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E_1933_Zeitung_Nr.055

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Alpenmeisterschaft und

Alpenmeisterschaft und Alpenfahrt. Die Austragung der internationalen Alpenmeisterschaft in diesem Jahre war schon lange Zeit fraglich. Deutschland erklärte zum vornherein seine Nichtteilnahme, Oesterreidi zeigte kein grosses Interesse, in der Schweiz fehlte der Klausen, und nur Italien und Frankreich hatten Lust, das Championnat wieder durchzuführen. Wie wir nun aus sicherer Quelle erfahren, wird die internationale Alpenmeisterschaft 1933 nicht wiederholt werden, da Oesterreich sich allzu- . spät dazu entschlossen hat. sich doch zu beteiligen. Damit sind die Nachrichten in an- Cern Blättern, die von einer Durchführung der Meisterschaft meldeten, widerlegt. Weiter erfahren wir noch, dass sich ganz unerwartete neue Schwierigkeiten wegen der Alpenfahrt gezeigt haben, die diesmal politischen Ursprunges sind. Die Deutschen weigern sich, durch Oesterreich zu fahren, das bekanntlich von der Alpenfahrt ebenfalls berührt wird. Am kommenden Montag wird nun eine neue Sitzung der Vertreter der an der Alpenfahrt interessierten Automobil-Clubs entweder in - Paris oder Genf stattfinden, die zu der neuen Sachlage Stellung nimmt. Unter Umständen wird an Stelle des ursprünglichen Startortes München eine andere Stadt gewählt undi die Fahrtroute wieder abgeändert. bo. 2000 km durch Deutschland. Wir haben an dieser Stelle vor einiger Zeit bereits auf die Aenderungen hingewiesen, die die politischen Umwälzungen in Deutschland auch in den Automobilclubs herbeiführten. Die neue Regierung hat sich bekanntlich zum Ziel gesetzt, den Automobilsport ausserordentlich stark zu unterstützen. Als erste grosse Veranstaltung, die gemeinsam vom Automobilclub von Deutschland und dem nationalsozialistischen Kraftfahrkorps unter Beteiligung des A-D.A.C. und des deutschen Motorkraftfahrverbandes organisiert wird, findet vom 21.—23. Juli im Rahmen des Baden- Badener Automobilturniers eine 20ÖO km- Fahrt durch Deutschland statt. E s handelt sich dabei um eine Dauerprüfungsfahrt für Automobile und Motorräder, die nach ihren Zylinderinhalten bestimmte Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 50 und 88 km/ St. einzuhalten haben. Wie bereits früher erwähnt, legt der Autosport im neuen Deutschland weniger Wert auf Spitzenleistungen, als auf eine Hebung der Durchschnittsqualität. Es we'rden bei diesem Rennen deshalb auch keine ersten Preise, sondern nur einheitliche

N°55 - 1933 ÄUTÖMDBIUKEVUE angefangen bei offenen und geschlossenen Zöglingen bis hinauf zum 19 m breiten Hochleistungsr Segler Möve und dem bekannten Akrobatik-Flugzeug unseres Meister - Piloten Farner, Einzelteile von Segelflugzeugen und ein riesiges Bild, über die heroischen Flüge von Ing. Farner von der Jungfrau an den Vierwaldstättersee. Dem Motor, dem Herz der Maschine, wurde eine Maschinenabteilung gewidmet, die dank der grosszügigen Unterstützung durch Auslandsmotoren kundig zusammengestellt ist. Vom kleinen 15-PS- D.K.W., der als Antrieb eines ausgestellten Baukastenflugzeugs dient, bis zum Gnome et Rhone, der 1380 PS entwickelt, ist die ganze Stufenleiter in modernster Ausführung vertreten. Wir sehen u. a. den hochwertigen 150-PS-Hirth-Motor, den ein Pilot an einem europäischen Rundflug glänzend bewährte. Argus und der neue B.M.W. Selbstverständlich ist der Motor Hispano-Suiza ebenfalls vertreten. Die französischen Werke sandten der Ausstellung das Original eines 500-PS-Kompressors. Am