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E_1933_Zeitung_Nr.019

E_1933_Zeitung_Nr.019

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 7. März 1933 I.Salon-Nummer Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N« 19 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtüche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Zum Salon 1933 Kommenden Freitag öffnet der internationale Automobil-Salon in Genf wiederum seine Tore und das Automobil wird neuerdings für zehn Tage das Gepräge dieser Stadt beherrschen. Die Ausstellung feiert dieses Jahr ein erstes Jubiläum, da sie in der' jetzigen Form und Aufmachung nun zum zehnten Male zur Durchführung gelangt. Freilich reichen, wie aus dem folgenden geschichtlichen Rückblick zu ersehen ist, die Anfänge wesentlich •weiter zurück und sind fast so alt, wie das Automobil selbst. Unser Blatt darf sich rühmen, die gesamte Entwicklung miterlebt und verfolgt zu haben, und wenn man heute in unseren ersten Jahrgängen blättert, so glaubt man sich um wenigstens ein Jahrhundert zurückversetzt. Und doch ist es noch nicht einmal vier Dezennien, seitdem das erste Motorfahrzeug in der Schweiz, und zwar gerade in Genf, das deshalb mit Recht als Wiege unseres nationalen Automobilwesens bezeichnet werden darf, seine ersten schüchternen Gehversuche machte. Die Menge wusste damals nicht, sollte sie lachen oder staunen, denn man hielt dieses Vehikel mehr für eine Erfinderschrulle als für ein Transportmittel, dem später noch ernstliche Bedeutung zukommen könnte. Der Salon mahnt uns eindringlich an die beispiellose Entwicklung, die das Motorfahrzeug in so kurzer Zeit zurücklegte und belegt auch den stattlichen und wertvollen Fortschritt, den das Automobil in unserem Lande erzielt hat, obwohl ihm dies von Bevölkerung und Behörde wahrlich nicht leicht gemacht wurde. Wir haben es der unermüdlichen und mutigen Privatinitiative zu verdanken, wenn sich aus den bescheidenen Anfängen ein Automobilismus und eine Automobilwirtschaft entwickelt haben, die im Rahmen unseres nationalen Erwerbslebens und auch in bezug auf die Bedeutung für den Staat selbst mit in vorderste Stellung gerückt sind. Die Wirtschaft hat ein schweres Jahr hinter sich, das natürlich auch nicht am Automobilwesen spurlos vorübergegangen ist. Hätten wir uns nur mit den Schwierigkeiten der F E U I E L E L E T O N Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (22. Fortsetzung) Ich habe mir nämlich in Ihrer Abwesenheit die Freiheit genommen, etwas zu tun, was Ihre Rückkehr ein wenig erschweren dürfte. Ich habe die ganze Strasse über den Sommer vermietet. Leider habe ich keine Zeit, auf Einzelheiten einzugehen, ich begnüge mich damit, folgendes zu berichten: An Miete für die Strasse sind 500 Pfund eingegangen; diese, nebst weiteren 200 Pfund, die ich als Ersatz bezahle, weil ich ohne Ihre Zustimmung gehandelt habe, stehen telegraphisch zu Ihrer Verfügung, wenn Sie mich, ebenfalls telegraphisch, wissen lassen, dass Sie mein Angebot akzeptieren und in Schweden bleiben. Tun Sie das nicht, so müssten Sie, fürchte ich, sofort kommen, um die Strasse bis zu Mr. Smedleys Heimkehr in Ordnung zu bringen. Sie hat es nötig. Ich sehe Drahtantwort entgegen und verbleibe Ihr Freund Professor Pelotard. P. S. Seien Sie beruhigt, Mr. Smedley kann Sie nie finden, er wird Sie ja in Norwegen suchen.» So las Mr. Johnson im Verlaufe von zwanzig Minuten zehnmal hintereinander; seine kleinen blauen Aeuglein waren starr vor Staunen, und seine knochigen Finger hielten den Brief so vorsichtig ausgespreizt, als wäre er der -Vorhang zum Mysterium