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E_1933_Zeitung_Nr.026

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 26 Wie bisher.hat aber die Zündanlage mit 16.000 km gefahren. Nun annonciert die Firma 20,4 Prozent am meisten Störungen verursacht. Die Mehrzahl dieser Störungen war mehr Rasse und Tempo. Ich wäre Sportkollegen Tornado in der «A.-R.» einen Brennstoffsparer, mit dem 20—40% Benzin gespart werden soll, bei dabei die Folge von Vernachlässigungen, wie dankbar, wenn sie mir ihre Erfahrungen mit diesem Sparer mitteilen wollten. F. P. in K. sie immer wieder anzutreffen sind. Von den verschiedenen Motorpannen waren am häufigsten solche im Zusammenhang mit Kolbenund Zylinderdefekten beteiligt. Prozentual belief sich der Anteil dieser Pannen auf 9,9 Prozent, während Ventildefekte, Schmierungsstörungen und Steuerungsdefekte nur in einem verschwindend kleinen Prozentsatz auftraten. Mit dem ziemlich hohen Prozentsatz von 12,7 gegen 13,6 Prozent im Jahre 1931 figurieren jedoch immer noch die Hinterachsdefekte. Kupplungsdefekte wurden in 6,2 Prozent der Fälle festgestellt, während Störungen in der Beleuchtungsanlage nur noch 2,5 Prozent aller Pannen ausmachen. at. s» Höfliche Bitte an die Fragesteller ! Tagtäglich «halten wir Dutzende von Anfragen, was halten Sie vom Automobil X, •was Vom Motorrad Y, empfehlen Sie den Vergaser A oder gefällt Ihnen das Fabrikat B besser? Vorliegende Zeilen sind ein neuer dringender Notschrei der Redaktion, sie mit derartigen Anfragen zu verschonen. Wir können beim besten Willen solche Auskünfte nicht erteilen. Gewiss sind wir über die einzelnen Fabrikate genau orientiert, allein unsere Objektivität würde angezweifelt, wenn die Redaktion von sich aus die Beurteilung einzelner Fabrikate übernehmen würde. Wir geben auch dann keine Auskunft, wenn uns Diskretion auf Ehrenwort zugesichert wird oder wenn uns für derlei Auskünfte Geldbeträge angeboten werden. Der «Sprechsaal» unseres Blattes soll vor allem dem freien Meinungs- und Erfahrungsaustausch unserer Leser dienen. Die Redaktion gibt darin nur über Fragen allgemeiner Natur Auskunft. Antworten geschäftlichen oder reklatnehaften Charakters und solche, die sich anderweitig nicht zur Veröffentlichung eignen, pflegen wir, ohne dabei unsere Stellungnahme irgendwie zu präjudizieren, kommentarlos an den Fragesteller weiterzubefördern. Damit glauben wir allen billigen Interessen unseres grossen Leserkreises gerecht zu werden; ihr Urteil über die Fabrikate müssen sich unsere Leser schon selbst bilden. Wird dem umfassenden und vielseitigen Inseratenteil der « A.-R. > das nötige Interesse gewidmet, so kann sich jeder Leser über den gesamten Handel und die Erzeugung auf dem Gebiete des Automobilwesens ein ziemlich klares Bild machen. Die Red. Frage 8616. «Tornados-Sparer. Ich besitze einen Amerikaner, 13 PS, Modell 1930 und verbrauche damit bei Ueberlandfahrten 17 Liter und bei Stadtfahrten 18—20 Liter Benzin. Dieser Benzinverbrauch ist zu gross. Die Düse ist bereits aufs Minimum verkleinert worden, jedoch ohne Erfolg. DeT Wagen ist noch neu und ich bin damit erst Frage 8617. « Elektrion » - Oel. Ein Bekannter von mir vertreibt das Oel « Elektrion » und hat mich gebeten, meinen Oelbedarf bei ihm zu decken. Ich bitte um gefl. Aufklärung und absolut neutrale, fachmännische Auskunft, da ich