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E_1933_Zeitung_Nr.031

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16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 31 und eine zweite, in deren Mechanismus die gebräuchlichen künstlichen Glieder geworden. Glocke eine Flöte ersetzte. Diese Art von Der Sohn des Schweizer Ministers La Reyniere verlor infolge eines Unfalls den rechten Wanduhren, die noch vor einem halben Jahrhundert die grosse Mode waren, erregten zur Arm. Man wandte sich an Droz, der einen Zeit des alten Droz ungeheures Aufsehen. künstlichen Arm, dessen Gelenke und Finger Durch seinen Erfolg wurde nun der Uhrmacher zu einem grosszügigeren Werke ermuntert. Er baute in der Art Kempelens einen Menschenautomaten, der die rechte Hand und die Finger bewegen konnte und auf einem Stück Papier gewisse Sätze zu schreiben vermochte. Das Uhrwerk, mittels dessen der Maschinenmensch die Finger bewegte, war in dem hohlen Arm des Automaten verborgen. Schliesslich machte sich Droz an die Lösung des uralten Problems des Perpetuum mobile heran, mit dem fast alle bedeutenden Mechaniker und Physiker seinerzeit sich mit demselben Eifer abgaben, den zwei Jahrhunderte früher die Naturforscher in der Suche nach dem golderzeugenden roten Löwen an den Tag gelegt hatten. Im Geiste des Uhrmachers nahm auch die Lösungsmöglichkeit des rätselhaften Problems die Form — einer Uhr an. Die Maschine, die eine zeitlose Bewegung hervorbringt, sollte nach der Auffassung Droz' eine Uhr sein: er konstruierte tatsächlich eine Pendeluhr, deren Räder mit Hilfe zweier in ungleichem Masse dehnbarer Metallstäbe Jahre hindurch, ohne aufgezogen werden zu müssen, liefen. Das Genie des alten Droz vererbte sich auf seinen Sohn Henri Droz. Dieser junge Mechaniker stellte einen Automaten her, der in der Pariser Weltausstellung als eine Weltsensation bewundert wurde. Der berühmte Automat des Droz war ein Maschinenmensch weiblichen Geschlechts: die erste Maschinenfrau! Der Androide hatte die Gestalt eines hübschen Mädchens, das Klavier spielte, freilich immer dasselbe Lied, das Spiel mit den Augen zu verfolgen vermochte, sich schliesslich vom Stuhl erhob, um den applaudierenden Zuhörern zu danken. Eine noch geschicktere Klaviervirtuosin baute ein Jünger von Henri Droz, sein Landsmann Maillardet, dessen Maschinenmädchen nicht weniger als achtzehn Couplets auf dem Klavier spielte, wobei sich ihre Brust hob und senkte. Der junge Droz hat auch die Wundermaschine des Friedrich Knaus vervollkommnet. Sein Automat vermochte nicht nur Buchstaben zu schreiben, sondern auch einfache Figuren, Bäume, Häuser, Tiere und Menschenköpfe zu zeichnen. Der findige Uhrmacher ist übrigens auch der Vater der in der Medizin noch heute dich nicht. Ich habe dein Schicksal völlig in der Hand!» «Das möchte ich denn doch sehen,» stiess Richard mit rotem Kopf trotzig hervor. Er sass jetzt kerzengerade. Abbrechend lehnte sich Georg ein wenig zurück und fuhr in gelassenem Ton fort: «Aber schliesslich' habe ich ja selber Gründe, dir wenigstens in grossen Umrisslinien zu zeigen, wie die Dinge liegen. Von meinen Erlebnissen in Amerika bis vor dem Kriege brauche ich dir wohl nichts zu erzählen, oder doch nichts Neues, die kennst du ja.» «Wieso?» «Aus meinem sehr ausführlichen dritten Brief von drüben.» «Ich sagte dir schon, dass ich diesen Brief nicht erhalten habe!» erwiderte Richard. Aber mit Blitzesschnelle zogen in ihm die Bilder vorüber, die er aus jenem Brief im Gedächtnis behalten hatte. Wie der. Bruder in allen möglichen Stellungen drüben sein Heil versucht; enttäuscht