von der Devise leiten lassen: « Nur nicht wie mein Vater!». Jedenfalls müssen wir aus dem Gesagten entnehmen, dass jede sonderbare Liebeswahl, sei sie nun auf das deutlich Unterlegene oder auf das deutlich Ueberlegene gerichtet, stets in Entmutigung oder gefährdet scheinendem Geltungsstreben seine tiefere Erklärung findet; im ersteren Falle dokumentiert sich eine Tendenz nach Sicherung mit dem Ziele nach Machtgewinnung, im letzteren sucht das Geltungsgefühl des Entmutigten, Schwachen, durch Verbindung mit einem Stärkeren der eigenen Leistung und Verantwortung in Hinblick auf die Lebensaufgaben aus dem Wege zu gehen. In allen diesen Fällen tritt jedenfalls die Komponente der Ichhaftigkeit deutlich hervor und gipfelt in dem Bestreben nach Glück und Geltung. • Alle diese Menschen erwarten — sei es nun bewusst oder auch unbewusst — von der Ehe Erfüllungen, Krönungen, Erhöhung ihres Selbstgefühls, ein Paradies, dessen sie nie teilhaft werden können, und diese Erkenntnis nach einem nur zu kurzen Liebestraum stürzt sie in die bitterste Enttäuschung. Im Grunde genommen aber untergraben nur selbstsüchtiger Geltungsdrang des einen, Minderwertigkeitsgefühle des anderen die Fundamente ihrer Ehe... Kleine Mode-Notizen Die Pelzboa. Die Pelzboa ist eine neue Idee des unermüdlichen Modeschöpfers Jean Patou. Nachdem die Federboa im Anfang der Saison recht viel Beifall gefunden hatte, dürfte diese neueste Variation der Boa aus schlank aneinandergefügten Füchsen, ein- oder zweifarbig, gleichfalls Interesse erregen und besonders für die schlanken Abendkleider aus Samt eine willkommene Ergänzung sein. Heimkehr zum Rock. Aus wärmern Zonen, dort, wo es möglich ist, auch jetzt im Winter im warmen Sonnenschein am Strand zu liegen, kommt die Nachricht, dass die Frauen an Stelle des weithosigen Standanzuges, den kurzen, bequemen Rock tragen. Es wäre vielleicht etwas voreilig, daraus Schlüsse auf das Verschwinden des Strandanzuges zu ziehen; gewiss ist aber, dass die Frauen, nun schon jahrelang in Hosen spazierend, gewiss wieder gern den Rock tragen werden. Es wird handgestrlckt Der handgestrickte Jumper gilt nicht nur als besonders schick, sondern alle Frauen setzen ihren Ehrgeiz darin, sich selbst solche Jumper zu stricken. Daher begegnet man viel und oft und überall den klappernden Stricknadeln und den Frauen, die sich ernst und wichtig über das Thema «Muster» unterhalten. Neue Garnierungen. Litze, Seidentresse und gewachstes schmales Satinband sind neue, in vielfachster Form zu verwendende Garnierungen für das kommende Frühjahrskleid. Am häufigsten werden diese schmalen Besatzbänder in Form des Herringbonemusters — Fischgrätenmuster, wie bei den Herrenanzugstoffen — aneinandergesetzt. Schwedenleder für Blusen. Dünnes Schwedenleder, das so weich wie Seide ist, wird nicht nur für die modischen Kappen, sondern auch für ganze Jackenkleider, Westen und Blusen verwendet. Institut Lemania, Lausanne Moderne Sprach» o. llnndelslaelnphul« mit abschlies- »endem Diplom Gründliche Erlernung des FRANZÖSISCHEN. Rationelle Vorbereitung auf Universität < MiitiirlliU) und PolyUchpllmm. Internat und Externst. Sport. Knaben-Erziehungsheim „Alpina" Miisir Mm Champery 1070 • i.