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E_1933_Zeitung_Nr.010

E_1933_Zeitung_Nr.010

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 3. Februar 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 10 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Diensten und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5 , jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •otern nicht postamUich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Posteheck-Rechmmg 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct». Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Bessere Verkehrsschulung Die Bedürfnisfrage. In unserer schnellebigen Zeit ist es fast zur Selbstverständlichkeit geworden, dass der Strassenverkehr jedes Jahr seine Opfer fordert Im Jahre 1930 wurden nach dem statistischen Jahrbuch der Schweiz im Strassenverkehr 8539 Personen verletzt, dabei fanden 412 Personen den Tod. Die Häufigkeit der Verkehrsunfälle beweist die mangelnde Anpassungsfähigkeit sowohl der motorisierten Verkehrsmittel an die zur Verfügung stehenden Wege, als auch der Fussgänger und Radfahrer an den Schnellverkehr der Strasse. Die sozusagen gefühlsmässig zu nennende Fähigkeit der Anpassung haben wir uns durch die praktische Schulung des Alltags mehr oder weniger erworben. Die heutige Jugend, die mit dem intensiven Strassenverkehr aufgewachsen ist, wird sich zweifellos in späteren Jahren selbst bei noch weiter gesteigerter Verkehrsintensität anpassungsfähiger erweisen. Trotzdem dürfte sich auch bei der jüngsten Generation eine systematische Verkehrsschulung als notwendig herausstellen. Dass in Kreisen der Motorfahrzeugführer Fehler begangen werden, beweisen die Gerichtsverhandlungen und Untersuchungsprotokolle zur Genüge. Die Führer von Fahrzeugen erhalten jedoch durch Ihre Fahrpraxis eine Schulung, wie sie den übrigen Strassenbenützern nie zuteil wird. Wer längere Zeit ein Motorfahrzeug geführt hat, weiss aber auch, dass ein Teil der Fussgänger und Radfahrer sich auf der Strasse so ungeschickt benimmt, dass sie sich selbst und damit auch die übrigen Benutzer der Strasse gefährden. Bis zum gegenwärtigen Verkehrsgesetz kannte der Fussgänger keine Pflichten, und auch der Radfahrer bewegte sich mit souveräner Unbekümmertheit auf der Strasse, die doch 'gleichzeitig mehreren Verkehrsbedürfnissen zu dienen hat. Durch die Inkraftsetzung eines bessern Gesetzes kann die Verkehrssicherheit nicht von heute auf morgen gesteigert werden. Mit den neuen Pflichten, die den Radfahrern und Fussgängern auferlegt worden sind, können sich diese Strassenbenützer nur nach und nach vertraut machen. Gerade aus diesen Kreisen gehen die Gewerbeschüler und Angehörigen kaufmännischer Berufsschulen hervor. Eines Tages erlernten sie die Fahrkunst, und bald darauf haben sie sich auf gut Glück und ohne planmässige Schulung oder Anweisung mit den Geheimnissen des Strassenverkehrs mehr oder weniger vertraut gemacht. Für ländliche Verhältnisse oder Ortschaften mit schwachem Verkehr mag heute die bisherige unbekümmert-dilettantische Art der Erziehung zum Strassenbenützer noch angehen. Für städtische Schüler aber ist eine systematische Verkehrsschulung unbedingt zu fordern. Zu viele und zu hohe Werte stehen auf dem Spiel, als dass die bisherige Art des laisser faire, laisser aller noch geduldet werden dürfte. Man wird nun gerade in Lehrerkreisen einwenden, dass städtische Schulbehörden grundsätzlich die Notwendigkeit einer Verkehrsschulung bejaht hätten und seit einigen Jahren Unterricht an Hand von Verkehrsfibeln erteilt werde. Wiederholte Beobachtungen haben mir aber gezeigt, dass diese einseitig theoretisch gehaltene Belehrung nicht genügt. Ich