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E_1933_Zeitung_Nr.017

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14 AUTOMOBIL-REVUE

14 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 17 auf das Buch gerichtet blieb, reichte ich es ihr schliesslich hin und rückte die Staffelei zurecht. Wir vertieften uns wie sonst jeder allein in sein Tun. Sie las, ich zeichnete. Und — eigenartig! — an diesem Morgen schien zu gelingen, worum ich bisher umsonst mich gemüht. Mit tiefem Entzücken sah ich, dass endlich meine Skizze das aufwies, was ich bisher in ihr nicht hatte verwirklichen können, und ich fühlte, während mein Stift immer ungeduldiger und schneller über den Bogen glitt, die seltene und ganz unbeschreibliche Beglückung des Schaffenden über ein sich der Vollendung näherndes Werk. Da —7 wie ich den Kopf aufrichtete und vergleichend das Abbild am Vorbild prüfen wollte, sah ich plötzlich auf der Schulter des Mädchens etwas aufglänzen — einen schimmernden Tropfen, der langsam an ihrem Arm hinunterperlte. Mit einem Satz war ich bei ihr. «Was — was tun Sie?» rief ich, da ich dieses nicht fassen konnte. Sie hob die tränengefüllten Augen zu mir empor und reichte mir stumm das kleine Buch. Auf einer der vergilbten Seiten standen die Worte: «Den 18. März 1920. Ich erhielt heute die Nachricht vom Tode meiner Mutter. Nichts mehr...» Gryter brach ab. Die anderen blickten lange stumm in die Flammen des Kamins. Man hörte nur das Aechzen der Läden und das Heulen des Wintersturmes um das Haus. Endlich fragte der Hausherr: «Nicht wahr, Ihr Bild hat einen Preis bekommen? Wir haben es in der Zeitung gelesen.» «Nein,» antwortete der Maler leise, «nein, nicht dieses. Es ist unvollendet geblieben. Aber ich habe das junge Geschöpf geheiratet, nachdem jener eine verräterische Tropfen mir das tiefste Wesen ihrer Seele offenbart : hatte.» Halb -Minuten - Geschichten Zeugnisse. « Haben Sie Zeugnisse ? » fragte die Hausfrau die Bewerberin um die Stelle einer Köchin. « Nein, ich habe sie alle zerrissen. > < Zerrissen? Ach, wie töricht von Ihnen! » « Töricht, Madame? Wenn Sie sie gesehen hätten, würden Sie das nicht sagen.» Ausgleich. Die kleine Mary und ihr Vater hatten nach einem langen Spaziergang noch ein schönes Stück nach Hause zu gehen. < Mary, wollen wir gehen oder den Autobus nehmen? > fagte der Vater. c Ich will lieber gehen, Daddy», sagte Mary, « wenn du mich trägst.» Das kluge Kind. Verliebte Mutter : « Dies ist meine Tochter Gretchen. Sie ist doch solch aussergewöhnliches kluges, kleines Mädchen.» Gretchen : « Ach, Mutter, was war da nur so besonders Kluges, das ich gestern sagte? > Die Schiffbrüchigen. Schiffbrüchige (flehenden Tones): «Ach, Herr Kapitän, wann werden Sie uns schon endlich an Bord nehmen?» Kapitän: « Seien Sie doch nicht so ungeduldig. Die meisten meiner Passagiere schlafen noch und ich muss warten, bis sie mit ihren Photoapparaten kommen.» Farbenlehre. Vater geht mit dem kleinen Sohn im Wald spazieren. Deutet der Kleine auf einen Strauch und fragt: « Vater, was sind das für Beeren? » « Das sind Blaubeeren. » «Ja, warum sind sie denn rot? » « Na, weil sie noch grün sind...» Keine Diskussion. Er. — < Als wir heirateten, hast du mir