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E_1933_Zeitung_Nr.052

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u AUTOMOBIL-REVUE

u AUTOMOBIL-REVUE 1933 — N» 52 auf den Silberhemden der Messnerbuben. Vielleicht fühlte er die Angst der Menschen in den Bänken und das ganz tief in dieser Angst aufglimmende Misstrauen gegen die Neuerungssucht, vielleicht hörte auch er das Knattern von draussen, das wieder deutlich wurde, nun die Orgel schwieg, vielleicht auch war es ihm nur zu dunkel in den Ecken der kleinen Kirche —; er schritt zum Hauptschalter, der neben dem Altar war, er streckte die Hand aus, die Frauen begannen zu zittern, er drehte lächelnd am Kontakt Ein Zischen sauste im Raum wie von tausend Schlangen, ein Mantel jähen, gleissenden Feuers umlohte den Altar, der Priester schrie auf und schwang eine verbrannte Hand, ein geschwärztes Bündel Haut gegen die Gemeinde, ein hundertfacher Aufschrei antwortete ihm Und in irrem, sinnlosem, verzweifelten Flüchten stürzten die Menschen dem Ausgang zu, kehrten die beherztesten der Männer um, mitten im Fliehen, dem Priester zu Hilfe, schlugen mit Messern gegen die Leitungen, schrien verbrannt auf ... Draussen auf dem Platz vor der Kirche sammelten sich die Menschen, drängten sich zusammen in einem verstörten, kleinen Häuflein, blieben eine zitternde, winzige Herde mitten in der grossen, majestätischen Frühsonne. Aus dem Kirchtor stürmte zwischen sie der Lehrer, der von der Orgel, kam: «Ruhe!» schrie er, «nur ruhig bleiben! Nicht die Leitungen berühren! Es kann sich nur um Kurzschluss handeln! Um viele Kurzschlüsse... das Gewitter.,. man wird das feststellen .. .> Da löste sich aus dem Haufen einer, ein Alter, einer von denen, die keine Elektrizität haben wollten damals, ein Frommer — in seinen Augen war Angst, war auch Ueberzeugung, war etwas auch wie Irrsinn. Er fasste den Lehrer an beiden Schultern: Christine, blass und zitternd vor Schreck, sah ihn an, als ob der leibhaftige Beelzebub vor ihr stünde. Schnell wandte Georg sich um und winkte einem Auto. War das schlecht von mir? fragte sich Georg, als er davonfuhr. Aber sie wird sich bald erholen. Und — wer weiss — vielleicht brauche ich sie einmal als Zeugin, die gute Christine. So war er wieder bei seinem Schicksal angelangt, und auf dieser Fahrt zum Hotel noch fasste er den Entschluss, in der Frühe mit dem D-Zug nach Rostock •—Doberan zu fahren. Ihn ekelten diese Verbrechergeschichten da am Kolanzer See. Er •würde noch früh genug erfahren, wie die Sache abgelaufen war; am besten, er wahrte so viel Abstand wie möglich. Auf alle Fälle rief er vom Stettiner Bahnhof noch Sievers an, aber es meldete sich niemand, das Büro war wohl noch geschlossen. So fuhr er denn bei stürmischem Herbstwetter nordwärts. «Gerichtstag der Natur,> dachte er, als er auf die ans Wagenfenster wirbelnden Blätter blickte. Er richtete sich an diesem Gedanken auf. Alle Widerwärtigkeiten und Aufregungen, die er in diesen Berliner Tagen gehabt, die Lügen, zu denen man ihn gezwungen, sollten ihn nicht mehr Kurzschluss! Sag, Lehrer, was ist denn das: Kurzschluss?» «Die Elektrizität —» Der Alte Hess ihn nicht weiterreden. «Sag, Lehrer: was ist denn das: Elektrizität ...?» «Elektrizität.