das Oel gerne verwende, wenn es gut ist, anderseits aber meine Maschine nicht ruinieren möchte, sofern es sich um minderwertiges Oel handelt. Ich fahre einen Dodge, 16 HP, 1933, 4 Zylinder. P. J. in I. Frage 8618. « Adler-Trumpf, » Ich beabsichtige ein Kleinauto zu kaufen. Von den mir bekannten Wagen gefällt mir der « Adler-Trumpf > besonders gut. Mit einem neutralen Urteil über diese Neukonstruktion wäre mir sehr gedient. Ich möchte insbesondere wissen, ob sich der Frontantrieb bei Adler ganz besonders auch auf Bergstrasseä bewährt und ob sich die Schwingachsenkonstruktiön und die Bodenfreiheit von 22 cm für unsere Strassenverhältnisse, speziell auch im Winter, eignen.; Welche Erfahrungen wurden bisher mit diesem Wagen bei uns gemacht? A. B. in B. , Frage 8619. Kombiniertes Brems- und Gaspedal. Vor mehreren Jahren erschien in Ihrem Blatt die Beschreibung einer Kombination Bremspedal-Gaspedal. Durch diese Kombination sollte vermieden werden, dass der Fahrer fortwährend mit dem Fuss vom Gaspedal zum Bremspedal hinüberwechseln muss, was in Gefahrfällen ja schön oft Anlass zu verhängnisvollen Verwechslungen gegeben hat, Ichbeabsichtigte, die Anordnung damals selbst. auszuprobieren, kam aber nicht dazu und wäre Ihnen für eine nochmalige Beschreibung des Systems dankbar. R. F in H. Antwort: Die beistehende "Skizze 1 zeigt die seinerzeit beschriebene Anordnung. Das normale Bremspedas trägt an einem verstellbaren Schaft eine Fussplatte, die sich um eine ungefähr senkrechte Achse kippen lässt. Die eine Seite dieser Platte ist durch ein Kugelgelenk mit einem Gestänge (S) verbunden, das, wenn es gezogen wird, die Drosselklappe öffnet, um Gas zu geben, braucht deshalb der Fahrer nur mit seinem rechten Fuss die Pedalplatte mehr oder weniger stark nach rechts zu kippen. Bringt er den Fuss wieder senkrecht auf die Pedalplatte, so wird die Drosselklappe durch Federn geschlossen. Drückt der Fahrer das ganze Pedal nieder, ohne die Platte zu kippen, so tritt nur Bremsung ein. Die Verbindungsstange S verschiebt sich dann im rechten Ende des Hebels H einfach nach vom, ohne den Hebel selbst zu be* wegen. Lässt man das Pedal ganz los, so benimmt sich der Wagen genau gleich wie vorher und "rollt ohne Gas weiter. Die vorliegende sinnreiche Vorrichtung ist sicher geeignet, auch geübten und sonst nicht so rasch zu Irrtümern geneigten Autlern Vorteile zu bieten. Das Gasgeben durch seitliches Kippen« einer Pedalplatte erweist sieb als bedeutend becruemer und erlaubt eine feinere Abstufung als die vertikale Betätigung des übliehen Gaspedals. Durch die Möglichkeit, unmittelbar vom Gas auf Bremswirkung überzugehen und umgekehrt, erhält der Fahrer ein. gesteigertes Gefühl des Verwachsenseins mit dem Wagen. Die Vorrichtung hat sich ; auch an Rennen bewahrt, da es ja gerade hier oft darauf ankommt, fast iin gleichen Moment zu bremsen und Gas zu geben. —e. Frage 8620. «Schwitzender» Hahn. Kennen Sie ein Mittel, um einen Brennstoffhahn, der «schwitzt», dicht zu machen? Sollte ich noch mit Graphitpasta probieren, da einfetten nichts nützt? B. in L. Antwort: Ein Brennstoffhahn, der «schwitzt», schwitzt nicht, er ist undicht. Von einem «Schwitzen» kann man nur dort sprechen, wo sich auf der Aussenseite einer Leitung oder eines Behälters, die relativ kälter sind als die umgebende Atmosphäre, Luftfeuchtigkeit