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E_1933_Zeitung_Nr.017

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 17 T«»«I«n. Sp»»«»«I* Frage 8594. Oelverbrauch Null. Seit einigen Wochen beobachte ich die sonderbare Erscheinung, dass der Motor meines 16-Steuer-PS-Wagens überhaupt kein Oel mehr verbraucht, während der Oelverbrauoh früher regelmägsig etwa 3 Liter pro 1000 km betrug- Anfänglich glaubte ich, dass nur der Oelstandszeiger < spinne >, raussto mich nun jedoch überzeugen, das« das nicht der Fall ist. Können Sie mir einen Grund für die rätselhafte Anspruchslosigkeit des Motors angeben? B. G. in M. Antwort: Wenn ein Motor ungewöhnlich wenig Oel verbraucht, was sich daran zeigt, dass der Oelstand immer fast auf der gleichen Höhe bleibt, so ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Die gleiche Erscheinung zeigt sich nämlich oft auch, wenn das Oelniveau im Kurbelgehäuse durch eine andere Flüssigkeit dauernd ergänzt wird. Durch Einfrieren des Motors können sich Risse in den Zylinders gebildet haben, durch die beständig etwas Wasser ins Kurbelgehäuse rinnt. Der Uebertritt von Wasser ist auch möglich, wenn die Zylinderkopfpadtung nicht mehr genau abdichtet Eine solche Verwässerung des Oels lässt sich dann natürlich der Motor auf die Dauer nicht gefallen. Sobald der Wasserstand die Höhe der Ansaugöffnung der Oelpumpe erreicht hat, fördert die Pumpe nur noch Wasser, und in kürzester Zeit entsteht dann der schönste Lagersalat — trotzdem (dem Oelstandzeij;er nach zu schliessen) alles anscheinend in schönster Ordnung war. Auch bei der allzuhäufigen oder allzulangen Betätigung der Luftklappe am Vergaser kann so viel Benzin durch die Zylinder in das Kurbelgehäuse gelangen, dass der Oelstandzeiger nur anormal langsam sinkt. Das Oel wird aber dabei immer dünner, und schliesslich hat seine Schmierkraft so viel abgenommen, dass auch hier ein Lagerdefekt eintritt. at. Frag« 8595. Erster Gang lässt sich nicht einschalten. Beim Anfahren aus dem Stillstand habe ich immer die grösste Mühe, den ersten Gang zum Eingriff zu bringen. Ich muss immer förmlich auf den Schalthebel schlagen, um diesen Gang einzuschalten, trotzdem ich das Kupplungspedal ganz niedertrete. Betätige ich den Schalthebel normal, so hört man nur die Zahnräder aufeinander ratschen, aber der Gang greift nicht ein. Beim Einschalten der anderen Gänge tritt diese Störung nicht auf. Was könnte ihre Ursache «ein? R. I. in O. Antwort: Allem Anschein nach findet auch bei völligem Niedertreten keine richtige Entkupplunf statt. Bei einer im Oelbad laufenden Kupp- Junj könnte die Verwendung eines zu dickflüssigen Oels die Ursache sein; denn dieses Oel würde die einzelnen Lamellen zusammenkleben. Bei einer trocken arbeitenden Kupplung deutet die beschriebene Störung wahrscheinlich auf die Notwendigkeit einer Nachstellung. So wie die Kupplung jetzt eingestellt ist, werden die Platten auch beim Niedertreten des Pedals nicht genügend weit voneinander entfernt Wie bei der im Oelbad laufenden Kupplung laufen dann die sekundären Platten beständig mit, was das Zustandekommen einer geräuschlosen Schaltung vor dem Anfahren verhindert Schliesslich könnte die Störung aber auch damit zusammenhängen, dass eine oder mehrere der Kupplungsscheiben verbogen, oder sonstwie defekt «ind. at Frage 8596. Schneckenantrieb. Ich interessiere mich für den Kauf eines Wagens, dessen Hinterräder einen Schneckenantrieb aufweisen. Besitzt diese ungewöhnliche Antriebsart keine Nachteile? Wie verhält es sich mit ihrem Wirkungsgrad? F H. in T. Antwort: Der einzige grössere Nachteil dieser Antriebsart war früher der, dass der Wirkungsgrad zu wünschen übrig liess. Durch neue Verzahnungsforroen und Schnecken mit steileren Gängen ist dieser Nachteil jedoch in den letzten Jahren ganz überwunden worden. Gute Schneckenantriebe arbeiten mit einem ebenso hob«n Wirkungsgrad wie Kegelräderantriebe, weil durch die neue Bauart gewissermassan fortwährend Oelkeile zwischen die Metallflächen geschoben werden, die dann die metallische Reibung durch FlüssigkeiUreibung ersetzen. Gegenüber dem Kegelradantrieb bat der Schneckenantrieb den grossen Vorteil, dass er durch den- Gebrauch noch gräuschloser wird, während beim Kegelradantrieb meist das Umgekehrte der Fall ist. Der Schneckenantrieb mit untenliegender Schnecke, wie er meist schon aus Gründen der sicheren Schmierung auegeführt wird, ergibt zudem noch ewe «ehr tiefe Kardanwellenlage, was wiederum die Tieferlegunt des Wagenbodens und damit einen allgemein niedrigeren Bau des. Wagens gestattet. Empfindlicher ale der Winkelantrieb ist der Schneckenantrieb nur bei ungenügender Schmierung. Der Oelstand im Gehäuse muss deshalb hier