-^, man weiss das noch nicht so...» Die Fäuste auf des Lehrers Schultern wurden so schwer, dass sie den schmalen Mann fast niederdrückten: «So! Ihr wisst das noch nicht einmal, und Ihr bringt uns das in die Wohnungen, in die Kirche, das, was Ihr nicht einmal kennt? Das heisst Gott versuchen, Lehrer...!» Aus einem Hause neben der Kirche gellte ein Schrei. Der Alte Hess von dem Lehrer ab, er trat, von anderen gefolgt, in das Haus, tat eine Tür auf, blieb davor stehen, trat nicht ein: Auf dem Boden vor seinem Bett lag ein alter Bauer, der nicht in der Kirche gewesen war; er war aus seinem Bett auf den feuchten Boden gesprungen und war gelähmt ... «Der Boden ist ja feucht!» rief der unverzagte Lehrer, «seht Ihr nicht, dass er feucht ist!? Daher... der Blitz... das Wasser...» «Der Blitz!» schrie der Alte, und der Wahnsinn sprang aus seiner Furcht kreischend auf. «Das ist es! Ihr habt den Blitz gefangen in Eurem verdammten Netz aus Draht! Ihr wisst nichts, aber Ihr macht alles! Nun tötet er uns, der Blitz! Lasst den Blitz frei, damit er uns nicht alle tötet!» Ein Mann griff nach einem Stück isolierter Leitung, riss es von der Wand, seine Hand war verbrannt, ein zweiter griff zu, die Weiber schrien: «Macht sie kaputt, die Leitungen! Lasst den Blitz los! Gott will es!» «Fasst die Drähte nicht an!» brüllte der Lehrer — Der Alte schlug ihn nieder. Aus der Kirche kam der Pfarrer. Er bedrücken. Herunter mit euch welken Blättern! Eure Zeit ist vorüber! Er musste über* winternden Glauben an sich und sein Lebenswerk behalten. o Er streichelte den Foxterrier, der neben ihm auf dem Polster schlief. Er hatte ihn in Berlin im Terrierklub gekauft, zur Erinnerung an Annis kleinen Begleiter, dem er sehr ähnlich war. Und sogleich kehrten seine Gedanken wieder dorthin zurück, wo sie — erit jetzt kam es ihm zum Bewusstsein — heute' schön oft geweilt hatten, beim Ankleiden, beim Frühstück, auf der Fahrt nach dem Bahnhof, immer wieder war er in Gedanken bei Anni gewesen. Sie hatte nach ihm gefragt Hatte lebhaften Anteil an ihm genommen, hatte wissen wollen, wie man über ihn dächte... Seine Gedanken beschäftigten ihn so, dass er das Bücherpaket über sich im Netz erst nach zweistündiger Fahrt herunternahm und ein Buch aufschlug. Es war ein Teil der improvisierten Bibliothek, die er sich in Berlin in einer guten Buchhandlung zusammengestellt und die als Frachtgut nach Doberan folgte. Endlich, endlich würde er jetzt Zeit und Müsse finden, Mensch zu sein. Im stillen behaglichen Landhäuschen, in steter Nähe der Mutter, bei guten Büchern, wo man den lief an der Menge vorbei, die sich schreiend schreite, für bessere Aufklärung der Bevölkerung in bezug auf technische Dinge in die Häuser zerstreute, in das Schulhaus, ans Telephon. Er riss mit der heilgebliebenen Hand den Hörer vom Apparat, er meinten sie, ohne jeden Schaden abgegan- Sorge zu tragen. Fast alles würde, so rief: «Die Zentrale... die Zentrale des gen sein, wenn man jede Berührung m£*~ Elektrizitätswerks in Guerande... stellt den Leitungen vermieden hätte. Es wäre den Strom ab... schaltet den Strom aus... dann nur der Fall des gelähmten Bauern den Strom für Tresolan ... wir verbrennen übriggeblieben, der sich aus einer Undichtigkeit der Leitung und der einwandfrei in Tresolan ...» Draussen rannten Männer mit schmerzgekrümmten Händen vorbei, die Strassen festgestellten Feuchte des Bodens im Zimmer ohne weiteres erklären lasse. Was die entlang, die Wege entlang, über die Felder, Tatsache der vielen hundert Kurzschlüsse irgendwohin ins Land, gefolgt von wimmernden Frauen. Der Alte schritt über an allen möglichen Stellen der Leitung anlange, so Hesse sich darüber" infolge der von den Bauern verursachten Zerstörung die Strasse, schwang ein Beil: «Fällt die nichts mehr feststellen. Jedenfalls sei etwas Derartiges in der ganzen Geschichte Mäste! Sie wissen nichts, und sie wagen alles! Es ist Teufelswerk, der Strom.... der Elektrizität noch nicht vorgekommen; befreit euch!» vielleicht lasse es sich aus den besonderen Der Priester rief noch immer ins Telephon, unaufhörlich: «Die Zentrale ... hö- Ozean umgebenen Halbinsel erklären. Verhältnissen einer an drei Seiten vom ren Sie doch... Strom abstellen für Tresolan... Strom ab...!!» Er rief umsonst. Es hörte ihn niemand. Es konnte ihn niemand hören. Die Bauern hatten alles demoliert, was Leitung war. Die Verbindung war längst unterbrochen. Irgendwo, im Frühwind, schwang ein zerrissener Draht hin und her. Erst als die ersten Flüchtenden, Verbrannten im Nachbardorf ankamen, erst als von dort nach Guerande telephoniert worden war, wurde der Strom abgestellt. Es hatte kaum noch Sinn: Die Mäste waren gefällt, die Leitungen zerstört. Die technischen Sachverständigen, die, von der Regierung gesandt, schon am nächsten Morgen eintrafen, mussten unter polizeilicher Bedeckung arbeiten: Die Bauern nahmen eine drohende Haltung ein. Der Bericht, den die Sachverständigen nach langer, sorgsamer Untersuchung absandten, war sehr ausführlich. Sie schlugen vor, die Leitungen in unterirdische Kabel zu verlegen und, obwohl das eigentlich ihre direkte Zuständigkeit überalten Buchenwald in der Nähe, das Meer in der Ferne rauschen hörte — so würde sich vorläufig der Winter ertragen lassen. Und im Frühjahr soll dann, wenn alles vorbereitet ist, «das Pfund wuchern». — Er glaubte an eine sozialpolitische Tat, bei der ihm seine Erfahrungen im Auslande zugute kommen sollten, dem zerrütteten Heimatlande zum Nutzen. Ein Lebenstraum... Aber vorläufig schien noch die Zeit der unliebsamen Ueberraschungen zu sein. In Rostock erfuhr er auf Anruf bei Sievers, dass die Dvoraks zwar hinter Schloss und Riegel sässen, aber von einer Ueberführung könne noch keine Rede sein, alle leugneten beharrlich. Vielleicht werde eine gründliche Absuchung des Seegrundes die Wahrheit an den Tag bringen... In Doberan war während seiner Abwesenheit Fräulein Tölsch aufgetaucht. Sie hatte den neuen Besitzern von Priebenow sogleich gekündigt. Sie lasse sich nicht so einfach im Hause mitverkaufen wie ein altes Möbel. Ausserdem habe der Herr Direktor ihr die Ehe versprochen. So zeigte sie nicht übel Lust, in der ihr eigenen Hemmungslosigkeit sich mit Sack und Pack im Landhause Georgs einzuquartieren. Da war sie denn freilich bei seiner Mutter Der Leiter des Departements Niederloire, dem die Halbinsel von Guerande untersteht und dem dieser Bericht zuging, verglich ihn mit den Worten des Bauern, der zum Demolieren der Leitung aufgefordert hatte: sie fanden sich im vom Lehrer inspirierten Polizeibericht. Er verglich lange, und er fand einen Unterschied in der Ausdrucksweise. Es gibt nur eine Erklärung, dacht er, nur eine Entschuldigung für dies ganze, mystische und grauenhafte Geschehnis: dass es eben tatsächlich geschehen ist, geschehen in diesem Jahrhundert der Elektrizität — der Elektrizität, deren Wesen niemand kennt und die von der Unheimlichkeit und der Gewalt des eingefangenen Blitzes ist. Sonderbar, dachte er weiter, dass wir so selten daran denken und uns so selten fürchten —, und er unterstrich, bevor er die Berichte weitergab, den Satz: «Wir wissen nichts, und wir wagen alles!» an die Rechte gekommen. Stockgerade aufgerichtet, das tapfere alte Gesicht wie aus Stein gemeisselt, den welken Mund streng zusammengepresst, hatte sie eine Weile zugehört, dann mit energisch ausgestrecktem Arm ihr die Tür gewiesen, gerade als im Garten ein Dienstmann mit einer grossen Karre erschien, auf der sich ein gewichtiger Reisekorb, ein Koffer, zwei Pappkartons,und zwei Hutschachteln befanden, während «Tildeken» selber neben einem Regenschirm noch eine grüne Handtasche mit draufgesticktem Bernhardiner in Händen trug. (Forts, folgt.) Im Grünen oder Im Wagen Ist ^iQ fidel, schmeckt # hesser und ist billiger. O\V Verlangen Sie \ Proviant-Tasche Fr. 10.80 fQr 2 Personen Auto-Tourlng-Sack für 6 Personen Reformhaus zur Meise Münsterhof n=W^t Zürich AutlerAusf lugsziele aus derMiflelschweizj Auto-Polsterungen reinigt und färbt OHNE STOFFABTRENNUNG konkurrenzlos und in kürzester Zeit nach pat. 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N 52 - 1933 AUTOMOBIL-REVUE 15 EEODP Dia werktätigen Pariserinnen. Die Frage des Frauenberufes hat für Paris, «die leuchtende Hauptstadt der Welt» des 18. und 19. Jahrhunderts, seit alters bestanden. Vielleicht wurde sie dort «spielend» in Angriff genommen; die «Midinette», der «trottin», die «grisette» sind traditionell. Das fleissige, handwerklich hochgebildete Volk von Paris, das Zentrum der verfeinernden Gewerbe, hat seine Töchter frühzeitig in die Verkaufsläden, die (Gewerbe) Ateliers geschickt. So ist die werktätige, grundsätzlich hübsche, Pariserin zu einem Typus der Literatur und weit über alle Feuilletons hinaus in der Vorstellung Europas geworden und geblieben. Nun hat sich Emanuel Berl, der bekannte französische Publizist und Pazifist, die sympathische Aufgabe vorgenommen, das Leben dieser jungen Damen ohne Damenerziehung und ohne die finanziellen Privilegien der Damen soziologisch zu beleuchten. Er untersucht die Lage der Verkäuferin, der «dactylo» (Typistin), der gebildeten «Hilfsarbeiter» und die allgemeinen Lebensbedingungen aller. Er kommt zu dem nicht erfreulichen Resultat, dass die junge Werktätige auch von Paris «ihren Lebensunterhalt eigentlich kaum zu bestreiten vermag». Ihre Tragik ist darin beschlossen, dass sie immer ihre Freiheit, ihre menschliche Entfaltung vor sich, aber immer nur vor sich sieht. Auch wenn sie sich mit einer sehr unreinlichen Stube abfindet, muss sie für diese 70 franz. Fr. bezahlen, für Mahlzeiten 15 Fr. täglich, für Fahrten zur Arbeitsstätte etwa 60 Fr., dazu kommt Wäsche und vor allem Kleidung. Eine Arbeitsbluse, die gar nicht lange hält, kostet 20 bis 30 Fr., ein Paar schlechter Schuhe 60, ein solides Paar 100 Fr. Ein Paar Strümpfe 10—15 Fr. Dies alles macht schon 600 bis 700 franz. Fr. aus für einfachste Bedürfnisse, das Gehalt aber bleibt nicht selten darunter, vor allem bei Einrechnung der Sozialbeiträge. Und dieses Einkommen ist nicht zuverlässig. Erwerbslosigkeit, blosse Saisonarbeit, und in einigen Gewerben die Feiertage, durchlöchern es. Der Unternehmer hält daran, fest, dass das Einkommen der Frau ein Taschengeld, ein Zuschuss sei. Die Werktätige wird als verheiratet unterstellt oder als mit der elterlichen Familie zusammenlebend. Und die Werktätige will im Gegenteil frei und «unabhängig» sein. Die Zahl der Eheschliessungen verringert sich ja auch sonst, und auch der französische Ehegatte hält sich heute, entgegen dem noch geltenden Code Napoleon, nicht mehr für das Haupt und den Ernährer seiner Frau. Die Frau aber und das werktätige Mädchen sind in Wahrheit allein, obgleich sie es nicht dürfen oder sollen: die Arbeit hält sie von Mann oder Familie fern, und in einer BDBGB ff (EB "H" SE EP/ö&inj Die arbeitende Frau merkwürdigen Dialektik des Geschehens erscheint sie, die nach getaner Arbeit noch Haus und Kinder versorgen muss, dem Mann als die .Verkörperung jener Armut und unentrinnbarer Unordentlichkeit, gegen die sich beide wehren. Ihre Zeit erlaubt ihr nicht, das Haus zu fliehen, wie es doch der Mann tut. Die Werktätige muss rechnen, die Defizite feststellen, mit den Händlern streiten. Das Dejeuner, für den Pariser so wichtig, im Physiologischen wie im Psychischen, kann sie nicht mit dem Manne einnehmen. Der Mann isst in den kleinen Restaurants, er «entdeckt» immer noch irgendeinen «netten Kerl von Wirt», eine Spezialität im Essen. Er erlebt die Poesie der kleinen Pariser ( Kneipe; die werktätige Frau aber muss 'sich mit dem «refectoire» begnügen, dem Erfrischungsraum der Angestellten, ihren