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E_1933_Zeitung_Nr.045

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag» 26. Mai 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 45 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erseheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieh „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoznsfthlxtg, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Brettenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.223 Tdegrunm-AdresM: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarit. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmern Chronik der Woche Die Autoversicherung In der Schweiz im Jahre 1931. Für das private Versicherungsgewerbe waren — wie dem neuesten Bericht des eidg. Versicherungsamtes über die privaten Versicherungsunternehmen in der Schweiz im Jahre 1931 zu entnehmen ist — die Störungen im internationalen Zahlungs- und Kreditverkehr, die nach der Abkehr Englands von der Goldwährung sich im Jahre 1931 verschärften, folgenschwer. In der Unfall- und Schadenversicherung schwinden die Qeschäftsmöglicfikeiten mit zunehmender Krise, •was in einer rückläufigen Prämieneinnahme zum Ausdruck kommt. Es trat eine Geschäftsschrumpfung ein, welche die Erfolgsaussichten beeinträchtigte, da die Betriebskosten sich nicht proportional dem Prämiensatz abbauen lassen. Die damit verbundenen relativen Mehrkosten machten sich aber 1931 nicht so sehr fühlbar, weil diese durch einen günstigen Geschäftsverlauf ausgeglichen wurden. Insgesamt sind aber die Prämieneinnahmen gegenüber dem Vorjahr um 23,7 Mill. Fr. zurückgegangen, während die Abnahme 1930 gegenüber dem Vorjahr nur 0,2 Mill. Fr. ausmachte. Die Haftpflichtversicherung von Motorfahrzeugen ergab zwar im Vergleich, zum Vor-, Jahr eine Z unahme der Prämieneinnahmen. Die Betriebsverhältnisse zeigen aber weniger erfreuliche Ergebnisse. Es wurden aussergewöhnliche Produktionsziffern erzielt, die — laut Mitteilung des Versicherungsamtes — mit geringen Kosten einbringbar sind. Mit den Prämieneinnahmen sind aber auch die Schadenzahlungen gestiegen, und zwar noch stärker, wie nachstehende Tabelle zeigt: Jahr Prämien Schäden Fr. Fr. in % «L Pr. 1927 7 748 756 5 297 015 68 1928 10 016133 7 066 820 71 1929 12124144 7 577 238 62 1930 14 307 341 8 640 681 60 1931 16 444 283 10 300 348 63 Absolut und relativ weist das Schadenausmass also auf eine ungünstige Lage hin. Ein Faktor ist aber noch zu berücksichtigen, der diese Situation noch besonders illustriert, nämlich die schwebenden Schäden. Diese fallen in der Haftpflichtversicherung ausserordentlich stark ins Gewicht, weil sie sich hier anhäufen. Meist sind es dazu noch die schweren und kostspieligen Schadenfälle, deren Regulierung lange Zeit braucht. Manchmal kommen sie sogar erst nach Jahren zur Liquidation, da dieser eingehende und weitläufige Untersuchungen vorangehen, die zum grossen Teil durch gerichtliche Entscheide abgeklärt werden müssen. Es überrascht deshalb wohl kaiim besonders, dass die Rückstellung für schwebende Schäden die Jahresprämie übersteigt. Für das Schweizergeschäft betrug sie Ende 1931 16,93 Mill. Fr., wovon 10,25 Mill. Fr. auf Schadenanmeldungen des Jahres 1931 entfallen. Wenn man die schwebenden Schäden, unter Abzug jener aus 1924 und der früheren Jahre, mit den Betriebsziffern aus sieben Geschäftsjahren als Einheit in Rechnung stellt, so ergibt sich daraus eine Schadenbelastung von mehr als 85 Prozent der Prämien. Aus den Zahlen des Jahres 1931 ergibt sich ein annähernd übereinstimmendes Resultat. Die Schadensumme von 10,3 Mill. Fr. umfasst