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E_1933_Zeitung_Nr.012

E_1933_Zeitung_Nr.012

Ausgabe: Deutsche Schweb BERN. Freitag, 10. Februar 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 12 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjahrlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlicbe Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Fragen vom Tage Der Autotourismus Im Winter und seine Propaganda. Vergangenen Herbst haben wir an dieser Stelle die Ergebnisse einer Rundfrage veröffentlicht, um zahlenmässig die Einsparungen bei einer Reise im Automobil gegenüber der Eisenbahnfahrt darzulegen. Unsere Leser mögen sich daran erinnern, dass beispielsweise eine Fahrt von vier Personen von Paris oder Berlin nach Chur im Automobil gegen 900 Franken billiger zu stehen kam, welcher Betrag die Kosten eines sieben- bis neuntägigen Aufenthaltes der nämlichen Reisegesellschaft in einem erstklassigen Fremdenhotel der Schweiz zu decken vermag. Wir konnten feststellen, dass diese Angaben einem lebhaften Interesse in Verkehrskreisen begegneten, was zur Hoffnung berechtigte, dass vielleicht die Schweiz. Verkehrszentrale oder Kur- und Verkehrsvereine dadurch veranlasst würden, eine entsprechende Kollektiv-Propaganda für den Autotourismus im Winter in die Wege zu leiten. Wegen der knappen zur Verfügung stehenden Mittel konnte jedoch in dieser Richtung nichts unternommen werden. Dagegen scheint man sich in Deutschland diesen Wink zu Nutze gemacht zu haben. So finden wir beispielsweise im Reiseblatt der «Frankfurter- Zeitung» unter dem Schlagwort «Mit dem Auto zum deutschen Wintersport» eine interessante Zusammenstellung, die eine geschickte Verkehrswerbung darstellt. Eine Kartenübersicht zeigt die wichtigsten deutschen Wintersportplätze und deren kürzeste Strassenverbindungen und Distanzen von den hauptsächlichsten deutschen Städtezentren aus. Eine übersichtliche Zusammenstellung von Itineraires nach diesen Wintersportplätzen wird mit folgendem Text eingeleitet: «In früheren Jahren stand das Kraftfahrzeug im Winter meist unbenutzt in der Garage, da der Fahrer Angst hatte, seinen Wagen oder sein Motorrad bei Eis und Schnee über lange Strecken zu steuern. Jetzt hat man den Wert des Kraftfahrzeuges als Reisemittel auch während der kalten Jahreszeit schätzen gelernt und die zuständigen Behörden der F E U I L L E T O N Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (15. Fortsetzung) Man denke sich sein Erstaunen, als er sie eröffnet findet, anstatt Gold Bleiklumpen enthaltend, und bei einer rasch vorgenommenen Untersuchung der übrigen Schachteln in der Kiste stellt es sich heraus, dass sich der Inhalt bei sämtlichen aus Goldmünzen in Blei verwandelt hat!!! Wir geben an anderer Stelle des Blattes die zunächst folgenden Verhöre mit Grossmith wieder, die zu keinem wie immer gearteten Resultat geführt haben, er scheint so ziemlich stumpfsinnig zu sein. Hier begnügen wir uns damit, zu konstatieren: 1. Dass das Gold von Mr. James Hoxton, Direktor der Bank von England, verpackt wurde, 2. dass die Kiste, in der es abgesandt wurde, absolut keinem anderen Attentat ausgesetzt war als dem Grossmith — Sachverständige bestätigen das unter Eid, 3. dass der Kapitän die Kiste und die speziellen Schachteln der Bank (Sachverständige sind bereit, ihre Echtheit zu beschwören) anstatt mit Gold mit Bleiklumpen gefüllt fand, 4. verweisen wir noch einmal auf das, was wir oben über den Raum gesagt haben, in dem die Kiste auf der «Empress of Oceania» verwahrt wurde. Ausserdem teilen wir folgendes kuriose verschiedenen deutschen Wintersportplätze haben sich bereits dementsprechend