niederschlägt, wie es beispielsweise- häufig bei Wasserleitungen der Fall ist. Zeigt sich jedoch ein Feüchtigkoitsniederschlag an einer Brennstoff-Leitung oder einem Behälter eines Autos, so handelt es sich dabei fast immer um Brennstoff, der durch eine Undichtigkeit ausgetreten ist. Bei einem Hahn besteht wenig Aussicht, eine solche Undichtigkeit mittels irgendeiner Pasta dauernd abzudichten. Fett und dickes Oel sind von vornherein fast wirkungslos, weil sie durch den Brennstoff aufgelöst werden. Auch Schmierseife, die nicht aufgelöst wird, dichtet nicht lange ab, weil sie beim Bewegen des Hahns bald weggerieben wird. Eine dauernde Abhilfe ist nur durch Neueinschleifen des Hahns oder besser noch durch dessen Auswechslung möglich. Gewisse Typen von Brennstoffhahnen eind überhaupt nicht dauernd dicht zu bekommen. Hier ißt natürlich die Auswechslung am ehesten angezeigt. at. Sg» >ealv Anfrage 258. Wohnsitzmangel. Wie gehe ich gegen einen Monteur vor, der militärisch in seiner Eltern-Gemeinde angemeldet ist, jedoch weitere Schriften nirgends einlegte., K. ia E. Antwort: Wenn die Person, die Sie gerichtlich belangen wollen, keinen Wohnsitz hat, dann sind Sie berechtigt, diese am Aufenthaltsorte gerichtlich einzuklagen. Ausserdem können Sie, wenn der Schuldner keinen festen Wohnsitz hat, Vermögensstücke' des Schuldners mit Arrest belegen lassen. * Anfrage 2S9. Haftung für zu stark gewölbte Strassen. Wer haftet für den Schaden, wenn ein Auto infolge viel zu starker Seitenwölbung deT Strasse ins Rutschen kommt? Der Staat Bern liesa diese Strasse vor erst etwa 5—6 Jahren neu machen. An der Unfallstelle hat die Strasse 14 bis 15% Neigung gegen das Strassenende. Z. Antwort: Der Eigentümer eines Werkes (Strasse) hat den Schaden zu ersetzen, den dieses infolge von fehlerhafter Anlage, oder Herstellung, oder von mangelhafter Unterhaltung verursacht. Eine fehlerhafte Anlage liegt vor, wenn bei der Konstruktion der Materialverwendung und der Herstellung des Werkes dies dem derzeitigen Stande der Technik entsprechenden Regeln und üblichen Vorkehren ausser acht gelassen werden. Dabei muss ein angemessenes Verhältnis zwischen Kosten und Gefahrswahrscheinlichkeiten. vorhanden sein, auch nicht eine allfällig dadurch bewirkte Erschwerung im Gebrauch zu berücksichtigen. Der mangelhafte Unterhalt bezieht sich auf die Instandhaltung des Werkes. Es muss ein Fehler vorhanden gewesen sein, der bei gehöriger Sorgfalt erkennbar war und nicht innerhalb angemessener Frist beseitigt wurde. Zum Unterhalt gehört auch, dass das Werk regelmässig auf 6eine Gebrauchstüchtigkeit hin geprüft wird. Im vorliegenden. Falle käme wohl « fehlerhafte Anlage» in Frage. Ob und in wie weit die in Frage stehende Strasse als « fehlerhaft» bezeichnet werden müsste, wäre Sache einer Expertise. Wir fragen uns, ob im heutigen Zeitpunkt die Gerichte bereits das notwendige Verständnis dafür haben, eine allzu stark bombierte Strasse als « fehlerhafte Anlage » zu bezeichnen, obwohl dies, mit Rücksicht auf den heutigen Verkehr und die heutigen Verkehrsmittel zweifellos der Fall ist. Vor nicht allzu langer Zeit äst i. B. durch ein Berliner Gericht die Stadt Berlin verantwortlich erklärt worden, für Schäden, die auf glatten Stadtasphaltstrassen durch Ausrutschen etc. entstanden sind. Das Berliner Gericht hat erkannt; dass heute