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E_1933_Zeitung_Nr.009

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14 AUTOMOBIL-REVUE,

14 AUTOMOBIL-REVUE, 1933 - N° 9 des Bauern Torocsik. der der reichste Bauer im Orte war. Die Sache war um so rätselhafter, als das junge Mädchen keinerlei Umgang gehabt hatte. Die Polizei von 10 Komitaten wurde in Bewegung gesetzt, das ganze Land wurde abgesucht; Ilona v blieb verschwunden. Die Mutter starb, der Bauer Torocsik wurde alt und grau. In seiner Einsamkeit beschloss er, ein fremdes Kind anzunehmen. Er reiste nach Budapest und suchte sich im Waisenhaus ein hübsches, neunjähriges Mädchen aus, das er Ilona nannte. Das Kind erwies sich als dankbar und tat alles, um dem Pflegevater den Lebensabend so angenehm wie möglich zu machen. Ilona war 20 Jahre alt. als Torocsik starb. Ilona erbte sein ganzes Besitztum und nach Ablauf des Trauerjahres heiratete sie den Stefan Szabos, den stattlichsten Burschen von Alattyan, Jahre vergingen, da erschien eines Tages im Dörfchen eine 1 ältere Frau — die verschwundene Tochter Stefan Torocsiks. Sie legitimierte sich bei der Behörde mit einem amerikanischen Pass und erzählte, dass sie seinerzeit einem gewissenlosen Menschen zum Opfer gefallen sei, der sie nach Budapest gelockt und dort verlassen habe, nachdem sie Mutter geworden sei. Sie habe das Kind in Budapest ins Findelhaus gegeben und sei selbst nach Amerika ausgewandert. Erbansprüche wolle sie nicht geltend machen, da sie sich selbst ein kleines Vermögen erspart hatte. Aber sie bat den Dorfnotär, ihr bei der Auffindung ihres Kindes behilflich zu sein. Man schlug in den Büchern nach und fand, dass das von Torocsik angenommene Pflegetöchterchen mit dem Kind seiner damals verschwundenen Tochter identisch war. > Der verlorene Schuhabsatz. Ebenso unwahrscheinlich mutet schliesslich der nachfolgende wahre Roman an, den, nach einer New Yorker Zeitung, der Zufall gedichtet hat: « Ein Beamter der Telegraph- und Telephon-Camp, in New York, der, eine schöne und lebenslustige Frau hatte, las vor einiger Zeit in einer New Yorker Zeitung ein Inserat, das etwa folgenden Inhalt hatte : «Hundert Dollars Belohnung demjenigen, der mir einen Absatz meines seidenen Ballschuhes wiederbringt. Der Absatz, den ich auf der Park-Avenue verloren habe, ist von Künstterhand gemalt und hat für mich darum grossen Wert. Der Fund ist im Richmond- Hotel, Zimmer Nr. 8 abzugeben. > Der «Zufall» wollte es. dass der Beamte den Absatz wenige Stunden vorher hatte liegen gesehen. Er hatte ihn mit dem Fusse weggestossen, ohne ihn aufzuheben, da er begreiflicherweise einem abgerissenen Schuhabsatz keine Bedeutung beimass. Da hundert Dollar kein Pappenstiel sind, machte er sich auf, um nachzusehen, ob der Absatz noch an derselben Stelle liege. Er fand ihn tatsächlich wieder und stellte zu seiner Freude fest, dass es der in der Zeitungsanzeige beschriebene Absatz sei. Er machte sich nach dem Richmond-Hotel auf, um seine Belohnung in Empfang zu nehmen. Im Hotel wurde ihm erklärt, dass die Dame, die die Anzeige veröffentlicht hatte, erst am Abend im Hotel zu sein pflege; er solle nach einer Stunde wiederkommen. Er ging deshalb vor dem Hotel spazieren. Da schien es ihm. als ob seine Frau sehr schnell durch die Drehtür des Hotels verschwunden sei. Neugierig ging er wieder ins Hotel, um nachzusehen, ob er sich getäuscht habe. Hier sah er seine "Frau nicht, aber der Manager erklärte ihm. dass jetzt die Dame anwesend sei, sie erwarte den Finder