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E_1933_Zeitung_Nr.020

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 10. März 1933 2. Salon - Kummer Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 20 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jedtn Dlenstao und Frettaf ' ' Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtliehe Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 * Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Technische Bilanz 1933 Immer wieder glaubt man, am Ende der Automobiltechnik angelangt zu sein. Besonders in den letzten Jahren hatte es wiederholt den Anschein, dass, vorläufig wenigstens, nur Detailverbesserungen im Aufbau des Automobils noch möglich seien. Wenn man auch den Einfluss der Mode, der im Automobilbau zweifellos vorhanden ist, nicht ableugnen wollte, so hielt man doch grössere Umwälzungen nahezu für ausgeschlossen. Nach und nach, aber zwangsläufig, glaubte man, müsse es zu einer Vereinheitlichung der Typen kommen, und immer wieder Hessen sich Beispiele finden, die diese These bestätigten. Dabei hatte man aber die für so vieles verantwortliche Wirtschaftskrise nicht in die Rechnung einbezogen. Anfänglich wirkte sich die gestörte Wirtschaftslage zwar eher hemmend aus. Die Automobilfabrikanten hatten wenig Lust, sich auf eine unsichere Zukunft hin in Experimente einzulassen, deren Erfolg nicht von vornherein feststand. Immer deutlicher zeigte sich dann aber, dass auf dem alten Wege nicht mehr weiterzukommen war und dass der sinkenden,Nachfrage ein Angebot in höherem Wert entgegengehalten werden musste, sollte es nicht schliesslich zur Katastrophe kommen. In allen Industrien, in der Äutomobilindustrie aber ganz besonders, setzte ein Wettrennen ein, wie es die Welt bis jetzt noch nie gesehen hat. Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage. Schon die letzten Ausstellungen in London, New York und Berlin zeigten eine Vielgestaltigkeit, die scharf von dem Gleichmass froherer Jahre abstach. Auf fast allen Gebieten des Automobilbaues gärt es. Konstruktionen, die man in ihrer endgültigen Form angelangt glaubte, zeigen plötzlich hier und dort kleine neue Abweichungen; und neue Bauarten, deren Verwirklichung man erst in einer fernen Zukunft erhofft, stehen plötzlich Im Brennpunkt des Interesses. Keine noch so kleinen Verbesserungen, die ein Fabrikant an seinem Erzeugnis anbringt, blieben von der Konkurrenz unbeachtet. Und nie wurde soviel erfunden, wie gerade jetzt. Mehr als noch die ausländischen Ausstellungen, die immer einen mehr oder weniger F E U I L L E T O N Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (23. Fortsetzung) «Sie haben mir etwas über Professor Pelotard zu sagen?» begann er, ohne zu grfissen. «Was hat der Schurke denn schon wieder angestellt?» «Nichts Besonderes,» sagte Kenyon gelassen. «Mein Haus gestohlen, während ich fort •war, und den Rest der Strasse vermietet.» «Den Rest der Strasse vermietet?» wiederholte Mr. Isaacs starr vor Staunen. «War denn niemand da?» «Doch, ein Diener, aber den hat er vermutlich getötet oder als Sklaven verkauft.» «Die ganze Strasse vermietet, das ist doch wunderbar,» sagte Mr. Isaacs noch einmal. «Was kann er dabei verdient haben?» «Was weiss ich? Ein paar hundert Pfund. Jetzt ist er jedenfalls verschwunden. Ich dachte, Sie könnten mir vielleicht sagen, wo...» Mr. Isaacs wurde sofort eisig und unterbrach Kenyon mit einem misstrauischen Blick. «Was meinen Sie? Ich? Ich kenne doch den Menschen gar nicht!» «Verzeihen Sie,» sagte Kenyon verlegen, denn er merkte, dass