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E_1933_Zeitung_Nr.032

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12 AUTOMOBIL-REVUE

12 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - 32 (EIGENER KESSELBAU) ROLLS MOTOR OIL rfrr rrrr LEHMANN&CIE v

Bern, Dienstag, 11. April 1933 HL Blatt der „Automobil-Revue" No. 32 Frühling Von Hermann Hesse. An dem grün beflog'nen Hang Ist schon Veilchenblau erklungen, Nur den schwarzen Wald entlang Liegt noch Schnee in zackigen Zungen. Tropfen aber schmilzt um Tropfen hin, Aufgesogen von der durstigen Erde, Und am blassen Himmel oben ziehn Lämmerwolken in beglänzter Herde. Finkenruf verliebt schmilzt im Gesträuch: Menschen, singt auch ihr und liebet euch! Ostermorgen am See Noch ist es sehr früh, nichts ist zu hören öte der eintönige Schritt der ersten Kirch- Sänger, die mit schwach gebeugtem Haupte, in dunklen Kleidern, zur Messe gehen. Der letzte Hall der Glocken ist in den Bergen verklungen, deren Schnee bläulichweiss über 'dem Tale strahlt. Ich schlendere, die Hände auf dem Rücken, 'durch den kalten Frühlingsmorgen.. Die Häuser stehen schweigend. Alle Wege sind sauber gewischt, das Dorf hat sein Sonntagsgewand angezogen. Manchmal erscheint ein Verschlafenes Gesicht hinter einem Fenster. Unser Hund hat mich entdeckt und geht folgsam Sehritt für Schritt neben mir her. Die [ Luft ist so kühl, dass ich schaudere... Das feine Kies der Quaianlagen am See knirscht pnter den Sohlen. Noch recken sich die Väume nackt gegen den bläulich verschwommenen Himmel, nur die Knospen schwellen und scheinen unter der Uebermacht der geheimen in sie versenkten Kraft springen zu müssen. Kein Mensch begegnet mir, sie schlafen mit all ihrer seltsamen Sicherheit tief in den Ostermorgen hinein. Der Quai endet; nun dehnt sich weit eine halb sumpfige, grüne Ebene. Ein schmaler weisser Weg schlängelt sich durch das weite Feld, über dem ein dünner Nebel hängt. Es lässt sich sehr schön sinnen in dieser Stille, die den weiten Raum erfüllt. Das Wasser ist ganz nahe. Sehr leise nur plätschert es über die Kiesel. Stossweise kommt es anterauscht, flutet wieder zurück, kommt aufs neue — eine ewige Bewegung, in wunderbarem, beruhigendem Gleichmass. F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel Roman ron Karl Strecker. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Nicht gerade sehr angenehm. Aber sieh Öa, mein Bäuchlein ist so lieblich gerundet •wie deins, nnd merkwürdig, dass selbst die Fettablagerungen bei Zwillingen die gleichen Formen annehmen — hier, das kleine Doppelkinn fehlt nicht. Und wie du siehst, stimmt auch sonst alles: Anzug, Stoff und Schnitt, Öie Schnürschuhe, der Schlips, der Kragen, der schon ein wenig unmodern ist — genau dasselbe, wie es sich bei Zwillingen gehört. Sogar der Schnitt der Fingernägel. Wie ich Setzt sehe, ist dein buntes Oberhemd ein iwenig anders gemustert, doch darauf wird niemand achten.» Richard hatte mit wachsendem Staunen, m leinem dumpfen Gefühl der Beklemmung zugehört Jetzt hob er den Kopf und rief: «Aber, das ist doch alles verrückt! So etwas kann doch nur ein Wahnsinniger aushecken!» Georg strich langsam mit der Hand über Das Wasser ist blauschwarz, ein halb-: blinder Spiegel, in dem sich kein Berg und keine Wolke zeigt. Hingetupft am anderen Ufer lässt sich ein anderes Dorf entdecken — man sieht nichts als ein paar weissliche Klexe. Die Leiber der