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E_1933_Zeitung_Nr.067

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Gesellschaftswagen auf

Gesellschaftswagen auf Bündnerstrassen Die Im Mai des laufenden Jahres herausgekommene bündnerische Vollziehungsverqrdnung zum eidg. Automobilgesetz hat bekanntlich in 'Automobilkreisen starkes Befremden ausgelöst, weil darin dem Automobilvefkehr grössere Beschränkungen auferlegt worden sind, die sich mit der bundesrätlichen Auffassung nicht in Uebereinstimmung bringen Hessen. Vor allem waren es die den Last- und, Gesellschaftswagen - Verkehr normierenden Bestimmungen, welche einer besonders heftigen Opposition riefen. Zum vermeintlichen Schütze der Rhätischen Bahnen wurden verschiedene, zum Teil sehr wichtige Kantonsstrassen für den Verkehr von Lastund Qesellschaftswagen gesperrt. Es zeigt sich aber auch hier wiederum deutlich, wie die Regierung zum Gefangenen einer kurzsichtigen Bahnpolitik geworden ist, indem sie noch vor wenigen Monaten die volkswirtschaftliche Bedeutung speziell der letztern Wagenkategorie glaubte verneinen zu müssen. Heute kann man täglich im Bündnerland auch auf jenen Strassen Gesellschaftswagen verkehren sehen, die rechtlich unter einer Sperre liegen. Die Praxis hat über die Theorie gesiegt und das Bündner Volk, so eng es auch mit seinen Bahnen verflochten ist, hat einen verkehrspolitischen Zopf im ureigensten Interesse begraben. So ist z. B. die Strasse durchs Prättigau für die erwähnte Wagenkategorie geschlossen. Wahrscheinlich mit obrigkeitlicher Bewilligung haben aber die Fahrer dieser Wagentypen das Recht eingeräumt erhalten, diese Talschaft befahren zu können. Am letzten Freitag sind sieben vollbesetzte Gesellschaftswagen durchs Prättigau gefahren, wovon allerdings sechs eidgenössische Extraposten waren, weil die Postwagen überall zugelassen werden müssen. Es ist deshalb nur recht und billig, wenn sich immer mehr die Ansicht durchsetzt, dass bei Oeffnung der Strasse für die gelben Wagen auch privaten Wagen freien Durchlass gewährt werden müsse. Interessant dürfte die Feststellung sein, dass zum Teil in den verschiedenen, dem Gesellschaftswagen gesperrten Ortschaften sich Stimmen erheben, die es für eine Ungerechtigkeit bezeichnen, wenn z.B. der grosse Kur- und Sportplatz Davos und andere Plätze von dem sich immer mehr entwickelnden Qesellschaftswagen - Verkehr ausgeschlossen bleiben sollten. Diese verschiedentlich in den für den Gesellschaftswagen gesperrten Ortschaften zum Ausdruck kommenden Einwendungen, sind um so eher zu verstehen, als es sich in der Praxis gezeigt hat, welche belebende Wirkung von den Reisegesellschaften auf .das von der'Krise hart geschüttelte Gastwirtschaftsgewerbe ausgeht. In dem so lange automobilfeindlich eingestellten Kanton machen • sich überall Stimmen geltend, die den Gesellschaftswagen als verkehrsbelebendes Element anerkennen und auch die Auffassung vertreten, dass die durch dieses Transportmittel in das Land gebrachten Touristen ohne dasselbe vielleicht nie den Weg nach Graubünden gefunden hätten. Wenn es in der Hauptsache auch nur Passanten sind, so bleibt doch mancher Franken im Lande liegen. Fast regelmässig verweilen diese Reisegesellschaften eine oder auch zwei Nächte in irgendeinem Kurort des Kantons. Diese Tatsachen gelten aber nicht nur für den inländischen, sondern ebensosehr für den ausländischen Gesellschaftswagenverkehr, der in der Ferienzeit bekanntlich von Deutschland