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E_1933_Zeitung_Nr.024

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 24 u tiefen Wiesenschnee, sprang auf und bewunderte den Abdruck, der wie ein hohler, weis- wenn er den unheimlichen Gesellen weit hin- «Vater, Phylax!» und ging schweren Herzens wieder heim. Dem Buben wurde bang, und froh war er, öffnete schwach die Augen und staunte: hatte. Sie murmelte eine neue Ausrede ser Schatten vor den Füssen lag. ter sich hatte. Immer steiler ging es, die «Du lebst! Du lebst!» schrie der Mann So liegt nun der Stoff auf dem Fundbureau. Und wenn er in einem Jahr nicht Der spielende Wind wuchs, und als der Beine würden ihm zu kurz in dem tiefen ausser sich vor Freude und riss sein Kind verwehte Weg über eine kahle Hochebene Schnee, Wälle gab es zu erklimmen, Schanzen zu ersteigen, Burgen zu umgehen. Sein derin» ihn als ihr Eigentum herausfordern. an seine Brust. abgeholt wird, so darf die «glückliche Fin- führte, wo der Sturm ankonnte, da sausten die Flocken waagrecht und scharf auf den erschöpfter Leib bedeckte sich mit Schweiss. Buben los, füllten ihm Kleider und Taschen, Heimat, du wirst schwer erkauft! Der Tagesfilm Aber wird sie das noch erleben? Darum wird es vielleicht doch einen Weg geben, füllten sein brennendes Ohr mit Schnee und Da stieg hoch und einsam ein Holz vor ihm Das verlorene Sonntagsgewand. der zwischen den Paragraphen des Gesetzes nässten ihm die Wange und den Hals, den auf, ein Wahrzeichen im Schnee, der «Herrgott in der Wiesen». Die Grenze der Dorf- miteinander, in Ehrsamkeit und Gottes- siebzigjährigen Eva zu dem ersehnten Ziel c... und lebten glücklich und zufrieden und der schamhaften Schweigsamkeit der der aufgestülpte Rockkragen nur wenig bedeckte. Die Linke, die treulich des Freundes gemarkung war erreicht, hier schloss sich furcht; und wenn sie nicht gestorben sind führt: zu dem neuen Sonntagsgewand. Karte hielt, erstarrte ihm fast. Der Sturm der Wald wieder, und die Luft war ruhig. .. .> Nein, sie sind noch nicht gestorben, zerrte ihm die Luft vom Mund weg, so dass Feierlich und schwer sanken die grossen Szabo, der biedere ungarische Dorfschuster, er sich oft wenden musste, um Atem zu finden. Kämpfend errang er sich den Weg, oft gewirbelt worden waren. Jahre währte und köstlich war; denn es Die fünfzehn Selbstmordversuche eines Hasardeurs. Flocken, die oben vom Sturm wild herum- und seine Frau Ilonka, deren Leben siebzig stürzte er in den Seitengraben, oft irrte er Im Keller eines Ringstrassenkaffeehauses weit vom Pfad ab. Endlich kam er an den Noch einige Schritte stolperte er weiter, war Mühe und Arbeit. Reichtümer haben in Budapest versuchte sich vor wenigen Tagen der 27jährige Privatbeamte Ludwig Ho- Fuss des Berges. Da schwieg der Sturm, er dann wurde er auf einmal recht müde, er die beiden nicht gesammelt, doch haben sie hatte sich in dem Kronengeflecht des schützenden Waldes verfangen, längs dem der musste sich setzen. Auch seine Gedanken auch nicht Hunger gelitten. Ja, Ilonka, rovitz an einem Kleiderhaken zu erhängen. gingen so langsam, als hätten sie sich ebenfalls die Beine müdgelaufen. ren ein Wenig Geld erübrigt. Und wie es konnte wieder zum Bewusstsein gebracht die Frau, hat sich sogar