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E_1933_Zeitung_Nr.058

E_1933_Zeitung_Nr.058

BERN, Dienstag, 11. Juli 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang — N° 58 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portoztischlag, sotern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung III/414. Telephon 28.223 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Verkehrsabkommen Automobil-Eisenbahn Der Bericht der S. B. B. In der Sitzung vom 26. Juni genehmigte der Verwaltungsrat den Bericht der Generaldirektion über die Regelung des Verhältnisses zwischen Eisenbahn und Automobil. Pieser wurde letzter Tage als gemeinsamer Bericht an das Eidg. Post- und Eisenbahndepartement weitergeleitet und dabei folgende Anträge gestellt: 1. Das Eidgenössische Post- und Eisenbahndepartement "wird ersucht, den Entwurf für ein «Bundesgesetz über die Regelung der Beförderung von Gütern und Tieren mit Motorfahrzeugen auf öffentlichen Strassen» aufzustellen, •wobei der gemeinsame Vorentwurf der Eisenbahnverwaltungen und AutomobiKnteressenten, vom 27. Mai 1933, gebührend berücksichtigt werden möchte. 2. Einem von den Automobilintoressenten geäusserten Wunsch entsprechend, wird ferner dem Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartement beantragt, nach Kenntnisnahme des vorliegenden Berichtes die Uebereinkunft zwischen den Eisenbahnverwaltungen und den Automobilinteressenten für die Verkehrsteilung und Zusammenarbeit von Eisenbahn und Motorfahrzeug, vom 27. Mai 1933, im Sinne ihres Art. 24 dem Bundesrate mit •dem Ersuchen zu übermitteln, ihr möglichst bald seine grundsätzliche Zustimmung zu geben." Dieser Bericht ist gleichzeitig in Form einer Broschüre veröffentlicht worden, dem als Anhänge der Text der Übereinkunft, der Vorentwurf über ein Bundesgesetz, sowie weiteres interessantes dokumentarisches Material beigegeben sind. Da kommenden Samstag die Automobil-Interessenten in der ausserördentlichen Generalversammlung der A.S.P.A. darüber zu entscheiden haben werden, ob sie dem Abkommen in der vorliegenden Form zustimmen wollen und bereits auch eine Anzahl kantonaler Verbände Stellung bezogen haben, rechtfertigt es sich, an dieser Stelle noch näher auf den Standpunkt der Bahnen einzutreten, welcher in dem vorerwähnten Bericht eingehend umschrieben ist. Es sei gleich vorweg genommen, dass in diesen Ausführungen der Bahnorgane der unbedingte Wille zum Ausdruck kommt, das Verhältnis zwischen Eisenbahn und Automobil auf alle Fälle zu regeln, da dies eine wesentliche Voraussetzung für die dauernde finanzielle Sanierung der Bundesbahnen bilde. Dabei lässt sich im Text selbst und zwischen den Zeilen sehr wohl herauslesen, dass die Bundesbahnen diese Regelung anstreben F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel Roman von Karl Strecker. (29. Fortsetzung) 28. Georg wollte auf der Rückreise keinen Aufenthalt in Berlin nehmen. Er hatte aus Bayern noch telegraphisch seiner Sekretärin in Doberan den Auftrag gegeben, dem Berliner Untersuchungsrichter zu schreiben, er sei verreist und kehre erst in acht Tagen zurück. Er hatte dies Verhören satt, er wollte seine Ruhe und mit jener Ecke in dem Oberspreegebiet nichts mehr zu tun haben. Nie in seinem Leben würde er sich dort wieder sehen lassen. Er hielt sich nur zu ein paar Besorgungen in Berlin auf und fuhr gleich nach Doberan weiter, wo die schon in Angst und Sorgen geratene Mutter ihm den Brief der «Hille Bobbe», den sie geöffnet hatte, mit zitternden Händen übergab. Er müsse sie sehr schlecht kennen, schrieb das anhängliche Wesen, wenn er glaube, sie werden, gleichviel ob dies, wie nun vorgesehen, in Form eines