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E_1933_Zeitung_Nr.033

E_1933_Zeitung_Nr.033

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, AUTOMO Donnerstag, 13. April 1933 Aus Italien und Deutschland erreichen uns die Meldungen von neuen bemerkenswerten Erleichterungen, welche dem Motorfahrzeugwesen von Staates wegen eingeräumt worden sind. Die Nachricht, dass in Italien bestimmte Wagenkategorien unter gewissen Voraussetzungen nur mehr eine Abgabe von 12 Lire zu entrichten haben, eine Gebühr, die fast mehr nur noch der Form halber erhoben wird, als dass sie dem Staat wirklich Einkünfte bringen kann, muss den mit Steuern und Abgaben geplagten Schweizer Automobilisten wie eine Kunde aus einem Wunderlande anmuten. Die Mitteilung aber, dass Deutschland fabrikneue Wagen überhaupt steuerfrei kursieren lässt, solange sie im Besitz des ersten Käufers sind, scheint uns fast ein Märchen zu sein, so unglaublich ist ein derartiges staatliches Entgegenkommen für unsere Begriffe, wo die meisten staatlichen Instanzen bis jetzt nur aufs Nehmen, nicht aber aufs Geben eingestellt waren. Wie kläglich mutet da das Feilschen an, auf das die Motorfahrzeugbesitzer und deren Verbände sich bei einzelnen Kantonen einlassen müssen, nur um zu erreichen, dass der Automobilist und Motorradfahrer wenigstens nicht noch für bestimmte Zeitabschnitte die erhebliche Verkehrssteuer zahlen muss, während welchen er sein Fahrzeug überhaupt nicht benützt hat. Wie schwer hält es in gewissen Kantonen, die Regierung wenigstens dazu zu bringen, eine quartalsweise Unterteilung der Jahressteuer gutzuheissen, von Steuerermässigungen gar nicht zu reden! Hören wir, was im Auslande um uns herum in Sachen Verkehrswirtschaft vorgeht, so erfüllt uns blasser Neid, denn dort tritt deutlich an Stelle der Absicht auf fiskalische Ausbeute der Wille auf Förderung und Unterstützung des Motorfahrwesens. Wie weit man bei uns von dieser Mentalität noch entfernt ist, zeigt sich leider wieder in grellstem Lichte bei der Abgabe der neuen Polizeischilder und Verkehrsausweise. Es hiesse sich auf abgegrasten Gemeinplätzen tummeln, wollten wir uns nochmals darüber verbreiten und neuerdings belegen, wie sehr das neue Automobilgesetz die Fahrzeugbesitzer finanziell mehr belastet hat. Die stark vermehrte Rückgabe an Verkehrsnummern auf Neujahr hat ja selbst die kantonalen Verwaltungen augenscheinlich davon überzeugt, dass die jetzigen finanziellen Verpflichtungen für viele Fahrer einfach über das tragbare Mass hinausgehen oder es ihnen auf (5. Fortsetzung) «Sieh, sieh, du wirst ja ordentlich poetisch. Wusste gar nicht, dass du eine dichterische Ader hast. An diese Abende hättest du denken sollen, damals, als —!» «Georg, wir waren doch rechte Brüder — wir können doch nicht Kain und Abel spielen. Fürchte dich vor dem Kainsfluch!» Georg lächelte. «Näher liegt der Vergleich mit Jakob und Esau, die ja auch Zwillinge waren. Aber die Menschheit ist anspruchsvoller geworden, mir genügt ein Linsengericht nicht. Ich habe in den Jahren, während der ich mich auf diesen Tag vorbereitete, auch jene älteste Zwillingsgeschichte wieder einmal studiert. Da heisst es von Jakob und Esau: ,Und die Kinder stiessen einander im Mutterleib.' So wird es wohl auch mit uns gewesen sein. Und der Herr sprach zu Rebekka: .Zwei Völker sind in deinem Leib.' Und Esau wollte später Jakob erwürgen. Du siehst also, dieser Fall ist durchaus nicht unnatürlich, er wurzelt in der ältesten Geschichte der Menschheit.» Gelbe Liste alle Fälle nicht möglich ist, auf einmal und zum voraus die Beträge für Versicherung und Fahrzeugsteuer für ein ganzes Jähr aufzubringen. Diese rückläufige Bewegung hätte doch gewiss