Strassenbeläge vorhanden sind,- welch« erheblich weniger Rutschgefah* bieten als der spiegelglatte Stadtasphalt. Wenn nun die Stadtverwaltung trotzdem glatte Stadtasphaibeläge weiterhin dulde, so sei sie eben auch für die daraus entstehenden Folgen haftbar. Aehnliah verhält es sich selbstverständlich mit stark gewölbten Strassen, wobei wir, wie bereits erwähnt, wiederholen, dass eine so fortschrittliche Auffassung, wie sie das Berliner Gericht bewiesen hat, bei unsern Gerichten kaum zu erwarten ist. Immerhin halten wir dafür, dass in besonders krassen Fällen, der StrasseneigentümeT auch bier zur Verantwortung gezogen werden kann. Zudem ist der Kanton und wahrscheinlich auch die meisten Gemeinden gegen die Folgen fehlerhafter Werke und Anlagen und mangelnden Unterhalts versichert Wir würden Ihnen deshalb empfehlen, vorgängiff irgendwelcher gerichtlicher Massnahmen mit dem Strasseneigentümer bezüglich Schadenersatz in Verbindung zu treten. * Verantwortliche Redaktion Dr. A. BGchl. W. Mathys — H. Labhart. Telephon der Redaktion: 28.222 (Hallwae). Außerhalb der Geschäftszeit: 23 295. Redaktion für die Ostschweiz: Dr. A. Büchi Sprechstunden nach Vereinbarune mit deT Ge- Ztirirh (Tfiwpnstr «1- Tel 39745) Das Verdeck ist leck Regen tropft auf die Polster; der Wind pfeift durch die Ritzen; Staub dringt durch. Soweit wäre es nicht gekommen, wenn regelmassige Verdeckpflege mit „Auto Top Finish" stattgefunden hatte. FOr Wagenverdecke aus Leder und Lederimitation Ist „Auto Top Finish" der beste Verwitterungsschutz. Es gibt keine brüchigen Stellen, und das Verdeck sieht Immer gut aus. Also am besten gleich von Anfang an Auto Top Finish verwenden; dann bleibt das Verdeck wasser-, wind- und staubdicht. i.Auto Top Finish" gehört ro der et* folgreichen Reihe der Ouco-Pflegemittel. Es Ist In utozubehfif Geschäften und Drogerien erhältlich. Dueö-Pollsh 7 zur Pflege der Wicklerung. Nickel Pollsh mm Gllnzen an fener oder fleckiger Metalltelle. Duco-Allelnvertretung: Heinrich Wagner & Co., Zürich Seehofstraße 16. Telefon 27.340 Zahnräder Gebr. 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Bern, Dienstag, 21. März 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 26 Menschen im Winterkurort Von Gertrud Bürgi. Halb fünf. Sie kommen. Gleich drei aufs mal. Dann noch eine, und zehn Minuten später die zwei letzten Damen. «So ein Wetter, und genau zwei Wochen lang ein Tag so herrlich wie der andere!» «Fabelhaft war's! Ich benutzte jeden freien Nachmittag, um mit den Kindern zu spazieren^ «Wir waren gestern noch zwei volle Stunden unterwegs, mein Mann und ich. Heute sitzt er den ganzen Tag im Lehnstuhl, er spürt den Witterungswechsel in allen Gliedern.» «Ich hab' heute Kopfschmerzen, kaum zum Aushalten; das macht der Schnee.» «Schnee, Schnee», denkt eine Blasse, Zarte, die still in ihrem grünen Fauteuil lehnt, ein Kissen mit gelben Rosen im Rükken, «wenn es das nicht gäbe, dieses Leichte, Flimmernde, Tanzende, wäre die Welt noch langweiliger und noch unbarmherziger, als sie es ohnehin ist. Schnee versöhnt, Schnee tröstet und sühnt, hat unbedingt etwas, das mit unsem Sünden im Zusammenhang steht. Schnee ist so rein, so überirdisch, etwas ganz und gar vom Himmel Kommendes.» «P. hat junge Gänse, erstklassige Ware, mein© Damen, wir hatten gestern eine, man konnte sich nicht satt daran essen, so ausgezeichnet war sie.» «Sie füllen sie auch mit Kastanien?