er sich blamiert hatte, «ich hatte gehört, Sie hätten etwas mit ihm zu tun gehabt...» «Ich!» rief Mr. Isaacs. «Nie im Leben! Ich lasse mich mit solchen Leuten überhaupt i. nationalen Charakter tragen, ist der Genfer Salon imstande, alle diese Tendenzen und Verbesserungen an den Tag zu legen. Seit Jahren wartet Genf mit dem grössten Menü an internationaler Beteiligung auf. Deshalb Im Namen des Bundesrates entbiete ich Ihnen allen herzlichen Gruss, sowohl den Vertretern der Kantonsregierungen und den übrigen zivilen und militärischen Stellen,, wie denen der wirtschaftlichen und der Autömobilverbände des In- und Auslandes. Ganz speziellen Gruss überbringe ich noch den Behörden des Kantons und der Stadt Genf. Sie, Herr Regierungspräsident, und Ihre Kollegen stehen auf einem exponierten Posten, und ich halte darauf, Ihnen dafür zu danken, dass Sie in so ausserordentlich schwierigen Zeiten Ihre Kraft uneigennützig und hingebungsvoll in den Dienst Ihres Staatswesens und der Stadt Genf stellen. Sie tun Ihre Pflicht, auch wenn deren Erfüllung Ihnen Anfechtung, Kämpfe und Schwierigkeiten aller Art bringt. Sie dürfen dafür der Sympathie und der Unterstützung aller Eidgenossen, denen eine friedliche Entwicklung unseres Landes auf der Grundlage unserer heutigen Einrichtungen am Herzen liegt, namentlich aber auch der Anerkennung des Bundesrates versichert sein. Ich wende mich weiter an Sie, Herr Präsident des Organisationskomitees der internationalen Automobil-Ausstellung, und an Ihre Kollegen und Mitarbeiter und danke nicht ein. Die ganze Strasse vermietet — zu köstlich!» Mr. Isaacs brach in ein schallendes Gelächter aus, aber unterbrach sich plötzlich. «Das heisst, eines kann ich Ihnen doch sagen. Ich weiss, wo er zu lunchen pflegt. Früher wenigstens ass er immer bei Charlot in der Fox Street. Ich komme selbst hie und da hin. Aber den fangen Sie nicht, der ist zu schlau für Sie.» «Guten Tag,» sagte Kenyon unvermittelt und enteilte aus dem Allerheiligsten des Börsenmatadors. Als er die Türe schloss, hörte er ihn noch vor Lachen prusten. Er hastete zu Charlot, das sich als ein ganz kleines Restaurant oder eigentlich Beisel im Parterre eines Hauses in Fox Street erwies. Es war augenblicklich ganz leer bis auf einen alten Italiener, der an einem der Tische Makkaroni mit Schinken ass. Kenyon hängte seinen Ueberrock auf einen Kleiderhaken, denn es war schwül in dem kleinen Lokal, klopfte an ein Glas und bestellte ein leichtes Lunch. Wenn der Professor kam, sollte er ihm nicht entgehen, schwor er sich zu und setzte sich darum den Rücken halb dem Eingang zugekehrt, aber so nahe demselben, dass er alle Ein- und Ausgehenden mit dem Blick beherrschte. Er sah auf seine Uhr — es war halb zwei — und machte sich zerstreut an seine Horsd'oeuvres. Ein so frecher Schuft! Wie konnte er nur auf eine solche Idee verfallen? Vermutlich nur zum Spass, nicht des Gewinnes halber. Und dafür Gefängnis riskieren? Hm, das war doch nicht so sicher, leider! Was konnte er hat man auch nirgends besser als in Genf Gelegenheit, sich vom Stand der Automobilentwicklung ein genaues Bild zu machen. Freilich ist es schwerer denn je, für diese Entwicklung ein gemeinsames Motto zu finden. Um einen Salon einer bestimmten bevorzugten Zylinderzahl, einer bestimmten bevorzugten Wagengrösse, um einen Salon der Schwingachsen oder einen Salon der Detailverbesserungen, wie wir es alles in den letzten Jahren erlebt haben, handelt es sich jedenfalls nicht Vielmehr könnte man von einem Salon der allgemeinen konstruktiven Gärung oder dem einer anbrechenden