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E_1933_Zeitung_Nr.065

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BERN, Freitag, 4. August 1933 Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 65 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dletutao und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •otern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtlictie Bestellung 30 REDAKTION a. ADMINISTRATION: Rreitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Hechnung 111/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseralensehluss 4 Tone vor Erscheinen der Nummern Uebersetzte Parkgebühren Mit den Sommermonaten ist in unserem Lande auch wieder ein regerer Festbetrieb zu verzeichnen. Durch Presse und Plakate wird überall zum Besuche der verschiedensten Anlässe aufgefordert. Dass man unter den Festbesuchern die Automobilisten nicht vermissen wöchte, geht aus der besonderen Erwähnung von Parkplätzen in den offiziellen Bekanntmachungen hervor. Selbstverständlich lässt sich im Zeitalter des Automobils kaum mehr eine kantonale oder grössere Festveranstaltung durchführen, ohne dass für Zu- und Abfahrt, speziell aber für Parkierung der Automobile die notwendigen Massnahmen ergriffen werden. Will aber nun der vielbegehrte Automobilist seinen Wagen an den bezeichneten Orten parkieren, so wird er sofort und oft auch unhöflich darüber belehrt, dass die Festkasse nicht nur von ihm Bezahlung des Eintrittsgeldes erwarte, sondern, dass er auch für sein Automobil einen Obolus zu entrichten habe. Gegen eine derartige Praxis hätte der Automobilist sicher nichts einzuwenden, sofern dafür auch eine entsprechende Gegenleistung erwiesen würde. In vielen Fällen hat aber die Erhebung von Parkgebühren keinem andern Zweck zu dienen,- als der Festkasse neben den regulären Eintrittsgeldern noch zusätzliche Einnahmen zur verschaffen; Diese Parkgebühren qualifizieren sich oft als ein reiner Beutezug auf diejenige Klasse unserer Bevölkerung, die man speziell in steuerpolitischer Hinsicht noch viel zu viel als ein unerschöpfliches Geldreservoir betrachtet. Untersucht man die praktische Handhabung der Entrichtung von Parkgebühren, so liegen die Verhältnisse meistens derart, dass ein in der Nähe der Festveranstaltung liegender Platz als Parkfläche bezeichnet wird. Ueberwiegend ungedeckt wird das der Sonne, dem Regen oder dem Schnee ausgesetzte Automobil daselbst in Kolonnen aufgestellt. Oft zwingen die räumlichen Verhältnisse zu Parkierungsmethoden. die nicht selten mit Beschädigungen am Fahrzeug enden, so dass «s sich vielfach lohnt, das Auto irgendwo anders zu verstauen. Mit Sperberaugen wird der Automobilist beim Parkieren von der «Bewachungsmannschaft» empfangen und sein Geldbeutel um zwei oder mehr Franken erleichtert. Vielfach, man kann sagen in den meisten Fällen, wird der Parkplatz der in Betracht fallenden, das Fest durchführenden Organisation kostenlos zur Verfügung ge- ' F E U I L L E T O N Rufe aus dem Dunkel Roman von Karl Strecker. (36. Fortsetzung) «Also Eifersucht,» dachte er, ungerecht in seinem Schmerz. «Das ist meine Käthe? Also auch dies Idol, um desseritwillen ich alles auf eine Karte setzte, verblasst, zerfliesst. Es hat sich nicht gelohnt, herüberzukommen. Es ging um eine Kleinbürgerin... Nun bricht die letzte Stütze der Brücke, die mich in ein neues Leben führen sollte.» Als ob ihr weiblicher