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E_1933_Zeitung_Nr.036

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10 AirfOMOBÜ-REVUE

10 AirfOMOBÜ-REVUE 1933 - N°36 Tech Fabrik 'vorgeschriö^ benen Pneus solche- der Grosse, 5.50-19 geliefert worden mit der Bemerkung, dass die grössersa Pneus wesentlich dauerhafter seien. Können ,i).ün* diese Pneu,, wenn sie z. B. an den Hinterrädern montiert sind, den richtigen Gang des-Kilometer^ zählers wegen ihrer grösse;rea Abwicklung' * bej»% flössen?., (der. Kilometerzähler- läuft ,am :^jßeärie]KL Kann das Differential durch verschiedene Pneugrössen Schaden leiden? Empfehlen Sie in diesem Falle den Ueb.ergang zu einer grösseren Pneunummer? A. B. in M. A n t w o r t: Der Reifen 5,25-19 hat aufgepumpt einen Aussendürchmesser von ungefähr 752 mm, der Reifen 5,5-19 dagegen einen solchen von 784 mm. Mit 'dem grösseren Reifen würden die Hinterräder, auf die gleiche Fahrstrecke bezogen, ca. 4% weniger Umdrehungen machen, so dass auch der Geschwindigkeitsmesser ungefähr 4% zu wehig anzeigen müsste. Dieser Fehler ist jedoch praktisch sehr klein. Erfahrungsgemäss zeigen die meisten Geschwindigkeitsmesser 5—10% zu viel an, so dass durch die Anwendung deT grösseren Reifen das Instrument Ihres Wagens eventuell nur genauer wird. '• Dadurch, dass auf beiden Hinterrädern grössere Reifen montiert werden, erfährt das Differential keine praktisch ins Gewicht fallende Mehrbeanspruchung. Es sollte jedoch vermieden werden, dass die Hinterachse mit ungleich grossen Reifen ausgerüstet wird, weil sonst in diesem Fall das Differential die ungleiche Drehzahl der Räder ständig auszugleichen hat und sich dadurch eventuell etwae rascher abnützt. Allgemein sehen wir im vorliegenden Fall keinen Grund gegen die Wahl der grösseren Reifen. at. s P '«»da Anfrage 276. Verkehr von Reiseautomobilen mit Kastenaufbau auf der Strasse Frutigen-Adelboden. Wir lasen kürzlich im Jahresbericht eines Fachvexbandes: «Durch eine Eingabe an den Rogierungsrat des Kantons Bern erreichten wir die Freigabe der Strasse Frutigen-Adelboden für Reiseautos mit Kastenaufbau. Die Strasse war früher für solcjie Automobile. gesperrt; jetzt ist eine besondere Bewilligung notwendig, die aber von dem Strassenverkehrsamt in Bein ohne weiteres erteilt wird. » Gestützt darauf, haben wir kürzlich eine solche Bewilligung eingehojt und erbalten, aber nicht « ohne weiteres », sondern gegen Entrichtung einer Gebühr plus Nachnahmespesen von zusammen Fr. 23.40, und zwar nur für einmal und für einen bestimmten Tag. Welches sind die rechtlichen Voraussetzungen für die Erhebung einer solchen Gebühr, die uns übrigens als reichlich übersetzt und als dem Transportgewerbe sehr nachteilig erscheint? U. in B. Antwort- Gemäss § 5 des Dekretes vom 10. März 1914, betreffend das interkantonale Konkordat über den Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahrrädern, sowie Art. 40, Ziffer 1, des Abänderungsdekretes vom 24. November 1927, ist dem Regierungsrate des Kantons Bern, das Recht übertragen worden, nach Anhörung der beteiligten Gemeinden. Strasseneigentümern, Unterhaltspflichtigen, den Verkehr von Motorfahrzeugen und Fahrrädern auf gewissen Strassen zu verbieten oder nur unter gewissen ' Bedingungen zu gestatten. Diese Strassen sind durch gut sichtbare Tafeln mit deutlicher Aufschrift kenntlich gemacht worden. In einer Verkehrsordnung für die Frutigen- Adelboden-Strasse vom 20. Aujust 1926, hat der Regierungsrat von diesem Rechte Gebrauch gemacht und diese Strasse allgemein nur für Personenautomobile bis zu 8 Sitzplätzen geöffnet, wgirgnd . sie_ f.