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E_1933_Zeitung_Nr.024

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 jedoch nicht, wie bisher meist üblich, durch ein Brennstoff-Oel-Gemisch zustande kommt, sondern durch eine besondere Oelpumpe sichergestellt wird. Der Auflagedruck, der im vorliegenden Fall auf 0,7 Atmosphären und 0,7 kg/cm 2 normal einreguliert wurde, lässt sich natürlich auf Wunsch leicht auch höher oder niedriger einstellen. Abgesehen von der Grosse des Kompressors hängt er in einem weiten Tourenbereich nur von der Elastizitäts-Charakteristik der dem Regulierschieber entgegenwirkenden Spiralfeder ab. m. Ted» 9D» eck Frage 8611. Demontage festsitzender Hinterräder, loh bringe die hintern Räder meines Lastwagens nicht mehr ab. Mit dem Radabzieher habe ich das Gewinde beschädigt Die Räder sitzen sehr wahrscheinlich infolge Ffostes so fest auf der Achse. Dürfte man eventuell die Achse mit der Lötlampe ein wenig erwärmen? Was kann ioh machen, um solches in Zukunft zu vermeiden? W. H. in B. Antwort: Wenn die Räder, wie üblich, konisch auf den Enden der Differentialwellen aufgesogen und gegen Verdrehung durch Keile gesichert sind, sich jedoch auch bei Anwendung eines RaJabziehers nicht lösen lassen, so führt vielleicht eine leichte Erwärmung der N'abe zum Ziel. Keinesfalls darf die Welle erwärmt werden. Abgesehen davon, dass eine solche Erwärmung der Welle vielleicht deren Festigkeitseigenschaften in verhängnisvoller Weise verändern könnte, würde sie dem gewünschten Zweck gerade entgegenwirken. Die Welle würde sich In der Nabo ausdehnen und damit noch stärker festklemmen. Wird dagegen die Nabe erwärmt, so hat die auftretende Ausdehnung vielleicht eine genügende Lockerung zur Folge, um ein Abziehen der Nabe zu ermöglichen. Beim Vorhandensein von Rost zwischen der Welle und der Nabe ist dieser vor allem durch reichliches Bepinseln der Fugen mit Petrol, Lubarit oder einem ähnlichen rostlösenden Stoff aufzuweichen. Das Lösungsmittel muss eventuell einige Stunden lang wirken können. Da es aber auch möglich ist, dass die Naben noch durch zusätzliche Befestigungen festgehalten werden, empfiehlt es sich, auf alle Fälle noch bei einer Vertretung des Wagens diesbezügliche Informationen einzuholen. at. Frage 8612. Batterie und Amperemeter. Seit einiger Zeit bemerke ich an meinem Wagen, Modell 1932, dass das Amperemeter zu Beginn einer Fahrt regelmässig 12—15 Ampereladung anzeigt, nach einiger Zeit, d. h. zirka nach 10—20 km Fahrt, aber plötzlich einige unregelmässigo Ausschläge macht und dann auf Null stehen bleibt, ohne Entladung anzuzeigen. Wenn ich den Wagen dann anhalte und nach einiger Zeit wieder in Gang setze, so eteigt das Amperemeter wieder eine Zeitlang, bis nach einigen Kilometern von neuem der erwähnte Zustand eintritt. Ich hahe beobachtet, dass wenn ein grösserer Stromverbrauch (z. B. bei Nachtfahrten) zu verzeichnen war, es entsprechend länger geht, bzw. ich vielleicht etwa 30—40 km fahren kann (während welcher Zeit das Amperemeter regehnässig Ladung anzeigt) bis die Ladung wieder aussetzt. Die Batterie funktioniert tadellos und wurde immer mit Schonung behandelt. Ich habe noch nie irgendwelche Zeichen von Entladung beobachtet. Ich wiederhole, dass das Amperemeter zu Beginn jeder Fahrt regelmässig Ladung anzeigt. Kann mir jemand die Ursache dieses sonderbaren Zustandes