Nerven fehlt jede Veränderung. Das Essen ist dort freilich billig, nur dass mit der Dauer der Einrichtung auch die Portionen immer bescheidener werden. Und diese Erfrischungsräume sind noch die Ausnahme, in den meisten Betrieben begnügt man sich mit einem Winkel und mit einem belegten Brot. Die Typistinnea, die besser gestellten Verkäuferinnen usw. im Zentrum von Paris essen wenigstens in den Volksrestaurants, den Automatenbüfetts. Die alleinstehende Werktätige wohnt zumeist in den in Paris bekanntlich sehr hässlichen und armseligen möblierten Zimmern der billigen Privathotels. Lebt sie mit ihrer Familie zusammen, so ist sie dort zumeist noch Mädchen für alles. «Du bist doch jung genug», oder «Du bist noch nicht zu Bett gegangen», diese Feststellungen berechtigen zu allen Ansprüchen gegen sie. In den anständigen kleinbürgerlichen Familien kommt dazu eine von dem Ausländer nicht geahnte traditionelle Sittenstrenge, in dem sittlich entgegengesetzten Milieu ein peinlicher sittlicher Stumpfsinn. In den eigentlichen Arbeitervierteln, den Faubourgs St-Denis, St-Martin, der Gegend der Chapelle, sind die Wohnungsverhältnisse gleich unbehaglich und unhygienisch wie seit Jahrhunderten; in den modernen Arbeiterkasernen, mit dem Goncierge als Kommandanten, ist der Raum ausserordentlich beschränkt. Eine «Türzahl 340, Treppe 7» etwa ist nicht aussergewöhnlich. Der Rationalismus ist hier erträglich, solange die Einrichtungen neu sind, nach einigen Jahren jedoch summieren sich die Schäden, die nicht repariert werden. Riskiert die Werktätige aber, in einem Gartenviertel zu wohnen, so riskiert sie auch, falls sie keine Arbeit in der Nähe findet, ihre ganze Tageszeit. Dabei ist es interessant, dass die arbeitende Frau immer entweder in die Häuslichkeit vernarrt ist oder Tod einer Schönheitskönigin Zeitungsnotiz. Aus Chicago wird gemeldet: Die französische Schönheitskönigin, Fräulein Teppac, die an der Schönheitskonkurrenz auf der hiesigen Weltausstellung teilnehmen sollte und erst dieser Tage in Chicago eingetroffen war, ist in einem hiesigen Krankenhaus an den Folgen einer Magenvergiftung gestorben. Die französische Schönheitskönigin war nach Chikago gekommen, um Amerika ihrem Reiche einzuverleiben. Das ist nämlich das tragische Schicksal der Schönheitsköniginnen. Es ist ihnen nicht etwa vergönnt, friedlich auf ihrem Thron zu sitzen und ihre Untertanen glücklich zu machen. Sie müssen vielmehr fortwährend Krieg führen. Gegen andere Schönheitsköniginnen, die ihnen Rang und Reich streitig machen. Diesmal war Chikago Kriegsschauplatz. Dort findet gegenwärtig die grosse Weltausstellung statt, und unter anderen Wundern soll auch die wunderschönste Frau der ganzen Erde gekrönt und gezeigt werden. Bevor aber die Königsmacher zusammentraten und das Urteil des Paris sprechen konnten, ist die Französin aus der Konkurrenz ausgeschieden. Aus triftigen, aus zwingenden Gründen. Der Tod, gegen den Kaiser und Könige ohnmächtig sind, hat sie hinweggerafft. Und während in irgendeinem festlich geschmückten Saal die Schönheitskronprätendenten ans alter Herren Länder vor den gestrengen Richtern vorbeidefilieren werden, hoheitsund siegesbewusst die einen, kokett lächelnd und verführerisch lockend die anderen, liegt auf einem schmalen weissen Spitalbett die Leiche eines armen kleinen Mädchens. Irgendwo in ihrer Heimat harren vielleicht Eltern und Geschwister aufgeregt der Nachricht von sie völlig vernachlässigt. Ist sie verheiratet, so entwickelt sie erstenfalls oft einen Reinheitsmasochismus. Die Beziehungen zu den Nachbarn, zur Hausbesorgerin, werden von zwei Gestirnen regiert. Entweder gilt die Werktätige für «schlicht» (simple), dann darf sie keine Blume in eine