Stand der kriegstechnischen Abteilung (KTA) können wir die Schweiz. Kollektiv-Arbeit aufs neue bei den Schweiz. Lizenz-Hispano-Motoren bewundern. Die Fabrik in Winterthur stellt den 650-PS-Hispano und die Berna-Werke den 700-PS-Hispano-Motor her, während die Saurer-Werke den bekannten Jupiter-Motor schickte. Der grosse Saal der Tonhalle wurde in eine riesige Flugzeughalle umgewandelt. Hier stehen die modernsten Sport-Flugzeuge neuester und allerneuester Konstruktion. Die Klemm-Werke sind durch das bekannte Flugzeug eines unserer Sportflieger, der es bis zu grosser Bravour durch den Europa-Rundflug brachte, vertreten. England zeigt uns seine bekannten beiden de Havilland-Flugzeuge, die Gipsy und die Pusemoth. Die Firma Doxnier am Bodensee stellt ihren A.C. 4 und A.C. 12 aus, daneben einen, der von ihr im Auftrag der KTA gebauten Focker. Vergessen wir nicht die schneidige Compier-Skift, die Klemm-Salmson von Herrn Dir. Tschudi und das wunderbare Breda-Flugzeug, dem sogar noch die Schwimmer beigegeben wurden. Der interessante Stand unserer kriegstechnischen Abteilung zeigt neben den schon erwähnten Lizenzmotoren den Rumpf einer B 27. Jedermann kann daran die peinlich exakte Arbeit der eidg. Konstruktionswerkstätte in Thun bewundern. Zudem zeigt KTA den in der Schweiz konstruierten bewährten Salvatö-Fallschirm, der, wie ein Bild belehrt, schon 100 Piloten das Leben gerettet hat. Ueber den Flugzeugen hängt ein grosser geöffneter Fallschirm mit Fliegergruppe, etwas mehr rechts strebt der Registratur-Ballon von Prof. Wegener, der die phantastische Höhe von 2700 m erreichte, nach oben. Die eidg. techn. Hochschule ist durch eine wissenschaftliche Ausstellung vertreten, die auf ein geschlossenes Laboratorium für Aero-Dynamik und Aero-Statistik Anspruch erheben darf. Anhand von interessanten und instruktiven Versuchen wird beschaulich gezeigt, dass heute Flugzeuge nicht mehr gefühlsmässig, sondern auch auf wissenschaftlicher Basis konstruiert werden. Der Geschichte des Flugwesens, die in den letzten 30 Jahren einen raschen Verlauf nahm, ist ein freies Feld gewidmet. An der Decke des Pavillons hängen die OriginamraschineTi unserer Pioniere: der Bleriot von Oskar Bider, der Doppeldecker von Dufaux, und die kleino Maschine von Rech, die ihn zu begeisterton Höhen empor riss und ihn aber unter seinen Flügeln-begrub. Die grossen Weltflüge sind auf einer grossen Karte aufgezeichnet. Selbstverständlich fehlen auch der Luftverkehr, die Flugmetereologie, das Luftamt, die verschiedenen Luftverkehrs - Gesellschaften und der Aero-Club nicht. Als besondere Attraktion erweist sich eine Vorrichtung, mit der man im trockenen fliegen kann. Auch etwas Neues sieht man dargestellt: Fernfliegen im Trockenen! Bilder und Propeller schmücken die Wände. Unsere Behörden und Amtsstellen sind besonders gut und dokumentativ vertreten. Die Oberpostdirektion in Bern hat ein eigenes Postbureau errichtet, in dem alle in der Ausstellung abgegebenen Briefschaften mit einem SpezialStempel versehen werden. Die Landestopographie und Landesvermessung zeigen die wunderbare Arbeit ihrer Abteilungen. So darf diese Ausstellung wirklich als eine umfassende Schau des gesamten Flugwesens angesprochen werden, und was nicht durch Bild, Objekt und Modell gezeigt werden konnte, ergänzen die Filme und Vorträge, die täglich ablaufen und abgehalten werden. B. Stucky. S€a»«a*3sen Gewaltige deutsche Strassenbau-Projekte. Ende letzter Woche fasste die deutsche Reichsregierung in einer Kabinettsitzung den weittragenden Beschluss, ein