besonder? häufig kontrolliert werden, und das verwendete Oel muss von guter Qualität sein. at. Frage 8597. Erhöhung der Kompression. Ich will an meinem Motor die Kompression erhöhen, jedoch nur um so viel, das« ich nachher immer noch mjt Ben«» fahren kann- Glauben Sie, dais ich dabej bis zu einem Komprcssionsverhiltnis von 6:1 gehen kann? F. M. in E. Antwort: Es ist fraglich, ob Sie so hoch gehen dürfen- Genau lässt sich das jedoch nicht beurteilen, weil wir die Ventileinstellung Ihres Motors und deshalb den FüUungsgrad de« Zylinders nicht kennen. Zudem spielt hier die Form des Verbrennungsraumes, sowie der Umstand, ob die Flächen des Verbrennungsraiimes poliert sind oder nicht, eine grosse Rolle. Einen Versuch können Sie aber immerhin machen. Erweist sich dann die Kompression als zu hoch, was sich darin geltend macht, dass der Motor auch noch von einem 5Q-km-Tempo aufwärts klopft, wenn man ihm Vollgas gibt, dann kann sie ja leicht durch Unterlegen einer Platte unter den Zylinderkopf wieder etwas vermindert werden. Pass der Motor, nachdem die Kompression wesentlich gesteigert wurde, nicht mehr bei Langsamfahrt mit Vojlgas betrieben werden kann, werden Sie wahrscheinlich wissen. Soll er bei Langsamfahrt seine volle Leistung hergeben, wie z. B. beim Beschleunigen an einer starken Steigung so muss durch Herunterschalten des Getriebes seine Tourenzahl erhöht werden. Bei höheren Tourenzahlen erhilt dann der Zylinder nicht mehr seine volle Gasladung, was einer Verminderung der Kompression gleichkommt. at Frage 8598. Darf man Ginge Obersprinnenr Ein mir befreundeter Automobilist behauptet, dass man bei einem Sechszylinderwagen mit. drei Gängen beim Anfahren ohne weiteres vom ersten in den dritten Ganc umschalten könne, ohne dass dies dem Waten schade. Ich war bisher der Ansicht, es sei nötig, beim Anfahren einen Gang nach dem andern einzuschalten, was allein ein stossfreies Anfahren gewährleiste, wie auch beim Rückwärtsschalten vom dritten, bzw. direkten Gang nicht der zweite übersprungen werden sollte. Meine Ansicht ist rein gefühlsmässig, da ich technisch zu wenig orientiert bin. Ich erbitte mir 1 Ihren Aufschluss. Auch wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir die Gründe bekanntgeben könnten, weshalb mir das Rückwärtsschalten vom direkten in den zweiten Gang etwelche Mühe verursacht, währenddem ich beim Wechseln der übrigen Uebersetzungen den Schalthebel sozusagen mit zwei Fingern bedienen kann, ohne dass hierbei das unangenehme < Kreischen > wahrgenommen wird. R. K. in Z. Antwort: Technisch besteht kein Grund, der verbieten würde, beim Schalten einen Gang zu überspringen. Wichtig ist nur, dass bei irgendwelchem Vorgehen die betreffenden Gänge sauber und geräuschlos zum Eingriff gebracht werden. Geräuschlosigkeit beim Schalten bedeutet, dass die miteinander zum Eingriff gebrachten Zahnräder in ihrer Umfangsgeschwindigkeit genau miteinander übereingestimmt haben. Umgekehrt zeigt das Kratzen im Getriebe an, dass eich die Zahnräder nicht ineinander schieben lassen, weil ihre Umfangsgeschwindigkeiten verschieden sind. Wenn man beim Uebergehen von einem in einen andern Gang eine kürzere oder längere Pause macht, indem man die Kupplung mehr oder weniger stark ausrückt, oder indem man dabei dem Motor Gas gibt oder nicht, hat man es als Fahrer in der Hand, die Umfangsgeschwindigkeit immer eines der beiden Zahnräder zu verändern. Die meisten Fahrer gewöhnen sich dabei die für jeden Fall am besten passende Handlungsweise ziemlich bald an, nachdem sie rein versuchsmässig den « Trick » herausgefunden haben. Was speziell das Anfahren betrifft, könnte ein Ueberspringen des zweiten Ganges höchstens dann schädlich sein, wenn die «Direkte > bei noch zu langsam laufendem Wagen zum Eingriff gebracht würde und der Motor deshalb zu « rupfen » beginnt, oder wenn der Fahrer, um dieses Rupfen zu vermeiden, die Kupplung ungewöhnlich lang schleifen lässt. Im ersten Fall zeigen sich dann die Folgen in einer raschen Abnützung der Gelenke und Lager, im zweiten in einer raschen Abnützung der Kupplungsscheiben oder -beläge. Das Herunterschalten von der < Direkten > in die Zweite macht Ihnen wahrscheinlich deshalb Schwierigkeiten, weil Sie nicht wissen, dass dabei das eine Zahnrad des zweiten Ganges beschleunigt werden muss. Diese Beschleunigung erzielt man, indem man dem Motor Gas gibt und dabei die Kupplung nur schwach ausgerückt hält. Man kann auch, wie der entsprechende Fachausdruck lautet, «doppelt auskuppeln >. at. fuVHXt. Sf»BME»d*Xa9a Anfrage 247. Insassenversicherung. Ich führe schon seit einigen Jahren mit einem 6-Plätzer Mietfahrten aus. Bis jetzt hatte ich immer eine Insassen-Versicherung, wofür ich jährlich Fr. 211.