eingestellt: Alle bedeutenden Landstrassen werden schneefrei gehalten.» Besonders der Hinweis darauf, dass alle bedeutenden Strassen schneefrei gehalten werden, veranlasst zum Nachdenken und zu der Frage, ob wir uns in der Schweiz auch in dieser Hinsicht vom Ausland überholen lassen werden. Es ist deshalb dringend notwendig, dass sich unsere massgebenden Stellen ebenfalls darüber klar werden, welch' grosses Interesse die Schweiz haben muss, um die Automobilgäste auch im Winter für unser Land zu werben. An den meisten unserer Wintersportplätze hat man sich bereits auf die Autokundschaft eingestellt und zahlreiche geräumige Garagen errichtet, die heizbar sind und auch im Winter in Betrieb stehen. In diesen Bauten hat die Hotelindustrie neuerdings ansehnliche Summen investiert und wird niemand im Ernste erwarten wollen, dass dieses Anlagekapital sich aus den Betriebsergebnissen der kurzen Sommersaison richtig verzinsen kann. Wann wird sich endlich die Erkenntnis für den wirtschaftlichen Wert der Wochenendfahrten im Automobil während der Wintersaison durchringen? Vom 1.—12. Januar sind dieses Jahr allein von Mailand her über 400 Wagen bei der Grenzstation von Castasegna für einen Wochenend-Aufenthalf in die Schweiz eingereist und haben uns damit wenigstens 1200 Gäste gebracht. Dabei zahlen diese Besucher bei ihrem kurzen Aufenthalt volle Pensionspreise. Viele von ihnen kommen zum erstenmal im Winter in unser Land und kehren voll Begeisterung nach ihrem kurzen Aufenthalt in die Heimat zurück mit der guten Absicht, sobald als möglich wieder zu kommen. Allein um diese Wochenendfahrten zu steigern, könnte unserseits noch viel unternommen werden, und zeigt dieses eine Beispiel, dass wir die Möglichkeiten des Winter-Tourismus noch lange nicht voll ausnützen. Es ist daher um so bedauerlicher, feststellen zu müssen, dass das Ausland wiederum vor uns die sich hier eröffnenden Möglichkeiten erkannt hat und für sich nutzbar macht, wie dies nunmehr in Deutschland der Fall ist. Befürchten die in unserem Fremdenverkehr massgebenden Persönlichkeiten etwa irgendwelche Gegenmassnahmen «Tagebuch» mit, das sich in Grossmiths Kajüte vorgefunden hat und aus dem hervorzugehen scheint, dass er einen Mitschuldigen an Bod hatte; man hat noch nicht volle Klarheit über dessen Identität erlangt. Möglicherweise ist dieses Tagebuch auch nur ein Bluff. Aber kann jemand dieses unbegreifliche Ereignis erklären? Eine Kiste versiegelt mit den Siegeln der Bank von England, gefüllt mit den speziellen Schachteln der Bank, wird mit einem ausserordentlich vertrauenswürdigen Kapitän abgesendet, sie wird auf das sorgsamste bewacht, und als sie geöffnet wird (allerdings von einem Einbruchsdieb, aber er kann kaum mehr als eine Viertelstunde im Verwahrungsraum zugebracht haben) — als sie geöffnet wird, finden sich unter den Siegeln in den Schachteln nur Bleiklumpen vor. Sherlock Holmes an die Front. M. Lavertisse unterbrach seine Lektüre und starrte wieder mit einem Ausdruck der lebhaftesten Bewunderung Philipp Collin an, der ruhig lächelnd sein Champagnerglas leerte. «Das schwerste,» sagte er dann, «nachdem ich die Idee mit dem Grabstein hatte, war der Austausch mit der Goldsendung. Wie ich Ihnen schon sagte, Lavertisse, es wäre eine Kleinigkeit gewesen, einen Teil des Goldes zu nehmen — das scheint ja auch Mr. Grossmiths Ansicht gewesen zu sein. Alles zu nehmen, da lag der Haken. Dar Grabstein gab mir eine Gelegenheit, aber der Austausch machte mir Kopfzerbrechen — namentlich solange ich glaubte, dass die Kiste in der gewöhnlichen Güterabteilung transportiert werden würde. Darum machte ich ein paar kleine