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E_1933_Zeitung_Nr.035

E_1933_Zeitung_Nr.035

Ausgabe: Deutsch« Schwels BERN, Freitag, 21. April 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 35 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint laden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATIONs Breltenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Recbnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespalten- 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctt. Grössere Inserate nach Seitentarif. InsfratcDsehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Die Osterfeiertage haben mit ihrem prächtigen Reisewetter den imposanten Auftakt für die diesjährige Fahrsaison markiert und die grossen Heeresstrassen hatten vielfach einen Verkehr aufzunehmen, der fast an die Grenzen ihres Fassungsvermögens reichte. Wenn diese ersten Gross-Reisetage einmal mehr eindrücklich gezeigt haben, welch' mächtigen Faktor der Transport auf der Strasse in der modernen Verkehrswirtschaft darstellt, so konnten dem aufmerksamen Beobachter aber auch nicht die leidigen Nebenerscheinungen entgehen, die leider noch immer den Aufstieg und die Weiterentwicklung des motorisierten Verkehrs beschatten. Die Folgen Hessen nicht auf sich warten und die Mel- F E U I Mehr Verkehrsdisziplin! TON Rufe aus dem Dunkel. Roman von Karl Strecker. (7. Fortsetzung) Wie eine lebendige Antwort tauchten zwei Frauengestalten vor seinem inneren Gesicht auf; ohne sie hätte er dies tollkühne Wagnis niemals unternommen: Die Mutter und Käthe, zusammengefasst: Liebe. Ein Ruf aus dem Dunkel hatte ihn zu den tiefsten Herzenserlebnissen seiner Jugend mächtig zurückgezogen, denen gegenüber sein ganzes Leben sonst flach und schal gewesen war, trotz aller Abenteuer und wunderbarer Erlebnisse. Im Dasein dieser beiden teuersten Menschen wollte er die Vorsehung spielen, wollte er wieder gutmachen, was das Schicksal und die Zwillingsbrüder ihnen für Leid gebracht hatten. Davon hatte er im Gefangenenlager Tag und Nacht geträumt. Und dies Ziel tauchte jetzt gross und klar wieder vor ihm auf. Alles andere war dem gegenüber Nebensache. dungen von Verkehrsunfällen während den Festtagen füllen Spalten der Tagesblätter. Es liegt in der Natur des Verkehrs, dass mit zunehmender Intensität auch die Gefahrenquellen grösser werden und deshalb eine Zunahme an Unfallereignissen bei solchen Verkehrsanschwellungen, wie sie die letzten vier Feiertage gebracht haben, fast unvermeidlich sind. Mit stärkerer Frequenz der Strassen nehmen leider auch die Fehler zu, die von der Gesamtheit der Strassenbenützer gemacht werden und auf die zu fast hundert Prozent alle Unfälle zurückzuführen sind. Es fehlen genaue Zahlen, so dass ein Vergleich mit den Unfallereignissen der Vorjahre nicht möglich ist, so instruktiv er gerade im Hinblick auf die neue Verkehrsgesetzgebung sein müsste. Wir glauben aber, dass erfreulicherweise kaum mit einer nennenswerten Zunahme der Unfälle, wenn überhaupt eine solche zu konstatieren ist, gerechnet werden muss. Ferner scheint es, dass wenigstens die Fussgänger nicht in dem lasse in Mitleidenschaft gezogen wurden, wie es in früheren Jahren der Fall war. Die Leidtragenden waren vielmehr die Führer oder Insassen von Fahrzeugen, die also für ihre eigenen oder die Fehler anderer « Kollegen » mit Schaden an Leib oder Gut quittieren mussten. Auch ergab sich mehr beträchtlicher Sachschaden, der ja immerhin eher verschmerzt werden kann als körperliche Verletzungen. Wenn also rein äusserlich •und zahlenmässig die