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E_1933_Zeitung_Nr.030

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 4. April 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 30 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Enchetnt Jeden Dienstag tmd Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoznschlaf, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Bfelterirainstr. 97, Bern »lern nicht postamtlieb bestellt. Zusehlag für postamtliebe Bestellung 30 Rappen. Posteheek-Rechnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adrette: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grössere Inserate nach Seitentarif. lnseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern Die Wirtschaftlichkeit des Automobils Als ich den Auftrag annahm, über die Wirtschaftlichkeit des Automobils zu sprechen, war ich mir bewusst, dass die Teilnehmer am Kongress sich in erster Linie dafür interessieren, wie es mit der Wirtschaftlichkeit des Automobils auf dem Gebiete der Touristik und des Verkehrs, vor allem desjenigen Verkehrs, welcher im engern oder weitern Sinne mit Touristik, Gastgewerbe und verwandten Gebieten verbunden ist, bestellt sei. Wirtschaftlichkeit ist ein relativer Begriff. Schon das Wort allein bedeutet eine Relation eben zwischen einer Aufwendung und einem Erfolg. Die .Wirtschaftlichkeit des Automobils besteht darin, dass es im Verhältnis zu den für den Automobilsport aufgewendeten Mitteln einen mess- oder wenigstens fühlbaren Erfolg zeitigt. Diese Wirtschaftlichkeit ist heute in keiner Weise mehr bestritten. Dagegen bestehen noch vielfach geteilte Meinungen bezüglich der Wirtschaftlichkeit verschiedener Automobiltypen unter sich in Beziehung zu einer bestimmten Transportaufgabe und im Vergleich zu andern Transportmitteln. Nun sollen Sie aber nicht befürchten, dass ich den langandauernden und mit sehr viel Gedrucktem und „Geschriebenem ausgefochtenen. Kampf zwischen Schiene und Strasse um ; die-,heute knapp gewordene nationale Transportmenge an Personen und Gütern auch noch vor Ihr Forum tragen werde. Ich will dies um so weniger tun, als jetzt die Hoffnung vorhanden ist, dieser Kampf werde nach einer Verständigung zwischen Bahn und Auto zum Wohle der gesamten Wirtschaft demnächst aufhören. Etwas anderes aber erlaube ich mir Ihnen •)• Auszug aus dem am Kongress für Touristik nd.Verkehr gehaltenen Referat. •on Hippolyt Saurer, Arbon. *). darzulegen: jene Faktoren, welche für sich allein oder miteinander vereint bewirken, dass das Automobil — und zwar der Personenwagen ebensogut wie der Lastwagen — für die Touristik und alles, was mit ihr zusammenhängt, ein wichtiges wirtschaftliches Hilfsmittel ist. Dabei werden Sie zweierlei Gesichtspunkte besonders interessieren: 1. Wie stellt sich die Wirtschaftlichkeit des Automobils für den Touristen, 'besonders für den ausländischen Gast, den wir in der Schweiz begrüssen und beherbergen? 2. Wie hilft das Automobil den Verkehr fördern, das Gastwirtschaftsgewerbe beleben und die Transportgüter, welche von den mit dem Fremdenverkehr zusammenhängenden Wirtschaftszweigen benötigt werden, zu möglichst günstigen Bedingungen vermitteln? Ich möchte Ihnen von Anfang an sagen, dass eine grosse Menge von nicht zahlenmässig erfassbaren Beweggründen dazu geführt haben, dass das Automobil ein so beliebtes Reisemittel geworden ist. Fast ebensoviele nicht messbare Faktoren bewirken aber auch, dass der Motorwagen zum Gütertransport verwendet wird, ohne dass genaue Kalkulationen über seine. Wirtschaftlichkeit im Vergleich "zu andern Transportmitteln dabei massgebend wären. Trotz dieser Imponderabilien bleibt die Frage interessant, ob auch zahlenmässig zu erfassende wirtschaftliche Erwägungen weiterhin zur Fortentwicklung des Automobils innerhalb von Tourismus und Fremdenverkehr führen werden; ob wir infolgedessen erwarten dürfen, dass die Automobilreisenden auch in der Zukunft im schweizerischen Touristenverkehr eine grosse Rolle spielen und ob auf der andern Seite der Omnibus und der Lastwagen für die gewerbsmässige Beförderung von Reisenden und für die