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E_1933_Zeitung_Nr.062

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22 ÄUTOMOBIE-REVUfe

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63 - 1933 ÄÜTÖMDBIt-REVÖE ner, die tief© Tönung seiner Stimme macht einer höheren Platz, wird melodiöser, und das Spiel der Gebärden ist aller Schwere ledig und in der Kontur runder, bestrickender. Und ihr Schreiten streift von ferne den himmlisch seligen Rhythmus des Tanzes, der jeglicher irdischen Würde spottet. Und so wird uns dieses holde, irgendwie verzauberte und doch so natürliche und begreifliche Menschenkind zu einem betörennen Starre so recht das Steife und Gemachte der Feier charakterisierten. Wo Reden gehalten wurden, machte sich oft hohles Pathos breit. Mit volltönenden Worten wurden Näfels und Morgarten zitiert und tags darauf schon um kleiner Vorteilchen willen in grossen und kleinen Parlamenten gestritten. Beissende Kritik zog anderseits auch die guten Seiten ins Lächerliche, und so wurden die offiziellen Feiern oft zu Am Vierwaldstättersee, der Wiege des Vaterlandes. Blick von Vitznau gegen Stänserhom und Bürgenstock. (Photo Gabereil.) den Versprechen heimatlichen Schicksales. Stunden, mit denen man nichts Rechtes anzufangen wusste, die wie ein fremdes Ge- Qermanin, Romanin in einem, dem einen dabei so tief und verständlich hingegeben wie wächs mitten inv Schweizergarten standen. dem andern, nicht das eine aus blosser Überheblichkeit befehlend oder auch aus Not goldene und silberne Raketenwerk samt Darüber konnte auch das unvermeidliche bloss duldend, sondern das eine wie das andere in gerechter Würdigung als gleichberechtigte Dinge hinnehmend, stellt dieses Mädchen den neuen kommenden, den einigen und einigenden Typus der Helvetia dar. Denn mir will scheinen, wir hätten bisher noch allzuhäufig immer zwei, und zwar eine romanische und eine germanische oder,, wenn man lieber will, alemannische Und'nicht nur, wie es sein sollte, eine einzige und damit eine wahrhaft schweizerische Helvetia gehabt, in der sich alle gleichwertigen Rassen, Sprachen, Charaktere glücklich und in reinster Harmonie im gleichen schwistern. Geiste ver- Zum ersten August! (Eine nichtgehaltene Rede.) Kaspar Freuler. Wieder flammen die Höhenfeuer in die Sommernacht! Sie sollen erinnern an jenen 1. August anno domini 1291, als auf dem Rütli von der Not gedrängte Bauern zur Nachtzeit mit Fackeln und Windlichtern zusammenkamen, um über ihrer Länder Zukunft zu beraten. Schwer spürten sie im Nacken die harte Faust der Vögte. Einig zu sein, zwang sie die Not; aus diesem Zwang heraus schufen sie den Rund gegen all die Mächte, die an den Grenzen rüttelten und ihr freches Werk schon im Lande versuchen wollten. Der Bund ist gewachsen, ist zum Bundesstaat geworden und steht heute nach über 600 Jahren noch. Und da nun jeder Staat seinen Geburtstag feiert, Paris seinen 14. Juli hat, Rom seinen Marsch, die U. S. A. ihre Unabhängigkeitserklärung — warum sollen wir den unsern nicht auch aus dem werktäglichen Einerlei herausheben? Es gibt freilich genug Leute, die darin keine absolute Notwendigkeit erblicken, ohne dass man ihnen mangelnde Staatstreue vorwerfen könnte. Aber was hat man nun vielerorts gemacht aus diesem ersten August? Er ist oft zum Spektakeltag geworden, ein Grund zum Anstossen (als ob es noch nicht genug gäbe) — eine ganz und gar veräusserlichte Angelegenheit! Wo man etwas vaterländischer aufrücken wollte, stellten Turnvereine lebende Bilder, die in ihrer marmor- Bengalfeuer .und üblichem Geknalle nicht hinweghelfen^ und höchstens eine kräftige Melodie und das Geläute der Glocken vermochten für kurze Zeit die Seelen zu packen. Woran liegt das? Es fehlt am 1. August der sichtbare Mittelpunkt des Festes. Weder ein «Held» ist da noch eine in Erscheinung tretende Tat, kein Rummelplatz, kein Christbaum, keine Ostereier, keine Maske und kein Geburtstagskuchen. Die Kirche, die mancher Feier den Glanz ihrer Hochämter oder den Ernst des Wortes verleiht,, steht abseits; denn es ist der Staat, der gefeiert werden soll. Und gerade das ist es: der Staat wird gefeiert. Ein Ding, das niemand sieht, sondern nur in seineü Auswir-' kungen kommt, als da sind: Steuerzettel, Reglemente, Defizite, Abstiramurigshetzen, ! Militärbudgets, Zölle und Pässe, Schulzwang für jeden Dummkopf, Bureaukratie, Schiesspflicht, Konferenzen und Polizeivorschriften — kurzum, das sich in allerhand Sachen manifestiert, die auch dem besten Staatsbürger nicht als Herrlichkeiten aus 1001-Nacht