versprochen, folgsam zu sein.» Sie. — < Konnte ich denn vor dem Geistlichen mich in Diskussionen mit dir einlassen ? > Schottisches Hochzeitspaar. Sie. — « Um Himmels Willen, Georges, jetzt ist dein neuer Hut in den Ozean gefallen. » Er (beruhigend). — «Kränk dich nicht, mein Engel, Name und Adresse drin.» stehen Aeltere Rechte. Odette bewundert im Theater einen schpnen jungen Mann: «Siehst du. Beate,'> sagte sie, «dies ist der Tyo von Mann, den ich schon seit langem suche. » Beate : «Ich auch, aber ich überlasse dir, den Vortritt, denn du suchst ja schon, |'o-; lange ich lebe.» Gespräche beim Arzt. «Sie sind so nervös, mein Lieber—- wovon eigentlich ? Sie sollten in die freie Natur, Sport treiben, einen ganz ruhigen natürlich. » « Ich angle, Herr Doktor. Sogar leidenschaftlich. » «Aber davon wird mari doch nicht nervös ?» « Haben Sie eine Ahnung ! Angeln Sie mal an verbotener Stelle ohne Angelkarte !» « Merkwürdig, Herr Schumann, Ihre Frau hat seit einiger Zeit eine blutunterlaufene Stelle am linken Schulterblatt! » « Gar nicht so sonderbar. Herr Doktor — seit sie krank ist, liegt und schläft sie immer auf dem Hausschlüssel !» Müller war ohnmächtig gewesen und kommt wieder zu sich. Verstört murmelt er : «Was ist denn los — wo bin ich denn? » Der Anzt beruhigt ihn : « Sie hatten einen leichten Autounfall. Sie befinden sich augenblicklich in der Wohnung ihrer Schwiegermutter. Na, Sie haben immerhin noch Glück ! » « Wieso — ist sie verreist ? » « Ihr Magen ist total verdorben ! Zu viel gefuttert, was ? Ein bisschen üppig gelebt und über die Stränge geschlagen, wie ? » « Durchaus nicht — aber ich habe zwei Töchter — die haben in den letzten Monaten kochen gelernt ! » « Also, Herr Doktor, operieren, sofort operieren. Ich bin dafür, dass man aufs Ganze geht, man muss das Uebel mit der Wurzel ausrotten. Keine Betäubung, keine örtliche Schmerzlinderung, keinen so neumodischen Schnickschnack. Messer her und losschneiden ! » < Das macht ja geradezu Freude, einen so tapferen Patienten zu bekommen. Dann mal rauf auf den Operationstisch ! » « Nöh. ich nicht, meine Frau ! Sie wartet schon draussen im Wartezimmer!» «Nichts mehr trinken! Statt eines Glases Bier jedesmal einen Apfel essen und Sie sollen mal sehen, wie schnell wir Sie auf die Beine kriegen ! » « Um Himmelswillen — vierzig Aepfel am Tage ! ? » Ein Mann kommt in Dr. Grüns Sprechstunde. « Elende Schmerzen. Wenn ich den Oberkörper vorbeuge, die Arme seitwärts ausstrecke und dann nach oben bogenförmig an den Körper ziehe, so schmerzen mir die Schultern.» «So, so. Hm. Sagen Sie mal. wozu machen Sie eigentlich so blödsinnige Bewegungen ?'» • «Erlauben Sie mal... wie soll ich mir den Mantel anders anziehen ? » Bunte Chronik S.K. Bernard Shaw mag Greta Garbo n'cht. Bernard Shaw hat seit jeher kein Hehl aus seinen privatesten Ansichten gemacht, obwohl (oder weil) er sich damit in Widerspruch zu der öffentlichen Meinung setzte. Seine neueste Ansicht ist dazu noch recht ungalant: Er findet Greta Garbo nicht schön! Die « Göttliche» sei vielmehr die Verkörperung eines Durchschnittstyps; sie habe zwar regelmässige Züge und eine gute Figur, aber keine Spur von Geist hebe sie aus der Masse ihrer Geschlechtsgenossinnen heraus. Männer