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E_1933_Zeitung_Nr.056

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Umgäbe: Deutsche Schweiz BERN, Dienstag. 4. Juli 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 56 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dientag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste« Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ••fern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Beiteilung 30 REDAKTION o. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung Hl/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Intcratenschlnss 4 Tage Tor Erseheinen der Nnmmern Vermeidet den Lärm! Sicherlich gibt es Leute, die Motorengeknatter und Autohupen als Ausdrucksmittel für das Tempo: unserer Zeit zu würdigen wissen. Die überwiegende 'Mehrheit der Zeitgenossen aber, in ihrem Emipfindungsleben durch Eindrücke aller Art beeinträchtigt, wird auf die Begleitmusik des neuzeitlichen Verkehrs gern verzichten. Sie erhebt seit langem die Forderung, dass Massnahmen gegen den Verkehrslärm .getroffen werden sollen, muss jedoch feststellen, dass der Abwehrkampf bisher nicht durchwegs erfolgreich gewesen ist. Dabei soll nicht übersehen werden, dass, namentlich in den gesetzlichen Bestimmungen für das Motorfahrwesen das Bestreben, den Strassenlärm zu mindern, unverkennbar ist. Nicht : nur setzt die Zulassung eines Fahrzeuges zum Verkehr voraus, dass eine Belästigung von Personen durch Geräusch ausgeschlossen ist, es ist auch dem Führer zur Pflicht gemacht, eine derartige Belästigung unter allen Umständen zu vermeiden. So bestimmt Artikel 21 .des..,Mf. Gv:~«Def Führer hat dafür zu sorgen, dass kein übermässiger Lärm, Rauch oder> Qerueh entsteht. Das Motofahtzeug muss mit einer Schalldämpfungsvorrichtung versehen sein.» Die Fassung der Vorschriften über das Abgeben von. Warnungszeichen ist stets mit Schwierigkeiten insofern verknüpft gewesen, als dem mit ihnen an sich verfolgten Zweck der Warnung das. Interesse der Allgemeinheit an Verhütung unnötigen Lärms entgegenstand. Man hat daher vielfach die Benutzung von Signalinstrumenten zur Abgabe anderer als unbedingt notwendiger Warnungszeichen ausdrücklich verboten. Art. 20 des Gesetzes besagt von der Warnvorrichtung, sie sei zu gebrauchen, wenn es die Sicherheit des Verkehrs erfordere. Die Vollziehungsverordnung schreibt ergänzend vor, dass grundloser und übermässiger Gebrauch der Signale verboten ist und diese in Ortschaften besonders kurz zu geben seien. Aber wie im Verkehrsleben im allgemeinen, so ist es auch auf dem Sondergebiet des Lärms: die bestgemeinten gesetzlichen Vorschriften nützen nichts, wenn neben ihnen nicht auch die ungeschriebenen Regeln der Erfahrung und des Anstandes berücksichtigt weTden. Auf das Hupen bezogen heisst das: jeder Fahrer sollte sich darüber im klaren sein, dass Warnungszeichen ein notwendiges Uebel sind, und demgemäss seine Fahrweise F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel Roman von Karl Strecker. so einrichten, dass er — von Amiahmefällen abgesehen — auf sie verzichten kann. Inwieweit die Berücksichtigung dieser Regel dem Einzelnen möglich sein wird, hängt natürlich ausser vom guten Willen auch von den Fähigkeiten ab. Aufgabe aller an der Verkehrserziehung beteiligten Instanzen sollte es sein, dem Grundsatz hupfreien Fahrens allmählich Geltung zu verschaffen. Versuche, die mit Unterstützung der Polizeibehörden in einer Anzahl deutscher Städte unternommen worden sind, haben ergeben, dass bei einigermassen vorsichtigem, den jeweiligen Orts- und Verkehrsverhältnissen angepasstem Fahren die Anwendung der Hupe fast völlig entbehrlich ist. Das Ergebnis ist wertvoll genug, um im Sinne einer planmässigen Erziehung zur Lärmverminderung verwendet zu werden. Nicht ohne Bedenken aber steht der Verkehrstechniker Einzelveranstaltungen gegenüber, wie sie unter der Bezeichnung « Hupfreie Woche» etwa jn „Kurorten durchgeführt werden. Hier, "wo "das Erfordernis der Ruhe ein wesentlicher Heilfaktor ist, hat man in der ver- schriften die Verpflichtung zur Abgabe von Warnungszeichen abhängig gemacht ist. So ständlichen Absicht, völlige Lärmfreiheit zu hat sich in Ländern, wie z. B. England, in