> «•Das Kleid —? Ja, es geht, obschon es Konfektion ist und ich im Prinzip die Hausschneiderei vorziehe.» «Danke, ganz gut. Seitdem die Mandeln geschnitten sind, ist das Kind bedeutend wohler, nur .» «Gewiss, gewiss, es geht rasch, innert einer Woche habe ich den Pullover fertig gehabt, jetzt kommt ein neuer dran in Hellblau. Ich gebe Ihnen gerne das Muster —?» Manchmal fliegt ein Blick gegen die Scheiben, in die weisse, weisse, unendlich sanfte Landschaft hinaus; er wird aber immer gleich wieder zurückgeholt, den weltlichen Dingen zu. Nur der der Blassen, Leichten bleibt dort F E U I L L E T O N Herrn Collins Abenteuer Roman Ton Frank Heller. ruhen, saugt sich fest, ist diesem Bilde widerstandslos hingegeben. Niemand achtet es. Manchmal kommt ein Vogel nah an die Scheibe, eine Amsel, einmal ein Rotkelchen, und immer wieder Spatzen, ihr nasses Gefieder schüttelnd. Zu sechs, acht, zehn sitzen sie auf dem Vogelbeerbaum, dessen Scharlachrot lebensfroh aus dem Schnee leuchtet. «Ist Ihnen bekannt, dass K's in Scheidung liegen?» «Nicht möglich, wissen Sie das bestimmt?» «Wie kam das nur —? Und die Kinder, die armen Geschöpfe — ! > «Es gibt doch wirklich Rabenmütter. Ich weiss nämlich bestimmt, es ist ihre Schuld, dass es so weit gekommen ist!» «So, ich hätte eigentlich gedacht, die Schuld wäre mehr auf Seite des Mannes.» «Schwer zu sagen, sehr schwer, mein Mann meint » Das Durcheinander der Stimmen hebt sich. Jede der Anwesenden spricht und müht sich, die Oberhand zu gewinnen. Nur nicht zuhören, zuhören ist viel, viel zu langweilig, und ist man etwa gekommen, sich Langeweile zuzulegen? Die Blasse, Leichte hat die Augen voller Ferne. Sie hört keine Worte, aber sie weiss genau, was um sie her vorgeht. Dass ein Stück Alltagsfilm langsam, intensiv abläuft und dass jede dieser Frauen um sie her froh ist,' wenn ihre Partie nicht die Kleinste bleibt. Die Qualität bleibt sich gleich, hat überhaupt nichts zu sagen. Qualitäten spielen nur mehr in Stoffragen eine Rolle, in Lebensmittelangelegenheiten. In menschlicher Beziehung ist das nicht mehr so. Wozu? Jeder gibt sich Zeitungsnotiz: < Au« Budapest wird gemeldet, dass der vierundachtzigjährige Paul V. und die achtzigjährige Rosalie T. nach dreiundfünfzigrjähriger Verlobungszeit di« Ehe geschlossen haben...» „ Rosaliens Grossmutter war noch Leibeigene auf dem Gut eines Grafen und wurde als dreissigjährige Frau von dem Gesetz befreit Von ihr hatte Rosalie viele Märchen aus früherer Zeit, von ihr wusste Paul, wie oft die ihrem Staunen an Mr. Kenyon adressiert Sie drehte sich um, um ihn zu rufen, und sah ihn eben auf den Zehen zu dem Fauteuil mit seinem unheimlichen Inhalt hingleiten. Ohne ein Wort hervorbringen zu können, sah sie, wie er das Rouleau vor dem Fenster aufzog, und fuhr plötzlich vor einem energisch ausgestossenen, schallenden irländischen Fluch zusammen. «Mr. Kenyon,» rief sie mit einer Stimme, die vor Tränen bebte, «wie können Sie — wie können Sie, in Gegenwart des Todes?» «Oder was!» rief Mr. Kenyon. «Was sind das für Witze, Miss Holten? Ist das Ihr eigener kleiner Scherz, oder hat Ihnen Ihr Mr. Collin geholfen, mich auf diese Expedition zu narren?» «Ich verstehe Sie nicht,» sagte Fräulein Holten mit eisiger Verachtung, «weder was Sie meinen, noch wie Sie es