und Frauen treffe an der «Züchtung » dieses Typs die gleiche Schuld : alle Frauen sähen in dieser Verkörperung des Durchschnitts — allerdings einer idealen Verkörperung — ihr Ideal und wollten der « Göttlichen » gleichen; auch die Männer hätten keine Sehnsucht danach, ihren guten Geschmack durch eine Schwärmerei für eine « geistige » Frau zu bekunden. Ob Shaw mit seiner Ansicht ganz allein steht ? Die Zecher sollen blechen. Ein « Neujahrsgeschenk » seltener Art hat die Stadtverwaltung Andernach sowohl den Gastwirten als auch den « ausdauernden > Zechern gemacht, die in der alten Rheinstadt, nach der grossen Zahl der Protokolle wegen Polizeistunden-Ueberschreitung zu schliessen, noch nicht selten geworden sind. Sie führte ab 1. Januar 1933 eine « Hockersteuer » ein, deren Erträge den Notleidenden zugute kommen. Jeder Zecher hat den Polizeibeamten einen sofort zahlbaren Betrag, von 50 Pfennig auszuhändigen. Die zu diesem Zweck hergestellten Steuerscheine entbehren nicht einer gewisesn Originalität und haben folgende Inschrift: < Die Stunde der Polizei hat geschlagen. — Wer nun vermeint, er könnte es wagen —der Tafelrunde Gemütlichkeit — über die Ordnung der Obrigkeit — zu werten, zahle dafür ganz brav — ein halb Reichsmärkle als Straf. — Zur Linderung rW Not dient's, und du bist billig — davongekommen : Drum zahl' auch willig.» Hollywoods Ende ? In einem aufsehenerregenden Artikel der « Avenir» prophezeit der ausgezeichne— Hollywood-Kenner Lugne-Poe nichts Geringeres als das Ende der amerikanischen Filmstadt. Und zwar in auffallend kurzer Frist : in 6 Monaten. Es soll dann eine Massenflucht einsetzen, der keine Macht der Welt mehr Halt gebieten könne. Heute schon sei es für einen Fremden, insofern man in ihm einen Beobachter oder gar Kritiker vermutet, praktisch unmöglich, in die Filmstadt einzudringen. Lugne-Poe denkt augenscheinlich an einen Krach von den Ausmassen Kreugers und Löwensteins: woher er seine genaue Kenntnis der Dinge hat, teilt er nicht mit. Er lässt nur durchblicken, dass der Zusammenbruch nicht nur rein spekulativer und kapitalistischer, sondern auch künstlerischer Natur sein wird, insofern, fügt er hinzu, in der «Barbarenstadt» Hollywood von «Kunst» überhaupt gesprochen werden konnte. rung steigerte sich eine Woche später um das Doppelte, als er erfuhr, dass das Haus vermietet worden war, und zwar an keinen andern als an den, um dessentwillen er Gothenburg Road 49 verlassen wollte, nämlich den Detektiv Kenyon. Mr. Kenyon hatte es nicht allein gemietet — dazu reichten seine Mittel nicht, obwohl er ein eifriger Sportsmann war — sondern mit einem Freund. Offenbar war er nach der Arretierung der Fälschmünzerbande in seinem Beruf vorwärtsgekommen, und Philipp bedachte nicht ohne Bitterkeit, dass durch seine Hilfe in dieser Angelegenheit Mr. Kenyon ihm jetzt Bradford Mansions wegschnappen konnte. Ueber sein Pech gereizt, nahm er Anfang Juni von Gothenburg Road Abschied und zog mit Beobachtung aller Vorsichtsmassregeln in eine stille Strasse in der Nähe von Holland Park, die seinen Ansprüchen so halbwegs genügte. Dann verging eine Zeit, Philipps Geschäfte führten ihn einmal ums andere in die Nähe von Bradford Mansions, und jedesmal empfand