her sehr intensiv betrieben wird. Wenn nicht alle Zeichen trügen, scheint die Regierung des Kantons Graubünden hinsieht-' lieh der Handhabung von Befugnissen, wodurch die in der Vollziehungsverordnung vorgesehenen Strassensperren aufgehoben werden können, in weitherziger Weise Gebrauch zu machen, so dass die Einschränkungen zum Teil illusorisch geworden sein dürften.' Die moderne Entwicklung des Autotourismus wird auch die verantwortlichen Organe in Graubünden zur Ueberzeugung gebracht haben, dass, in Berücksichtigung verkehrspolitischer Erwägungen und betreffs den grossen Interessen des Kantons am Fremdenverkehr, es im Zeitalter des Automobils nicht mehr angängig ist, einen zur Hauptsache auf das Gastwirtschaf tsge werbe fundierten Kanton mit neuen verkehrshemmenden .Barrieren aiizuschliessen. Wenn auch die Behörden eine den Verhältnissen entsprechende loyale Handhabung des Gesellschaftswagen - Verkehrs stillschweigend genehmigen, so muss doch in Anbetracht der Rechtsunsicherheit, die ein derartiges Dulden auf Zusehen hin mit sich bringt, nach einer eindeutigen Regelung dieser Verkehrsverhältnisse gerufen werden. Auch der Fahrer eines Gesellschaftswagens soll genau wissen, welche Strecken er nicht nur geduldeterweise, sondern mit vollem Recht befahren kann, ohne Gefahr zu laufen, vom erstbesten Dorfpolizisten gebüsst zu werden. Unklare Rechtsverhältnisse ergeben sich bei der jetzigen Regelung namentlich bei Unglücksfällen, mit denen gerechnet werden muss. Die Praxis hat deutlich den Bündnern gezeigt, dass schon nach Verlauf eines Vierteljahres eine Revision, der Ausführungsbestimmungen nötig geworden ist. Es ist zu hoffen, dass auch der bündnerische Regierungsrat einsieht, nicht mehr länger die Bahninteressen, und wenn sie auch noch so begründet sein mögen, einer Entwicklung voranstellen zu wollen, die eben einmal in scharfem Aufbautempo begriffen ist. Man dürfte sich von der unhaltbaren Lage überzeugt haben, dass eine Verkehrsbelebung, wie sie unzweifelhaft durch den Gesellschaftswagen hervorgerufen wird, nicht durch Ausnahmen, sondern auf einer gesetzlich soliden Grundlage sanktioniert werden soll. Wy.,,. Schweizerische Rundschau 200 Millionen* Fr. für den Ausbau unserer Alpenstrassen. In Nr. 66 der « Automobil- Revue » haben wir im Leitartikel «Feststellungen und Vergleiche » auf die Gefahren? des Umfahrenwerdens der Schweiz" durch' ausländische Automobilisten und des vermehrten' Auslandaufenthaltes einheimischer Fahrer wegen den zum Teil schlecht ausgebauten Alpenstrassen hingewiesen. Es hat nun den Anschein, als ob man sich diesen, unserem Lande drohenden Gefahren in zunehmendem Sinne auch in Verbandskreisen mehr und mehr bewusst werde, bekannte sich doch Nationalrat Dr. Stadler, Präsident der Schweiz. Verkehrsliga, anlässlich der Jubiläumsfeier des A. C. S. Luzern zur Auffas--, sung, dass es in der Zeit der neuen Verkehrsregelung um den Ausbau der schweizerischen* Alpenpässe noch schlimm bestellt sei. Zwecks Beseitigung dieser unhaltbaren Zustände ist bekanntlich auf den Herbst die Lancierung .einer Volksinitiative vorgesehen. Darin soll ÄUTOMQBIUKEVUB 1933 - N° 67 um einen Kredit in der Höhe von 200 Mill. Fr. nachgesucht werden, mit dessen Hilfe im Verlauf von zehn Jahren die hauptsächlichsten Alpenstrassen den modernen Erfordernissen des Automobilverkehrs angepasst werden sollen. Sicherlich würde eine derartige Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten nicht nur dem stark