habe es oft erfahren müssen, dass selbst aufgeweckte Schüler trotz vorangegangener einlässlicher Belehrung in der Schulstube bei den anschliessenden praktischen Uebungen versagten, weil ihre bisherige Praxis viel nachhaltiger wirkte als die schulmeisterliche Theorie. Wer sich gewöhnt hat, Kurven zu schneiden oder keine Zeichen zu geben, wird auf die Dauer selbst den eindringlichsten Belehrungen zuwiderhandeln. Bei Schülern, die das 16. oder 17. Altersjahr überschritten haben, vermag der Verkehrsunterricht an Hand von Verkehrsfibeln und Warnungsplakaten «Kinder, passt auf, das ist gefährlich!» nicht mehr zu genügen. Für diese Schulstufen muss gefordert werden, dass die bisherigen Besprechungen über Verkehrsregeln — wenn sie überhaupt vorgenommen worden sind — ergänzt werden durch systematische Behandlung der häufigsten Fehler von Radfahrern und Fussgängern (möglichst an Hand von Lichtbildern und Filmen) und durch praktische Fahrübungen. Gehört die Verkehrsschulung in die Berufsschule? Die Stoffpläne unserer gewerblichen und kaufmännischen Berufsschulen sind heute derart belastet, dass für neue grössere Aufgaben vorerst kein Platz zur Verfügung steht. Man wird aber im Ernst nicht behaupten dürfen, dass für die Verkehrsschulung, die jährlich etwa 3—4J4 Stunden benötigt, kein Raum mehr übrig bliebe. Wer die Notwendigkeit der Verkehrsschulung bejaht, wird in einem allgemeinen Schulfach bestimmt die nötige Zeit dazu einräumen können. Die Einrede, die Berufsschulen hätten für derartige Aufgaben keine Zeit, ist nicht stichhaltig. Grössere Bedeutung kommt jenen Einwanden zu, welche die Verkehrsschulung der Sekundar-Bezirksschule oder den Abschlussklassen der Primar- Gemeindeschulen zuweisen möchten. Tatsächlich stände in diesen Schulstufen der Verkehrsschulung wesentlich mehr Zeit zur Verfügung. Es ist aber zu bedenken, dass es gerade die Berufsschulen sind, die erstmals die Schüler verkehrsarmer Gebiete in Hauptorten vereinigen und ihnen damit Gelegenheit bieten, sich regelmässig im intensiven Verkehr zu bewegen. Für solche Schüler, die in nicht städtischen Gebieten aufgewachsen sind, und in der Regel auch keinen Verkehrsunterricht erhalten haben, kann nun gerade die Berufsschule Wertvolles bieten. Es handelt sich doch in der Hauptsache um Leute, die wohl in verkehrsarmen Gegenden aufgewachsen sind, aber schon in der nächsten Zeit als Radfahrer und Fussgänger mit verkehrsstärkern Ortschaften in Berührung kommen. Aber auch städtische Schüler, die bereits früher geschult wurden, werden als nunmehr angehende Männer aus richtig geleiteten Verkehrsübungen wesentlich mehr gewinnen können, als dies in frühern Schuljahren der Fall sein konnte. Man bedenke doch: Die Berufsschule sucht in rund 700—1000 Stunden dem Lehrling ein Mindestmass an Können und Wissen für seinen zukünftigen Beruf beizubringen. Ein Fehler als Fussgänger oder Radfahrer vermag unsere Bemühungen mit einem Schlage zunichte zu machen. Wenn es der Schule gelingt,, durch den Verkehrsunterricht auch nur einen Lehrling vor schweren Unfallfolgen zu retten, so haben die 3—VA Stunden Verkehrsschulung reichlich Früchte getragen. Da die Erfahrungen grossstädtischer Schulen deutlich beweisen, dass durch planmässigen Verkehrsunterricht die Unfallhäufigkeit herabgemindert werden kann, wird man gerade an der Berufsschule die Notwendigkeit derartiger Uebungen nicht mehr verneinen dürfen. Ein Vorschlag zur Durchführung von Verkehrsübungen. Es ist in anderem Zusammenhang dargelegt worden, dass die üblichen Besprechungen der Verkehrsregeln durch Vorführungen von Lichtbildern, eventuell Filmen und vor allem durch praktische Fahrübungen ergänzt werden sollten. Selbstverständlich