wagen können, in diesem Tone zu mir zu sprechen, noch dazu vor dem Toten.» «Dem Toten,» schrie Mr. Kenyon ausser sich. «Hier haben Sie Ihren Toten, Miss Hol- (Fortsetzung und Schhiss aus dem Hauptblatt.) Und da fasste ich denn meinen unerschütterlichen Entschluss. Als ich Dich so froh und arglos Dich meiner Obhut anvertrauen sah, da zitterte ich und fühlte mich als der von Eden ausgestossene Mensch. So oft Du mir in die Augen sahst, so oft ich Dein heiteres Mädchenlachen hörte, zuckte ich zusammen und dachte: wenn sie wüsste, wenn sie wüsste! Und gestern, Sigrid, als ich Dich geküsst hatte, war mein Entschluss gefasst. Mein ganzes Wesen hungerte nach Dir! Aber das durfte nicht geschehen, ich wollte Deine Reinheit nicht mit meiner Schande besudeln. Bei dem Gedanken, dass Du, ohne die ich nicht leben möchte, mich lieben lernen könntest und dann eines Tages erführest, was ich bin — ein Schwindler, ein steckbrieflich verfolgter Advokat, dass ein Preis von 3000 Kronen auf meine Ergreifung ausgesetzt war — gesunkenen Körper aus dem Fauteuil in die ten.» Und er schleuderte den zusammen- bei diesem Gedanken, Sigrid, bäumte sich Höhe. Er beschrieb einen meterhohen Bogen mein ganzes Inneres auf, und ich sagte: Nein, durch die Luft und fiel mit dumpfem Aufschlagen vor Fräulein Holtens Füsse nieder. das darf nicht geschehen! Du hast genug gelebt! Ein Regen von roten Tropfen flog dabei aus Noch einmal, ehe meine Hand den verhängnisvollen Schnitt macht, nehme ich Abschied den schlaffen Körper an, die hilflos fallenden dem Kopfe. Beinahe hysterisch starrte sie von Dir, von Deiner reinen, strahlenden, unschuldigen Weiblichkeit. Lebe wohl! Mögen lich mit einem schrillen Lachen vornüber auf Glieder und den formlosen Kopf, bis sie plötz- die Götter Dich beschützen, und vergiss, dass den Schreibtisch fiel: ein Mannequin, ein gewöhnlicher Künstlermannequin, dessen Kopf Du einen Deiner Unwürdigen gesehen und gesprochen hast, der Dich liebte. von eingetränkter roter Oelfarbe triefte, die Philipp Collin.» in fetten Tropfen auf den Boden floss. Mit unsicheren Augen hatte sie den Brief «Ein Mannequin, ein Mannequin... also zu Ende gelesen, diesen Brief, in dem jedes kein Selbstmord, also...» Sie sprang, rot vor Wort sie wie ein Peitschenhieb brannte, und Entrüstung, auf, aber trotz alledem mit einem sie wollte ihn eben wieder in das Kuvert Gefühl der Erleichterung. Ah, er hatte also schieben, als sie plötzlich merkte, dass noch nur mit ihr gescherzt — mit ihrer reinen, unschuldigen Weiblichkeit. Er hatte sie also ein kleineres Kuvert darin lag. Mit zitternder Hand zog sie es hervor und fand es zu durchschaut, während sie ihn so gut hinters so, wie er ist. Ist Mensch nach innerstem Gutdünken und Vermögen. Und ist man etwa da, um etwa« anderes zu sein? Sollte man vieleicht das Sonntagskleid, das innerliche, anziehen? Wäre man sich da nicht eher fremd? Und: Gibt es überhaupt Sonntagskleider der Seele? Hat diese es nicht in erster Linie auf den Werktag abgesehen? «Warum wir so beieinander sitzen?» denkt die Leichte, Blasse. Viel schöner wäre es doch, durch den Schnee zu wandern und selbst ganz still und weiss zu werden. Oder: Es könnte auch hier im Zimmer anders sein. Man könnte den scheidenden Winter feiern. Könnte alles das, was doch eigentlich nur vorübergehender Kleinkram ist, ablegen, zu Boden