in emsigem Spa- Man schnitt den Strick ab und Horovitz Fusspfad anstieg. Nun war das Dorf nimmer weit. Was wird der Vater reden, wenn ich zur der Frauen Art ist, sie hatte ihrem Imre werden. Horovitz hat in den letzten sieben Da kam dem Buben erst das Bewusstsein Tür hereinkomme? Die Hand wird er heben: nichts davon erzählt. Als es ihr genug Jahren fünfzehn Selbstmordversuche begangen. Den ersten unternahm er im Jahre 1925, seiner Tat, und er erschrak vor dem, was er «Du Schandfleck, warum bist du davongerannt?» — Was werde ich darauf sagen? sondern sie kaufte sich Kleiderstoff für ein als er nach einer 56stündigen Kartenschlacht dünkte, sagte sie ihm auch noch nichts, kommen sah: den Hohn der Nachbarsleute und den Schmerz der Mutter, des Vaters «Ich weiss nicht, warum ich davon bin. Ich neues Sonntagsgewand und Jiess die 283 Millionen Kronen in einem bekannten rauhes Wort, den Schlag seiner knochigen hab' müssen.» Schneiderin kommen, die es ihr zusammennähen sollte. Wie hatte sie sich die Ueber- Budapester Spielklub verloren hatte. Aus Hand. Seufzend sank sein Kopf in den Schnee. einem Fenster des Spielzimmers sprang er raschung so schön ausgemalt; wie sollte Aber wie schauerlich schön mag es jetzt Einmal, da hat der Vater — einen Hund — auf die Strasse. Er kam mit einem Beinbruch Imre staunen, wenn sie plötzlich zum daheim sein! Wie mag jetzt der Wind im über die Berge verkauft — und der ist auch davon. Später versuchte er sich mit Sublimat und dann mit Luminal zu vergiften. Im Kirchgang das neue Kleid anlegte... Rauchfang klagen! Die Mägde sitzen um davongelaufen, — ist heimgekommen. — In den Tisch und zupfen Federn, und die Grossmutter dreht die Lampe höher und flüstert: — und gewinselt. — Da ist der Vater auf — wartet kam Imre ins Haus zurück, als eben berg erhängen, konnte jedoch gerettet wer- der Nacht — hat der Phylax im Hof geheult Aber es sollte anders kommen. Uner- Jahre 1927 wollte er sich auf dem Blocks- «Loset, wie die armen Seelen weinen!» Und und hat ihn hereingelassen, — hat ihn nicht die Schneiderin am Werke war. Da aber den. Bald darauf sprang er von der Elisabethbrücke in die Donau, wurde aber von im Wald, da stehen die Fichten mit weissen gehaut, — hat ihn gestreichelt. — Er wird fürchtete sich die Alte, er möchte sie schelten wegen der grossen Ausgabe, und so ver- der, Polizei gerettet. Einige Monate nachher Hauben und weissen Mänteln. Und das Vogelhäuschen im Pfarrholz drin, wie wird es dem cheln — wie den Phylax. — mich auch nicht hauen, — er wird mich streifiel sie, des Lügens ungewohnt, auf die nahm er Morphium, dann versuchte er es Ausrede, sie habe den Stoff — gefunden. wieder mit einem Strick. In Paris nahm er gehen? Ein geschnitztes und bemaltes Muttergotteslein hatte er hineingestellt und dann die sen sich. Ganz nahe und traumhaft klangen ster erst recht nichts wissen. Sollte er, am Tod finden zu können. Auch in Bukarest und Die Augen des Kindes lächelten und schlös- Aber von solchem Erwerb wollte der Schu- Gift und sprang in die Seine, ohne jedoch den Vogelsteige im dicksten Wald, hoch oben im wohlbekannte, selige Glocken. Die Hand Ende eines ehrlichen Lebens, unehrlich in Siebenbürgen verübte er mehrere Selbstmordversuche. Im August 1930 kehrte