erscheinen. Weder die Jungfrau von Orleans, noch Hitler, noch Mussolini sind da, die der Feier den persönlichen Einschlag und unserem Volk Anlass zu irgendwelcher Heldenverehrung gäben. Lediglich der Staat bleibt da.' Nietzsche hat ihn «das kälteste aller Ungeheuer» genannt, und der grosso Theologe Brunner sagt eben in seiner Ethik, dass «nirgends so wie auf dem Boden des Staates das Satanische sich ausbreite». Von links -und rechts'wird reichlich am Staate kritisiert und ausgesetzt. Trotzdem feiern wir die Gründung des Staates und damit den Staat selbst. Und trotz allem mit Recht! Denn wir feiern nicht den technischen Apparat, das unsichtbare, ungeheure Bureaugebäude, die paragraphierte Hausordnung der Schweiz, nicht die zehn Gesetzestafeln, eines modernen Moses — wir feiern etwas viel Schön neres: unser Vaterland. Die Leidenschaft für den Staat ist einzelnen gegeben; die Freude an der Heimat, am Vaterland aber Strandbad Bucliliorn Arbon: Neuestes Strandbad am Bodensee. Autozufahrtsstraße mit Parkplatz. Seeterrasse. Große Basen- nnd Spielplätze. Restaurant mit Erfrischungen aller Art. Kühlanlage. Firnelicht Conrad Ferdinand Meyer. Wie pocht' das Herz mir in der Brust Trotz meiner jungen Wanderlust, Wann, heimgewendet, ich erschaut Die Schneegebiroß, süss tmtyaut,. Das grosse stille Leuchten! Ich atmet' eilig, wie auf Raub, , Der Märkte Dunst, der Städte Staub. Ich sah [den Kampf. Was sagtest du, Mein reines Firüelicht, dazu, Du grosses stilles, Leuchten? Nie prahlt'* ich mit der Heimat noch. Und liehe sie von Herzen doch, In meinem Wesen und Oedidht Allüberdll ist Firnelichl, Das grosse stille Leuchten! Was kann ich für die Hemmt tun, Bevor ich geh' im Grabe ruhn? Was geh' ich, das dem Tod entflieht? Vielleicht' ein Wort, vielleicht ein Lied^ Ein stilles kleines Leuchten! trägt jeder in sich, der Reiche wie der Arme. Mag einer am .Staatsgefüge noch soviel auszusetzen haben und an Gemeinde-, National- und Bundesräten das ganze lange Jahr wenig Freude erlebe^ mag er das Dienstbüchlein samt dem Steuerzettsl in den Winkel werfen -und hundertmal auf den Staat pfeifen — wenn er an einem Frühmorgen auf irgendeinem einsamen. JJoehgipfel steht und- sejne Schweiz aus dem Dunkel der Nacht erwachen sieht, wenn er dürchvdie goldenen Kornfelder des Mittellandes fährt oder an den blauen Gestaden der Tessiner Seen sich lagert'— dann weiss',er,, : dass dies Land, zu ihm gehört und er zu ihm;: dass-er verwachsen ist mit ihm mitialleji Wurzeln seines Wesens, ob er will oder; nicht.. Oder, Haüd aufs Herz,, wie manehef Schweizer möchte lieber 1 deutscher Staatsbürger oder Franzose sein öder Italiener oder sonst etwas? Hallen nicht die Stimmen jener Völker zu uns, überschwemmen sie uns nicht mit fremden- Ideen, rufen sie nicht zu uns von ihrer Not? Sind sie glücklicher als wir? Nennen sie unsere Schweiz nicht das «Gefilde der Seligen»,' das Land Utopia, wo drei Völker in drei Sprachen als einzig (wenn auch nicht immer ein einig) Volk VQIJ Brüdern beisammenwohnen unter dem gemeinsamen" Banner mit dem Kreuz!" Freilich könnten wir manches noch schöner denken. Könnten uns denken, dass waffenlose Menschen sich'über stürzenden Grenzpfählen die Hände reichten. Aber dazu sind -wir Menschen alle- zu wenig. Idealisten und immer noch, trotz grauenhaften Erfahrungen, zu wenig gescheit. Solange die zwanzigköpfige Hydra Europas, von einer verhetzten Presse und macht* süchtigen Köpfen aufgestachelt, fortwährend sich selbst die Köpfe abbeissen will, so lange bleibt uns leider Gottes nichts anderes übrig, als in unserem kleinen — und doch so herrlichen — Alpenwinkel zum. Rechten zu sehen. In fernem Morgengrauen liegt eine schönere Zukunft,. Kinder und Kindeskinder mögen sie einst erleben. An uns liegt es, dass diese Hoffnung nicht zuschanden werde. An uns aber auch, nicht zu vergessen, dass wir auch am ersten August nicht nur Schweizer, sondern auch Europäer sind und letzten Endes Glieder einer unendlichen Kette und Geschöpfe eines grossen Meisters! Wenn die roten Flammen in die Som* mernacht hinauflodern, dann sollen wir Hass und Neid und Uneinigkeit in den prasselnden Scheiterhaufen werfen. Und dann wollen wir aber auch aufwärts schauen in die blaue Nacht hoch über den Gletschern und Firnen unseres Ländchens. Brüder, überm Sternenzelt muss ein guter Vater wohnen! Und sein schönster Stern möge strahlen auf unser irdisch Vaterland! Ans Vaterland, ans teure, schliess dich an, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen, Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft