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E_1933_Zeitung_Nr.042

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 42 Tech «•» '«»eh Frage 8696. Abnützung der Vorder- und Hinterradreifen. Wieviel rascher dürfen sich die Hinterradreifen normalerweise abnützen als die Vorderradreifen? E. I. in Z. Antwort: Durchschnittlich ist die Abnützung bei den Hinterradreifen infolge des von den Hin- Frage 8699. Bedienung des Schalthebels. Man kommt hie und da in die Lage, auf einem fremden Auto fahren zu müssen. Wie kann man nun beim terrädern übertragenen Antriebes etwa 40 bis 60Schalten sofort die verschiedenen Gänge herausfinden, so dass nicht unliebsame Verwechslungen Prozent grösser als bei den Vorderradreifen. Der erste Wert gilt dabei für Wagen mit schwächeren, vorkommen, z. B. zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang usw.? F. D. in B. der zweite für solche mit stärkeren Motoren. In beiden Fällen ist angenommen, dass die Bremsen Antwort: Das einfachste und sicherste Verfahren, um die einzelnen Gänge der vier Räder ungefähr gleich stark wirken, at. herauszufinden, Frage 8697. Lärmende Dynamobürsten. Die Dynamo meines Wagens gibt seit einiger Zeit ein lästiges, kreischendes und pfeifendes Geräusch von sich, das, wie ich festgestellt habe, von den Kohlebürsten stammt. Wie kann ich dieses Geräusch beseitigen? Ein Schmieren des Kollektors kommt doch wohl nicht in Frage. Der Kollektor ist noch in sehr gutem Zustand und nicht etwa unrund oder angefressen. G. W. in B. Antwort: Ein Schmieren des Kollektors ist tatsächlich nicht ratsam, weil es einen sicheren Stromübergang verhindern und Anlass zum starken Funken und Abbrennen des Kollektors geben würde. In erster Linie sollten Sie dem Pfeifkonzert der Bürsten jedoch durch Veränderung der Bürsten- Auf lagefläche beizukommen suchen. Der lärmende Lauf kommt oft dadurch zustande, dass die Bürste nur mit ihrer Vorderkante auf dem Kollektor schleift und ausserdem in ihrer Führung noch übermässig Spiel hat. Dreht man die Bürste um, so dass die stärker aufliegende Kante hinten zu liegen kommt, so verschwindet in vielen Fällen das Geräusch vollkommen. Uebermägsiges Spiel der Bürste in ihrer Führung lässt sich eventuell durch Verändern der Auflage der Spannfedern beseitigen. at. Frage 8698. Ueberballonreifen. Mein Chevrolet- Wagen ist mit Normal-Ballonreifen einer Reifenbezeichnung von 5.00—20 (30—5.00) versehen. Weil mir schon oft empfohlen wurde, bei Bedarf Ueberballonreifen anzuschaffen, habe ich mir vorläufig zwei Reifen 5.50—20 gekauft. Ist es nun nutzdienlicher, wenn ich die beiden Reifen vorn oder hinten montiere? Auf welche Weise wird ein angenehmeres, weicheres Fahren auf schlechter Strasse erzielt? Wird die Geschwindigkeit beeinflusst, weil eine grössere Angriffsfläche vorhanden ist? Geben Sie mir, bitte, Auskunft über die Vor- und eventuellen Nachteile dieser Ueber-Ballonreifen! W. Z. in D. Antwort: Es ist nicht sehr wesentlich, ob die neuen Ueberballonreifen nun auf den Vorderrädern oder Hinterräder* aufgezogen werden. Da aber immerhin die Möglichkeit besteht, dass die Lenkung durch die grösseren Reifen etwas härter und ungenauer wird, würden wir der Anordnung dieser Reifen auf den Hinterrädern den Vorzug geben. Die Federungseigenschaften des Wagens werden in beiden Fällen verbessert. Auf die Maximalgeschwindigkeit üben die grösseren Reifen keinen bedeutenden Einfluss aus. Die Einbusse an Geschwindigkeit dürfte höchstens etwa 5 km/St betragen. Allgemein besteht der Hauptvorteil der Ueberballonreifen darin, dass die