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E_1933_Zeitung_Nr.055

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10 AUTOMOBIL-REVUE —

10 AUTOMOBIL-REVUE — REVUE AUTOMOBILE 1933 - N°55 dankte Napoleon ab, sie wurde von den Augustinern des Grossen St. Bernhard angekauft und zum Hospiz verwandelt. Im Hospiz kann man heute noch unentgeltliche Verpflegung und Unterkunft finden, aber nur, wenn man nicht als Besitzer oder Mitfahrer eines Automobils erkannt wird. Für die Automobilisten ist das Hotel da, sagen die freundlichen Mönche. Wer einmal ihre Gastfreundschaft in Anspruch genommen hat, wird, sie nicht vergessen. Die Touristen tafeln mit hochgebildeten geistlichen Herren am gleichen Tisch, es wird keiner nach Namen und Gesinnung gefragt, er erhält von dem kräftigen, luftgetrockneten Fleisch und vom guten roten Wein. Es ist selbstverständlich, dass Touristen einen Betrag, der mindestens der Zeche entsprechen würde, in den Opferstock legen. Die Galerien der Simplonstrasse sind fast so berühmt wie die der Uffizien und des Louvre. Wir können sie also übergehen. Rhonegletscher. Es ist leider nicht abzuleugnen: seit die Menschen zu den Gletschern kamen, haben die Gletscher sich zurückgezogen. Vielleicht aus eisiger Höflichkeit, wer weiss? Die Reisenden in früherer Zeit hatten manche Schwierigkeit mit den abergläubischen Landleuten. Viele behaupteten, seit dem Kommen der Fremden seien ganze Gletscher und Landstriche verschwunden. Der Gletscher ist kein Flohspiel, auch der Rhonegletscher nicht, seilen Sie sich, ohne Regenschirm, aber mit dem Eispickel bewaffnet, an den Lotsen, den patentierten Führer, der die Gletscherspalten besser kennt, als die Gletscherflöhe seinen Hosensack! Der oberste Teil des Wallis, das Goms, ist ein 60 km langes, etwas weites Tal. Man Dorfteil von. Visp. — Un coin pittoresmie de Viee». tnuss schon in die Dörfer gehen, um etwas Interessantes zu finden. Des Interessanten gibt es jedoch genug. Das Dorf Ernen, im Eingang zum Binnental gelegen, war früher der Hauptort des Landes. Die meisten Häuser dieses Dorfes stammen aus dem Mittelalter; das «Teilenhaus» ist das älteste Gomser Haus überhaupt. Den alten Richtplatz erkennt man noch an zwei Säulen, die auf einer reizvollen Anhöhe der Umgebung stehen. Vielleicht wollte man dem Gehängten die Schönheit der Welt als eine Art Henkersmahlzeit noch recht eindrücklich vor Augen führen, oder vielleicht den Gomsern den Gehängten? Uebrigens war im Mittelalter, wie in der französischen Revolution die Guillotine, der Galgen eine bessere Todesstrafe. Die gemeinen Verbrecher wurden hier bis spät in die Neuzeit hinein verbrannt. Als einmal ein ausländischer Handwerksbursche gehängt werden sollte, reklamierten die Gomser entschieden : « Der Galgen ischt fir ünsch und tinschere Nachkomme, und nit fir jede frönde Hudel.» Die Dörfchen des Goms sind eng zusammengescharte braune Holzhütten mit weissen Kirchen, die wie weisse Mutterschafe über ihre braunen Kleinen daherschauen. Die Gomser wissen, dass sie der Welt den bedeutendsten Schweizer Kardinal Schinner geliefert haben und befleissen sich der Frömmigkeit. Aber auf ihre Weise. Die Gomserin sagt zu ihrem Buben vor dem Bild des kreuztragenden Heilandes: «So, Bueb, zieh ab 's Chapelti (Käppiein), nimm usa 's Bättelti (Betlein — Rosenkranz) und bitracht, wiesch