mit Ungeduld. Der Beamte wurde in das Zimmer geführt und stand — vor seiner Frau 1 « Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt»~. Für den Kellner Siegmund Ehrlich in Czernowitz, der immer todmüde vom Nachtdienst heimkommt, beginnt erst der Tag, wenn es für die andern beinahe schon Mittag ist. Die Post nimmt aber daraufhin keine Rücksicht Ehrlich lag also noch in seinem ersten Schlaf, als letzter Tage heftig an die Tür geklopft wurde. Da sich niemand rührte, wurde Sturm geschlagen. Aergerlich und verschlafen, Hess der Kellner den Postboten ein und nahm von ihm ein Kuvert entgegen, das amtlichen Charakter zu haben schien. Er öffnete rasch und las eine-Verständigung der Banca Nationale, dass ihm aus Berlin ein Betrag von 400,000 Lei angewiesen sei. Jetzt wurde er plötzlich ganz wach. Wer sollte ihm wohl aus Berlin dieses Vermögen schenken! Vielleicht ist es sein Freund, fällt ihm ein. der vor vielen Jahren auswanderte und versprach, auch an ihn zu denken, wenn es ihm gut gehe ! Auch in unserer Zeit können ja Wunder geschehen. Gott weiss, wie nötig er das Geld hat. Die Schulden, der aufreibende Dienst.- und während er sich rasch ankleidet, träumt er wirklich von einer märchenhaften Zukunft. In der; Bank ist man sofort bereit, ihm die Summe, auszufolgen, wenn er seine Identität durch zwei Zeugen nachweisen könne. Ehrlich ist nicht verlegen, im nahen Kaffeehaus, wo er als Kellner beschäftigt ist findet er zwei Stammgäste, die ihm gern bestätigen, das» ihr « Ober » der Siegmund Ehrlich ist. Es ist ein Fest für ihn, als er die vielen Pakete knisternder Tausendleischeine in Empfang nimmt und einen Fiaker herbeipfeift, in dem er sie heimführt. Zuerst bezahlt er seine Schulden, stattet sich und die Seinen aus, und da er wohl weiss, was Not ist, hilft er mit einigen Tausendern auch seinen armen Freunden. 28,000 Lei gibt er auf diese Weise schon am ersten Tag aus. Von morgen an Und jetzt war er über den Fund weniger erfreut, denn er ahnte, dass die Sache nicht ganz geheuer sei. Zunächst wollte er einmal den Absatz untersuchen, der seiner Frau so wertvoll war. Die Arbeit wurde belohnt, denn es zeigte sich, dass er sehr kunstvoll als kleine Schatzkammer gearbeitet war und allerhand kostbare Schmucksachen, wie Brillantringe und wundervolle Perlen barg. Es stellte sich ferner heraus, dass die Frau ein Doppelleben geführt hatte. Zu Hause war sie die schlichte Frau des Beamten, und am Nachmittag und Abend, wenn sie mit ihren reichen mondänen Freunden die Vergnügungen der Grossstadt genoss, war sie aufs kostbarste geschmückt. Den Schmuck verbarg sie geschickt in dem eigens zu diesem Zwecke hergestellten Absatz, wenn sie in ihr zweites, einfacheres Leben zurückkehrte. > Das Guckloch wird er sein Leben neu einteilen. Mit diesem Gedanken legt er sich abends zur Ruhe. Der neue Tag bringt ihm in der Tat eine Ueberraschung. Ein Bankbote erscheint und fordert ihn auf, eiligst zur Bank zu kommen, da sich die Auszahlung der Summe an ihn als ein... verhängnisvoller Irrtum herausgestellt habe. Das Geld war gar nicht für ihn bestimmt Ein Pelzhändler aus Leipzig.» der ebenfalls Siegmund Ehrlich heisse, sollte die 400,000 Lei erhalten. Er hatte die Auszahlung urgiert. Dem aus allen Himmeln gefallenen Kellner, der 24 Stunden glücklich war, blieb nichts anderes übrig, als das irrtümlich empfangene Geld wieder herauszugeben. Es waren freilich nur mehr 372,000 Lei... Welch grausige Enttäuschung! Er konnte noch froh sein, dass er das Fehlende nicht ersetzen