belasteten Arbeitsmarkt fühlbare Erleichterung bringen, sondern auch der leidenden Fremdenindustrie dürften damit ver- Nach der Internationalen Alpenfahrt. Die definitiven Resultate. Nachdem wir noch in der letzten Nummer die vorläufigen Resultate der Alpenfahrt veröffentlichen konnten, die bekanntlich am letzten Freitag in Nizza zu Ende gegangen ist, publizieren wir im folgenden noch die Verteilung der Gletscher- und Alpenpokale, sowie der Plaketten und Medaillen an die verschiedenen Fahrer und Teams : Gruppe I (über 3000 ccm). Alpenpokal: Ford-Team, 54 Strafpunkte. Gletscherpokal: 1. ex-aeejuo: van der Meulen (Ford) und van Beck Calkoen (Ford). 7 Strafpunkte; Gruope II (bis 3000 ccm). Alpenpokal: Hotohkiss-Team, 36 Strafpunkte. Vergoldete Alpenplakette; Mercedes-Benz-Team, 169 Strafpunkte. Gletscherpokal: Delmar (Bugatti), 0 Strafpunkte. Vergoldete Gletscherplakette: Legre (Bugatti), 1 Strafpunkt. Silberplakette: Mlle Helle-Nice (Bugatti), 3 Strafpunkte. Gruppe HI (bis 2000 ccm). Alpenpokal: Adl«r-Team, 52 Strafpunkte, vergoldete Alpenplakette; -Vauxhall-Team, 248 Strafpunkte. Gletscherpokal: Carriere (Alfa Romeo). 0 Strafpunkte. Vergoldete Gletscherplakette: von Guilleaume (Adler), 23 Strafpunkte. Silberplakette: Charlotte Bahr (Adler), 24 Strafpunkte. Gruppe IV (bis 1500 ccm). .. Alpenpokal: Rüey-Team, 51/ Strafpunkte, Vergoldete Alponplakette: Frazer-Nash-Team, 99 Strafpunkte. -Silberplakette: Adler-Teäm, 134 Strafp. ' Gletsch&rpckal: Jack Höbbs (Riley), 3 Strafpunkte. Vergoldete Gletscherplakette: Gripper (Frazer-Nash), 7 Strafpunkte. Silberplakette: Marshall (Frazer-Nash), 9 Strafpunkte. .! -• Gruppe V (bis 1100 ccm). Alpenpokal: M.G.-Team, 87 Strafpunkte. Vergoldete Alpenplakette: Singer-Team, 209 Strafpunkte. Silberplakette: Fiat-Team, 319 Strafpunkte. Gletscherp.okal: Belgrave, (M.G.). 2 Strafpunkte. Vergoldete Gletscherplakette:- Healey (Riley), 3 Strafpunkte. Silberne Plakette: Mlle Champney (Rile.y), 56 Strafpunkte. Speziaipreis für Damen: I. Mlle Champney und i Mlle Hobbs (Rilef),. 56 Strafpunkte; 2. MHe Sajoux ! (Delahaye), 122 Strafpunkte. (Mlle Sajoux fuhr die ganze Alpenfahrt allein.) ; In unserem ersten kurzen Rückblick auf • die Alpenfahrt in der letzten Nummer haben .wir bereits darauf hingewiesen, dass man ;sieh durch die geringe Zahl der strafpunktfrei angekommenen Fahrer in der Beurteilung der Ergebnisse der Prüfung nicht täuschen lassen, darf. Nur 22 % aller in Meran gestarteten Wagen fielen während der mehrte Verdienstquellen geschafft werden, indem durch den neuzeitlichen Ausbau unseres Alpenstrassennetzes eine nicht zu unterschätzende Anziehungskraft für den internationalen Autotourismus geschaffen würde. Allerdings ist zu hoffen, dass nicht durch kleinliche föderalistische Bestrebungen grosszügige Projekte verwässert und auseinandergenssen werden, wodurch sie in ihren Wirkungen verpuffen müssten. Wir haben in unserem Lande genügend Beispiele von kantons- und gemeindeweise vorzüglich ausgebauten Strassenzügen, die aber immer wieder von schlechten und unausgebauten Strekken abgelöst werden. Es ist zu hoffen, dass auf der bevorstehenden Reise schweizerischer Strassenfachmänner zwecks Besichtigung französischer und italienischer Alpenstrassen sich die Ueberzeugung durchsetzt, dass nur grosszügige und nicht durch die Kantonsgrenzen behinderte Projekte realisiert werden sollen. Nur dann können wir den Wettbewerb mit dem Ausland aufnehmen, wenn die durch unsere Landesgrenzen