Warenvermittlung ein nach rein wirtschaftlichen Kriterien günstiges Hilfsmittel von Touristik und Fremdenverkehr bleiben werden. "• Auf diese Fragen möchte ich Ihnen von einem objektiven Standpunkt aus mit möglichst genauen Zahlen antworten. Es liegt mir ferne, einseitig für das Automobil Propaganda zu treiben. Jedes Ding auf der Erde hat einen Platz, der ihm zukommt. Das Automobil hat auch auf besten Strassen kein absolutes Monopol, wie sich aus folgendem Beispiel aus der Praxis ergibt. Ich kenne ein grosses kanadisches Warenhaus, welches vor Jahren eine grössere Anzahl kleiner Automobillastwagen zur Belieferung der Kunden im Stadtverkehr angeschafft hatte und das wieder zum Pferdezug zurückging. Es zeigte sich nämlich, dass es unrationell war, mit Benzinfahrzeugen von Haus zu Haus zu fahren, fast vor jedem Haus zu halten, abund aufzusteigen, den Motor leer laufen oder immer wieder anlaufen zu lassen, Gänge zu wechseln, zu stoppen und wieder anzufahren. Doch nun zu unserm eigentlichen Thema, zu den Faktoren, welche für die Wirtschaftlichkeit des Automobils massgebend und charakteristisch sind. Wir können bei der Verschiedenheit der Automobiltypen, angefangen beim zweiplätzigen Personenwagen und bis zum grossen Omnibus und Anhänger fÜKlden Transport von zusammen 90 Personen, und beim Lastwagen für eine Tonne Nutzlast bis zum Lastzug für 15 Tonnen Nutzlast, nur durch graphische Darstellungen einen Ueberblick über die weitschichtigen Verhältnisse gewinnen. So habe ich eine Reihe von Kurvenbildern zusammengestellt, welche Ihnen ermöglichen, sich eingehend über die Kostenverhältnisse des Automobiltransportes in der Schweiz sowohl im Personen- als im Güterverkehr zu orientieren. Die als Grundlage zu den Darstellungen dienenden Verhältnisse sind der Praxis im schweizerischen Automobilbetrieb entnommen und auf mittlere Werte gebracht worden. Nachdem die Streuung der verschiedenen Zahlen bei gleichen Wagengrössen auf dem Gebiet der kleinen und mittleren Personenwagen bedeutend grösser und das Gewicht der Imponderabilien dort entscheidender ist als bei Omnibussen und Lastwagen, habe ich für meine nachfolgenden Erklärungen die genauer fixierten Verhältnisse im Lastwagenbetrieb, und zwar mit Dieselmotorenantrieb herangezogen. Ich lege das Hauptgewicht nicht auf die einzelnen Zahlen, sondern auf die charakteristischen Faktoren, welche die Kosten des Automobilbetriebes bestimmen und welche massgebend sind für die Wahl des einen oder andern Fahrzeuges zur rationellsten Bewältigung einer bestimmten Transportaufgabe. Die Kosten des Automobilbetriebes teilen sich in feste Kosten, welche aus der Fahrbereitschaft des Wagens entstehen, und in veränderliche Kosten oder Betriebskosten, die durch den Betrieb des Wagens bedingt sind und proportional zur Kilometerleistung des Fahrzeuges laufen. In Bild 1 a ist der Anschaffungspreis des Lastwagens in Abhängigkeit von der Nützlast dargestellt, wobei für eine Nutzlast von über sechs Tonnen der Anschaffungspreis des Anhängers miteingerechnet ist. ! In Bild 1 b sind die festen Kosten unterteilt in die' verschiedenen Komponenten und mit der Nutzlast in Abhängigkeit "gebracht. Die zwischen zwei Kurven liegenden senkrechten Abstände ergeben den jeweiligen Wert der seitlich bezeichneten Kostenfaktor ren. In diesen festen Kosten ist die Amortisation des Wagens nicht enthalten. Diese mit der Kilometerleistung des Fahrzeuges zusammenhängenden Kosten finden bei der Darstellung der veränderlichen Kosten Berücksichtigung. Aus Bild 1 c gehen die veränderlichen 5O000 InUttU 1p. Kosten je 100 km variables (par 100 km) Rohöl verbrauch 100 Uta ra Fr. 11.— ContommationShuU* tsvi»- lOOlitretüFr.lh- yrooo moo W000 2 ** 6 8 10 Tonnen Ntttzl»t — Chart* atth en ttfnna 6000 2 h 6 fl 10 12 Tonnen Katzlast «•» Charge utile en tonnet Steaeia Imptm Caraa et entretien 1 Oiaolfeor. mit 300 Arbeit» tagen 1 Chauffeur äna 300 «Mi» rle traiiati 6 8 10 11 Laftbereifnnf Pneut Amortisation auf 300000 km Amortiuement sur 300000 km Öl.fi Wagenunterhalt and Generalreviaiotf Entretien et rfcwon* gtntrola F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel. Roman von Karl Strecker. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin. (2. Fortsetzung) Inhalt des bisher erschienenen Teils: Der in den besten Mannesjahren stehende Erwin Manthey taucht eines Tages in dem kleinen Dorfe Priebenow am Kolmanzersee in Pxeussen als Fremdling auf. Erst mietet er sich im Gasthof ein, nachher bezieht mt ein Zimmer in einem kleinen Häuschen gegenüber dem bekannten Schloss Priebenow. Eines Tages unterhält sich Manthey mit Bewohnern des Dorfes über den Besitzer des Schlosses, Direktor Nicola, der ein sehr reicheT Mann sein soll, über den aber viel Dunkles gemunkelt wird. Vor allem der plötzliche Tod seiner FTau gab seinerzeit viel zu reden. «Sehr gern,» erwiderte Manthey gähnend, indem er seine Geldtasche zog. «Ich interessiere mich sehr für Innenarchitektur.» Man trennte sich. Während der Wirt sich mühte,.den eingeschlafenen Postbeamten zu wecken, ging Manthey nach Hause. Draussen rumorte ein kalter Vorfrühlingssturm. Er stiess den Heraustretenden vor die Brust und wirbelte seinen Lodenmantel in die Höhe. Auf dem Pflaster der einsamen und dunklen Dorfstrasse klappte ein Tritt. In dem leichten Schneewehen, das eingesetzt hatte, erkannte Manthey die Gestalt eines Mannes und eines Hundes. Es war der Beamte der Wachgesellschaft, der zur Stechuhr an der Seeseite des Schlosses stapfte. Manthey Hess ihm erst einen kleinen Vorsprung, bevor er auf dem glitschigen Fusssteig am Strassenrande seinen Heimweg fortsetzte. Kein warmer Arm empfing ihn dort mehr. Christine war gestern, am 1. April, nach Berlin übergesiedelt. In der grossen Fabrik einer bekannten Elektrizitätsgesellschaft, wo ihr Bruder zuletzt tätig gewesen, hatte sie die seit langem angesuchte Stellung erhalten. Es war auf Wunsch ihrer Mutter geschehen, die in ihrem unerschütterlichen Glauben an die Rückkehr des. Sohnes ihm dort eine Wiederanstellung erleichtern wollte. Christine selbst aber war mit diesem Wechsel, der einem guten Wahn entsprang, sehr einverstanden. Sie kam in eine andere Welt. Als Manthey sein Stübchen betrat, legte er den Mantel nicht ab. Er lehnte den Kopf an die kühlen Fensterscheiben und starrte ins Dunkel hinaus. «Welch ein Aufruhr in der Natur!» Gleich langen Orgeltönen schwoll es auf und ab: dies Heulen in den Lüften, dies Klagen an den Giebeln, dies hohle Wimmern in den Schornsteinen. Der See dicht hinter dem Schloss rauschte wie ein Meer. Zweige knackten, vom Wind gebrochen, und plötzlich splitterte ein dicker Ast krachend zu Boden. Manthey fuhr zusammen. Ein tiefer Atemzug kam aus seiner Brust, der wie ein Stöhnen klang. Am Montag nach der Osterwoche wurden grosse Koffer in und an dem Auto des Direktors Nicola verstaut. Er trat seine Geschäftsreise an. Manthey erinnerte den Wirt an die Besichtigung des Schlosses, sein Urlaub sei zu Ende. «Morgen, wenn die Wirtschafterin weg ist, die fährt nämlich immer den Tag nach seiner Abreise auf ein paar Tage nach Berlin, das ist so gewiss wie das Amen in der Kirche!» Der Wirt benachrichtigte den Diener telephonisch und der empfing Manthey zuvorkommend am Portal. Er hatte neulich ein anständiges Trinkgeld erhalten. «Na, der Herr sind ja doch nicht wiedergekommen?» «Nein, ich habe mir die Sache inzwischen überlegt. Ich will noch nicht kaufen,» sagte Manthey und äusserte sogleich seine Bewunderung über einen alten flämischen Schrank in der Diele. Manthey fand das Innere des Schlosses über Erwarten hübsch und mit gutem Geschmack eingerichtet. Das musste wirklich ein ausgezeichneter Innenarchitekt gemacht haben. Oben ein wundervoller Spiegelsaal und ein grosses Esszimmer mit Nebenräumen, daran schloss sich das Arbeits- und Schlafzimmer des Herrn. Der Stil war nicht einheitlich, fast in jedem Zimmer eine andere Holzart in glänzender Verarbeitung, Birken-* Rosenholz-, Mahagonimöbel, alte Sofas und moderne, beaueme Sessel, Empiretische und schwere Barockschränke, dicke, grosse Teppiche aller Art. Sehr behaglich die altdeutsche Trinkstube unmittelbar vor dem Kellereingang. Von einem Sofa in dem Arbeitszimmer Nicolas fauchte eine grosse Angora-