angeben? Ich dachte schon an einen Defekt des Generators oder von Kabelanschlüssen etc. Doch scheint mir dies ausgeschlossen, da ja zu Beginn jeder Fahrt normal Strom erzeugt wild. E. F in 0. Antwort: Ohne nähere Angaben über die ^Vagenmarke oder das Beleuchtungssystera ist uns eine direkte Beantwortung Ihrer Frage unmöglich. So wie Sie ihn beschreiben, scheint der Ladevorgang allerdings den Anforderungen gut zu entsprechen, um so mehr, als der Ladezustand der Batterie ja bis jetzt keinen Anlass zu Klagen gegeben hat. Beim Anlassen mit spannungsregulierender Dynamo ist ganz allgemein der Ladestrom zu Beginn der Ladung stärker und nimmt dann nach und nach in dem Masse, wie die Batteriespannung steigt, ab. Bei geeigneter Einstellung des Spannungsreglers Hesse sich erreichen, dass überhaupt kein Ladestrom mehr fliesst, wenn die Batterie einmal voll aufgeladen ist. Dass Ihrer Beobachtung gemäss nach jedem neuen Inbetriebsetzen des Motors das Amperemeter eine Zeitlang Ladung anzeigt, auch wenn es vor dem Abstellen des Motors keinen Ladestrom mehr registriert, lässt sich dadurch erklären, dass beim Anlassen des Motors durch den Anlasser wieder eine teilweise Entladung der Batterie stattfindet. at. |u»f*t. Sp» II. Antwort auf Anfrage 245. Umfang der Haftpflicht nach dem neuen Automobilgesetz. In Nr. 15 ist diese Anfrage nicht in allen Teilen beantwortet worden, weshalb wir nachstehend nochmals auf dieselbe zurückkommen möchten: a) Haftpflichtversicherung: Die Versicherung deckt bis zu den vereinbarten Höchstbeträgen die zivilrechtlichen Schadenersatzansprüche, die gegen den Halter auf Grund der gesetzlichen Haftpflichtbestimmungen von Dritten einscbJiesslich mitfahrenden Personen erhoben werden. Die Versicherung erstrockt sich auch auf die persönliche Haftpflicht jedes Lenkers, ausgenommen Fälle, in welchen das Fahrzeug ohne Verschulden des Halters von einem Dritten eigenmächtig verwendet wird. Nachdem also die persönliche Haftpflicht des Chauffeurs eingeschlossen ist, ist eine spezielle Haftpflichtversicherung für den Chauffeur nicht notwendig. Wir können übrigens nicht begreifen dass überhaupt eine Versicherungsgesellschaft eine solche Sozialversicherung für den Chauffeur abgeschlossen hat, denn schon nach den alten Versicherungsbedingungen war die persönliche Haftpflicht des Chauffeurs ohne weiteres in die Police eingeschlossen. Von der Haftpflichtversicherung ausgeschlossen sind Ansprüche des Ehegatten des Halters sowie seiner Blutsverwandten in aufsteigender und absteigender Linie, ferner Ansprüche des Ehegatten und der vorerwähnten Blutsverwandten des Lenkers des Fahrzeuges gegen diesen selbst, sofern der Lenker eine vom Halter verschiedene Person ist. Vorbehalten bleiben natürlich Ansprüche gegen den Halter, sofern diese berechtigt sind. Da nun aber in der Regel Ehegatten oder Blutsverwandte des Lenkers unentgeltlich befördert werden, d. h. wenn dem HaJter kein Entgelt entrichtet wird, kann der Richter in diesen Fällen die Entschädigung ermässigen oder ausschliessen, wenn den Halter kein Verschulden trifft. Weil Ansprüche von Verwandten des Lenkers gegen diesen persönlich nun aber von der Versicherung ausgeschlossen sind, bekämen solche Geschädigte keine oder nur eine reduzierte Entschädigung. Bedingung ist natürlich, dass den Halter kein Verschulden trifft, weshalb die praktische Auswirkung wieder von