ein Fingerzeig sein dürfen, dass es wirklich an der Zeit ist, von weiteren Erschwerungen des Automobilwesens .abzusehen und zu versuchen, durch Berücksichtigung einiger langjähriger Postulate der Strassenverkehrsinteressenten bei der Revision der kantonalen Bestimmungen und Vollzugsverordnungen den Druck zu lösen und die Last wenn nicht zu vermindern, so doch besser zu verteilen. Nun kommt es zur Ausgabe rest>. zum Austausch der neuen, durch das Gesetz vorgeschriebenen Kontrollnummern sowie, des Führerausweises. Die Aufgabe ist den Kantonen zum Vollzug übertragen worden. Der Fahrer hat keinerlei Interesse an einer neuen Nummer; es wäre mit der alten ebensogut und noch auf lange Zeit gegangen. Das Gesetz schreibt sie vor, also lässt man sich eine neue Nummer und einen neuen Ausweis aushändigen. Als .man seinerzeit den ersten Nummernschild von der Motorfahrzeugkontrolle bezog, musste er bezahlt werden und für die neue .Führerbewilligung war auf Jahresbeginti eine sogenannte Gebühr, die.aber ihrem Betrage nach einer Steuer gleichkommt, zu entrichten. Bei Rückgabe dieser Ausweise, die nun wertlos werden, wird dem Inhaber nichts zurückvergütet, dagegen prompt für die im Austausch zwangsweise gelieferten Schilder und Führerpapiere neuerdings eine «Entschädigung für staatliche Dienstleistungen» erhoben! Man ist es sich ja bereits gewöhnt, dass keine Gratisleistungen zu erwarten sind und wenn das Rechtsempfinden noch so sehr dafür sprechen würde, so werden sich die Kantone wohl eben hinter der eidg. Vorschrift verschanzen und mit dem üblichen Achselzucken erklären, sie seien nicht in der Lage, die Kosten dieser Neuanschaffung auf sich zu nehmen. Man könnte ja zur Not diese Auffassung noch gelten lassen, selbst wenn sich der einfache Verstand gegen jede Erklärung sträubt, welche die sonderbare Tatsache zu begründen versucht, dass letzten Endes jeder Fahrer sein Nummernschild zweimal zahlen muss. Betrachten wir uns aber die nun in einzelnen Kantonen eingeschlagene Praxis näher, Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 33 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freltaa Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brcitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die rücksichtslose Steuerschraube F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel. Roman von Karl Strecker. tausch neuerdings zu einem ausgesprochenen Beutezug auf die Taschen des Fahrers ausgenützt wird. Je nach der Einstellung der kantonalen Instanzen werden allein für die Schilder bis zu 12 Fr. verlangt und für den Ausweis noch eine weitere Gebühr von einigen Franken verrechnet. Die Post bringt uns täglich eine Anzahl Zuschriften, in denen Automobilisten ihrem Unmut über diese Zumutung kantonaler Verwaltungen Luft machen. Die Empörung ist begreiflich, denn diese Praxis zeigt so recht deutlich, wie in manchen Amtsstuben die wirtschaftliche Bedeutung des Motorfahrwesens, die Rolle des FaTirzeüges als Helfer im Erwerbsleben, a!s unentbehrlicher Mittler im Waren- und Güterverkehr, vollständig übergangen wird und unberücksichtigt bleibt und dass sich ausschliesslich der rein fiskalische Standpunkt breit macht, der alles nach der Höhe der den INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct«. Grössere Inserate nach Seitentarif. Insernttnschliiss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern so muss leider festgestellt werden, dass vom Fahrzeugbesitzer nicht etwa nur die Selbstkosten für diese eidg. Kontrollnummern erhoben werden, sondern dieser Ausdie Rechtsgrundlage fehlen dürfte. Wenn zudem Kantone wie Neuenburg sich mit einer Minimalgebühr zufrieden geben, dann sollte vor allem von verkehrsreicheren