bedingte Kleinheit nicht noch mehr durch innere Grenzziehungen herausgestrichen wird, -my- Sportnachrichten Fahrt aus, die andern kamen sämtliche bis ans Ziel. Dieses Resultat zeigt mit aller Deutlichkeit, dass die diesjährige Alpenfahrt in Wirklichkeit ein glänzender Erfolg für die Automobilindustrie ist, deren Produkt© die schwere Prüfung somit zum grössten Teil glatt überwanden. Noch viel zu reden und zu schreiben dürfte die Frage der kontrollierten Bergstrecken geben. Bekanntlich hat vor allem Deutschland gegen die verlangten hohen Stundenmittel auf den chronometrierten Bergstrecken Einspruch erhoben. Wir werden, sobald! sich die verschiedenen an der Alpenfahrt in erster Linie beteiligten Länder zu den Schlussresultaten geäussert haben, auf die Angelegenheit noch zurückkommen. mb. St. Morltzer Automeeting. Gestern Donnerstag, morgens 8 Uhr, starteten die Teilnehmer zur internationalen Zielfahrt nach St. Moritz in verschiedenen europäischen Städten und eröffneten somit das diesjährige Automeeting des berühmten Engadiner Kurortes. Heute Freitag, um Mitternacht, begannen auch die Kreuz- und Querfahrer durch die Schweiz ihre Reise. Während diese heute abend noch zwischen 18 Uhr und 18.30 Uhr auf dem Kurhausplatz in St. Moritz wieder eintreffen, fahren die internationalen. Konkurrenten den ganzen Freitag durch und erreichen St. Moritz erst am Samstag zwischen 10 und 11 Uhr. Für die beiden Konkurrenzen sind zahlreiche in- und ausländische Nennungen eingelaufen. An der internationalen Zielfahrt nehmen die folgenden Fahrer teil: Pult Oswald, Pistoja (Fiat) Milt Kaspar, Glarus (Fiat) Neuer Friedr., Karlsruhe (Adler) Kaysser Eugen, Saalach, Württ. (Horch) Waldstein Ein., Trebitsch, Tschech. (Tatra) Bernet H. J., Berlin (Mercedes-Benz) Scotoni, Oerlikon (Bugatti) Francesco de Filipis, Neapel (Fiat) Schnell Jean, Basel (Adler Trumpf) Rüdinger, Frankfurt (Röhr) Plötzl, Ungarn (Donnet). Die internationalen Zielfahrer werden bekanntlich nach den zurückgelegten Distanzen bewertet. Da jeder Fahrer eine beliebige Eoute fahren darf, können über den Verlauf dieser Zielfahrt keine näheren Angaben gemacht werden. Die Kreuz- und Querfahrer haben sich, alle aus der Schweiz gemeldet: Seiler Hans, Pontresina (Lancia) Spälty Kurt, Glarus (Fiat) er so die Augen in die Runde schweifen liess, bemerkte er eine weibliche Gestalt seitwärts auf der Landstrasse. Sie stand vor dem Gartenzaun eines Bauernhofes, wo sie am Wegrande eine Ziege am Strick weidete. Das Grau ihres Kleides verschwamm mit dem Grau des alten Bretterzauns, um so schärfer hob sich oberhalb der Einfriedigung das scharfe Profil einer Greisin von dem lichten Weiss blühender Kirschbäume ab, die über den Zaun lachten. Die schrägen Sonnenstrahlen beleuchteten hell eine dürre Hand, mit der die Alte ihre Augen deckte. • Ihr Kopf war dem Flieger zugewendet, den sie aufmerksam verfolgte. Ein Gefühl tiefer Rührung ging wie ein Wärmestrom durch das Herz des einsamen Ruderers. Die alte Thomas! Noch immer glaubt sie, eines Tages wird ihr Fritz durch die Luft dahergezogen kommen, das Glück an Bord... Er kannte diesen nicht zu erschütternden .Mutterglauben. Auch die ihm einst das Leben gegeben, hatte geharrt und vertraut, dass er wiederkehren werde — Jahrzehnte hindurch. Georg zog plötzlich das Ruder ein. Er legte seine Aktenmappe aufs Knie, nahm seinen Füllfederhalter, schrieb einen Brief an die Bank. - Die Briefmarken reichten noch für die Eilbestellung. Er machte