er Gupf einer Tanne aufgehängt, das war sein spielend in den Schnee der Heimat getaucht, werden? Er schalt, und mochte Ilonka Geheimnis und sein Wallfahrtsort. Nun mag lag es da... auch noch so betrübt sein, er packte den nach Budapest zurück und sprang in die Donau. Im vorigen Jahr versuchte er sich an die Mutter Gottes auch ganz verschneit sein! Durch den Schnee jagte ein Hund daher. Stoff und brachte ihn selbst zum Fundbureau. einem Baum im Kühlen Tal zu erhängen. Aber der Vater, der Vater wird schön bös Verwundert beschnüffelte er das beinahe verschneite Kind und hub plötzlich ein tolles, Am nächsten Tag machte sich die Alte Das Motiv dieser Selbstmordversuche war werden! Wenn nur das schon vorbei wäre! Nun kam die Bergblösse. Schneelicht erhellte die Nacht. Da standen einzelne Bäume den Weg zurück und kam wieder. Ein groshen; denn sie hoffte wohl, dort den Fall kann jetzt dann «die Memoiren eines Selbst- stürmisches Gebell an, rannte wie besessen auf, um ebenfalls zum Fundbureau zu ge- seine unbändige Snielleidenschaft. Der Mann in Gruppen und streckten wie flüsternde ser, hagerer Mann tauchte aus dem Gestöber klären zu können. Aber als sie hinkam, mörders» verfassen! Verschwörer die dunklen Häupter zusammen. auf und folgte dem erregten Tier. fand sie als Beamten einen guten Bekannten. Und da brachte sie es nicht über sich, Hie und da ragte eine hohe Staude unweit Mit einem Schmerzschrei brach er bei dem des Weges hervor und schien mitzuwandeln. schlafenden Kind ins Knie. Es regte sich, zuzugestehen, dass sie ihren Mann belogen nicht alles tun, was Sie könnten, um der Gerechtigkeit zu helfen, wenn Sie könnten?» (Miss White war vom Champagner leicht umnebelt, und ihr Satzbau litt darunter.) Fräulein Holten dachte mit einer Traube in der Hand einen Augenblick nach. Dann lächelte sie und zuckte die Achseln: «Ich bin immer so faul gewesen, Miss White. Ich glaube kaum, dass Ich mir die Mühe nehmen würde.» Es wurde für ein paar Sekunden still, nnd Philipps Augen hingen an Fräulein Holtens Gesicht. Lag irgendeine Absicht in ihrer Antwort? Unmöglich, es zu sagen, aber es sah nicht so aus. Dann schweifte das Gespräch nach anderen Richtungen ab, es wurde Zeit zum Aufbruch, und die Gäste dankten mit dem Glas in der Hand ihrem Gastgeber. Fräulein Holten stiess mit Philipp an, indem sie seinen Titel auf Schwedisch sagte, vollkommen unbefangen, mit einem klaren Blick ihrer blauen Augen. Wieder erzitterte Philipp, als er seinen alten Namen hörte — halb und halb war die Stimme seines mi6strauischen Herzens verstummt, halb und halb hatte er zu glauben begonnen. Als sie aufbrachen, richtete er es so ein, dass er sie zum Ausgang eskortierte. Miss White und Miss Armstrong gingen mit Mr. Philpott voran. Wenn Sie bei dem heutigen Teifipo erfolgreich sein wollen, sollten Sie eine Erika für Ihre Korrespondenz haben. Alle Erika-Besitzer loben ihren unerreicht leichten Tastenanschlag, die klare, regelmässige Schrift — selbst bei vielen Durchschlägen. 