und auch von der Krise weniger hart mitgenommenen Kantone erwartet werden dürfen, dass sie nicht ihrerseits den Bogen überspannen und ihre Automobilisten und Steuerzahler schlechter stellen. Kann es da noch wundern, wenn wir unsere Kollegen in den Nachbarländern beneiden und die Meldungen von den dort gewährten Steuererleichterungen kaum glauben können, weil dieser Begriff bei unseren Verwaltungen abhanden gekommen zu sein scheint und «steuerfrei» überhaupt nicht in deren Lexikon steht! Die Totengräber der Schweiz. Bundesbahnen. Unter diesem Titel hat die «Schweizer freie Presse» in ihrer Nr. 81' einen Artikel veröffentlicht, in dem gegen das Auto und öffentlichen Kassen zufliessenden Beträge einschätzt. Es fehlt nicht an lobenswerten Ausnahmen. So hat der Kanton Neuenburg die Gebühr für die Autoschilder auf Fr. 5.—, diefasser zeichnet «ein alter Bauer». Dies mag den Strassenbau polemisiert wird. Der Verjenige für Motorradnummern auf 4 Fr. festge- ihm als Entschuldigung für seine unrichtigen und unsachlichen Behauptungen dienen. Wir wollen nun einmal feststellen, wie es mit der Totengräberarbeit des Automobils bestellt ist und zu diesem Zweck die Betriebsergebnisse der Bundesbahnen unter die Lupe nehmen. Dabei wollen wir zwei Perioden unterscheiden: die Zeit vor dem Kriege, da es noch keine Autokonkurrenz gab, und die Nachkriegszeit. Beim Personenverkehr der Bundesbahnen brachte die erste Periode ein Ansteigen der Reisendenzahl von 50 010 000 im Jahre 1903 auf 91649 000 im Jahre 1913. In der Autokonkurrenzperiode von 1919 bis 1930 war eine setzt und bestimmt, dass der persönliche Ausweis' kostenlos abgegeben wird. In Neuenburg hat man sich, angesichts der sich in der dortigen Hauptindustrie geltend machenden Krise, offenbar der Erkenntnis nicht verschliessen können, dass nun keineswegs der Zeitpunkt, ist, um mit offenen oder versteck- 'tett'Abgaben die Steuerschraube bei den Automobilisten zu überdrehen, da diese Leute als mitten im Wirtschaftsleben stehend, bereits genügend Schwierigkeiten haben, um sich und ihr Geschäft überhaupt behaupten zu können. Andernorts scheint aber dieses Verständnis für die jetzige Lage vollständig abzugehen und man sieht nur die Gelegenheit, um dem Staat neue Einnahmen zu verschaffen, gleichviel ob dieses Geld der Gesamtheit wirklich den entsprechenden Nutzen bringen kann, nahdem es durch einseitige und kurzsichtige Ueberlastung der Verkehrswirtschaft .erzwungen-worden ist. Nachdem man dem" Fahfze'ugbesitzer nach allen anderen' Anzapfungen] nun auch noch die Kostefi 'der Neunummerierung, der er nicht gerufen hat-, aufbürden will, so sollte man wenigstens -erwarten; dass der Staat damit nicht *nöch ein •Kassengeschäft verbindet. Die Zeiten .sind wahrlich nicht darnach, dass die Privatwirtschaft -auf diese Weise dem öffentlichen Säckel M einem hundertprozentiger! " Gewinn verhelfen ikann, denn mit fünf Franken sind die Gestehungskosten der Schilder, vollauf- gedeckt • und was darüber hinausgeht ist eine" Unberechtigte Bereicherung, für- deren Begründung- wohl auch «Aber,» fiel Richard ein, «die beiden haben sich, soviel ich mich erinnere, schliesslich miteinander vertragen. Sie haben friedlich miteinander gelebt, Georg, das wäre doch auch hier möglich.» «Danke! Hier den zurückgekehrten »verlorenen Sohn' spielen. Mit Fingern auf mich, auf den ,Dieb', weisen lassen.» Richard hustete mit verstörtem Gesicht. Seine Gedanken flogen wie aufgeschreckte Vögel in einem Käfig und suchten nach einem Ausweg. Er legte die Hände wie beschwichtigend ineinander und begann: «Sieh, Georg, du hast .damals Käthe Frank geliebt, und sie hat dich auch geliebt, ich weiss es, denn alle Annäherungsversuche