er einen bittern- Stich im Herzen. Eines schönen Tags sah er, dass alle Häuser leer waren und Papier in den Fenstern hatten, mit Ausnahme von Nr. 5: und vor dem Haus- tor von Nr. 5 stand Mr. Johnson aus wegen und überwachte zwei Packer. «Guten Tag, Mr. Johnson», sagte Philipp, «schliessen Sie hier auch die Bude?» «Ja, Sir», sagte Mr. Johnson. «Mr. Kenyon und Mr. Cane reisen heute abend in die Schweiz, Sir.» «Bleiben sie lange fort?» fragte Philipp. « Bis August oder September, Sir.» «Die haben's gut», sagte Philipp. «Dann ist ja die Strasse ganz leer.» «Ja, Sir, bis auf mich», sagte Mr. Johnson mit einem Seufzer. «Ja, gewiss, bis auf Sie, Mr. Johnsort, sagte Philipp und ging, ohne weiter an die Sache zu denken. Es war an einem Samstag abend, eine Woche später, London war schwül wie eine Wüste, und Philipp ging 'langsam durch PiccadiiHy. Trotz des Gewühls auf den Strassen lag eine Feiertagsstimmung über der Stadt. Aber es war schwül, furchtbar schwül, und Philipp bog in den Hyde Park ein, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Er ging einige Schritte in den Park und Hess sich auf einer Bank nieder. Ein anderer Herr sass schon darauf, aber Philipp beachtete ihn nicht. Plötzlich warf er jedoch zufällig einen Blick zur Seite und erkannte zu seiner Ueberraschung den riesenhaften Mr. Johnson. Er paffte an einer Pennyzigarre, deren Licht sich auf seinen braunen Backenknochen und in den kleinen wasserblauen Augen widerspiegelte. Den Hut, einen Schlapphut, der wenig zu seinem kantigen Kopf passte, hatte er in den Nacken zurückgeschoben. Philipp betrachtete ihn amüsiert und sagte: «Guten Abend, Mr. Johnson.» Mr. Johnson sah mit dem Misstrauen auf, das seiner Rasse eigen ist (wir haben schon erwähnt, dass er Smaländer war), offenbar erkannte er Philipp zuerst nicht. Dann kam er über ihn ins klare und hob die Hand, um zu grüssen. Dabei entglitt ihm ein weisses zusammengefaltetes Papier — eine Zeitung, wie es schien —, die vor Philipp zu Boden fiel. Philipp bückte sich artig, um sie aufzuheben. Man denke sich sein Staunen, als er fand, dass es eine Nummer der «Strix» war! «Strix!» Die zehnfach gereinigte Essenz der schwedischen Witzlaune, Albert Engströms «Strix». Es war, als öffnete sich ein Fenster in die Vergangenheit, und eine Taube käme dadurch hereingeflattert, mit emer^ Olivenblatt im Munde: eine Nummer des «Strix». «Was, Mr. Johnson!» rief er, «Sie sind Schwede?» Er streckte die Hand aus, Mr. Johnson fasste sie vorsichtig zwischen seinen beiden ungeheuren Händen und, gleichsam einer geheimen, lange nicht geölten Feder gehorchend, regten sich seine Lippen und sagten im schönsten Smaländer Dialekt: «Ja, freilich, ich bin aus Smaland.» Dann machte er eine Pause, wie selbst erstaunt über den Klang seiner Stimme. «Aber der Herr wird doch kein Schwede sein?» «Und ob ich ein Schwede bin,» sagte Philipp herzlich. «Ist's die Möglichkeit, ist's die Möglichkeit — und ich hab' jetzt seit vierzehn Jahren nicht schwedisch gesprochen.» «So lange sind Sie schon da?» «Freilich, freilich,» bestätigte Mr. Johnson gedankenvoll, «mit zwanzig Jahren bin ich von daheim fort, Dackemala heisst der Ort...» «Ich kenne ihn,» murmelte Philipp leise. (Fortsetzung folgt.)