üt.: I/astautomobile mit oder ohne Personenbeförderung gesperrt ist, sofern nicht die in dieser Verkehrsordnung für die Frutigen-Adelboden-Strasse aufgeführten Ausnahmen zutreffenl In einem weiteren Beschlüsse vom 23. Mai 1932 hat die kant. Polizeidirektion verfügt, dass Reisende mit Kastenwagen mit einer besondern Bewilligung, die vom Strassenverkehrsamte des Kantons Bern ausgestellt ist, diese Strasse ebenfalls befahren dürfen. Gemäss § 2 der Vollziehungsverordnung zum Strassenpolizeigesetz vom 5. Juli 1907, kann der Regierungsrat des Kantons Bern für eine aussergewöhnliche Inanspruchnahme der Strassen und Wege für besondere Zwecke und Unternehmungen dafür nach Gutfinden spezielle Vorschriften aufstellen und eine angemessene Entschädigung für erschwerten Unterhalt festsetzen. Die Beurteilung der Frage, ob und wie weit ein solcher Fall vorliege, ist Sache des Regierungsrates. Die bezügl. Entschädigung kommt bei Staatsstrassen dem Staate, bei Gemeindestrassen den Gemeinden und bei andern öffentlichen Wegen deren Eigentümer zu. In der vorzitierten .VerkehTsordnung für dis Frutigen-Adelboden-Strasse hat der Regierungsrat in Ziff. 2 von diesem Rechte Gebrauch gemacht und verfügt, dass zur Erlangung einer Ausnahme»- bewilli^ung für Gesellschafts- und Lastwagen mit oder ohne Personenbeförderung Fr. 20.— per Fahrt (hin und zurück) oder Fr. 200.— per Sommersaison zu bezahlen sind. Die Fr. 20.— welche Sie bezahlt haben, stellen sich somit als eine angemessene Entschädigimg für 'die schwer zu unterhaltende Bergstrasse Frutigen-Adelboden dar, d. h. eine eog. Entschädigung für Strassenabnutzung. Die weitern Fr 3.40 stellen sich als eine Gebühr dar, die für die Ausstellung der Sonderbewilligung und deren Mitteilung an die zuständigen Amtsstellen sowie an den Petenten erhoben wird. Nach der bundesgerichtlicben Rechtsprechung hat die Behörde das Recht, ilrre Gebühr so zu bemessen, daes sie auf alle Fälle für ihre Unkosten genügend gedeckt ist (Bundesgerichtsentscheid., Band 56 I. Seite 518). * Anfrage 277. Polizeischilder-Erneuerung in dtr Waadt. Durch die Fachpresse erfuhr man seinerzeit, dass der Umtausch und die Ausstellung der neuen Polizeischilder und Fahrzeug- und Führerausweise gegen die alten den Betrag von Fr. 5. -i» kaum übersteigen werde. Wie kommt es dann, dass ich im Kanton Waadt allein Fr. 12. — für die neuen Polizeischilder und Fr. 3.— für den neuen Führerausweis bezahlen müsste? Wird in den andern Kantonen, entgegen allen frühern Versprechungen, auch die Gelegenheit zu einem derartigen neuen Raubzug auf das Porte-' monnaie des Automobilisten benützt? W. in P. Antwort- Wir sind der Auffassung, dass. die Kantone nicht berechtigt sind, bei Abgabe der neuen Kontrollschilder einen Aufschlag auf die Selbstkosten zu machen. Die Kantone sind durch das neue Automobilgesetz zur Herausgabe neuer Kontrollschilder verpflichtet. Sie dürfen aber diesen Anlass nicht benützen, um damit noch auf Kosten des Automobilisten ein besonderes Geschäft zu machen. Die Automohilverbände und die Presse schenken dieser Angelegenheit volle Aufmerksamkeit und werden jedenfalls nichts unterlassen, um gegen allfällig beabsichtigte oder vorgenommene Aufschlag» auf, die Selbstkosten einzuschreiten. . , • •-• i m © u s i n e n - Ve n t i 1ca i i o n Stets frische Luft ohne Zugluft Keine Limousinen-Krankheit mehr! Als grösste Neuerung im Karosseriebau bringen heute die Arrierikaner dife.'.'zugfreie Limousinen-Ventilation durch seitlich verzollbare Scheiben. Auch Sie können deren Vorteile för -wenig Geld geniessen, durch den Limousinen-Ventilationsapparat LIVENTA, der ohne Montage-Kosten von jedermann rasch und leicht anzubringen ist. Keine Belästigung mehr durch Motorengase, Tabakqualm, große Hitze im Hochsommer etc., daher auch kein Uebelsein und keine Kopfschmerzen. Die verbrauchte Innenluft wird durch den abgelenkten Fahrtluftstrom abgesaugt unter gleichzeitigem, ständigem Zutritt frischer Luft. 