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E_1933_Zeitung_Nr.016

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 24. Februar 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N" 16 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. l'ostcheck-Kechnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschiuss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Zur Förderuns des Autotourismus Vereinfachung der nationalen und Internationalen Papiere. Ein Vorschlag. Im Leitartikel der «Automobil-Revue» vom 31. Januar 1933 «Glanzzeit des Autotourismus» ist am Schluss eine Reihe höchst notwendiger Forderungen aufgestellt worden, deren Verwirklichung unserem Autotourismus ausserordentlich nützlich sein würde. Eine dieser Forderungen ging auch nach weiterer konvention hinsichtlich der Dokumente für Vereinfachung der Formalitäten und Aus-diweispapiere. In diesem Sinne möchten wir kehr abgeändert wird. Automobilisten im internationalen Ver- nachstehend den interessierten Kreisen und Da der internationale Führerschein und der massgebenden Instanzen einen Vorschlag internationale Zulassungsschein, wie bereits unterbreiten, dessen Realisierung vielleicht gesagt, Uebersetzungen der nationalen Papiere sind, handelt es sich darum, eine andere eine solche Vereinfachung brächte. Nach den derzeitigen Bestimmungen der Möglichkeit zu finden, welche den Zweck der internationalen Verkehrskonvention haben Uebersetzung erfüllt, ohne dass dazu ein besonderes Formular oder gar eine Sammlung Automobilisten, welche ins Ausland fahren wollen, sich einen internationalen Zulassungsschein, sowie einen internationalen Führer- zwanzig Seiten umfasst. von Uebersetzungen notwendig ist, welche schein zu besorgen. Diese Dokumente sind Ein Ausweg ist nun wohl darin zu sehen, im grossen und ganzen Uebersetzungen der dass diejenigen Angaben der nationalen entsprechenden nationalen Papiere in verschiedenen (21) Sprachen. Jedes der Doku- im internationalen Führerschein und im inter- Führerscheine und Zulassungsscheine, welche mente ist also ein Heft von ziemlich grossem nationalen Zulassungsschein in die verschiedenen Sprachen übersetzt sind, in den natio- Umfang. Die Besorgung der internationalen Führerscheine bzw. der internationalen Zulassungsscheine ist in manchen Ländern ziem- Art durch Bildzeichen ersetzt werden. An nalen und internationalen Papieren dieser lich umständlich und kostspielig. So können der Stelle, wo die Photographie anzubringen internationale Dokumente z. B. in den Niederlanden nur an einem Ort, nämlich Im Haag wo der Name des Automobilisten hinzusetzen ist, könnte man einen Photoapparat abbilden, ausgestellt werden, und zwar durch Vermittlung der zwei hierzu in Holland zugelassenen Vornamenstelle würde man einen Taufstein ist, eine Person am Steuer zeichnen, für die Automobil-Clubs, worin eine weitere Erschwerung liegt. In der Tschechoslowakei Wiege und für den Wohnort eine ruhende setzen, für den Geburtsort und Datum eine kostet die Beschaffung der internationalen Person, im Hintergrund ein Ortschaftsbild in Papiere ungefähr 20 Fr. In Luxemburg macht kleiner Silhouette. Auch für die Strassenangabe könnte man eine geeignete Abbildung der zur Ausstellung der internationalen Papiere berechtigte Automobil-Club die Bedingung, dass der Antragsteller Mitglied seines Die nationalen Führerscheine und Verkehrs- finden. Clubs wird. In anderen Ländern, namentlich bewilligungen enthalten aber ausser