führen auch auf diesem Gebiete verschiedene Wege nach Rom, und es wäre unrichtig, für die Verkehrsschulung nur ein bestimmtes, starres Arbeitsschema gelten zu lassen. Nachstehende Arbeitsübersicht ist daher nur als ein Beispiel zu werten. Sie wurde vor einiger Zeit den Verkehrsübungen einer grösseren Berufsschule mit etwa 400 Schülern zugrunde gelegt. A. Theoretischer Teil. a) Besprechung der Verkehrsregeln für Fussgänger und Radfahrer; b) Erklärung der Verkehrstafeln und -zeichen 1—VA Std. c) Vorführung von Lichtbildern, eventuell Verkehrsfilm 1—VA Std. B. Praktischer Teil. d) Fahrübungen für Radfahrer im Strassenverkehr; e) Uebungen für Fussgänger im Strassenverkehr 1—VA Std. Total: 3—4H Std. Es sei gestattet, diese Arbeitsfolge in Stichworten kurz zu erläutern: a) Fussgänger haben die Strasse auf dem kürzesten Wege zu überschreiten. Wer zuerst links und dann von der Strassenmitte an rechts beobachtet, wird den Fahrverkehr rechtzeitig überblicken. Erst das praktische Ausproben dieser Regel vermag die Zweckmässigkeit dieses scheinbar schulmeisterlichen «links und dann rechts schauen» eindrücklich zu belegen. Plätze und Strassenkreuzungen sind rechtwinklig zu überqueren. An die durch Markierungsnägel eingegrenzten Uebergänge haben sich auch die Jungen zu halten. Auf Gehsteigen ist ebenfalls rechts auszuweichen und das Marschieren in Reihen zu unterlassen. Das Wegwerfen von Fruchtschalen ißt eine Gedankenlosigkeit, die bekämpft werden muss. Kreuzende Fahrzeuge bringen für den Fussgänger besondere Gefahren. — Radfahrern ist das rechts fahren und links vorfahren eine Selbstverständlichkeit. Da«', Abgeben. von Richtungszeichen gehört heute zu den Pflichten jedes Radfahrers. Die Regel, dass Linkskurven weit zu nehmen sind, wird vor allem durch Schnellfahrer verletzt. Auch der Radfahrer schneidet gelegentlich die Kurven und bringt damit sich und andere in Gefahr. Das Rad ist kein allgemeines Transportmittel, weder für weitere Mitfahrer noch für Geräte und Material. Auf Ueberg-ängen, die durch Nägel für die Fussgänger bestimmt sind, gemessen letztere das Vorrecht. Sobald der Schüler den Zweck und die Berechtigung einer Verkehrsregel einsieht, ißt er gerne bereit, ihr im Verkehr auch nachzuleben. Man wird deshalb gut tun, nicht nur Gebote und Forderungen aufzustellen, sondern jede Verkehrsregel einlässlich zu begründen. b) Die neuen internationalen Verkehrssignale geben auch •den Radfahrern nützliche Hinweise. Von den Dreiecktafeln sind für sie die Zeichen für Kurven, Kreuzung, bewachter und unbewachter Uebergang, Gefahr und Querrinne von besonderer Bedeutung. An runden Tafeln kommen in Frage: Verbot für alle Fahrzeuge, für Radfahrer. Einbahnstrasse, vorgeschriebene Fahrrichtung (blau) und Stationierungsverbot. Das blau-weisse Vorsichtszeichen dient auch dem Radfahrer als Warnung. c) Dass Lichtbilder und Füme das gesprochene Wort in überaus nachhaltiger Weise zu ergänzen vermögen, gilt als Erfahrungstatsache. Wir verfügen heute über in- und ausländische Verkehrsfilme, die methodisch recht geschickt aufgebaut Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (13. Fortsetzung) Er schüttelte nur ungeduldig den Kopf und zog mich hastig eine Treppe hinauf. Noch war ich über seine Art und Weise so verblüfft, dass ich mir kaum Zeit nahm, über seine Anwesenheit an Bord nachzudenken. Erst als wir eine Treppe höher gekommen waren, kam mir dies zum Bewusstsein. «C> sagte ich, «was in aller Welt tun Sie.. .?