der Interpretation des Versehuldensbegriffes abhängig ist Wir wollen mit Vorstehendem nur sagen dass auch Verwandte des Lenkers nicht in allen Fällen voll durch die Vereucherung gedeckt sind b) Unfallversicherung des Chauffeurs: In diesem Fall handelt es sich um einen Autobetrieb, in welchem der Chauffeur gemäss KUVG. durch die SUVA. (Schweiz. Unfallversicherungsanstalt) obligatorisch versichert ist. Transportbetriebe sind unterstellungspflichtig und bleibt deshalb diese Unfallversicherung für Betriebsunfälle und normale Nichtbetriebsunfälle (Nichtbetriebsunfälle beim Autofahren sind durch die SUVA seit 1. Januar 1932 nicht mehr gedeckt) trotz dem neuen Automobilgesetz bestehen. Es sei ausdrücklich bemerkt, dass die Frage, ob derjenige^der das Fahrzeug mit Ermächtigung des Halters lonkt und dabei selbst verletzt wird, gegenüber dem Halter anspruchsberechtigt wird (gemäss Art. 37, Abs. 1 Autom.-Ges.) bzw. durch die Haftpflichtversicherung als gedeckt gilt, umstritten ist. (Siehe Komm. Badertscher.) Die Praxis wird hier Aufklärung schaffen. c) Insassenversicherung: Die Auffassung, dass mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes eine Insassenversicherung nicht mehr notwendig sei, ist falsch. Die Ehegatten und Blutsverwandten in auf- und absteigender Linie des H 4 alters, wie auch in gewissen Fällen des Lenkers — also gerade die Personen, welche das Auto am meisten benützen — sind von der Haftpflichtversicherung ausgeschlossen. Ferner gibt es Schäden, bei denen auch nach dem neuen Gesetz keine Haftpflichtdeckung gewährt werden muss; dies ist der Fall, wenn der Schaden zurückzuführen ist auf: 1. Höhere Gewalt; 2. grobes Verschulden des Geschädigten selbst; 3. grobes Verschulden eines Dritten; 4. bei Gefälligkeitsfahrten (Ermässigung oder Ausschluss). Bezüglich der Frage, wer als Verwandte gelte im Sinne von Art. 48, Abs. 3 AG., wenn der Wagen mehreren Nachbarn zusammen gehört, also der Wagen gemeinsam angeschafft und der Unterhalt gemeinsam getragen wird, sei bemerkt, dass in einem sojehon Fall Gesamthaltersehaft angenommen werden muss, was zur Folge hat, dass solidarisch gehaftet wird. In einem solchen Falle deckt die Versicherung Ansprüche von Ehegatten und Blutsverwandten in auf- und absteigender Linie aller Miteigentümer des Wagens nicht. scher.) (Komm. Badert- 0. F., St.G. N°24 MI. Antwort zu Anfrage 247. Insassen-Versicherung. Im juristischen Sprechsaal Ihrer Revue (Nr. 15 und 17) wurde zur Insassenversicherung Stellung genommen und dabei betont, dass eine Insassenveraicherung nur noch für den Halter persönlich, sowie für dessen Ehegatten und Blutsverwandte in auf- und absteigender Linie nötig sei. Es ist sicherlich zutreffend, dass für diese Personen in allererster Linie ein Bedürfnis nach Insassenversicherung besteht Daneben aber ist die Versicherung für andere Fahrzeuginsassen doch nicht ganz überflüssig. Die volle Insassenversicherung, welche fremde Personen und Familienangehörige umfasst, kann in zwei verschiedenen Formen abgeschlossen werden: a) entweder als selbständige Unfallversicherung, deren Entschädigungen neben allfälligen Haftpflichtentschädigungen und unabhängig von diesen ausgerichtet werden, oder b) gegen entsprechende Prämienreduktion unter der Vereinbarung, dass die Leistungen aus der Insassenversicherung in erster Linie zur Deckung allfälliger Haftpflichtansprücho zu verwenden sind, d. h., dass sie nur insoweit zur Auszahlung kommen, als die Entschädigungen aue Haftpflicht wegfallen oder hinter der Entschädigung aus der Insassenversicherung zurückbleiben. Dass es sehr wohl noch Fälle geben kann, wo keine Haftpflichtentschädigungen, oder solche nur in etark reduziertem Umfange gegeben sind, ergibt sich aus Art. 37 des Motorfahrzeug-Gesetzes. Einmal kann den Insassen (z. B. einen gelegentlichen Lenker) an der Herbeiführung des Unfalles selbst ein Verschulden treffen, ohne dass ein Verschulden des Halters vorliegt; in diesem Falle tritt gemäas Art. 37, Abs. 2, ein Wegfall oder eine Reduktion der Entschädigung ein. Vor allem aber gibt Art. 37, Abs. 4, dem Richter die Möglichkeit, die Entschädigung zu ermässigen oder auszuschliossen, wenn der Geschädigte unentgeltlich im Motorfahrzeug mitgeführt wurde und den Halter kein Verschulden trifft; ein Verschulden des verletzton Insassen wird hier also nicht gefordert. Gerade diese Fälle dürften in der Praxis häufig sein. Dem Halter, der seinen unentgeltlich mitgeführten Insassen trotzdem eine Entschädigung sichern will, steht dafür die volle Insassenversicherung zur Verfügung. H. in W. Anfrage 254. Privatchauffeur. Ich beschäftige bisher einen Chauffeur für Personenwagen im Stundenlohn, da ich selbst wegen Taubheit nicht fahren darf. Da es sich um einen kleinen Geschäftsbetrieb handelt, belastet der Chauffeurlohn das Unkostenkonto stark. Sehr oft kommt es vor, dass ich zu abnoTmalen Zeiten fahren muss. Bisher habe ich dem Manne die Stunden, welche über die normale Arbeitszeit hinausgingen, als gewöhnliche Mehrarbeitsstunden extra bezahlt. Kaan ich den Chauffeur als Hausbediensteten betrachten, der zu den gewünschten Zeiten zur Verfügung zu ßtehen hat und welcher Monatslobn wird in solchen Fällen bezahlt? Es ist dabei zu berücksichtigen, dass ich die Prämie für die Unfallversicherung voll trage. C. M. in B. Antwort: Für einen• Privatchauffeur müssen Sie als Gehalt mindestens Fr. 250— bis Fr. 350.— rechnen, gofern eich der Chauffeur selbst verköstigen muss und sofern er auswärts zu wohnen hat. Im ersten Dienstjahre hat er Anspruch auf 8, später auf 14 Tage bezahlte Ferien. Die Präsenzzeit ist unbeschränkt, d. h. der Chauffeur hat Ihnen immer zur Verfügung zu stehen, wobei selbstverständlich dafür gesorgt werden muss, dafis diesem eine angemessene Ruhezeit bleibt Er ist jedoch aber nicht verpflichtet nur von 8—12 und 2—6 Uhr zur Verfügung zu stehen, sondern eben zu der Ihnen konvenierenden Zeit, die heute so und morgen vielleicht anders ist. * Besuchen Sie uns am AUTOSALON IN GENF Stand 239 KAUFT SCHWEIZER Elektro- Spez. -Firma wir zeigen dort In Betrieb: ELEKTRO-PRÜFSTÄNDE LADE-GLEICHRICHTER (verschiedene Systeme) MAGNET.SIER-APPARATE MESSGERÄTE etc. etc. Unverbindliche Beratung. FABRIKAT FERR1ER, GÜDEL & Co., Luzern Abt. Gleichrichterbau: EMMENBRÜCKE Beachten Sie die demnächst erscheinenden Inserate eines aeuexi. überaus interessanten 1 - und 2-Liter Wagens. P OLÄTTLI, Sihlhölzli-Garage Schöntalstr. 