Streifzüge der S. B. B., dass sie es bisher nicht gewagt haben, für eine Sonderpropaganda einzutreten, um die Autotouristen auch im Winter für uns zu gewinnen? Gewisse uns zugegangene Aeusserungen scheinen diese Annahme zu bestätigen. Es ist aber auch heute noch nicht zu spät, um zu reagieren, da selbst eine Verminderung der Bahndefizite noch keineswegs die Gewähr dafür bietet, dass damit auch unserer Hotellerie aus der Krise herausgeholfen ist. Sie muss für sich selbst sorgen und nicht ihr Heil anderswo suchen. Wenn der Autotourismus im Winter unseren Fremdenverkehr zu beleben vermag, dann soll die Hotellerie sich diese Hilfsquelle auch erschliessen, und zwar auch dann, wenn es nicht ganz mit den Interessen der Eisenbahnen übereinstimmen sollte. Leider fehlt es unseren grossen Automobilverbänden an Mitteln, um von sich aus den Autoverkehr im Winter zu propagieren. Es ist dies vielleicht eine Aufgabe, die auch weniger in ihren Tätigkeitsbereich fällt. Aber die Mittel für diese Reklame müssen dessen ungeachtet irgendwie beschafft werden. Es wäre deshalb sehr zu begrüssen, wenn der kommende Fremdenverkehrs-Kongress in Zürich diese wichtige Frage auf die Tagesordnung einer seiner Kommissionen setzen würde. M. O. durch die Docks in der Nähe der .Empress of Oceania', so dass Kapitän Selby mich sah. Und deshalb liess er die Kiste in dem Räume unterbringen, wo ich sie haben wollte. Ich entdeckte diesen Raum, als ich als Verlader an Bord des Dampfers Dienst machte.» «Aber verzeihen Sie, Professor, warum liess Kapitän Selby die Kiste dort unterbringen— weil er Sie sah?» «Ja, wissen Sie, Graham, er sah mich eben in einem besonderen Kostüm. Ich hatte mich als Aegypter gekleidet.» ' Mr. Graham stiess einen Pfiff aus. «Und da glaubte er, dass...» «Ja, da glaubte er, dass die Nationalisten vielleicht danach spionierten und beschloss, die Kiste an einem sichereren Orte unterzubringen als im Lastenraum. Das Resultat sehen wir in der .Daily Mail'.» «Und als Sie das Krankenzimmer neben dem anderen Raum sahen, kam Ihnen die Idee mit dem Pastor?» Herr Collin nickte. «Mit seiner Krankheit, ja. Dann war das andere ja sonnenklar. Lavertisse hatte ja dafür gesorgt, dass wir genau wussten, wie die Kiste und die Schachteln aussahen. Es handelte sich dann nur darum, das Blei in die falschen Schachteln zu packen — eine kleine Koketterie, wie ich Ihnen sagte, Lavertisse — und die Schachteln in die falsche Kiste und sie zu versiegeln. Sich Siegel zu verschaffen, ist ja gottlob keine Kunst. Und ebenso selbstverständlich war es, dass die falsche Kiste mit dem Titel: Grabstein für den Pastor aus Malta in eine grössere verpackt wurde. Das INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct». Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Das Ende der Autostrasse Bern-Thun? ^-Nachdem dieses interessante Projekt seit längerer Zeit infolge Abklärung verschiedener, damit in Zusammenhang stehender Probleme zurückgestellt werden musste, ist dasselbe neuerdings in ein entscheidendes Stadium eingetreten. Bekanntlich ist für den Betrieb von Sonderstrassen vor allem die Rechtslage ungenügend abgeklärt; die Strasse ist Gemeingut, Taxen oder Abgaben für deren Benützung sind gemäss Bundesverfassung abgeschafft. Ob nun einer Sonderstrasse das Privilegium der Taxerhebung rechtlich zugestanden werden kann, ist eine Streitfrage der Juristen. Gutachten kompetenter Rechtsgelehrter widersprechen sich. Hand in Hand mit dieser grundsätzlichen Seite geht auch die Frage des Expropriationsrechtes; es ist noch keineswegs entschieden, ob die gesetzlichen Grundlagen vorhanden sind, um für ein derartiges Privatwerk