Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1933_Zeitung_Nr.051

E_1933_Zeitung_Nr.051

Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 16. Juni 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° Sl ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich 1 „Gelbe Uste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breiteörainstr. 97,' Bern sofern nicht postamtltch bestellt. Zuschlag tür postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern • Die Strassenrechnung der Kantone pro 1931 In der öffentlichen Diskussion über das Strassenverkehrswesen spielen die Aufwendungen der Kantone für ihr Strassennetz stets eine grosse Rolle. Auch in der Auseinandersetzung zwischen Bahn und Auto wurde dieses Thema mit Vorliebe herangezogen, wobei meistens versucht wurde darzulegen, wie sehr die Bahnen gegenüber dem motorisierten Strassenverkehr im Nachteil seien, da die Ausgaben für die öffentliche Fahrbahn zum grössten Teil dem Staat zufallen, ohne dass die Motorfahrzeugbesitzer für den ihnen zukommenden Kostenanteil aufkämen. Es ist das unbestreitbare Verdienst des Sekretariates der Vereinigung Schweiz. Strassenfachmänner, die zuverlässigen Grundlagen für eine objektive Beurteilung fieser Streitfrage zu liefern, indem diese .iistitution seit Jahren in anerkennenswerter Regelmässigkeit, eine sorgfältige Statistik über die Aufwendungen der Kantone für ihr Strassenwesen ausarbeitet. Dieser Tage wurden in der Schweiz. Zeitschrift für Strassenwesen die Ergebnisse für das Jahr 1931 publiziert, welcher wir die beigefügten Tabellen entnommen haben, soweit sie für den Strassenverkehr von Interesse sind. Die Ausgaben. Aus der Zusammenstellung für die Aufwendungen der Kantone ist zu ersehen, dass die Stände im Berichtsjahre insgesamt 89,4 Millionen Franken für das Strassenwesen ausgegeben haben. Im Vergleich zum Vorjahre ergibt dies eine Zunahme von rund 11 Mill. Fr.: Diese dürfte, abgesehen von den vermehrten Leistungen einzelner Kantone für ihre Strassen, darauf zurückzuführen sein, dass das zu betreuende Wegnetz seitierseits um 799 km zugenommen hat und nunmehr eine Länge von 15,759 km aufweist. Ein Vergleich mit 1931 zeigt, dass 7 Kantone weniger ausgaben, während die übrigen erhöhte Beträge beanspruchten, die bei den Kantonen Zürich, St. Gallen und Aargau je über 2 Millionen Franken ausmachen. Die Zusammensetzung der Summen ist eine recht verschiedene. Während bei den einen Kantonen die Ausgaben für den Unterhalt einen verhältnismässig bescheidenen Anteil der gesamten Aufwendungen ausmachen (wie z. B. bei Zürich, St. Gallen, Aargau, Waadt, etc.), so dass der Hauptbetrag der Gelder für Verbesserungen verwendet werden konnte, beansprucht anderorts der Unterhalt eine weit grössere Quote, der bei einzelnen Ständen, wie Uri, Zug, Appenzell I.-Rh., mehr als die Hälfte der Gesamt-Ausgaben ausmacht. Es zeigen sich also teilweise bereits die guten Früchte einer auf Jahre zurück- greifenden sorgfältigen Strassenpolitik, indem die Ausgaben für den Unterhalt bei Strassen, welche rechtzeitig den Anforderungen des modernen Verkehrs angepasst worden sind, sehr stark zurückgehen. Andere Beispiele belegen deutlich, wie unwirtschaftlich es ist, schlecht ausgebaute Strassen nur unterhalten zu müssen, indem die Aufwendungen hiefür unverhältnismässig grösser sind, als wenn durch gründliche Verbesserung endlich einmal Remedur geschafft würde. Im Vergleich zu den hohen Beträgen von 52,3 Mill. Fr. für Verbesserungen und 29,5 Mill. Fr. für den Unterhalt,, nehmen sich die Ausgaben für Neubauten in der Höhe von 5,3 Mill. Fr. eigentlich bescheiden aus. Die grössten Aufwendungen hiefür machte Wallis, dessen Gesamtausgaben zur Hälfte auf Neuanlagen entfallen. 