— bezahlte. Wie ich es verstehe, sind nach dem neuen Gesetz die Insassen durch die obligatorische Haftpflicht versichert; infolgedessen wäre meine Insassen-Versicherung überflüssig, oder wie verhält sich dieser Fall. Bietet die Haftpflicht genügend Schutz für meine Insassen und mir, oder ist es immer noch notwendig, dass ich eine Insassenversicherung habe? H. in Sp. Antwort: Nicht haftpflichtversichert sind einzig Ehegatten sowie Blutsverwandte in auf- und absteifender Linie des Halters- Unter Blutsverwandten in auf- und absteigender Linie sind zu verstehen Eltern, Grosseltern und Kinder. Alle andern Insassen, und zwar sowohl der Chauffeur als auch die Angehörigen des Chauffeurs, also auch dessen Ehegatte und Blutsverwandten in auf- und absteigender Linie, sind in die Versicherung eingeschlossen. Eine Insassenversicherunff ist also nur noch nötig für den Halter persönlich, sowie für dessen Ehegatten und Blutsverwandte in auf- und absteigender Linie. * Anfrage 248. Garantie für gebrauchten Wagen. Kürzlich verkaufte ich einen durch einen Verwandten an mich übergegangenen Personenwagen an den Chauffeur P. Ich hatte von dem Verwandten den Wagen als gut in jeder Beziehung erbalten. Ich unterliess es allerdings, den Wagen näher zu prüfen. Auf meine Aufforderung zur Zahlung des rostlichen Betrages erhalte ich von P. einen abiebnenden Bescheid. P. ist ein rechtlicher Mann. Ich möchte mit ihm keine fericbtliche Auseinandersetzung. Der Wagen war aber von ihm in der Probefahrt auf steiler Strecke und mit voller Belastung als gut befunden worden- Einige kleine Aussetzungen wurden behoben, und der Wagen tadellos instand gestellt. Nach meinem Dafürhalten kann er mich nicht mit dem vollen Betrag belasten, den er für die ErsaUstücke auslegen musste, da damit der Wagen doch eine Wertvermehrung erfährt. Ich bitte Sie, mir mitzuteilen, was ich in dem geschilderten Falle in bezug auf eine Reduktion machen soll. B. Antwort: Unserer Auffassung nach sind Sie dem Käufer Ihres Wagens gegenüber nicht schuldig, dessen nachträgliche Reparaturkosten — sei es ganz, sei es teilweise — zu übernehmen. Der Käufer eines gebrauchten Wagens nimmt eben das Risiko von Reparaturen auf sich. Dafür zahlt er eben einen reduzierten Kaufpreis. Der Verkäufer haftet nur für die dem Käufer gegebenen Zusicherungen, sofern sich herausstellt, dass die Kaufsache denselben nicht entspricht. Nachdem Ihnen aber daran liegt, die Angelegenheit gütlich zu erledigen, würden wir Ihnen empfehlen, dem Käufer vorzuschlagen, Ihnen noch Fr. 250.— oder jedenfalls die Hälfte des Betrages von Fr. 450.— zu bezahlen, wogegen Sie auf den Rest verzichten würden. Eine gütliche Erledigung der Angelegenheit ist um so eher anzustreben, als Ihnen der Käufer eben noch eine Kaufpreisrestanz schuldig ist und es in der Hand hat, Ihnen davon so viel zu bezahlen, als er für richtig hält. Günstiger wäre natürlich für Sie die Angelegenheit dann, wenn Ihnen bereits seitens des Käufers der ganze Kaufpreis bezahlt worden wäre. In diesem Falle hätten Sie es am besten in der Hand, ihm nur denjenigen Betrag zurückzuerstatten, den Sie für angemessen erachten würden. * Gib die Richtungszeichen rechtzeitig, nicht erst im letzten Augenblick. Fahre in Hauptverkehrsstrassen besonders langsam ein. Fahre, wenn möglich, nicht zu nahe am Trottoir. N«# Keine Strassenverkehrskommission in Zürich. Bekanntlich haben die vier grossen zürcherischen Verkehrsinteressenten - Verbände A.C.S., T.C.S., ASPA und S.R.B, schon vor zwei Jahren in einer Eingabe die Erweiterung der aus je einem Vertreter des Bauwesens I, Polizeiwesen und der Strassenbahnen bestehenden Verkehrsdelegation der Stadt Zürich durch Delegierte der Strassenbenützerverbände verlangt. Damals wurde das Gesuch aus formalistischen Gründen abgelehnt Dies hat dann die vier Verbände veranlasst, im Herbst 1932 in einer erneuten Eingabe an den Stadtrat die Schaffung einer speziellen städtischen Strassenverkehrskommission zu beantragen, die sowohl Vertreter der beteiligten Behörden wie der Strassenbenützerverbände zu umfassen und sich fortlaufend mit allen wichtigeren Strassen- und Verkehrsfragen zu befassen hätte. Man hat hierbei auf das Vorgehen Basels und anderer Städte verwiesen und speziell hervorgehoben, dass die enge Zusammenarbeit von Behörden und Verbänden nur günstige Resultate zeitigen dürfte. Es wurde auf die unbefriedigenden Platzneubauten der letzten Jahre, auf die grossen Unzukömmlichkeiten des letzten Jahres, hervorgerufen durch die gleichzeitige und langandauernde Sperre einiger wichtiger Strassen zufolge gleichzeitig durchgeführter grosser Bauarbeiten, und andere Beispiele hingewiesen, die wohl hätten vermieden