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E_1933_Zeitung_Nr.023

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 14. März 1933 5. Salon-Hummer Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 23 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und ABONNEMENTS-FR EISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Lifte" Halbjährlich Fr. 5 , jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozusehlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Berri «oletn nicht postamtUch bestellt. Zuschlag lur postamtlicbe Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die Verringerung der Steuerlast ein wirksames Mittel zur Wiederbelebung der Wirtschaft. Aus der Reihe der zahlreichen beachtenswerten Referate, welche anlässlich des Internationalen Kraftverkehrskongress in Berlin gehalten wurden, seien auch noch die Ausführungen des Vertreters von AmeTÜca wiedergegeben. Als Referent vertrat Herr Mooney, der Delegierte der Nationalen Automobilhandelskammer, die Tl. S. A. « Die Führer der Automobilindustrie hatten politische Dinge stets gering eingeschätzt, d.h. die Automobilindustrie hatte allen politischen und Regierungsangelegenheiten keine Aufmerksamkeit geschenkt, weil wir sie für so ernstgesinnte Männer, wie wir es sind, nicht für würdig befanden. Aus diesem Grund haben wir auch nicht erkannt, dass Politik und Regierung ihrerseits ein immer mehr zunehmendes Interesse für das Automobil gezeigt haben. Dieses Interesse ist auf drei verschiedene Gründe zurückzuführen: 1. Die Ausgaben oder Kosten von Politik und Regierung müssen durch die Wirtschaft gedeckt werden. 2. Die Bedeutung der Automobilindustrie wächst. 3. Das Motorfahrzeug versprach eine grosse Ausbeute an Steuern. Heute beachtet die Automobilindustrie alle politischen Verhältnisse und jede Aenderung politischer Ansichten, und unsere Industrieführer,.,wenn sie die Automobilindustrie und den Mötorfährzeughandel vor einigen der drohenden Gefahren schützen wollen, müssen sich gewaltig ins Zeug legen, wenn sie den Regierungsvertretern klarmachen wollen, dass die Besteuerung von Automobilen jetzt einen Punkt erreicht hat, der alle konstruktiven Entwicklungen für immer vernichtet. Dies aus folgenden Gründen: 1. Die Steuern sind jetzt so hoch, dass sie eine Einschrumpfung des Verkehrswesens und damit die tatsächlichen Steuereinkünfte gewaltig verringern. 2. Die Steuern sind so hoch, dass sie den durchschnittlichen Verkehr, den Unterhalt des Automobils, zu kostspielig machen, ferner die Industrie behindert ist, den wirtschaftlichen Beitrag zu leisten, den sie natürlich für die Weiterentwicklung der Wirtschaft und gleichzeitig durch Hebung des Lebensstandards in jedem Lande leisten kann. Die Automobilfabrikanten sind Vertreter der Theorie, dass ein Mann mehr verdienen kann, wenn er seine Arbeitskraft durch Spezialisierung oder durch die Verwendung zeitsparender Maschinen steigern kann. Die grössere Kaufkraft der Arbeiter ist nur auf Feuilleton Quer durch den Salon Schon vor Genf merkt man, dass der Salon wieder auferstanden ist. Auf den breiten Zufahrtsstrassen flitzen elegante, schnelle Fahrzeuge dahin, brummen in rasender Fahrt schnittige Sportwagen vorüber. Die nicht besonders entzückenden Tramwagen rumpeln fähnchengeschmückt durch die Stadt. Das deutschschweizerische Element ist in der Völkerbundsstadt stark vertreten. Fast auf jeder zweiten Autonummer sieht man das Berner, Zürcher oder Basler Wappen. Ein Deutschschweizer kommt sich in Klein-Paris absolut nicht verloren vor. In das elegante Redegeplätscher der Genfer poltert unvermutet das gemütliche Berndeutsch, das spitzige Baseldytsch, die breitere Sprache der Ostschweizer. Vor "dem Salon ist Massenversammlung von Autos. Unübersehbar der Park von Wagen; weitaus die meisten sind jüngeren Datums. Die Benjamine der Landstrasse wagen sich in der Minderzahl nach Genf, wohl aus Gefühlen einer in diesem Falle begreiflichen Minderwertigkeit. Die Umgebung die Erhöhung des Warenumlaufs und dem daraus folgenden Aufblühen der Wirtschaft zurückzuführen. Das Geschäft kann nur dann wieder auf seine normale Basis gestellt Werden, wenn wir die fundamentalen Grundsätze anerkennen, die jedes Aufblühen der Wirtschaft bedingen, und wenn