erreichen, an die Fahrzeugführer die Auf-deneforderung ergehen lassen, für eine bestimmte cher Weise Selbstdisziplin üben, eine merk- alle am Verkehr Beteiligten in glei- Zeit das Hupen überhaupt zu unterlassen. liche Abnahme des Hupenlärms gezeigt. Gewiss ein erstrebenswertes Ziel — aber ist Des weiteren wird bei der Heranbildung die Verantwortung tragbar, die man mit einer derartigen Aufforderung übernimmt? Sie stellt nichts anderes dar als — unter Umständen — eine Anstiftung zu einer gesetzwidrigen und damit strafbaren Unterlassung. Denn niemand wird bestreiten können, dass auch der gewandteste Fahrer in Situationen geraten kann, in denen ohne Warnungszeichen einfach nicht auszukommen ist. Dass hier der Fahrer, der die Aufforderung befolgt, sich strafbar macht, ist noch das wenigste; viel grösser aber ist die Verantwortung, wenn eine Massnahme, die Tausenden Ruhe und Erholung sichern soll, mit auch nur einem Menschenleben bezahlt wird. Und dieses Ergebnis kann nur zu leicht die Folge einer sicherlich gutgemeinten Veranstaltung sein. Wir sind uns "alle darüber einig, dass das Lärmproblem seiner Lösung entgegengeführt werden muss. Soweit es sich um Geräusche handelt, die sich aus der Konstruktion der Motorfahrzeuge ergeben, ist die Industrie bemüht, Abhilfe zu schaffen. Bei dem Lärm der Hupen muss berücksichtigt werden, dass irre geworden. Trotzdem war der Druck ihrer Hand so fest und warm, dass ihm das Herz schneller schlug. Sie erzählte, dass ihre Mutter zurzeit in Nürnberg weile, aber heute noch zurückkehren werde. Sie wolle sich bei Frau Geheimrat Stockhausen bedanken für das grossartige und völlig überraschende Geschenk der Villa. «Ja, denken Sie nur, Herr Nicola, Sie wissen wohl noch gar nicht?» Georg tat überrascht und folgte ihrer Erzählung von der Schenkung des Grundstücks mit sichtlichem Erstaunen. Er fühlte, in ihren Anblick versunken, wie langsam alles von ihm abfiel, was ihn bedrückt, gequält und traurig gemacht hatte. Er befand sich hier in einer anderen Welt, wie auf einem anderen Stern. Ein Gefühl der Reinheit, von der er kaum noch geträumt, strömte aus ihrem Wesen. So berückend hatte nur einmal — vor Jahr- (27. Fortsetzung) Georg ging schon am nächsten Tage ans Werk. Zwar war es in jener Zeit nicht leicht, eine gute Wohnung zu bekommen, aber für Geld Hess sich unter der Hand auch d a s erreichen. Sein Bruder hatte mit mehreren Agenten in grossen Städten in Verbindung gestanden. Er suchte die Adresse heraus und gab die entsprechenden Aufträge. Er selber reiste am folgenden Tage nach Süddeutschland, ohne eine bestimmte Adresse zu hinterlassen. 26. Angemeldet durch das Bellen Strolchs, dann durch ein freundliches Dienstmädchen, fand Georg Anni allein in der ehemaligen Stockhausenschen Villa. Sie legte ihre Weihnachtsarbeit beiseite und empfing ihn mit zehnten — ein holdes Geschöpf ihn mit den einem Lächeln, das keine Höflichkeit und auch frühlingsblauen Augen angeblickt. Jene Zeiten seiner Jugend grüssten aus diesem rosi- keine besondere Form des Grusses, sondern ein einfaches Ausstrahlen ihres warmen Wesens war, das aber zugleich, wie Georg neuen Weg vor sich, der allen Gespenstern gen Gesicht. Ihm war, als sähe er nun einen stutzend bemerkte, von einem nachdenklichen seines Schicksals versperrt blieb, als müsse Ernst überprüft und gedämpft wurde. er an ein Wunder glauben, das ihn erlösen Georg glaubte sogleich die Lage zu erkennen. Anni, ihm ursprünglich wohlgesinnt, war Mittlerweile bemerkte Anni betroffen das wollte. durch irgendwelche Beeinflussung an ihm innige Leuchten seines Blicks, den schweren er als Wairntniittel notwendig ist und, solange für ihn kein Ersatz gefunden ist, nicht ganz entbehrt werden kann. In der Nachtzeit lässt sich ja das akustische Signal grösstenteils - vermeiden, indem das optische Zeichen an seine Stelle tritt. Diese Möglichkeit ist auch vom Gesetzgeber bereits ausgenützt worden und nachdem einzelne Kantone, so Basel-Stadt, führend vorangegangen sind, schreibt nun auch die Vollzugsverordnung zum eidg. Gesetz vor, dass innerorts von 23 Uhr an bis zum Eintritt der Tageshelle das akustische Signal durch das Lichtzeichen zu ersetzen ist und das Lautsignal nur in Notfällen gegeben werden