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E_1933_Zeitung_Nr.059

E_1933_Zeitung_Nr.059

BERN, Freitag, 14. Juli 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang — N° 59 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Encheint Jeden DiwMUg nnd FratU« Monatlich „Gelbe Liste" Halbjahrlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, tofera nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestallung 30 REDAKTION o. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon 2S.223 T«l«gT«rnm-Adresse; Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland*60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 tage vor Erscheinen der Nummern Die grossen internationalen Durchgangsstrassen. Die Association Internationale des Automobil-Clubs Reconnus, (A. I. A. C. R.) veröffentlichte kürzlich eine Broschüre mit beigehefteter Karte, die diejenigen Strassenzüge Europas festlegt, die als internationale Durchgangsstrassen in erster Linie ausgebaut werden sollen. Vorweg wird genommen, dass es sich bei diesem Vorschlag vor allem um ein Projekt der Zukunft handle, dessen Ausführung aber sobald wie möglich zu erstreben sei. Das Minimum der auszubauenden Strassenbreite sei 8 m, Ortschaften und Städte seien zu umfahren, eventuell eine zweite Route durch die Siedelungen zu legen und bei Neuanlage von solchen Strassen müsse auf eine Minimalbreite von 30 m abgestellt werden. Weiter wird verlangt die Unterdrückung der Niveau-Uebergänge, Streckung und Verbreiterung von Kurven, Staubbefreiung, Vermeidung gewölbter Strassenprofile etc. Im weitern sollen diese Strassen nach den internationalen Vorschriften signalisiert werden, dann sind die Zollbureaux, die längs diesen internationalen Strassen liegen, den ganzen Tag offen zu halten und jeweils womöglich in einem Gebäude zu vereinigen; im weitern ist der Strassenhilfsdienst zu organisieren und für eine gleichmässige Verteilung von Reparaturwerkstätten und Tankstellen zu sorgen. Selbstverständlich kann die Ausführung all dieser Vorschläge nur sukzessive geschehen. Bei der Festlegung des internationalen Durchgangsstrassennetzes konnte nicht immer darauf Rücksicht genommen werden, dass die Strassenführung über schon bestehende beste Strassenzüge verläuft. In erster Linie musste abgestellt werden auf Verkehrswichtigkeit eines Strassenzuges und seine wenn möglichst .kürzeste Verbindung zwischen grossen Verkehrszentren. 40 Strassenzüge werden in dem Vorschlag festgelegt, die in allererster Linie für einen F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel Roman von Karl Strecker. (30. Fortsetzung) Vom Tage . Jetzt sah sie plötzlich zu ihm, strich sich mit dem Taschentuch über die Augen und fragte, noch benommen von der Ueberraschung: «Aber — sage mal, wie lange bist du denn —» sie hielt inne und dachte eine Weile nach — «Du bist doch derselbe, der mich schon aus dem Stift abholte? Oder war das —? Nein, gewiss — das warst du und kein anderer!» «Ganz recht, Mütterchen! Ich war es, der dich aus dem Stift abholte.» «Dann hast d u auch Priebenow verkauft? Ja, wo ist denn Richard?» «Frag heute nicht zu viel, Mütterchen,» sagte Georg und streichelte sie, «das wollen wir alles zu gelegenerer Zeit besprechen.» Aber es schien, dass Käthe heute eigensinnig den Ehrentitel eines enfant terrible erwerben wollte. «Ihr beide,» sagte sie mit einer herrischen Armbewegung zu dem Brautpaar, «holt mal alles zum Bleigiessen et cetera! Es ist halb zwölf!» «Und Sie, liebe Frau Nicola,» wandte sie sich, als die beiden schwipsvergnügt hinausgetanzt waren, an Georgs Mutter und legte beide Hände auf deren Arm, «beunruhigen Sie sich nicht. Ihre Söhne haben eben einfach getauscht.» «Käthe, ich bitte dich,» rief Georg gequält, «Iass das jetzt!» «Wieso getauscht?» fragte die Alte, und ihr hageres Gesicht sah wie ein grosses Ohr aus. «Nach Recht und Billigkeit!» sagte Käthe. Ausbau in Frage kommen. Es sind die folgenden: 1. London - Brüssel - Wien - Budapest - Belgrad - Sofia - KonstantinOpel. 