Federung des Wagens weicher wird und Strassenunebenheiten weniger fühlbar werden. Als Nachteil wird bezeichnet, dass diese Reifen bei manchen, aber nicht bei allen Wagen die Lenkung etwas in ihrer Genauigkeit beeinträchtigen, sowie in der Bedienung erschweren, und dass sie Anlaes zu Flattererscheinungen der Vorderräder geben können. •- at. besteht darin, dass man sie probiert. Dabei soll die Lage des Rückwärtsganges gesucht werden, nicht dass man nachher beim fahrenden Wagen in diesen hinein gerät. Wenn der Rückwärtsgang gefunden ist, lässt sich leicht feststellen, wieviel Vorwärtegänge vorhanden sind. Sind es dTei, so liegt entweder der erste Gang « links hinten», der zweite • Techts vorn » und der Direkte « Techts hinten », oder der erste « rechts hinten >, der zweite «links vorn > und der Direkte «links hinten >. Bei vier Uebersetzungen ist das Schaltbild normalerweise auch eines dieser beiden, nur kommt dann noch der kleinste Gang dazu, der entweder links oder rechts vorn liegt. Als Hauptregel können Sie «ich merken, dass normalerweise der direkte Gang immer hinten liegt, links oder Techts. Um die Seite festzustellen, verfahren Sie folgendennassen: Sie lassen den Motor mit Handgas auf niedriger Tourenzahl laufen. Dann schalten Sie beispielsweise den Gang links hinten ein und lassen die Kupplung ganz langsam los. An der Art, wie sich jetzt der Wagen in Bewegung setzt, können Sie leicht erkennen, ob der direkte Gang oder der erste (bei drei Uebersetzungen) odeT der zweite (bei vier Ueberßetzungen) im Eingriff steht. Im direkten Gang wird nämlich der Motor entweder stehen bleiben oder doch den Wagen nur sehr langsam beschleunigen, während, wenn es sich um einen kleinen Gang handelt, der Wagen sofort beschleunigt wird und* die Motortounenzahl nUT wenig sinkt. Indem Sie einmal den Gang links hinten und dann den Gang rechts hinten einrücken, können Sie leicht den Unterschied feststellen. at. Frage 8700. Abnützung von Kolbenringen. Woran erkennt man bei auseinandergenommenem Motor, ob Kolbenringe ersetzt werden müssen? W. W. in S. Antwort: Noch brauchbare Kolbenringe sollen in den Nuten des Kolbens kein Spiel haben, sich jedoch noch leicht verdrehen lassen. Sie dürfen ihre Elastizität nicht verloren haben und müssen also in entspanntem Zustand aus ihren Nuten im Kolben hervorstehen. Bringt man die Kolbenringe allein in den Zylinder, und zwar in genau wagrechter Lage, wenn der Zylinder senkrecht steht, so darf der Schlitz im Kolbenring nicht weiter als ca. 3/10 mm sein. Ersetzt werden muss ein Kolbenring immer, wenn er den obigen Anforderungen nicht genügt odeT wenn er auf seinem Umfang schwarze Stellen aufweist, die auf ein Durchtreten von Verbrennungsgasen an diesen Stellen hindeuten. at. Frage 8701. Unruhig stehender Manometerzeljjer. Der Zeiger des Manometers am Instrtunentenbrett meines Wagens schwankt beständig hin und her und macht so die Ablesung des genauen Drukkes ganz unmöglich. Ich habe versuchsweise ein anderes Instrument einbauen lassen, aber ohne Erfolg. Wo liegt der Fehler? Gibt es Manometer, die dieser Störung nicht unterworfen sind? H. V. in K. Antwort: Selbst Druckmesser, die an und für sich als gut bezeichnet werden müssen, zeigen oft, je nachdem die Oelpumpe ausgeführt und die Oelleitung verlegt ist, ein lästiges Schwanken des Zeigers, der sich in ständiger Unruhe befindet und dadurch ein genaues Feststellen des tatsächlichen Oeldruckes erschwert. Die Ursache liegt meist in stossweiser Arbeit der Oel- oder Luftpumpe bzw. des Antriebes derselben bei niederer Tourenzahl. Handelt es sich um den Benzinmanometer, so kann man hier unschwer abhelfen, wie die beigefügte Abbildung zeigt. Man bringt einfach in dem Verbindungsrohr zwischen Benzintank und Benzinmanometer eine vertikale Schleife an, deren untere Hälfte mit Oel gefüllt wird. Durch die Trägheit dieses dazwischen geschalteten Oels wird der Zeiger auch während der Zwischenpausen in der Pumpenarbeit in Ruhe erhalten, bis der nächste Pumpenstoss seine Wirkung ausübt. Die Einführung des Oels erfolgt am besten vor Einbau des Verbindungsrohres; die Windungsrichtimg der Schleife muss genau nach der abgebildeten Form erfolgen. Man kann auch die Schleife herausnehmbar machen, was das Einfüllen des Oels ganz wesentlich erleichtert, nur muss dann für zuverlässige Verbindung der Schleife mit den beiden Rohrstücken gesorgt werden. Will man jedoch ein ganzes Rohrstück verwenden, so muss man das Oel in dieses zunächst U-förmig gebogene Rohr einfüllen, dann einige Zeit zuwarten, bis sich das Oel unten in den Bogen gesetzt hat und dann erst die 'Schleife fertig biegen. Soll die Zeigerunruhe bei einem Oelmanometer beseitigt werden, so nimmt man unmittelbar unter dem Oelmanometer ein etwa 30 bis 40 cm langes Stück Rohr heraus und ersetzt es durch ein Rohrstück von wesentlich geringerem Durchmesser. Wenn man dann diese nunmehr aus zwei Rohrstücken von verschiedenem Durchmesser bestehende Oelleitung wieder einbaut, muss eine zweite Person den Motor solange leer durchdrehen, bis das Oel aus dem Ende des dickeren Rohres herausfliesst; ist das eingetreten, so verschraube man das dickere Rohrende mit dem Manometer. Auf diese Weise werden die Druckschwankungen in der Oelleitung, hervorgerufen durch die Arbeitsstösse der Oelpumpe, durch die schwere Oelsäule im dickeren Rohr ausgeglichen; der Zeiger des Manometer« bleibt infolgedessen nunmehr ruhig. at |u»i*t. SB» MV«31 Anfrage 285. Nnchtbezahlung von Automietfahrten. Ein Fremder machte mit einem unserer Chauffeure eine Fahrt nach A. Vor der Fahrt erklärte er dem Chauffeur, er habe zur Zeit zu wenig Geld bei sich, aber er werde später zahlen. Am versprochenen Tage telephonierte er, er könne nicht nach Baden kommen, weil seine Frau krank sei, er werde aber nächster Tage kommen. Wir schrieben ihm darauf, wir wollen bis Ende März zuwarten. Heute erhalten wir nun Bericht, er wolle bis 1. Juli 1933 die Schuld bezahlen. Natürlich können wir nun auch seinem zweiten Versprechen keinen Glauben mehr schenken. Können wir Strafklage gegen ihn erheben? Seit ca. 2 Jahren machten wir mit einem Wiri öfters Fahrten. Manchmal bezahlte er sogleich. Ein andermal Iiess er die Fahrt aufschreiben. Seit einiger Zeit fährt er nun mit einer andern Firma. Als wir dies vernommen hatten, stellten wir ihm Rechnungsauszug mit der Bitte, baldmöglichst wieder eine ä Conto-Zahlung machen zu wollen. Als einig« Mahnungen nichts fruchteten, besuchten wir ihn persönlich. Er sagte, er habe kein Geld. Wir hoben Betreibung an. Er schlug Recht vor. Wir zitierten ihn vor den Friedensrichter, er erschien nicht. Könnten wir nicht Strafklage gegen ihn einleiten? B. B. Antwort: Weder im einen noch im andern Falle können Sie unserer Auffassung nach •Strafklage erheben. Bezüglich der Fahrt nach Aarati bleibt eben nichts anderes übrig, als die betr. Person zu betreiben und im Falle eines Rechtsvorschlages einzuklagen. Natürlich haben Sie dabei das Risiko, dass Sie nachher ein wohl für Sie günstiges Urteil haben, dass Sie dann aber bei der Vollstrekkung desselben, einen Verlustschein erhalten. Wenn es eich auch im ersten