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E_1933_Zeitung_Nr.009

E_1933_Zeitung_Nr.009

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN. Dienstag, 31. Januar 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N» 9 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10 . Im Ausland unter Portozuschlag, »fern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern IIVSERTIONS-PBEIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Glanzzeit des Autotourismus Die Ergebnisse für das Jahr 1932. Wie ein weisser Rabe nimmt sich die Statistik des internationalen Automobilreiseverkehrs in der Gesamtübersicht des Fremdenverkehrs der Schweiz im Jahr 1932 aus. Während Haupt-, Neben- und Bergbahnen und auch die gesamte Hotellerie von merklichen Frequenzrückgängen berichten und so wieder ernste Zeiten über das gesamte Reiseund Hotelgewerbe hereingebrochen sind, darf als erfreuliches Resultat gemeldet werden, dass auch 1932 wieder ein grösseres Kontingent ausländischer Autotouristen in die Schweiz zu vorübergehendem Aufenthalt eingereist ist. Nicht nur kein Rückgang und kein Stillstand sind zu verzeichnen, sondern das Total der zu vorübergehendem Aufenthalt in die Schweiz eingereisten fremden Automobile •ist von 176 673 im Jahre 1931 auf 194 613 im letzten Jahre angewachsen. Die in voller Aufwärtsbewegung begriffene Kurve hätte beinahe die 200 000er Linie erreicht. Mit der Zunahme von rund 18 000 Automobilen darf dieses Resultat nicht nur als ein glanzvolles, sondern auch als ein völlig unerwartetes bezeichnet werden, das verdient, in allen schweizerischen Verkehrskreisen besonders vermerkt und auch verstanden zu werden. Trotz allen Zeitnöten, trotz allen Ausreisesohwierigkeiten verschiedener Staaten, trotz allen Devisenbeschränkungen eine solch prächtige Zunahme des Autotouristenkontingentes, wirklich ein erfreuliches Plus für unsere Handelsbilanz. Wenn auch die Rekordzunahmen früherer Jahre, und speziell diejenige von 1930 mit 32 364 Wagen, nicht mehr erreicht wurden, so wird man das 1932er Resultat doch mit Befriedigung buchen. Welch grosse und bedeutsame Rolle der Internationale Autotourismus heute im schweizerischen Reiseverkehr spielt, erhel't sich so recht deutlich aus der Ueberlegung, dass die Zahl der ausländischen, in die Schweiz zu vorübergehendem Aufenthalt eingereisten Automobile von 10131 im Jahre 1923 auf 194 613 im letzten Jahre angestiegen ist, d. h. sich in den letzten zehn Jahren verneunzehnfacht hat und so eine Entwicklung F E U I L L E T O N Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (12. Fortsetzung) Glücklicherweise war der Kapitän so vorsichtig gewesen, um Truppenhilfe zu telegraphieren, sonst...' Sir Arthur unterbrach ihn und sah mich an: ,Zum Teufel, Hoxton, glauben Sie nicht, dass dieses Individuum verstehen kann, was Sie sagen?' Ich sass am entgegengesetzten Ende des Coupes, Professor! Mr. Hoxton lachte und sagte: ,Nein, wenn er nicht von den Lippen ablesen kann!'» «Sie wussten eben nicht, was für ein Gehör Sie haben, Lavertisse.» «Nein, das wussten sie nicht, Professor. Dann sagte Sir Arthur: .Aber er könnte beinahe ein Aegypter sein, Hoxton.'» «Na, Lavertisse, finden Sie das schmeichelhaft?» «Aufrichtig gesagt, nein, Professor. Die einzigen Aegypter, die ich gesehen habe, sind die, die sie im Britischen Museum haben — hol' mich der Teufel, wenn die schön sind!» «Die Mumien? Nun, es gibt Aegypter von neuerem Datum. Aber gleichviel, fahren Sie fort! Was sagte Mr. Hoxton dann?» «Er lachte über Sir Arthur und sagte: »Aegypter — i wo — ein kleiner französischer Windbeutel, wenn ich mich nicht sehr irre. Vielleicht ein Varietehupfer, da er sich erlauben kann, erster Klasse zu reisen.'» «Und das konnten Sie ruhig anhören, Lavertisse?» «Fürs Geschäft alles, Professor! Man darf verzeigt, wie sie kein anderer Reiseverkehrszweig je aufzuweisen vermochte. Die Ent-nisse zurückzuführen ist. August und Sepscher und französischer Autotouristen. So auf die sehr ungünstigen Witterungsverhältweise für die Einreise italienischer, deutwicklung in den letzten Jahren vor dem Weltkrieg und seit 1920 erhellt sich recht nachdrücklich aus nachstehender Zusammenstellung, wobei noch ergänzend bemerkt sei, dass die Zunahme für 1932 um rund 4900 Wagen besser ist als die des Jahres 1931: Die Entwicklung des Autorelseverkehrs In der Schweiz. Zahl der eingereisten fremden Automobile lll i I 1912 ? ? — 8 766 1913 4 539 6003 — 10 542 1914 2 339 3372 — 5 711 1919 134 795 — 929 1920 1 103 2286 — S 389 1921 2 214 2902 — 5 116 1922 3 277 4007 — 7 284 1923 6 141 3990 — 10131 1924 9 954 4122 7 840 21916 1925 15 078 5125 16 177 36 380 1926 19 171 5160 25 716 50 047 1927 27 762 5714 45 428 78 904 1928 41333 6231 56 066 103 630 1929 59 081 6508 65 624 131213 1930 73 803 8511 81270 163 584 1931 77 630 8935 SO 108 176 673 1932 66 718 9589 118 306 194 613 + 856 + 1776 — 4 831 + 860 + 2 460 + 1727 + 2 168 + 2 847 + 11 785 + 14 464 + 13 667 + 28 857 + 24 726 + 27 583 + 32 371 +13 096 + 17 673 nicht empfindlich sein, wenn man solche Ohren hat wie ich, da ist man gezwungen, allerlei Wahrheiten zu hören.» «Sie sind in Ihrer Weise ein grosser Philosoph, Lavertisse. Nun?» «Dann sagte Sir Arthur: ,Ja, Sie haben recht, Hoxton, irgendein kleiner französischer Windbeutel. Also Sie wünschen keine Truppenbedeckung für den Transport zum Schiff?' — .Nein,' erwiderte Mr. Hoxton, ,das wäre ja so, als wollte man die Sache in die Welt hinausschreien. Wir zählen das Geld und versiegeln es und legen es zu je tausend Pfund in die Schachteln der Bank, aber dann geben wir es in eine gewöhnliche Packkiste mit der Aufschrift: Warenproben. Den Kapitän des Bootes kennen wir seit dreissig Jahren — ein schlauer, alter Bluthund, Sir Arthur, und der kann den Rest besorgen. Seiner bin ich ebenso sicher wie meiner selbst.' — .Aber könnte es nicht auch für ihn eine zu grosse Verlockung sein, Hoxton?.. .* — .Nein, Sir Arthur, seine Ehrlichkeit reicht für noch grössere Beträge. Er war es doch, der den Cullinandiamanten aus Südafrika herbrachte — wissen Sie noch? Niemand hätte eine Ahnung, wie er nach England kam. Sie können sich denken, dass die Diebe der ganzen Welt dahinter her waren! Kapitän Selby hat sie alle miteinander genarrt.' Kapitän Selby, dachte ich, können sie denn nicht den Namen des Schiffes sagen? Aber das taten sie nicht. Und das einzige, was sie dann über die Sache sagten, war: .Hoffentlich können sich die Banken von Alexandria damit behelfen und verlangen nicht noch mehr. Wir haben ihnen jetzt in einem Jahr ein nettes Sümmchen geschickt.' Es war Mr. Was die Monatsfrequenz anbetrifft, zu deren besonderer Veranschaulichung wir nochmals die bereits in Nr. 6 der « A.