grosses Netz modernster Autostrassen, «Reichsautobahnen », zu schaffen, das nicht nur dem Verkehr neue Wege, sondern vielen tausend Arbeitern Verdienst schaffen soll. Wie deutschen Meldungen zu entnehmen ist, ist der BLUMBREMSE =5= Pat. und D. R. P. Finanzierungsplan für dieses grossartige Projekt bereits fertiggestellt, so dass noch im Laufe dieses Jahres mit dem Baubeginn der ersten Autostrasse zu rechnen sei. Um die Interessen zwischen Automobil und Eisenbahn auszugleichen, wird das gesamte Unternehmen der deutschen Reichsbahn angegliedert und auf rein kaufmännische Basis gestellt. Um dies zu ermöglichen, wird die Bewilligung erteilt, für die Benützung der Autostrassen Gebühren zu erheben. Im weiteren ist als sicher anzunehmen, dass die ersten in Angriff genommenen Strecken nicht Verbindungen zwischen Städten herstellen, welche von der Reichsbahn durch einen besonders intensiven und schnellen Verkehr bereits bedient werden. Auch bietet ein sich aus den Gebühren ergebender Einnahmeüberschuss für die Bahn einen gewissen Ersatz für möglicherweise ausfallende Einnahmen. Voraussetzung für eine prompte Verwirklichung der Baupläne ist vorab die Schaffung eines neuen Strassengesetzes, welches die notwendigen Kompetenzen zur Landenteignung enthält, um langwierige und kostspielige Verhandlungen oder gar Prozesse in bezug auf die Linienführung der .Strassen von vorneherein auszuschalten. Es wird auch ein besonderes Reichskommissariat für den Strassenbau, das dem Verkehrsministerium zu unterstellen wäre, geschaffen werden. Dieses wird für einheitliche Förderung und Entwicklung des Strassenbaues im gesamten Lande zu sorgen haben und mit weitgehenden Vollmachten ausgerüstet werden. Als Kommissar ist W. Hof, der Generaldirektor der Hafraba (Autostrassengesellschaft Hamburg-Frankfürt-Basel) in Aussicht genommen. Der Generaldirektor der Reichsbahn wird sich Ende dieser Woche mit dem künftigen Reichskommissar in Frankfurt a. M. treffen, um an Ort und Stelle die Vorbereitungen für die Einrichtung des Planungsbureaus für die erste Teilstrecke der grossen Autobahn Main-Neckar zu besprechen. Die erste Autobahn, welche gebaut werden soll, ist die seit langem projektierte Strecke von Wiesbaden über Mainz nach Frankfurt und von da südlich über Cannstadt, Mannheim und Heidelberg. Diese 97,8 km lange Strecke soll als Probestrasse ausgebaut werden, an welcher die bautechnischen, aber auch die organisatorischen Fragen in bezug auf den Arbeitsdienst zu studieren und abzuklären sind. Der hessische Staat hat auf seinem Gebiet bereits das notwendige Gelände zur Verfügung gestellt, so dass auf dieser Etappe keinerlei Schwierigkeiten in bezug auf die Expropriationen entstehen. Was den gesamten Plan anbetrifft, welcher dem Reichskanzler bereits vorgelegt worden ist, so handelt es sich um zwei grosse Nord-Süd-Verbindungen, drei West-Ost-Linien sowie eine Diagonale. Die maßgebliche Nord-Süd-Strasse ist die bereits erwähnte Strecke Frankfurt-Heidelberg, die aber nördlich zu den drei Hansastädten und südlich nach Basel weitergeführt werden soll. Als Parallelverbindung hiezu kommt die Strasse Tilsit - Königsberg - Danzig - Stettin - Berlin - Leipzig.- Plauen - Bayreuth - Nürnberg - Augsburg - München, von wo später der Anschluss an Venedig ausgehen soll. Die erste West-Ost-Linie beginnt an der holländischen Grenze bei Aachen und geht über Köln - Düsseldorf - Essen - Dordtmund - Hannover - Magdeburg nach Berlin und wird -später in der Richtung nach Polen weiter ausgebaut. Die zweite Strasse in gleicher-'