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Dass sie wie ein verkörperter Traum aus seiner Vergangenheit auftauchte — und gerade heute abend, wo er ihren Schatten geopfert hatte? Vermutlich alles zusammen. Wie dem auch sein mochte, nachdem er seine Gäste in ein Auto placiert hatte, wanderte Rechtsanwalt Philipp Collin heim, und in seinem Kopfe sangen hundert Dinge: blaue Augen... das ewig Weibliche zieht uns hinan... ein bleiches, seelenvolles Antlitz... nie habe ich solches Haar über solchen Augen gesehen... und eigentlich liebt man ja doch nur die Frauen seines eigenen Volkes... Aber Herr Collin. Denken Sie an Simson! MAAG sind die besten RASIERKLINGEN, die es gibt. Sie sind SCHWEIZER FABRIKAT! Ist das ein Fehler? Generalvertretung: Hch. Jenny & Co., Zürich 8, Wiesenstrasse 7. Dann schwanden zwei Tage für Philipp wie ein berückender Herbsttraum. Denn schon am Tage nach dem Souper bei Frascati traf er Fräulein Holten wieder. Sie war auf dem Wege zur Westminster- Abtei, allein, und Philipp, dessen Vorsicht am Morgen plötzlich aufgeflammt war, fühlte sie ebenso rasch erlöschen, als er sie nun wieder sah. Sie hatten zusammen die Nachmittagsmesse in dem alten Dom besucht, und als sie nachher durch die Strassen gingen, war sie stiller gewesen als am Abend vorher, aber dabei war ihr Wesen so herzlich, so aufrichtig, so fesselnd gewesen, dass sein Herz mit jeder Minute in seinen Protesten schwächer wurde. Und im innersten Innern dachte er: Wer weiss? Vielleicht weiss sie schon alles, ohne mich deshalb zu verachten! In solchen blauen Augen kann keine Falschheit wohnen! Lange vor halb 3 Uhr stand er am nächsten Tage vor dem Marble Arch, die Minuten zählend und nur vor Furcht bebend, dass sie es sich im letzten Augenblick überlegt haben könnte. Endlich kam sie, ein a bisschen verspätet, und sie fuhren auf seinen Vorschlag nach Kew, in den alten herrlichen Park mit dem exotischen Treibhaus. Es war wunderbar. Der feuchte, traubenblaue Herbstnebel lag auf den Bäumen und den weiten Rasen- Die feinen IMeuenburger Weine CHATENAY sind geschätzt seit 1796. Clictiss Hallwag sind erstklassig Ein Empfänger von Qualität für wenig Geld Verkäst bei allen Kadiobändlern Fr. 360.- KOMPL. ETT Typ 25 mit 6 modernen Lampen Generalvertreter für die Schweiz: J. Renaild & Cie. f A.-G., Neuenburg flächen, der Wind, der über sie hinzog, brachte feine Düfte der Vergänglichkeit, und zwischen den Zweigen strömte der Sonnenschein in schweren Flüssen von geschmolzenem Gold herab. Fräulein Holten und Philipp schlenderten durch den Park und das Gewächshaus, und plötzlich, während Philipp ihr stammelnd anzuvertrauen suchte, dass keine Palme in den Treibhäusern schlanker war als sie und keine Pflanze so blaue Blüten trug wie ihre Augen, unterbrach sie ihn mit einer kleinen Grimasse und vertraute ihm an, dass sie hungrig war. Ihr Götter, sie war hungrig! Dieses bezaubernde Weib, keine Palme war schlanker, kein Baum oder Strauch trug blauere Blüten, war hungrig! Du bist ein Schurke, brüllte Philipps Gewissen seinem Besitzer zu, er gestand es zerknirscht ein, und mit einer Zunge, deren süsse Beredsamkeit einst juridische Kollegen bezaubert hatte, linkische Entschuldigungen stammelnd, führte er sie zu dem Auto zurück. «Carlton,» schlug er vor, aber sie erhob sofort Einsprache. (Forts, im «Avtler-Felerahpnfl-».) Bes min Kriens bei lohnt sich eine Fahrt nach Luzern für dien Einkauf eines Perser-Teppichs Meine Auswahl In nur ausgesuchten Qualitäten (keine Bluffware) Ist gross. Meine Preise sind erstaunlich niedrig. Weil Etagengeschäft keine teure Ladenmiete, daher die grossen Preisvorteile. ARTH. BRAND, Alpenstrasse 13, KRIENS Tramhaltestelle Alpenstrasse Gegen telephonischen Avis auch Sonntags zu treffen. 