der Mysterien. Was er dachte, als er endlich denken konnte, damit brauchen wir uns nicht zu be- Konjunktur auseinanderzusetzen, so wären diese noch leichter zu überwinden. Dazu kommen aber die vielen Hemmnisse fiskalischer und legislativer Art, die dem einschlägigen Handel und der dazugehörigen Industrie und Gewerbe die Hände binden. Trotzdem hat der Automobilismus auch im abgelaufenen Jahre weitere Fortschritte in unserem Lande gemacht, und die Industrie von acht verschiedenen Ländern wird am Salon in Genf zeigen, was schöpferische Kraft und unbeugsamer Wille der Technik selbst unter dem Drucke der Krisenzeit zu schaffen imstande waren. Der Jubiläums-Salon hat durch die Vertretung der Marken von acht verschiedenen Staaten seine Internationalität vollauf gewahrt, und die Tatsache, dass insgesamt 56 verschiedene Fabrikate allein aus der Branche des Personenautomobils vertreten sind, zeigt, dass die moderne Verkehrswirtschaft alle Anstrengungen macht, sich nicht unterkriegen zu lassen. Zwar haben bereits die grössten Ausstellungen des Kontinents, die Salons von Paris, London und Berlin, einen vorzüglichen Ueberblick von den Modellen der neuen Saison geliefert. Allein die Schweiz ist an diesen Veranstaltungen nur durch einen kleinen Teil ihrer Händlerschaft vertreten, von Käuferschaft gar nicht zu reden, so dass unsere nationale Ausstellung durch ihre gros« sen Schwestern weder verdrängt noch beeinträchtigt wird. Im Gegenteil kann sich Genf rühmen, gerade unter den Erzeugnissen Amerikas manche Typen zum ersten Male auf europäischem Boden der Oeffentlichkeit präsentieren zu können, da viele amerikanische Fabriken mit ihrer neuen Jahresproduktion im März gerade so weit sind, um die ersten Modelle nach Europa zu liefern, die gewöhnlich ihren Weg zuerst nach Genf in die Hallen der Ausstellung nehmen. Der Salon bedeutet gerade in der heutigen Zeit für die Teilnehmer eine bedeutende Belastung, gar ein Wagnis, und ist es um so verdienstvoller, dass sich Industrie und Handel die Beschickung so angelegen sein liesssen. Kaufsinteressenten und ein weiteres fassen, und was er sagte, als er endlich sprechen konnte, können wir grösstenteils nicht drucken. Denn Mr. Johnson war ein Tartuffe, wie seine Rasse im allgemeinen, und stellte sich tief verunrechtet vom Professor, während er tatsächlich vor Freude im siebenten Himmel war: 500 + 200 = 700, 400 hatte er in den treuen Diensten vieler Jahre zurückgelegt, macht also 1100 Pfund: Mr. Johnson war der reichste Mann in Dackemala. In seinem Innern segnete er den Professor, und nur beschattet von der Frage, wieviel wohl dieser selbst bei der Sache verdiente, beeilte sich Mr. Johnson, das folgende Telegramm abzusenden: «Professor Pelotard, Poste restante, Chief Post Office, London. Akzeptiert. Johnson.» Mit einer ruhigen, hellen Zukunft vor sich, verschwindet Mr. Johnson aus dieser Erzählung. Anstatt dessen wird die Szene in den Schwarzwald verlegt. Zwei bestaubte Herren sitzen vor einem kleinen Wirtshaus. Auf dem Tische vor sich haben sie Eier und Schinken, Bier und Käse. In den Händen halten sie* alte Nummern englischer Zeitungen, die sie um die Wette mit dem Essen verschlingen. Endlich sind Zeitungen und Essen erledigt; zwei Pfeifen werden angezündet, und die beiden Fusswanderer lehnen sich müde zurück, die Hände hinter dem- Kopf verschränkt. Der eine davon ist rothaarig; während er schläfrig über die Waldlandschaft hinblickt, murmelt er: «Feines Land, das hier, Cane. Anders als London um die Zeit. Wie können's Leute in London aushalten, Cane?» «Tja,» murmelte der andere zwischen zwei