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E_1933_Zeitung_Nr.060

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - No 6« lednn

Bern, Dienstag, 18. Juli 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 60 Berühmtheiten von drüben A ~~*rf-ilt*i+*ier>Itae W/olH-l%on¥e>T seinen italienischen Landsleuten gefeiert wurde, kamen zwei schwarzgekleidete Männer zum Veranstalter. Das waren der Advokat und. ein ihm beigegebener Gerichtsbeamter, die Cameras Anteil an den Ein- Weltmeister und Kellnerin. nahmen mit Beschlag belegen wollten. Die kleine Marietta war Kellnerin in Währenddessen sass Marietta in London einem italienischen Restaurant in New beim Radio. Nach dem Geschäft das Vergnügen. Nach dem Prozess und seinem York und hat ihrem grossen Freund, dem Boxer Carnera, knapp bis zum Gürtel gereicht. Die heiden waren wirklich ein recht glücklichen Ausgang wollte sie sich möglichst schnell über den Verlauf des Boxkampfes informieren. Als sie aber im Ra- ungleiches Paar: die Marietta und ihr Primo. Die Kolleginnen haben sich nicht dio vernahm, dass ihr Gewesener triumphiert habe, übermannte sie die Rührung wenig lustig gemacht über den ungeschlachten Riesen, der allnächtlich im Lokal sass und sie telegraphierte an ihren Anwalt: und geduldig darauf wartete, bis die Marietta dienstfrei war und sich zu ihm setzen «Pfändung einstellen. Stop. Habe mir die Sache überlegt. Stop.> Carnera jedoch konnte. Dann hat Primo erzählt und Marietta hat zugehört. Nur manchmal hat sie bleibt hinter seiner Freundin nicht an Edelmut zurück. Er hat daraufhin telephonisch ein tröstendes Wort gesprochen und den kühnen Versuch gemacht, dem Freund liebevoll auf die Schulter zu klopfen. Umsonst. So hoch reichte sie nämlich nicht hinauf. Primo aber hat grosse Sorgen. Seine Feinde und Neider behaupten: Der Garnera ist gar kein wirklicher Boxer. Muskelgeschwellte Arme besitzt er und mächtige Tatzen. Das ist aber auch alles! Kein Talent, keine innere Berufung. Man sollte ihn gar nicht antreten lassen. Kein ehrlicher Boxer ist verpflichtet, sich mit einem menschlichen Kirchturm zu messen. Die Marietta lauscht gerührt und meint begütigend: Lass' es gut sein, deine Zeit wird schon kommen! Und damit hat sie entschieden recht behalten. Aber schon lange bevor Carnera seinen Konkurrenten Sharkey besiegt hatte, war ihm dasselbe mit weit geringeren Mühen bei Marietta gelungen. Marietta hat an Primo unbedingt geglaubt, auch an sein Heiratsversprechen. Und hat daraus die letzten Konsequenzen gezogen. Unterdessen hat aber Primo für die Weltmeisterschaft zu trainieren begonnen. Und da hat man andere Dinge im Kopf als Heirats versprechen und deren Einlösung. Marietta aber hat bitterlich geweint, und als ihre Tränen getrocknet waren, ist sie zum Advokaten gegangen und hat gegen Primo die Klage wegen gebrochenen Eheversprechens eingereicht. Kürzlich war der grosse Tag, der Tag des Prozesses und zugleich der des Kampfes um die Weltmeisterschaft. Im Prozess ist Carnera knockout geschlagen worden, beim Boxkampf hat er dasselbe Schicksal seinem Gegner bereitet. Marietta aber weilte fern vom Schuss. Sie war nach London übersiedelt, um dort den Ausgang der Verhandlung abzuwarten. In London hat sie auch das Telegramm ihres Anwaltes erreicht: «Prozess gewonnen. Stop. Pfändung eingeleitet. Stop. Meine Kosten und Ihre Ansprüche gesichert. Stop.> Und als die Arena vom Jubel der Menge erdröhnte, als Carnera von Rufe aus dem Dunkel Roman von Karl Strecker. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.). 