rund 6 Mill. Fr. Zahlungen für Schadenfälle aus früheren Jahren. Für solche aus dem Jahre 1931 sind also nur 4,3 Mill. Fr., d. h. 26 Prozent der Prämien aufgewendet worden. Wenn man den voraussichtlichen Bedarf von 10,25 Mill. Fr. für schwebende Schäden hinzuzählt u so ergibt sich für 1931 ein vorläufiger, Sctiaäenaufwand -von. J4.6 Mi}!,,Fr... der «ich; somit auf 88 Prozent der Jahresprämieneinnahme beziffert. Die Schadenbelastung'in der Haftpflichtversicherung von Motorfahrzeugen war also beträchtlich geworden, um so mehr, als man die Betriebskosten mit rund 35 Prozent der Prämien einschätzen muss, so dass sich auf diesem Geschäft eine Verlustquote von 20 bis 25 Prozent der jährlichen Prätnieneinnahme ergibt Bei dem bedeutenden Geschäftsumfang macht dies natürlich auch absolut einen ansehnlichen Betrag aus. Aus diesen Motiven heraus ist denn auch eine Neuregelung der Prämientarife 'mit notwendig geworden. In der Kaskoversicherung für Automobile hat sich die Produktion an Versicherungsabschlüssen merklich verlangsamt, was ja kaum überrascht. Heute werden Sparmassnahmen vielfach durch Ueberprüfung der Versicherungskosten eingeleitet, wobei man die Kaskoversicherung für Motorfahrzeuge gerne als entbehrlich beurteilt. Letzteres mag allerdings in Fällen zutreffen, wo der Wert des Objektes durch Alter und Abnützung stark gesunken ist. Für hochwertige Fahrzeuge ist aber die Kaskoversicherung sicherlich immer noch wichtig. Zur Verlangsamung des Geschäftszuwachses in der Autokaskoversicherung mag allerdings auch noch die strenge Auslese beigetragen haben, auf die nicht verzichtet werden kann, weil unter den im Verkehr befindlichen Motorfahrzeugen bei genauer Prüfung sich ein erheblicher Teil nicht als versicherungsfähig erweist. In den letzten fünf Jahren zeigt sich folgender Geschäftsverlauf: Jahr Prämien Schaden Fr. Fr. in % A. 1927 4 267 633 2 574 501 60 1928 4922 368 2 986 374 61 1929 5 517756 3187 353 58 1930 5 848 958 3 269 734 56 1931 5 963 878 3 449 773 58 Es zeigt sich also auch hier, trotz der strengen Auslese, wiederum ein relatives Ansteigen der Schadenanteilsquote an der Prämieneinnahme. Zu den Versicherungsarten, welche der Bericht des eidgenössischen Amtes noch im einzelnen behandelt, gehört schliesslich auch 1927 1928 1929 1930 1931 Fr. 47 998 12 174 834 27 292 825 36 379 873 39 503 422 47 Wenn also diese Versicherungsart eine steigende Zunahme zeigt, die sich allerdings 1931 etwas vermindert hat, so sind die Schäden absolut und relativ doch bedeutend stärker gestiegen. Gegenüber dem Jahre 1927 hat die prozentuale Schadenquote sich vervierfacht! -u- Auf einer Tagung des Vereins französischer Zivilingenietire wurde in einem Referat der kühne Vorschlag gemacht, die Schienenbahnen in Autostrassen umzuwandeln. Der Referent, ein bekannter französischer Ingenieur, stützte sich auf die folgenden, auch für uns sehr interessanten Ueberlegungen: «Im Personenverkehr werden selten Eisenbahnfahrten über weit© Strecken ausgeführt: die durchschnittliche Reiseweite erreicht kaum 40 km, bzw. unter Ausschaltung des Nah- und Vorortverkehrs 60 Kilometer. Im Güterverkehr, dem Rückgrat der Eisenbahnen, beträgt die mittlere Transportweite 150 Kilometer — eine Entfernung, die ein moderner Lastwagen in drei Stunden zurücklegt, während Güterzüge stets nur mit ganzen Tagen zu rechnen pflegen. Dieses Missverhältnis zwischen den Leistungen von Eisenbahn und Lastwagen macht jede Diskussion über die Frage einer Zusammenarbeit zwischen Schiene und Strasse überflüssig. Die im allgemeinen dem Eisenbahnverkehr zugeschriebenen Vorteile sind bei weitem nicht