N» 17 - 1933 AUTOMOBIL-REVUE Die Frau von vierzig Jahren aufhängt. ' Die Amerikanerin würde vor Kummer Von Arthur Kabane. sterben, wenn sie auf das Kino verzichten Balzacs «Frau von dreissig Jahren» ist mit behutsamen Fingern, die Wert darauf müsste. Es ist bloss ein Glück, dass ihr vierzig geworden. Man sieht es ihr nicht legen, sauber zu bleiben; das Unumgängliche, indem sie gerade darauf los geht und dert. Die Mutter nimmt das Kind nämlich Kind sie an diesem Vergnügen nicht hin- an. Im Gegenteil. Sie ist noch scharmanter, womöglich noch jünger, als sie war. den Stier bei den Hörnern packt; das Unaufschiebbare ohne Aufschub; das Unanlingsheim, das zum Kino gehört, wo i—5 mit und lässt den «Junior» in dem Säug- Als sie 1844 erschien, entzückte sie Paris; heute, um zehn Jahre gealtert, entzückt sie genehmste, indem sie die Augen zudrückt Nurses auf die Kinder aufpassen und den die ganze kultivierte Welt. Ihre Frische, und sich auf sich verlässt, dass in ihrer Kleinen die schönsten Spielzeuge zur Verfügung stehen. Die Mutter bekommt eine ihre turnerische Elastizität, ihre mädchenhafte Anmut, ihre reizende Unentschlossen- muss, unangenehm zu sein. Sie handelt Nummer, wie das auch in der Kleider- Atmosphäre auch Unangenehmes aufhören heit zwischen der Mode von gestern und der mit Besonnenheit, aber ohne Programm: garderobe geschieht. Yes! von morgen, zwischen schlank und voll, sie kann sich eben auf sich und auf ihr Am Schluss der Vorstellung ist es freilich etwas schwieriger, denn Hut und Man- zwischen sehr blond und fast brünett, geben« ihr jene labile Souveränität, der sich kommt es doch mehr auf das Wie als auf tel lassen sich friedlich mitnehmen, aber dem - Moment - Gewachsensein verlassen; auch heute noch, in unserer armen Zeit der das Was, auf das Wer mehr als auf das das Kind kann man nur mit den schönsten abgedankten Galanterie, kein Widerspenstiger entziehen kann. Das weiss sie, wenn entzückender, als bei der reif gewordenen um soll es sich auch vom Ringelspiel, vom Wie an. Das Wer aber ist bei niemandem Versprechungen nach Hause locken. War- auch die Kluge es manchmal für klug findet, es sich nicht merken zu lassen. Alles So viel die reife Frau auch zu tun hat in dern trennen, warum denn? Frau. Gummikrokodil und von den anderen Kin- weiss sie. Nur eines weiss sie nicht: dass der Welt, in der kleinen des Hauses und Die grossen Kaufhäuser verfügen alle der süsseste ihrer Reize ihre Reife ist. der Familie, in der grösseren der Gesellschaft, in der grossen der Arbeit und des jungen Mütter können sich stundenlang über «nurseries» (Kinder-*Ablagen»). Die Es gibt viel mehr Frauen von vierzig Jahren, als die Statistik bewilligt. Wir Bernfes: sie wird immer noch Zeit übrig behalten für den Mann. Im Grunde ist sie grauen oder einen grünen Hut kaufen sol- den Kopf darüber zerbrechen, ob sie einen glauben es ihnen. Wir sind keine Personalstandsregister. Wir glauben jeder Frau, die einzige die ihn versteht, und sieht in len, ihr Kind ist in der «nursery» gut versorgt. Wenn John oder Mary ihre Mutter die nicht mehr dreissig ist, unbesehen — diesem Verständnis, wenn sie noch so viele und besehen, dass sie erst vierzig ist. Mögen die Frauen einander die Jahre nachruf und ihre Lieblingsaufgabe. Jede reif Lautsprecher: «Die kleine Mary Smith Berufe und Aufgaben hat, ihren Hauptbe- persönlich zu sprechen wünschen, ruft ein zählen! Uns bedeuten sie nicht viel. Als gewordene Frau. Sie versteht ihn meist wünscht ihre Mutter!» die schönste Jugend gilt uns die ewige. Sie besser als er sie, sei es, dass an ihm mehr Die Mutti erledigt Mary und gehört dann rückt die reife Frau in die Nähe der Götter. zu verstehen, sei es, dass sie unverständlicher ist. Manchmal lächelt sie auch über tag vergeht mit glücklichem Probieren. wieder dem Hut, der Mode. Der Nachmit- Und wir sind so dankbar, wenn wir anbeten können. Nicht alle, aber die Besten, die ihn. Wenn reife Frauen zu zweit sind, lächeln sie gewiss über den Mann. Lassen macht, gerade so viel beschäftigt es seinen So wenig Arbeit das Kind der Mutter Kultiviertesten und die Männlichsten unter uns. Immer noch. wir es dahingestellt, ob dieses sehr überlegene Lächeln nicht das Bewusstsein eines gehört dem Kinde. Er badet das Kind am Vater. Sein Weekend und jede freie Stunde Gott sei Dank! es gibt sie noch, die Dame; und die Welt wäre ärmer, wenn es sie nicht unentrinnbaren Unterliegens versteckt. Jedenfalls verstehen sie es, die beste Miene Mutter geht vergnügt daneben und unter- Abend, und er fährt es auf der Strasse. Die gäbe. Alle Schwierigkeiten der Zeit haben ihr nicht viel anhaben können, ihr vielleicht zum gefährlichen Spiel zu machen, Vor der hält sich lustig mit dem «boy-friend». am wenigsten von allen, obwohl sie ihr vielleicht die stärksten Opfer, die empfindlich- nichts Lieberes geschehen, als dass ihr der 4 Uhr nachmittags vom Unterricht. In der Freundin. In Wirklichkeit aber kann ihr Das amerikanische Schulkind kommt um sten Resignationen auferlegten. «Es sich Mann sein Leben und sein Werk in die weichen, zärtlichen Hände legt, es zu betreuen auch die Bücher und alles andere umsonst. Schule isst es unentgeltlich; es bekommt nicht merken lassen» ist ein geheimes Gesetz der Damenhaftigkeit; und diese grosse und zu behüten wie eine Mutter ihr Kind. Es wählt selbst sein Menü, nur Grüngemüse und Butter gehören zum Pflichtessen. Kunst gehört zur Dame und ist für sie charakteristischer als die grosse Eleganz, die geschehen. Das Menü ist so zusammengestellt, dass die Und kann auch dem Mann nichts Besseres allerdings auch zu ihr gehört und die weniger eine Sache des Geldes als der natür- und so klug wie die reife Frau; und das cream» — Traum der Kinder — ist jeden Das kann niemand so gut, so sorgsam 4—5 Gänge gleichen Nährwert haben. «Icelichen Haltung, der Selbstbeherrschung, war wohl ihre Aufgabe von der späteren Tag zu bekommen. Die Amerikaner sind des Wissens um sich, des sicheren Taktes, Eva her. (Zur Zeit der Apfelgeschichte darauf gekommen, dass sie grossen Nährwert hat. Warum sollen sich die Kinder der Kultur ist. war Eva eben noch nicht reif genug.) Ist Kultur eine Frage des Geldes? Fast Unsere reife Freundin nimmt ihr Amt nicht freuen? hätte ich gesagt: im Gegenteil. Niemand auch sehr ernst. Sie nimmt alles, was sie Der amerikanische Verkehrspolizist hält steht ihr in Selbstverständlichkeit näher als anpackt, sehr ernst. Und doch gibt es in den Verkehr auf der Strasse an; für überfüllte Autobusse, Motorräder, lärmende die Dame, gleichviel, ob auf dem Wege über dieser ernsten Zeit niemand, der so amüsant sein kann wie die reife Frau. alte Wagen und lautlos gleitende Limou- den wissenden Geschmack oder die Zuverlässigkeit des Fingerspitzengefühls. Der Behalte ihr der Himmel möglichst lange sinen heisst es: stop! — wenn seine Majestät das Kind über den Fahrdamm will. Mann schafft Kultur, die Dame ist Kultur, ihre vierzig Jahre! ist ihr erfreulichstes Produkt, ist wie ein M. F. äusserst empfindlicher Präzisionsapparat, der ihre leisesten Schwingungen anzeigt. Modische Splitter Es liegt nicht an der Situation: die wirkliche Dame ist immer Dame und sieht in Der sog. «Overslip» ist ein Nachkomme Der « OversÜD ». jeder Situation wie eine Dame