den heute mittag gegebenen- Auftrag rückgängig und wies die Bank an, jene elftausendvierhundert Mark an die Witwe Thomas in Priebenow zu senden und «war im Geldbrief mit einliegendem Zettel. Auf. den Zettel schrieb er die Worte: «Ewi r gen Gruss der Mutter!» ., Er„warf/noch einen Blick auf die alte Frau, die jetzt wieder, den Kopf gesenkt, ruhig ihre Ziege weidete und ruderte dann bei Kolmanz ans Land. Er wusste, am zweiten Hause befand sich ein Briefkasten. Niemand ausser ein paar Kindern begegnete ihm auf der stillen Dorfstrasse. Befriedigt stieg er wieder ins Boot und ruderte auf den See hinaus. «Das wird schliesslich auch Christine, dem guten Mädel, nicht ungelegen kommen.» Ein Blick nach dem Wasserzeichen am Ufer belehrte ihn, dass er nun ungefähr über dem Tief Sein musste. Und plötzlich stieg ein letztes Bedenken in ihm auf. War er denn ein Mörder, den es an die Stätte zurücktrieb, wo der andere lag? Oder gab es wirklich'ein Gesetz von der Schicksalsgemeinschaft bei Zwillingen? Zog es die, die vor dem Eintritt in das Leben monatelang im Dunkel eins gewesen, am Ende wieder der-, selben Gemeinschaft zu? Warum hatte der Arm am Grunde so oft gewinkt?' Warum war er diesem Wink gefolgt? Weil er sühnen wollte, weil er das heilige Du verletzt und weil alles misslungen war? Gleichviel. Auf Erden gab es für ihn nichts mehr zu tun. Er zog die Rüder ein. Um nicht im Wasser fortzutreiben, hatte er die beiden Steine mitgenommen. Er knöpfte sie unter den Ulster; sehnaUte den Gurt darüber. • Strolch, neugierig, was Herrchen vorhatte, kam von der Bootspitze, wo er nach schwimmenden Wasservögeln geäugt hatte, über die vordere, Sitzbank,zu ihm, sprang an seinen Knien empor und blickte ihn fragend an. Georg fasste mit beiden Händen den feinen Kopf und sah ihm in die klugen Augen. Zärtlich legte er die Wange auf den schwarzen Stirnfleck seines letzten Freundes. Ein seltsames Gefühl der Sicherheit durchströmte ihn mit dieser letzten Wärme einer Kreatur. Er fühlte sich eingeschlossen in den Kreis der Schöpfung, in die ewige Liebe und Schönheit des Alls, und diese kleine Tierseele mit den treuen Augen war ihm brüderlich vorwandt, wie auch die leise Welle, die am Bug des Bootes klopfte. Er konnte niemals herausfallen aus dieser Gemeinschaft, die Natur war ihre gemeinsame Mutter, die sie sicher im Arm behielt... Der Mond war aufgegangen und schwebte langsam über das Schilf empor, wie ein silberner Vogel, der leise singend in den Himmel steigt. Er löste mit seinem Zauberglanz die Starrheit der Ufer, er löste auch die letzte Starrheit in der Seele des einsam Fahrenden. Ihm schien jetzt die Zeit mit der Ewigkeit getönt, diese Stille bedeutsamer als alles Geschehen. Ja, diese Stille war es, die er unbewusst seit Wochen ersehnt hatte, dieser Abendglanz, diese Abendkühle, dies grosse Schweigen unter dem mystischen Bann der Nachtgestirne. ;Ein Fisch schnalzte in der Silberplatte des Wassers auf. «Oh, wüsstest du, wie's wohlig ist!» summte Georg leise, «dem Fischlein an dem Grund.» Mit einem leisen Schauder sann er dem Wort nach... Nun flogen seine Gedanken noch einmal zu dem Liebsten zurück, was er auf Erden gehabt — zu Anni... «Jetzt stossen sie wohl mit den Gläsern an im Landhaus Käthe. Ein Paar, das sich liebt, hat sich wiedergefunden. Lebt glücklich! Die Jugand soll blühen und gedeihen im Licht, wenn das Alter in die Gruft steigt. Aber auch zu dir will ich mit meinen letzten Gedanken zurückkehren, Käthe. Ein Gütiger