Falle wie im zweiten um einen Ausländer handelt, so können Sie, falls derselbe keinen Wohnsitz in der Schweiz hat, Vermögensstücke des Schuldners mit Arrest belegen lassen. Hat jedoch der Schuldner einen festen Wohnsitz, so bleibt, wie bereits erwähnt, nichts anderes übrig, als ihn einzuklagen und nachher auf dem Betreibungswege das Urteil zu vollstrecken. * „Ich habe auf mein letztes Inserat 20 Interessenten erhalten und den Wagen "* auch einige Tage LANCIA LAMBDA Torpedo, 5. Serie, 4-Gang- Getriebe, mit Spezial-Ballonaufsatz, total revidiert. Preis Fr. 3000.—. Offerten unter Chiffre 13323 an die 10829 Automobil-Revue, Bern. später bar verkau- , , ^^ fen können." j^*""*"^ VOLLWERTIGES ANGEBOT! Gelegenheit! Willys-Kniglit 1932, Limousine, 15 PS, 6 Zylinder, 4/5-Plätzer, ist Verhältnisse halber äusserst preisw. aus Privathand 58797 zu verkaufen Anfragen unter Chiffre Z 2565 an die Automobil- Revue, Bureau Zürich. Hispano- Suiza OCCASION! Herrsch. Wagen, 6/7plätz., ca. 15 000 km gefahren, mit allen Schikanen, Separationsscheibe, bequemer Reisewagen, offen und geschlossen zu fahren, umständehalber zum Preise von Fr. 15 000.— zu verkaufen. Neupreis ca. 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Bern, Dienstag, 16. Mai 1933 111 Blatt der „Automobil-Revue " No. 42 Mittag auf dem Wasser Hermann Hesse. Das ist so süss wie Traum und Tod: Von Glut und Stille mild' und schwer Zu nih'n in einem Fischerboot Im herben Duft von Salz und Teer. Der kurzen Pfeife Wolkenspiel Folgt lang das Auge ohne Ziel, Bis es gebannt und müde ruht In blauer Mittagshimmelsglut. Es segeln hoch im steten Zieh'n Dia losen weissen Wolken hin. Fernher mit kaum gehörtem Pfiff Gibt Kunde seiner Fahrt ein Schiff. Die Flut in träumerischem Spiel Zerbricht mit dumpfem Laut am Kiel, Das schlaffe Segel feiert leer, Die Netzeschnur schleift hinterher... Und alles, was dich sonst bewegt, Und alles, was in Glück und Weh Dir irgendwann das Herz erregt, Liegt tief und schlummert in der See: Dein Herz, so wild es sonst gebrannt, Wird wieder still, wird wieder Kind, Und ruht wie Sonne, Meer und Wind In Gottes Hand. Zwischen sechs und sieben Das Erwachen ist anders geworden, seitdem ich aus der Stadt in das kleine Dorf hinausgezogen bin, das durch einen grossen Tannenwald von dem entlegenen städtischen Vorort abgetrennt ist. Früher fiel noch mitten in den späten Schlaf hinein der Schall erster Schritte auf den einsamen Bürgersteigen, das leise Heulen eines vorüberrasenden Autos, das Holpern eines Handwagens. Diese ersten Geräusche der sich regenden Stadt sind verschwunden. Man ruht in der Stille des kleinen Ortes wie in einem Sack, der oben zugeschnürt ist. Schon können draussen die frischbelaubten Aeste der Bäume von der ersten Sonne mit rotem Licht bestrichen werden, und noch immer ist das Haus in schweigender Versunkenheit. Nur ganz früh am Morgen wird die Stille kurz unterbrochen, dann, wenn schwere Holzschuhe über die freie Stiege des nahen Bauernhauses hinunterklappern. Man weiss, nun geht der junge Melker mit den merkwürdig frischen Augen, die breite Brust unter dem blaugestreiften Hemd nur halbverhüllt, zu seinen Tieren in den Stall. Langsam kommt die Helle des Tages emporgekrochen, und die Schatten im Zimmer ziehen sich zurück. Die paar Sterne, die nachts über dem nahen Hügel durchs Fenster zu sehen sind, verschwinden und tauchen im intensiver werdenden Blau des früh- Engshaften Himmels unter. Jetzt beginnt die Vase auf dem kleinen Tisch zn klirren, ein schwerbeladener Lastwagen saust, mit Blachen überdeckt, mit grosser Geschwindigkeit auf der nahen Landstrasse vorüber. Der Blick taucht aus dem F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel Roman von Karl Strecker. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Der bezwang sich. «Tun Sie doch das Licht weg. Ich will Ihnen erzählen, -was es war.» Er fasste ihn am Arm. «Kommen Sie mit, wir wollen 'nen Kognak nehmen gegen den Morgennebel.» Plötzlich blieb er stehen. «Ich will Ihnen was sagen, Dvorak, Sie dürfen es aber nicht •weitersagen.» «Ih, wo werd ick denn!» Georg hob sich auf den Zehenspitzen und tuschelte ihm ins Ohr: «Ich hab' einen umgebracht!» «Kiek mal an! Ih, nanu!» sagte Dvorak auf den vermeintlichen Scherz eingehend: «Wen denn, wenn man fragen darf?» «Meine Wirtschafterin.» «Was Sie sagen! Die Tölschen? Na, das war aber auch höchste Zeit.» «Allerhöchste Zeit, Dvorak!» Traumreich in die Wirklichkeit zurück. Da liegt neben dem Bette das Buch, das einem bis in die tiefe Nacht hinein begleitete. Jetzt ist es geschlossen, seine Sprache ist verstummt. Der Eindruck, den es am Abend hinterliess, ist durch den Schlaf verschwommen geworden. Die Beziehung ist gelockert. Man dehnt sich, um sich in seinem eigenen Körper wieder zurechtzufinden. Da schneidet die sanfte Ruhe der schrille Ton des Weckers entzwei, der neben dem Bette steht. Von der Brutalität des Geräusches erschreckt, schiesst man taumelnd auf. Draussen ist Tau. Am Bauernhaus drüben haben sie schon die Fenster geöffnet. Eine junge Magd mit freien Armen kommt mit einem grossen Kübel gegangen und verschwindet hinten im Schweinestall. Ich öffne das Fenster, strecke die Arme. Kühle, frische Luft kriecht dem Körper entlang. Halb benommen noch kleidet man sich an, die Augen stier auf den gleichen Gegenstand geheftet, während die Gedanken ohne eigene Kraft mechanisch ablaufen. Beinahe fürchtet man, laut aufzutreten, das Haus ist noch voll von nächtlichem Schlaf. Es ist, als höre man das Atmen aller der noch ruhenden Menschen, als atmete das Haus selbst. Ich öffne die Türe und trete in den Gang hinaus. Kalte Nachtluft schwellt mir entgegen. Eine schwache elektrische Lampe brennt. Dort in einer Ecke stehen zwei Paar Schuhe, gestern gingen sie weit übers Land. Sie sind verstaubt, nun wirken sie verlassen in dieser Stille. Dann schreitet man auf die Loggia hinaus, reisst ein Fenster auf. Der Blick geht weit über das Land hin, bis an die fernen Hügel hinüber, hinter denen vor wenigen Minuten erst die Sonne sich erhoben hat. Nun lodert sie als eine feurige Scheibe über den weisslich dampfenden Feldern. Die Wand des Hauses, der Bauernhof nebenan und alle Bäume sind in goldrotes Licht getaucht. Von ferne wird ein schwaches Rollen hörbar. Man weiss, es ist der fällige Expresszug, der vor sieben Uhr vorbeifährt. Es sind immer nur wenige Wagen, die mit rasender Geschwindigkeit über die lange, gerade Strecke getrieben werden. Seltsam, 'zu denken, dass dieser Zug von weit her kommt, in dieser Frühe, während man sich gleichsam neugeworden fühlt und die Wirklichkeit sich erst wieder erringen muss. Dann dreht man das Wasser auf und lässt es über das heisse Gesicht rinnen. Der Atem geht tief, beglückt reibt man sich die Haut frisch. Im Spiegel bricht sich der Strahl der Morgensonne. Wieder hört man vor dem Hause ein Lastauto vorbeidonnern. Unten im Hühnerhof reckt sich der Hahn und kräht mit heiseren Lauten. Man hat sich nun ganz aus dem dunklen Reich des Schlafes zurückgefunden; leise vor sich hin pfeifend, geht man sich fertig anzukleiden. Das Mädchen, dessen Augen noch verschlafen