so beträchtlich, wie man glaubt Den oft gerühmten niedrigen Kosten für die Beförderung selber stehen erhebliche Kosten auf anderen Gebieten des Betriebes gegenüber, die die Ersparnisse wieder aufheben. Man pflegt gern dem Kraftwagenverkehr folgendes Beispiel entgegenzuhalten: Ein Güterzug mit 1000 t Last benötigt für ein© Tagesleistung von 400 km nur einen Personalaufwand von 4 Mann. Wenn man dieses Verhältnis von Beförderungsleistung zu Arbeitsleistung auf Jahr Prämton Fr. 400 510 650 502 815.686 965 413 1063 711 Schäden Die Schiene überholt? noch die Prozesskostenversicherung zum den gesamten Güterverkehr anwenden würde Zwecke des Rechtsschutzes, wodurch dem (36 Milliarden Tonnenkilometer), so würde Versicherten die ihm durch Strassenverkehrsunfälle und Uebertretungen der Verkehrsdig sein. Bekanntlich beschäftigen aber die .ein Personalaufwand von 1000 Mann notwenvorschriften erwachsenden Kosten für Ermittlung, Untersuchung, Expertisen, Beratung, Arbeitnehmer bei einem Bestand von 500,000 grossen Eisenbahn - Gesellschaften 500,000 -Rechtsbeistand und Gerichtsverfahren ersetzt Wagen. Dieses Missverhältnis rührt daher, ;wepden., BieiJeschäftsentwicklung zeigt hier dass die überwiegende Mehrzahl der Eisenbahnbediensteten dem sog. stationären •foijSMfflösiEürd:''"" -•*""*"••''" '* •*"" ' - Personal angehört, also nicht in der Zugförderung selbst beschäftigt ist. Im Kraftwagen- in % d. Pr. verkehr ist dagegen der Anteil der ausserhalb der reinen Förderung beschäftigten Leute wie z. B. für Garagen, Reparaturwerkstätten, Strassenbauarbeifcen usw. ausserordentlich gering. Die Tagesleistung eines Gütenvagens ist durchschnittlich kaum 200 Tonnenkilometer. Ein moderner Lastwagen dagegen kann während einer achtstündigen Betriebszeit eine Leistung von 1000 Tonnenkilometer erzeugen. Berücksichtigen muss man ferner, dass jeder Güterwagen durchschnittlich erst alle zehn Tage neu beladen wird. — Die Autostrasse kann ausserordentlich grosse Verkehrsleistungen bewältigen. Eine Folge von Lastwagen im Abstand von 60 m kann bei einer Nutzlast von 3 t pro Wagen und einer Fahrgeschwindigkeit von 60 km/St. 3000 t in der Stunde befördern, d. h. 72,000 t pro Tag. Kein Eisenbahnverkehr vermag eine solche Leistung zu erzielen. Nun führt Rufe aus dem Dunkel. Roman von Karl Strecker. (16. Fortsetzung) »Liebes Fräulein Tölsch! Meine Mutter hat die Operation gut überstanden. Alles ist normal verlaufen, sie muss nur noch ein paar Tage in der Klinik bleiben. Inzwischen habe ich, da mir mein Herz in letzter Zeit Anlass zur Besorgnis gab, in Berlin mich bei zwei ersten Fachärzten noch einmal gründlich untersuchen lassen. Beide Aerzte stimmen darin überein, dass ich unbedingt meinen Aufenthalt irgendwo im Mittelgebirge nehmen muss, wenn ich ganz gesund werden will. Und das werde ich natürlich denn auch tun. Ich habe mich daher schweren Herzens entschlossen, Priebenow zu verkaufen und irgendwo in Mitteldeutschland mich anzusiedeln. Es ist mir sehr schwer geworden, aber es geht doch nicht anders. Es haben sich auf eine Anzeige hin schon mehrere Käufer gemeldet, die das Gut dieser Tage besichtigen werden. Inspektor Brandt soll die Herren von der Bahn abholen und auf dem Felde zur Besichtigung umherfahren lassen. Sie sorgen dann wohl für einen kleinen Imbiss. Ich mache selbstverständlich zur Bedingung, dass Sie mit halbjährlicher Kündigungsfrist in Stellung bleiben. / Ich komme auf alle Fälle noch persönlich nach Priebenow, nur kann ich im Augenblick meine Mutter hier nicht allein lassen. Also auf Wiedersehen! Inzwischen halten Sie alles gut in Ordnung, wie ich das von