den für da, wo nicht die Automobil-Clubs, sondern den internationalen Verkehr verlangten Angaben auch noch solche Angaben, welche nur die Verkehrsbehörden die Ausstellung der internationalen Papiere für Autofahrer besorgen, ist die Beschaffung der Papiere ein- muss deshalb der Raum für die Bildzeichen vom betreffenden Land verlangt werden. Es facher, aber zum Teil auch noch recht teuer. so beschränkt werden, dass auch noch die In Deutschland kostet die Ausstellung des Anbringung der anderen Angaben möglich ist. internationalen Führerscheines und des internationalen Zulassungsscheines 16 Reichsmark. Bildzeichen nur die Innenseite des nationalen Unser Vorschlag sieht daher vor, dass die In allen Ländern haben zudem die internatio- Führerscheines bzw. des nationalen Zulas- nalen Papiere nur eine einjährige Gültigkeitsdauer. Es liegt nun sicherlich nicht nur im Interesse aller Automobilfahrer, sondern auch aller derjenigen Stellen, welche eine Hebung des Reiseverkehrs herbeiführen wollen und namentlich denjenigen Stellen, welche die Einreise von ausländischen Autotouristen in ihr Land erleichtern wollen, dass die bisherige Bestimmung der internationalen Verkehrs- F E U I L L E T O N Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (19. Fortsetzung) Der Kammerherr runzelte die Brauen so tief, dass sie die Augen fast verdeckten und fügte dann hinzu: «Und Sie rechnen deutsch?» «Ich bin naturalisierter Engländer,» sagte Philipp, selbst erstaunt über seine Kaltblütigkeit. Der Ton des Kammerherrn war eisig, als er erwiderte: «Das englische Münzsystem ist überaus veraltet.» «Es passt mir aber vortrefflich,» sagte Philipp noch kälter. «In England rechnet man nämlich nach Pfund.» «Ich weiss es,» sagte der Kammerherr trocken und schenkte sich eine grosse Tasse Kaffee ein. Nach einer Minute begann er wieder: «Herr Professor, Ihre Gesellschaft ist mir besonders angenehm, aber ich muss Sie leider für den Augenblick verlassen.» «Bitte sehr,» sagte Philipp verbindlich. «Ihre Zeit ist natürlich sehr in Anspruch genommen.» «Gewiss — namentlich,, da ich mit -dem Abendzug über Berlin zurückreise.» «Hm, das dürfte von einem Umstand abhängen.» «Wovon denn?» «Ob Sie mich noch vorher zum Londoner Zug begleiten können.» «Sie glauben also, dass ich Ihre Hilfe notwendig brauche?» «Nein, Exzellenz, ich weiss es.» Anscheinend ohne Philipps Replik zu beachten, erhob sich der Kammerherr und sagte: «Also adieu, Herr Professor! Wir können uns heute abend treffen. Aber jetzt muss ich gehen. Meine Zeit ist kostbar.» «Ich möchte Ew. Exzellenz nur auf eines aufmerksam machen.» «Und das wäre?» «Dass meine Zeit noch kostbarer ist als die Ew. Exzellenz.» «Wir wollen heute abend darüber sprechen.» «Gerne, wenn Exzellenz dann noch in der Lage dazu sind.» Der Kammerherr lächelte, ob belustigt oder gereizt, war schwer zu entscheiden. Im Begriffe zu gehen, drehte er sich noch einmal um und sagte: «Apropos, wo kann man Sie treffen?» «Um fünf Uhr spiele ich im Salon um die Ecke Billard.» «So, Sie sind Billardspieler? Famos, dann können wir ja eine Partie versuchen — spielen Sie gut, Herr Professor?» «Soso — und Exzellenz?» «Leidiich.» Der Kammerherr ging, und Philipp versank bei seiner Zigarre in Grübeleien. Aber sie waren nicht von derselben Art wie am sungsscheines decken sollen, so dass für die anderen Angaben (auch für diejenigen, welche in den bisherigen internationalen Dokumenten nicht übersetzt worden sind) Platz genug auf