werden können. Es scheint nun aber, dass man im Zürcher Stadthaus auch diesem neuen Verlangen kein Verständnis entgegenbringen konnte, denn die Eingabe wurde kürzlich ebenfalls in ablehnendem Sinne beschieden. Die vorgebrachten Argumente sind allerdings weder neu noch stichhaltig; sie bezeugen, dass man diesem modernen Postulat, das früher oder später sicherlich verwirklicht werden muss, grundsätzlich abgeneigt ist und auch nicht einen Versuch in dieser Richtung wagen will. Der Stadtrat führte in seiner Antwort aus, dass eine grosse Kommission ein etwas schwerfälliger und wenig leistungsfähiger Apparat werden dürfte. Zudem könnten einer solchen Verkehrskommission keinerlei Befugnisse eingeräumt werden, da die bezüglichen Kompetenzen einzig den zuständigen Amtsstellen zukommen. Zugegeben wird allerdings, dass die Mitarbeit der grossen Strassenverkehrsinteressenten - Verbände erwünscht sei, sie soll aber in der Weise verwirklicht werden, dass den Verbänden inskünftig nicht mehr wie bis anhin die fertigen, bereits genehmigten Strassenbauprojekte zur Einsichtnahme vorgelegt werden, sondern schon die ersten Projektstudien und -vorschlage, damit die Verbände Verbesserungen und zweckdienliche Aenderungen vorschlagen und solche dann von den Behörden auch, so weit möglich, berücksichtigt werden können. Dabei werden die betreffenden Behördestellen vor der angesetzten Konferenz die Möglichkeit zum Studium der Projekte und deren Erklärung durch die betreffenden Amtschefs geben. Wenn der Stadtrat einerseits grundsätzlich zugibt, dass die aktive Mitarbeit der Verbände nicht nur wertvoll, sondern auch wünschbar ist, so hätte man die nötige Schlussfolgerung ziehen und diese in die Praxis umsetzen müssen. Denn heute ist die Zusammenarbeit eine sehr lose und erfolgt nur von Fall zu Fall. Die Verbände könnten auch ein Lied davon singen, dass der Weg der schriftlichen Eingaben nicht nur ein umständlicher, sondern meist auch ein wenig erfolgreicher ist. Viele Gesuche wurden ohne Besprechung und Augenschein kurzerhand abgelehnt. Damit wir der Wille der Verbände zur aktiven Mitarbeit nicht gefördert, sondern nur erschwert. Man hätte daher ruhig für ein Jahr einen Versuch wagen können, ohne sich für immer binden zu müssen. Die Erfahrung hätte dann gezeigt, dass das Verlangen der Verbände nicht nur ein sehr begründetes und berechtigtes, sondern auch ein sehr wohl durchführbares gewesen wäre. s. Ein interessanter Strassenverkehrsfilm. Das Polizeiinspektorat der Zürcher Stadtpolizei hatte auf Sonntag, den 26. Februar a. c. den Groseen Stadtrat von Zürich, die verschiedenen Verkehrsverbände und die Presse zu einer Vorführung des Zürcher Strassenverkehrsfilms in das Scala- Theater eingeladen. Einleitend orientierte Dr. Wiesendanger über die Gründe, welche zur Aufnahme dieses recht interessanten und sehr demonstrativ wirkenden Filmes führten, sowie über die Zwecke, die dessen Vorführung in der Oeffentlichkeit zu erfüllen hat. Aehnliche Versuche, die früher schon zur Aufnahme eines derartigen Demonstrationsmittels unternommen wurden, scheiterten einesteils an ungleicher Zielsetzung der daran interessierten Kreise, vor allem aber an der finanziellen Frage. Der neue Film ist hauptsächlich auf Grund der finanziellen Unterstützung seitens der zürcherischen Versicherungsgesellschaften zustande gekommen; vor allem aber kommt der Stadtpolizei, sowie den Verkehrsverbänden und den Schulen ein grosses Verdienst um die Verwirklichung dieses Filmes zu. Der vom Schweiz. Schul- und Volkskino aufgenommene Film von 1600—1700 m Länge ist in vier in sich abgeschlossene Teile abgegrenzt und dient in erster Linie zur Verkehrserziehung des Publikums, während ein zweiter, ungefähr 1000 m langer Film, mehr für die Schuljugend berechnet ist, bis heute aber noch nicht fertiggestellt werden konnte. Zwei Teile des für die Erwachsenen bestimmten Filmes beziehen sich vornehmlich auf den Automobilverkehr, ein dritter Abschnitt umfasst den Radfahrerverkehr, während der vierte Teil namentlich einer bessern Regelung des Fussgängerverkehrs dienen soll. Vor allem soll der Film abschnittweise als Zwischenfilme während den Pausen in den Kinotbeatern der Schweiz vorgeführt werden. Dr. Wiesendanger hofft, dass damit die Verkehrsregelung dem Publikum eingehämmert werde. Der Zeitpunkt dieser Vorführungen ist namentlich auch im Hinblick auf das am 1. Januar a. c. in Kraft gesetzte Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkohr vom 15. März 1932 sehr geschickt gewählt. Den verschiedenen Aufklärungsmethoden über den modernen Strassenverkohr, sei es durch Presse, Vorträge oder auch Straf urteile, setzt dieser neue Versuch die Krone auf. In diesem Sinne