8 Kantone haben in dieser Rubrik überhaupt keinerlei Leistungen zu verzeichnen. Die Einnahmen. Die Einnahmenseite für das Jahr 1931 wurde von uns auf Grund privater Erhebungen bereits einmal behandelt (A. R. Nr. 100 vom 6. Dez. 1932). Wir berechneten damals die Eingänge beim kantonalen Fiskus auf Zürich Bern Luzern Uri Sohwyz Obwalden. . . . Nidwaiden . . . Glarus . . . . . Zug Fribourg . . . . Solothurn. . . . Baselstadt . . . Baselland . . . • Schaffhausen . . Appenzell A.-Bh. Appenzell I.-Rh.. St. Gallen. . . . Beiträge an die Kosten des Unterhalts 55,892 119,174 157,221 199,648 28,438 10,244 1,128 53,347 220,000 103,013 19,894 5,605 in Kol. 3 5,514 Beiträge an die Kosten von Neubauten 15,588 82,350 215,585 inbegriffen 52,780 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctl» Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern rund 40 MilL Fr., was sich, mit den nunmehr weil sich bekanntlich die Leistungen des vorliegenden Zahlen im grossen und ganzen Automobilwesens nicht auf die Abgaben beschränken, welche den Kantonen zufallen. deckt. Der beigefügten' Tabelle ist allerdings zu entnehmen, dass zu den direkten Einnahmen aus Verkehrsabgaben und Bundesbei- erinnert werden, dass dem Bund im näm- Es muss in diesem Zusammenhange daran trägen aller Art, auch noch die Beiträge der lichen Jahre aus dem Benzinzoll unter Abzug des Anteils der Kantone und den Einnah- Kolonnen 1—3 hinzukommen. Rechnet man die Rückvergütung des Bundes aus demmen aus Zöllen .auf Motorfahrzeuge und Benzinzoll hinzu, so ergaben sich für die Zubehör 51 Mill. Fr. zugingen. Wenn also Kantone Gesamt-Einnahmen von 46,7 Mill. die Gesamteinnahmen von Bund und Kantonen aus dem Motorfahrzeugen die Ausga- Franken. Vergleichen wir dieses Ergebnis mit der Statistik von 1930, so ergibt sich ben für den Strassenbau noch um etliche eine Erhöhung der Eingänge von rund Millionen übersteigen, so wollen wir gar 6 Mill. Fr. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht auf dieser Vergleichsrechnung beharren. Lassen wir die Zölle auf Motorfahr- dieser Mehrerlös zu rund %, nämlich mit 4 Mill. Fr., auf eine Zunahme der Netto-Einnahmen aus direkten Verkehrsabgaben zu- Rücksicht auf alle übrigen bestehenden Einzeuge und Zubehör ganz bei Seite, indem mit rückzuführen ist. Dagegen hat der BenzinzolI-Anteil der Kantone nur um 1,2 Mill. Fr. Einnahmen kaum beanspracht werden kann, fuhrzölle eine Zweckgebundenheit dieser zugenommen. Die Gegenüberstellung von obwohl es sich um gutes Geld handelt, das Soll und Haben der ganzen Jahresrechnung auschliesslich den Motorfahrzeugbesitzern abgenommen wird. Wesentlich anders 1 scheinen ergibt, dass die Kantone' 52,2% ihrer Strassenausgaben durch die direkten und indirekten Einnahmen aus dem Motorfahrzeugver- liegen, welcher der Bundeskasse nach Abzug uns aber die