musste. Aber ein Gutes hat die Sache doch für ihn gehabt: War es ihm auch nicht gegönnt, als reicher Mann zu leben, seine Schulden ist er los geworden. Altertümer in Aktenschränken. Von kaum glaubhaften Entdeckungen melden die deutschen Zeitungen. Auf Grund des Gesetzes über die Aufhebung veralteter Polizei- und Strafgesetze haben nämlich die preussischen Behörden 32 Gesetze oder Verordnungen mit Gesetzeskraft, soweit sie sich noch in Kraft befanden, als veraltet aufgehoben. Darunter befinden sich die merkwürdigsten Bestimmungen, z. B. eine Holzordnune für das Fürstentum Paderborn, die aus dem Jahre 1669 stammt und Bestimmungen über das freie Umherlaufen von Hunden in der Jagd enthält. Eine Polizeiverordnung für das Herzogtum Westfalen über das Halten von Tauben stammt aus dem Jahre 1732. Ein Edikt aus Schlesien, dass den Hunden der Humor Der Motorrad-Sosriusfahrer lernt leiten! ter ist aufgehoben eine Verordnung über di« angeblichen geheimen Gesellschaften sowie ein «Gesetz zur Einführung eines Fabrikzeichens » vom 3. Juli 1818. Auch eine Anzahl Verordnungen, die die Sicherung der Bodenluken und die Erhaltung der Stadt* mauern betreffen, wurden aufgehoben. Alle waren bis jetzt in Kraft c Kleine Anfrage» wegen eines Zylinder* hutes. Die Gewohnheit des amerikanischen Postministers Brown, bei besonderen Anlässen einen Zylinderhut zu tragen, hat im Repräsentantenhaus gelegentlich der Beratung des Budgets der Post zu einer «kleinen Anfrage» geführt und ganz Amerika in Heiterkeit versetzt. Der Postminister hat seinen wertvollen Dienstwagen umarbeiten lassen, weÖ dessen Dach so niedrig war. dass er während der Fahrt regelmässig seinen glänzenden Zylinderhut verbeulte. Bei der Bestellung eines zweiten Dienstwagens musste für den Zylinder des Postministers eine SpeziaU karosserie mit einem besonders hohen Dach angefertigt werden. Da Brown nachweisen konnte, dass sein Ministerium im laufenden Etatsjahr 32,000 Dollars gespart hatte, konnten die sonst sparwütigen Abgeordneten aus dieser « Extravaganz. » des Ministers keine Staatsaffäre machen. Erfinderlos. Der Erfinder der kugelsicheren Weste und des kleinkalibrigen Schnellfeuer-Revolvers, der Oesterreicher Albert Schwarz, hat im Alter von 60 Jahren, völlig verarmt, sich in New York durch Leuchtgas vergiftet. Albert Schwarz war früher bei den Kruppwerken in Essen beschäftigt, er soll ausserdem Konstrukteur eines neuartigen Fallschirmes gewesen sein. sogenannte Tollwurm geschnitten werden soll, ist vom 20. Februar 1767 datiert. WeicGeorgle, mein Junge, es war doch das beste, dass ich den Grabstein gekauft habe!» «Ach, Onkel, sprich nicht so —» «Ja, Georgie, wir müssen alle auf das vorbereitet sein, was uns erwartet, müssen jederzeit dem Tod ins Auge sehen können!» Und dann, bevor man ihn noch recht bedauern oder protestieren kann, schlägt der Alte um und wird so übermütig wie ein Junge, erzählt Geschichten — wirklich auf Ehre, amüsante Geschichten — und ist wie ein Sonnenstrahl. Die Damen vergöttern ihn natürlich schon (die wenigen, die an Bord sind), obwohl sie finden, dass der Grabstein grässlich unheimlich ist Aber in diesem Fall duldet der Alte keine Einwände. «Meine lieben Kinder,» sagt er und lächelt ihnen sanft zu, «lasst einem alten Mann doch seine letzte Freude im Leben. Und es ist doch eine recht unschuldige Freude, nicht wahr? Seinen eigenen Grabstein kann man sich doch wählen. Der meine ist in meinem geliebten Cornwall gehauen, wo ich geboren bin. Auf diese Weise werde ich doch immer