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Bern, Donnerstag, 16. März 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue " No. 24 Reisen im Auto E. W. Das Geschäft des Autos besteht darin, die Träume der Leute, die gerne fliegen möchten, zu ebener Erde zu verwirklichen. Aber diese Träume sind besonderer Art, kein Schivindel und keine Gaukelei, keine Lüge und keine Erdichtung. Statt Schlaftraum Wachsein, statt Aefferei Wirklichkeit, statt ferne Spiegelung mit Alpdrücken und kläglichem Erwachen wundervolle Heiterkeit, die von Minute zu Minute statt abnimmt wächst, sich steigert, sich überhöht. Die Augen offen und nicht geschlossen, keine Angst vor dem Aufwachen, weil jeder Atemzug wach ist und jede Wahrnehmung Wahrheit und nicht Erfindung, das liefert am laufenden Band mit einer ständigen Drehbühne, die das Freilichtspiel verwirklicht, die Fahrt im Auto, in einem Tempo, als sei die Natur ein Kreisel und du die Peitsche, die sie dreht, in unendlicher Folge. Nichtstuer machen aus dem Reisen mit Vorliebe, um sich damit eine Lebensaufgabe zu stellen, eine Weltanschauung, eine Philosophie. Ich, der ich den grössten Teil meines Lebens mit strenger Arbeit verbringe, mache aus dem Reisen ein notwendiges und natürliches und überdies nicht kostspieliges Vergnügen, eine Ruhepause im alltäglichen Pflichttrott, ein erheiterndes Zwischenspiel im Grau des Werktagsstundenplanes. Zum Reisen wechselt man nicht bloss den Ort und die Mitmenschen, sondern auch alle sonstigen Gewohnheiten von zu Hause, das Kleid, die Wäsche, die Stimmung, ja manchmal sogar die Ueberzeugung und Moral. Man treibt Dinge, die man sonst nicht ernst nimmt, man kokettiert mit Liebhabereien, die man zu Zeiten als fragwürdig taxiert, man wird wieder unternehmungslustig, gläubig jung, der Ferne und dem Glück weit auf getan, das in Form einer neuen Verheissung winkt, und eines ganz eigenen Fahrplanes mit Stationen nach persönlicher Wahl und Laune, und die Augen und das Herz und der ganze Mensch besitzen wieder die Fähigkeit, zu jubeln, zu singen, vor Lust zu jauchzen. Die Fahrt, die Reise wird zu dem, was das ganze Leben eigentlich immer sein tollte, zu einem tiefen, unendlichen Genuss. Zufriedenheit füllt dich aus. Man geniesst jede Stunde, Tag und Nacht, man sättigt »einen Hunger nach Freiheit, Unabhängigkeit, Glück. Das Reisen ist nichts anderes als ein Werkzeug, die Hindernisse zu entfernen, die sich der Flucht zu sich selbst, der Heimkehr in das eigene Innere, der Selbstbegegnung entgegenstellen. Der Beruf bedeutet mit einem Male Umweg und nicht, wie sonst, Ziel, denn die Reiseepisode wird Ziel, wird Sinn des Lebens und nicht das verrückte Geldverdienen. Tägliche Pflicht und Aufgaben werden zum Spiel, zum Wahn, zum Gespenst. Heimweg Von Franz Watzlik. Die grosse Kunst des Reisens besteht in ein wenig Lebenskunst, im Geheimnis der Wiedergeburt eines neuen Menschen, der dem alten den Abschied gibt, für Stunden, für Tage, für Wochen, für Monate. Aus dem grossen Dorfe, wo er die fremde Sprache lernen sollte, sehnte er sich in die freie Hochöde seines Berghofes zurück, sehnte er sich mit aller Kraft, die seine kleine Seele zu entfalten vermochte, über den hohen Schneeberg hinüber, dessen wuchtiger Bergrücl n ihm die Heimat verdeckte. Und als er sah, wie der Winter blanken Schneeglanz auf den Gipfel legte, da hasste er den Kot und den grauen Regen, darin das Dorf der Ebene stak, da schwoll in ihm das leidenschaftliche Verlangen nach dem tief verschneiten Wald, nach der herben Reinheit des Gebirgswinters, nach den verlorenen Bauernhütten, um die der Schnee wirbelnd die weissen Wälle baute. Da stürzte eines Abends das unverhüllte Heimweh wie ein Habicht auf ihn