fallen lassen und irgendwie für eine Weile vergessen, sich für anderes öffnen wollen. Dann käme die grosse Feierlichkeit der Natur zu uns herein, und vieles in uns würde anders, ganz anders werden. Aber wir haben nur mehr die grosse Unruhe, das Nichtstilleseinkönnen. Unser Bestes ist verschüttet, zugedeckt mit totem Laub und ungeliebten Blumen. Wirklich, hätten wir kein Dach über uns, wir würden bald weiss sein und ohne Fehle, unsere Sünden, diese kleinen, geringen Alltagssünden, die von rechts wegen gar nicht da zu sein brauchten, würden wohl leise dahinschmelzen. Und dann käme das aHein zum Vorschein, was unser Bestes ausmacht: Der Mensch ohne Zier und Tand, fern dem Gewöhnlichen, das immer wieder so feindlich in die Oede treibt. Und manch ein Herz würde vielleicht leise, ganz leise in den Schnee bluten...» Das Märchen von der Treue Von Alexander von Sacher- Masoch. Vorväter lange Jahre gedient und gearbeitet hatten, ehe ihr Fron genug abwarf für zwei Menschen, die Mutter und Grossmutter aber Jabr um Jahr gewartet hatten in dämmerigen Spinnstuben und Gesindeküchen, an den Webstühlen und neben den grossen, brodelnden Kesseln auf ihre fernen Verlobten. Selten kamen Briefe auf buntem, mit Täubchen und Vergissmeinnicht verziertem Papier, Licht geführt zn haben glaubte. Er hatte dieses ganze Melodrama arrangiert, die Effekte berechnet, sie mit Reue erfüllt, mit Gewissensqualen, mit Tränen, um sie dann durch diese lächerliche Szene zu demütigen. «Ah, ich verabscheue ihn, ich hasse ihn!» rief sie, und mit einem schrillen Lachen warf sie das Briefchen, das sie in ihrem eigenen gefunden hatte, Mr. Kenyon zu. «Ein Brief an Sie, Mr. Kenyon, lesen Sie doch!» rief sie, und Mr. Kenyon, der mit vernichtenden Blicken ihre Gemütsbewegung mit angesehen hatte, nahm den Brief und riss ihn auf, ohne ihn anzusehen. Aber nach einem flüchtigen Blick darauf machte er einen förmlichen Sprung auf Fräulein Holten zu und schrie mehr als er sagte: «Ah, jetzt fällt mir etwas ein! Jetzt ahne ich, warum der Name dieses Mr. Collin mir so bekannt vorkam. Den ganzen Tag hatte ich das Gefühl, dass ich ihn schon gehört haben muss. Sie hatten doch eine Empfehlung von jemand, nach dem ich zu fragen vergass, wie hiess er? Antworten Sie.» Ganz erstaunt starrte sie ihn an, bis sie sich plötzlich erinnerte: «Eine Empfehlung... ja, von Professor Pelotard, das heisst, ich...» «Professor" Pelotard, ah, eine niedliche Sache! Seien Sie so gut und lesen Sie, Miss! Lesen Sie das!» Sie nahm das weisse Kärtchen und las: «Dear Mr. Kenyon. Ich habe mif die Freiheit genommen, Ihnen eine junge Freundin, Miss Holten aus Schweden, zu schicken, die mich mit Ihrer Hilfe zu arretieren wünschte. Ich bitte Sie; zu tun, was Sie können, um ihren Wunsch zu erfüllen, und ich versichere Ihnen, dass ich nicht im geringsten ironisch bin, wenn ich sage, dass Sie wahrscheinlich wie die Patrouille der Karabinieri kommen werden — immer zu spät. Denn schon lange habe ich daran gedacht, der Gerechtigkeit zuvorzukommen, wie die Zeitungen sagen, es war auch sonst eine der wenigen Maximen „Ecke des guten Beispiels " Schutzengel im Walde. Es war an einem kalten Wintertag dieses Jahres. Wir fuhren von Zürich mit unserem Wagen wieder nach der Innerschweiz zurück. Schon war es Nacht geworden, und wir beeilten uns, möglichst bald unser Heim wieder