-R.» publizierten Zahlen folgen lassen, so wiesen nur die Monate April, Mai, Juni und Juli Frequenzrückgänge auf, was zum grossen Teil tember haben dann aber machtvoll aufgeholt und ein stattliches Plus geliefert. Hervorzuheben verdient auch das vorzügliche Resultat des Monats März mit einer Zunahme von über 2600 Wagen. Man wird nun sofort fragen, woher dieses erfreuliche Resultat, trotz allen Krisenzeiten und Reiseschwierigkeiten, kam. Dass die Schweiz nach wie vor ihren guten Ruf als wohl schönstes Autoreiseland Europas behalten, wenn nicht noch verstärkt hat, darf wohl als feststehend gebucht werden. Ebenso einflussreich war auch die verständnisvolle Steuerfreiheit ausländischer Autos für Aufenthalte bis zu drei .Monaten. Gerade hier zeigt es sich, wie sich solche Steuererleichterungen vorzüglich für das Wirtschaftsleben eines Landes auswirken können. Als weiteres förderndes Moment darf auch der Jahr für Jahr fortschreitende Ausbau des schweizerischen Strassennetzes gebucht werden. Nur ein Beispiel: Die Staubfreimachung der vielbefahrenen und im Ausland bestbekannten Axenstrasse hat 1932 in der deutschen Fachpresse beste Beachtung gefunden. Besonderes Gewicht muss aber den Ende 1931 und im Verlaufe des Jahres 1932 eingeführten namhaften Erleichterungen hinsichtlich Zolldokument-, Fahrausweis- und Passwesen beigemessen werden. Es kommen hier Autotourismus von Jahr zv Jahr _ __ __ Pro« Karte |Pas«a». fripty» | rotai JEndB^MonM Pr0 * * ar ' PatMT -| tn M* | rotal EnoV*MoMt' Januar I87N 43] 1341 3B46 3645 2186 427 1674 4187 4187 Febrnar. 1592 368 1244 3205 6850 2289 453 1490 4232 8419 März ... 185Ö 514 171 "^ 408S 10938 3733 605 2381 6719 15138 April... T449 H62 4743 11054 21992 4478 858 3140 8476 23614 Mai .... 8173 1095 7257 16525 38517 8498 10Ü9 522S 14795 38409 Juni 7936 1043 8195 17174 55691 7751 1016 6169 14936 53345 Juli 14323 1120 14433 29S76 85567 14734 1201 11369 27304 80649 August . 23283 1085 17937 42305 127872 35915 1201 16644 53760 134409 Sept. .. 13276 814 11975 26065 153937 22145 855 10795 33795 168204 •ktober 5983 551 4824 U358 165295 7967 707 4309 12983 181187 Nov... 3639 602 2380 6621 171916 4972 607 2010 7589 188776 Dez. .. 2721 450 1586 475J 176673 3638 590 1609 5837 194613 Total 90108 8935 77630 176673 — 118306 9589 66718~~ "194613 — Hoxton, der das sagte. Und Sir Arthur erwiderte: .Seien Sie ruhig, Hoxton, die Ernte soll heuer vortrefflich sein — jetzt haben wir ja Sir Williams Dämme.' Was glauben Sie, meinte er damit, Professor?» «Sir Williams Dämme? Sir William Willcox natürlich, Lavertisse. Sie wissen doch, er hat die alten Wasserwerke der Pharaonen im Nil wieder aufgebaut. Das ist ja sonnenklar. Na, und sonst nichts mehr, Lavertisse?» «Nein, gleich darauf waren wir schon in Clapham Junction, und ich sprang ab, obgleich ich ein Billett bis Victoria hatte. Ich dachte, Sir Arthur hat vielleicht unten an der Station irgendeinen Detektiv und könnte auf die Idee kommen, mich der grösseren Sicherheit wegen hoppnehmen zu lassen. Darum schien es mir besser, in Clapham Junction auszusteigen und erst mit dem nächsten Zug weiterzufahren.» «Sie sind, beim Zeus, eine Perle, Lavertisse, vorsichtig wie Torstenson und feinhörig wie Odin.» «Wie wer, Professor?» «Tut nichts zur Sache — eine Erinnerung aus früheren Zeiten. Na, und was machten Sie dann?» «Dann ging ich direkt in eine der freien Bibliotheken Mr. Carnegies und suchte mir die .Shippig Times'. Kapitän Selby und Alexandria — da konnte es doch nicht schwer sein, das Boot zu finden, von dem Mr. Hoxton und Sir Arthur gesprochen hatten. Also, Professor, das Boot ist die .Empress of Oceania', und sie geht am 20. Kleines Schiff, siebentausend Tonnen, legt nur in Gibraltar und La Valette an. In Alexandria am 28., wenn alles gut geht.» in Betracht der Wegfall des Erfordernisses eines Reisepasses für Angehörige einiger Auslandsstaaten, dann die Ausserkraftsetzung der internationalen Verkehrs- und Fahraus- sehr es sich hier zum Teil nur um Formalitäten handelte, muss beachtet werden, dass gerade all die komplizierten Ein- und Ausreisevorschriften viele Fahrer von Auslandsreisen abhalten, wozu noch kommt, dass, je nach den verschiedenen Ländern und Ansätzen, nur mit dem Wegfall des Pass- und internationalen Verkehrs- und Fahrausweiszwanges Ersparnisse bis zu Fr. 30.