60 war ihm auch in diesem Fall nichts nachzuweisen. Direkt belastend war für Dvorak in der Aussage des Detektivs nur das eine, dass Sievers gehört haben wollte, der Name Nollet sei in dem Gespräch der drei gefallen. Das wurde nicht nur von allen dreien mit lebhafter Empörung bestritten, Dvorak wusste auch eine Geschichte zu erzählen von einem unterschlagenen Fund, einer Perle und einem Ring, die sich als richtig erwies. Er glich auch hierin einem alten Fuchs, der im Eisen sich einen Lauf abbeisst, um freizukommen. Er gab die Fundunterschlagung zu, die in Wahrheit wohl ein Diebstahl war, der indessen als solcher nicht nachzuweisen war. Als der Richter dennoch in der Mordsache den Verdacht nicht fallen Hess, begegnete ihm der temperamentvolle Dvorak mit offenem Hohn. Wenn er ihm schon solch ein Verbrechen zutraue, dann solle er ihm doch auch die nötige Schlauheit dazu zutraue. Ob er wirklich glaube, dass Mörder, auch wenn sie unter sich seien, den Namen des Ermordeten laut und deutlich aussprechen würden? Horcher gäbe es überall, und soviel er aus Kriminalgeschichten und aus Zeitungsberichten seinen Heiratsantrag und sein Eheversprechen erneuert. Ende gut, alles gut. Marietta wird Frau Weltmeisterin, und Primo wird das nächstemal seinen Boxhandschuh über die Hand ziehen, die sonst den Ehering trägt. «Doug» und «Sweetheart von Amerika». «Doug», das ist der trauliche Kosename, mit dem die amerikanische Oeffentlichkeit Douglas Fairbanks bezeichnet, und das Adelsprädikat des «Sweetheart von Amerika» wurde seiner Gattin, der blonden Mary Pickford, vor Jahr und Tag bereits, vor vielen Jahren und .vor vielen Tagen sogar, taxfrei verliehen. Das war eine Musterehe, wie sie im Buch steht. Ganz Amerika erbaute sich an dem Glück der beiden, die seit zehn und mehr Jahren ewige und unverwüstliche Dauerhonigwochen erleben. Wie wohltuend in der Zeit der gewissenlosen Betrüger, der herzlosen Vamps, auf ein solches, wenn auch ein wenig kitschiges Idyll zu stossen! Jeder Kinobesucher fühlte sich als gütiger Onkel, dem die Augen vor Rührung übergingen, wenn er an das ewig junge Paar dachte. Dass «Doug» bereits den Fünfziger überschritten hat, dass sein Sweetheart nur um ein Dezennium jünger ist, hat natürlich niemanden irregemacht. Douglas Fairbanks als reisiger Held, als Schützer der verfolgten Unschuld, als Ausbund von Kühnheit und Kraft jedes Mädchenherz erbeben lassen. Und Mary wurde dafür von Jahr zu Jahr unschuldsvoller und blonder. Die Tauben hätten die beiden nicht schöner zusammentragen können. Jetzt kommt aber die traurige Nachricht, dass auch diese Ehe einen bedenklichen Sprung erlitten hat. Ehetrennung, Ehescheidung! Wer frivol genug wäre, zu glauben, dass schliesslich die beiden nichts dagegen einzuwenden haben, wieder einmal in aller Leute Mund zu sein, wird durch die Versicherung zum Schweigen gebracht, dass es unabänderlicher, blutiger Ernst sei, nicht etwa eine Scheidungsreklame, wie sie gleich hinter einem Perlenraub oder einer versuchten Entführung rangiert. Mary erklärt mit Doug Sei es nicht auszuhalten. Er sei ein schlechter Charakter, unverträglich, streitsüchtig, mit einem Wort, was über Verbrecher gelesen habe — der Richter* schmunzelte boshaft —, sei es einer der ersten Grundsätze dieser Leute, niemals Namen zu nennen, am wenigsten den des Ermordeten. Ob denn der Herr Aushorcher wirklich beschwören könne, den Namen Nollet deutlich gehört zu haben? Hier war nun wirklich der wunde Punkt in den sonst schwerwiegenden Aussagen des Privatdetektivs. Die beiden Verteidiger der Angeklagten setzten ihm arg zu mit der Frage: in welcher Verbindung denn der Name Nollet gefallen sei. Die Antwort Sievers war nicht sehr überzeugend, er hatte da offenbar, um seinen Beobachtungen Wichtigkeit zu geben, sein Kombinationsvermögen zu früh als Nothelfer herbeigerufen. Am Schluss des letzten Verhörs fragte der Untersuchungsrichter den alten Dvorak: «Ihr Haus liegt nur fünf Minuten vom Kolmanzer See entfernt?» «Knapp! Es sind nicht ganz fünfhundert Schritt!» «Und Ihr Grundstück wird begrenzt von dem fiiessenden Graben, der in den See mündet?» «Stimmt!» man bei uns einen «Zwänggrind» nennt. Doug schweigt ritterlich. Aber am Ende könnte auch er auspacken und der Welt erzählen, dass Mary nicht immer so süss und so hingebungsvoll ist wie auf der zappelnden Leinwand. Soviel ist ja zur Gänze bekannt, dass Mary Pickford durch die Süssigkeit, zu der sie kontraktlich verpflich-r tet ist, keineswegs daran verhindert wird, eine glänzende Geschäftsfrau zu sein. Nicht nur als Leiterin einer Filmgesellschaft, sondern auch als Verwaltungsrat ernsthafter Finanzinstitute. Als vortreffliche Rechnerin hat sie vielleicht herausgefunden, dass eine Generation jüngerer Helden herangewachsen ist, die nicht übel Lust empfindet, Doug von dem Thron seiner Popularität herabzustürzen. Dass auch jüngere und mindestens ebenso blonde Sweethearts in den Vorzimmern der Agenten sitzen, wird ihr weniger zum Bewusstsein gekommen sein. Vor etlichen Jahren hätte man gedacht, dass die beiden sich nicht einigen konnten, wer von ihnen der Bedeutendere und der Beliebtere sei. Heute hat sich das Blatt einigermassen gewendet. Aber auch der Abstieg vom Piedestal des Ruhmes scheint dem Eheglück nicht gerade förderlich zu sein. «Da können Sie mit dem Kahn von Ihrem Hause aus auf den See fahren?» «Bloss wenn viel Wasser ist.» «Nun erzählen Sie mal, was meinten Sie damit, was Sie nach Aussagen des Herrn Doktor Sievers in jener Nacht von Herrn Direktor Nicola gesagt haben sollen.» «Soll? Das hab' ick ooch gesagt. Ick bestreite nischt, was wahr is. Ick habe gesagt, im See verstecken tut bloss Herr Direktor Nicola was.» Und er erzählte seine nächtliche Begegnung mit Georg auf dem See. Seit dem Beginn der Untersuchung schon wusste Dvorak, dass Sievers auf Georgs Veranlassung bei ihm spioniert hatte, da galt es für ihn jetzt, Rache zu nehmen. Er stellte die Aussage Georgs, dass er damals ein Reh versenkt habe, als ganz unglaubwürdig dar und verstieg sich so weit, die Möglichkeit anzudeuten, dass Nicola den Nollet ermordet habe. Die beiden seien schon lange Feinde gewesen wegen einer Wasserparzelle, die Nollet habe kaufen wollen und die Nicola dann hinterher an einen Justizrat verkauft habe. Der Untersuchungsrichter folgte nun freiiich diesen Gedankengängen nicht sehr gläubig, jedoch ersah er aus den Akten die widerspruchsvollen Aussagen Georgs bei seinem ersten Verhör, und da er ohnehin, trotz Schmuggel und bei Raubüberfällen mit einer mutigen Entschlossenheit geholfen, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Nun ist sie dem berühmten Räuber in den Tod gefolgt. Wie die aus frommem, kleinbürgerlichem Milieu stammende Alice Schiffer von der Gangsterromantik behext und besessen war, so erging es auch kürzlich einem sechzehnjährigen New Yorker Milliardärstöchterlein, das von drei Gangsters entführt wurde und sich in seine Entführer — wohlgemerkt: in alle drei — über die Massen verliebte. Dem verzweifelten Vater, dem die Tochter geraubt worden war, gelang durch ein ungeheures Lösegeld ihre Befreiung. Aber sie war ihm dafür keineswegs dankbar, sondern meinte schmollend, die Entführer seien doch so nette Boys gewesen, amüsante, liebenswürdige Gesellschafter, vollendete Gentlemen. Sie weigerte sich hartnäckig, den Behörden bei der Verfolgung der Verbrecher durch eine Personsbeschreibung oder durch Angaben über ihre Aufenthaltsorte während der Entführung auch nur die geringste Hilfe zu leisten, ja, es bereitete ihr ein unverhohlenes Vergnügen, die Polizei auf eine falsche Fährte zu locken. Und von ihren Freundinnen wird sie um ihr Abenteuer glühend beneidet. Eine Hauptnotwendigkeit im Kampfe gegen die Gangsters besteht eben darin, den Banditen ihre romantische Gloriole zu rauben, durch die sie den Snobs und Society-Girls imponieren und sich . in der Gesellschaft Bundesgenossen schaffen. Sobald man aufhört, die Verbrecher als Helden zu verherrlichen, wird der Kampf gegen die ame- Die