Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1933_Zeitung_Nr.025

E_1933_Zeitung_Nr.025

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 17. März 1933 7. Satan - Nummer Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 25 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ; ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozusehlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliehe B«sUUanf 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Rappen. Posteheck-Rechnung I H/414. Tatephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 nun hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Verkehrsunterricht in der Volksschule iai^«i J?J?£LlX.tl&C**.G& In der «Verkehrswarte» gibt ein Primarschullehrer H. Weiss eine interessante Dar- ' Stellung, wie er bereits in den untern Schulstufen die Kinder zur sorgfältigen Beobachtung des Strässenverkehrs anregt. Dabei wird der Verkehrsunterricht nicht als besonderes Schulfach behandelt, sondern die Verarbeitung des Stoffes in Verbindung mit verschiedenen Disziplinen, so Deutsch, Rechnen und Heimatkunde, besorgt. Für die Durchführung war eine bestimmte Arbeitsform erforderlich, die Qruppenarbeit. Die Kinder sind gewohnt, in Gruppen von zwei, drei oder mehr Kindern zu arbeiten, d. h. zu beobachten, zu notieren, zu zeichnen und dann schriftlich, mündliche oder zeichnerische Ergebnisse zu liefern. Die Kinder arbeiten zum grossen Teil innerhalb ihrer . Gruppe selbständig an einem gestellten Problem. Es ergibt sich also eine Aufteilung des Themas in Unterthemen, die von einzelnen Gruppen bearbeitet werden. Diese Zusammenfassung erfolgt am Schluss, wenn alle Gruppen fertig sind, die Klasse informiert ist und nachgeprüft hat. Die Arbeiten wurden In einer Ausstellung gezeigt und in Gemeinschaftsstunden anderen Klassen und am Elternabend den Eltern erklärt Lassen wir nun dem Lehrer das Wort: Unser erstes Thema heisst: «Der Autobus». Die Arbeit wird durch Unterrichtsgespräche vorbereitet. Da jedes Kind schon einmal im Autobus gefahren war, es auch sonst schon irgendein Erlebnis in Verbindung mit diesem Verkehrsmittel gehabt hat, berichten wir über unsere Ergebnisse und Eindrücke. (Wir wählten den Autobus als erstes Gebiet, da in unmittelbarer Nähe der Schule eine Endhaltestelle ist und diesem Verkehrsmittel das /"rrösste Interesse entgegengebracht wurde.) Aus den mündlichen Berichten werden kleine Niederschriften. Wohin ich gefahren bin. — F E U I L L E T O N Herrn Collins Abenteuer. Roman von Frank Heller. (26. Fortsetzung) «Das ist so gross! Gibt es nichts, wo wir ein bisschen mehr für uns sein könnten?» Ein bisschen mehr für uns, jubelte Philipps Herz, ja, ja. «Cafe Dauphin», rief er dem Chauffeur zu, und sie fuhren ab. Und nun gegen 6 Uhr nachmittags sassen sie in einer der kleinen Separatnischen des Cafes. Schmale Wachskerzen kämpften mit dem Dämmerlicht und spiegelten sich in den lackierten japanischen Schirmen, die sie von der Welt abschlössen. Mattglänzende Früchte, Pfirsiche, grosse gelbe Birnen und süsse, blaue Riesentrauben gaben einen malerischen Hintergrund für das auserlesene Diner, das Philipp durch gute Worte und Händedrücke — denn es war noch lange nicht Mittagszeit •— herbeigezaubert hatte. Endlich sassen sie beim Kaffee und den Likören; Philipp nahm eine Zigarre heraus und reichte zögernd seinem Visavis sein Zigarettenetui. «Danke,» sagte sie, «so hier zu zweien.» Und als er ihr ein kleines Wachskerzchen zum Anzünden der Zigarette reichte, streiften sich ihre Finger, und ein süss stechendes Schwert ging durch Philipps Seele. Philipps Misstrauen schlief tief, und Philipp selbst war verliebt, toll verliebt. Plötzlich richtete sie eine