los, mit betäubendem Schwingenschlag, mit offenen Fängen. Der Briefbote hatte dem Knaben eine Karte überbracht, darauf stand geschrieben: «Lieber Freund! Morgen gehen wir Tannen schlagen. Es schneit bei uns schon seit dem Mittwoch. Einen Qruss von mir. Dein treuer Freund Johann.» Das war zum erstenmal in seinem Leben, dass er es mit der Post zu tun hatte. Die Karte fiel ihm aus den zitternden Fingern in den Kot des Dorfplatzes. Hastig hob er sie auf und las das beschmutzte Blatt wieder und wieder. Ach, über den grossen Berg herüber kam es wie der süsse Ruf eines Märchenhornes, lockte die Heimat geheimnisvoll und unwiderstehlich. Und seine braunen Augenbrünnlein füllten sich bis zum Ueberrinnen. Traurig schlich er sich abseits... Heimlicherweise ging er über den Hof zum Scheunentor hinaus und rannte quer über die leeren Aecker davon. Die nassen, klebrigen Schollen hefteten sich an seine Schuhe und machten sie schwer, doch sie konnten den Fuss nicht halten. Nur fort von hier, wo die Worte und die Glocken anders klangen, wo der Himmel keinen Schnee hatte für das traurige Land! Er lief und lief. Mit gehobener Brust Hess er, als das erste Dorf seines Dialektes erreicht war, die Luft in seine Lungen fliessen, und die lieben Worte, die sich die Leute auf den Strassen zuriefen, schienen ihm kostbare Geschenke zu sein nach langer Entbehrung. Das Landschaftsbild hatte sich geändert: der grosse Schneeberg war etwas zur Seite gewichen und im Westen stiegen neue, leuchtende Höhen auf: die Heimat! Da streckte der Flüchtling die beiden Arme aus, da rief er die Namen der vertrauten Berge. Die aber standen teilnahmslos und gross, und über ihrem Kamm hing, einer Drohung gleich, der Rand einer grauen Wolke. In gedankenloser Glückseligkeit trabte der Knabe weiter. Bald war die Stadt erreicht. Sie schien ihm furchtbar gross und verwirrte ihn; scheu wie ein Wild ging er durch die Gässlein und über die Brücken, wo die Heiligen standen. Ein krummes Weiblein, das er zu fragen wagte, wies ihm die Strasse. Später Nachmittag war es, der Boden gefror, dem Buben aber war in seinem groben Röcklein nicht kalt. Je näher die Berge rückten, desto höher glühten ihm die Wangen. Aber die Wolke im Westen wurde immer grauer und gewaltiger; wie die feierliche Küste eines Wunderlandes rückte sie langsam dem Wanderer entgegen. Der durcheilte den letzten Marktflecken. Beim Hirschenwirt hatten sie schon Licht, und der wachsende Mond stand über der uralten Kirche. Ein Landauer rollte vorüber, und der Müde hängte sich hinten an, um sich ziehen zu lassen. Da pfiff des Fuhrmanns Geissei auf die kältesteifen Hände herab, so dass sie von dem Wagen abliessen. Der Weg stieg, dunkler wurde es, und die Wolke hüllte die Berge vor ihm ein. Des Flüchtlings Blick ruhte auf dem Boden, der nun eine dünne Schicht Schnee trug. Die war wie eine Botin, die ihm die Heimat grüssend entgegengesandt hatte, und neue Kraft schien aus der weissen Erde in seinen Körper zu fliessen, frischen Mutes griff er aus. Der Wind kam, hob den feinen Schnee, kräuselte und drehte ihn und Hess ihn wieder sinken, wie ein Kind plötzlich vom Spiel ablässt. Und die Wolke stand nun gerade über dem Knaben und Hess sich leise nieder. Da huschte es blinkend daher, setzte sich auf seine Haut und zerfloss und kam wieder aus der grauen Luft, erst einzeln und ernst, dann in tollen Rudeln, in