Verständigungsabkommens zwischen Bahn und Automobilinteressenten stattfindet, oder 6b die Bahn von sich aus allein alle Machtmittel des Staates spielen lassen muss, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Die Vorschläge, so besagt der Bericht, betreffen die praktische Regelung der Konkurrenzverhältnisse zwischen Eisenbahn und Auto sowie die Massnahmen. welche hiezii notwendig erachtet werden und zu deren Durchführung die Unterstützung der eidg. Behörden angerufen wird. Zu diesen Massnahmen gehören in erster Linie die Annäherung der rechtlichen Grundlagen beider Verkehrsmittel, die gewerbsmässig Transporte für Dritte ausführen, durch das Mittel der Konzessionierung der gewerbsmässigen Güterbeförderung auf der Strasse. Die gesetzliche Einschränkung der gewerbsmässigen Strassentransporte würde iedoch an sich allein noch zu keinem befriedigenden Ziel führen, wenn damit nicht gleichzeitig eine Verkehrsteilung und Zusammenarbeit von Eisenbahn und Motorlastwagen verbunden würde. Ohne gleichzeitige Abgrenzung der den Bahnen oder dem Motorfahrzeug zufolge ihrer natürlichen Eigenschaften vorwiegend zufallenden Transporte? ist nach Meinung der" Bahnorgane ein Konzessionssystem für den gewerbsmässigen Strassentransoort undenkbar. Von den 6 Kapiteln des Berichtes ist das erste der prinzipiellen Frage Geregelte oder freie • Verkehrswirtschaft? gewidmet. Zur rechtlichen Lösung des Problems werden nur zwei Wege als gangbar erachtet: Entweder die Einordnung des Lastwagenverkehrs in das unter staatlichen Einfluss geregelte Verkehrssystem oder die Befreiung der Eisenbahn von ihren weitgehenden Verpflichtungen zugunsten der Allgemeinheit und anschliessend daran, den freien Wettbewerb ohne Bindung der Eisenbahn an ein festes Tarifsystem. Der Bericht vertritt nun die Auffassung, dass eine den Interessen der Schweiz. Volkswirtschaft entsprechende Lösung des Problems nur auf dem Wege einer planmässigen und nicht so glatt abschieben zu können. Er sei der Vater ihres zu erwartenden Kindes, und sie könne beschwören, dass er versprochen habe, sie zu heiraten. Ausserdem könne sie ihn des Meineides überführen, worüber sie sich aber jetzt nicht weiter äussern wolle ... Die Mutter, die mit angstvoller Miene Georg, während er las, beobachtet hatte, atmete erleichtert auf, als er, den Brief zusammenfaltend, mit geringschätzigem Lächeln die Achseln zuckte. Das alles sei Schwindel, beruhigte er sie. — Ein Erpressungsversuch — weiter nichts. Aber damit werde sie kein Glück haben. Er schickte den Brief seinem Rechtsanwalt und bat ihn, der Dame zu schreiben, sie möge ihn gefälligst in Ruhe lassen, falls er ihre Erpressungsmanöver nicht dem Staatsanwalt übergeben solle. Immerhin werde er ihr den Lohn für ein Jahr auszahlen. «Weg mit diesen ollen Kamellen!» rief er der Mutter heiter zu... «Wir wollen hier einen recht behaglichen Winter zusammen verleben, Mütterchen! Hast du eigentlich schon einen Wunschzettel für Weihnachten geschrieben?» Indesseh hakten sich die «ollen Kamellen» vorläufig noch wie Kletten an ihn. Der Untersuchungsrichter bestand darauf, ihn noch einmal persönlich zu vernehmen. Dazu überraschte ihn ein wunderliches Telephongespräch des Doktor Sievers. Es sei dringend zu wünschen, dass er sehr bald einmal nach Berlin komme. Es seien da allerhand dunkle Gerüchte aufgetaucht, denen er nur persönlich einmal durch volle Aufklärung entgegentreten könne. Auf die Fragen Georgs gab er ausweichende Antworten. Das lasse sich am Telephon nicht gut besprechen. Georg hielt es unter diesen Umständen doch für geraten, die nachgerade verhasste Reise abermals anzutreten, er wollte dann gleich seine Weihnachtseinkäufe