Frage an ihn, die ihn zur Wirklichkeit zurückführte. «Sie finden mich wohl schrecklich aufdringlich,» sagte sie. «Zuerst suche ich Sie bei Frascati auf, und dann lade ich mich ohne weiteres selbst zum Diner ein.» Beispiel. Ein Unglück. — Ein Reifen ist geplatzt. — Der Kontrolleur kommt. — Ich sehe dem Fahrer zu. — Ein Ausflug. — Besetzt! An der Haltestelle. — An der Endhaltestelle. —Aufspringen während der Fahrt. — Falsch gefahren. — Als ich vom Autobus fiel. — So oder ähnlich lauten die Ueberschriften der Berichte und Erlebnisse. Jedes Kind schreibt eine Geschichte. Diese Niederschriften werden nach eingehender Besprechung in Schönschrift auf einen besonderen Bogen geschrieben, mit farbigem Rand verziert und mit Zeichnungen geschmückt. Es ergaben sich Aussprachen über die Angestellten, über die Fahrgäste, über Haltestellen, über die Linien u. v. a. m. Nun gehen wir zur Endhaltestelle und sehen uns den Autobus genau an. Das Interesse war so gross, dass die Organisation zu gemeinsamer Arbeit nicht genügend beachtet wurde. Wir hatten viel gesehen, auch gezeichnet und notiert; aber alle hatten alles und damit nichts Genaues beobachtet. Die Verarbeitung in der Klasse klappte nicht. Wir mussten nach zwei Tagen noch einmal hingehen. Dieser Misserfolg erinnerte uns bei späteren Unterrichtsgängen immer wieder daran, die Beobachtungen gründlich vorzubereiten. Also organisierten wir bis ins einzelne. Nicht nur jede Gruppe, sondern auch jedes Kind muss wissen, was es beobachten 'will oder soll. Dieses Wenige muss es so genau beobachten und merken, dass alle anderen Kinder sich von ihm in.dieser Sache Auskunft holen können. Notizblock und Bleistift müssen bei einer solchen Erarbeitung selbstver* ständlich sehr viel benutzt werden. Beobachtungsobjekt für diesen Unterrichtsgang war nur der Autobus, also alles, was innen und aussen zu sehen ist. (Hierbei kann ich natürlich nur nehmen, was der Fassungskraft der Neunjährigen entspricht.) Beachtenswert ist auch, ob Jungen oder Mädchen die Aufgabe lösen. Ich hatte beide Geschlechter und verteilte unter diesem Gesichtspunkt die Aufgaben. Wir kamen zu folgenden Grup- «Sie sind bezaubernd,» sagte Philipp mit einem träumerischen Blick. «Die Ursache ist sehr einfach, wenigstens für das letztere,» sagte sie. «Sie waren hungrig,» sagte Philipp. «Ich werde es mir nie verzeihen, dass ich daran vergessen konnte.» «Dann haben Sie also zwei unverzeihliche Dinge auf Ihrem Gewissen. Sie hatten doch auch mich vergessen, wie Sie vorgestern gestanden.» «Das ist ebenso unglaublich wie unverzeihlich.» «Ja, aber nun möchte ich Ihnen noch erzählen, warum ich hungrig war. Bevor wir uns trafen, hatte ich einen langen Spaziergang gemacht. Sie werden sicher nicht erraten, wohin.» «Bond Street,» schlug Philipp vor. «Zuerst, und dann zur Scotland Yard — das heisst, ich habe nicht hingefunden.» Philipp prallte zurück, als hätte sie ihm eine Ohrfeige gegeben; in einer Sekunde lebten alle schlummernden Vermutungen wieder auf. Er hatte die beneidenswerte Gabe, selten mit beiden Augen zu schlafen oder zu lieben, obgleich er in diesen Tagen dem letzteren so nahe gewesen war als nur möglich. Scotland Yard wiederholte er ein Mal übers andere in seinem Innern mit ironischer Betonung der drei bedeutungsvollen Silben. Aber sein Gesicht drückte nur artiges Staunen aus, und sie fuhr hastig fort: «Sehen Sie, ich wurde nämlich heute morgen bestohlen, während ich Besorgungen machte. Ich war bei Peter Robinson und Liberty und in Bond Street gewesen und vor einer Menge Auslagen stehengeblieben. Da muss jemand die Gelegenheit benutzt haben, der. Innerhalb jeder Gruppe verteilten die Kinder ihre Beobachtungsaufgaben selbständig. Diese