übergab der Polizoiinspektor den Film der Oeffentlichkeit und der Kritik. Die aus dem stadtzürcherischen Verkehrsleben entnommenen Aufnahmen zeigen in Wort und Bild, äusserst instruktiv unterstützt durch schematische Darstellungen, einerseits das falsche Verhalten von Fussgänger, Velofahrer und Automobilist bei den verschiedensten Verkehrssituationen und anderseits das richtige Verhalten der drei erfassten Gruppen in denselben Fällen. Was das Verhalten des Fussgängers anbetrifft, so werden stündlich vorkommende Situationen aus dem Stadtverkehr gezeigt, wie z. B. das falsche und richtige Ueberqueren der verkehrsreichen Fahrbahnen, die Zirkulation der Fussgänger auf den Trottoirs, der Aufenthalt auf den Verkehrsinseln, das Ein- und Aussteigen von den Tramwagen entgegen der Zirkulation ausserhalb der Fussgängerstreifen, dem chaotischen Durcheinander auf den Trottoirs, dem Aufhalten zwischen Verkehsinsel und Trottoir, dem Auf- und Abspringen von in Bewegung befindlichen Tramwagen, etc. Der für die Radfahrer bestimmte Abschnitt des Filmes zeigt ebenso instruktiv Sitten und Unsitten dieser vielzahligen Strassenbenützer. Besonders wird dabei auf die Gefahren beim Einschwenken in Hauptstrassen, beim Passieren von Strassenkreuzungen, beim Vorfahren anhaltender Tramwagen, beim Ucberholen und Kreuzen von Automobilen aufmerksam gemacht und spezioll betont, dass das Fahrrad kein Mittel zum Lastentransport, der Velofahrer kein Equilibrist sei, dass die Radfahrer nicht in breiten Reihen, sondern in Einerkolonne, dem rechten Strassenrande folgend, zu zirkulieren haben. Die uns speziell interessierenden, für den Automobilisten bestimmten zwei Teile des Filmes veranschaulichen in äusserst klarer und leicht verständlicher Weise richtiges und unrichtiges Verhalten des Fahrers in den verschiedensten, besonders durch den Stadtverkehr komplizierten Situationen. Zuerst wird die Taktik des Vorfahrens auf breiten Strassen ohne Tramverkehr und auf solchen mit Tramverkehr veranschaulicht und dabei speziell derjenige Fall beleuchtet, der ein linksseitiges Ueberholen erfordert, weil rechtsseitig die Platzverhältnisse ein solches nicht gestatten. Verschiedene Bilder illustrieren das Passieren von Kreuzungen und Plätzen mit und ohne- Kreiselverkehr. Besondere Aufmerksamkeit schenkt der Film dem Kreuzen von Strassenzügcn und dem Einschwenken von einer Strasse in eine andere, wobei wiederum speziell der rechtwinklige Verkehr berücksichtigt wurde. An Hand eines konstruierten Unfalles wird die Tätigkeit der Polizei illustriert, begonnen mit dem Telephonanruf bis zum Abtransport des Verletzten und der Aufnahme des Tatbestandes vermittelst Messungen und Photographien. Ein anderer Abschnitt behandelt das Aufstellen von Automobilen an Strassenzügen mit Gefäll, für welchen Fall die Forderung aufgestellt wird, dass das Fahrzeug mit dem Hinterrad am Randstein anstehe unter gleichzeitigem Einschalten eines Vorwärtsganges, vorausgesetzt dass die Fahrrichtung dem Gefall entgcgon-l gesetzt verläuft. Das von vielen Automobilisten" praktizierte unrichtige Aufstellen der Fahrzeuge bei Strassenkreuzungen wird instruktiv durch mehrere Beispiele und die aus diesem falschen Parkieren sich eventuell ergebenden Folgen gezeigt. Die vom Gesetz in diesem Falle präzisierte Vorschrift lautet auf Einhaltung eines mindestens 8 m betragenden Abstandes von der Kreuzung bis zum parkierenden Fahrzeug. Weitere Bilder versuchen dem Automobilisten das richtige Parkieren rechtwinklig zu einer Verkehrsader beizubringen, wobei darauf zu achten ist, dass das Fahrzeug stets senkrecht zur Parkierungslinie mit in der Fahrrichtung gerichtetem Kühler zu stehen komme. Wenn auch aus der Fülle der durch den wachsenden Stadtverkehr sich ergebenden Situationen sowohl für Fussgänger, Velofahrer wie auch für Automobilisten nur die prägnantesten Beispiele auf der Leinwand abrollen, so dürfte der Film seine verkehrserzieherische Wirkung vollkommen erfüllen. Nicht mit Unrecht wird darauf hingewiesen, dass das städtische Verkehrsproblem lösbar ist oder bereits gelöst ist, sobald alle Strassenbenützer die verschiedenen Vorschriften einhalten und speziell miteinander anständig zu verkehren suchen. Das Ende aller vier Filme zeigt drastisch die Folgen des unrichtigen Verhaltens aller am Verkehr beteiligter Personen; hoffentlich tragen auch die Aufnahmen von Spitalbehandlungen und diejenigen von Friedhöfen dazu bei, den vielen Kinobesuchern die aus einem ungeregelten Strassenvorkehr sich ergebenden Gefahren derart zu veranschaulichen, dass sich künftighin ein jeder von ihnen eines disziplinierten Verhaltens befleissigt. Den am Zustandekommen dieses Filmes verdienten Kreisen ist alle Anerkennung auszusprechen. In erster Linie wird in Automobilkreisen dieser Film sehr begrüsst werden, trägt er doch vieles dazu bei, um die von der Automobilpresse und den Automobilverbänden seit jeher gemachten Bestrebungen auf die Gestaltung einer reibungslosen Verkehrsabwicklung zu unterstützen. Es steht zu hoffen, dass diese Aufnahmen nur eine erste Etappe in der Erziehung des grossen Publikums zu disziplinierten Strassenbenützorn darstelle, dass derselben aber nichtsdestoweniger ein voller Erfolg beschieden sei. Wy.

Bern, Dienstag, 28. Februar 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 17 Grippe im Kreise Meier hatte ein merkwürdiges Kratzen im Halse. Dazu Kopfweh und matte Glieder. «Natürlich Grippe», dachte er. «Die ganze Stadt hat Grippe. Warum sollte i c h keine Grippe haben?» Und er ging zum Arzt. «Ins Bett», sagte der, «schwitzen!» «Hilft das bestimmt?» fragte Meier. «Was heisst — bestimmt?» zuckte der Arzt die Achsel. «Ein durchschlagendes Mittel gegen die Grippe im ersten Stadium ist nur Luftveränderung. Können Sie verreisen?» Meier dachte nach. Ja, er konnte verreisen. Und er reiste nach der Ostschweiz zu seinem Freunde Müller. Müller hatte ein kleines Gut, eine Frau, drei Kinder, eine Schwägerin, eine mobile und eine immobile Tante. Müller freute sich furchtbar, als Meier so mit einemmal da war. «Ich will meine Grippekomplexe bei dir abreagieren», sagte Meier. «Grippe?» zog Müller die Augenbrauen hoch. «Keine Angst», lächelte Meier. «Erstens ist Luftveränderung das beste Mittel gegen die Grippe, und zweitens habe ich den Rest der eventuellen Bazillen schon auf der Reise abgelegt.» Acht Tage lang lebte Meier glücklich und froh bei Müller. Kein Brennen mehr im Halse, keine matten Glieder. «Es ist vorbei», sagte Meier. «Ich glaube, Ich kann abreisen.> Müller glaubte es auch. Ind Meier reiste ab. «Besucht mich bald», rief er aus dem fahrenden Zuge Müller zu, seiner Frau, den drei Kindern, der Schwägerin und der mobilen Tante. Fünf Tage später war Müller nebst Frau, Kindern, Schwägerin und Tante bei Meier. Meier machte grosse Augen. «Ja», sagte Müller, «du hast uns angesteckt. Brennen im Halse und so. Und da Luftveränderung ja das einzige Mittel ist — also, da sind wir.» Meier verzog das Gesicht zu einem Lächeln. «Grossartig», sagte er, «wie ich mich freue —» Und er kaufte Hängematten, Bettwäsche und brachte die Familie Müller in seinen zwei Zimmern unter. Sechs Tage später war er wieder allein. Müllers waren gesund. Eine Woche später verspürte er ein merkwürdiges Kratzen im Halse. «Also Ostschweiz», dachte er und fuhr ab. an siebenten Tag war er schon wieder zurück. Am elften Tag lagen Müllers in seinen Hängematten. Am neunzehnten Tag reisten sie ab. Am zwanzigsten Tag hatte Meier ein merkwürdiges Kratzen im Halse. Das Kratzen wurde stärker. Und in der folgenden Nacht hatte er einen Herrn Collins Abenteuer Roman von Frank Heller. (Fortsetzung aus dem Hauutblatt.) Mr. Smedley hatte die Strasse nämlich selbst gebaut, jedes Haus darin nach seinem Kopfe, der quadratisch war, und er hatte sie auch nach seinem Kopfe bevölkert. Alle Mieter in Bradford Mansions waren reiche Junggesellen, denn Mr. Smedley verabscheute Frauen, Kinder und niedrige Mietzinse; und alle trieben sie Sport. Drei von ihnen wohnten so wie Mr. Smedley auf der geraden Seite der Strasse in den Häusern Nr. 2, 4 und 6, Mr. Smedley selbst wohnte Nr. 8, und sie verbrachten den Sommer wie Mr. Smedley in Norwegen, wo zwei in den Bergen herumwanderten und einer Lachs fischte. Doch wurden sie nie zusammen gesehen, weder miteinander noch mit Mr. Smedley. Von den vier Mietern auf der ungeraden Seite verbrachten drei die Sommer in Kanada, und der eine war tot. Er war ganz kürzlich gestorben, und eben dadurch war das Haus 5 Bradford Mansions frei geworden. furchtbaren Traum: Die Familie Müller war auf zweihundert Mitglieder angewachsen. Die Familie Müller besuchte ihn. Die Familie Müller brachte Grippebazillen mit, Grippebazillen, gross wie Kohlköpfe. Die Bazillen umdrängten Meier, wollten ihn erdrücken. Meier stöhnte. Meier ächzte. Meier schwitzte. Da tat sich die Tür auf. Ein Riese mit höhnischem Gesicht trat auf ihn zu, packte ihn. Es war der Arzt Sie nahmen den Abendtee am Kamin, der Hausherr, seine Frau, Architekt Halbe, der das Haus erbaut, und Maler Gryter. Das Gespräch der vier war verhalten. Mit leiser und doch unwiderstehlicher Gewalt wurden aller Augen von dem roten, sich immer neu entfachenden Funkenspiel in dem glühenden Schlund da vor ihnen angezogen, das zu stillen Träumereien lockte, während draussen der Wintersturm das Landhaus umraste und an den herabgelassenen Läden rüttelte. Die Frau des Hauses, die dem