da arm Tifel umagjätet heind.» Ein Blick ins Binnental, das zum Albrunpass hinaufführt: (Photo Dubost, Montana.) Blick in das Dorf Stalden an der Gabelung des Nikolai- und des Saastales. Die Häuser zeigen die charakteristische Walliser Bauart. (Photo Dubost, Montana.) Stalden, ä la bifurcation des vallees des Saas et de Saint-Nicolas avec ses maisons de si pur style valaisan. das Dorf Binn hat grosse Sammlungen von Kristallen, die die Strahler aus den Felsenmauern der Berge herausgehoben haben. Was hat wohl die Menschen gelockt, auf den Höhen Wohnsitz zu nehmen und wie Schwalben ihre Nester an die Felsen zu kleben? Die Täler des Wallis waren schon in dunkelster Urzeit bewohnt, wenn wir auch nicht genau wissen, welche Stämme Livius und Herodot ins Wallis verlegen. Ob es mit den Hunnen und Sarazenen etwas auf sich hat, die im Eifisch- und Eringertal von ihren wilden Pferden abgesessen sein sollen, weiss man nicht genau. Die Gelehrten finden nichts dahinter. Aber vielleicht ist doch etwas daran, denn in diesen Tälern wohnt ein Reitervolk. Freilich reiten sie nicht auf wilden Rossen, sondern auf zahmen Maultieren einher. Der «mulet» ist hier das populärste und wohl auch das billigste Beförderungsmittel. Fast in allen Tälern begegnet man diesen «zügellosen» Reitern. Der Bauer sitzt nicht rittlings auf dem Tier, sondern lässt beide Beine auf die linke Seite fallen. Auch die Frauen reiten so, wie auf dem Bild von Greuze, das man hin und wieder auf Bonbonchachteln findet. Sie stricken dazu und stossen von Zeit zu Zeit, besonders wenn der Esel sich nach einer Distel am Wegrand bücken will, einen Zuruf aus: «Tiau, tiau!» Mit diesen Tieren ist man nicht weichmütiger als in andern romanischen Ländern. Der Treiber, ffer "neben dem Lasttier geht, "lässt sich von ihm gerne über eine Felsenstufe emporziehen, indem er sich am Schweif des Maulesels festhält. Mit Tierschutz darf man weder den Leuten noch den Mulets kommen. Der Maulesel frisst den Zucker schon, aber er dankt vielleicht mit einem kleinen Rippenstoss. Im Val d'Herens sind die Leute von einer aufgeweckten und selbstbewussten Liebenswürdigkeit, wie man sie in Alpentälern sonst selten findet. Frauen und Kinder tragen noch ihre Jahrhunderte alte Tracht, aus selbstgewobenem und gesponnenem Zeug. Schon die kleinen Mädchen tragen lange schwarze Röcke und ein Hütchen zum roten Halstuch und roten Mieder. Das Postauto und die Fremden haben diesem Volk noch nichts getan. Die Frauen stricken immer, auch wenn sie Ziegen und Kühe hüten, sie sind immer geschäftig. Die Männer haben abends in den kleinen Schenken viel zu verhandeln. Die Walliser Kühe sind gedrungen und fuchsrot, Kreuzung von einem Wisent und einem Dackel. In diesem «Eringer-Schlag», wie der Viehkundige die Rasse nennt, soll das Ur-Rind sichtbar sein. Hier sind noch Tierkämpfe im Schwang, vor dem Alpaufzujjv den die rauflustigen Kühe zur ErheiteruiJ Dorfleute aufeinander losgelassen; die siegreichste wird prämiiert und zur Leitkuh ernannt. Die Anniviarden sind ein gastfreundliches Volk. Sie schenken ihren Gletscherwein gerne aus und laden zur Raclette, wen es sei. An gewissen Sonntagen nämlich ziehen ganze Dörfer, mit Käse, Wein und Brot bewaffnet, in den Wald hinaus. Am offenen Feuer wird der'Käse ! abgeschtnötzien Unä 1 alfe ein wohlschmeckender Brei aufs Brot