zu erreichen. Bekanntlich stellen sich Pannen immer gerade am unpassendsten Orte ein, und so erging es auch uns. Mitten im tief verschneiten Sihlwald blieb unser Wagen prompt stecken. Der Motor streikte und auch die Beleuchtung hatte versagt. Ratlos sassen wir in unseren Polstern. Weit und breit war kein Haus zu erblicken, nichts als Kälte, Schnee, Stille um uns. Plötzlich nahte ein Auto in der Richtung von Zürich her. Ich stellte mich kurz entschlossen auf die Strasse und gab dem Führer Zeichen, anzuhalten, denn irgend etwas musste ja geschehen. Es war eine peinliche Ueberraschung für mich, als dem eleganten neuen Wagen statt des erwarteten Herrn eine alleinlahrende Dame entstieg. Sie bot uns sofort ihre Hilfe an, aber an dem Wagen war natürlich an Ort and Stelle nichts zu machen. Das Fräulein lud uns kurz entschlossen alle drei in ihren Wagen ein, während wir unser Unglücksvehikel in Schnee und Kälte zurücklassen mussten. Die Dame führte uns in freundlichster Weise bis nach Luzern; dabei entpuppte sie sich als Sekretärin einer Luzerner Garage. In liebenswürdiger Weise ordnete sie alles an, damit der Wagen abgeschleppt und in Ordnung gebracht werden konnte. Mit seiner Hilfe hat uns so dieser «Schutzengel im Walde» aus einer wahrhaft unangenehmen Situation befreit. Ä. G. in B. Briefe, welche die Brautleute von schreibund liebeskundigen Frauen um ein geringes Entgelt verfassen Hessen, denn es gab wenige unter ihnen, die das Schreiben verstanden. In diesen Briefen stand immer dasselbe: Vom Mai, von den Blumen, von einer fernen Zukunft und von der Treue. Die Welt war in diesen Briefen, oder alles, was die Welt an Glück für sie bereit hatte. Die Sehnsucht kam in den Satteltaschen.der Postreiter über ferne Landstriche und in weiten Zeitabstän- Unser neuer Roman Rufe aus dem Dunkel aus der Feder des bekannten deutschen Schriftstellers Karl Strecker setzt die Reihe unserer ausgezeichneten Roman-Feuilletons fort. In dem ungewöhnlichen Werk geht es um die Rätselfragen des Blutes und der Herkunft. meines Lebens, dies immer zu tun. Heute abend mache ich einem unwürdigen Dasein ein Ende, in dem Sie, lieber Kenyon, einer der wenigen Lichtpunkte waren. Ich wünsche Ihnen eine glückliche Zukunft, opfern Sie manchmal einen Gedanken Ihrem unglück-' liehen Freund Professor Pelotard, alias Philipp Collin.» Dann kam ein leerer Raum von einigen Zeilen, dem ein zierlich abgefasstes PS. folgte. «Ich will, dass mein Staub am Mälarstrand ruhe, unter dem schwedischen Volke, das ich so heiss geliebt.» Fräulein Holten sah hastig auf, denn Mr. Kenyon hatte einen Tigersprung auf die Tür zu gemacht. «Lavertisse,» brüllte er, «zum Teufel, den werde ich doch wenigstens hoppnehmen.» Mit beträchtlichem Gepolter stürzte er die Treppe hinunter, um nach M. Lavertisse zu fahnden. Aber es war zu spät. Der treue Diener war längst dem Beispiel seines Herrn gefolgt und mit ihm Mr. Kenyon und seinen Handschellen enteilt, unbekannten Schicksalen und Frauen entgegen. Auf allen Punkten geschlagen, ganz rot vor Erbitterung, kehrte Mr. Kenyon zu dem noch wunderlich niedergeschmetterten Fräulein Holten zurück. «Und jetzt, Miss Holten,» sagte er barsch, «haben Sie die Güte und steigen Sie in dieses Auto. Wir haben noch ein Wörtchen über den Fall Collin zu sprechen.» Ende. ECafff@e Hag völlig unschädlich für jung und alt