sind, hat rasch das Frühstück bereitgestellt. Von der Terrasse vor der Küche geht «Die wollte woll gnädige Frau werden? Hehe?» «Möglich!» «Da war woll schon was unterwegs?» «Weiss ich nicht. Aber nun kommen Sie. Hier» — er verbiss seine Wut und schloss das Portal auf. Dvorak sah sich um. «Kommen Sie hier unten herein, da brauchen wir nicht erst die Treppe raufkrabbeln.» Er öffnete die Tür zum Vorraum der Trinkstube, drehte Licht an und Hess den Häusler eintreten. «Na, nun -wollen wir mal vernünftig reden,» sagte Georg, nachdem jeder ein kleines Weinglas voll Kognak hinuntergegossen hatte. «Also! — Aber setzen Sie sich doch, Dvorak. Tobak? Bitte! Also —» er zündete sich selber mit Ruhe eine Zigarre an, «ich habe meine Wirtschafterin nicht umgebracht.» «Schade!» «Ich will Ihnen erzählen, aber Sie dürfen, wie gesagt, nicht darüber sprechen. Ich habe neulich aus Versehen eine Ricke geschossen.» «Sie? Seit wann jehen Sie denn wieder auf Jagd, Herr Direktor?» „Ecke des guten Beispiels a Fröhliche Ostern... Der Tag hatte strahlend begonnen; alle Automobilisten werden diesen letzten Ostersonntag noch in schöner Erinnerung haben. Durch den duftig blauen , Frühlingsmorgen streiften wir mit unserm Wagen erst dem Vierwaldstättersee, dann dem Zugersee entlang, um nachher über den Sattel Einsiedeln zu erreichen. Die sanften Hänge gegen den Zürichsee hinunter leuchteten in frisch ersprosstem Grün, Rapperswil nahm uns gastfreundlich und bereit auf. Munter, wie der Tag begonnen wurde, setzten wir am frühen Nachmittag die « Reise ins Blaue-» fort, um — wer weiss, auf welchen Umwegen — erst am Abend wieder nach Hause zurückzukehren. Schon lobten wir den makellos gelungenen Sonntag, an dem uns nichts und nochmals nichts verdorben zu werden schien, als der Wagen plötzlich an einer kleinen Steigung ausserhalb Richterswil mit merkwürdiger Aenderung seines sonst so folgsamen Benehmens kurzerhand stehen blieb. Zuerst ungläubige Gesichter, dann erstaunte, schliesslich schwer bedrückte Mienen! Wie, sollte man also doch nicht den Tag vor dem Abend loben?! Wagen um Wagen brauste vorbei, sonntäglich vollgeladen, alles flog aus, ins Blaue des herrlichen Ostertages. Und wir sassen fest, neugierig bestaunt von den umwohnenden Leuten. Rasch wurde der Benzinstand kontrolliert: Natürlich, kein Blut mehr da! Wo aber nehmen? Weit und breit war keine Tankstelle; die nächste, so verkündete man, wäre mindestens zwanzig Minuten entfernt. Telephon hatte auch niemand. Da schwang sich ein netter kleiner Bursche aufs Rad, und kam nach geraumer Zeit mit der Meldung der Blick weit über die Felder hin, die erst langsam niederfallen, dann weit drüben gegen die Hügel wieder ansteigen. Weisse Fusswege kreuzen die grünen und braunen Flächen, sie scheinen wie ein Spinnetz ausgebreitet. Ein Wagen mit Mist, von zwei Kühen gezogen, holpert schon zu früher Stunde über eine entfernte Wiese. Das Gefährt steht scharf gegen die grell leuchtende Sonne. Nun fällt die Haustür hinter mir ins Schloss. Aus dem Stall des nahen Bauernhauses treibt feuchte tierische Wärme. Der Melker sitzt auf seinem Stuhl, mit scharfem Strahl schiesst die Milch aus dem Euter. Der Himmel ist ganz voll von dem frühen Glanz der Sonne. Schon weicht der nächtliche Tau der frühlingshaften Wärme. Plastisch stehen die Berge im Osten, mit scharfen, kantigen Umrissen, Wächter über dem sanft ruhenden, morgendlichen Land. An der Station unten schlägt die Glocke den nahen Zug an, der in ein paar Minuten die wenigen Leute aus dem Dorfe in die Stadt mitführt. bo. «Oh, ich gehe öfter