den Aussenseiten der nationalen Führerscheine bzw. Zulassungsscheine bleibt. Nach diesem Vorschlag vereinigt dann das neue Dokument den nationalen Führerschein und den nationalen Zulassungsschein mit dem internationalen Führerschein und dem internationalen Zulassungsschein. Mit anderen Worten: Die nationalen Führerscheine bzw. Verkehrsbewilligungen, welche mit derartigen Bildzeichen versehen sind, können in sämtlichen Staaten benützt werden. Dieser Vorschlag ermöglicht wohl auch noch grössere Genauigkeit, weil die technischen Angaben *) in Bildzeichen und die Angaben der Farbe des Fahrzeuges in natura wiedergegeben werden können, während diese Angaben in den bisherigen internationalen Dokumenten in der Sprache des Ausstellungslandes abgefasst sind, z. B. in Neugriechisch, in Tschechisch oder in einer orientalischen Sprache, welche gewiss mehr als 90 Prozent der Europäer unbekannt sind. Der Widerstand gegen den neuen Entwurf der Führerscheine und Zulassungsscheine könnte vielleicht von denjenigen Seiten kommen, welche finanziellen Nutzen aus dem bisherigen System ziehen, oder von solchen Staaten, welche ihren Staatsangehörigen die Reisen ins Ausland erschweren wollen. Auch Staaten, die der Förderung des Autotourismus lieber eine Unterstützung der Bahnen vorzögen, könnten Widerstände erheben. Trotz alledem Hesse sich aber doch die Durchführung dieser vorgeschlagenen Neuregelung versuchen. Es Hesse sich auch der Fall denken, dass nicht alle europäischen Staaten sich dem System anschliessen, sondern dass nur eine Anzahl derselben die Führerscheine bzw. Zulassungsscheine in der vorgeschlagenen Weise abändern und dass zum gegenseitigen Besuch in diesen Ländern internationale Papiere nicht mehr notwendig sind. Die Schweiz hat mit verschiedenen Nachbarstaaten ohnehin schon Verträge abgeschlossen, wonach auf die Führung von internationalen Papieren verzichtet wird. Dies ist jedoch nur soweit möglich, als die nationalen Papiere in Sprachen abgefasst sind, welche in der Schweiz gesprochen werden. Ausser- ) Wie Art des Fahrzeuges, Zahl der Zylinder, Gewicht, Motor- und Chassisnummer ebenfalls. Tage vorher im Klubsessel in der Halle. Das Leben war wieder interessant, noch waren die Abenteuer nicht ausgestorben, und das Duell mit dem Kammerherrn Vivitz machte ihm ungeheuren Spass. Natürlich war seine Sicherheit diesem gegenüber nur ein Bluff — aber wer weiss? Manchmal kann man durch einen Bluff einen grossen Coup machen, und in jedem Fall unterhält man sich dabei. Um fünf Uhr stand Philipp in dem besprochenen Billardsalon und suchte nach einem erträglichen Queue, als die Türe sich öffnete und Kammerherr Vivitz eintrat. Sein Gesicht war noch gelber als am Morgen, unter seinen Augen waren zwei tiefe Falten, und die dikken schwarzen Augenbrauen waren dicht zusammengezogen. Er hat ihn nicht gefunden, dachte Philipp mit einem innerlichen Aufjauchzen und grüsste artig. «Exzellenz sind pünktlich wie Phineas Fogg,» sagte er. «Wollen wir, während wir plaudern, eine kleine Partie Karambol spielen?» «Mit Vergnügen,» sagte der Kammerherr und begann auf dem Queuegestell zu suchen. «Ich habe schon gefürchtet, dass Exzellenz nicht Zeit haben würden,» fügte Philipp hinzu. «Wieso?» «Sie könnten vielleicht den Berliner Zug versäumen.» Ohne etwas zu erwidern, wählte der Kammerherr sorgsam sein Qtieue aus und wendete sich dann Philipp zu. «Sie spielen gut, Herr Professor?» «Wie ich schon sagte, passabel.» dem ist es auch