und betrogen aus New York geflüchtet, Shippingclerk auf einem Mississippidampfer geworden, ein Jahr als Cowboy leicht zu bewegen waren, für den jungen Mann herstellte. Mit dieser Erfindung hat sich Droz die höchste Anerkennung errungen, die damals einem Mechaniker zuteil werden konnte. Bunte Chronik Mittelalter 1933. In Brockdorf in Oldenburg hatte sich ein gerissener « Heilkundiger», der mit primitiven Mitteln gegen Vieherkrankungen von Dorf zu Dorf zog, die Ansicht der ländlichen Bevölkerung zunutze gemacht, dass das Vieh in dieser Gegend offenbar « verhext» sei. Aus allen möglichen Andeutungen, dass hier eine Kuh weniger Milch gegeben hätte, oder dort ein Stück Vieh krepiert wäre, nachdem irgendeine Frau oder ein Mädchen der Nachbarschaft durch den betreffenden Stall gegangen sei, stellte sich der «Heilkundige » eine regelrechte «Hexenliste » zusammen, die etwa ein Dutzend Namen von Frauen und Mädchen aus der nähern Umgebung Brockdorfs enthielt und die er nun das Stück zu 3 Mark 50 verkaufte. Seine Spekulation erwies sich als durchaus richtig. Denn gelebt, dann wieder in New York gelandet" war. Wochenlang hatte er morgens um 4 Uhr auf das Erscheinen der «New York World» mit ihrem Arbeitsmarkt gewartet, bis er endlich durch den plötzlichen Tod eines Mixers eine einträgliche Stellung bekommen hatte. Er entsann sich noch der Beschreibung in jenem Brief, wie Georg nach jahrelangem Leiden, jetzt endlich etwas besser gestellt, bei einem Strassenhändler deutsche Bücher gekauft und die alten lieben Dichter wieder gelesen, die ihm schon ganz entfremdet waren. «Jetzt lebte ich förmlich wieder auf! Ich kaufte mir jede Woche neue Bücher und las sie hinter dem Büfett. Ich las Goethe, Schiller, Uhland, Eichendorff und viele andere Dichter in der Muttersprache. Da wehte Heimatluft in die kalte Fremde hinüber, Geistesklänge, von denen ich kaum noch etwas gewusst hatte.» Und so habe er von da an immer heimliche Studien getrieben und in ihnen sein Glück gefunden. Von der Dichtung sei er zu wissenschaftlichen Werken übergegangen, und er glaube wohl, dass er imstande sei, eine wissenschaftliche Stellung Humor Die Dame, die eich eine Mascotte-Figur kaufen wollte. — diese Hexenliste fand reissenden Absatz. Allerdings war an ihren Erwerb die Bedingung geknüpft, dass der Käufer oder die Käuferin über den Inhalt der Liste absolutes Stillschweigen bewahren müssten. Aber natürlich begann bald ein allgemeines Raunen. Namen wurden von Hof zu Hof geflüstert und schliesslich, als der gerissenö Handelsmann schon längst über alle Berge war, kam es zu offenen Anschuldigungen gegen die in der Liste aufgeführten « Hexen >. Wo sich die ahnungslosen Frauen und Mädchen, die der Betrüger als leibhaftige Hexen angeprangert hatte, sehen Hessen, schob man ihnen die Schuld an allen möglichen Tierkrankheiten und auch an sonstigen Vorfällen zu. Es gab schwerste Auseinandersetzungen und selbst Tätlichkeiten, so dass schliesslich die Polizei eingriff. Zwei der auf der Liste erwähnten Frauen stellten schliesslich Strafantrag gegen eine Anzahl von Beziehern der Hexenliste. Da s Interessante ist nun, dass die Bäuerinnen, die sich jetzt wegen Verleumdung und Körperverletzung zu verantworten haben werden, auch nach dem Eingreifen der Behörden sich keineswegs beruhigt haben, sondern so fest von der Richtigkeit des Vorwurfs der Hexerei erfüllt sind, dass sie erklärt haben, sie würden den Wahrheitsbeweis dafür erbringen, dass jene beiden Frauen das Vieh der dortigen Gegend tatsächlich verhext hätten. Die guten Schweizer. Jede Redaktion weiss ein Lied von dem Kampf zu