Unfalliste zu keinen besonderen Bedenken Anlass zu geben scheint, so lässt sich nicht verleugnen,, dass trotzdem eine gewisse Verrohung der Verkehrssitten eingetreten ist, die schwere Folgen haben muss, wenn ihr nicht rechtzeitig der Riegel gestossen wird. Die Tatsache, dass die Unfälle vielfach schwerer Natur sind und daran Fahrzeugführer aHein beteiligt sind, weisen darauf hin, dass hier der Mangel an Verkehrsdisziplin von Fussgängern und Fuhrleuten nicht als Ursache mit in Frage kommt. Wer an Ostern selbst am Strassenverkehr beteiligt war, der konnte feststellen, dass die Neuordnung der Verkehrsregelung durch das Automobilgesetz sich in zwei Richtungen Ahndung von- bereits erfolgten Vorschrifts- auf die mehr präventive und zum Ueberholen ausdrücklich gegeben und ausgewirkt hat. Der anständige und kor-übertretungerekte Fahrer nimmt sich heute noch viel belehrende Funktion der Aufsicht, und der der Ueberholte darf demnach auch nichts mehr Mühe, den allgemeinen Verkehrsregeln Abkehr von der Verkehrsregelung, welche unternehmen, das den Ueberholenden an der nachzuleben und auf die Mitbenützer der einen grossen Teil der Verantwortung den Ausführung seiner Absicht hindern könnte. Strasse Rücksicht zu nehmen. Die Horde Strassenbenützern abnimmt, auf die Ver-Dazkehrsüiberwachung. die den Fahrer zur grösmende Untugend des Ueberholten unvermit- zählt auch die immer wieder vorkom- von Strassenlümmeln aber, die, obwohl sie eine kleine Minderheit bildet, sich doppelt seren Aufmerksamkeit anhält, spielt natürlich auch die Kostenfrage eine grosse Rolle. und in eine Art Wettrennen mit dem andern telt seine Fahrgeschwindigkeit zu erhöhen unangenehm bemerkbar macht, lässt nun die letzte Vorsicht fallen, die ihnen vielleicht Hiezu äusserte sich jüngst ein Polizeihauptmann in der « Verkehrswarte » recht inter- Führer strafbar, der nicht sofort rechts an- Wagen einzutreten. Ebenso macht sich der noch der Respekt vor einer gesalzenen Busse auferlegte. Sie jagen wie toll über die offene Strasse, verlangsamen kaum den Lauf bahn innehält oder gar noch etwas nach essant wie folgt : hält, sondern ostentativ die Mitte der Fahr- c Volkswirtschaftlich betrachtet, ist übersehen ihrer Maschine in Ortschaften und an unübersichtlichen Stellen und gebähren sich als antwortlich, der sich aus diesem nicht links drückt. Er ist für allen Schaden ver- worden, dass durch eine wirksame Verkehrsüber- nur freche Usurpatoren und Freibeuter der Strasse. Sie wähnen nun das Recht zu haben, schrankenlos und nach eigenem Gutdünken über die Fahrbahn verfügen zu können und übersehen in ihrer Dummdreistigkeit die Gefahr, die sie nicht nur für andere, sondern für sich selbst bedeuten. Diesen Elementen gilt es rasch und umfassend das Handwerk zu legen. Sie sollen von den Verbänden, sofern sie solchen angehören, an den Pranger gestellt werden, und selbst auf die Gefahr hin, einige Mitglieder zu verlieren, muss mit aller Strenge gegen diese Schädlinge vorgegangen werden. Die Hauptaufgabe fällt natürlich der Verkehrspolizei zu, da die übrigen Strassenbenützer selbst nur in sehr beschränktem Masse deren Funktionen übernehmen können und wollen. Hier klafft nun entschieden eine Lücke. Unter den neuen Verhältnissen, der Beschleunigung des Verkehrs, der zunehmenden Verkehrsdichte und der noch immer ungenügenden Anpassungsfähigkeit vieler Strassenbenützer an die gestejerten Pflichten und Anforderungen des Verkehrs, kann eine erfolgversprechende Ueberwachung nur unter vermehrter Verwendung von Motorfahrzeugen durch die Polizei vergessen, es