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N° 24— 1933 AUTOMOBIL-REVUE HDaOE DDEEIDQ Die jungen Mädchen Von Arthur Kahane. Die lieben Kinder. Welches alte Herz ung der Zeit an der inneren Melodie des wird nicht an ihnen wieder jung, wenn es jungen Mädchenlebens etwas ändern können? sie sieht, ach schon, wenn es ihrer denkt! Und welches Herz ist so alt, dass es aufhörte, der jungen Mädchen zu denken! den. Sind sie in ihrem Wesentlichsten an- Die jungen Mädchen sind anders gewor- Ich will nicht ungerecht und nicht undankbar sein. Das junge Mädchen, die Täuschen wir uns doch nicht! Lügen ders geworden? junge Frau, die reife Frau: wenn ich Paris wir uns doch nichts vor! In jenen entlegenen Zeiten des letzten Jahrhunderts, war wäre, ich wiisste nicht, welcher von den dreien der Nobelpreis des Apfels zuzuteilen nicht schon damals jene Melodie, jenes wäre. erste Erklingen der Mädchenseele Ahnung Der Anwesenden! würde ich mich salomonisch aus der Affäre ziehen. Im Grunde Unberührtheit lag, beklommene Flucht der einer Welt, die jenseits von Unschuld und aber sind sie mir alle gleich liebe Kinder. sich schüchtern regenden Phantasie aus Auch die jungen Mädchen von heute. einem unbewusst gefühlten Zwange, erster Hat sich die Welt wirklich geändert? Aufruhr der Seele und ach! nicht bloss der Sind die jungen Mädchen nicht immer Seele, sondern auch der jungen Sinne gegen noch das Anmutigste, Lieblichste, Erfreulichste, was die Natur hervorgebracht hat? schon. Und heute, da Fremdheit dem Unwissenheit und Konvention? Damals Oder ist bloss ihr Bild dasselbe geblieben, nackten Leben gegenüber aufgehört hat, und ist das, was hinter dem Bilde steckt, kanonischer Massstab für den menschlichen Wert zu sein, nicht bloss für uns, so völlig verschieden von dem jungen Mädchen unserer Jugend? sondern vor allem für die jungen Mädchen, Ich glaube es nicht. Ich glaube es ihnen die's angeht, spricht nicht gerade heute selber nicht, wenn sie es mir sagen. wieder aus jedem jungen Mädchen jene Und wenn sie noch so ernst tun, und Melodie von Unschuld und Reinheit ihrer wenn sie noch so ernst geworden sind, und Mädchenhaftigkeit, aber in einem andern, wenn sie noch so tapfer den Kampf mit einem höhern, einem unverlierbaren Sinn? dem Leben aufgenommen haben und noch Es gibt eine Reinheit, die nichts trüben so unerschrocken allen Wahrheiten und kann. Weil sie keinen veränderbaren Zustand, sondern immanente Eigenschaft und Wirklichkeiten in ihr nacktes Gesicht sehen und noch so hemmungslos letzte und Funktion der mädchenhaften Seele bedeutet. tiefe Dinge zu denken wagen, zu sagen lieben, es gibt nichts, was ihnen den Rosenzauber zu rauben imstande wäre, der, alle und Sehnsucht. Das ganze gelobte Land Junges Mädchen sein, heisst: Warten Erfahrungen Lügen strafend, von ihren des Lebens immer noch, hinter Schleiern jungen Seelen und Körpern ausstrahlt. verhüllt* vor sich, auch dann noch, wenn Alles, was die Ingenue von damals nicht man bereits mit blutenden Füssen durch