die Erde meiner Heimat über mir haben — ihren Stein wenigstens.» Für mich scheint der Alte eine, Vorliebe gefasst zu haben. Er knüpfte ein paarmal bei Tische eine Konversation mit mir an, ganz unschuldig, in seiner gewöhnlichen, Hebens? würdigen Art, aber doch recht fein — er unterzog mich beinahe in aller Harmlosigkeit einem kleinen Kreuzverhör. Ich habe mich als Gutsbesitzer aus Tanbridge in Kent eingetragen (einem Ort, an dem ich wirklich einmal vor langer Zeit gewesen bin), und das Pech wollte es, dass der Alte da mehrere Jahre als Pastor gewirkt hat und den Platz so gut kennt wie seine Westentasche. Ich zog mich, so gut ich konnte, aus der Affäre, indem ich sagte, dass ich lange Jahre auf Reisen gewesen sei und das liebe, alte Tanbridge beinahe vergessen habe — aber es war mir doch einige Sekunden recht unbehaglich, und ich glaube beinahe, der Alte hätte Verdacht schöpfen können, wenn er nicht gerade in das Schälen einer Banane vertieft gewesen wäre und überdies die ganze Zeit selbst geplaudert hätte. Dann nach dem Kaffee kam er auf mich zu und schlug mir eine Partie Schach vor (ich hatte zufällig erwähnt, dass ich es spiele). Ich spielte ein ganz feines Königin-Gambit, aber er ripostierte so schlau als nur möglich. Mittendrin bekam er einen Hustenanfall und dann sagte er: «Ah, ich glaube, ich errate Ihren Plan! Haha, haha! Nein, den müssen wir verhindern! Schach!» Und wirklich, ehe ich mich noch von einem plötzlichen unbehaglichen Gefühl bei seinen Worten erholt hatte (verdammte Nervosität!), hatte mich der Alte schon matt gemacht! Dann sagte er mit seinem schönsten Lächeln: «Gute Nacht!» und humpelte am Arm seines Neffen hinaus. Armer alter Mann — doch, wer weiss? Er ist vielleicht glücklicher als ich, bei seinem schlichten, einförmigen Leben, einige Fuss breit vom Grabe. Er hat ein Gesicht wie ein Engel... Nein, jetzt krieche ich aber in die Koje. Der morgige Tag gehört grossen Plänen. Hunderttausend! Wenn Kapitän Selby wüsste...! 22. Oktober. Die «Empress of Oceania» hat etliche Seemeilen hinter sich gelassen, seit ich zuletzt in dieses Tagebuch kritzelte. Sie hat die Biskayabucht durchkreuzt — und einen erklecklichen Teil meiner Hoffnungen. Nun, nicht ganz und gar, aber immerhin... Gestern morgen machte ich die schmerzliche Entdeckung: Hoxton hat seine Pläne geändert, Hoxton oder Kapitän Selby. Zuerst war ich durch diese Entdeckung strbetäubt, dass ich mich kaum über die Art wunderte, wie sie mir mitgeteilt wurde: G. ist an Bord! G., den ich hundert Meilen weit weg glaubte, ist als Matrose an Bord, und er war es, der mir die Sache mitteilte. Ich war in die untere Abteilung gegangen, wo das Lastgut transportiert wird. Ich habe ja mein Aussehen für mich, für den Fall, dass ich überrascht werden sollte, während ich unten rekognosziere — wer sollte einen sonnverbrannten, englischen Sportsmann und Landjunker solcher Pläne verdächtigen wie die meinen? Ueberdies habe ich etwas Gepäck dort unten, das meine Anwesenheit im Notfall rechtfertigen kann. Ich war kaum die Treppe hinuntergekommen, als jemand meine Schultern berührte. Ich drehte mich mit einem Lächeln um, bereit, meine Erklärungen abzugeben — natürlich glaubte ich, dass es irgendein Schiffsoffizier sei. Aber es war G.I «Kommen Sie mit mir,» flüsterte er und runzelte heftig die Augenbrauen. «Hier ist es gefährlich und hier haben wir nichts zu tun.» Ich starrte ihn an und wiederholte verständnislos: «Hier haben wir nichts zu tun? Wie meinen Sie das?, G.? » (Forts, folgt.)

