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E_1933_Zeitung_Nr.031

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 7. April 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang — N» 31 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Gnmdzeile oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seiteutarit. Inseratenschlusi 4 Tage vor Erscheinen der Nummern In der Entwicklung des Strassenbaues in den Schweizer Alpen lassen sich drei Epochen unterscheiden, nämlich: 1. der Strassenbau in der Römerzeit bis zum Untergang des römischen Reiches; 2. der Strassenbau vom Untergang des römischen Reiches bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts; 3. der Strassenbau im 20. Jahrhundert. • Die von den Römern angelegten Kunststrassen wurden nach Regeln erstellt, welche im Prinzip heute noch Geltung haben; da, wo die Römer wirkliche Kunststrassen anlegten, wurden dieselben solid, fachgemäss und sorgfältig ausgeführt. Bavier veröffentlichten Profilen von Römerstrassen unterscheiden sich die Strassen des 19. und 20. Jahrhunderts von jenen in der Hauptsache nur durch die geringere Strassenbreite,/ während der Unterbau der Fahrbahn mindestens ebenso solid als heute hergestellt wurde. Auch in der Anlegung des Trasses befolgten die Römer Methoden, denen auch heute noch, wenn immer möglich nachgelebt wird; sie suchten meistens die trockenere Sonnenseite auf, passten die Linienführung bestmöglich dem Terrain an, vermieden grosse Talübergänge und sparten damit an Bau- und Unterhaltskosten. ' Von den 23 schweizerischen Alpenstrassen sind geschichtlich nachweisbar sechs Strassen von den Römern gebaut worden: die Strassen über den Grossen St. Bernhard, den Simplon, den Lukmanier, den Bernhardin, den Splügen und den Julier, selbstverständlich alle nur in der von den Römern angewendeten Breite. Diese Strassen dienten neben ihrer Hauptbestimmung als Passweg für das Militär vornehmlich dem namentlich im Kanton Graubünden hochentwickelten Säumerwesen. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war keine einzige der schweizerischen Alpenstrassen ihrer ganzen Länge nach fahrbar. Nicht römischen Ursprungs ist die Gotthardstrasse. *) Aus einem Referat von Kantonsing. A. Blumer, Glarus, im Vortragszyklus der V. S. S. an der E. T. H., Zürich. Lesten Mann es jähren stehende Erwin Manthey tauoht eines Tages in dem kleinen Dorfe Priebenow am Kolmansersee in Preussen als Fremdling auf. Erst mietet er ßieb im Gasthof ein, nachher bezieht er ein Zimmer in einem kleinen Häuschen gegenüber dem bekannten Schloss Priebenow Aus unbekannten Gründen verlässt Manthey plötzlich Priebenow wieder, nachdem er das Schloss genau besichtigt hat. Die Seewiesen am Schloss hatten den zweiten Schnitt hinter sich. Ueber ihrem kurzgeschorenen Grün exerzierte ein grosses Heer von Staren, die sich schon zur bevorstehenden Südreise gesammelt hatten. Das schwenkte wie nach Kommando in den Lüften, das fiel gleich einer schwarzen Wolke in das Röhricht des Sees ein und, traubengleich an den Halmen hängend, zwitscherte und schwätzte es aus tausend Kehlchen. Seit Beginn der Dunkelheit war der Hund im Schlosspark auffallend unruhig gewesen. Wiederholt hatte er geknurrt und am Eisengitter geschnuppert, einmal auch ein Weilchen laut gebellt. Gegen 10 Uhr war er still geworden. Ganz still. Der Direktor Nicola sass wie gewöhnlich um diese Abendstunde allein in seiner hübschen kleinen Trinkstube. Er war mit der Wirkung seiner Nauheimer Kur diesmal nicht ganz so zufrieden gewesen wie sonst. Zwar hatte das Herz sich etwas gebessert, aber Unsere Alpenstrassen Ihre Entwicklung