«. tur Knaben und Jünglinge von 8 Jahren an. UAbenlntl- und Sonnenknr. — Unterricht auf ifimtl. SehuUtufen. GrQndl. Erlernung des Französischen. Gymnastik und Sport, Schwimmbad, Sommerferienkurse Tourismus Kleiner Bummel durch die U. 5. A. IV) So meinte ich es nicht, und Ich entschloss mich nach diesen. Erfahrungen, mich zu Fuss auf den Weg zu machen und mir die Reisegesellschaft unterwegs auszuwählen. Das Handköfferchen schickte ich als Eilgut und kaufte mir einen kleinen amerikanischen Rucksack. Inhalt: Kamm, Zahnbürste, Handtuch, Seife, mein einziger Schlafanzug, ein Paar Söckli, Mütze, Mantel, Taschentücher, ein winziges Reisekissen (damit ich nicht, wie weiland Jakob, mein Haupt auf einen Stein legen müsse!), Messer, Taschenlampe, Kamera und etwas Proviant wie Brot, Butter, Käse, Tomaten, Obst. Der Rucksack war voll und der Aluminium-Trinkbecher baumelte am Riemen. Die Kleidung für die «Fusstour» verlangte einige Ueberlegung. Natürlich keine Strümpfe zu den bequemen Schuhen. Mit Strümpfen war ich für einige Zeit fertig. An ihrer Stelle Söckchen, die die Knöchel bedeckten. Die nur allzu kniefreien leinenen Kletterhosen kamen nicht in Frage. Aber vielleicht die blitzblauen Overalls, die bis an die Schuhe reichten und an denen ich mit soviel Liebe gearbeitet hatte? Nein, auch diese nicht! Wenn man sich auch in Amerika gewöhnt ist, Frauen in Hosen bei der Feldund Gartenarbeit und beim Sport zu sehen, so hätte doch mein Jungenanzug auf der Heerstrasse Autofahrer abschrecken können, die mich andernfalls zum Mitfahren aufgefordert hätten. Und auf die Freundlichkeit solcher Leute war ich doch auf meiner 630 km- Fusstour angewiesen, wenn ich Yosemite vor Schluss der Saison erreichen wollte. Also wählte ich ein einfaches, ärmelloses Waschkleid zu diesem Experiment Ein leuchtend blauer Augenschirm vollendete mein « Strassenkostüm ». Und nun los! Am Montag, punkt 12 Uhr, fuhr ich mit der Vorortbahn nach San Fernando. Dort marschierte ich in der Mittagshitze auf der glühenden Landstrasse durch das Städtchen nordwärts. Das San Fernandotal ist bekannt für seine Hitze. Ueberhaupt ist die Gegend, die ich zu durchwandern hatte, viel wärmer als Los Angeles, da sie durch Höhenzüge von Seewinden abgeschlos^ sen ist. Highway 99 hiess die Losung. Diese tadellose Heerstrasse führt von der mexikanischen Grenze durch ganz Kalifornien (ca. 800 Meilen) und durch Oregon bis Portland und ist eine der besten in den Vereinigten Staaten. Highway 99! Was für Erinnerungen wecken diese zwei Worte in mir! Immer wieder kehrte* ich in den folgenden zwei Monaten auf meinen Kreuz- und Querfahrten in den pazifischen Staaten zu 99 zurück, bis ich ihn im September in Portland endgültig verliess, um mich nach Osten zu wenden. Es war mein erster Versuch Im «Hitch- Hiking ». Diese Art des Reisens ist in Amerika sehr beliebt unter Studenten und anderen unternehmenden jungen Leuten. Ich habe in Yosemite einen jungen Deutschen mit flammendrotem Haarschopf kennen gelernt, der auf diese Weise von New York nach Kalifornien gekommen war (5000 km Luftlinie). Im Grand Canyon traf ich einen netten kleinen Engländer, der die sämtlichen Nationalparks des Westens « machte ». Er wollte mich animieren, mitzumachen. Doch war ich damals noch nicht so weit amerikanisiert, um mich innert fünf Minuten zu einem solchen Schritt aus der Bürgerlichkeit hinaus ins Vagabundentum entschliessen zu können. Dann sind da die vielen Gelegenheitsarbeiter, die vorübergehend auf Farmen und Obstplantagen ein- *) Siehe auch Nr. 3 des A. F. Autowimpel i Ideen bringt die Firma Moser & Co. in Seebach/Zch. Wie sinnig sind handgestickte Familienwappen als Ihres Wagens Schutz und Zier. Verlangen Sie den interessanten Prospekt. MOSER & CO. SEEBACH/Zch.