gestrichen. A propos Brot: das berühmte Walliser Schwarzbrot, das häufig noch in den Gemeindebacköfen hergestellt wird, ist eine säuerliche Kuriosität, aber wenn es sechs Wochen alt ist, Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Der pflichtbewusste Autler ist dafür besorgt, dass er nicht blendet, dass seine Scheinwerfer uorschriftsgemäß eingestellt sind. Wir besorgen Ihnen das auch am Tage prompt und zuverlässig. Wir montieren vorschriftsgemäss: Winker Scheibenreiniger Stoplampen Hörner Scheinwerfer alle Fabrikate wie Bosch. Scintilla etc. Auto-Elektrowerkstätten Jost & Bucher Zürich - Pfingstweidstrasse 59 -Tel.37.328 L'Oncle Balade est toujours pret ä räpondre ä qni lui demande conseil. Oü que vons allicz, dans n'importe quel pays, il vous donnera tous les renseigncments däsirables. Faiteslui donc part aujourd'hui meine de vos vos projets de voyage. Tons renseignements touristiques absolument gratuits par le Bureau de Tourisme de la Revue Automobile Berne. 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N° 55 - 1933 REVUE AUTOMOBILE — AUTOMOBIL-REVUE 11 nicht gerade ein Leckerbissen. Diese Bauern sind Nomaden, nicht aus Armut, sondern aus Reichtum. Jede Familie besitzt etwa ein Dutzend Gebäulichkeiten. Den Winter verbringen sie in ihren Dörfern; im Februar und März besorgen sie ihre Rebberge und Aecker im Rhonetal, steigen im April in die mittleren Lagen hinauf, in die «Mayens», gehen im Mai wieder hinauf ins Dorf, denn im Juni ist Alpfahrt, im Juli wird das Heu eingebracht, und im Oktober fährt alles zur Weinlese ins Tal. Sie führen Kind und Kegel, Lehrer und Pfarrer mit sich. Eine beschwerliche Wanderung, aber doch ein herrliches, kurzweiliges Leben. Die Anniviarden haben in ihren Bergnestern, bis nach Grimentz hinauf, eigenen Wein. Man trinkt ihn in den Wirtschäftlein, in den Pinten wie in den grossen Hotels von Arolla undiiZinal. .Wer-nach- St4 Luc kommt, das auch zwei grosse Hotels hat, lasse sich bei Herrn Favre in der gleichnamigen Pension das Siebengestirn der selbstgebauten Weine vorführen, er wird von einem Wunder ins andere fallen. Alle diese Bergdörfer, die von Westschweizern und Engländern viel besucht werden und für die Deutschen zum guten Teil noch Neuland sind, streiten sich um die Ehre, am meisten Sonne zu haben. St. Luc und Chandolin im Eifischtal, Grächen im Nikolaital und viele andere behaupten ihre Plätze an der Sonne, ohne einander das Licht wegzunehmen. Viele Dörfer haben ihre regelmässigen Gäste und Gönner, hier ist es ein Bankdirektor, dort ein Minister, der jedes Jahr ein paarmal herauffährt und bei dieser Gelegenheit die Gemeinde unter seinen besonderen Schutz nimmt. Hotels und Bergführer gibt es ziemlich viele — Berge gibt es auch, man kann schon aus den Führertaxen ersehen, dass es nicht ganz harmlose Berge sind. Viertausender trennen und umstehen diese Täler mächtig: Dent Blanche, Grand Cornier, Weisshorn, Mont Collon, Pigne d'Arolla, und im Hintergrund — das Matterhorn. Berge von überwältigender, von erschlagender Grosse, die nicht minder grossartig anzuschauen sind, wenn man auch nur zu einer Hütte hinaufsteigt. An schönen Sommerabenden sind sie, wenn die Sonne untergeht, in purpurnes Rot getaucht wie Zacken glühenden Eisens, und wenn die ersten Sterne aus dem Himmel treten, verwelken sie wieder zu bläulichem, blassem Gestein. Das Nickel-Chrom-Verfahren. Ueber das in letzter Zeit stark in Verbreitung gekommene Nickel-Chrom-Verfahren bestehen vielfach irrige Ansichten. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten der elektrolytischen Verchromung, nämlich die Hochglanzverchromung zum Zwecke der Oberflächenveredlung, und die matte Verchromung für technische Zwecke, besonders zur Oberflächenhärtung. Die technische Verchromung wird fast stets, um der Oberfläche besondere Härte zu verleihen, in starker Schicht direkt auf das Grundmetall aufgetragen. Zwischenschichten aus anderen Metallen würden bei diesem Verfahren nur dann anzuwenden sein, wenn gleichzeitig ein weitgehender Korrosionsschutz erforderlich ist, der nur bei einer vielstündigen, direkten Verchromung erzielt werden könnte. Kirche von Ghs an der Simplonstrasse, unweit von Brig. Charakteristische Pappelalicen zieren die grosse Walliser Talstrasse. (Photo Dubost, Montana.) Eglise de Glis, situ ee sur la route du Siraplon, non loin de Brigue. Les allees de peupliers sont caracteristiques de la Vallee du Rhone. Die Hochglanz-Verchromung dagegen wird heute, soweit Messing und Eisen als Grundmaterial in Frage kommen, in modernen Betrieben kaum noch direkt, sondern über Zwischenschichten, speziell Nickel, aufgetragen, daher die Bezeichnung Nickel-Chrom-Verfahren. Um eine vollkommen korrosionssichere Verchromung sowohl auf Eisen wie auch auf Messing herzustellen, wäre eine so starke Chromschicht erforderlich, dass das Grundmetall vollkommen hermetisch gegen die korrodierenden Einflüsse der Atmosphäre oder sonstiger Agenzien abgeschlossen wird. Man würde, weil dies durch schwache Metallauflagen nicht erreicht werden kann, auf Verchromungszeiten von 4 bis 6 Stunden zukommen müssen, wodurch neben anderen Nachteilen das Verfahren als vollkommen un-i wirtschaftlich in den weitaus meisten Fällen ausscheiden müsste. Bei Anwendung von Zwischenschichten dagegen wird die zwecks Korrosionsschutz erforderliche Minimalschichtstärke aus einem anderen, wesentlich rascher und billiger als Chrom abzuscheidenden Metall, vorzugsweise Nickel, hergestellt, dann poliert und hierauf nur kurz verchromt, um die Metalloberfläche gegen Anlauf oder Blindwerden zu schützen und ihr gleichzeitig das geschmackvolle Aussehen der Verchromung zu verleihen. Speziell bei Messing als Grundmetall ist die Anwendung des Nickel-Chrom- Verfahrens zur zwingenden Notwendigkeit geworden, wenn es sich um Korrosionsschutz von Teilen handelt, die dauernd den Einflüssen der Aussenatmosphäre ausgesetzt sind. Langjährige Erfahrungen und Beobachtungen, die auch aus Amerika bestätigt wurden, haben ergeben, dass eine direkte Verchromung — ohne Zwischenschichten — auf Messing keine ausreichende Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse bietet. Legt man dagegen Nickel als eines der Eisenmetalle zwischen das Grundmetall und den Chromüberzug, so können die bei der Chromabscheidung in den Poren mit eingeschlossenen mikroskopisch kleinen Teilchen des in der Hauptsache aus Chromsäure bestehenden Elektrolyten bei genügend starker Nickelschicht nicht mehr korrodierend auf das Messing einwirken. Nickel hat sich als Zwischenschicht vor der Verchromung besonders bewährt. Ausserdem besteht der Vorteil, dass durch Weiterverwendung vielleicht bereits bestehender Vernicklungseinrichtungen einer der Hauptfaktoren eines jeden neuen Verfahrens, die Wirtschaftlichkeit, unbedingt gesichert ist. Es genügen beim Arbeiten nach dem Nickel-Chrom-Verfahren tet also nicht nur den Vorteil erhöhten Korrosionsschutzes, sondern auch wesentlich grösserer Wirtschaftlichkeit. Leider wird vielfach die Beobachtung gemacht, dass die vorhergehende Vernicklung, die gewohnheitsmässig nach bisherigen, oft recht veralteten Methoden ausgeführt wird, nicht die Eignung für die darauffolgende Verchromung besitzt. Die Folge ist ein Abblättern der Chromschicht mitsamt der Nickelunterlage, und zwar meist schon während des Verchromens, mitunter auch erst nach einigen Tagen. Die Ursache dieser Erscheinung wird häufig fälschlicherweise in der Verchromung gesucht oder das Nickel-Chromverfahren als solches abgelehnt. Eine unrichtige Vernicklung, die sich also für die darauffolgende Verchromung nicht eignet, kennzeichnet sich durch eine zu dünne Schichtdicke einerseits und durch einen zu hohen Wasserstoffgehalt anderseits. Unsere heutigen Nickelbäder, bei denen allgemein die Wasserstoffzahl als Gradmesser für die Acidität des Bades zwischen 5,2 und 5,8 schwankt, arbeiten gewöhnlich mit einer Stromausbeute von 95 bis 98 Prozent, je nach Konzentration des Bades, Temperatur, angewandter Stromdichte, eingestellter Wasserstoffzahl und Kathodenbewegung. Ein Teil des für die Vernicklung angewendeten Stromes wird dazu verbraucht, gleichzeitig mit dem Nickel Wasserstoff zur Entladung zu bringen, und dieser Wasserstoff verbindet sich teilweise mit dem abgeschiedenen Nickel. Je höher der Prozentgehalt des Wasserstoffes im Nickelniederschlag ist, desto härter und spröder wird der letztere. Auf solchen wasserstoffreichen Nickelniederschlägen ist es sehr gefährlich eine Chromschicht aufzutragen. Bei den heute üblichen hohen Stromdichten beim Verchromen werden gleichzeitig bedeutende Mengen Wasserstoff entwikkelt und teilweise in den Chromniederschlag mit eingeschlossen. Dieser Wasserstoff diffundiert aus dem Chrombelag in den darunter liegenden Nickelniederschlag, erhöht also dort den schon an sich vorhandenen Wasserstoffgehalt, und dies kann soweit gehen, dass der kombinierte Nickel-Chromniederschlag, der also durchaus nicht etwa eine Legierung vorstellt, sondern zwei übereinanderliegende^ Schichten, derartige Spannungen "erKältT dass er schon im Bade während des Verchromens oder nach kurzer Lagerung aufreisst. Es ist also dafür zu sorgen, dass der vor der Verchromung erzeugte Nickelniederschlag einen möglichst kleinen Wasserstoffgehalt aufweist, und ferner genügend Vorsommer am Julier. Photo: W. Risch, Zürich. L'avant ete au col du Julier. verhältnismässig kleine Verchromungseinrichtungen, um sehr grosse Produktionen bewältigen zu können, weil Chargenwechsel alle 5 bis 10 Minuten erfolgen kann. Bei direkter starker, nur zweistündiger Verchromung dagegen müssten 12 bzw. 24 Verchromungsbäder aufgestellt werden, um eine Produktion zu bewältigen, die nach dem Nickel-Chromverfahren nur ein Verchromungsbad erfordert. Das moderne und besonders in der innnd ausländischen Automobilindustrie eingeführte Nickel-Chrom-Verfahren bie- Stärke, um den beim Verchromen noch entstehenden W'asserstoff absorbieren zu können, ohne die Grenze seiner Aufnahmefähigkeit zu überschreiten. Es ist bekannt, dass die