2. London - Paris - Brindisi. 3. Gibraltar - Madrid - Paris - Brüssel - Den Haag. 4. Lissabon - Madrid - Bern - Berlin - Stöckholm. 5. Sirakus - Rom - Berlin - Stettin. 6. Madrid - Rom. 7. Oslo - Bern. 8. Paris - Berlin - Riga - Tallinn. 9. Berlin - Kaunas - Riga - Tallinn. 10. Paris - Wien - Budapest - Bukarest - Constanza. 11. Paris - Prag - Warschau. 12. Paris - Rom (durchs Rhonetal). 13. Paris - Rom (durch die französischen Alpen und Turin). 14. Turin - Venedig. 15. Paris - Luxemburg - Hannover. 16. Kopenhagen - Berlin. 17 Oslo - Berlin. 18. Brüssel - Berlin. 19. Brüssel - Frankfurt am Main. 20. Brüssel - Luxemburg - Strassburg - Appenweier. 21. Den Haag - Berlin - Warschau. 22. Vlissingen - Berlin. 23. Den Haag - Frankfurt am Main. 24. Bern - Wien. 25. Bern - Mailand - Rom. 26. Bern - Belgrad. 27. Berlin - Prag - Wien. 28. Rom - Wien - Warschau. 29. Rom - Budapest - Warschau - Darizig. 30. Rom - Belgrad. 31. Oslo - Stockholm. 32. Oslo - Bergen. 33. Kopenhagen - Helsingfors. 34. Kopenhagen - Hamburg - Berlin. 35. Dublin - London. 36. Warschau - Sofia. 37. Prag - Bukarest. 38. Belgrad - Bukarest. 39. Athen - Belgrad. 40. Athen - Sofia. Es ist ausserordentlich schwierig, ein solches Programm für ein internationales Strassennetz festzulegen, ohne damit gleich der Kritik zu rufen. So überlegt der jetzige Vorschlag auch ist, und so sehr man die Initiative zur Schaffung eines solchen internationalen Durchgangsstrassennetzes auch begrüssen muss, scheinen uns doch einige Fehler oder mit Ueberzeugung, «zweiundzwanzig Jahre ist unser guter Georg,» sie legte einen Arm um seine Schulter, «tot und begraben gewesen, jetzt hat er getauscht mit seinem bösen Zwillingsbruder!» Georg machte jäh eine halbe Wendung, so dass Käthes Arm herunterglitt. «Wie kannst du nur!» zischelte er ihr ärgerlich zu, «heute, in diesem Augenblick, das ist doch unerhört!» «Ach was, die Wahrheit kann nie zu früh kommen,» erwiderte Käthe eigensinnig. «Das kann sie sehr wohl —» «Tot und begraben?» wiederholte währenddessen die Alte verständnislos und sah von Käthe fragend auf Georg. «Liebe Mutter,» begann der und nahm ihre Hand; aber Käthe Hess ihm keine Zeit, es schien, als wollte sie sich die Führung in dieser Sache nicht entreissen lassen: alles mit rechten Dingen zugegangen,» rief sie, «am Herzschlag ist Richard gestorben!» «Tot!» schrie die Mutter mit Weit geöffneten Augen, «Richard ist tot?» «Aber liebe Frau Nicola,» beschwichtigte Käthe. «Sie hatten doch schon einmal geglaubt, Georg sei tot. Nun ist der Bessere von beiden, ist Georg am Leben, und der andere ist tot, da sollten Sie sich doch freuen!» «Was heisst der andere, der Bessere,» rief die alte Frau unter vorbrechenden Tränen. Plötzlich hob sie den Kopf: «Wo liegt er denn begraben? Ich will hin.» Georg stöhnte auf und trat ans Fenster. Seine Fingernägel gruben sich in die Handflächen, während er die heisse Stirn an die kühle Scheibe lehnte. Draussen auf den Strassen pulste ein reges Leben. Viele, die im Theater, Kino oder Kon- Unterlassungen vorgekommen zu sein, auf die gleich hier hingewiesen werde, damit bei einer Neubearbeitung darauf Rücksicht genommen