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Bern, Dienstag, 25. April 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 36 Warnung vor dem Frühling Frühling ist, wenn wir glauben, es müsste Sich etwas ereignen. Aber es ereignet sich nur das, was wir selber unternehmen und dessentwegen wir uns nachher an den Kopf fassen. Es beginnt damit, dass wir einmal etwas ganz anderes tun möchten. Ein Finkenschlag im Aprilschnee, ein hergewehter Duft aufgebrochener Erde, die Nachricht, dass der Zeppelin wieder losbrummt — und alle Frühlingserfahrung der letzten Jahre steht in der Ecke wie ein vergessener Regenschirm. Junge Mädels gucken sehnsüchtiger, ältere spähen dringender und veröffentlichen zum zwanzigsten Male die Gedankenaustauschannonce wegen des geistig hohen, charakterlich geraden und seelischen tiefen Herrn... Aber der geistig Hohe geht zu den jungen Mädeln, der Charakter heiratet gerade, der seelisch Tiefe ist arbeitslos und flickt das Motorrad für die erste Fahrt. Der Paddler prüft die Gummihaut, die Dame von Welt geht ins Reisebureau und die weltliche Dame versucht es diesmal mit zielbewusster Treue. Geschäftliche und politische Konferenzen spielen sich bei offenen Fenstern ab, ein lauer Wind wirbelt herein, er riecht nach Grün, und plötzlich wird einem, als versäume man was, als konferenze man sich hier nutzlos zu Tode, während draussen das Leben wartet. Alle bekommen Augen, manche blicken nach innen. Der einsame Mensch sieht sich am Ufer stehen; wie ein grosser Strom gleitet das Leben an ihm vorbei, er spürt sich warten, sich sehnen, sein Warum wird dringender, und das Hingefühl zum andern, die Sehnsucht nach dem Ruhen im anderen schmerzt stärker als je. Manche wollen wieder ganz kleine Kinder sein dürfen. Und alle werden unruhig, wollen hinter die blauen Berge sehen. Man wartet auf das grosse Glück und denkt dabei an das Leben seiner. Wünsche. Doch erhelle mit Millionen Lampen die Nacht und es wird kein Tag daraus; lass dir das Leben deiner Wünsche schenken und es wird kein Glück daraus. Das Glück, wie du es ersehnst, würde zu einer ewigen Angst, es wieder zu verlieren. Aber der Frühling springt dich an, verleitet dazu, das Ersehnte noch stärker zu hoffen, noch mehr -Aas zu glauben, was du gerne glauben möchtest. Die Selbstmordkurve steigt im Mai, und das Frühlingsglück zeigt sich dem Zurückschauenden nur als ein Umweg in noch erössere Enttäuschung. Doch der Frühling war nur der Rahmen F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel Roman von Karl Strecker. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) «Verzeihung, Herr Direktor, aber da sind Sie gründlich schief gewickelt, so schnell wirkt das Zeug gar nicht! Ich will Ihnen mal was sagen. Ich war in letzter Zeit gar nicht mit Ihrem Herzen zufrieden, die Nauheimer Kur ist sehr bald wirkungslos gewesen. Entweder haben Sie in Venere oder in Bacho zuviel gesündigt. Vielleicht auch zuviel geraucht, wahrscheinlich alles zusammen!» «Donnerwetter!» lachte Georg. «Sie haben Ja nette Begriffe von meiner Solidität! Nee, weiss Gott, so schlimm ist es nicht » «Na, nun ziehen Sie mal das Hemd aus. Oberkörper genügt.» «Herr Doktor, in allem Ernst, ich habe jetzt keine Zeit, ich habe ja drei Stunden verschlafen. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass mir mein Herz augenblicklich nicht die geringste Beschwerde macht. Lassen Sie mich aufstehen, ich verspreche Ihnen feierlichst, morgen — ach, morgen ist Sonntag, also übermorgen in Ihre Sprechstunde zur eingehendsten Untersuchung zu kommen, die Sie wünschen. Da haben Sie doch auch alle Apparate zur Hand, Blutdruckmesser und so für unser Handeln; nicht er war schuld, kein Fink, kein Erdgeruch, kein Zeppelin. Wir waren schuld, die wir sofort Ausschau hielten nach dem Grossen, Unerreichbaren. Und deswegen leiden mussten. Wir alle sind an die letzten Barrieren gehetzt. Dort stehen wir und sehen mit ungläubigen Augen in die lächelnde Frühlingswelt. Begnügen wir uns, ihr Glück zu verspüren : Das kleine, jähe Glück eines Finkenschlages, die rieselnde Freude über Erdgeruch, lauen Wind und Sonnenwärme. Damit leben wie mit Kostbarkeiten. Der Frühling erfüllt nur sich, nicht, was man in ihn hineinwünscht. Daher: Warnung vor sich selbst. E. D. Die Stiere von Avignon Von Gerhart Herrmann Mostar. In Avignon finden noch immer Stierkämpfe statt. Sie sollen jetzt verboten werden. Anlass dazu gab das Opfertum und die Heldentat eines alten Mannes. « Also », wiederholte Monsieur Chatalon flüsternd seine Anweisungen, « vorerst unauffällig auf dem Marktplatz umherspazieren, damit der Polizist nichts merkt. Wenn der Zug mit den Tieren heran ist, das grosse Plakat hoch. Zugleich den Sprechchor; erst .Erbarmen mit den Tieren!', dann .Nieder mit den Stierkämpfen!' Ich gebe die Zeichen. » Monsieur Chatalon überblickte die Seinen. Es ist ein recht winziges Häuflein, zumeist Frauen. Seit die grosse Demonstration damals in der Arena nur zu einer fruchtlosen kleinen Anfrage im Parlament, hingegen zu empfindlichen Polizeistrafen geführt hat, und seit die Geschäftswelt von Avignon sich scharf für die Stierkämpfe ins Zeug gelegt hat, weil sonst eine wirtschaftliche Schädigung der Stadt zu befürchten sei — seither hat sich der weitaus grösste Teil seiner Anhänger verlaufen, Aber Monsieur Chatalon gibt den Kampf nicht auf, den er seit dreissig Jahren führt. Es geht nicht um den Um-1 satz der Geschäfte — mögen die Sonderzüge von Paris eingestellt werden — es geht um das Keeht der Tiere, der Pferde, denen die Bäuche aufgerissen werden, der Stiere, die langsam zu Tode gemartert werden — es geht um die Ehre des Landes, dessen Schild, nach Monsieur Chatalons Meinung, durch solche Barbarei befleckt wird. Die tapferen und klugen Greisenaugen überblicken noch einmal den alten, schönen Platz, auf dem heute die Ehre der Heimat gerettet werden soll durch eine kleine, schwache Schar. Man wird demonstrieren, es ist das einzige, was weiter, da können Sie alles viel gründlicher untersuchen. Mir liegt ja selber daran!» «Wenn Sie es mir fest versprechen, Herr Direktor, gut! Offengestanden ist es mir ein Rätsel, dass der Kampf mit dem Kater Ihnen nicht Schlag neune eingetragen hat. Na, dann will ich mal —» «Aber Sie werden doch einen Happen frühstücken, Doktor » «Danke, danke, habe gefrühstückt.» «Aber wenigstens 'nen kleinen Mageninspektor, 'nen Kognak?» «Wenn das Nötigen denn kein Ende nimmt,» lachte der Arzt, «Sie hatten immer so einen charmanten Sherry!» «Aber natürlich! Bitte, gehen Sie inzwischen freundlichst ins Esszimmer und sagen Friedrich, er soll» — plötzlich stockte er — «soll sehen, was gerade oben ist an Wein. Ich meine natürlich, was Sie wünschen.» «Danke, danke! Ich weiss ja hier Bescheid,» erwiderte Doktor Hermes, sich zur Tür wendend, «lassen Sie sich Zeit, ich muss ja sowieso noch erst zu Ihrer Wirtschafterin hinaufgehen. Die hat der Kater ja wohl ins Bein gebissen.» «Der Kater nun gerade nicht.» «Wer denn? Hoffentlich nicht der Storch?» lachte der Arzt durch die Tür zurück. Georg warf ihm einen keineswegs freundlichen Blick nach und fuhr schnell in die Frühling in der Stadt Die Stadt kennt keinen echten Frühling mehr. Sie hat ihn in die Reservate der Gärten, Parks- und Vorstadtanlagen zurückgedrängt. Auf dem Markt tauchen nun wieder die alten Bauernfrauen auf. die einen Gruss des Frühlings auf ihren Wagen in die Stadt gefahren haben. bleibt. Man wird Gelächter ernten, das darf nicht mürbe machen. Es soll sein. Es muss sein. Monsieur Chatalon sieht die lange Strasse hinunter, welche