Instinkt seine Gedanken erraten hätte, begann Käthe jetzt: «Ich nehme es dir nicht übel, was hier geschehen ist oder geschehen sein mag.» Georg wollte antworten. Sie fuhr schneller und lauter fort «Du hast dich in Anni getäuscht. Du kennst die deutschen Mädchen der Nachkriegszeit nicht. O jemine! Ich komme mir da wie ein altes Gerumpel vor. Du dachtest noch die Jungfrau aus Schillers Glocke vor dir zu haben: ,Mit schüchternen, verschämten Wangen', oder wie es heisst. So ähnlich waren wir ja noch in unserer Jugend. Aber jetzt ist das veraltet, jetzt gibt es nur noch offenes ,Aug' in Aug" und freien Handschlag. Ich kenne ja meine Anni. Was du für Liebe oder durch für Neigung gehalten hast, war Kameradschaft, nichts weiter...» stellt. Nur selten müssen besondere Anlagen für Zu- und Abfahrt usw. erstellt werden. Dabei wissen es die Veranstalter der einzelnen Feste schon so einzurichten, dass diese Kosten von der in Betracht fallenden Gemeindekasse übernommen werden. Namentlich in der jetzigen Krisenperiode kommt es öfters vor, dass die Erlaubnis für die Durchführung von Gesangs-, Turn-, Musikoder Schützenfesten damit begründet wird, den bezüglichen Lokalgemeinden müsse man grössere Nebeneinnahmen und bessere Arbeitsbedingungen verschaffen. Als übliche Pauschalgebühr wird vom Automobilisten, wie bereits erwähnt, ein Betrag von Fr. 2.—, nicht selten aber auch mehr gefordert; als Gegenleistung wird in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Erlaubnis erteilt, das Auto an einem bestimmten Platz aufstellen zu können. Mit der Bewachung steht es meistens sehr schlimm, denn nur selten werden Parkplätze von der Polizei oder von Securitasleuten im Auge behalten. Bei vorkommenden Diebstählen entschlägt sich die Festorganisation meistens mehr oder weniger der Entschädigungspflicht, da in diesen Fällen der billige Standpunkt der Nur-Aufstellungsmöglichkeit des Wagens, nicht aber seine Bewachungspflicht anerkannt wird. Im weiteren wird die Taxe von jedem erhoben, der in den Parkplatz einfährt, ob er dabei seinen Wagen eine oder zwölf Stunden stehen lässt. Wirklich ist die Einheitlichkeit bei der Parkierungspraxis grbsszügig, noch weitblickender aber die Rupfmethode am Automobilisten! Dass auch die Tagespresse gegen diese Unsitte anläuft, geht deutlich aus der letzten Autobeilage des «Bund» hervor, wo folgendes Beispiel aus dem Bernbiet angeführt wird: « Bei zwei grössern Landesteilfesten sahen wir auf dem Parkplatz recht wenig Wagen; gut fünfmal soviel standen in der Umgebung, und nicht am -wenigsten dort, wo Paxkverbotplakate die Autos auf den offiziellen, aber eben zu teuren Parkplatz treiben sollten. Und die Polizei musste wohl oder übel beide Augen zu-driicken. Bei einer vernünftigen Parksteuer hätte das Bild anders ausgesehen — sicher nicht zum Nachteil der Festkasse. Jede Festleitung denkt, die zwei Franken seien für den Einzelfall eine Kleinigkeit; in der Jahresaddition macht das aber für Leute, die beruflich oder aus Verpflichtung gegenüber ihren Vereinen gezwungen sind, öfters an Festen teilzunehmen, schon eine nette Summe aus. Und die Besucher zu veTär.gern, ist sioher keine zweckmässige Propagandamethode einer Festleitung » Es dürfte endlich der Tag anbrechen, wo Georg nickte langsam vor sich hin. Tiefes Mitleid ergriff Käthe. Sie stand auf. «Lieber Georg, lieber, lieber Georg.» Sie trat zu ihm und fasste seinen