und die Notwendigkeit ihres Ausbaues. *) F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel. Roman von Karl Strecker. (3. Fortsetzung) Inhalt des bisher erschienenen Teils: Der in den Diese Epoche war für den Ausbau der Alpenstrassen wenig fruchtbar; sie blieben unverändert vornehmlich Handelswege, und zwar bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit dem Untergang der römischen Herrschaft diesseits der Alpen infolge des Ansturms der rauhen, anspruchslosen Germanen, ging auch, die römische Kultur unter und mit ihr zu einem grossen Teil die Einschätzung der grossen Bedeutung der Alpenpasswege. Diese dienten vorab nur noch Handelszwecken, während bei den Römern der militärische Zweck der ausschlaggebende war. Es blieb der Epoche des Strassenbaues. im Nach den von 19. und 20. Jahrhundert vorbehalten, die schweizerischen Alpenstrassen als eigentliche internationale Fahrstrassen auszubauen. Diese Periode des Alpenstrassenbaues bildet zweifellos auch in der Zukunft einen absoluten Höhepunkt; was geleistet wurde, erregt unsere Bewunderung sowohl im Hinblick auf die Energie und Zähigkeit, mit denen der Ausbau betrieben wurde, als auch im Hinblick auf die Opferfreudigkeit, die zur Finanzierung der grossen Werke nötig war, sowie das grosse technische Können, welches aus den Werken spricht. Bezeichnete ich die dem 19. Jahrhundert vorausgegangene Epoche als eine Epoche wijletisjoser Stagnation, so dar,i man das 19. Jahrhundert als das Jahrhundert eines neuen Aufstieges bezeichnen. An diesem Aufstieg haben, die grossen finanziellen Unterstützungen des Bundes einen wesentlichen Anteil. Es war im Jahre 1861, als die Bundesversammlung zum erstenmal aus militärischen Gründen an die Kosten des Ausbaues der Furka-, Oberalp- und Axenstrasse, gestützt auf Art. 23 der Bundesverfassung, eine Subvention von 1,75 Mill. Fr. bewilligte. In gleicher Weise unterstützte der Bund später, wiederum in Anwendung der Bundesverfassung, den Alpenstrassenbau mit grossen Beiträgen und ich möchte nicht unterlassen, an dieser Stelle einmal diese segensreiche Tätigkeit des Bundes zahlenmässig hervorzuheben. Es hat der Bund an Subventionen für Alpenstrassen seit 1861 bis Ende 1932 geleistet: die Nachkur war durch dringende Geschäfte unterbrochen worden und der regelmässige Abendtrunk in den Sommermonaten hatte wieder zu leichten Beschwerden geführt. Dennoch befand er sich, an diesem Abend des 22. September in behaglicher Stimmung. Er sass, den Rücken halb der Tür zugewendet, in einen bequemen Sessel gelehnt, die Zigarre zwischen den Fingern, den Kopfhörer auf beide Ohren geklemmt, und genoss die letzte Rundfunkstunde: Tanzmusik. Der Direktor tippte mit dem Mittelfinger leise begleitend auf die weichlederne Sessellehne. Wo hatte er diesen Operettenwalzer, diesen prickelnden Schlager voll Schmiss und Tempo doch zuletzt gehört? Richtig: im Kurgarten zu Nauheim war es gewesen. An einem sonnigen Maitag. Hinter ihm hatte wieder der Herr mit der Zeitung gesessen! Dieser Dauerleser. Ein unbehagliches Gefühl kroch über die heitere Stimmung des Schlossherrn. Aber die einschmeichelnde Walzermelodie verscheuchte die Erinnerung schnell. Nicola wiegte den Kopf nach dem Takte der Melodie und summte in behaglichem Brummen mit, als ihm plötzlich bei einem zufälligen Blick in die Zierspiegel gegenüber der Tür der Herzstrom stockte. Im ersten Augenblick dachte er an die Sinnestäuschung des Sichselbstsehens, von der er gehört, an Doppelgänge rgeschichten: «Wer sich selbst erblickt, muss sterben.» Aber nein: die Gestalt löste sich langsam aus dem Türrahmen und kam auf ihn zu. Sonderbar: es war nicht einmal die Erscheinung selbst, die ihn so erschreckte — es war sein eigenes Herz. Es setzte aus. I Furkastrasse Fr. 800,000 — Oberalpstrasse > 350,000.