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E_1933_Zeitung_Nr.027

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 24. März 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 27 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dlenstaa and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, •olern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brcitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Hechnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die reformbedürftige Steuerpraxis Zur Eingabe der Kantonal-bernischen Verkehrsverbände. Die Anpassung der kantonalen Verkehrsvorschriften an das auf Jahresbeginn in Kraft getretene Automobilgesetz bot den Behörden die von den Strassenverkehrsinteressenten schon längst erwartete Gelegenheit, einige der dringendsten Postulate der Motorfahrzeugbesitzer zu berücksichtigen. Ein jahrelanger Wunsch war vor allem die Revision der Besteuerung der Motorfahrzeuge, indem diese Bestimmungen in den meisten Kantonen Härten, ja Ungerechtigkeiten aufwiesen, wie sie in der übrigen Steuerpraxis nicht bekannt sind. Die bis zur Krise sich zuspitzende wirtschaftliche Lage, welche es zahlreichen Fahrzeugbesitzern erschwerte oder gar yerunmöglichte, die auf Automobilen und Motorrädern direkt lastenden Abgaben aufzubringen, trugen mit dazu bei, dass gerade dieses Postulat in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt wurde. Bereits sind eine Anzajil kantonaler Vollzugsverordnungen in Kraft getreten oder liegen doch schon ausgearbeitet vor und harren nur mehr der Genehmigung durch die zuständige gesetzgebende Instanz. Wenn auch zufolge der kantonalen Steuerhoheit die durch das eidgenössische Automobilgesetz erzielte Vereinheitlichung der Vorschriften auf fiskalischem Gebiete leider verunmöglicht wird und wir hier neuerdings eine bunte Musterkarte von kantonalen Erlassen erhalten, so darf doch mit etwelcher Befriedigung festgestellt werden, dass verschiedene Kantone der schwierigen wirtschaftlichen Lage und den geltend gemachten Wünschen Rechnung getragen haben. Mit Ausnahme des Kantons Genf, der sich hier neuerdings als am fortschrittlichsten erwiesen hat, haben -sjie übrigen Kantone, deren Vollziehungsverordnungen bereits bekannt sind, nur bescheidenere Zugeständnisse gemacht. In Genf wird den Automobilisten nämlich nunmehr die Möglichkeit geboten, die Verkehrssteuer in zwei Hälften je auf Semesteranfang zu entrichten. Andere Stände, wie Thurgau, St. Gallen, Graubünden, verlangen nach wie vor die Vorausbezahlung der Steuer bis Ende des Jahres. Dagegen sind sie den Automobilisten in der Weise entgegengekommen, dass bei Inbetriebnahme des Fahrzeuges im F E U I L L E T O N Glatteis. Von Hans Richter. Betty hat zwei Leidenschaften. Zuerst einmal liebt sie es, sich nett anzuziehen und jungen Männern zu gefallen; diese Leidenschaft teilt sie mit ihren sämtlichen Altersgenossinnen. Die zweite ist Autofahren — und die teilt sie mit fast allen. Ist man aber Stenotypistin bei Meyer & Meyer, Trikotagen en gros, und schreibt man täglich von acht bis zwölf und zwei bis sechs Uhr Briefe, die mit « Sehr geehrter Herr » anfangen und mit «Hochachtungsvoll» aufhören, und die blauen Bornstein alles noch einmal so schön in Ordnung wie vorher, und Vater lässt am dazwischen unendlich langweiliges und stu-Abenpides Zeug enthalten, dann ist es nicht ganz dunkle Andeutungen fallen, die die einfach, sich diesen Leidenschaften mit dem rechten Genuss hinzugeben. Bettys Vater ist Vorgesetzter in einer Grossgarage, und in dieser Grossgarage steht I Laufe des Jahres die Abgabe nur mehr für I die noch verbleibenden Quartale und nicht mehr, wie bis anhin, rückwirkend auf 1. Januar, bzw. 1. Juli zu entrichten ist. Genf und Graubünden gehen hier noch weiter und verrechnen nur die verbleibenden Monate. Auch die