aus. Je mehr des kindlichen Trägerrockes. Genau wie dieser entspringt er wirtschaftlich praktischer Situation, um so endgültiger erledigt sich die alte Legende vom müssigen Luxusgeschöpf, das nicht säte und nicht erntete und Art zu verbinden, dass der Eindruck eines Erwägung, Bluse und Rock auf eine hübsche aufwuchs wie die Lilien auf dem Felde, die ganzen Kleides erreicht wird. Der «Overslip » ist eine Art rückenloser Weste, ein Latz, sich vom Manne kleiden lassen. Die Dame arbeitet, die Dame erwirbt, die Dame leidet der hinten am Hals geknöpft wird. Durch Not, die Dame verkauft ihren Schmuck — den Wechsel der Bluse ist eine nette Veränderung des Anzugs möglich und die Bluse tut nichts: sie bleibt Dame, und sie bleibt, in des Wortes edelstem Sinne, elegant, von kommt doch voll zur Geltung. Man verbindet jener Eleganz, die nicht Eigentum, sondern gern einen dunklen Rock mit einer gestreiften oder karierten Bluse, einen wollenen mit Eigenschaft ist, die man hat und die einem nichts mehr nehmen kann. einer hellen Seidenbluse. Vielleicht hat auch Das verstehen reife Frauen so wundervoll: mit den Schwierigkeiten des Lebens regung zu dieser Mode gegeben. Die Rücken- der rückenfreie Strand- und Badeanzug An- fertig zu werden. Das Praktische beschmutzt sie nicht. Männer können das nie len wir wenigstens den Blusenrücken zeigen. freiheit ist uns beschränkt worden, also wol- so gut und schwanken immer zwischen zwei Natürlich sind schon die verschiedensten Variationen von « Overslips » entstanden. Der Alternativen: Notwendigkeit und Prinzip, Handeln und Geist. Für die reife Frau gibt eine ist ganz schmal und lässt viel von der es diese Problemstellung nicht; sie tut ganz Bluse sehen, der andere wirkt mehr wie ein einfach, was sie muss; der Geist kommt breiter Einsatz. Mancher hat vorn noch ein dabei schon nicht zu kurz, und um das kleines Schösschen, von dem der Rockgürtel Prinzip kümmert sie sich schon nicht allüuviel Und sie tut es auf ihre Weise: leise, erhöht, und schmale Teile gehen bis zum ausgeht. Manchmal ist dieser miederartig Hals Der beliebte Gummistiefel fQr Automobilisten und Chauffeure Preis Fr. 19 50 Hohe Hüftstlefel mit Anschnallriemen zu Fr. 23 50 Webrödenjtf eonaes dem.. V AO Versand gegen Seine Majestät, das amerikanische Kind Das Kind ist neben der Frau und dem Dollar der grösste Tyrann des amerikanischen Mannes. > Mag das «Yankee-Baby» noch so engelhaft sanft aussehen auf den Reklamen für kondensierte Milch, Lutschern und Windeln, in der Wirklichkeit ist es selbstbewusst und wenig schüchtern. Sein erstes Wort ist «no>. Nach Jahren erst kommt das «Yes» dazu. Von allen Kindern der Erde weint das amerikanische am wenigsten. Erstens verbietet ihm das sein Stolz, zweitens wird es hygienisch erzogen. Den Eltern macht «sonny-boy> nicht viel Arbeit. Wenn es in der Kleinstadt geboren ist oder in einer stillen Strasse der Grossstadt auf die Welt kam, schiebt man seinen Wagen einfach vor das Haus; man stellt die Milchflasche daneben, und wenn das Kind anfängt zu weinen, gibt ihm der erste beste Fussgänger zu trinken. «Danke», schreit die Mutter vom 14. Stock hinunter und verrichtet weiter ihre Hausarbeit womöglich neben Grammophonmusik. Yes! CALORA A.G. Küsnacht-Züridv Fabrik elektrischer Apparate \%%**ViwW Heizkissen "^.xv^ll Ll Teppiche Bettwärmer etc. etc. nicht radiostörend Auf Autoausflüge und sonstige Reisen verzichten die amerikanischen Eltern wegen ihrer Säuglinge auf keinen Fall. Dazu fehlt ihnen auch jeder Grund. «Sonny-boy» hat seinen wunderbaren Platz im Auto, in der Eisenbahn, in dem Netz, das man dort wiRtcm. ZÜRiCM I f)FWFN