Vase stecken, die Kinder nicht nett anziehen — oder sie steht, umgekehrt, unter dem Zwang des «Schicklichen» (des convenable). Dann lebt sie in der beständigen Angst, sich etwas zu vergeben und für eine gewöhnliche Arbeiterin .zu gelten, p. . Hautbehandlung mit Zitrone. Eine für uns neue Art der Behandlung der Hände mit Zitrone ist spanischen Ursprungs. Damen aus der Umgebung der spanischen Königin haben dieses Rezept mit in die Verbannung nach Paris gebracht. Weisse, baumwollene Handschuhe, deren Inneres man nach aussen gekehrt hat, beträufelt man tüchtig mit Zitronensaft. Diese Handschuhe trägt man während der Nacht. Wenn man sie am Morgen auszieht, reibt man kräftig mit der Schale der Zitrone über Finger und Handflächen. In der Schale und dem Saft der Zitrone sind Substanzen vorhanden, die eine bleichende Wirkung haben, ohne irgendwie ihrem grossen, ihrem überwältigenden Sieg. Unterdessen rauft sich ihr Manager verzweifelt die Haare. Geschäft ist Geschäft, and diesmal war es entschieden ein schlechtes Geschäft. Man hat des öfteren nachgeforscht, was denn das Schicksal derer geworden ist, die sich wenigstens wochen- und monatelang an dem stolzen Gefühl berauschen konnten, die Schönste im ganzen Land zu sein. Allzuviel Erfreuliches ist dabei nicht herausgekommen. Gewöhnlich bewährte sich zur Hälfte wenigstens das alte Sprichwort: Schönheit vergeht, Tugend besteht. Die wenigsten Schönheitsköniginnen haben weiter Karriere gemacht. So schnell, so grausam freilich ist selten eine • Karriere abgerissen wie diesmal. Wenn aber der Manager die erste Verzweiflung überwunden haben wird, dann dürfte er sich bittere Vorwürfe machen. Und nicht ganz mit Unrecht. Er hat wahrscheinlich gemeint, seine Pflicht getan zu haben, wenn er das reizende Gesichtchen oder die schönen Beine seines Schützlings hoch versicherte. Im übrigen hat er es versäumt, sich bei den Managern von Boxern oder Meisterschwimmern Rat zu holen. Die kontrollieren nämlich Tag und Nacht den Mann, den sie unter ihre Fittiche genommen haben. Der Manager der Schönheitskönigin hingegen hat es ruhig zugelassen, dass diese augenscheinlich einen allzu gesegneten Appetit entwickelte. An einem Diätfehler ist sie zugrunde gegangen. Naschhaftigkeit ist bei gewöhnlichen Sterblichen eine lässliche Sünde, Monarchen aber kann sie, wie man sieht, die Krone kosten und das Leben dazu. schädlich zu sein. Der Säuregehalt der Zitrone schliesst die Poren, die sich durch Kälte oder andere Ursachen vielleicht geöffnet haben. Dadurch sind die Blutgefässe, die dicht unter der Haut liegen, besser bedeckt und geschützt; denn die Zitronenbehandlung macht die Haut zugleich fest und glatt. Zur Behandlung des Gesichts und des Halses, die, um zur weiblichen Lockenfrisur zu passen, wieder weiss und zart scheinen sollen, vermengt man Zitronensaft mit Milch zu gleichen Teilen. Dann entsteht eine Art geronnener Milchcreme. Diese streicht man über Nase, Wangen und Hals und berücksichtigt dabei -besonders die Stelle unter der Kehle, die wie ein «V» aussieht, denn sie nimmt immer am schnellsten eine Röte oder eine Bräunung an. Um die etwas austrocknende Wirkung der Zitronenkur aufzuheben, reibt man die Haut von Gesicht, Hals und Händen einmal wöchentlich mit warmem Olivenöl ein. Diese neue Kur ist nicht kostspielig und hat für alle Damen eine gleich gute Wirkung. Mutter: «Wer hat dir die Blumen geschenkt ? » Tochter : « Ein gewisser junger Mann. > Mutter : «Nenne einen Mann nie gewiss, bis er dich geheiratet hat.» ALLES für die HAARPFLEGE der modernen DAME TAGES-, SPORT- und GESELLSCHAFTS- FRISUREN Ausgeführt von ersten Kräften zu zeitgemässen Preisen im SALON „CECIL" G. 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