wir danach trachten, sie in der ganzen Welt wieder, zur Geltung zu bringen. ; Ein grösserer Warenumlauf als die Grundlage jedes Wohlstandes kann auch dadurch erzielt werden, dass man Waren aller Art zur Bedürfnisbefriedigung der Bevölkerung heranschafft. Die Automobilindustrie erkannte den Erfolg einer solchen Politik und strebte daher unablässig danach, die Kosten ihrer Produkte, bis zum äussersten Grad zu senken. Neben seiner günstigen Wirkung auf die gesamte Wirtschaft hat sich dieses Prinzip auch vom engeren Standpunkt des individuellen Fabrikanten als günstig erwiesen. Was wir beim einzelnen Produkt an Gewinn geopfert haben, wurde mehrfach durch die erhöhte Nachfrage wiedergewonnen, die stets dann eintritt,, wenn ein bestimmtes Produkt in den Bereich der Kaufkraft grosser Massen der Bevölkerung kommt. --• , Ein weiterer Schritt, der normalerweise" «u einer vermehrten Warenzirkulation führt, ist der, den ärmeren Bevölkerungsschichten dadurch Erleichterungen zu schaffen, dass man von ihnen nicht die Barzahlung einer relativ hohen Summe, die ihre Kassen aufs äusserste anspannt, verlangt. Die Folge waren Abzahlungsgeschäfte. Auf diese Weise waren Leute selbst mit einem regelmässigen kleinen Einkommen in der Lage, sich der wachsenden Zahl von tatsächlichen Käufern anzuschliessen, anstatt noch unter den möglichen Käufern zu bleiben. Als dieses weitere Kaufhindernis behoben war, wurde das Anwachsen weiter Kaufschichten offenbar. Die Nachfrage nach Automobilen stieg, grössere Warenquantitäten wurden gebraucht, damit gleichzeitig mehr Arbeit geschaffen, die Zirkulierung der Waren wurde beschleunigt und die Grundlage zum Wohlstand gelegt. Wenn wir wieder den Entwicklungsgang der Motorisierung untersuchen, finden wir die gleichen soeben gemachten Ueberlegungen in Absichten wieder, die einmal dem Automobilisten den Kauf eines Wagens erleichtern, aber dann auch gleichzeitig eine wirtschaftliche Verwendungsweise seines Geldes hinsichtlich des Betriebs sicherstellen sollten. der Ausstellung ist wie von einem Farbenkübel übergössen. Alle Töne schreien durcheinander, bis hoch an die Hauswände hinauf klettern die Aufschriften. Dazu brandet ein Nach diesem Grundsatz wurde auch die Benzinsteuer aufgebaut, die durch Zahlung kleiner Beträge zu verschiedenen Intervallen, anstatt in einer einzigen grossen Summe aufgebracht wird, was für den Verbraucher viel schwieriger ist. Allein die Erkenntnis der absoluten Notwendigkeit, dass die Ausweitung der Kaufkraft der niedrigeren Klasse erleichtert werden muss, hat überall dazu beigetragen, den Lebensstandard zu verbessern. Nur weil man den Nutzen einer Masse von Automobilbesitzern erkannt hatte, war es möglich, den Zustand zu erreichen, dass — sage und schreibe — der amerikanischen Regierung jedes Jahr eine Billion Dollar zufloss. Wenn es nicht möglich gewesen wäre, 26 Millionen Automobilisten zu gewinnen, die imstande sind, eine angemessene Steuer zu bezahlen, wäre es wohl sehr zweifelhaft gewesen, dass man diese enormen Staatseinkünfte jemals der Regierung der Vereinigten Staaten für Wegebauzwecke hätte zur Verfügung stellen können. Ungefähr sechs Zehntel dieser enormen Summe stammen aus der Benzinsteuer, die, solange sie sich in vernünftigen Grenzen bewegt, ein geradezu ideales Mittel zur Erlangung von Staatseinkünften bildet. Man hat jedoch festgestellt, dass diese Steuer schon dann destruktiv wirkt, wenn sie mehr als 5 Cents pro Gallone ausmacht oder wenn sie nicht insgesamt für die Verbesserung der tige Scheiben das Tageslicht einbricht. Die Füsse versinken auf weichen Teppichen, die wie eine Konzession an das Wort «Salon» sind. Blumen blühen da und dort neben den richtiggehender Grossstadtbetrieb vor demWagen, raffiniert in der Wirkung berechnet. Eingang in die heiligen Hallen des Automobils. Wer verdenkt es den Ausstellern, dass sie Kreuz und quer surren Wagen durcheinander, darauf sehen, ihre Wagen in möglichst guten fauchen Taxis herbei, rattert die Strassenbahn, Hupen und Schrillen, Läuten und Rufen. für sich selbst sprechen? In dem grossen Rahmen zu präsentieren, auch wenn diese Der Neuangekommene reibt sich einigermassen konsterniert die Augen und findet dann wird es wieder von einem JVlännerchor Lautsprecher