Arm. Georg wandte sich zu ihr. Mit überströmenden Augen ergriff sie seine Hand. «Sei mir nicht böse.» Georg schüttelte den Kopf und biss die Zähne zusammen, um ein Aufwimmern zurückzuhalten. Mit dem erschütternden Schmerzgefühl letzten Abschieds — von allem, was ihm lieb gewesen — sah er sie an. Ohne Vorwurf. Nur mit einer unsäglich wehmütigen Gewissheit: ,Es ist bestimmt in Gottes Rat...' Er nahm still ihre Hand und drückte einen Kuss darauf. Dann verliess er schnell das Zimmer. Er ging in seine Wohnung hinüber, warf sich aufs Sofa und vergrub das Gesicht in die Kissen, ein lautes Aufheulen zu ersticken. Eine Stunde später verliess er das Haus. Käthe ging hinauf. Als Anni das Gesicht der Mutter sah, sprang sie auf und trat ihr entgegen. Käthe fasste ihre Hand und hielt sie fest. «Ich will Klarheit in allem. Du musst wissen, was geschehen ist.» Anni sah mit grossen Augen auf. «Georg hat um meine Hand angehalten. Ich habe —». sie stockte, presste ihr Taschentuch an die Lippen und schüttelte den Kopf. Beide schwiegen. «Weisst du weshalb?» man auch in der Schweiz bei Behörden und Privatorganisationen sich zur Einsicht durchringen möge, dass das Automobil ein unentbehrliches Beförderungsmittel für Güter wie für Personen ist und sich zu diesem noch mehr entwickeln wird, je weniger die Bahnen in der Lage sind, sich den schnell wechselnden Verkehrsbedürfnissen des Tages anzupassen. Namentlich wenn man nicht nur um des Festes willen an die Durchführung festlicher Veranstaltungen herantritt, sollte der Automobilist nicht durch Bezahlung übersetzter Parkgebühren verärgert werden. Deutlich hat es sich in der praktischen Durchführung erwiesen, dass massvolles Einhalten der Nebengebühren ein um so stärkeres Anziehen der Hauptumsätze mit sich bringt. Diese Tatsache konnte unlängst eine ostschweizerische Gemeinde überprüfen, indem sich die erhobene Parkgebühr von 50 Rp. recht schnell unter den Automobilisten herumsprach und der Besuch dieser Kreise bei der nach einer Woche erfolgten Fest-Wiederholung selbst die hochgeschraubten Erwartungen übertraf. Zudem wurde der betreffende Parkplatz noch streng bewacht, so dass sich mancher Automobilist zweimal erkundigte, ob es denn mit der Bezahlung von 50 Rp. auch stimme, da man sonst überall stärker geschröpft werde. Die Initianten dieser Veranstaltung können in der Folge denn auch auf einen starken Zuzug der Automobilkreise rechnen; denn nichts 'empfindet und merkt sich der Autofahrer mehr, als wenn man ihn, wie dies leider noch vielfach üblich ist, mit einem «goldenen Kalb» vergleicht. Er trägt schon genügend Steuern und Zölle auf seinem Rücken, so dass er nicht auch noch zur Ausgleichung von Festbudgets herangezogen werden will. Ebenfalls hinsichtlich des wiederholten Besuches von Festen und Ausstellungen seitens der Automobilisten wird durch die Erhebung übersetzter Parkgebühren stark gesündigt, was sich wohl in einem nicht erfassbaren, aber sicherlich einschneidenden Ausfall an Eintrittsgeldern auswirkt. Angenehm berührt in dieser Hinsicht Anni errötete. Ihre Schultern zuckten. Im selben Augenblick kam ein Schluchzen aus der Brust der Mutter. So heftig, wie es Anni noch nie an ihr erlebt hatte. Sie umschlang die Mutter, die aufgestanden war, und legte den Kopf an ihre Brust. Und beide standen lange so. Und ihre Körper bebten. «Vergib mir, liebe Mutter, ich kann nichts dafür.» «Ich habe dir