nach der gegenwärtigen Regelung notwendig, dass z. B. ein deutscher Automobilist, der sich in den Tessin begibt, die nationalen Papiere ins Italienische übersetzen lässt. Auch diese Umständlichkeit wäre nach unserem Vorschlage vermieden. Es wäre begrüssenswert, wenn sich die kompetenten eidgenössischen Behörden mit diesem Vorschlag befassen würden. Auch sollte er vom nächsten stattfindenden internationalen Strassenkongress behandelt werden. Der Tranport von Autos per Bahn durch den St. Gotthard. £s wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass, entsprechend der gewaltigen Zunahme des internationalen Automobilreiseverkehrs der Schweiz und der anhaltenden Steigerung des schweizerischen Automobilbestandes in den letzten Jahren, auch der Transport der Autos durch den St. Gotthard eine stark steigende Kurve zu verzeichnen hätte. Der Winter-Automobilverkehr hat doch in den letzten Jahren wesentlich an Bedeutung zugenommen, eine Entwicklung, die sich im Nord-Südverkehr durch die Alpentunnels während der Wintermonate ebenso deutlich und vielleicht in erster Linie hätte widerspiegeln sollen. Dass dem aber nicht so ist, zeigen folgende statistischen Angaben über den Transport der Autos per Eisenbahn durch den St. Gotthard in den letzten Jahren: Spedierte Automobile Winter- Nord-S^d- Süd-Nord- Zu- resp. saison Verkehr Verkehr Total AbDahme 1929/30 1841 2044 3885 +1324 1930/31 1638 1945 3583 —302 1931/32 1638 1995 3633 +50 War 1929/30 noch eine beträchtliche Zunahme zu konstatieren, so verzeichnete bereits die nachfolgende Wintersaison wiederum einen merklichen Rückgang und auch 1931/32 blieb die Frequenzziffer auf ziemlich gleicher Höhe. Man wird sich so fragen müssen, woher dieser Rückgang oder diese Stagnation kommt. Und da muss nun leider festgestellt werden, dass die S. B. B. selbst an dieser unbefriedigenden Sachlage schuld sind. Gewiss, die in den letzten Jahren ermöglichte permanente Offenhaltung der Brennerstrasse hat zweifellos ein grosses Kontingent des internationalen Nord-Süd-Automobilreiseverkehrs vom Gotthard auf die Brennerstrasse abgeleitet, und auch die französische Route d'hiver des Alpes, die auch durchgehend fahr- «Und hoch?» «Hie und da.» «Um fünfstellige Beträge?» Philipp fuhr zusammen. Eine Partie um zehntausend! By Jove, ein schönes Spiel! Aber natürlich — so musste es sein, in Tausendundeiner Nacht. «Eine fünfstellige Summe? Wie Sie wollen, Exzellenz,» sagte er. «Aber eine englische!» «Gut, aber die niedrigste.» «Meinetwegen, da es eine englische ist. Ich setze also meine Kenntnis des Aufenthalts des Grossfürsten, Sie zehntausend Pfund. Gewinne ich, habe ich zehntausend und keine weiteren Verpflichtungen, verliere ich, muss ich Ihnen sofort die Adresse Seiner Hoheit geben.» Der Kammerherr nickte gleichgültig, und Philipp fragte: «Gehen wir auf hundert Points?» «Fünfzig, wenn Sie nichts dagegen haben?» «Bitte sehr,» sagte Philipp mit einem innerlichen Kitzeln in der Magengegend. Fünfzig Points Karambol, wenn der Einsatz zehntausend Pfund ist! Die Hand könnte einem um Geringeres zittern. Das Los entschied, wer ausspielte, und Philipp begann. Er machte das erste Karambol mit einem schönen Nackenstoss, hatte Position und fuhr fort. Zu Hause in seiner Wohnung in London hatte er zwei Billards, ein englisches und ein französisches. Auf dem ersteren spielte er vortrefflich, auf dem letzteren — dem Karambolbillard — war er ein Meister. Und obgleich er jetzt, bei dieser