neuen automobiltechnischen Aera sprechen. Wichtige Neuerungen und Ansätze zu vielleicht weittragenden Umwälzungen sind auf allen Gebieten zu erkennen, handelt es sich nur um den Motorenbau, die Getriebe, das Fahrgestell mit seiner Federung, die Karosserie oder die-allgemeine Ausstattung. Nach einer Atempause und einer Zeit der zufriedenen Beschaulichkeit ist die Entwicklung wieder gewaltig .in Fluss gekommen. Noch lässt sich nicht überblicken, in welcher Richtung die grössten Fortschritte der nächsten Jahre zu verzeichnen sein werden. Aber soviel steht fest, dass wir heute weniger Anlass haben denn je,-das Automobil in seiner vorliegenden Form als vollendet und durchentwickelt zu betrachten. (Fortsetzung Seite 13) Rede von Herrn Bundespräsident Schulthess Zur Salon-Eröffnung Ihnen für Ihre liebenswürdige Einladung zum heutigen Tage. Sie, Herr Marchand, sind der unermüdliche. Organisator dieser Veranstaltung, Sie sind die Seele des ganzen Unternehmens, das Sie seit vollen zehn Jahren mit einer .Energie verfolgen,,die die grösste Achtung verdient. Ich, danke Ihnen auch für Ihre Worte der Begrüssung, in denen Sie aller derer gedachten, die an dieser Ausstellung Interesse nehmen. Ich kann aber nicht genug betonen, dass Ihnen die Ehre und das Verdienst zukommen, diese für Genf und die Verkehrsinteressen der Schweiz bedeutsame Ausstellung geschaffen und durch ein Jahrzehnt hindurch ohne wesentliche Unterstützung der Oeffentlichkeit geführt zu haben. Am Ausgang der ersten Nachkriegsjahre, im Jahre 1923, haben Sie es gewagt, den Anfang zu machen, und dieses Jahr feiern Sie in doppeltem Sinne ein zehnjähriges Jubiläum. mit Smedleys Diener angefangen haben? Ein altes Faktotum, wie Smedley sagte, zwölf Jahre in seinen Diensten, aus Norwegen. Wo die Diener doch so treu sind. Konnte er ihn ermordet haben? Nicht wahrscheinlich, aber merkwürdig war die Sache doch. Mr. Kenyon bekam den ersten Gang — Fischragout mit Champignons in Muscheln — und sah auf. Der alte Italiener hatte bezahlt und humpelte jetzt zum Lavoir, um sich die Hände zu waschen. Kenyon sah ihn langsam' seinen Ueberrock anziehen und unter seinem breitkrämpigen Hut durch den Ausgang verschwinden. Kenyon begann nervös zu werden. Nun kommt der Schurke heute natürlich nicht, dachte er. Aber er konnte doch auf jeden Fall nicht ahnen, dass ich hier bin. Der Brief, war er wirklich erst heute hingelegt? Unmöglich zu sagen, er war ja maschinengeschrieben. Vermutlich lag er schon lange da. Wozu musste ich das mit der Falschmünzeraffäre sagen? Jetzt wird man das jeden Tag von Cane zu hören kriegen. Der verteufelte Pelotard! Wenn der verflixte Kerl doch nur kommen wollte, fluchte er in sich hinein, als er plötzlich durch den Laut von Schritten aus seinen Gedanken gerissen wurde. Er sah auf, und vor ihm stand Professor Pelotard, artig lächelnd. Kenyon sprang vor Wut bebend in die Höhe, schleuderte den Tisch beiseite und machte einen Sprung auf Philipp zu. Aber ehe er sich's versah, fühlte er seine Hände von seinem Feind wie in einen Schraubstock INSERTIONS-PB.EIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seltentarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Sie haben sich nicht abhalten lassen, die Ausstellung, die für Genf bereits traditionell geworden ist, auch dieses Jahr aufrecht zu erhalten. Mochten Bedächtige Bedenken haben, so hat der Erfolg wieder einmal dem Mutigen und Entschlossenen recht gegeben, und ich bin glücklich, Ihnen den herzlichsten Glückwunsch zum vollen Gelingen Ihres Werkes darzubringen. In einem Momente werden