Feuer am nächsten sass, reckte den Arm vor, Hess behutsam von ihrem kleinen silbernen Löffel einen Tropfen Tee auf ein glimmendes Scheit fallen und bemerkte leise: «Ein Tropfen — ein Nichts — im Feuermeer ...» Halbe richtete seinen langen Oberkörper auf und sprach, da sie verstummte: «Und doch kann ein Tropfen so viel bedeuten: schon jener bekannte Tropfen, der den Krug zum Ueberlaufen bringt... Oder denken Sie an jenen letzten Tropfen, den der Verdurstende in der Wüste schmeckt, und der alle Hoffnungen des Lebens in ihm wieder neu entzündet und —» «Der Tropfen, den der reiche Mann am Finger des armen Lazarus hängen sah, als er in Höllenqual sich wand,» fiel der Hausherr ein. «Doch unser Maler sagt uns nichts. Ja, fast sieht es so aus, als wäre er mit seinen Gedanken sehr weit von uns anderen. Gryter, was meinen Sie, kann nicht ein kleiner Tropfen im Sonnenlicht Natur.in ihrem ganzen Reichtum spiegeln?» Der erst vor wenigen Stunden Eingetroffene Gast war lange nicht mehr bei seinen Jugendfreunden gewesen. Man war ein wenig aus der Fühlung geraten, hatte nur erfahren, dass" er inzwischen geheiratet habe, und zwar, wie allgemein gemunkelt wurde, ein früheres Modell. Da die Aufmunterung des Hausherrn den Angeredeten augenscheinlich in leichte Verlegenheit gebracht hatte, meinte die Hausfrau lächelnd: Diese Details erfuhr Philipp von dem Barkeeper um die Ecke, worauf er sich daran machte, Mr. Smedley aufzusuchen, aber nur Mr. Johnson traf, der eigentlich Jönsson hiess und nicht nur Schwede war, sondern Smaländer. Das erfuhr Philipp aber erst viel später. Mr. Johnson war Mr. Smedleys vertrautes Faktotum und besorgte alles, was Bradford Mansions betraf, mit Ausnahme der Vermietungen. Wenn Mr. Smedley quadratisch war, so war Mr. Johnson oval. Sein ganzer Körper, der kolossal war, war auch oval, aber am kolossalsten waren seine Hände und am ovalsten sein Gesicht. Er hatte hervorstehende Backenknochen, rotgebrannt von seiner heidelbeerpflückenden Kindheit her, wässerige blaue Augen und flachsgelbe Haare. Im Sommer ging Mr. Johnson in einem gelbweissen Anzug, wodurch er ganz wie ein schwedisches Zündhölzchen aussah, mit dem langen, gelbweissen Körper und dem rotbraunen Gesicht. Und mit diesem Aussehen verbrachte Mr. Johnson die Sommer in London, denn obgleich Mr. Smedley sagte: «Das ist meine rechte Hand, Mr. Johnson aus Norwegen,» nahm er ihn nie nach Norwegen, seinem falschen Vaterlande, mit. Er Hess ihn vielmehr in London zurück, um Bradford Der Tropfen Von Irmela Linberg. Meier wachte auf. Da stand tatsächlich der Arzt neben dem Bett. «Er hat phantasiert», sagte die Wirtin. Der Arzt untersuchte Meier, wiegte den Kopf. «Luftveränderung», sagte er, «ist das einzig sichere Mittel, das es gegen Grippe gibt.» Worauf (nach einem schwachen Aufbäumen Meiers gegen das Unabänderliche) diese Geschichte von vorn beginnt... R. H.-V. «Natürlich hat unser lieber Freund an seine Frau gedacht. Jungvermählte sind ja öfters etwas — geistesabwesend.» Gryter neigte sich leicht und antwortete mit einem sinnenden Ernst im Blick: «Sie haben es erraten. Ich dachte an sie.» «Wo haben Sie eigentlich,» fragte die Gastgeberin, «die Bekanntschaft Ihrer Frau gemacht?» Sie wollte mit dieser Frage dem Gespräch eine andere Wendung geben. Gryter blickte in die unablässig aufsteigende Feuersäule und sagte gedankenvoll: «Gekannt — im landläufigen Sinne — habe ich sie schon geraume Zeit, aber sie kennen gelernt — ja — das ist eine andere Sache —» Ein Schweigen entstand. Dann sprach der Maler weiter: «Gerade daran aber, wie ich Hilde kennen lernte, wurde ich durch Ihr Gespräch über den bedeutungsvollen Tropfen erinnert. Ich kann die einfache kleine Geschichte gern erzählen.» «0 ja!» bat die Frau lebhaft. «Sie wissen wohl,» sagte Gryter, «dass Hilde Modell stand. Und zwar gehörte sie zu den Gesuchtesten ihres Berufes, denn sie war gut gewachsen und ihr Gesicht hatte sich, trotz aller Gefahren und Anfechtungen ihres jungen Lebens, einen Ausdruck seltener Liebljqhkeit und kindlicher Reine bewahrt. Das vor allem hatte mich bestimmt, sie zum Vorwurf eines Mädchenbildnisses zu wählen.» Der Hausherr blickte seine Frau bedeutungsvoll an. «Ja,» fuhr Gryter fort, «so kam sie täglich auf ein paar Stunden zu mir ins Atelier, und während sie in der ihr eigenen, etwas vornüber geneigten Haltung, mit den leicht.bebenden Schultern vor mir sass und eins meiner Bücher nach dem andern verschlang, vertiefte ich mich immer eingehender in die herben Züge ihres Gesichtes, die schönen Linien des Nackens und Halses. Skizze über Skizze entwarf ich; keine schien mir gut genug. Keine gab das Wesentliche ihrer Haltung, ihrer Art ganz wieder. Selten hatte ich sonst