ahnte, weiss das junge Mädchen von heute die rohen Tatsachen des Lebens und der und weiss es nicht bloss mit dem Erstaunen Wirklichkeit durchgegangen ist. Diese des Hörensagens, sondern manchmal mit wundervolle Gewissheit: es muss noch ein der Gewissheit des eigenen Erlebens. Es anderes Leben geben, und ganz nahe, fast kennt die Höhen und Tiefen des Lebens, die mit den Händen schon greifbar, und dieses Seligkeiten und Gefahren, und keine Enttäuschung droht einem Warten, das um Warten mit geschlossenen Augen, in das andero Leben hineingeworfen zu werden, alle Enttäuschungen weiss. Und doch ist das Reich, das den jungen Mädchen gehört. bringt es das Wunder fertig, erfahren, wissend, enttäuscht, von allen Wässern des Ist es das Glück, auf das sie warten? Lebens umspült, das junge Mädchen zu Eine stille Insel der Seligen? Ist es nicht bleiben, mit allem Blütenreiz des jungen vielleicht eher noch ein Leben der Stürme, Mädchens, mit aller seiner Wärme, mit aller Sehnsucht nach dem Unbekannten, auf und Ueberraschungen, von Höhepunkt zu ein wildes, erregtes Leben, voll Wundern das auch die Wissende noch wartet und Höhepunkt sausend? Oder ist es ein Leben hofft. der Tätigkeit, des Wirkens, des Helfenwollens, zu dem die früh sich regende Mütter- Es gibt ein Etwas im Menschen, das stärker ist, als sein Wissen und sein Tun lichkeit treibt? Gleichviel, wenn es nur ist, dem Wissen und selbst Tun nichts anheben können: das ist die innere Melodie nicht Alltag ist, wenn QS reicher, freier, bewegter ist als das unerträgliche Bisher! des Menschen. Und wer hat mehr Melodie Wenn es nur anders ist! als das junge Mädchen? Die jungen Mädchen von heute haben Nicht in dem, was sie von sich wissen ihre Augen geöffnet und sind ohne Vorbehalt in das wirkliche Leben eingetreten, und zu wissen glauben, nicht in dem, wie sie selber gesehen und aufgefasst zu werden wünschen, aber in dem, wie sie sind, Willen, stehen mit beiden Beinen auf dem aus Zwang der Verhältnisse, aus freiem wenn sie ganz unbeobachtet sind, auch von festen Boden der Wirklichkeit, ohne Scheu sich selbst unbeobachtet, wenn sie sich gehen, wie sie sind, sich der Regung des Au- jeder Notwendigkeit abzufinden, lernend, vor dem Hässlichen, entschlossen, sich mit genblicks, der Süsse eines nicht gewussten sehend, arbeitend, sich mühend, kämpfend, Gefühls hingeben, singt das helle, jubelnde, wetteifernd und um jeden Preis bestrebt, das verzagte, das leise, zarte und zärtliche, sich nützlich zu machen. Sie sind, mit dem das sehnsüchtige Frühlingslied der Mädchenseele: im Schweben ihres Ganges, im Heisshungar der Jugend, Neuerobertes be- Talent der Frau für das Reale, mit dem Strecken der Arme, im Aufschlag der Augen, im Schweigen ihrer Dämmerstunde, realer als die Realsten, in einer jungen Besonders heftig und deutlich zu erleben, im abendlichen Schlafversinken, im morgendlichen Traumerwachen; in ihrem Lä- gleichzeitig anderswo, in der Erwartung rauschtheit an der Realität. Und leben cheln, im Zittern der Hände, im Zittern eines Lebens, das anders ist. der Stimme, in der scheuen Flucht ihrer Das Leben wird ihnen nicht leicht gemacht, den jungen Mädchen. Der Exi- Glieder. Ist nicht das alles Musik? Eine unbewusste, sehnsüchtige Musik, wie alle