Entwürfe weiterer Kantone, wie Glarus und Uri, sehen die Möglichkeit vor, dass bei Inbetriebnahme des Fahrzeuges nach dem 1. April nur mehr die Steuer für drei Quartale und bei Anmeldung nach dem 1. Oktober nur noch für ein Vierteljahr fällig wird. Leider haben verkehrsreiche Kantone wie Zürich und Bern ihre Absichten in dieser Beziehung noch nicht bekanntgegeben und scheinen es überhaupt mit einer Abkehr vom bisherigen System nicht sehr eilig zu haben. Der Hauptgrund für diese Zurückhaltung liegt ausschliesslich auf finanziellem Gebiet, indem befürchtet wird, dass eine Abkehr von der geltenden Praxis eine finanzielle Einbusse zur Folge habe. Dies mag für das erste Quartal jeweils der Fall sein, doch dürfte sich der Ausfall bestimmt durch Mehreinnahmen im Laufe des Jahres ausgleichen, indem zahlreiche Fahrzeuge länger im Verkehr bleiben- oder zufolge der Steuererleichterungen nach" langer Pause überhaupt erst wieder in Betrieb genommen werden. Gerade der Kanton Bern kann sich hier auf eine interessante Erfahrung stützen. Die im Jahre 1931 eingeführte Praxis, dass vom 1. Oktober an nur eine Vierteljahressteuer anstatt, wie früher, eine Halbjahressteuer zu bezahlen ist, hat sich in einer vermehrten Anmeldung von Fahrzeugen auf diesen Termin ausgewirkt und damit auch dem Fiskus erhöhte Einnahmen geliefert. Die Rechnung ist daher unbedingt falsch, wenn nur das erste Quartal, während welchem eine geringere Zahl von Anmeldungen zu erwarten ist, in Betracht gezogen wird. Fasst man dagegen das Gesamtergebnis eines Jahres ins Auge, so wird man unbedingt feststellen können, dass sich die Zahlungserleichterungen in einer Verkehrszunahme auswirken. Es fehlt hier keineswegs an eindrücklichen Beispielen. Im übrigen darf wohl erwartet werden, dass der Erlass fortschrittlicherer Steuerbestimmungen nicht einfach unter anderen der Schneilieferwagen von Bornstein, ein himmelblauer Wagen mit Goldschrift, und eine angenehme Laune des Schicksals will es, dass das Haus Bornstein nicht allzu weit von Meyer entfernt liegt und dass der Wagen dort immer um acht Uhr auf dem Hof sein muss. Kommt nun noch hinzu, dass Bornstein in Friedrich Eisenroth den nüchternsten und besten Chauffeur besitzt, den die Firma je gehabt hat und dass dieser Friedrich Eisenroth so lange morgens hinter Betty langsam hergefahren ist, bis er sich einmal ein Herz gefasst und sie gefragt hat, ob er sie nicht mitnehmen dürfe, und dass Betty nach einigem Nasenrümpfen dazu ja gesagt hat — dann ist die Situation vorläufig zur Genüge geklärt ! Die Dinge haben sich folgerichtig entwikkelt: Zuerst ist Betty allmorgendlich hinter der nächsten Ecke in den lichtblauen Bornstein geklettert, dann hat Bettys Mutter das einmal gesehen und ihrer Tochter nach eingeholter Erkundigung erklärt, dass ihrerseits gegen diese Fahrten nichts einzuwenden sei. Dann hat Bettys Vater Wind gekriegt, hat Friedrich mit in seinen Kegelklub genommen, und seitdem ist an dem licht- Bekanntschaft in durchaus ernsthafte Bahnen gleiten zu lassen drohen — in Bahnen, die für Betty schon ein wenig zu ernsthaft werden! Schliesslich, wenn Friedrich am Abend von seinen Ueberlandfahrten zurückkommt und seinen guten Anzug anzieht,, dann ist das ja ganz hübsch, aber Bettys Idealen entspricht es nun einmal nicht ganz. Diesen Idealen kommt Betty schon näher, als sie eines Abends mit Olga — Olga ist rotblond und ein bisschen leichtsinnig — in die Papageienbar geht, weil sie sich dort mit wegen einer Befürchtung und einer theoretischen Rechnung, deren Richtigkeit durch nichts bewiesen sind, hintan gehalten wird. Angesichts der Tatsache, dass sich die Gesetzgeber beim Automobilgesetz auch zu einer Modernisierung der Verkehrsbestimmungen entschliessen konnten, ohne die Gewähr in der Tasche zu haben, dass sich diese im erwarteten Sinne auswirken