werden kann. Um mit der Schweiz anzufangen, sei be-grossemerkt, dass nach den Vorschlägen der A. I. Konsumentenverbände zu einer Sit- A. C. R. eine Verbindung Olten-Luzern fehlt und der Umweg von Basel über Bern nach Luzern gesucht werden muss. Dabei ist dieses Strassenstück doch ein wichtiges Verbindungsglied in der internationalen Durchgangsstrasse Holland-Italien. Ebenso fehlt das Verbindungsstück Zürich-Luzern; dann im weitern die Strecke Stuttgart-Zürich und die Strecke Nancy-Basel, welches doch alles Verbindungsglieder von grossen internationalen Verkehrsadern sind. Ferner fällt auf, dass folgende Strassenstücke fehlen: Mailand-Genua, Pisa-Florenz, Triest-Fiume-Split, Salzburg - Brück - Graz- Balatonsee, München-Zürich und Lyon- Bayonne, um nur einige wenige besonders markante Beispiele herauszugreifen. Ebenfalls diskutabel erscheint uns der Verlauf der einen oder andern dieser internationalen Durchgangsstrassen. So wird die Strecke Innsbruck-Zürich über den Kerenzerberg geführt, wobei man sich fragen kann, ob Ricken-Toggenburg nicht richtiger wäre. Dann führt die Strasse von Bozen nach Verona über Rovereto, statt auf einer der neu ausgebauten Strassen dem Gardasee entlang. tJnd als Letztes sei noch bemerkt, dass es einigermassen verwunderlich ist, dass in Sizilien nur die Strasse Messina-Sirakus angegeben ist, nicht aber diejenige von Messina nach Palermo. Die oben angegebenen Aussetzungen zeigen mit aller Deutlichkeit, wie schwierig es ist, ein solch erstes Netz der zum besonderen Ausbau bestimmten internationalen Durchgangsstrassen festzulegen. Wir glauben auch, die Publikation der A. I. A. C. R. mehr als einen vorläufigen Vorschlag auffassen zu dürfen, der gelegentlich noch diskutiert wird und auch Ergänzungen erfahren dürfte. In diesem Sinne begrüssen wir die Arbeit, die die A. I. A. C. R. im Interesse eines internationalen Fernverkehr-Strassennetzes bis jetzt geleistet hat. Lr. Manch einer der Vorübereilenden warf einen Blick zu der Wohnung hinauf, von der zwei grosse Fenster erleuchtet waren, das eine besonders hell, weil an ihm der grosse Lichterbaum brannte, während an dem anderen jetzt ein einsamer Mann lehnte. Aber plötzlich blieben die Passanten stehen vor diesem Hause und blickten mit erschrokkenen Gesichtern empor, andere liefen hin- Die Wirtschaftskorporation des Benzinmarktes. 'Letzten Mittwoch, den 12. Juli, waren dve> zung nach Bern eingeladen worden, um mit den Vertretern der Preiskontrolle des eidg. Volkswirtschaftsdepartementes den Zweck und Aufbau der bereits in der « A.-R.» publizierten Rahmenkonvention betreffend die Regelung des schweizerischen Benzinmarktes und der im Anschluss daran gegründeten Wirtschaftskorporation des Benzinmarktes zu beraten. Prof. Dr. Lorenz und Dr. Gossner von der Preiskontrolle klärten die Vertreter der Verbände über die vorgesehene Organisation der paritätischen Kommission auf. Dr. Lorenz ist sich der Schwierigkeiten, die sich der Arbeit der Wirtschaftskorporation des schweizerischen Benzinmarktes entgegenstellen werden, voll und ganz bewusst, glaubt aber, dass man doch zum gesteckten Ziele gelangen kann, wenn alle an einer Regelung des schweizerischen Benzinmarktes interessierten Kreise den guten Willen und das nötige Verständnis zur Mitarbeit aufbringen werden. Die Konsumentenverbände waren an dieser ersten Besprechung nicht vollzählig vertreten und sollen nächstens zu einer vom A.C.S. einzuberufenden Konferenz eingeladen werden, um den ganzen Fragenkomplex vom Standpunkte des Konsumenten aus zu besprechen. Dann will man sich schlüssig werden, ob