stenzkampf ist härter und brutaler als je. Musik unbewusst und sehnsüchtig ist? Er kennt keine Galanterie und würde sie Wenn alle Musik löge, die Melodie, die auch nicht kennen, wenn der junge Mädchenstolz sie weniger brüsk ablehnte. Die ungewollt aus dem Innersten einer Menschenseele dringt, kann nicht lügen. Gegenwart, die sie so glühend lieben, bietet Hat aller Wandel der Zeit, aller Wandel ihnen nichts, woran sie sich halten könnten. Die meisten alten Traditionen in den Sitten und der Sittlichkeitsanschau- sind CALORA A.G. Küsnacht-Zürich .** Fabrik elektrischer Apparate Heizkissen Binden _.*%\\\# v IZV*v^ EFOQ/0& Teppiche Bettwärmer etc. etc. Bald wird alles um uns «Linie strömen»: unsere Kleidung von Kopf bis Fuss, eine neue Haarmode, Tochter des Windetosses, und auch Hundedecken • stromliniiert». Wer kann da noch gegen die Stromlinie schwimmen?! (« B. Z. >) weg und eine neue hat sich noch nicht gebildet. Die alten Normen sind zerstört, und die neuen Normen, die sich bilden, sind strenge Normungen der Arbeit, einer persönlichen. Entfaltung eher feindlich als fördernd. Ueberall, in allen Winkeln des Verkehrs und der Mentalität, herrscht Chaos, das Chaos einer sich neu gebärenden Kultur, wie jedes Chaos amorph und formlos ist, und alles ist erlaubt, weil niemand mehr um die Grenzen des Erlaubten weiss. In diese Zeit sind, begeistert, die jungen Mädchen hineingesprungen, führerlos und unberaten, und sollen nun, ganz auf sich selbst angewiesen, neu anfangen, ein neues Leben anfangen, ein neues Kapitel der Weltgeschichte anfangen. Wie sollen sie sich in der allgemeinen Verwirrung zurechtfinden? Und sie tun es. Mit einem guten Willen, mit einer Entschlossenheit, mit einer Unerschrockenheit, mit einer geistigen Energie ohnegleichen. Mit einem rückhaltlosen Einsatz des ganzen Menschen. Ist es ein Wunder, wenn darüber mancher äussere Halt zum Teufel geht? Und ist es ein Unglück, wenn dadurch ein ganz neuer Mensch, mit der ganzen Si- .cherheit eines selbständig gewordenen und lebensgewachsenen Menschen, gewonnen wird? Gewiss, die jungen Mädchen verstehen und wissen vieles, was früher die jungen Mädchen nicht gewusst haben. Im Grunde sind sie aber genau so innerlich anständig und sauber wie die jungen Mädchen von früher. Sie sind ein wenig ernster und kichern weniger: worin ein Verlust nicht zu beklagen ist. Sie lächeln immer noch und manchmal lachen sie sogar: also auch das ist nicht aus der Welt geschafft. Tanzen sie weniger? Sie tanzen mehr. Und das Tun? Man hört jetzt öfter davon, aber es soll auch schon früher vorgekommen sein: im Gesamtresultat wird's wohl auf dasselbe hinauslaufen. Der wirkliche Unterschied gegen das Einst ist der Ernst, mit dem sie ihre Arbeit anpacken. Was man früher als Passion oder als Kuriosum betrieb, aus Ambition, aus Eitelkeit, aus Neugierde, das ist bittere Notwendigkeit geworden. Es ist heute für jeden verdammt schwer, mit dem Leben fertig zu werden. Für die jungen Mädchen am schwersten. Sie versuchen es mutig, ohne darüber die süsse Melodie ihrer Mädchenhaftigkeit zu verlieren. Vielleicht können sie das nur, weil sie die einzigen sind, die hellhörig die Schönheit ihres erträumten, ersehnten Wunschlebens bereits in den Wirklichkeiten einer Gegenwart