werden, dürften auch die Kantone mit etwas mehr Optimismus an die Verkehrsfragen herantreten. Sie können sich ja ähnlich wie es der Bundesrat in bezüg auf die Regelung der Geschwindigkeitsvorschriften für Personenwagen gemacht hat, das Recht vorbehalten, auf diese Bestimmungen zurückzukommen, sofern man sich in den Erwartungen .getäuscht sehen sollte. Auch das Ausland ist dieser Tage in bezug auf Steuererleichterung mit dem guten Beispiel vorangegangen. In einer letzten Nummer konnten wir von dem neuen deutschen Gesetzesentwurf berichten, der, neben einer wesentlichen Herabsetzung der Ansätze, die Wintermonate vollständig steuerfrei erklären will und nicht nur die quartalsweise, sondern sogar die monatliche Bezahlung der Verkehrssteuer kennt. Auch Italien hat durch Dekret vom 30. Januar die halbjährliche Entrichtung der Steuer eingeführt. Es mag in diesem Zusammenhang der Hinweis genügen, dass die meisten europäischen Staaten eine fraktionsweise Zahlung der Automöbilsteuern kennen, wie dies aus einer auf feite 3 dieses Blattes publizierten Zusammenstellung hervorgeht. Da die Neuordnung der Steuerverhältnisse zur dringenden Notwendigkeit geworden ist, die bernischen Behörden aber, wie bereits erwähnt, noch keinerlei Vorschläge bekanntgegeben haben, ergriffen die kantonalen Verkehrsverbände die Gelegenheit, um der Regierung neuerdings ihre Postulate in Erinnerung zu bringen. Da die darin geltend gemachten Argumente auch für andere Kantone ihre Gültigkeit und Aktualität behalten, lassen wir die Eingabe im Wortlaut folgen, in der Meinung, dass ihr nicht das Schicksal aller bisherigen Zuschriften zuteil werde. Die Behörden können und dürfen heute nicht mehr ungeachtet an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten- vorübergehen, welche die mit Steuern und Abgaben besonders reichlich bedachten Motorfahrzeugbesitzer in erster Linie verspüren. Auch mit Rücksicht auf tut, als sei der Barkeeper nur für ihn und Betty da. Als er sie — natürlich im Auto — nach Hause bringt, sagt er du zu ihr, die jetzt plötzlich «Bess » heisst, und verabredet für den nächsten Sonnabend eine Partie, «irgendwohin ins Weisse». Zuerst werden sie einmal fahren, dann fabelhaft zu -Abend essen. Es wird sich schon entwickeln. Gerade Sonnabends hat Friedrich immer bis spät in die Nacht auf dem Lande zu tun. Betty zieht ihr feschestes Kostüm an, lässt eine gemeinsame Unternehmung der Handelsschule vor den Eltern glaubhaft am Horizont auftauchen, verlässt hocherhobenen Hauptes den Hof, wird zwei Strassenecken weiter zu «Bess», kuschelt sich neben «Eric» — Erich kann jeder heissen, «Eric» nicht — in die Polster des fabelhaft neuen Zweisitzers. Lampen und Verkehrspolizisten scheint es für Eric nicht zu geben, er lässt impertinent die Hupe schreien und legt mächtig vor, als sie auf der Landstrasse draussen sind. Es ist einfach wie im Kino, statt der Hupe brüllt jetzt ein Klaxon und lässt die «dummen Bauern » zur Seite springen, man fährt drauflos, und Bess findet es beinahe selbstverständlich, dass Eric ihr den Arm um die Taille legt und halblaut dummes Zeug flüstert. Es ist so wunderschön, dass man überhaupt nicht mehr an «Sehr geehrter Herr!» und «Hochachtungsvoll» denkt, dass man den himmelblauen Bornstein völlig vergisst und einem Bekannten verabredet hat. Und dieser es selbstverständlich findet, als man an ei- hellerleuchteten Hotel hält. Bekannte hat wieder einen Freund, der wienem ein Gott tanzt, Opiumzigaretten raucht, unglaubliche Drinkmischungen weiss und der so Unregelmässigkeit gegeben, aber die wird Gerade kurz vorher hatte es eine kleine in INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern das gute Beispiel anderer Kantone, die beweisen, dass mit gutem Willen und etwelchem Verständnis für die jetzige Lage den Automobilisten entgegengekommen werden kann, sollte erwartet werden, die Eingabe veranlasse die Regierung, endlich den Schritt nach vorwärts zu machen. Die Kantonalfahrer und des Arbeiter-Touring-Bundes verbände des A. C. S., T.C.S., der Motor- haben ihre Stellungnahme wie folgt unterbreitet : Die kantonalen VolLziehungsverordnungen zur neuen Strassenverkehrs-Regelung in der Schweiz erscheinen zur Zeit eine nach der andern, und, wie anzunehmen, dürfte auch die bernische demnächst folgen. Wahrnehmungen aus jüngster Zeit veranlassen uns, die Aufmerksamkeit der Behörden insbesondere auf eine Frage hinzulenken, die uns von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit erscheint. Es ist die Frage der Einführung einer vierteljährlichen Verkehrsbewilligung mit entsprechender quartalweiser Motorfahrzeugsteuer. Im Gegensatz zu den bisher herausgekommenen kantonalen Vollziehungsverordnungen, die alle mindestens die Vierteljahressteuer zugelassen haben — einige sogar monatliche —, erhalten wir Kunde, dass die bernische Behörde aus fiskalischen Befürchtungen heraus ihr starres System der Jahressteuer und die damit verbundenen Härten grundsätzlich beizubehalten gedenke. Wir können es uns nicht versagen, Sie auf unsere wiederholten diesbezüglichen Vorstellungen aufmerksam zu machen; wir erinnern an die Eingabe des bernisch-kantonalen Verbandes der Sek tionen des A. C. S. vom 30. Januar und vom 1. Oktober 1927, an diejenige der Schweiz. Strassehverkehrsliga vom 11. Oktober 1932 und schliesslich an die Eingabe des Kant. Verbandes der AutQ-Sektionen des Touring-Clubs der Schweiz vom 15. November 1932. Weiterhin gestatten wir uns den Hinweis darauf, dass vor mehreren Jahren schon in einer Konferenz der Delegierten des Kant. Verbandes der Auto-Sektionen des T. C. S. mit Vertretern der kantonalen Polizeidirektion die vierteljährliche Steuer postuliert worden und dass erstmals im Herbst 1931 und dann im Dezember 1932 in der ausserparlamentarischen Strassenverkehrskpmmission durch die Vertreter der Automobilisten und Motorradfahrer wiederum der einzig gerechten Steuer pro rata temporis das Wort geredet worden ist. Bei aller Achtung vor dem Bestreben, die kantonalen Finanzen in Ordnung zu halten und der befürchteten Verminderung der Einnahmen aus dem Motorfahrzeug-Verkehr zu wehren, möchten wir auf die folgenden Erfahrungstatsachen aufmerksam machen: 1. Aus der Einführung der Vierteljahrssteuer wird ein erheblicher Rückgang der Verkehrsbewilligungen auf Anfang des Jahres und ein daherig'er Steuerausfal' befürchtet. Wenn dies auch in einem gewissen Umfange für das erste Quartal des Jahres zutreffen mag, so wird der Ausfall reichlich wettgemacht dadurch, dass viele Motorfahrzeuge schon In der nächsten Nummer beginnt unser neuer Roman Rufe aus dem Dunkel aus der Feder des bekannten Schriftstellers Karl Strecker. Wir sicherten uns mit diesem Roman ein überaus spannend geschriebenes Werk, das sich mit bedeutsamen Fragen auseinandersetzt. der Werkstatt, während man zu Abend isst, rasch beseitigt sein. Betty ist vor dem Spiegel auch kaum mit der Puderquaste und dem Schminkstift fertig, die ganz richtige « Bess » aus sich zu machen, da ist Eric wieder da, und nun denkt man für die nächsten Stunden an nichts. Aber auch Handelsschulausflüge pflegen einmal zu Ende zu gehen, und Bess erinnert an die Heimfahrt, lässt sich vertrösten, als die Werkstatt telephoniert, es daure nur noch eine halbe Stunde, aus der dann eine ganze wird, klettert schliessüch selig, satt und müde in den Wagen und träumt hübsche Sachen. Auf den Weg achtet sie natürlich nicht, dafür ist Eric da. Der hat noch ein Telephongespräch mit der Stadt gehabt, und da ist eine Konferenz noch mitten in der Nacht — so ein Kerl ist Eric! Die Bäume fliegen nur so im Licht der Scheinwerfer, fliegen immer mehr, es wird Bess schon beinahe ängstlich, denn in den