jodelt soeben ein Doppelquartett, doch bald Gefallen an diesem Getriebe. Es abgelöst, dessen gutschweizerische Herkunft gehört nun einmal hierher. Den Rest besorgen noch die verschiedenen Ausrufer, deren die vielen Tafeln mit den Aufschriften der er nicht verleugnen kann. Hoch oben hangen Stimmorgane in erbitterte gegenseitige Konkurrenz geraten. An der nächsten Ecke dudelt schielen hinauf, wenn sie sich einem Stand Marken, aber nur ganz gewaltige Grünhörner ein armer Blinder «Ich küsse ihre Hand, nähern. Die meisten sind routiniert genug, Madame», und neben dem Salon-Eingang um die Wagen schon von weitem nach ihrer rauft sich die Genfer Jugend zum Vergnügen. Herkunft zu erkennen. Mit unbeweglichen Gesichtern stehen allein Was sind im Momente Einzeleindrücke von die Sekuritas, die modernen Wächter der Neuheiten, verblüffenden Ideen, wenn man, Ordnung vor den Eingängen, kontrollieren die Hände philosophisch auf dem Rücken, die Billets und neigen ernst das Haupt. durch die Schau schlendert? Irgendwie ist Beim ersten Bummel durch die Ausstellung will man nichts, als die ganze Atmosphäre des Salons neu in sich aufnehmen können. Ein durchdringender Lackgeruch hängt in dem Raum, durch den von oben durch mäch- man im Augenblick doch wieder sprachlos über die Errungenschaften unserer Zeit. Man müsste eigentlich einmal die ganze Selbst- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU, Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratcnsehlnss i Tage +or Ericheinen der Nummern Blick auf den Salon. Wege, auf denen die Motorfahrzeuge fahren, Verwendung findet. Nur sehr wenige Regierungen, die amerikanische inbegriffen, haben die Notwendigkeit einer vernünftigen Steuer, als Grundlage für möglichst hohe Staatseinkünfte, erkannt In den früheren Tagen des Automobilismus, als man das Automobil förderte, betrug die durchschnittliche Steuer nur ungefähr 30 Dollar im Jahr. Unter Nichtachtung der in der Fabel von «der Gans, die die goldenen Eier legte»,, enthaltenen Weisheit begannen die Gesetzgeber, zahlreiche direkte und indirekte Mittel für die Heranziehung der Automobilisten zu weiteren Abgaben zu erfinden, mit dem Erfolg, dass wir die heutigen Verhältnisse haben, wo der Eigentümer jährlich 24 Prozent des durchschnittlichen Wertes eines Wagens zahlt. Es haben sich kleinere, obwohl zuerst nicht leicht erkennbare Abgaben aller Arten eingeschlichen, die wir dem Namen nach kennen: Benzinsteuer, Gebühren, verteuerte Bewilligungen und Kontrollschilder, Verkaufssteuer, Eigentumssteuer, Benutzungssteuer, ganz abgesehen von vielen anderen, die sich auf die Betriebsführung, Zulassung, Reifen und andere Dinge beziehen. Es ist heute der Zustand erreicht, dass die Benzinsteuer 33 Prozent des Tankstellenpreises ausmacht, und die Automobilisten 12 Prozent sämtlicher Steuern, die von sämtlichen Regierungen, seien es nun staatliche oder städtische, erhoben werden, aufbringen. verständlichkeit, den der Begriff «Auto» heute für uns blasierten Europäer hat, abstreifen können, und sich mit aller Deutlichkeit vor Augen halten, was denn in Wirklichkeit eine solche Maschine ist. « Automobil » — das « Selbstbewegliche ». Man müsste sich vorstellen, wie unsere Vorfahren von- Fährzeugen, die sich aus eigener Kraft bewegten, als von unerreichten Wundern träumten. Dann mögen einem die Augen aufgehen über die Leistungen der modernen Technik, die über den reinen Zweck der Fortbewegung hinaus auch der Bequemlichkeit, dem Vergnügen, dem Luxus Befriedigung verschafft. Mit welchen Finessen diese Wagen samt und sonders versehen sind; welcher ungeheure Fortschritt von den ungefügigen Karren vor Jahrtausenden zu diesem Höhepunkt führte. Dann wird auch evident, dass ein solches Zeitalter, das so weit die Materie bezwungen und sich entwickelt hat, andere, innere Strukturen besitzen muss als die Vergangenheit. (Und, um nur anzudeuten, sei der gleiche Gedanke noch weitergesponnen und überlegt, ob nicht gerade in der teilweisen Unfähigkeit der inneren Umstellung zu dieser wirklich neuen Zeit der Technik unsere Krisen verankert liegen...) Doch die Mannigfaltigkeit des Salons bewahrt vor uferlosem Spintisieren. Zu sehr fesseln schon beim zweiten Rundgang die ausgestellten Wagen. Der Techniker hat hier