ahnen, in der wir anderen nur das Chaos zu sehen vermögen. IJI!!lllllll!lllllllllll!lll!!l!ll|illl!lllllllll!HII!lll Der beliebte Gummistiefel fOr Automobilisten und Chauffeure Preis Fr. 19 50 Hohe Hüftstiefel mit Anschnallnemen zu Fr. 23 50 Gebrudenjpf Wenn die Stromlinie Mode macht . . . Modische Splitter Seit wann werden Damenhüte getragen ? Es ist nicht uninteressant, zu erforschen, seit wann Damenhüte getragen werden und wer die Mode eigentlich eingeführt hat. Schon Ende des 13. Jahrhunderts traten die Frauen mit Kopfbedeckungen in Barettform auf. Zu Beginn- des 14. Jahrhunderts wechselte die Mode und man trug Mützen, die in der Form hörnerartig waren. Isabella von Bayern führte die sogenannten «Hennins» ein; diese Kopfbedeckungen waren oft bis zu dreissig Zentimeter hoch. Wie bei der neuen Modeeinführung, gab es auch damals schon Widersacher dieser neuen Laune und die gesamte Geistlichkeit sprach sich in heftigen Predigten gegen diesen angeblichen Unfug aus. Es hat immerhin lange Zeit gedauert, bis die «Hennins» verschwunden waren, und erst Mitte des 15. Jahrhunderts gingen die Damen zu Hüten über, die annähernd, wenigstens für unsere heutigen Begriffe, als Hüte bezeichnet werden könnten. Einen grossen Umschwung in der Hutmode schuf erst die Renaissance. Die Gemahlin König Franz' I. führte als Spanierin breite, schwarze Filzhüte ein, die sie nach Männerart trug. Katharina von Medici trug kleine, perlenbesetzte Häubchen, meist aus Samt, oft auch mit Federn geziert. Noch Ende des 19. Jahrhunderts trug man capotartige Hüte, die da,nn den fast radartigen, mit vielen Straussfedern geschmückten Kopfbedeckungen Platz machten. Wahre Kunstwerke wurden da oft geschaffen. Wie viele Jahrhunderte mussten doch vergehen, um die einfachen und schlichten Hüte von heute einzuführen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der Bubikopf eine förmliche Revolution in der Hutbranche der letzten Jahre hervorgerufen hat. Da aber der Ausspruch des griechischen Philosophen Heraklit: «Alles fliesst» sich im übertragenen Sinn auch auf die launischen Modeeinfälle der Damenwelt anwenden Hesse, dürfte vielleicht wieder einmal das modern werden, wofür die heutige Damenwelt nur ein mitleidiges Lächejn übrig hat... Schottische Kleider und EnjjelsflügeL Die in Paris propagierten breiten Schultern, Patous neue Perlenfarben, die Capes, die Lelong lanciert, und die Lackseidenblusen und Lackbänder, die Louise Boulanger bevorzugt, geben der neuen Mode ihr Gepräge. Patous Smokjngs sind ein Zugeständnis an Marlene. Dietrichs üble Modeexzentrizität. Allen diesen so verschiedensten Kleidern und Kostümen, Ensembles und Mänteln, Hüten und Handschuhen und Blusen aber ist die Tendenz zur Anmut gemeinsam. Maschen sind Favorits der Schneiderkunst. Mit einer Masche schliesst die Bluse und mit einer Masche wird das Blumenbukett gehalten, das auf dem Ninichehütchen angebracht ist. Eine Masche aus weissem oder pastellfarbi- ?rem Organdy hellt das schwarze Cireabend- An der Eingangs-Strasse in Zürich von Winterthur Rigihof .!«Ut wA^iActÄvanrl Berücksichtigt die Inserenten dieses Blattes Versand gegen Universitätsstrasse 101 (Postgebiude) finden Sie eine erstklassige Küche, einen erlesenen Keller zu zeitgemässen Preisen.