anderer, anfangs auch meinerseits, scheiterten daran » «Ja, richtig, das kommt auch noch dazu, dass du mich um mein bisschen Liebesglück — so sagt man ja wohl — gebracht hast, damals!» Er machte eine abschliessende Handbewegung. «Aber jetzt Schluss,» sagte er mit heiserer Stimme. «In dreiviertel Stunden geht der Zug von Wusterhausen, den du benutzen musst.» «Ich denke nicht daran.» «Ich würde an deiner Stelle doch daran denken. Ich bin hier,» er zog seine Brieftasche und entnahm ihr ein Papier, «im Besitz eines Dokumentes, geschrieben von deinem ehemaligen Diener, Joseph Penkun, über den plötzlichen Tod deiner .» Richard sprang auf. Zwei grüne Punkte in der Ofenecke leuchteten auf. Die Katze wurde aufmerksam. «Also Erpressung,» zischelte Richard mit bleichen Lippen, «ganz gemeine Erpressung! Und auf die haltlosen Verleumdungen eines Schurken hin, der Rache nehmen will.» «Zur Sache,» erwiderte Georg, der eine leichte Schwäche überwand, in geschäftlichem Ton. «Bitte, setz' dich wieder. Ich fahre dich in deinem Auto nach Wusterhausen, du steigst dort in den Zug und fährst über Berlin nach Bremen. Die Billette habe ich hier.» Er legte einen Briefumschlag auf den Tisch. «Von Bremen geht morgen nachmittag vier Uhr der Dampfer .Norddeutscher Lloyd' nach —» «Und du?» unterbrach ihn der Bruder zitternd. Er war wieder auf seinen Stuhl gesunken und presste die rechte Hand auf sein Herz. «Uebrigens,» fuhr Georg gleichmütig fort, «sei unbesorgt: ich vergelte nicht Gleiches mit Gleichem. Du wirst drüben ohne Not und Sorge leben, was mir nie beschieden war. Nur nicht als fauler Rentier. Arbeit wird es nicht abgehen.» «Und du?» wiederholte Richard. Ganz ohne Zunähme von 74 419 000 Reisenden auf 127 911 000 zu verzeichnen. Während die Vorkriegszeit also eine Verkehrszunahme von 41 640 000 Reisenden brachte, ergab die Nachkriegszeit trotz der Autokonkurrenz eine solche von 53 500 000. Beim Güterverkehr wurden im Jahre 1903 8 916 000 Tonnen befördert, während es im Jahre 1913 deren 14 614 000 waren. In der Periode der *Autokonkurrenz stieg der Verkehr von 13 602 000 Tonnen im Jahre 1919 auf 18 546 000 Tonnen im Jahre 1930 an. Die Zunahme betrug also 4 940 000 Tonnen gegenüber 4 300 000 Tonnen in der konkurrenzlosen Zeit. Damit dürfte wohl in schlagenster Weise die Behauptung von der Totengräberarbeit des Autos widerlegt sein. Wir wollen aber noch weiter gehen und zeigen, wie sich die Einnahmen entwickelt haben. Sie betrugen aus dem Personenverkehr im Jahre 1903 84 589 000 Fr. und «Ich kehre heute sogleich in dem Auto wieder zurück — als Richard Nicola.» «Und dann?» «Ich habe mehrere Ziele. Ich will die Welt von einem Schmarotzer befreien und an dessen Stelle einen Wohltäter setzen. Ich werde Menschen glücklich machen. Zuerst die, die mir am nächsten stehen. Ich selber habe meine Bestimmung noch nicht erfüllt. Mein Pfund war bisher vergraben. «Georg, glaube mir, ich bin schuldlos!» «Schuldlos! Millionen junger, tatkräftiger Männer sind im Krieg schuldlos verblutet. Du bist nicht schuldlos und nicht jung. Ich will sogar zugeben, dass ich deine Tat moralisch gar nicht einmal so schwer einschätze, wie die Richter sie find.en werden, oder würden. Ich kann mir denken, wie du und deine Frau während der Kriegsjahre miteinander gelebt habt. Wie zwei feindliche Spinnen in einer Schachtel. Sie soll ja auch immer einen Browning bei sich gehabt haben.» «Das stimmt.» «Und in jener Zeit der verwirrten Moral, wo ein Menschenleben nichts galt, hätte vielleicht mancher andere in deiner Lage ebenso gehandelt. Ihr wart schliesslich Feinde wie die da draussen an der Front. Du. siehst, ich lasse alle Milderungsgründe gelten. Pnd selbst Penkun —» ß