Rauchwolken. Publikum, aber auch die staatlichen Instanzen werden sich an Hand der Genfer Schau von der Vitalität des Automobilwesens und dem hohen Stand seiner Technik überzeugen können. Der Kleinwagen wird mit im Vordergrund des Interesses stehen, denn die drükkenden Steuern und Abgaben veranlassen die Käuferschaft und damit die Produzenten, mit ihren Mitteln möglichst haushälterisch umzugehen. Die den bestehenden Verkehrsverhältnissen nicht gerecht werdende Steuerformel hat zur Verkleinerung der Zylinderinhalte und damit zur Leistungssteigerung der Motoren gezwungen. Der unheilsame Einfluss, den der Fiskus durch seine willkürlichen Steuerformeln auf den Automobilbau nahm, hat also wenigstens in bezug auf die Motorentechnik auch seine guten Seiten gehabt. Es regen sich aber mit Recht in vielen Ländern in vermehrtem Masse die Stimmen, welche eine Besteuerung nach dem Verbrauch, nach Massgabe der Strassenbenützung verlangen und man wird mit der Zeit auch in der Schweiz diesen Postulaten Rechnung tragen müssen. Auch die Zubehörindustrie ist durch die Gesetzgebung teilweise in enge Bahnen gelenkt worden, und gerade mit Rücksicht auf die neue Vollzugsverordnung können die dieses Jahr ausgestellten Zubehöre besonderen Anspruch auf Interesse machen. So harren der Ausstellung die mannigfachsten Aufgaben, denen sie gewiss wie in all den Vorjahren gerecht werden wird. Möge der Salon all die Erwartungen erfüllen, die auf ihn gesetzt werden und sich seiner Rolle als Jubiläums-Salon würdig erweisen! b. Der Genfer Salon im Spiegel seiner Geschichte. Die kurze Dauer unserer grössten und seit 1923 alljährlich wiederholten Genfer Automobil-Ausstellung bringt es mit sich, dass vor jeder Ausstellung erneut grosse Organisationsanstrengungen und Propagandamassnahmen ins Werk gesetzt werden müssen, damit die zehn Tage Oeffnungszeit voll ausgenützt werden. Die Besucherzahl, das finanzielle Ergebnis und die während des Salons und nachher getätigten Abschlüsse der Aussteller sind jeweilen die äusseren Kriterien für den Erfolg der Veranstaltung. Aber auch Nach einigen Minuten wirft er einen Blick auf den Tisch, auf dem die Zeitungen herumliegen, und sagt matt: «Da scheint doch jemand zu sein, dem London im Sommer gefällt. Hast du diese Annonce gesehen, Kenyon?» «Nein, was denn?» Kenyon hat die Sportmütze tief über die Augen gezogen und scheint auf dem Wege einzuschlafen. «Verteufelt lange Annonce,» sagt sein Freund Cane. «,Der Sommer in London — warum nicht?' beginnt sie mit gesperrtem Druck. London im Sommer ist die Stadt der britischen Aristokratie bis zu Mitte Juli; die Stadt der Kunst und Wissenschaft immer; London im Sommer ist das Eldorado der vergnügungssuchenden Provinz. London im Sommer ist die rechte Stadt für Sie, wenn Sie die rechte Wohnung finden! — Was verlangen Sie von Ihrer Wohnung? Dass sie bequem ist, dass sie zentral liegt, dass sie billig ist! Diese Bedingungen werden von Hunderten von Wohnungen erfüllt. Aber wenn Sie der sind, den wir mit unserer Annonce erreichen wollen, verlangen Sie ausserdem, dass sie kühl und schön liegt, dass Sie von dem Lärm und dem Qualm der grossen Verkehrsadern verschont sind, aber dabei alle Vorteile ihrer Nähe geniessen. All dies, Bequemlichkeit, massiger Preis und schöne, zentrale Lage finden Sie in den sechs luxuriösen Privathäusern, die dem Publikum von Professor Pelotards Ferienagentur zur Verfügung gestellt werden.» Kenyon unterbrach seinen Freund plötzlich in seiner ironischen Vorlesung. «Wie sagtest du? Pelotard?» «Ja, Pelotard.» «Hm. Den kenne ich. Was kann sich der INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland 60 Gt». Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern In dieser Nummer veröffentlichen wir die vollständige Ausstellerliste des Salons auf den Seiten 13 bis 17. innere Kriterien —die jedoch nicht statistisch feststellbar sind — liegen jedesmal vor. Wir denken an die allgemeinen Propagandawirkungen für den Automobilverkehr und den Automobilismus überhaupt. Jahr für Jahr wird in den Zeitungen — im Text- wie im Inseratenteil —, im Rundfunk, an den Plakatsäulen und in den Tagesgesprächen über das Automobil berichtet. Seine Fortschritte werden in das Volksbewusstsein eingehämmert. Die alljährliche Wiederholung der Ausstellung in den letzten neun Jahren vereinigt besondere Vorteile in sich, die wir nur gebührend ermessen können, wenn wir in der Geschichte des Salons einige Seiten zurückblättern und uns vor Augen führen, wie gross die Anstrengungen der Initianten der ersten Ausstellungen in den Jahren 1905 bis 1907 waren, und dann wieder die Bemühungen für die Wiederholung der Ausstellungen in den Jahren kurz vor dem Weltkriege und einige Jahre nachher. Wir lassen, ohne auf Vollständigkeit zu halten, einige Entwicklungsphasen an unserem geistigen Auge vorüberziehen: Der erste, wohl etwas monströse Automobil- «Wagen» durchzog im Jahre 1896 die Stressen Genfs, erregte Aufsehen und veranlasste die Einsichtigeren sich mit dem Problem der Fortbewegung auf der Landstrasse näher zu befassen. Es vergingen einige Jahre, bis sich das Automobil «einlebte». 1905 rief die^ Chambre syndicale de l'automobilisme den «1. Schweizerischen Salon des Automobils und des Fahrrads» ins Leben und zog 59 Aussteller zu einer kurzen Schau in der Rhonestadt. Als Ausstellungshalle diente das Bätiment Electoral. Auch die zweite Ausstellung im Jahre 1906 war exklusiv schweizerisch und fand gleichenorts statt. 103 Aussteller teilten sich in die Stände des Bätiment Electoral. 1907 verneigten sich die Organisatoren vor dem eidgenössischen Föderalismus und verlegten den 3. Salon in die Tonhalle Zürich. Obschon die Schweiz auch eigene Automobil- wieder ausgedacht haben? Gerissener Hund! Habe ich dir nicht von den Zerstreuten erzählt? Ja, gewiss, dann kennst du ihn doch. Sechs luxuriöse Privathäuser — steht noch etwas drin?» «Ach so, ist das dieser Schurke,» sagte Mr. Cane. «Nein, sonst steht nichts da.» Kenyon hatte schon begonnen, wieder in sein wohliges Hinduseln zu versinken, als er plötzlich von einem Indianergeheul und dem Aufschlagen eines Stuhles, der umgeworfen wurde, erwachte. Er sah rasch auf; Mr. Cane hatte den Stuhl zurückgeschleudert und sprang nun mit der Zeitung in der Hand laut brüllend vor ihm hin und her. «Um Himmels willen, was ist dir?» rief Kenyon erschrocken. «Hast du den Sonnenstich?» «Sonnenstich? Sonnenstich... Kenyon, hast du je von Druckfehlern in englischen Annoncen gehört?» «Selten, sehr selten... was...» «Gibt es in London noch eine Strasse, die Bradford Mansions heisst?» «Nein, soviel mir bekannt ist, nein, es gibt bestimmt keine ... aber was in...» «Willst du dir diese Annonce ansehen? Ist das möglich? Ist das möglich? Bin ich verrückt? Weisst du, wo er wohnt und was das für Häuser sind, die er vermietet? Lies, lies, lies doch, dann wirst du schon sehen!» Kenyon nahm die Zeitung und starrte den Punkt an, auf den sein kleiner cholerischer Freund die Hand hielt. Es waren die zwei letzten Zeilen der Annonce, die er eben vorgelesen hatte, und sie lauteten: Man wende sich an Professor Pelotard, Kontor für den Sommer in Bradford Mansions 5, London W. Die Häuser der Agentur, die in derselben