Berge hangen voll schwerer Nachtschatten, feucht und düster treibt es über die Halden und Felsen. Seltsame, unheimliche Zwielichtstimmung drückt Die Blütenfahnen des Lenzes. Lichtes auch für die Welt, die sich den Wundern des Frühlings auf getan hat. Da — noch verfolge ich die immer röter erglühenden Gipfel der Berge, haben mich die ersten Strahlen schon getroffen, goldrot, flammend — und das Gestirn hat sich den Tag erkämpft. Nun wird der See von Glanz überflössen, die Hänge der Berge sind frei von Schatten, scharf und klar treten die Umrisse ihrer 1inipn hervor. T)pr ennze Himmel ist Bliok Ton Weggis gegen den Pilatus. (Photo Gaberell.) ein strahlendes Licht. Hinter den westlichen Gipfeln versinkt die Nacht, der Tag ist auferstanden. Das ganze Drama des Kampfes zwischen Licht und Dunkel ist das gleiche österliche Ringen der menschlichen Seele um Im Osten, hinter den Bergen, die den See einengen, wächst von Augenblick zu Augenblick eine Helle, die sich immer stärker über den ganzen halbdunklen Himmelsraum wirft. Das Wasser bekommt silberne Striche, die sich über die ganze Fläche hinziehen. ' Die- Auferstehung, um Ostern. Nun^ist die Sonne nässen Uferkiesel werfen spiegelnde Reite*»*» da, und alle Nebel schwinden vor ihr zurück. Die Sonne kämpft sich durch das Nebel* Was kalt und fremd im Zwielicht stand, ist gewölk, es ist ein helmliches Ringen zwischen nahe und- bekannt, ist wie neugeschenkt. Licht und Schatten. Immer klarer wird der Weit und grün dehnt sich die Ebene, kleine ungeheure Himmelsdom, der sich über mir Frühlingsblumen tupfen zarte Töne darein. hinschwingt, immer glühender die HeUe. Der Hund, der bis dahin neben mir gelegen Es ist Ostern, denke ich. Die Sonne kämpft ist, scheint von dem elementaren Uebergang sich durch die Nacht, durch das Leiden des ergriffen worden zu sein und wirft alle Ruhe Dunkels. Es ist wie die Auferstehung des und Bedächtigkeit von sich. Mit hängenden Mund und Kinn. «Möglich, dass solch ein Plan nur in jahrelanger Gefangenschaft und vielleicht nur in der Kriegspsychose entstehen konnte, aber das ist jetzt gleichgültig. Der Stein ist im Rollen.» «Hat denn diese beispiellose Komödie einen Zweck? Was du beabsichtigst, könntest du doch auf wesentlich einfachere Art erreichen.» «Leider kaum! Du vergisst, dass wir unsere Lagen tauschen müssen!» «Müssen! Ich denke gar nicht dran!» «Ich habe dir wohl noch nicht erzählt, dass jener Gefangene, der im letzten Kriegsjahr mit andern bei uns eingeliefert wurde, ein gewisser Penkun war.» Richard sass totenbleich, wie aus Stein gemeisselt. Keine Bewegung war an ihm zu spüren. Nur der Daumen der linken Hand, die im Schatten des Tisches lag, rieb mit krampfhafter Heftigkeit den Zeigefinger. «Penkun aus Satow. Ja! Mit dem habe ich oft über die Heimat gesprochen.» Er sah den Bruder kalt und ruhig an. In Richards Hirn kreuzten sich wirbelnd die Gedanken. Er zweifelte jetzt nicht mehr daran, dass es um Kopf und Kragen ging. Er ärgerte sich über sein bisheriges Benehmen und beschloss eine andere Taktik. «Ich erinnere mich des Namens nicht,» begann er in ruhigem Ton. «Die Kriegspsychose, die du ja selber als Ursache deines — hm — deines Unternehmens angibst.» «Nicht als Ursache —» «Wird auch da mitgewirkt haben. Was du vorhin von einem Ausgleich sagtest — so Hesse sich darüber sprechen.» «Dieser Ausgleich ist nicht so einfach, er gilt zum Beispiel auch für unsere