darf. Diese Regelung beschränkt sich aber aus naheliegenden Gründen auf die Nachtzeit, so dass der dauernde Ersatz der Hupe noch nicht besteht. Ein solches Ersatzmittel wäre vor allem gesteigerte Aufmerksamkeit der übrigen Strassenbenützer. Wenn diese die eigentlichen Interessenten an der Verminderung des Lärms sind, so sollte die Aufklärung an ihnen nicht vorübergehen. Lässt das Publikum im Strassenverkehr die erforderliche Vorsicht walten, so fehlt es an der Voraussetzung, von der in den gesetzlichen Vor- des Nachwuchses an Motorfahrzeuglenkern Wert auf die Belehrung gelegt werden müssen, dass Hupenzeichen immer das Reservemittel sein sollen, auf das nur äussersten Falles zurückzugreifen ist. Im übrigen aber soll die gesamte Fahnveise, insbesondere eine den jeweiligen Verhältnissen entsprechende Geschwindigkeit, Berücksichtigung des Vorfahrtrechtes u. a., dem Gesichtspunkt der Unfallverhütung Rechnung tragen. Warnungszeichen sind nicht da, dem Fahrzeug ein rascheres Vorwärtskommen zu ermöglichen. Die Beobachtung dieser Richtlinien wird nicht allein durch polizeiliche Ueberwachung zu erreichen sein. Immer erneute Hinweise der mit Verkehrserziehung und Unfallverhütung sich befassenden Organe werden von grösserem Nutzen sein. In diesen Zusammenhang gehört auch die Mitarbeit der Bäder und Kurorte. Ihrer aufklärenden Tätigkeit über das Ruhebedürfnis ihrer Gäste wird niemand Gehör versagen. Nur hüte man sich vor Veranstaltungen, die durch einen unglücklichen Zufall der guten Sache schädlich werden könnten. Gr. Klang seiner Stimme und ein leises Zittern seiner Hände. Und als erwecke ihre ernster werdende Miene in ihm die Furcht, dass ihm jetzt ein letztes Glück für immer entschwinden könnte, sprang er, vor Erregung bebend, auf, fasste ihre Hand und bedeckte sie mit heissen Küssen. Purpurrot schoss Anni in die Höhe, zornig blitzten ihre Augen ihn an: «Herr! sind Sie —?» ihr fehlte der Ausdruck. Sie machte einen entschlossenen Schritt nach dem Klingelknopf an der gegenüberliegenden Wand. Georg hob, mit Tränen kämpfend, die gefalteten Hände: «Fräulein Anni, lassen Sie sich erklären! Sie sind ja für mich das Ebenbild Ihrer Mutter!» Anni blieb stehen. «Sie sind ja das Traumbild meiner Jugend, meiner heiligsten Sehnsucht. Sie sind für mich Zur gefl. Beachtung Die Subskription auf O. R. Wagners Automobilführer durch die Alpen wird am 5. Juli geschlossen. Wer dieses prächtige Werk noch zum Vorzugspreis von Fr. 6.40 zu erhalten wünscht, wolle seine Bestellung entweder bei seinem Buchhändler oder direkt bei uns sofort einreichen, nachher kostet der Führer Fr. 8.—. Näheres finden Sie auf Seite 8 dieser Nummer. Verlag Hallwag Bern Abteilung für Autotouristik. Anni sah ihn noch immer erregt und mit wogender Brust nachdenklich an. «Und so stark» — sie stockte — «ist heute noch dies —» Ihre Lippen formten das Wort «Gefühl», ohne es auszusprechen, und sie wurde wieder rot. «Ja, heute noch!» Er stand auf. «Sehen Sie, das ist es ja, was mich wieder hertreibt. Ich kann Ihre Mutter nicht vergessen!» Er fuhr sich, ruhiger geworden, mit dem Taschentuch über das Gesicht und sagte mit schmerzlichem Lächeln: «Es ist ja wunderlich genug, der Mutter in der Tochter eine Liebeserklärung zu machen —» «Aber Sie haben doch viele Jahre gar nichts von sich hören lassen?» Es lag ernstes Mitfühlen in ihren Worten. «Ich hoffte, diese Leidenschaft würde sich legen.» «Soviel ich weiss, ahnt meine Mutter gar das Höchste, Schönste, Vollendetste — — nichts davon. Mir widerstrebt es natürlich, meine erste Liebe —» er verstummte, nahe davon zu sprechen, aber ich bin gewiss, dass daran, sich zu verraten. zwischen Ihrem Bruder Georg und meiner «Ihrer Jugendliebe?» Mutter eine — eine Neigung bestanden hat. Georg nickte statt einer Antwort vier-, Jedenfalls hängt sein Bild, nach einer Photographie vergrössert — noch im Schlafzim- fünfmal mit dem Kopf. «Ich denke, es war Ihr Bruder, der meine mer meiner Mutter.» Mutter geliebt hat?» «Wirklich?» rief Georg mit unterdrückter «Nein, ich bin mein Bruder — das heisst: Freude, fuhr aber sogleich in ruhigem Ton ich liebte Ihre Mutter ebenso wie er, vielleicht fort: «das ahnte ich natürlich nicht.» noch mehr!» Anni hob ein wenig zaghaft die seidigen