so schwer und lange um eine Schöpfung gerungen, wie um diese... Es war eine merk- Mansions in der Abwesenheit der Mieter zu bewachen. Philipps Besuche sowohl bei Mr. Johnson wie bei seinem quadratischen Herrn verliefen jedoch zu seiner grossen Enttäuschung vollkommen resultatlos. Um in Bradford Mansions zu mieten, machte Mr. Johnson ihn sogleich aufmerksam, wurde als unumgängliche Bedingung verlangt, Junggeselle und Sportmann zu sein. Nachdem Philipp sich als beides erklärt hatte, wies Mr. Johnson auf die Bedeutung hin, ein guter Sportmann zu sein; die Höhe des Zinses' stehe nämlich in direktem Verhältnis zum Sportinteresse des Mieters, das sei eines der Prinzipien Mr. Smedleys. Hierauf zeigte er ihm das Haus Nr. 5 und bat Philipp, am nächsten Tage wiederzukommen. Philipp tat es und traf diesmal den cholerischen Mr. Smedley an, der ihn durch seine Brille fixierte und den Wunsch aussprach, zu erfahren, ob er Junggeselle sei. Philipp erwiderte, er sei es meistens. Mr. Smedley (wütend): «Ein Gentleman scherzt nicht mit solchen Dingen.» ' Philipp: «Ich auch nicht.» Mr. Smedley: «Sind Sie Junggeselle oder nicht?» Philipp: «Ja, immer.» „Ecke des guten Beispiels " Die unterbrochene Sonntagsfahrt. Ich lese Ihre « Ecke des guten Beispiels » immer sehr gerne und freue mich stets von neuem darüber, so viele brave Menschen unter den Automobilisten zu finden. Obwohl ich persönlich nicht gerne viel Wesens aus einer guten Tat mache, kann ich nicht umhin, Ihnen dennoch von einem eigenen Erlebnis zu berichten. Ich fuhr an einem Sonntag des vergangenen Sommers mit meiner Familie von Zürich nach Schwarzenberg, um meine Familie dorthin in die Ferien zu bringen. Zwischen Luzern und Malters kam uns ein kleines Automobil entgegen, das mit drei Personen besetzt war. Sofort merkte ich, dass bei diesem Wagen etwas nicht in Ordnung sein konnte. Ich hielt an, um einen Zusammenstoss mit dem unsicher fahrenden Vehikel zu verhindern. Plötzlich begann der Wagen zu tanzen, er drehte sich zweimal um die eigene Achse und stürzte dann um. Wir stiegen sofort aus, eilten nach der Unfallstätte und fanden einen Schwerverletzten in seinem Blute Hegern Meine Tochter, die Samariterin ist, legte dem Bedauernswerten den ersten Notverband an. Wir brachten ihn rasch zum Arzt und warteten dort dessen Verfügungen ab, um nachher den Verletzten in das Luzerner Kantonsspital zu führen. Welche Gefühle uns in dem Bewusstsein bewegten, einem Mitmenschen geholfen zu haben, lässt sich in Worten hier nicht ausdrücken. Wir haben uns nachher telephonisch noch einige Male im Kantonsspital in Luzern nach dem Befinden des Verunglückten erkundigt. Heute ist der Mann, von dem wir nicht wissen, wer er ist, wieder gesund und wohlauf. E. D. in Z. würdige Zeit. Ausser dem Gruss, den wir uns beim Willkommen und Abschied boten, fiel zwischen uns kaum ein Wort. Ich bestimmte ihre Stellung, gab ihr das gewünschte Buch und arbeitete. Sie sass halb abgewandt, ausdauernd und unbeweglich. Das war alles. — Eines Morgens, als sie mich um neuen Lesestoff ersuchte, erwies es sich, dass alles Vorhandene ihr bereits bekannt war, und -ich stand gerade im Begriff, auf die Strasse zu gehen, ujn ihr eine Zeitschrift zu besorgen, als sie mit der Hand auf einen abseits stehenden schmalen und abgegriffenen Lederband wies und bemerkte: «Den kenne ich noch nicht.» Ich erklärte ihr, das Buch enthielte nur wenige kurze Aufzeichnungen, die ich in den letzten Jahren gemacht; kaum erinnerte ich mich selbst mehr, was ich alles hineingeschrieben, es könnte sie gewiss nur langweilen. Da ihr bittender Blick aber unentwegt Mr. Smedley: «Welche Sportzweige üben Sie aus?» Philipp: «Ich fahre Auto.» Mr. Smedley: «Darauf pfeife ich! Ich frage, welchen Sport üben Sie aus?» Philipp : «Autofahren ist mein einziger Sport.» Mr. Smedley (mit einem Röcheln): «Sport ...Autofahren ein Sport... Ihr einziger Sport! Autofahren! Hinaus, Herr! Ein Autler will bei mir mieten! Dass mich nicht auf der Stelle der Schlag trifft!» Philipp: «In diesem Falle könnte ich ja doch in Bradford Mansions mieten.» Mr. Smedley: «Schweigen Sie. Sir, dann auch nicht, das ist in meinem Testament vorgesehen. Hinaus!» Philipp: «Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen.» Nach einer Unterredung von ungefähr dieser Art ging Philipp tief enttäuscht und nicht weniger wütend auf Mr. Smedley. Ein so unverschämtes kleines Quadrat von einem Kerl! Einen ehrlichen. Automobil fahrenden Mieter wie einen Verbrecher zu behandeln. ... Das verdiente, beim Zeus, Strafe, und Philipp gelobte sich innerlich, ihn bei Gelegenheit nicht zu vergessen. Seine Erbitte- Einheitspreis Zimmer mit Bad 7.50 50 Neubau, ehemals Selrienpost • Ca. 250 m