hat in ähnlicher Lage einst gesagt: «Denke an sie wie sie in der Stunde war, da du sie am tiefsten geliebt hast.» Das will ich tun. Und er legte still die Hände zusammen. Der kleine Hund kam ungeduldig heran und leckte die Hände. Freundlich fuhr Georg ihm mit der Hand über den Kopf, nahm dann seinen Handstock, führte ihn mit «Tütütü» an den Mund und warf ihn in weitem Bogen auf den See. Mit einem Satz war der Terrier im Wasser und ruderte forsch auf die Stelle zu, wo der Stock gefallen war. Stolz und siegreich kam er nach einem Weilchen zurückgeschwommen, in der Schnauze den Stock als Trophäe hochgehoben. Aber kein Herrchen war mehr im Boot. Und der See blickte still, als wüsste er von nichts. Eine unsägliche Ruhe lag über dem Wasser — gleich dem Frieden einer erlösten Seile. Ende.

67 - 1933 AUTÖM.QBIL-REVUB Frl. Sylva Becker, Davos (Adler) Colley Charles, Pontresina (Mercedes-Benz) Blaser, Zürich (Minerva) Zwicky M. H., St. Moritz (Chevrolet) Korrodi A., Zürich (Bugatti). Auch die Kreuz- und Querfahxer werden nach den zurückgelegten Distanzen in der Schweiz gewertet. An der Schönheitskonkurrenz werden voraussichtlich rund 40 Wagen gezeigt. Die Vorbewertung findet am Sonntag, den 13. August, zwischen 8 und 10 Uhr statt und nachmittags werden die Wagen durch die Jury vor den Tribünen beurteilt. Da wegen der Durchführung der Autoschau gewisse Schwierigkeiten entstanden, musste diese mit der Schönheitskonkur- renz verbunden werden, wobei die für die Autoschau bestimmten Wagen einer gesonderten Bewertung unterliegen. Die Geschicklichkeitsprüfung ist auf Sonntag, nachmittags halb drei Uhr, verschoben worden und findet nun vorgängig der Schönheitskonkurrenz statt. Neben dem sportlichen Teil berücksichtigt das St. Moritzer Automeeting auch das Gesellschaftliche. Um 17 Uhr ist am Samstag eine Zusammenkunft auf Muottas Muraigl vorgesehen, am Abend folgt Unterhaltung in den Kulmhotels und am Sonntag abend schliesst sich die Preisverteilung mit Ball im Grand Hotel an. mb. Ueberraschungen im internationalen Automobilsport Von der berüchtigten Sauren-Gurkenizeit spürt der Automobilsport-Journalist dieses Jahr nur wenig. Wie eine Bombe platzte vor wenigen Tagen die Nachricht von weitgreifenden Veränderungen verschiedener bedeutender Rennfahrer. Wie wir noch kurz in der letzten Nummer melden konnten, traten die beiden berühmten italienischen Fahrer Nuvolari und Borzacchini aus der «Scuderia Ferrari» aus, um den Rest der Saison als Ein- -selfahrer zu bestreiten. Der Uneingeweihte wird Mühe haben, an diesen ausserordentlich überraschenden Bruch zwischen den prominentesten Rennfahrern des Jahres und dem ersten Rennstall Europas zu glauben. Nachdem kurz vor Beginn der neuen Saison der Rückzug Alfa Romeos vom Autosport bekannt wurde, traten seinerzeit Nuvolari und Borzacchini zur «Scuderia Ferrari» über. Dieser Rennstall, der die sportlichen und geschäftlichen Beziehungen der angeworbenen Fahrer nach besonderen Vereinbarungen regelt und unter der Oberhoheit Enzo Ferraris steht, wurde durch diesen Zuzug ausserordentlich gestärkt. Er verfügte sowohl über erstklassige Piloten als auch über einen grossen, wertvollen Wagenpark. In .zahlreichen Rennen siegten die Vertreter der erfolgreichen «Scuderia Ferrari». Ueber die Gründe, die nun zu der brüsken Trennung führten, bestehen verschiedene Versionen. Sowohl Ferrari wie auch Nuvo- ~~ ri und Borzacchini haben sich der Oeffentuchkeit gegenüber geäussert, dabei schiebt