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E_1933_Zeitung_Nr.044

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag, 23. Mai 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 44 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitao Monatlich „Gelbe Uste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portomschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlieh bestellt. Zuschlag für postainüiche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Gnmdxeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Fragen vom Tage Kampf der Sonntagstaxe in Gesehenen. Man hätte annehmen dürfen, dass einer Vom Bundesrat genehmigten Aenderung des Transportreglementes auch nachgelebt werden muss und dass es nicht Gemeinde- oder Kantansfunktionären zustehe, deren Durchführung zu verhindern und sich so gegen eidgenössisches Recht aufzulehnen. Das scheint aber hinsichtlich der Aufhebung der sog. Sonntagstaxe für den Verlad von Autos an Sonn- und Feiertagen in Qöschenen nicht der Fall zu sein. ' Bekanntlich hat der Bundesrat am 7. April beschlossen, dass ab 1. Mai alle Autotransporte als Reisegepäck angesehen werden müssen (Abänderung von Art. 28 des obgenannten Transportreglementes), was zur Folge hat, dass keine Bewilligung der Gemeinde Göschenen für Automobilverlad an Sonntagen mehr benötigt wird. Die S. B. B. haben denn auch sofort den Bahnhofvorstand in Göschenen angewiesen, inskünftig diese Sondertaxe von 10 Fr. nicht mehr einzuziehen. Daraufhin Weisung der Gemeindebehörden von Göschenen an den Bahnhof vorstand, diese Taxe doch wieder zu erheben, was er aber in verständnisvoller Weise, nach Rücksprache mit seiner Oberbehörde, ablehnte. Und nun will sich die Gemeinde Göschenen selbst Recht schaffen und stellt auf dem Areal der S. B. B. den, Gemeindeschreiber in Zivil hin,, um die 10 Fr. einzukassieren. Und als sich die entrüsteten Automobilisten dagegen wehren, stellt sich die Kantonspolizei für diese Geldmacherei zur Verfügung und ein uniformierter Polizist zwingt die Automobilisten zur Bezahlung des Sonntagsobolus. Man muss sich wirklich fragen, wie lange die zuständigen Instanzen diesen offensichtlichen Rechtsbruch dulden. Die Kantonspolisei Uri hat doch sicherlich auf dem Bahnhofareal der S. B. B. nichts zu suchen und hat nicht Massnahmen anzuordnen, die einem Bundesratsbeschluss zuwiderlaufen. Es ist daher nur zu begrüssen, wenn der 'A. C. S. sofort die Sache an die Hand genommen hat und, wie in der letzten Nummer der «Automobil-Revue » angekündigt wurde, F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel. Roman von Karl Strecker. (15. Fortsetzung) Sein Plan, schon am Vormittag abzufahren, war nicht ausführbar, wenn er sich — und das war doch empfehlenswert — über alles, was der Schreibtisch und Geldschrank noch enthielt, unterrichten wollte. Er kramte, las und sichtete mehrere Stunden lang, machte Auszüge und Notizen in ein Schreibbüchlein und legte die wichtigsten Papiere zum Mitnehmen bereit. Einige versiegelte er vorsichtshalber sogleich, das übrige, einen ganzen Stoss — verbrannte er nebenan im Kamin des kleinen Saales. Als er gerade dabei war, die letzten beiden Schichten Briefe in die Flammen zu werfen und auf einem Knie hockte, humpelte, auf einen dicken Handstock gestützt, mit spähendem Gesicht «Hille Bobbe» herein. «Nanu? Ganz alleene in 'n Saal, wie der Floh in 'nen Pantoffel?» Sie schnupperte. «Das riecht ja hier so sengerich, Herr Direktor!» sagte sie in der Tür, «Sie backen woll Pfannkuchen?» Dann näherkommend: «Guten Tag, Richard. Ich dachte schon, du wärst in den See gefallen bei deine nächtlichen Exkursionen. Du lässt dich ja gar nicht mehr sehen!» «Guten Tag, Tildeken,» sagte Georg, stand auf und reichte ihr die Hand, innerlich knurrig, denn bisher hatte er es fast immer so einrichten können, dass sie sein Gesicht nicht in vollem Tageslicht .vor sich sah. Und obwohl er die Fälle widerrechtlich erhobener Sonntagstaxen an die Gerichte weiterziehen will. Alle seit dem 1. Mai 1933 in Göschenen «Gebüssten» mögen sich daher sofort melden ! Aber es ist auch angezeigt, weiteste Kreise auf diese «Geldmacherei» der Gemeinde Göschenen speziell aufmerksam zu machen. Das urnerische kantonale Ruhetagsgesetz will, nach der Ansicht der Gemeinde Göschenen, dieser das Recht geben, den Verlad von Autos nur gegen Gewährung einer besondern Bewilligung an Sonn- und Feiertagen zu gestatten. Um diese Sache für die Gemeinde interessant zu machen, gibt man die Bewilligung bereitwilligst, aber nur gegen Bezahlung einer «bescheidenen» Gebühr von 10 Fr., die vollständig für Finanzzwecke der Gemeinde Göschenen verwendet wird. Dass es sich hiebei um ein ganz einträgliches Geschäft handelt, erhellt sich aus folgender Rechnung: Es wurden im Winter 1931/32 in Göschenen 1580 Autos eingeladen und 1884 ausgeladen, somit total 3064 Autos verladen. Rechnet man nur damit, dass hievon ein Siebentel auf den Verlad an Sonn- und Feiertagen entfielen, so ergibt dies rund 500 Autos ä 10 Franken oder eine- Einnahme füjydle . Qe 1 - meinde