> «Still,» sagte er ungeduldig, «wir haben Eile. Ich bin an Bord. Das genügt. Ich fürchtete, dass Sie allein die beschichte nicht deichseln könnten... dass sich Schwierigkeiten ergeben könnten,» verbesserte er sich, als er mein Gesicht sah. «Und es ist auch gut, dass ich mitgekommen bin. Die Pläne sind geändert!» «Entweder Selby oder Hoxton hat es sich überlegt,» fuhr er fort, «weiss der Teufel warum, aber eine verdammte Enttäuschung für uns! Die Sache wurde gar nicht in den Lastraum placiert, wie wir dachten, und wenn wir dort danach suchen wollten, könnten wir bis Alexandria weiter suchen. Sie ist dort oben!» «Dort oben?» sagte ich mechanisch. «Wo denn, G.?» «Na, im Himmel nicht!» brüllte er. «Was haben Sie denn, Sie sehen ja aus, als ob Sie auf Ihrer ersten Expedition wären? Kapieren Sie denn nicht? In dem kleinen Lastenraum dort oben, direkt unter dem Verdeck. In dem Raum, wo sie Kostbarkeiten und heikle Dinge verwahren — nicht gerade Juwelen, aber Sachen, auf die aufgepasst werden muss. Da ist die Sache, wegen der Sie und ich an Bord sind. Und jetzt handelt es sich für uns darum, uns auszudenken, wie wir sie von dort herauskriegen.» Endlich war es mir gelungen, die Herrschaft über mich wiederzuerlangen. Ich nahm G. am Arm und sagte: «Führen Sie mich hin, wenn wir ohne Risiko hingehen können. Es ist am besten, wenn wir keine Zeit verlieren.» G. nickte mürrisch und zeigte mir den Weg zu einem Korridor direkt unter Deck. Ich konnte das Trampeln der Matrosen über unseren, Köpfen hören. Vor einer mächtigen, grau gestrichenen eisernen Türe, die mit schweren Riegeln versehen war, blieb er stehen. «Hier ist es,» sagte er. «Drinnen liegen die Hunderttausend und warten darauf, in unsere Taschen zu wandern. Doppeltüren aus Stahl j — nicht gerade ein Kassenschrank, aber nicht weit davon.» Ich unterbrach ihn. «Was ist in dem Räume daneben?» «Auf dieser Seite vorne sind die Eisschränke und Kühlanlagen,» sagte er. «Da ist unmöglich etwas zu machen. Der Raum auf der anderen Seite ist augenblicklich unbenutzt. Nur der Doktor hat seine Utensilien da. Uebrigens wird er, glaube ich, wenn sich die Notwendigkeit ergibt, als Quarantäneraum verwendet.» «Und wird vor dem Kassenraum Wache gehalten?» «Vorderhand nicht, aber vermutlich... Look out!» flüsterte G. hastig. «Den Maschinenraum, Sir? Ich weiss nicht, ob ich ihn zeigen darf, aber diesen Weg, Sir!» Ich drehte mich um, rasch genug, um zu sehen, wie der erste Steuermann den Korridor hinunterkam und fand mich sofort in G.s Rolle. «So, Sie wissen nicht, ob Sie können? Aber es wäre so interessant für mich, ich habe nämlich noch nie...» «All right. Sir! Dort hinunter, Sir! Sie gestatten, Sir?» Er salutierte rasch, indem er sich an den ersten Steuermann wendete, der einen forschen Blick auf uns geworfen hatte und jetzt zustimmend nickte. Wir eilten die Stufen zu dem dröhnenden, klirrenden Maschinenraum hinab. Auf dem Wege beugte sich G. zu mir vor und schrie durch das Getöse: «Was ich bald vergessen hätte! Da ist ein kurioser alter Kauz an Bord — ein Pfaff oder Missionar oder so etwas! Kennen Sie ihn?» Ich nickte. «Na. Den hätten Sie sehen sollen. Hat ein Kolli mit, so gross wie der Turm von Babel — seinen Grabstein, behauptet der alte Hund. Grabstein! Hol' mich der und jener...» Ich fiel ihm ins Wort. «Nein, bitte, G., sagen Sie nichts über den Pastor. Das ist einer der entzückendsten Menschen, die ich je getroffen habe. Er fährt nach Malta, um seine Lunge zu kurieren und hat sich daheim in England einen Grabstein hauen lassen, für den Fall, dass er sterben sollte. Warum sprechen Sie von ihm, G.?» «Warum? Nur, weil sein Grabstein zufällig in dem Kassenzimmer liegt, das wir uns eben angesehen haben. Neben unserem eigenen kleinen Kolli,» schrie er mir ins Ohr. «Irren Sie sich nur nicht, wenn's zum Klappen kommt!» «Ich weiss, dass er sehr besorgt darum ist,» sagte ich, ohne G.s Frechheit zu beach-