die Menschen vom Bahnhof zur Stadtmitte führt; und jdie Tiere vom herben Grasduft der Weiden zum süsslichen Blutdunst der Arena; von der Weite der Freiheit zur runden Enge der Schlachtstätte... Es ist viel Sonne auf dieser Strasse. Sie gleist hell in den Schaufenstern der Geschäfte, die nach der Meinung ihrer Inhaber nur vom raffinierten Hinmorden unschuldigen Viehs existieren können. Sie schimmert matt auf vier zottigen Schilden, die schwankend die Strasse heraufkommen. Das sind sie — das sind die breiten Stirnen der vier Stiere, die vom Bahnhof kommen. Menschen, die einkaufen wollten, unterbrechen ihre Weg, kehren um, gehen auf Kleider. Während er sich wusch, kam Friedrich herein. «Herr Direktor, darf ich mal um den Kellerschüssel bitten?» «Wozu denn?» «Herr Doktor meinte, Sie hätten was von Sherry gesagt.» «So? Hätte ich das!» Georg preschte einen Fluch in den Schwamm, mit dem er sich gerade das Gesicht wusch. «Ich komme gleich selber, ich will mich nur erst anziehen.» «Sehr wohl, Herr Direktor.» Friedrich verschwand. N Georg kleidete sich ohne Hast an. In seinem Gehirn arbeitete es und mahnte zur Vorsicht. Er steckte den Schlüsselbund in die hintere Hosentasche und übte vor dem Spiegel noch sein Mienenspiel ein. «Breites, behagliches Lachen,» kommandierte er sich selber. «Und die Augen nicht so unruhig!» Er übte ein behagliches Schmunzeln, ahmte noch ein paarmal den Tonfall Richards nach, seine Art zu erzählen... «Und was soll ich Ihnen sagen — da !» Dann drückte er auf den Knopf der Klingel. «Haben Sie meine Schlüssel nicht gesehen, Friedrich,» fragte er den Eintretenden und ging suchend im Zimmer umher. «Ich muss sie irgendwo verloren haben.» den Bürgersteigen rechts und links mit dem kleinen Zuge mit, tauschen ihre Meinungen aus über Stärke und vermutlich© Kampfeslust der Tiere, die mit starken Ketten aneinandergefesselt sind, alle vier in einer Keihe, und sich bereitwillig von je einem Knecht an jeder Seite leiten lassen. Oft suchen die mächtig mahlenden Mäuler vergeblich zu schnappen nach den aberhundert Fliegen, die sie quälen — bald werden es die spitzen Pfeile der Banderilleros sein, die sie ins Fleisch stechen* Nun sind sie heran, betreten den Platz, schneller eigentlich als Monsieur Chatalon es erwartet hatte. Schon schallen Spottrufe aus der Menge. Sie gelten dem alten Monsieur Chatalon. Er ist für Avignon schon längst eine komische Figur. «Da ist ja unser kühner Torreador! » höhnt es. « Los, tapferer Chatalon, stich sie ab!» «Ist es wahrt Wir Beide suchten eine Weile. Friedrich sab unter allen Möbeln nach. «Zu dumm! Na, lassen Sie vorläufig. Bringen Sie wenigstens den Kognak hinein.» Er ging auf den Treppenflur und geleitete den Arzt ins Speisezimmer, wo das Frühstück bereit stand. «Na, schlimm ist's ja nicht mit Fräulein Tölsch.» «Noch eine Tasse für den Herrn Doktor,» befahl Georg dem mit dem Kognak eintretenden Diener. «Nein, nein, ich muss wirklich vielmals danken, Herr Direktor, ich habe heute über Mittag noch sechs Besuche zu machen, das schaffe ich sowieso kaum.» «Ja, Sie haben Pech, lieber Herr Doktor — denken Sie, ich habe meinen Schlüsselbund verloren.» — « Oh ! » «Da war auch der Weinkellerschlüssel dran. Ich kann Ihnen beim besten Willen heute nur einen Kognak anbieten —» «Aber Fräulein Tölsch hat doch auch Kellerschlüssel,» sagte Friedrich und machte ein helles Gesicht. Georg unterdrückte eine unwillkürliche heftige Wendung. «Richtig, dass ich daran nicht gedacht habe! Holen Sie sie schnell herunter und bringen Sie sie mir dann, die Schlüssel! Nicht Fräulein Tölsch.» Er lachte laut. ffiutingJtotßtSami Einheitspreis Zimmer mit Bad 7.50 5O Neubau, ehemals Seidenpost • Ca. 250 m vom Hauptbahnhof • Rohrpost-Anlage • Telephon und messendes Wtster In sämtl. Zimmern