N°9 - 1933 AUTOMOBIL-REVUE 15 Frauen, von denen man nicht spricht Man hört und liest überall und immer von prominenten Frauen. Alle Welt weiss, wie sie aussehen, was sie für Ansiebten hegen, was sie auf diese oder jene Zeitungsfrage zu sagen haben. Sind aber jene Frauen nicht viel interessanter und im Alltag wichtiger, von denen man nicht ipricht? Ein Mitarbeiter ist dieser Frage einmal nachgegangen und berichtet folgendes, was ihm von solchen Frauen über ihr Leben und ihre Berufsarbeit erzählt wurde. Die Frau des Fliegers. (Von der Gattin eines berühmten Ozeanfliegers.) «Angst, Unruhe, Aufregung? Ach, nein, die hat mir mein Mann schon lange abgewöhnt. Freilich habe ich zuerst gezittert, als er Flieger wurde. Freilich habe ich mit klopfendem Herzen am Telephon gelegen, als er als Erster Nachtflüge unternahm und um 6 Uhr morgens wieder da sein sollte, und oft um 7 oder 8 Uhr noch keine Nachricht gegeben hatte! Freilich habe ich ihn für •wahnsinnig erklärt, als er sagte, dass er einen Ost-West-Ozeanflug wagen werde. Aber das Lachen verging mir als ich hörte, dass er mit bedeutenden Persönlichkeiten darüber Verhandlungen anbahnte. Als ich dann sah, wie er Lindberghs Bücher las, wie er nächtelang den Sternenhimmel beobachtete, waren meine Sorgen zurückgestellt, und es galt nur, ihm bei dem grossen Werk helfen. Denn ich wusste, wenn er überhaupt möglich •war, würde der Flug seiner Vorsicht und seinem Orientierungssinn gelingen. Das ist auch heute noch mein Prinzip: Ihn nicht zurückzuhalten und uns beiden das Leben mit Sorgen zu verbittern. Im Gegenteil, es so schön zu machen, wie nur -möglich, jede glückliche Minute voll zu gemessen, viel mehr als der jemals gemessen kann, dem ständige Sicherheit eine gewohnte Selbstverständlichkeit ist. Und meinem Mann bei Vorarbeiten, bei Vorträgen und neuen Plänen zu helfen, soweit es in meinen Kräften steht.» T*e und Nacht unter schwerster Verantwortung. (Eine Operationsschwester eines grossen Krankenhauses erzählt.) «Arbeit heisst für uns: an stillen Tagen von 9—1 und von 5—7 tätig und während der täglichen und nächtlichen Freizeit jederzeit zur Arbeit bereit und erreichbar zu sein. Aber was sind Berufsstunden in einem Beruf, dem eigentlich das ganze Leben gehört? Denn ob wir morgens schon um 7 oder abends spät bei einem schweren Fall assistieren müssen, immer heisst es, Nerven und Aufmerksamkeit voll anspannen, sich der ungeheuren Verantwortung jederzeit bewusst sein. Denn ein kleiner Fehler kann ja ein Menschenleben kosten! Wir reichen, immun wie sie, den Aerzten bei der Operation die Geräte zu. Oft verlangt die Schwere des Falles dabei grosse Gewandtheit und schnelles Verständnis, das sich von selbst ergibt, wenn man länger mit einem Arzt zusammengearbeitet hat und seine Arbeitsweise MÖBELFABRIK WORB E. SCHWALLER BESTBEKANNTES ETABLISSEMENT FÜR GUTE UND PREISWÜRDIGE ARBEIT! 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Die wichtigste und häufigst» Ausfüllung der Freizeit bleibt oft: «Strümpfe stopfen.» Um erwähnt keine Kritik! (Was die Souffleuse einer grossen Bühne sagt.) «Kein Programm, kein Aussenstehender spricht von unserem Beruf, obgleich jeder Eingeweihte weiss, dass er für das Theater ebenso wichtig wie für uns anstrengend ist. Zwar braucht nicht jeder Schauspieler unsere Hilfe — aber jeder braucht zum Auftreten das Gefühl der Sicherheit, die beruhigende Gewissheit, dass er jeder Eventualität mit Hilfe des lebendigen Sprachrohres dort unten gewachsen ist. Wie lebenswichtig dieses gewohnte Gefühl der Sicherheit für das Theater ist, hat ein tatsächlicher, untheatralischer Auftritt auf dem Theater gezeigt, der dem Publikum wohl immer unerklärlich geblieben ist. Vor einigen Jahren