wir die Ausstellung durchschreiten und die Fortschritte der Technik und der Arbeit bewundern, die uns vorgeführt werden. Wieder einmal mehr werden wir uns der wirtschaftlichen Bedeutung des Automobils bewusst und bestätigt finden, dass es berufen ist, im modernen Verkehrsleben die hervorragendste Rolle zu spielen. Ueberdies verschafft seine Verwendung direkt und indirekt Tausenden eine Arbeitsgelegenheit, die heute besonders willkommen ist. So brauche ich denn weder das Lob der Ausstellung zu singen, noch von der Rolle des Automobils zu sprechen, und ebenso erübrigt es sich, speziell Probleme zu diskutieren, die den Automobilismus betreffen, denn die Bundegesetzgebung ist realisiert und wird, hoffe ich, wenn auch für den Moment gewisse Verstimmungen bestehen, sich bewähren und später Anerkennung finden. So gestatten Sie mir denn, heute von dem zu sprechen, was uns alle erfüllt, von unseren grossen, gemeinsamen Sorgen. Geben wir uns Rechenschaft: Ueberall und auch bei uns ist die wirtschaftliche, vielerorts auch die politische Lage eine sehr ernste. Alles scheint zu wanken und erschüttert zu sein. In Asien und Südamerika ist der offene Krieg ausgebrochen. Die mächtige nordamerikanische Republik wird vom Fieber der Krise geschüttelt. In Europa haben sich die politischen Spannungen verschärft. Die normalen Handelsbeziehungen sind behindert, der freie Warenverkehr ist gehemmt, die Zahlungen stocken. Viele Währungen sind erschüttert und zum Teil entwertet. Millionen von Menschen sind arbeitslos. Die durch die Errungenschaften der Wissenschaft und der Technik geförderte Ueberproduktion, die mit der infolge des Krieges eingetretenen Verarmung der Völker zusammenfiel, hat Zustände geschaffen, die man sich vor kurzem nicht träumen Hess. Der Konsum vermag mit der Produktion nicht Schritt zu halten. Die Menschheit ist gleichsam das Opfer ihrer Fortschritte geworden. Das ist der Zustand, der sich heute, anderthalb Jahrzehnte nach Kriegsende und am Schluss einer Zeitspanne, ergibt, in der die verzweifeltsten Anstrengungen gemacht worden sind, durch internationale Konferenzen und Vereinbarungen die wirtschaftlichen Beziehungen zu erleichtern und zu ordnen und gepresst, und über dessen Schulter sah er die wohlbekannten Züge eines Londoner Bobbies. «Was soll das heissen?» brüllte Kenyon ausser sich vor Empörung. «Konstabier, tun Sie Ihre Pflicht! Arretieren Sie diesen Mann! Das ist Professor Pelotard. Ich habe die Arretierungsorder für ihn. Hören Sie, Konstabler?» Der betreffende Konstabier war ein junger Mann von riesenhaftem Körperbau, mit wenig intelligentem Gesicht und dünnem weissblonden Schnurrbart. Aus seinem ganzen Aussehen erhellte klar, dass er ein Mann war, der keinen Spass verstand, und das hörte man auch seiner Stimme an, als er barsch erwiderte: «Machen Sie gefälligst keine Geschichten! Ich kenne meine Pflicht schon, und die ist, Sie zu arretieren, Sie feiner Herr. Sie sind Professor Pelotard, kommen Sie sofort mit mir auf die Polizeistube.» «So hö—hören Sie doch, Ko—konstabler,» schrie Kenyon, vor Erregung stotternd, «was soll denn das heissen? Wo ist Ihre Order? Woher wissen Sie, dass ich* Professor Pelotard bin?» Der Konstabler grinste. «Woher ich weiss, dass Sie Professor Pelotard sind? Der Herr hat sich jetzt wohl versprochen, was? Ich weiss es, weil ich es von diesem Herrn gehört habe, der der Detektiv Kenyon ist, und der die Order hat, Sie zu arretieren.» «Jaja, und jetzt keine Winkelzüge mehr, Professor,» brüllte der falsche Detektiv. «Ihr kleines Spiel ist aus, und wahrlich nicht zu