— Axenstrasse > 600,000.— Bulle-Boltigenstrasse > 316,800.— Grimselstrasse » 1,065,000 — Brünigstrasse » 400,000.— Passwangstrasse > 200,000.— Diverse Alpenstrassen Graubündens > 1,000,000.— Klausenstrasse » 3,538,000.— Umbrailstrasse » 167,000.— Samnaunstrasse » 1,438,000.— Centovaljistrasse » 380,000.— Indeministrasso » 1,358,000.— Lukmanierstrasse > 133,000.— Grosser St. Bernhard > 12,800.— Total für Alpenstrassen Fr. 11,758,600.— Die Gesamtleistungen des Bundes an Strassen und Brücken betrugen am 31. Dezember 1932 14*033,881.44 Fr. Die Entwicklung des Verkehrs auf den -schweizerischen Alpenstrassen. Die Verkehrsgeschichte der schweizerischen Alpenstrassen ist insofern von Grund aus im Laufe der Jahrhunderte eine andere geworden, als bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts vornehmlich politische und handelsgeschichtliche Gesichtspunkte diesen Verkehr beeinflussten, wogegen im letzten Jahrhundert bis zur heutigen Zeit in überwiegendem Masse das touristische Moment an der Belebung des Verkehrs auf den Alpenstrassen Anteil hat. Boten noch vor wenig Jahren die Hochpässe eines Julier, Simplon, Grossen St. Bernhard einen trostlosen, verlassenen Anblick, so hat der sich rasch steigernde Automobilverkehr •dem. schweizerischen Alpenstrassennetz wieder-den regen Durchgangsverkehr gebracht, der diese hochbedeutsamen Verkehrsadern in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts belebte. In grosszügiger, vorbildlicher Art hat die schweizerische Postverwaltung diese Entwicklung gefördert Schon im Jahre 1919 führte sie ihre ersten alpinen Sommerpostkurse ein (Simplon und Reichenau—Flims). 1923 fuhren die Automobile dieser Verwaltung auf 21 Alpenrouten und heute hat das Postautomobil alle Alpenstrassen erobert. Im Jahre 1929 beförderten allein die Alpenposten mehr als 338 000 Reisende auf unseren Hochstrassen. Aber nicht nur der Automobilpostbetrieb, auch der Automobiltourist hat rasch den jeder schweizerischen Alpenfahrt eigenen, unvergleichlichen Genuss erkannt, so dass diese Fahrten zweifellos zu einer Hauptattraktion Dazu ein unheimlich ziehender Schmerz im Rückgrat, im Kreuz und in den Kniekehlen... «Im nächsten Augenblick,» sagte er sich, «wird dich ein Herzschlag treffen. Nur das nicht!» Er schloss die Augen, um das Herz zu beruhigen. Ruhe! Ruhe! gebot er sich. In blitzschneller Gedankenverbindung erinnerte er sich eines heutigen Telephongesprächs mit seinem Gutsnachbarn Busch, der ihn gestern auf der Bahnstation Wusterhausen begrüsst haben wollte, obwohl er tatsächlich den ganzen Tag zu Hause gewesen war. Gott sei Dank! Der Regulator in der Brust tickte wieder, wenn auch viel zu schnell. Als Nicola die Augen öffnete, stand die Gestalt dicht vor ihm: sein leibhaftiges Ebenbild... Genau so gekleidet wie er, von Kopf bis zu Fuss; in der gleichen Haltung, bis in jede Einzelheit ähnlich. Es war keine Täuschung möglich «Georg!» stammelte er und empfand es im selben Augenblick unerträglich, dass die Walzermelodie ihm immer noch in beide Ohren-geigte. Er riss den Hörer mit einer heftigen Bewegung vom Kopf, einer Bewegung, die sein vorsichtiges Gegenüber veranlasste, seine rechte Hand in die Jakettasche zu versenken. Richard Nicola fasste nach seinem Herzen. «Lass doch das,» zischelte er mit einem Blick auf diese Bewegung bös heraus. «Du bist doch nicht so dumm, hier zu knallen.» «Im äussersten Fall, in der Notwehr, warum nicht?» «Weil dann dein hinterlistiger