man der paritätischen Kommission, die aus vier Fachausschüssen besteht, welche die Fragen des Importgeschäftes, des Grossisten geschäftes, des Pumpengeschäftes und der Konsumenteninteressen zu behandeln haben, beitreten will. Ueber die Wirtschaftskorporation selbst geben die Statuten noch nähern Aufschluss. Sie geben als Zweck die Förderung der gemeinsamen Interessen aller am schweizerischen Benzinmarkt Beteiligten und deren friedlichen Ausgleich im Sinne berufständischer Zusammenarbeit an. Die Korporation kann insbesondere auch ihr allfällig von staatlichen Behörden übertragene Aufgaben übernehmen. Ihre Tätigkeit bezweckt jedoch zu: Rufe: «Feuer! Feuer!» ertönten, und mit Anni ins Zimmer trat. Er hatte soviel schon klirrte unweit davon die Glasscheibe Geistesgegenwart, die Waschschüssel, die er an dem roten Feuerwehrmelder. für das Bleigiessen mitgebracht, unverzüglich Was ist geschehen? auf die gefährlichste Stelle zu entleeren, Frau Nicola war vom Sofa aufgestanden, während Georg, der ebenfalls sogleich hinzugesprungen war, seine Mutter unter dem um zu ihrem Sohn ans Fenster zu gehen und nach dem Verbleib Richards zu fragen. In Baum hervorzog und eine andere glimmende ihrer heftigen Gemütserregung hatte sie nicht Stelle im Teppich austrat. an ihren Stock gedacht und ging nun, ein wenig unsicher auf ihren alten Füssen, an dem und hatten die noch brennenden Lichter aus- Auch Käthe und Anni waren bei der Hand «Es ist brennenden Tannenbaum vorüber zum an-geblasen oder ausgetreten, so dass die jetzt deren Fenster. Auf einmal geriet sie während des Gehens leicht ms Schwanken und griff nach einem Halt. Sie fasste das nächste: einen Zweig des Weihnachtsbaumes. Und da dieser auf einem leicht gezimmerten Fuss stand, kippte der ganze Baum um und fiel gleichzeitig mit der alten Frau zu Boden. Die erste Folge des Unfalls war ein Gardinenbrand. Im Nu loderten die leichten Tüllgardinen auf und waren auch schon nahezu verbrannt, bevor jemand noch hinzuspringen konnte. Glücklicherweise fingen weder die schwerdamastenen Uebergardinen noch die dicke Ledertapete, beide vor wenigen Tagen erst angebracht, sogleich Feuer, so dass der Gardinenbrand selbst auf die leichten Tüllvorhänge beschränkt blieb und oben nur eine Fensterscheibe zersprang. zert gewesen waren, beeilten sich, zur Mitternacht rechtzeitig am Punschtisch zu sein. brennende Baum lag auf dem dicken Umso gefährlicher sah es unten aus. Der Teppich, und wenn auch einige der Lichter beim Fallen erloschen waren, so hatten doch andere, weiterbrennend, vier oder fünf kleine Brandherde in den Perserteppich gefressen, die freilich fürs erste nur unter starker Rauchentwicklung schwelten. Gefahr drohte für Frau Nicola. Sie lag mit dem unteren Teil ihres Körpers unter dem Baum, und ihr schwarzes Perlenkleid fing schon Feuer, als Otto hereinstürzenden Diener und Mädchen nur noch ein paar schwelende Stellen im Teppich und ein paar glimmende Tannenzweige zu löschen fanden. Da man zur Erhöhung des Lichtglanzes am Baum das elektrische Licht ausgeschaltet hatte, herrschte für ein paar Sekunden völlige Finsternis im Raum, was den Vorzug hatte, dass man zwei noch leicht glimmende Stellen erkannte. Als der Kronleuchter angedreht wurde, fiel helles Licht auf einen dicken, betäubenden Qualm, der das ganze Zimmer füllte. Georg trug seine Mutter ins Nebenzimmer, wo er sie auf eine Ottomane bettete. In diesem Augenblick kam draussen rasselnd und klingelnd ein Wagen der Feuerwehr vorgefahren, Georg dankte zum offenen Fenster hinaus für Hilfeleistungen, das Feuer sei schon gelöscht.