wimmelnden Heeren, die Feld und Wiese weiss tünchten und die Wegspur zu verwischen suchten. Da freute sich der Bube und er dachte an die Freude des biblischen Volkes, als das Manna vom Himmel fiel. Und ihm war der sinkende Schnee lieber als nährendes Brot, wonach der Hunger in seinem Leibe wie ein böser Hund knurrte. Er nahm den Schnee, der sich noch nicht ballen Hess, in die Hand, warf ihn „Ecke des guten Beispiels '* « Grünhorn » am Volant. Damals war es ungefähr einen Monat her, seitdem ich Automobilist geworden war. Ich verstand daher vom Motor noch sehr wenig, von seinen Störungen natürlich gerade gar nichts. Als ich meinen Wagen wieder einmal aus der Garage holen wollte, fand ich bei ihm kein Gehör: er wollte nicht laufen. Ich bearbeitete den Anlasser so lange, bis die Batterie total erschöpft war. Aber der Motor lief nicht. Nun fand ich es doch am Platze, die Antriebskurbel hervorzuholen und mein Glück damit zu versuchen. Allein trotz unzähligen Anstrengungen und einem, halb ausgerenkten Arm Hess sich der Motor nicht aus seiner Ruhe bringen. In meiner Hilfslosigkeit holte ich jetzt das Handbuch hervor, das dem Wagen mitgegeben worden war, und begann darin zu lesen. Ich schraubte alle Zündkerzen heraus, putzte sie, guckte mir alles zum erstenmal an, aber alles half nichts. Ich befand mich in heller Verzweiflung, ein Herr, der seinen Wagen neben meiner eni Herr, der seinen Wagen neben meiner Boxe eingestellt hatte, erschien. Als alter erfahrener Automobilist lächelte er mitleidig über die vielen am Boden verstreuten Schlüssel und . das aufgeschlagene Handbuch für Störungen. Ohne dass ich ihn fragte, erklärte er sich sofprt bereit, mir zu helfen. Wir schoben den Wagen aus der Garage, und ich musste in den zweiten Gang schalten, aber solange auskuppeln, bis mein Wagen etwas in Schwung, gebracht worden war. Als ich aber Schwung hatte, vergass ich in der Aufregung, einzukuppeln, weshalb mein Motor nicht zu laufen anfing. Der Herr verlor indessen die Geduld nicht, obwohl er mich mit seinem Wagen bereits um einige Häuserblocks herumgestossen hatte. Nachdem mein Motor noch immer keinen Ton von sich gab, erkundigte er sich, ob ich auch wirklich eingekuppelt hätte, wobei ich mir meiner gewaltigen Dummheit bewusst wurde. Er versuchte nochmals, diesmal kuppelte ich ein, mein Wagen lief. Der Herr hatte mir so einen sehr grossen Dienst geleistet, und als ich mich bedanken wollte, meinte er, dass dies doch nicht der Rede wert sei. A. S. in Z. hoch über sich, dass es stäubend über Hut und Haar ging; er freute sich über seine Fussstapfen, die er kreuz und quer über den Weg gehen Hess. Er zeichnete mit einem Stecken, den er von einer kahlen Staude gebrochen, Buchstaben und Gestalten über die grosse Schreibtafel, die ihm der Winter hingelegt hatte; er streckte sich mit weitgebreiteten Armen und gespreizten Beinen in den F E U I E T O N Herrn Collins Abenteuer Roman von Frank Heller. (Fortsetzung aas dem Hauotblatt.) Philipp verschwand und kehrte nach einer Minute zu der Gesellschaft zurück, die ohne sichtbares Zögern die Einladung eines so flotten Herrn wie Philipp angenommen hatte. Offenbar, dachte Philipp, ist das Essen in ihrem Boarding-House in dem Genre derjenigen, die ich kenne. Gleich darauf wurde gemeldet, dass serviert war, und Philipp geleitete seine Gäste zu dem Tisch, den er reserviert hatte. Er betrachtete