auszudrehen. Einen Augenblick horchte er und sah sich um. Alles still! Die Rolljalousien verdeckten die Fenster vollkommen. Er schloss die Stube von innen ab. Eine seltsame Luft! Schien es ihm nur so? Oder war es wirklich Blutgeruch, der ihn so anwiderte? Er zündete eine Zigarre an. Dann schob er mit dem Fuss die tote Katze beiseite und trat an die Leiche seines Bruders. Richard lag mit dem Gesicht nach unten. Georg drehte den Kopf herum und schloss die starr geöffneten Augen. Ein dünner Blutstreifen, der von dem zersplitterten Glas herrührte, lief schräg über die Stirn nach der rechten Schläfe zu. Auf dem kalten Gesicht lag die Stille und Hoheit des ewigen Friedens. Georg wischte dem Bruder das Blut von der Stirn. Dann hob er den Kopf behutsam auf den Sessel und betrachtete ihn. Nun war aller Grimm und aller Groll aus seinem Innersten verschwunden. Er sah wieder den fröhlichen Knaben — ja, fröhlich war er im Grunde gewesen —, wie er einst mit ihm Dieser Gedanke wirkte auf ihn wie ein spielte und gemeinsam Erdbeeren für die Stahlbad. Mutter pflückte. Ihm fiel ein, was der jetzt Er ging leise hinunter und fand, als er die verstummte Mund kurz vorher noch von den Trinkstube aufschloss, zu seinem Schrecken herbstlichen Kartoffelfeuern auf den Feldern das elektrische Licht brennen. War jemand gesagt hatte, wenn hoch oben ziehende hier gewesen? Unmöglich! Er hatte offenbar Brachvögel ihre flötenden Abschiedsgrüsse durchgeführt werden. Schon die meisten europäischen Staaten, von Amerika ganz abgesehen, verwenden in gesteigertem Masse zur Verkehrskontrolle die motorisierten Patrouillen, die entweder mit Motorrädern oder kleineren aber raschen Wagen ausgestattet sind. Bescheidene Ansätze bestehen bekanntlich auch schon in einzelnen schweizerischen Kantonen und Städten, doch sind diese Kontrollorgane zahlenmässig so gering und dazu derart mit Aufgaben überlastet oder einseitig betraut, dass eine wirkungsvolle Verkehrsüberwachung nicht in Frage kommen kann. Neben der geistigen und organisatorischen Schwierigkeit der Umstellung der Polizeibehörden von der Feststellung und wachung die Verkehrssicherheit grösser wird und Verkehrsunfälle vermieden werden, die — hätten eio sich ereignet — Kosten verursachen, die erheblich höher wären als die Kosten für Beschaffung und Unterhaltung der wenigen für die Verkehrsüberwachung- notwendigen Kraftfahrzeuge. Das Ausschlaggebende muss der Erfolg sein. Der Entschluss, die Verkehrsüberwachung in grösserem Umiange zu motorisieren, wird um so leichter sein, wenn man bedenkt, dass der Erfolg nur scheinbar Opfer kostet, denn auf der anderen Seite werden Werte erspart, die bestimmt höher einzusetzen sind. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass eine durchgreifende Verkehrsüberwachung not tut und dass diese nur unter Verwendung von Kraftfahrzeugen möglich ist. Polizeibeamte, die nicht nur kraftfahrtechnische Kenntnisse besitzen, sondern die ihr Fahrzeug auch selbst führen, können den Belangen des Verkehrs in weit grösserem Masse gerecht werden als andere Strassenaufsichsbeamte. Sie haben eine weit grössere Autorität bei den Fahrzeugführern. Auf die Fachkenntnisse und die Autorität der in der Verkehrsüberwachung verwendeten Beamten kommt es aber in hohem Masse an. » herunterriefen — wie glücklich waren die Brüder in jener Zeit zusammen gewesen. Wieder kam ein tiefer Seufzer, der zweite an diesem Abend, aus seiner Brust. Er flüsterte: «Schlaf wohl, Bruder Richard! So friedlich siehst du jetzt aus... und die Stirn ist so kühl! Du bist im Hafen... aber ich?...» I :