Expropriationsrechte zu beanspruchen. Dass auch die Finanzierungsfrage, besonders in der heutigen Zeit schwer darniederliegender Wirtschaft, einem solchen Projekt hinderlich in den Weg tritt, bedarf keiner weiteren Begründung. Trotz all dieser Schwierigkeiten haben die Initianten der Autostrasse Bern— Thun ihre hochgesteckten Ziele unentwegt weiter verfolgt; so sollte vor allem der bernische Regierungsrat veranlasst werden, Stellung zu dem Projekt zu nehmen, um alsdann dessen weitere Förderung betreiben zu können. Wie wir hören, hat die Justizdirektion des Kantons Bern einen abschlägigen Bescheid gegeben; sie kann dem Regierungsrat nicht empfehlen, auf die Frage der Expropriation einzutreten. Neben einigen Bedenken technischer Art der kantonalen Baudirektion, die zweifellos bei beidseitig gutem Willen beseitigt werden könnten, spielt vor allem die bereits obenerwähnte rechtliche Seite des Projektes einer Autostrasse eine ausschlaggebende Rolle. Auch die Bedürfnisfrage wurde in Erwägung gezogen, nachdem in neuerer Zeit die Durchgangsstrasse Bern— Thun bedeutend verbessert wurde und inskünftig für den Automobilverkehr noch weiter ausgebaut werden soll. Durch diesen Bescheid stand das Initiativkomitee der Autostrasse Bern—Thun vor einem fast unüberwindlichen Hindernis. Die Behandlung der Expropriationsfrage vor dem Grossen Rat hätte nicht nur die bestehende Opposition gewisser Bevölkerungskreise auf den Plan gerufen, sondern man hätte auch mit grösster Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen gehabt, dass der Wind, der seit einiger Zeit das Kapitel « Auto und Bahn » umtobt, bei der Beurteilung der Rechtsfragen betr. Autostrassen scharf eingesetzt hätte. So entschied sich das Initiativkomitee, die Akten über das Kapitel « Autostrasse Bern— Thun» vorläufig zu schliessen und weitere Bemühungen in dieser Richtung auf günstigere Zeiten zurückzustellen. Im Zeichen der schweizerischen Verkehrsentwicklung wäre es höchst bedauerlich, wenn damit die Frage der Sonderstrassen für Motorfahrzeuge für längere Zeit ad acta gelegt wäre, doppelt schmerzlich in einem Zeitpunkt, wo die Aufnahme neuer Arbeitsgelegenheiten grossen Stils so besonders willkommen wären. Der unvoreingenommene Beurteiler derartiger Projekte darf dabei ohne weiteres aussprechen, dass in unserem Lande die Zeit schlimmste war, die echte Kiste und den falschen Grabstein im Verwahrungsraum miteinander zu vertauschen. Gott sei Dank war ja die Wache aus dem Wege, und Lavertisse hustete, indes ich arbeitete, wie ein ganzes Sanatorium.» «Nun aber der andere, Grossmith? Wie, glauben Sie, hatte er von der Sendung erfahren, Professor?» «Ach, es ist nahezu unmöglich, eine solche Sendung geheimzuhalten. Das ist Tatsache. Vielleicht hatte er Verbindungen mit der Bank — wir werden es wohl nie erfahren. Aber ich hatte ihn gleich im Verdacht. Ein lichtscheues Individuum ... Ich legte seine Züge und diese Gespenstermaske zum Spass an — Seeleute sind ja immer abergläubisch... mein Gott, wie ich sagte, ein ganz ordentlicher Mensch, der auf Abwege geraten ist...» Herr Collin sah gedankenvoll vor sich hin. «Nun, und was werden Sie jetzt tun, Professor?» «Wir fahren wieder nach England zurück, Lavertisse, mit der Jacht, die Graham uns verschafft hat- Und da will ich eine Schenkung machen.» «Eine Schenkung, Professor?» «Ja, Lavertisse, ein Akt der Dankbarkeit! Tausend Pfund für die Geistlichkeit in Malta.» v. Herr Collin wird Strassenbesitzer. Herrgott, wie einförmig ist doch das Leben, seufzte Herr Philipp Collin, als er eines Tages im Januar 1909 in der Halle des Hotel Atlantic bis über die Ohren in einen Klubfauteuil