lief auf einer grossen Bühne ein Serienstück, in einem harten Winter, in dem die Trambahnen oft durch die Kälte stecken blieben. Das Pech wollte es, dass sich die Souffleuse eines Abends auf dem Weg int Theater dadurch verspätete. Der Inspizient, an ihr SOjähriges, pünktliches Kommen gewöhnt, bemerkte ihre Abwesenheit nicht und gab das Zeichen zum Beginn. Kortner und Kurt Goetz hatten, die erste Szene. Nach den ersten Worten sahen sie zufällig zum Souffleurkasten hin, der — leer war. Sie waren konsterniert, so perplex, dass sie, die ihre Bollen bestimmt im Schlaf hätten sprechen können, plötzlich kein Wort mehr zu sagen wussten, Kortner verschwand — im wörtlichsten Sinn — sofort in den Kulissen, und Goetz, was blieb ihm anderes übrig, folgte ihm bald mit ein paar verlegen improvisierten Worten. Der Vorhang musste fallen, und gerade als er fiel, erschien die rettende Souffleuse. Wieviel Autlerfamilien zählen Sie zu Ihren Kunden? Werben Sie durch den „Autler- Feierabend" Das ist es: Wir müssen immer da sein, immer allem, was vorgeht, mit wachen Augen und Mund folgen, denn falls wirklich einmal etwas nicht klappte, ist es natürlich die Souffleuse gewesen. Man braucht uns heute mehr als je, weil das Tempo der Zeit auch die Schauspieler ergriffen hat. Viele kommen oft einmal abgehetzt und müde ins Theater und haben deshalb nicht mehr die gleiche Konzentrationsfähigkeit wie in ausgeruhtem Zustand. Was man immer von der Premierenluft sagt: das wirkliche Lampenfieber, die Aufregung, die die wichtigsten Rollen und die sichersten Schauspieler ergreift, herrscht auf den Proben, vor allem bei der Generalprobe. Sie stellt an unsere Nerven die ungeheuerste Anforderung, besonders wenn wir mit den betreffenden Schauspielern nicht ganz gut zusammenarbeiten. Man braucht einen persönlichen Kontakt, um genau zu wissen, wie man auf jeden Schauspieler reagieren muss. Jeder verlangt etwas anderes: der eine braucht Stichworte, der andere «frühen Anschlag» und der dritte einen ständigen «Schwimmgürtel». Gewiss, man weiss: unangenehme Szenen entspringen o'ft der Produktionsnervosität des Theaters, aber das richtet den eigenen Stolz nicht auf. Denn viele Souffleusen sind heute durch die wirtschaftlichen Verhältnisse zum Umsatteln gezwungene ehemalige Kolleginnen derer da oben auf der Bühne. Unser Beruf ist schwer und körperlich aufreibend. Wir sterben gewöhnlich an Halskrankheiten.» Kleiner Bummel durch die U. S. A. (Schluss) * Meine anfängliche Schüchternheit hatte ich inzwischen verloren und ich mass spekulativen Blickes jedes sich nähernde Auto. Der Ford dort, Modell 1928, kam wohl kaum in Frage. Er gehörte offenbar einem Mann, der die gereinigten Kleider aus der chemischen Fabrik zu vertragen hatte. Ein Anzug am Bügel hing ja hinten im Wagen. Doch siehe da: er hielt und ich sass auch schon drin, und im 80-km-Tempo wurden die 170 km bis Merced zurückgelegt. Er war Heilsarmee- Offizier, reiste in Zivil an eine Beerdigung. Den guten schwarzen Anzug hatte er am Bügel hängen, weil er so weniger zerknittert werde als im Köfferchen. Immer praktisch! Auch er erzählte mir unbefragt seine Lebensgeschichte und Familien- und Anstellungsund Besoldungsverhältnisse. In der Beziehung fand ich die Amerikaner äusserst offenherzig. Es wurde wieder sehr heiss. Ich musste nur staunen, wie energisch und sicher der Mann drauf los fuhr, trotzdem er seit morgens 2 Uhr von Los Angeles unterwegs war. Die Strasse war schnurgerade und sehr gut, wenn auch der Asphalt vor Hitze glänzte. Sie führte durch wohlhabende Ortschaften, durch eine fruchtbare Gegend, an Getreidefeldern und Obstplantagen vorbei, wo gerade Ernte war. In einer Konservenfabrik wurde mit Hochdruck gearbeitet und der Duft der frisch gekochten Aprikosen strömte aus allen Fenstern. Wir fuhren an Arbeitslosen vorbei, die gerne mitgefahren wären. Eine Menge Mexikaner war unterwegs. Diese gelbbraunen Menschen mit den ausdruckslosen Gesichtern Ssf&Schule idemann Rest. Schmiedstube, Solothurn empfiehlt Mine gute Küohe, sowie prima Weine H«dy Lahmann, vorm. Büffet Bern Billige Lektüre Pjer verein gute Schriften ""^ in Bern, Distelweg 15, hat seine vor 1930 erschienene Literatur im Preise so angesetzt, das» fast Jedes Bändchen nur noch 20 Rp. kostet, einige ganz grosse 50 Rp. Wer für wenig Geld ein gutes Buch erwerben will, wende sich an obige Adresse um Gratiszustellung des Verzeichnisses. Tourismus •) Siehe auoh A. F. No. 3, 6 und 7 Hervorragende Neuerung! mit automatischem Setz-Tabulator und Stechwalze. Wesentliche Erleichterung beim Schreiben von Rechnungen, Aufstellungen, statistischen Arbeiten usw. 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Die Mexikaner sind sehr anspruchslos; sie arbeiten für weniger Lohn als die Weissen, vertragen die Hitze gut bei der Feldarbeit und glauben nicht an den Achtstundentag. In Merced bummelte ich ein Stündchen in der Stadt herum. In dieser Gemüse- und Obstgegend war alles so furchtbar billig, dass ich im Gedanken an die Preise im Nationalpark mich mit Lebensmitteln versah. Hier zweigt die Strasse nach Nordosten ab zum Yosemitetal. Doch sobald ich mich vom Highway 99 abgewandt, fing es mit der Beförderung ganz ernstlich an zu hapern. Viele Auto sausten vorbei, alle mit dem gleichen Reiseziel, nach Yosemite, dem «Spielplatz der Nation»; alle in grosser Eile, um sich möglichst noch vor der Dunkelheit häuslich einzurichten auf dem Lagerplatz, alle gleich voll bepackt mit Menschen, Zelten, Kissen, Decken, Kisten; wo am Wagen etwas angebunden oder hingehängt werden konnte, hing aber auch irgendein Gegenstand. Auf dem Dach des Autos, flach ausgebreitet, liegen eine oder mehrere Matratzen, bedeckt mit einer Zeltbahn, deren Enden lustig im Winde flattern. Hinten am Wagen eine Kiste mit Fressage, auf der ein Petrolherd thront. Die beiden Trittbretter mit Suitcases besetzt. Nirgends ein noch so bescheidenes Plätzchen für die arme, kleine Fremde, die einsam und alleine, mit dem Gemüsepaket unterm Arm und dem vollgestopften Rucksack dahinschreitet Einmal nahm mich ein Arbeiter, der in die Plantagen der Del Monte Konservenfabrik zum Pfirsichpflücken ging, ein Stück weit mit. Dann wanderte ich wieder in der Hitze auf der geraden Strasse; die gelben, ausgetrockneten Wiesen zu beiden Seiten boten einen trostlosen Anblick. Ich versuchte auszurechnen, wie weit es wohl bis zur nächsten Benzinstation sei, die mir Unterkunft für die Nacht gewähren würde.- Nicht alle Benzinstationen sind für Beherbergung von Touristen eingerichtet. Und im Park wartete vielleicht jetzt schon meine unbekannte Gefährtin aus San Francisco auf mich. Da, es naht wieder ein Auto. Wer wagt gewinnt. Was ich bis jetzt noch nie getan, tue ich jetzt: rasch wende ich mich um und gebe ein Zeichen, und schon hält der Wagen neben mir. Ein einziger Mann mittleren Alters sitzt in dem ziemlich neuen Essex und freut sich offenbar, Gesellschaft zu bekommen für den Rest der Reise. Er fährt in den Park, wo auch ich hin will. Halleluja! Die letzten hundert Kilometer der Reise verliefen sehr angenehm. Mein Gefährte war Strassenarbeiter im Park und war auf der Rückkehr dahin von seinem Urlaub in Sacramento, wo er sich gerade das Auto gekauft hatte. Je näher wir dem Park kamen, um so schöner und kühler wurde es. Bergauf, bergab, durch Wälder, dann an einem rauschenden Fluss entlang, steile Felswände auf beiden Seiten. Die Luft Limmathausam Limmatplatz Zürich 5