Ueberfall für alle die Schweiz bereisenden Automobilisten geworden sind. Wer die Alpenstrassen nicht nur deshalb in sein Tourenprogramm aufgenommen hat, um sie befahren zu haben, sondern mit Sinn und Geist über sie dahinfährt, wird in jedem Moment eine Fülle landschaftlicher Schönheiten geniessen oder auch botanische und geologische Studien anstellen können, wodurch eine Tour in unsere Hochgebirgswelt zum bleibenden Erlebnis wird. Aufgabe unserer Generation ist es, diesen Verkehr zu halten und womöglich zu mehren, auch wenn wirtschaftliche Rückschläge hemmend in den Weg treten und das mühsam aufgestellte Gebäude wieder zu untergraben drohen. Die Schönheiten unserer einzigartigen Alpenwelt bleiben, sorge man dafür, dass sie auch in Zukunft recht vielen leicht zugänglich und zum Erlebnis werden. Die Notwendigkeit des Ausbaues der schweizerischen Alpenstrassen. Die Schönheiten unserer Alpenwelt geuügen allein nicht, den schweizerischen Alpenstrassen den Verkehr in solchem Masse zuzuführen, dass er befruchtend auf unsere ganze Volkswirtschaft wirkt. Wir wissen, und wollen es nicht leugnen, dass insbesondere die Alpen unserer Nachbarländer, Italien, Oesterreich und Frankreich, unvergleichlich reizvolle Gegenden haben, die denjenigen der Schweizer Alpen ebenbürtig sind. Aber nirgends auf dem Kontinent ist eine Vielheit grandioser und abwechslungsreicher Naturgestaltung auf so engem Raum beieinander und so leicht erreichbar wie in der Schweiz; es ist und bleibt das ein Plus, das nicht wegdiskutierbar ist. Aber trotzdem ist es dringend notwendig, dass wir um den Ausbau der schweizerischen Alpenstrassen in Zukunft etwas besorgter sind, als wir es bis anhin waren. Wir dürfen auf unserer «Insel der Naturschönheiten» nicht tatenlos zusehen, wie sich die an die Schweiz .angrenzenden Alpenländer gegenüber dem Alpenstrassenbau einstellen, im Gegenteil, wir müssen diese Konkurrenz des Auslandes genau verfolgen und hieraus die Konsequenzen für den Ausbau der schweizerischen Alpenstrassen ziehen. Der Innsbrücker Kurt Mair hat im Jahre 1930 ein sehr beachtenswertes Werk «Die Hochstrassen der Alpen» in zwei Bänden herausgegeben. Es liest sich für uns Schweizer fast wie eine ernste Mahnung, wenn der Verfasser in seinem Einleitungskapitel « Wo- durchkreuzt wäre. Die schöne Maske abgerissen.» Georg schüttelte ruhig den Kopf. «Auch die Möglichkeit habe ich bedacht. Fiele hier ein Schuss, den doch nur ich abfeuern könnte, da du kein Schiesseisen zur Hand hast, so würde ich als Richard Nicola hinausgehen und den etwa Ankommenden sagen, mir sei die Pistole losgegangen. Aber beruhige dich: erstens wird kein Schuss fallen und zweitens schlafen deine Dienstboten schon unter dem Dach...» «Ein Schuss würde sie doch wecken,» versicherte Richard bleich und strich sich mit zitternder Hand über die Stirn. Hastig schössen ihm die geringen Möglichkeiten einer Abwehr durch den Kopf. Im Schubfach des Tisches lag seine Repetierpistole, an der Tür befand sich der Klingelknopf — beides unerreichbar unter den Augen seines Zwillingsbruders. Georg schien seine Gedanken zu erraten. «Gib dir keine Mühe» sagte er, immer die Hand in der Rocktasche. Er warf einen flüchtigen Blick durch das Zimmer und über den Tisch, auf dem neben einer halbgeleerten Flasche Zeitungen lagen, heftete dann das Auge wieder fest auf den Bruder und setzte sich ihm gegenüber auf einen Stuhl. «Was willst du von mir?» fragte Richard mit stockender Stimme. «Wir sind jetzt einundvierzig Jahre alt,» begann der Bruder. Richard nickte ratlos. «Es lässt sich alles in geraden Zahlen ausdrücken. Zweiundzwanzig Jahre war ich drü-