Mutter.» Richards linker Daumen suchte wieder seine Reibefläche. «Selbstverständlich, übrigens gibt's da wenig auszugleichen. Mama geht es ganz gut. Ich habe sie in einem Stift untergebracht, da lebt sie ihre alten Tage in Frieden.» «Das heisst: Du hast sie abgeschoben!» «Keine Spur! Sie hat sich selbst so ein behagliches Altersheim gewünscht.» «So, so! Hat sie das! Sie wohnte doch früher hier bei dir!» «Ja, aber auf die Dauer gefiel es ihr hier Lefzen jagt er davon, über das frühhngsgrüne Feld, in tollen Sprüngen, keuchend rast er zurück, sieht mich mit rotunterlaufenen Augen an, und schiesst von neuem davon. Wie ich noch stehe und den Glanz des silbrigen Sees im Auge habe, trägt das Wasser den Klang der Glocken vom Dorf am jenseitigen Ufer herüber. Die Töne sind wie ein feines Hauchen nur, dunkel, feierlich und getragen. Der weite Raum über dem Wasser ist ein schwingendes Klingen. Im selben Moment fallen auch die Glocken unseres Dorfes ein, und nun fallen die erzenen föne machtvoll über den Wassern zusammen, steigen bis hinauf zu den schneebedeckten Gipfeln. Die Sonne hat sich nun endgültig den Tag erobert, Ostern ist gekommen, und aus dem Dunklen, dem Winter, dem Toten, ist das Leben kraftvoll neu entstanden. bo. Das Osteropfer Von EmU Hüglu Jahr für Jahr hatten die guten Eltern ihren drei Kindern, den beiden Buben und dem Mädchen, die gewohnte Osterfreude bereitet, und immer hatten sie den gewünschten Erfolg damit gehabt: Frohe Herzen und glückstrahlende Gesichter. Die drei ganz gleichmässig ausgestatteten Osterkörbchen, die die Eltern uns Kindern alljährlich zusammenstellten, enthielten sechs bunte Ostereier, ein Schokolade- und ein Nougatei, und inmitten all dieser Dinge sass jeweilen der mutmassliche Erzeuger dieser Herrlichkeiten selber in Gestalt eines stattlichen, mit Zucker appetitlich bestreuten Biskuithasen. Jähr für Jahr hatte also auch mich die Osterzeit zu einem Glücklichen gemacht, der schon Wochen zum voraus darauf zählen durfte, dass ihm seine ungemischte Festfreude abermals zukommen würde — bis einmal an einem Ostersonntag etwas Fürchterliches geschah, das mir zum ersten Male zum Bewusstsein brachte, dass es ein Schicksal, eine höhere Macht gibt, die im Handumdrehen das Glück in Unglück verwandeln kann. Um acht Uhr morgens waren wir Kinder, wenn auch noch nicht gekämmt oder sonn* täglich herausgeputzt, schon auf den Beinen nicht! Du weisst ja, wie so alte Damen sinc|. Sie wollte hier immer noch, wie in unserer Kinderzeit, das Kommando führen. Und immer sprach sie von dir, als ob du ganz anders zu ihr gewesen wärst. Aber die Hauptsache war jedenfalls ihre despotische Art.» «Hille Bobbe Hess sich das nicht gefallen, wie?» «Welche Hille Bobbe? Meine Wirtschafterin meinst du? Oh, da irrst du sehr. Aber ich sagte dir schon, dass Mama hier immer kommandieren wollte. Sie hat noch immer ihr altes heftiges Temperament. Erstaunlich ist ihre Rüstigkeit, wenn sie sich ärgert. Na, da kommt es dann natürlich mal zu Auseinandersetzungen.» «Und du meinst, dass es Mutter jetzt gut geht?» «Das weiss ich bestimmt.» «Ich weiss noch bestimmter, dass das Gegenteil der Fall ist, denn ich habe mich davon überzeugt.» «Du hast ?» (Fortsetzung im zweiten Hauptblatt van « Autler-Ostern ».) Einheitspreis Zimmer mit Bad 7.50 5O Neubau, ehemals Seidenpost • Ca. 250 m vom Hauptbahnhof • Rohrpost-Anlage «Telephon und Messendes Wasser In sämtl. Zimmern