singen, den sie bis zur völligen Verzweiflung mit den Korrespondenzbureaus auszufechten hat, die alle aus Deutschland ihre Geistesblitze nach der goldenen Schweiz hinüberzucken lassen. Und wenn man hundertmal alles zurückschickt, zum hundertundersten Male kommen sie halt wieder. Da kann es auch vorkommen, dass einer der Zeilenschinder jenseits des Rheins einmal in Witzen macht. Manchmal sind sie ganz passabel, manchmal aber auch übel. Vor ein paar Tagen flog uns eine dieser in der Heimat einzunehmen. Ob es nicht möglich sei, dass er zurückkäme? Auch als Journalist oder kritischer Mitarbeiter von Zeitschriften würde er seine Stellung ausfüllen. Schliesslich habe er auch als Schauspieler Erfolg gehabt. Richard entsann sich dieser Stelle darum so genau, weil sie ihn wütend gemacht hatte.. Er las daraus nur den Hochmut des Begabteren, Gebildeteren heraus. Und ohne das Schreiben den Eltern zu geben, wie der Bruder gebeten, hatte er es verbrannt. «Es war ja,» setzte Georg düster hinzu, «mein grosser Irrtum, dass du ein Vermittler beim Vater sein könntest! Ich habe ja erst viel später erfahren, dass du an allem schuld, dass du mein Verderber und Henker warst!» «Uebertreibe doch nicht so!» rief Richard. «Uebrigens,» fuhr er fort, «drang doch ein Gerücht herüber, dass du als Mixer in einer Bar recht hübsch Geld verdient haben sollst.» «So? Drang das Gerücht hierher? Das wundert mich. Kein alter Bekannter hat mich in dieser Stellung gesehen. Ich selber habe es dir geschrieben. Gefangen, alter Fuchs! Du hast den Brief also gelesen.» Sendungen auf den Tisch; da hatte sich einer in Dialektwitzen versucht. Beileibe nicht um des Witzes, sondern um des wunderbaren Zürcher Dialektes willen, den dieser deutsche Verfasser erfunden hat, sei das Anekdötchen hierhergesetzt: tStimpfl sitzt in einem Züricher Restaurant, und die Saaltochter serviert ihm Kopfsalat. Auf den ersten Blick, findet Stimpfl darin zwei kleine Schnecken. Darum forscht er mit eifrigen Blicken nach mehr. Die Saaltochter beobachtet den Gast. Fragt endlich: *Was studieret Sie — stimmt öppis nicht recht?» Worauf Stimpfl seelenruhig zur Antwort gibt: «Jo, mei Kind, ich studiere ehe darüber nah, wer da Salat soll fresse — die snvee Schnegge oder ich!» Und nun behaupte einer, dieser Mann sei nicht für die Produktion von Dialektwitzen in höchstem Masse begabt... «Aber keine Spur! Ich schwöre dir! Du hast es sicher später jemand erzählt, der es hierher berichtet hat.» «Flausen. Aber halten wir uns nicht im-* nötig auf —» «Du kannst unmöglich wissen, wer dich da alles gesehen hat in dieser Stellung. Jedenfalls verkehrte da doch,» fuhr er mit schneller Wendung fort, «eine sehr gemischte Gesellschaft!» «Natürlich, .korrekt* war sie nicht.» «Cowboys, Verbrecher, Farbige?» fragtder teilnehmende Bruder. «Auch die! Ich. sagte dir schon, dass ich' selber ein Jahr Cowboy gewesen bin.» «Na ja, dann freilich —» (Fortsetzung folgt.) wie oft entscheiden die besseren Ilen>en? Darum Kaffee Hag« A Wer ATOX Cigaretten rancht, für Lunge, Herz, tmd Nerven nicht mehr zu fürchten braucht. fessSchule idemann »er kj r*ki7ii/rii „Weber-Stumpen sind einzigartig!" Berücksichtigt die Inserenten dieses Blattes LAUSANNE, die ständig amtlich kontrollierte, nrti*1rIistli nSIrAfinavmA — — A SO/ _ _ daher gesnndheitsunschädlicbe Cigarette der SAU 51 K ATOX-SURFIN ATOXLUXE ATOX FI N Fr. 2.- Fr. 1.50 Fr. 1.- in Schachte In z u 2 0 S tfick ALEXANDRA-HO TEL IAT MAGENSCHMERZEN sind äusserst unangenehm. Dieselben verschwinden aber nach kurzer Zeit beim Gebrauch von „COLUMBA"-Magenpulver unschädliches Mittel gegen Verdauungsstörungen Gegen Appetitlosigkeit, Magenschmerzen. Magenkrampf. Debelkeit, Erbrechen. Magendrücken. Sodbrennen. Blähungen. Aufstoßen, übelriechenden Atem. Preis pro Schachtel Fr. 3.— Machen Sie einen Versuch und Sie werden von dessen Güte wie schon Hunderte anderer Kunden überzeugt sein. 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N° 31 — 1933 AUTOMOBIL-REVUE Olli flDBGE SEITE Schönheitspflege als Beruf. Der Beruf der Schönheitspflegerin ist verhältnismässig jung. Aber er ist, dem Zuge der Zeit entsprechend, die Schönheit und Jugend sucht, sicherlich aussichtsreich zu nennen und gewährt innere Befriedigung. Freilich ist hierzu neben einer gewissen Eignung auch eine entsprechende Ausbildung nötig. Es genügt bei weitem nicht, wenn die angehende Schönheitspflegerin die unumgänglich notwendigen Handgriffe erlernt und mechanisch ausfuhrt; die Tüchtigkeit und der Erfolg hängen hier weit mehr als in anderen Berufen von der gediegenen Schulung ab. In der Kosmetik kann man aus der Erfahrung und Uebung nur dann lernen, wenn man durch sachgemässe Schulung eine Reihe von grundlegenden Kenntnissen in sich aufgenommen hat. Daher ist eine gewissenhafte Fachausbildung in der Kosmetik von noch viel grösserer Wichtigkeit als in anderen Berufen. Eine gut geschulte Kosmetikerin muss zumindest grundlegende Kenntnisse von Haut und Muskeln haben, sie muss die Erscheinungen krankhaft veränderter Haut richtig beurteilen können, sie muss über die Funktion und den Verlauf der in Frage kommenden Muskeln und Nerven Bescheid wissen und muss die Gesetze der Hygiene beherrschen. Neben diesem theoretischen Teil, dessen Kenntnisse nicht gründlich genug sein können, muss eine profunde praktische Ausbildung vorgenommen werden. Die Regeln der Gesichtsmassage soll sie nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis vollkommen beherrschen. Hier stiften Missgriffe oft grossen Schaden. Von besonderer Wichtigkeit ist die zielsichere Diagnose des Hautcharakters der zu Behandelnden. Es ist unbedingt notwendig, dass sich die Schönheitspflegerin, ohne sich von den Angaben der Kundin beeinflussen zu lassen, ein selbständiges und richtigevS Urteil über die Beschaffenheit der Haut bildet und sodann ihre Behandlung entsprechend einrichten kann. Die Beherrschung der rein manuellen Tätigkeiten, wie die Verabreichung von Packungen, das richtige Schminken, die Behandlung von Augenwimpern und -brauen, muss in der Schule so geübt werden, dass Missgriffe in dieser Beziehung ausgeschlossen werden. In den entsprechenden Pariser Schulen, die sich eines besonderen Rufes erfreuen, wurden strenge Abschlussprüfungen eingeführt, die keine blosse Formalität sind, sondern in denen die Schülerinnen Rechenschaft geben sollen über ihre Eignung zur Schönheitspflegerin. Dies sind die Leiter nicht nur dem Ansehen ihrer Schulen schuldig, sondern auch dem Bestreben, nur wirklich erstklassig ausgebildete Kräfte diesem «schönen» Beruf zuzuführen. Elegante Frauen an der Riviera.. Die schicken Frauen, die an der Riviera den Frühling gemessen, lieben es, mit einer koketten Bewegung die Mützen und Hüte tief über die Augen herabzuziehen. Fes ist beliebter Ersatz der Pullmankappe. Aber auch kleine Helme, vont Schiaparelli lanciert, aus Celltagal gestrickt, passen ausgezeichnet zu den ficelldfarbigen Leinenstrandkleidern, die den Sieg über das Pyjama errungen haben. Wie ein Helm strebt der Hut mit seinem steifen Kamm in die Höhe. Zu den um die Knöchel gebundenen Leinenbeinkleidern mit den gestreiften Ruderleibchen im Matrosenstil passen alle diese gewagten Käppchen ausge- I Modische Splitter ER/Oft EU zeichnet. Zum Leinerapaletot wirkt auch der Girardihut pikant, der sich ganz outriert übers Gesicht neigt und den Hinterkopf mit seinem Löckehengewirr entblösst. Leinenschals tragen einen grellen Farbstreifen. Die Klammer, die schnruckartig angebracht ist, sieht fast so aus wie der Haken, der bunte Tischtücher an Tischplatten fixiert, um sie vor den Launen der Frühlings- und Sommerwinde zu retten, die über Balkons, Terrassen und Gartenplätze streifen. Der Cannotieraus Rosshaarspitzen wird malerisch mit einem Samtband geschmückt, und wirkt überaus reizvoll zu den Cireabendkleidern, die heute so sehr en vogue sind. Die mondänen Rivierabesucherinnen sind in gleissende, gewachste Seide, in gelackte Spitzen, in glänzende, abendliche Gewebe gehüllt. Lackbän-' der schmiegen sich breit um die Taille, Cirecapes und Ciretücher verleihen, um Haisund Schulter drapiert, dem Gesicht bezaubernde Reflexe. Wie der Mund, lichtrot bemalt, im Gesicht aufleuchtet, so sind auch den Kleidern kleine, kecke, rote Details eigen: eine Blume, eine Masche, ein Riesenknopf, ein kleines Tüchlein, das hellrot im dunkelblauen Ensemble, auf der naturfarbenen Stranddress aufschimmert. Kleine, weisse Pickeejacken, Kragen und Hütchen aus weissem oder pastellhellem Pikee lassen die Frauen, die sich in der «Potiniere» in Cannes zum Aperitif versammeln, mädchenhaft jung erscheinen. Man flirtet, man pflegt seine Schlankheit, man tanzt viel, isst wenig und badet in Eden Rockh oder im Casino d'Ete. Die Frauen gemessen das unwahrscheinlich blaue Meer mit all ihren Sinnen. Selbstverständlich tragen sie dazu die Frisurhauben aus Gummi. Sie gürten ihr gestricktes Angorakleid, das sie nach dem Bad erwärmt, nicht mit einem Band oder mit Leder, sondern mit einer Schnur, einer Cordel, wie sie seit jeher zum « härenen Gewand » getragen wurde. Zu diesen losen Kittelkleidern und Sackjäckchen stülpt man den eingedrückten Herrenhut oder den «Rowdy», den bubenhaften Räuberhut, der gewollt salopp wirkt, aufs Haar. Warum Marlene Hosen trägt... Die Publikumsgöttin Marlene Dietrich, hat es für notwendig befunden, zur Abwechslung einmal Männerkleidung zu tragen. Nun gibt die von der Hysterie der Filmwelt angesteckte Frau «Erklärungen» — zur grossen Freude der beunruhigten Frauen. Hören wir den «blauen Engel»: «Keineswegs trage ich Hosen, um Sensation zu machen», sagt sie. «Aber das liebe Publikum braucht immer etwas, um sich aufzuregen. Als ich zuerst meine Beine enthüllte, gerieten die Leute darüber in Aufregung. Jetzt, wo ich sie wieder bedecke, regen sie sich auch auf. Es ist durchaus keine Sensationslust, die mich dazu treibt, Beinkleider zu tragen. Sie sind mir aber so bequem, so angenehm, dass ich nichts dabei fand (da man ja mit den Hauspyjamas und Abendpyjamas schon angefangen hatte), auch weiterhin dieser Mode treu zu bleiben. Wenn ich die Damenmode mitmache, komme ich aus dem Einkaufen und Anprobieren nicht heraus — beständig wechselt die Mode. Die Männerkleider kann ich tragen, solange es mir beliebt, da wechselt die Mode nicht so rasch und unerbittlich.» Wird nun Marlene, die dem Interviewer eines amerikanischen Film-Magazins gegenüber sich so klipp und klar äusserte, nun wirklich mit dieser Laune die Frühjahrsmode beeinflussen? Als sie in dem Film «Marokko» das erstemal in einer Kaffeehaus-Szene in Anzug und Zylinder auf der Leinwand erschien, sagten die Amerikaner etwas erstaunt: «Wie europäisch!» Sollte nun wirklich im kommenden Frühjahr das Beinkleid und männliche. Jacketts sich bei den Damen einbürgern, so wird man vermutlich bei uns sagen: «Das ist echt amerikanisch ...» Die Welt ist eben rund. Jedenfalls besitzt Marlene Dietrich heute schon zehn Anzüge mit Hose, darunter einen regulären Abendanzug, in dem sie zu Premieren erscheint — das erstemal zur Premiere vom «Zeichen des Kreuzes», mit Maurice Chevalier als Ehrenwache neben sich; Holywood stand Kopf. Die einzige Konzession, die sie dabei macht, ist die, dass das Beinkleid seitlich schliesst, wie etwa ein Sportrock, und dass das Jackett «auf Taille», also auf ihre schöne schmale Taille, gearbeitet ist. Sonst: teuerste Herrenschneider-Arbeit! Einfarbig grau und Grätenmuster wird bevorzugt. (Unterdessen ist die Künstlerin bekanntlich verunglückt, indem sie vom Pferde stürzte und — wie die Zeitungen so entzückend sagten — auf den Kopf fiel. .. Es besteht also einige Aussicht, dass die Marlene ihren Spleen wieder verloren hat.) ^ ^ Ein Lehrstuhl für die Kunst zu Heiraten. Natürlich in Amerika, wo nicht nur seit langem elektrische Stühle in Betrieb sind, sondern auch Lehrstühle für die merkwürdigsten Wissenschaften. Warum soll es nicht auch für das Heiraten einen solchen geben, das man als die älteste schon im Paradies praktizierte Wissenschaft bezeichnen kann. Die Butler University im Staat Indiana ist auf diese treffliche Idee gekommen, welcher der Gedanke zugrunde liegt, die so locker gewordenen Bande der Ehe etwas straffer zu spannen. Speziell in Indiana ist der Prozentsatz der Ehescheidungen gemessen an der Zahl der Ehen auf 41 gestiegen. Der neu geschaffene Lehrstuhl wird sich namentlich mit der hygienischen Seite des so folgenschweren Schrittes im Leben befassen; also eine bessere Beratungsstelle bilden. Tounsmus Vorfrühlingsfahrt an den Neuen burgersee Die folgende Schilderung führt zu Erinne- Tungsstätten des vorgeschichtlichen Europas, zu fyeute beinahe völlig unbekannten Druidenstätten am Neuenburgersee. Die Druiden waren die Führerkaste der Kelten. Neueste Nachforschungen ergaben, dass diese Druiden über ein überaus bedeutendes astronomisches Wissen verfügten. Die Spuren am Neuenburgersee, von denen dieser Artikel sehr Interessantes zu enthüllen weiss, sind wohl die einzigen in der Schweiz. Es war eigentlich mehr, als nur eine Fahrt durch den Vorfrühling zu den lichten Hängen des Neuenburgersees. Unser Suchen galt Erinnerungsstätten des Menschheitsvorfrühlings, die wir hier zu finden hofften. Wir wussten, dass hier die Druiden gelebt hatten und einige Denkmale von ihnen zeugten. — Ein ahnungsreicher Tag stieg an, unsere Fahrt ging durch träumende Felder, schlafende Wälder. Rotes Gold warf der Himmel über den Weg. Jedes Zeichen werdenden Lebens wurde mit Innigkeit begrüsst. Lagen doch hinter uns die kalten Wintertage, erlebt in den feuchten Häusern der Stadt. Immer lichter, immer heller die Luft, bis wir das stille Blau des Sees erblickten. In Neuchätel fragten wir am geeigneten Orte nach den Druidensteinen. Liebenswürdig und bedauernd konnte man uns keine Auskunft geben. Wer sucht denn auch heute nach Steinen, die vor 5000 Jahren etwa errichtet wurden, erlebt man ja kaum die Gegenwart, ohne nach der Zukunft zu schielen! Nun, wir mussten uns dem Glück vertrauen. Und das Glück half uns. Zuerst führte es uns zu der Gattin des verstorbenen Gelehrten Maurice Borel, der umfangreiche Studien über die Druidenzeit und Druidenstätten gemacht hat und dessen reiches Material leider nicht veröffentlicht ist. Und weiter führte es uns zu Prof. Boreis Mitarbeiter, einem scheinbar einfachen Manne, der mit richtigem Sucherinstinkt alles, was an alte Zeiten in dieser Gegend erinnerte, gefunden hat. Mit bescheidenem