jeder dem andern die Schuld zu. Nach einer allgemeinen Version sollen sich schon kurz nach der Unterzeichnung des Vertrages Differenzen in der Auslegung einzelner Bestimmungen ergeben haben, so vor allem in der Frage der Verteilung der Startprämien. Die ..Unstimmigkeiten sollen aber nicht nur finanzieller Natur gewesen sein, sondern noch ganz bedeutend weiter gereicht haben. Nuvolari, der natürlich sehr gut seinen eigenen Wert kennt, soll die Oberhoheit über die Scuderia verlangt haben, und die Umwandlung des Namens in «Scuderia Nuvolari-Ferrari». Enzo Ferrari behauptet in seiner Zuschrift an die Presse, dass lediglich sportliche Differenzen den Grund zum Bruch bildeten. Er führt in erster Linie die Forderung Nuvolaris nach der Oberhoheit in der Scuderia an. Diese hätte ihm begreiflicherweis© niemals gewährt werden können, da es nicht in der Natur der Gesellschaft liege, die Zukunft mi dem Namen eines einzelnen Fahrers zu verbinden. Er wirft den beiden Bruch des Vertrages vor, der auf den 30. Juli gekündigt worden sei, auch wenn er im Wirklichkeit bis zum 31. Dezember laufen müsse. Ferrari erklärt deshalb, die ganze Angelegenheit werde vor die sportlichen Behörden gebracht. In schroffem Gegensatz zu diesen Auslassungen stehen die Erklärungen der beiden Fahrer. Das Wort führt selbstverständlich Nuvolari, hinter den sich Borzacchini bedingungslos gestellt hat. Sie bestreiten energisch jeden Vertragsbruch ihrerseits und schieben der Scuderia alle Schuld zu. Von Seiten der beiden Piloten sei vor einiger Zeit eine Reklamation wegen des Vertrages eingereicht und der Scuderia eine gewisse Frist zur Beantwortung gelassen worden. Diese habe aber auf diese Reklamation mit dem sofortigen Bruch der Beziehungen geant wortet, indem Fagioli als Equipenchef engagiert und Nuvolari und Borzacchini verdrängt worden seien. «Wer», so fragt der draufgängerische Nuvolari entrüstet, «hat nun den Vertrag gebrochen?» Im weiteren bestreiten die beiden die Behauptungen Ferraris, nach denen die Differenzen auf sportlichem Gebiete lägen und erklären im Gegenteil, sie wären lediglich administrativer Natur. Eine Oberhoheit hätte Nuvolari nicht gefordert, auch wenn die beiden Fahrer zusammen im Grunde genommen sie sportlich immer besessen und auch die Scuderia mit ihren Siegen erst gross gemacht hätten. In Italien scheint man den ganzen Konflikt als heikel zu empfinden, zum mindesten ent-' halten sich die Zeitungen einer Stellungnahme und warten die Entscheide der Sportbehörden ab. In sportlicher Hinsicht hat dieser Bruch selbstverständlich sehr interessante Folgen. Nuvolari verfügt gegenwärtig über einen Alfa Romeo 2600 ccm und einen Alfa Romeo 2300 ccm, ferner über den berühmten Maserati-Monoposto und, wie das Gerücht geht, auch über einen Alfa Romeo-Monoposto. Ein weiterer Maserati-Monoposto für den Mantuaner ist bereits im Bau. Anderseits hat Ferrari fünf Alfa Romeo-Monoposto von der ; Mailänder Firma erworben, mit denen erden Rest der Saison noch bestreiten will. Als Equipenchef berief Ferrari sofort Fagioli zu sich, der sich mit Nuvolari bekanntlich nie gut vertragen hat, und, wie verlautet, auch Chiron. Nuvolari auf Maserati-Monoposto gegen Fagioli und Chiron auf Alfa Romeo-Monoposto: das müsste ein äusserst interessantes Saisonende geben ! bo. Das Autokarussell von Nizza. Nizza hat am letzten Sonntag seinen ersten richtigen « Grossen Preis > erlebt, nachdem das Automobilrennen vom vorigen Jahr noch mehr Versuch war und