galanten Gangsters. Der Tod der Witwe Jack Diamonds, die kürzlich, wie berichtet, vergiftet aufgefunden wurde, lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die grosse Zahl von Mädchen und Frauen anständiger, ja zuweilen vornehmer Herkunft, die durch die Banditenromantik fasziniert werden und völlig unter den Bann tollkühner Räuber geraten. rikanische Unterwelt sofort Jack Diamonds Witwe hiess mit ihrem sein. Mädchennamen Alice Schiffer, war die Tochter eines wegen seiner Bibelgelehrsamkeit bekannten jüdischen Theologen und galt als eines der schönsten Mädchen des New Yorker Ghettos. Als sich die schwarzlockige Alice mit den blitzenden Augen in den berüchtigten Gangster Jack Diamond verliebte, wurde sie von ihrem Vater verflucht und durfte nie wieder sein Haus be- Nach wie vor hat treten. Jack Diamond war allerdings ein unwiderstehlicher Herzenbezwinger: verwegen bis zur Tollkühnheit, schlau und verschlagen, dabei feurig-, zärtlich, galant und hemmungslos verschwenderisch, wenn es galt, eine geliebte Frau zu verwöhnen und ihre exzentrischsten Launen zu befriedigen. Alice, deren Schönheit von New York bis San Francisco bekannt war, Hess sich nur allzugern von ihm verwöhnen. Sie trug die herrlichsten Toiletten und Pelze, der Gangster überhäufte sie mit den kostbarsten Juwelen und umgab sie mit dem raffiniertesten Luxus. Sie war die entschlossene und begeisterte Gefährtin seiner halsbrecherischen Abenteuer. Alice war eine tollkühne Reiterin, schwamm durch reissende Ströme, sprang aus fahrenden Automobilen, wusste mit dem Revolver so sicher umzugehen, dass mancher daran glauben musste, und hat ihrem Mann beim Alkohol- erfolgreicher Abenteuer der Landstrasse F. S. Die Landstrasse war nicht schön. Sie führte an grauen Feldern vorbei, an Telegraphenstangen und ab und zu an einer verfallenen Bauernhütte mit bemoostem Dach. Ausserdem war sie durch endlosen Regen in zähen Schlamm verwandelt und bespritzte das Auto mit Kot. Der Wagen dagegen war schön. Viel zu schön für die hässliche Gegend und die abscheuliche Fahrt. Es war eine sehr elegante Limousine, das Reizendste an ihr aber war die Fahrerin. Die junge Dame war keine vermännlichte Sportlady, sondern ein durchaus fraulicher Typ und wirkte bezaubernd anmutig und zart, obwohl sie sehr sicher am Volant sass und ihren Wagen vollkommen in der Gewalt hatte. Die Landstrasse war fast menschenleer. Zweimal kam ein Lastwagen dem Auto entgegen und einmal ein Motorrad. Diese Begegnungen interessierten die junge Dame nicht. Erst das nächste Zusammentreffen fand sie eigenartig und reizvoll. Am Rande der Landstrasse sass auf dem ..zerweichten Graben ein Vagabund. Er sass dort in einer Hoffnungslosigkeit, die das Herz der jungen Dame rührte. Da er überdies ein Dvoraks Gleichgültigkeit in diesem Punkt, es für sehr wahrscheinlich hielt, dass ein am Kolmanzer See Ermordeter nun auch in dem See als nächstliegendem Versteck versenkt worden sei, beschloss er jedenfalls, den See gründlich absuchen zu lassen. Und sobald der Tauwind das Wasser freimachte, erhielten ein Daar Fischer vom ienseitigen Ufer den Auftrag, unter Aufsicht eines Kriminalbeamten mit «Totenangeln» und tiefbeschwerten Schleppnetzen den Grund des Sees abzusuchen, unterstützt von einem Taucher. Eine mühselige Arbeit, die mehrere Tage in Anspruch nahm und — schliesslich zur allgemeinen Enttäuschung nur den Kadaver eines Fischotters zutage förderte, der, offenbar im Winter bei seinem Ausstieg aus dem Eise von einem Jäger angeschossen unter der Eisdecke verendet war. (Fortsetzung siehe Seite 16.) Wissenschaftler von Weltruf und 36 OOOÄrete empfehlen auf örund jahrzehntelanger Erfahrung Kaffee Hag, weil er coffeinfrei ish- Kaffee Hag schont Herz und Nervcn.weit ihm das Co£fein,das so viele Menschen nicht vertragen, entzogen ist.Die Qualität ist unübertrefflich.—**