Ihnen ja nicht anders gewöhnt bin. Mit bestem Gruss Ihr Richard Nicola.» Zur Erholung machte er am Nachmittag im Auto einen Ausflug nach Heiligendamm, das jetzt öde und verlassen lag. Bei der Durchfahrt durch die Doberaner Villenkolonie sah er ein kleines hübsches Landhäuschen mit Garten, das «zu verkaufen oder zu vermieten» war, wie ein Täfelchen am Fenster verkündete. Georg besichtigte es sogleich. Wenn die Mutter vorläufig in der Nähe bleiben wollte, so wäre dies vielleicht das Geeignete. Die bequeme kleine Villa gefiel ihm, und er mietete sie auf ein Jahr mit der vollen Einrichtung, die er bald zu ergänzen gedachte. Seine Mutter sollte, wenn sie-aus der Klinik kam, schon ein behagliches Heim vorfinden. Er sorgte in Rostock bei einer Vermieterin -für das nötige Hauspersonal und beorderte seinen Diener, der sich als zuverlässig und umsichtig erwies, alles in Ordnung zu bringen. ... Staubwirbelnd sauste das Auto auf mehlweisser Landstrasse durch die Wald- hügel eines süddeutschen Vorgebirges. Vereinzelte Häuser, die zur Rechten und Linken bequem hinwegsehen konnte. Im selben Georg trat an die Hecke, über die man aus kleinen Gärtchen auftauchten, meldeten Augenblick schnellte ein Foxterrier zornig die Nähe der Provinzstadt. Georg liess, als kläffend aus einem Kohlbeet, wo er gebuddelt hatte, auf ihn zu. das holperige Pflaster begann, langsamer fahren und stieg im Gasthaus zur Post, dem besuchtesten des Städtchens, ab. kleide richtete sich auf und wandte dem Die weibliche Gestalt in hellem Sommer- Es war ein so warmer Oktobertag, dass Fremden ein auffallend schönes Gesicht zu, man noch in dem Gärtchen vor der Tür sitzen das von einem leichten Strohhut überschattet konnte. Georg liess sich mit einer Erfrischung war. Ein freudiger Schreck durchzuckte das Adressbuch geben und erkundigte sich Georg. War es möglich...? nach der Villa der Frau Geheimrat Stockhausen. Er erfuhr, dass die Frau Geheimrat, Als sie jetzt den Kopf etwas hob und die eine 64jährige Dame, ihren Landsitz schon Sonne ihr Gesicht beleuchtete, gab es keinen Mitte September mit ihrer Nürnberger Stadtwohnung vertauscht habe, dass aber die ver- Diese unvergesslichen grossen Augen, deren Zweifel mehr: sie war es selbst. Ein Wunder? witwete Frau Hauptmann Wegner, ihre Hausdame und Wirtschafterin, noch in der Villa Berge war, ihr Aufleuchten, wenn sie lächelte Farbe das sehnsuchtweckende Blau ferner wohne. — das feine Oval des Gesichts mit dem weichen Kinn, das zierliche Naschen, der etwas Georg machte sich sogleich auf den Weg. zu hoch gezogene blühende Mund — das war Das hübsche villenartige Häuschen mit Glasveranda und offenem Balkon lag in einem Käthe, wie er sie immer vor Augen gesehen und in treuester Erinnerung bewahrte, die Eckgrundstück an der Rosenheimer Chaussee. grosse Liebe seiner Jugend. Sein Blut stockte. Vorne nur ein kleines Vorgärtchen mit ein Eine tiefe Röte ergoss sich über sein Gesicht. paar Edeltannen und Rasenstückchen, an der War es möglich, sich so jung zu bewahren? Hinterseite aber ein geräumiger Blumen- und Gemüsegarten, von dessen Beeten Dahlien Er zog den Hut und behielt ihn unbewusst und Astern im Altgold der Oktobersonne auf- in der Hand. Sie kam zwei Schritte näher — leuchteten. Licht und Wärme lagen mit regungslosen Fittichen auf dieser kleinen Welt. In einem Tomatenbeet stand gebückt eine weibliche Gestalt und pflückte rubinrote Früchte in einen Korb. und jetzt wechselte er die Farbe. Welche Täuschung! Das war ein Mädchen von siebzehn, höchstens achtzehn Jahren! Das konnte unmöglich... Es war die Tochter... Schnell suchte er sich zu fassen. «Ver-