auch keine überragende Besetzung aufwies. Das hat sich nnert einem Jahr gründlich geändert. Am Sonntag traten in der berühmten Rivierastadt 16 Konkurrenten zum Kampf an, von denen der weitaus grösste Teil zur europäischen Elite zählt. Die Organisatoren von Nizza, an grosszügige Veranstaltungen aller Art gewöhnt, verstanden es, das Rennen zu einer aussergewöhnlichen Angelegenheit zu machen, t Das Rennen wurde zu einem tollen Karussell der Wagen auf der 3214 m langen Rundstrecke über die bekanntesten Strassen und Der Start der Wagen: Nr. 24: Etancelin auf Alfa Romeo; Nr. 6 : Wimille auf Alfa Romeo; Nr. 2 : Nuvolari auf Maserati-Monoposto; Nr. 4: Sommer auf Alfa Romeo; Nr. 10: Lehoux auf Bugatti; Nr. 8 : Moll auf Alfa Romeo; Nr. 16 : Fagioli auf Alfa Rotneo; Nr. 22 : Varzi auf Bugatti; Nr. 20 : Canxpari auf Maserati und Nr. 30 : Brian Lewis auf Alfa Romeo. Oben: Nuvolari auf seinem Maserati-Monoposto in voller Fahrt. — Unten: Der Zweite des Klassements, Dreyfus auf Bugatti, während des Rennens. Nach dem Grossen Preis von Nizza Plätze der Stadt. Unzählige Kurven zwangen die Fahrer, die Wagen immer wieder abzudrosseln, so dass vor allem an die Getriebe und Bremsen unerhört schwere Anforderungen gestellt wurden. Der äussere Rahmen des Rennens erinnerte in vielen Beziehungen an Monte Carlo. Auch hier waren alle Hotels und Privathäuser bis unters Dach hinauf mit Zuschauern angefüllt, und alle möglichen und unmöglichen Plätze, Zäune, Treppen und Bäume wurden als Aussichtspunkte schon Stunden vor dem Rennen sturmartig in Beschlag genommen. Erst nach 16 Uhr traten die Fahrer, die vor dem Rennen erst einer nach dem anderen dem Publikum vorgestellt wurden, zum Start an. Das ungeheure Donnern und Brüllen der Motoren, das den Wänden der Häuser entlang brandete, war die rechte Musik zu diesem wildei Karussell über 300 km. Der Kampf endete, wie man es vorausgesehen hatte, mit einem neuen Sieg von Nuvolari. Sein Maserati-Monoposto-Wagen, dei durch kleine Verbesserungen noch bedeutend an Strassenhaltung gewonnen hat, begegnete in Nizza keinen ernsthaft gefährlichen Konkurrenten. Die neuen Bugatti-Wagen waren auch am Sonntag noch nicht zu sehen, und die Alfa Romeo 2600 ccm haben sich schon mehr als einmal dem starken neuen Maserati- Wagen unterlegen gezeigt. Der beste Fahrer Europas und der stärkste heute laufende Es gibt nur einen Schweizer Pneu, er heisst „PALLAS CORD und wird in Pfäffikon (Kt. Zürich) hergestellt. Von den bis nahezu auf 50 Jahre zurückführenden Anfängen dieser Industrie bis heute ist eine gewaltige Entwicklung zu verzeichnen. Ursprünglich beanspruchten die Gebäulichkeiten der R. & E. Huber in Pfäffikon eine Fläche von 242 m 2 , heute sind es für die Kabel-, Draht- und Gummiwerke zusammen rund 25 000 m a . Was liegt gerade in der gegenwärtigen Zeit näher, als der Schutz der einheimischen Industrie, besonders wenn sie in qualitativer Hinsicht und Leistungsfähigkeit dem Ausland ebenbürtig ist, dazu aber zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse im eigenen Lande beiträgt? Wenn man sich vorstellt, dass in den letzten fünf «Jahren für nahezu 90 Millionen Fr. Pneumatiks, Luftkammerreifen und Schläuche aus dem Auslande bezogen wurden, wird sich jeder um das Wohl des eigenen Landes beschäftigte Automobilist überlegen, ob es nicht besser ist, ein zuverlässiges, qualitativ hochstehendes Schweizer Produkt dem ausländischen vorzuziehen. I Schweiz. Kabel-; Draht- und Gummiwerke Telephon 975.301