Stolz zeigte er uns eine Sammlung Geräte und Scheiben aus der Steinzeit, die er für das Neuenburger Museum bestimmt hat. Nun zog er mit uns los. Unser Führer voran, bergauf, bergab, bis wir in den dichten Wäldern von St. Aubin waren. Da standen wir auf ebenmässig erhöhten Hügeln, um die Kreise von Granitsteinen noch erkennbar waren. Es sind dies Druidengräber. Vor einem moosbewachsenen Felsblock, einem Findling, machte unser Führer halt und begann den Stein abzuschaben. Zuerst schauten wir bloss zu. Was sollten wir denn an einem Felsblock entdecken, sind doch alle Steine grau — und wir — Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, sind wir nicht auch grau? Tastend fuhr der Alte mit der Hand über den Stein, da — ein kleines, ausgeschabtes Loch — noch eins, nun eine ganze Gruppe, und diese Male ergaben Zeichen! Da>schauten wir das heilige Sonnenzeichen, sechs Male um das siebente in der Mitte gruppiert. Bald ging uns auch der Sinn auf. Eifrig schabten wir mit und riefen freudig aus, wenn wir ein Stücklein Moosteppich gelöst hatten und darunter lauter Male entdeckten. Welche Schrift offenbarte sich da? Ueberschauten wir einen ganzen blossgelegten Stein — wir taten dies bei mehreren — da sah unser Auge ein Aehnliches, wie wenn es nachts zum Sternenhimmel blickt. Man weiss ja, dass die Druiden ein bedeutendes Wissen von kosmischen Geheimnissen hatten, dass sie an den Schatten aufgerichteter Steine den Sonnenstand bestimmten und den Zeitpunkt für das Bebauen des Landes, das Säen des Samens usw. davon ablasen. Hier aber in den Malen scheint etwas wie ein historischer Kalender eingegraben zu sein, Erinnerungsmale, ausgedrückt in der Konstellation der Sterne. Ein exaktes Wissen über diese Zeichen wird einer späteren Zeit möglich werden, wenn man sie mit spirituellerem Sinn und Wissen lesen kann, vorausgesetzt, dass nicht unsere auf Nützlichkeit gestellte Zeit diese Steine zu Pflastersteinen zersägt, wie dies mit vielen schon geschehen ist. Ein ganz besonders schöner Stein mit einer Ueberfülle von Malen befand sich auf einer Höhe, von der man über den weiten See hinwegblickte und die ganze Alpenkette, von den Berner Riesen bis zum Mont Blanc, vor sich hatte. War dieser Stein ein Naturaltar, wo den Geistern der Elemente —Erde, Wasser, Luft und Licht — geopfert wurde? Offenbarte sich doch hier das Gestein in seiner gründenden Festigkeit, das Wasser in seiner Klarheit und Hingegebenheit, die Luft in ihrer linden Milde und das Licht in der alles durchstrahlenden Leuchtekraft. Doch weiter ging es, der Alte, 70jährige immer voran wie der Jüngste von uns, zu den «Menhiren» — aufgerichtete Steine in oben zugespitztem Dreieck — die auch zum Teil versteckt in den Wäldern waren. Ein besonders schöner Stein befand sich auf freiem Feld, eine künstliche Kerbe war in ihn hineingehauen. Folgte der Blick der Kerbe, so schaute man auf den Westhimmel. Hier wurde wahrscheinlich auch der Sonnenstand gemessen. Eine Anzahl solcher « Menhire » müssen hier gestanden und wohl auch ein ganzes Heiligtum umschlossen haben, wie heute noch Anlagen in Irland und Frankreich zu finden sind. Dann stiessen wir noch auf ein Grab, einen sog. «Dolmen», von dem jedoch die Deckplatte fortgeschleppt war. Auf CHAUSSURES . ßlVOLI UNSERE HERREN MODELLE SIND STETS FÜHREND BESICHTIGEN 51c BITTE UNSERE ELEGANTEN DAMEN OSTER MODELLE ZÜRICH URANIASTRASSE 10 HALLWAG BERN NEUEN MODELLE sind reizende, abwechslungsreiche Schöpfungen von gediegener Eleganz. Eine vielseitige Kollektion mit mäßigen Preisen. H. BRANDLl ZCRICH z. Leonhardseek Ecke Zähringerstraße-Sellergraben