Verteilung erfolgte erst nach gemeinsamen Aussprachen der ganzen Klasse. Es wurden den Gruppen zum grossen Teil Aufgaben von der ganzen Klasse gegeben. Aus der Fülle der nun mit in die Klasse gebrachten Beobachtungen will ich einige mitteilen: Winker, Räder, Steuerrad, Lampen, Treppe, Verdeck, Vorderansicht, Hinteransicht, Fenster, Seitenansicht, Nummern, die verschiedenen Reklameschilder, Marken, Richtungsschilder, Strassenschilder, verschiedene Bekanntmachungen: Was ist verboten? Sitzplätze, Stehplätze, Zweiachser, Dreiachser, Hupe, Kühler, Bremse, Kurbel, Benzintank, Motor u. v. a. m. Neben diesen Beobachtungen wurde mit dem Fahrpersonal gesprochen. Da diese merkten, dass die-Kinder interessiert waren, gaben sie gern und reichlich Auskunft." !Eine Gruppe! hatte .den Weg zu beobachten.- Sie schrieb die Strassenschilder ab, zeichnete' eine Skizze des Weges und hatte somit' die. Einführung "in das Lesen eines Stadtplanes vorzubereiten. Diese Gruppe führte uns hin und- zurück-, hatte über Strassen und Strässenkreufcuhgeh ' zti leiten und führte bei den Beobachtungen .am Autobus die Aufsicht. Neben den « Mussarbeiten » waren jedem Kinde freiwillige-Arbeiten überlassen. Ein Junge hätte" folgendes" freiwillig beob- achtet: 1. Kühler-Lamellen.." 2. .Begrenzungshatte immer [das Wort 'geschrieben und eine lampen. 3. Scheinwerfer. 4.- Hup©. 5. Druckluft-Vierradbremse. 6: Winker." 7 .Halt. Er Zeichnung dazu gemacht. .Dieser Beobachtungsgang -gab- uns Arbeit für mehr als eine Woche. Ich möchte in kürzen Umrissen etwas von' der Arbeit berichten. Jedes Kind hatte eine Zeichnung mit Erklärung zu liefern. Die meisten Kinder- lieferten mehr als eine Zeichnung 'ab.' Diese Arbeiten wurden in den anfangs erwähnten [Gruppen gesammelt. Nicht der einzelne, sondern- die Gruppe war verantwortlich. Daher kam es auch, dass die guten Zeichner zeichneten, während die besseren Schreiber dazu schrieben. Jede Arbeit wurde- erst im Entwurf- angefertigt, dann in der Gruppe ohne. Lehrer, besprochen, dann mit der ganzen Klasse und-dem Lehrer besprochen, und nun konnte die Reinschrift beginnen. Manches musste durch Beobachtun- mich auszuplündern, denn plötzlich, als ich in mein Täschchen sehe, ist es leer.» «Der ganze Inhalt ausgeleert! Ohne dass Sie es gemerkt haben!» sagte Philipp teilnehmend. «Nein, ich hatte nicht das geringste gemerkt. Alles war nicht weg, aber ein paar Juwelen, die ich darin hatte... und eine Uhr ... Man muss es furchtbar geschickt geöffnet haben, so dass ich gar nichts gemerkt habe.» «Hier in London,» sagte Philipp zerstreut, «ist alles möglich.» «Aber, jetzt sprechen Sie wie Mr. Philpott. Das ist doch faktisch passiert...» Ihnen? dachte Philipp, und unterbrach dann: «Warum haben Sie mir denn nichts gesagt, als wir uns trafen? Ich hätte Ihnen vielleicht helfen können, wenigstens zur Scotland Yard zu finden.» «Nein, ich wollte Sie nicht bemühen,» sagte sie ein bisschen ungeschickt. Philipp betrachtete sie mit gespieltem Vorwurf, und sie fuhr eifriger fort, während sie an der Zigarette rauchte: «Ich wollte zur Scotland Yard, weil ich einen richtigen Detektiv haben möchte. Ich brauche doch einen richtigen Detektiv?» «Ja,» sagte Philipp mit verschleierter Ironie, «das ist sicher.» Die Gedanken brausten nur so durch seinen Kopf: auf der Strasse bestohlen, ohne dass sie es gemerkt hat — sehr möglich; ohne es mir gleich zu erzählen — unwahrscheinlich: Juwelen und eine Uhr im Täschchen — noch unwahrscheinlicher. Warum nicht Geld? Ja, Geld nachzuspüren lohnt sich kaum, also Juwelen und eine Uhr, nach denen gefahndet pen, von denen ich kurz die Ueberschriften angebe: 1. Der Autobus von aussen. 2. Der Autobus von innen. 3. Bekanntmachungen. 4. Reklame. 5. Der Weg zur Endhaltestelle. Jede Gruppe umfasste ungefähr sieben Kingen am Nachmittag noch geklärt werden. Das waren dann auch « Schularbeiten ». Bekannte wurden gefragt, Bilder wurden gesammelt, Zeitschriften wurden durchstöbert, Material wurde herbeigeschafft, und manches Elternpaar wurde mit zur Arbeit herangezogen. Alle Arbeiten wurden zu einer Mappe zusammengestellt. Für den Rechenunterricht ergaben sich einige Aufgaben für die Anordnung der Sitz- und Stehplätze in den drei verschiedenen Autobussen für 75, 61 und 54 Plätze und in der Berechnung des Weges zur Endhaltestelle. Dann wurden von den Kindern die verschiedenen Fahrscheine gesammelt und der Fahrpreis berechnet. Nach all diesen Arbeiten folgte der nächste Unterrichtsgang. Er führte uns zu einem Verkehrsknotenpunkt in unserem Wohnbezirk. Auf diesem Gange beobachteten und arbeiteten folgende Gruppen: 1. Haltestellen. 2. Angestellte und Fahrgäste. 3. Linien und Autobusse am Hermannplatz. 4. Der «Weg zum Hermannplatz. 5. Rechengruppe. Die Arbeit erfolgte wie schon beschrieben. Ich führe einzelne Ergebnisse an. Zu 1: Zeichnen, kleben und basteln von Haltestellen, Fahrpläne an der Haltestelle,, wieviel Haltestellen stehen in der Strasse, wo stehen sie, Linien an den Haltestellen, Beobachtungen an der Haltestelle, Endhaltestellen u. a. Zu 2: Was tut der Schaffner (Fahrer, Fahrgast, Kontrolleur — Tätigkeitswörter)? Wie ist der Schaffner (Fahrer, Fahrgast, Kontrolleur = Eigenschaftswörter)? Wie sollen sie sein? Wie sollen sie nicht sein? Was sie tun müssen. Allerlei Gespräche. Allerlei Ausrufe. Allerlei Fragen. Wohin die Leute fahren! Woher sie kommen. Wie sie gekleidet sind. Was sie für Gesichter machen. An der Endhaltestelle u. v. a. m. Zahlen aus der Statistik mit der Rechengruppe gemeinsam. Zu 3: Welche Linien fahren am Hermannplatz? Welche Linien fahren in den Nebenstrassen? Wohin fahren sie? Richtungsschilder. Fahrordnung am Hermannplatz. Tag- und Nachtlinien. Ausfluglinien. Endstationen der Linien. Verschiedene Autobusse. Zu 4 : Aufschreiben und Zeichnen der Strassen und Nebenstrassen. Strassennamen. Stadtplan. Verkehrsplan. Plätze und Gebäude. Entfernungen. Verkehr. Zu 5: Umrechnen der Schritte in Meter und Feststellen der Entfernungen. Nummern der Demnächst beginnt unser neuer Roman Rufe aus dem Dunkel aus der Feder des bekannten deutschen Schriftstellers Karl Strecker. Ein ausserordentlich interessant geschriebenes Werk, das an die tiefsten Dinge des Lebens rührt. werden kann — von der Scotland Yard. Und die Scotland Yard kann auch den Dieb arretieren — oder mich beim Rendezvous. Sie kennt ja meine Adresse nicht. Aber warum nicht ein gewöhnlicher Konstabier? Hm, vielleicht glaubt sie nicht, dass das geht, oder sie findet es zu aufsehenerregend... Oder ist ihre Geschichte wahr? Tue ich ihr unrecht? Niemand könnte es sehnlicher hoffen als ich. Wenn ich recht habe, warum mir von Scotland Yard erzählen? Das weiss... das Weib! Habe ich recht? Ist es möglich? Ach, mein falsches Herz sagt mir, dass es nur allzu möglich ist — und dass man in meinem Beruf nicht zuviel riskieren darf. Tue ich Ihnen unrecht, Fräulein Holten, dann bitte ich Sie ergebenst um Entschuldigung. Und habe ich recht, dann... dreitausend Kronen! Leben und leben lassen! Wenn die dreitausend noch feststehen, gönne ich Ihnen gerne den Versuch, sie zu gewinnen. Ohne seine Gedanken zu verraten, hatte Philipp ihr noch einige Fragen über den mysteriösen Diebstahl gestellt. Plötzlich kam ihm eine Idee, und er sagte: «Ja, Sie brauchen unbedingt einen richtigen Detektiv, Fräulein Holten, wenn Sie Ihren Verbrecher fangen wollen. Wissen Sie was? Gehen Sie nicht zur Scotland Yard —