ersten Niederschlagsschichten bei der Vernicklung, insbeson dere wenn sie auf einer glänzenden Unterlage aufgetragen werden, den höchsten Wasserstoffgehalt aufweisen. Je matter der Niederschlag wird, je mehr sich also seine Effektiv-Oberfläche vergrössert, um so wasserstoffärmer wird dann die betreffende Schicht des Nickelniederschlages, mit andern Worten: sobald eine gewisse Schichtdicke erreicht ist. vorausgesetzt, dass das verwendete Nickelbad richtig arbeitet, erhält man eine Oberfläche von Nickel, die äusserst wasserstoffarm ist. Auf einer solchen wasserstoffarmen Nikkeioberfläche kann man aber gefahrlos auch unter Verwendung hoher Stromdichten verchromen, ohne dass sich diese kombinierte Nickel-Chromschicht von der Unterlage löst. Das Hauptaugenmerk bei der Anwendung des Nickel-Chromverfahrens ist also auf die Verwendung geeigneter Nickelbäder, genügende Nickelstärke und richtige Arbeitsweise beim Vernickeln zu legen. Das «Auto-Rapid»- Nickelbad arbeitet bei einer Temperatur von 35—40 Grad Celsius, und die allgemein zur Anwendung kommende Schichtdicke vor der Verchromung ist 0,02 mm bis 0,025 mm. Es besteht vielfach die irrige Ansicht, dass die beim Nickel-Chromverfahren angewandte kurze Verchromungsdauer von 5—10 Minuten unmöglich stark genug sein könnte, um auch in mechanischer Hinsicht genügend Widerstandsfähigkeit zu besitzen. Demgegenüber sei darauf hingewiesen, dass in bezug auf Niederschlagsstärke, infolge der angewendeten höheren Stromdichte und der dadurch gleichzeitig,-bedingten höheren Stromausbeute eine Verchromungsdauer von 5—10 Minuten auf Nickel einer normalen Verchromung von 30—60 Minuten bei kleiner Stromdichte entspricht. Ausserdem wird durch die höheren Stromdichten auch eine entsprechend grössere Härte - des Niederschlages und dadurch Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Beanspruchung erzielt. Ein weiterer Vorteil ist die beim Nickel-Chrom-Verfahren Verchromungsfarbe. erzielte weisse • Wichtig ist die Entfettung von Gegen ständen, die vernickelt und verchromt werden sollen. Besonders bei Messing wird in der Vernicklungsindustrie vielfach auf gewissenhafte Reinigung der Metallfläche vor der Vernicklung zu wenig Wert gelegt, weil man der Ansicht ist, dass die Vernicklung von Messing weniger Aufmerksamkeit erfordert als die Vernicklung von Eisen und Stahl. Wenn man aber das Nickel-Chromverfahren auf Messingteile anwendet, macht sich eine solche Unterlassungssünde, d. h. eine nicht genügende Reinigung vor der Vernicklung, sofort bemerkbar. Der Niederschlag zeigt dann mitunter nach dem Verchromen Blasen, selbst wenn das Nickelbad in Ordnung war und die Nickelschicht die für darauffolgende Verchromung notwendige Eignung besitzt. Wer also das Nickel-Chrom-Verfahren anwendet, muss für vollkommene Fettfreiheit und Oxydfreiheit der Gegenstände vor dem Vernickeln Sorge tragen. Ausschlaggebend ist aber stets neben der Schichtstärke die Qualität des Nickelniederschlages, insbesondere dessen Elastizität und Wasserstoffarmut. Eine elastische Nickelschicht folgt begreiflicherweise auch Temperatur- Schwankungen viel leichter als ein harter, wasserstoffreicher Niederschlag, so dass trotz der verschiedenen Ausdehnungskoeffizienten des Nickels und des Grundmetalls kein Losheben des Niederschlages von der Unterlage zu befürchten ist. Prof. Dr. P