Verhältnisse beim Benzinzoll zu kehr zu decken vermögen. Dieses Verhältnis des den Kantonen zukommenden Viertels betrug im Jahre vorher 51,6% und hat sich, noch 28,8 Mill. Fr. einbrachte. Wir brauchen wenn auch unwesentlich, doch weiterhin zu nur daran zu erinnern, dass bei verschiedenen Vertretern des Bundesrates erklärt Gunsten der Kantone verschoben. Die Rechnung für die Kantone wäre damit wurde, dass die Erhebung des Benzinzolls abgeschlossen. Wir Automobilisten können keine fiskalische Massnahme des Bundes sei,, uns aber damit noch nicht zufrieden geben, und die sich daraus ergebenden Einnahmen Einnahmen der Kantone pro 1931 aus Beiträgen für das Strassenwesen und aus Verkehrsabgaben (ohne Rückvergütungen für geleistete Arbeiten und aus Materialerlös). Kantone Graubünden. . . Aargau . . . . . Thurgau . . . . Tessin Vaud Valaia Neuchatel. . . . Geneve Total 7,447 986,565 2,850 51,049 668,841 427,680 143,934 22,768 6,014 203,340 259,673 111,811 12,872 272,393 407,868 595,938 633,500 1,059,191 26,378 420,202 4,852,201 Nettoeinnahmen aus Verkehrs-Total abgaben Einnahmen aus dem Benzinzoll für 1931 1 ) 1) Es sind nicht die im Jahre 1931 ausbezahlten Anteile aus dem Benzinzoll eingetragen, sondern der für dieses Jahr den Kantonen zufallende Betrag ohne Rücksicht auf das Datum der Auszahlung. 2) Einsohliesslich Abgaben für Fahrzeuge mit tierischem Zug. Beiträge an die Kosten von Strassenverbesserungen Bundesbeiträge Gesamteinnahmen 6,478,9317,150,622 1,191,843 8,342,465 4,422,3334,905,905 1,398,167 6,304,072 1,292,9531,412,127 252,372 1,664,499 160,000 40,997200,997 182,219 383,216 242,874386,808 163,841 550,649 51,27974,047 121,673 195,720 41,59355,054 70,949 126,003 145,976145,976 141,554 287,530 154,933170,521 157,439 327,960 467,827910,738 330,725 1,241,463 1,031,0471,490,368 278,304 1,768,672 1,150,6831,366,268 244,812 1,611,080 12,237 576,700729,186 274,584 1,003,770 287,412310,528 112,527 423,055 4,741 161,711166,452 145,167 311,619 20,85521,983 36,709 58,692 1,502,2211,827,961 591,333 2,419,294 400,000 292,446963,495 818,792 1,782,287 1,767,2462,278,127 579,503 2,857,630 1,103,5281,719,360 491,915 2,211,275 505,001 1,312,199 2 )2,456,305 571,355 3,027,660 2,785,5633,844,754 1,065,321 4,910,075 781,601 354,1231,194,018 526,801 1,720,819 641,516667,894 280,984 948,878 2,057,872 2 ) 2,057,872 204^547 2,262,419 1,863,580 28,384,818 36,507,366 10,233,436 46,740,802 F E U I L L E T O N heisst vorläufig war mir mehr ums Spionieren zu tun. Nur die Küche stand offen, wo mein Kaffee auf dem Herde warmgestellt Rufe aus dem Dunkel. war, die anderen Türen waren verschlossen. Roman von Karl Strecker. Nachdem ich draussen mich vergewissert (22. Fortsetzung) hatte, dass niemand in der Nähe war, öffnete Georg lachte, er wusste nicht recht, ob ich mittels Dietrichs die Wohnstube. Fromm, es Ernst oder Scherz war. wie ich bin, griff ich sogleich nach der Bibel, «Sie gehört zu der Apostolischen Gemeinde, die in Nemitz und auch in Storkow ten. Ich schüttelte das dicke Buch. Nichts um eine berufliche Morgenandacht abzuhal- Sonntags zusammenkommt. Als ich das Verdächtiges war zu merken. Auch bei oberflächlichem Blättern nicht. Nur im letzten Zimmer mietete, fiel mir denn auch in ihrer Wohnstube ein kleines Tischchen auf: es Drittel, vom Buch Sirach bis zum Jakobusbrief war hinten mit scharfem Messer ein war bedeckt mit einem weissen Häkeldeckchen, darauf ein kleines Kruzifix aus Holz, viereckiges Loch in die Blätter geschnitten, vor dem lag eine alte dicke Bibel und obendrauf ein Gesangbuch.» sammengeklebt, so dass ein kleines ver- und diese waren am Rande des Loches zu- «Das ist allerhand für ein Iltisweibchen!» stecktes Kästchen darin entstanden war, das bemerkte Georg. gut ein paar Ringe, Perlen oder dergleichen «Ich konnte in der Nacht nach jenem Gespräch lange nicht einschlafen. Stundenlang Kästchen je mit dem letzten Blatt zuge- aufnehmen konnte. Oben und unten war das sann ich über das Gehörte nach und machte klebt.» meine Pläne. Endlich schlief ich ein und leider etwas lang. Die Sonne stand schon «Durchaus nicht. Wir Professionals wis- «Sie erzählen ein Märchen.» lachte Georg. ziemlich hoch, als ich aufwachte. sen, dass gerade die gerissensten Gauner Im Hause war alles mäuschenstill. Notdürftig angekleidet ging ich hinunter, um mir dem Ofen oder unter den Stubendielen wäh- ihre Verstecke nicht etwa im Bett oder auf warmes Wasser zum Rasieren zu holen, das len, wo jeder Kriminalist nachsucht, sondern an möglichst unverdächtigen Stellen — dieser Buchtrik ist übrigens Jahrzehnte alt. Als ich damals in London —» «Konnte man beim Schütteln des Buches denn nichts hören?» unterbrach ihn der ungeduldige Georg. «Ich sagte schon nein! Die Sachen waren jedenfalls ganz fest in Watte eingepackt.» «Haben Sie denn nicht nachgesehen?» «Das wohl, aber leider zu spät!» «Wie denn zu spät?» «Es war nichts mehr darin als Watte. Also hatte der vorsichtige Schuft seine Absicht, die Sachen wegzubringen und zu vergraben, schon ausgeführt. Ich sah gleich drauf vom Boden aus durch das kleine Dachfenster, von wo man die Umgegend überblickt, Frau Dvorak arbeitete auf ihrem Kartoffelfeld an der Waldwiese, er kam gerade mit einem Spaten auf der Schulter und ging dann auch ans Kartoffelbuddeln. Offenbar hatte er an der Priebenower Grenze die Sachen vergraben.» Georg ging erregt auf und ab. «Schade, schade! Immerhin: Sie haben viel erreicht, Herr Doktor, ich danke Ihnen.» Er schüttelte ihm die Hand «Und nun die Folgerung. Sie haben diese Entdeckungen in meinem Auftrag gemacht, also sind sie vorläufig die meinen, und ich bitte, vorerst völliges Stillschweigen darüber zu bewahren.» «Aber —» «Die Prämie bleibt Ihnen.» unterbrach Georg, «und selbstverständlich ebenso der Ruhm der Entdeckung. Es ist auch durchaus nicht meine Absicht, die Aufklärung des Falles Nollet etwa zu verhindern oder auch nur zu verzögern, im Gegenteil! Ich möchte nur aus bestimmten Gründen zunächst diese Entdeckungen auf meine Weise benutzen.» «Aber vergessen Sie nicht, dass keine Zeit zu verlieren ist!» «Ich vergesse es so wenig, dass ich in dieser Minute noch den ersten Schritt tun werde, der entscheidend sein wird! Also seien Sie unbesorgt! Auch werde ich,» fuhr er fort, als er noch die Absicht eines Einwandes in der Miene des Doktors bemerkte, «selbstverständlich sogleich Sie als den meisterhaften Aufspürer des Verbrechens nennen. Sind Sie nun zufrieden?» «All right,» sagte der Detektiv aufstehend. «Es wird das beste sein, Sie kehren sogleich und so schnell als möglich um