machen. einer völlig freien Verkehrswirtschaft möglich sei. Eine freie Verkehrs Wirtschaft habe unvermeidlich die Umgestaltung der Eisenbahntarife nach den Gesichtspunkten der freien Konkurrenz zur Folge, die sich nachteilig für Industrie und Gewerbe, Arbeiterschaft und Landwirtschaft auswirken müsse. Da der Lastwagen wegen der Möglichkeit der Rückfrachten in verkehrsreichen Gegenden billige Tarife anbiete, müsse die Eisenbahn sich diesem Konkurrenzgebot anpassen und dafür in verkehrsarmen Gegenden höhere Tarife zur Anwendung bringen. Zu einer verschärften Preisdifferenzierung nach bahntreuen Kunden und Gelegenheitsverfrachtern käme noch die Preisdifferenzierung nach Strecken. Die Anhänger der freien Verkehrswirtschaft stellen sich auf den Standpunkt, dass der freie Wettbewerb auch für eine gesunde und für die Verfrachter vorteilhafte Entwicklung der Verkehrseinrichtungen die wichtigste Voraussetzung sei. Mit dem Hinweis auf die Vorzüge des freien Wettbewerbes wird daher in der Oeffentlichkeit gegen jede von den Eisenbahnen angestrebte Regelung des Lastwagenverkehrs auf der Strasse Stellung genommen. Der Bericht besagt hierzu, es werde dabei übersehen, dass sich die Bestrebungen der Eisenbahn nur gegen die Auswüchse im Lastwagenverkehr richten. (!) Die Eisenbahn anerkenne durchaus die dem Motorlastwagenverjcehr im Nahverkehr zukommende nützliche Tätigkeit. Im ferneren werde übersehen, dass der Einfluss des Wettbewerbes sich von jeher in der Verkehrswirtschaft in anderer Form geltend machen musste, als in der Produktions- und Verteilungswirtschaft. Die Eisenbahn habe es ohne Revision des Tarifgesetzes in der Hand, die bereits früher in Aussicht genommene Preisdifferenzierung nach bahntreuen und untreuen Kunden einzuführen, was am besten die Unmöglichkeit einer Verkehrspolitik auf dem Boden der freien Konkurrenz illustrieren würde. Dagegen sei die Bahn von der Verpflichtung zur Ausführung aller Betriebsleistungen auf Schienen zu entziehen. Es müsse vermieden werden, dass nur zufolge eines veralteten Wortlautes des Gesetzes, die S.B.B, auch das kleinste Verkehrsbedürfnis mit Schienenfahrzeugen zu befriedigen habe. Es werde nämlich daran gedacht, einzelne Züge in verkehrsarmen Gegenden durch Autodienste zu ersetzen, Nebenlinien in Automobilbetriebe Der Untersuchungsrichter verlangte noch einmal eine ausführliche Aussage im Fall Nollet: die beiden Zeugen, Mathilde Tölsch und der Diener Friedrich, hätten übereinstimmend erklärt und seien beide bereit, den Eid darauf zu leisten — und so weiter. Georg erwiderte, und seine Stimme trug den schweren Klang der Aufrichtigkeit, er bleibe bei seiner letzten Aussage. Er könne unmöglich eine Vermutung, wie sie damals in ihm aufgetaucht sei, als schwerwiegenden Belastungsgrund für eine Anklage wegen Mordes gelten lassen. Jedenfalls dürfe er unter keinen Umständen beschwören, die beiden im Boot genau erkannt zu haben, möchten die Dienstboten aussagen, was sie wollten. Fast um diese Stunde begab sich Plath zu Sievers. Kaltes Morgenlicht strömte in ein mit hellgelben Möbeln ausgestattetes Geschäftszimmer. Plath sah den baumlangen Detektiv beobachtend mit seinen dreisten Haiaugen an. «Ich wende mich an Sie, Herr Doktor,» erklärte er, ein wenig stockend, «weil ich höre, dass Sie Herrn Direktor Nicola kennen und mit der Gegend und den Menschen da um Priebenow nähere Fühlung haben —» «Allerdings,» erwiderte Sievers in wegwerfendem Ton: «ich habe dort die Spuren der Mörder Nollets aufgedeckt.» «Haben sie schon gestanden?» «Das nicht, aber an ihrer Schuld ist kein Zweifel mehr —» «Hm. Nun, in diesem Fall handelt es sich INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif, tnseratengchluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern umzuwandeln und überhaupt vom Recht, sich der techn. Vorzüge des Automobils zu bedienen, weitgehend Gebrauch zu machen. Man mache sich aber eines nur schwer zu verantwortenden Optimismus schuldig, wenn man glaube, dass mit einer Lockerung der Eisenbahngesetzgebung und einer Beschränkung des Automobilverkehrs auf den Rahmen des neuen Automobilgesetzes auf die Dauer genügende Rechtsgrundlagen für eine künftige staatliche Verkehrspolitik geschaffen würden. Die Verteilung des Strassenverkehrs. Die Bahnorgane haben unter Mitwirkung der Güterverwaltungen, Güterexpeditionen und Stationen im Sommer 1932 eine Erhebung über den Umfang des Gütertransportes mit Lastwagen durchgeführt. Es ergab sich, dass in der Schweiz 70 Prozent aller Wagen nur für Transporte für das eigene Geschäft, 17 Prozent aller Wagen nur für gewerbsmässige Transporte für Andere und 13 Prozent der Wagen sowohl für die Transporte für das eigene Geschäft als auch für Rechnung Dritter verwendet werden. Während für 65 Prozent der Transporte auf eigene Rechnung Wagen bis zu 3 t Tragkraft Verwendung finden, sind 60 Prozent der Wagen für gewerbsmässigen Transport Fahrzeuge mit über 3 t Tragkraft. Interessant war ferner die Feststellung, dass bei Werkverkehr 53,5 Prozent der Lastwagen und Anhänger für Fahrten bis zu 30 km verwendet werden und 46,5 Prozent für Fahrten darüber hinaus. Beim gewerbsmässigen Transport für Dritte, welcher durch ungefähr 2000 Fahrzeuge besorgt wird, liegen die Verhältnisse anders, indem nur 20,9 Prozent dieser Lastwagen und Anhänger für die Beförderung bis 30 km und 79,1 Prozent der Fahrzeuge für grössere Fahrten Verwendung finden. In den Richtlinien, welche die Direktion der S.B.B, dem Vorort des Schweiz. Handelsund Industrievereins sowie den Automobilverbänden vor der Aufnahme der mündlichen Verhandlungen zustellte, nahm sie den Standpunkt ein, dass auch der Werkfernverkehr in die von ihr geplante Verkehrsteilung einbezogen werde und nur der Werknahverkehr vollständig freibleiben solle. In den Unterhandlungen gelang es den Vertretern der Automobilinteressenten, die Bahnen zu bestimmen, unter gewissen Vorbehalten von der Unterstellung des Werkverkehrs unter die Konzes- auch um eine Spur — doch vorher eine Frage. Sie stehen mit Herrn Direktor Nicola, dem früheren Besitzer von Priebenow, in geschäftlicher Verbindung? Würde es Sie nicht genieren, wenn in dieser Angelegenheit die Untersuchung für Herrn Nicola vielleicht unangenehme Resultate ergeben sollte?» «Ich will Ihnen etwas sagen, Herr Plath, in dem grossen und — humanen Beruf, jawohl — humanen, sage ich, — Licht in dunkle Affären zu bringen, Verbrechen aufzudecken, kann und darf die Person eines einzelnen keine Rolle spielen. Ich diene allein der Wahrheit.» Plath, der diese grossen Worte gar nicht zu hören schien, entgegnete, es sei ja auch noch nicht sicher, ob gegen Nicola ein Verdacht vorliege. «Allerdings kommt für mich ein Gesichtspunkt in Frage,» unterbrach ihn Sievers. «Herr Direktor Nicola ist schwerreich, mehrfacher Millionär, solch einen Kunden verliert man ungern.» «Mehrfacher Millionär?» wiederholte Plath aufmerksam. Dass er reich war, wusste ich ja, aber —doch das ist ja Nebensache. Also hören Sie: es handelt sich um nichts Geringeres als um das spurlose Verschwinden seines Bruders» — und er erzählte die ganze Begebenheit von dem Gefangenenlager bei Bloemfield bis zu seiner Feststellung in Bremen und bis zu dem Aufhören der Spur des Gesuchten. «Ein interessanter Fall,» meinte Doktor Sievers, während er in einem Büchlein eifrig Notizen machte. «Also der Hauptzweck der