seine rasch erworbenen Tischgenossen mit einem innerlichen Lächeln. Miss White — die Magere — hatte begonnen, ihn mit hektischer Energie zu beflirten; Miss Armstrong — die Naive — verschwendete mit schüchternen Blicken; und Mr. Philpott begann mit Schärfe eine Rede zu kritisieren, die Lloyd George am Nachmittag gehalten hatte. In dieser Umgebung nahm sich Sigrid Holten wie eine junge Göttin aus, stolz, frei und selbstsicher. Wenn ihre Blicke zufällig denen Philipps begegneten, lächelte sie so ungezwungen und verständnisvoll, dass sein Herz für einen Augenblick mit seinen Warnungen aufhörte. Treuherziger hätte ihr Blick nicht sein können, wenn er sich auf ihren Bruder geheftet hätte. Das Souper nahm seinen Anfang. Frascati hatte sich übertroffen; Horsd'oeuvres, Austern, Forelle und Schnepfen, alles war vortrefflich, und auf einen Wink von Philipp wurde unablässig Champagner eingeschenkt. Das Gespräch wurde lebhaft, beinahe lärmend. Miss Whites Augenflirt begann gigantische Proportionen anzunehmen, Miss Armstrong kicherte und plauderte rastlos, Mr. Philpott begnügte sich damit, hie und da eine schwerwiegende Sentenz einzuwerfen. Philipps Blick suchte unaufhörlich Fräulein Holten. In der Sturmflut von Miss Whites Flirt waren ihre klaren, klugen Augen eine Rettungsplanke, und ihre langsamen, ein wenig nachdenklichen Repliken eine Oase in Miss Armstrongs Geschwätz. Nach einiger Zeit kam die Unterhaltung, Philipp wusste am besten wie, auf das Thema: Verbrecher und ihre Festnahme. Unmerklich der Konversation die Richtung gebend, die er wünschte, beobachtete Philipp verstohlen seine junge Landsmännin. «Ich wünsche sehnlich, dass alle Verbrecher entdeckt würden,» rief Miss White. «Ist es nicht entsetzlich, sich zu denken, wie oft sie entkommen? Penken Sie nur, wenn Crippen nicht...» Man hatte eben die spannende Verbrecherjagd über den Atlantischen Ozean verfolgt. «Ja, denken Sie nur, wie leicht hätte er gar nie entdeckt werden können,» sagte Miss Armstrong. «Ein wirklich geschickter Verbrecher braucht nie entdeckt zu werden,» sagte Mr. Philpott bestimmt. Diese Ansicht war am selben Morgen von der «Daily Mail» ausgesprochen worden. «Was meinen Sie, Miss Holten?» sagte Philipp und drehte sein Champagnerglas zwischen Daumen und Zeigefinger. «Ich weiss nicht,» sagte sie lächelnd. «Im Ausland habe ich diese Dinge nicht verfolgt, und daheim bei uns zulande haben wir doch keine Verbrecher.» «Ach, was muss Schweden für ein herrliches Land sein,» sagte Miss White mit einem Seufzer und einem Blick auf Philipp. «Wenigstens keine richtigen, von denen ich gehört hätte,» fügte Fräulein Holten hinzu, und vergeblich suchte Philipp in ihrer Stimme nach dem Schatten einer falschen Betonung. «Und im Ausland habe ich das wirklich nicht verfolgt. Uebrigens weiss ich nicht, ob ich Ihnen zustimmen kann, Miss White.» «Was?» rief Miss White entsetzt. «Sie wollen nicht, dass alle Verbrecher entdeckt werden?» «Ich weiss nicht, ich habe über die Sache nicht nachgedacht. Aber ich meine, wenn sie doch den Versuch machen wollen, ein neues Leben zu beginnen...» «Ein neues Leben, ein neues Leben!» wiederholte Miss White hohnvoll und trank ihr Champagnerglas aus. «Sie würden also Einheitspreis Zimmer mit Bad 7.50 5O Neubau, ehemal« Seidenpost • Ca. 250 m vom Hauptbahnhof • Rohrpost-Anlage • Telephon und fliessendes Wasser in sämtl. Zimmern