— pro Auto gemacht werden können, in der heutigen Zeit ein ganz ansehnlicher Betrag. Vorzüglich ausgewirkt hat sich dann vor allem die vorgenommene Verlängerung der Gültigkeitsdauer der provisorischen Einreisekarten auf 10, resp. 20 Tage. Dies zeigen so recht nachdrücklich die August- und Septemberziffern, wo mehr als zwei Drittel der eingereisten fremden Autotouristen diese zehntägige Einreisekarte an Stelle von Triptvks oder Grenzpassierscheinheften benützten. Waren in den Jahren 1929/1931 durchschnittlich 45% der eingefahrenen ausländischen Autos mit Triptyks und Grenzpassierscheinheften eingereist und 50% mit der provisorischen Einreisekarte, so wurde durch die erwähnte vorgenommene Erleichterung 1932 letzterer Prozentsatz auf 61% gesteigert, derweilen der Anteil der Triptyks und Grenzpassierscheinhefte um volle 10% auf 34%" zurückging. Es ist dies im besondern auch darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Auslandsclubs immer noch sehr hohe Ausstel! gebühren und Versicherungsprämien oder Kautionen für diese Zolldokumente verlangen. Wie sehr sich diese überaus erfreuliche Entwicklung des internationalen Automobilreiseverkehrs für den schweizerischen Fremdenverkehr auszuwirken vermag, dürfte folgende* Ueberlegung nachdrücklich vor Augen führen: Bei Annahme einer durchschnittlichen Besetzung der eingereisten Automobile mit je drei Personen — ein Ansatz, der keineswegs zu hoch gegriffen ist, wenn man bedenkt, dass. es sich zum grössten Teil nicht um Geschäfts-, sondern um Erholungsfahrten handelt — Iässt sich errechnen, dass mit den 194 613 Wagen letztes Jahr rund 580 000aus- M. Lavertisse verstummte und betrachtete aufmerksam seinen Freund und Arbeitgeber Professor Pelotard, alias (obgleich M. Lavertisse dieses alias nicht bekannt war) Herr Philipp Collin aus Schweden. Sie sassen in dem eleganten Rauchzimmer des Professors; vor ihnen stand eine viereckige Whiskyflasche, umgeben von einigen Flaschen Schweppes, eine grosse Schachtel de Reszke und eine gehämmerte Silberschale mit Eis. Es sah aus, als ob M. Lavertisses Mitteilung Philipp Collin in tiefe Grübeleien versetzt hätte. Mindestens zehn Minuten vergingen, ohne dass er sich in seinem Fauteuil rührte; mit den Händen in den Hosentaschen, das Kinn tief auf die Brust gesenkt, so starrte er unverwandt auf einen und denselben Punkt an der Wand gegenüber — eine Originalradierung von Goya «El Pico d'Oro». M. Lavertisse, der seine Gewohnheiten kannte, sah bald ihn, bald die Radierung an — eine der Erinnerungen aus einem gewissen Antiquitätenladen. Plötzlich machte Herr Collin eine Bewegung, er streckte die Hand nach dem Grogglas aus, stürzte den Inhalt hinunter und sank in seine frühere Stellung zurück, nur mit dem Unterschied, dass er die Augen auf sein Bücherregal heftete. Fünf Minuten vergingen, während deren er es prüfend betrachtete, dann sagte er: «Wissen Sie, wieviel hunderttausend Pfund in Gold wiegen, Lavertisse? Ungefähr?» M. Lavertisse runzelte gedankenvoll die Stirn. «Hm, nicht so genau, Professor... ein-, zweihundert Kilo, nicht?» «Ein-, zweihundert! — Mindestens sechshundert Kilo! Und da liegt die Schwierigkeit,