mal, aber bloss auf Anstand, im Dunkel. Da sieht's keiner!» «Nanu, das erste was ich höre!» «Ja, viel laufen darf ich ja nicht. Aber da sass ich vor ein paar Tagen am gelben Berg, wo die Kiefern an die Wiese stossen, auf Anstand.» «Ach so, Sie wollen woll dem Nemitser den kapitalen Grenzbock wegschnappen, der da immer aus die Eilerbüsche austritt?» «Ganz recht! Haben Sie den auch schon bemerkt?» «Jott ja, so zufällig.» «Na ja, und weil er immer an der bestimmten Stelle austritt —» «Jetzt nicht mehr, er ist seit ein paar Tagen weg.» «So, na ja, sehen Sie! Da hab' ich in der Dunkelheit 'ne Ricke umgelegt.» «Was, und die schmeissen Sie ins Wasser? Uebrigens muss das 'ne mächtig grosse Ricke gewesen sind!» «Ja, sie war sehr feist. Kein Wunder, jetzt Ende September! Und dann hatte ich ein paar Steine 'rangebunden.» «Aber das kann doch mal passieren, dass zurück: Garage geschlossen! 0 schöner Ostertag! Schliesslich entschloss ich mich, wenn auch ungern genug, eine nahegelegene Villa abzuklopfen, dort sollten sie in der Garage einen eigenen Tank besitzen. Die Leute sassen, sich sonnend, im Garten. Kaum hatte ich meinen Wunsch vorgebracht, eilte ein junger Herr auf, suchte eifrig nach den Garageschlüsseln, geleitete mich dann zu den Tanks und suchte irgendwo eine passende Kanne und einen Trichter. Erst musste er mir im Sonntagsgewand helfen, ein schweres Oelfass wegzuschieben; alles tat er mit grösster Nettigkeit. Endlich, schon dufteten wir angenehm nach Benzin, hatten wir zehn Liter zusammengebracht, und ich konnte auf die Landstrasse zurück, den durstigen Wagen zu erquicken. Doch es war zu früh gelacht! Unser edler Renner musste sich eines Schlechteren besonnen haben und blieb trotz allem weiter stehen... Es schien noch irgendwo anders zu hapern. Wieder schwang sich der Junge aufs Rad, diesmal, um einen noch entfernteren Garagier aufzutreiben. Der freundliche Herr, der bald unsere Verlegenheit merkte, gab sich damit nicht zufrieden und telephonierte kurz entschlossen an zwei, drei Orte, bis er endlich einen bereiten Garagier fand, der uns abholen wollte. Erst nach langer Zeit kam dann der Medicus, und mit knappen Worten stellte er nach kurzer Untersuchung einen Bruch der Benzinleitung fest. Er nahm uns ins Schlepptau; wir aber schieden mit dankbaren Gefühlen von dem jungen Herrn, der wegen uns mindestens eine Stunde seiner feiertäglichen Ruhe im Kreise seiner Familie verloren hatte. Schon bald trug uns unser Wagen mit eigener Kraft wieder weiter, in den schönen Frühlingabend hinein, bo. man aus Versehen ne Ricke schiesst, die kann man doch aufessen. Das braucht ja kein Mensch zu wissen.» «Ist mir aber unangenehm. Wenn meine Leute das erfahren, spricht sich's rum.» «Da schlag doch Gott den Deibel tot!» rief Dvorak und klatschte sich erregt auf den Schenkel. «Hätten Sie mir doch ein Sterbenswörtchen davon gesagt. Ich hätte sie Ihnen ab—abge—abgekauft.» «Ich würde sie Ihnen geschenkt haben, vorausgesetzt, dass niemand was davon erfahren hätte —» «Wofür halten Sie mich denn, Herr Direktor? Und so was lässt sich doch fummeln! Vom Schädel oben das Gehörn schräge abgesägt und die Schürze mit Feuchtblatt breit weggeschnitten. Kleinigkeit! Das ist doch wirklich 'ne Verschwendung. Die hol' ich mir heut' bei Tag noch raus.» «Tun Sie das nicht,» sagte Georg und rauchte ein paar starke Züge. «Erstens finden Sie sie nicht und zweitens stank sie schon. Und sass ganz voller Maden, ich hatte sie ja nicht ausgenommen. Kommen Sie her, Dvorak,» fuhr er in munterem Ton fort und ist schon so: Ist doch der beste 1