nichts zu vergeben, Kind. Dir nicht und keinem. Vielleicht nur mir selber...» Georg Hess an diesem Abend nichts mehr von sich hören. Am nächsten Morgen, dem Tag der Abreise der beiden Damen, Hess er Käthe um eine Unterredung bitten und eröffnete ihr, dass er in nächster Zeit endlich darangehen müsse, seine ins Stocken geratenen geschäftlichen Angelegenheiten zu ordnen und daher den Sommer über wohl keine Zeit haben werde, die Damen zu sehen. Er wollte deshalb nicht säumen, einen Wunsch seiner Mutter zu erfüllen, den sie wiederholt ihm gegenüber ausgesprochen habe und der für ihn daher die Gültigkeit eines letzten Willens habe. Er habe nach Richards Tod seiner Mutter das ganze Vermögen zur Verfügung gestellt, sie habe es aber abgelehnt bis auf eine bestimmte grössere Summe. «Die eine Freude wollte sie sich nicht versagen,» fuhr er fort, «in ihrem Testament Menschen, die sie lieb hätte, zu bedenken. die bewachte und unbewachte Parkierungsmöglichkeit an der zur Zeit durchgeführten Zürcher Gartenbauausstellung. Dort werden die Automobilisten nicht durch Parkverbote auf den bewachten Parkplatz verdrängt, sondern es steht jedem frei, nach seinem Ermessen zwischen der Bezahlung einer Parkgebühr, worin in diesem Falle gleichzeitig die Garantie der Bewachung gegeben ist, und einer unbewachten, aber in vollauf genügendem Umfange vorhandenen Parkierungsmöglichkeit zu wählen. Das Resultat der freiwillig bezahlten und der unentgeltlichen Parkierung widerspiegelt sich in einem ununterbrochen starken Besuch der «Züga» seitens der Automobilisten. Zur Zeit wird ebenfalls in Zürich das kantonale Schützenfest durchgeführt. Im Albisgütli oben soll der Automobilist eine Platzgebühr von 2 Fr. entrichten müssen, trotzdem in Schützenkreisen viele Automobilfahrer sind. Namentlich die vom Lande herkommenden Schützen werden meistenteils ihren Wagen mitnehmen und gleichzeitig die nächsten Schützenkameraden zur Fahrt einladen. Dadurch, dass sie mithelfen, die Besucherzahl zu vergrössern, wird ihnen eine Extrarechnung in Form einer hohen Parkgebühr präsentiert, denn die Ausrede der üblichen Bahnbeförderung ist nicht überall mehr zu gebrauchen, speziell dann nicht, wenn die vom Zürcher Hauptbahnhof weit abgelegene Schiessanlage im Albisgütli betrachtet wird. Innerhalb der Organisationskomitees für die verschiedensten Veranstaltungen sitzen doch sicherlich einige Automobilisten. Diese 'sollten die seinerzeitige Anregung des Touring-CIubs, Sektion Zürich, befolgen und in ihren Kreisen auf eine weitblickende Handhabung der Parkierungsgebühren hinweisen. Es hat aber den Anschein, als würde diesen Kreisen bei der Behandlung der Frage der Parkgebühren nur die Interessen der Vereinskasse am nächsten liegen, während sie aber als Nichtinteressierte oft ein herbes Wort ge* gen diese Unsitte vernehmen lassen. Im ganzen Lande spricht man von Verkehrspropaganda, von Massnahmen zur Belebung des Fremdenverkehrs und noch von vielen anderen Dingen. In Wirklichkeit wird aber vielfach den schönen Vorsätzen entgegen gelebt und weiterhin alte Zöpfe gepflegt und behütet. Nur in wenigen Fällen getraut man sich an eine grosszügige Reformarbeit heranzutreten, was insbesondere auf dem Gebiete des Verkehrswesens zutrifft. Weil man seinerzeit den Automobilisten schröpfen konnte wo man wollte, sei es durch Steuern, Zölle, Gebühren und Strafen, glauben auch heute noch viele Festveranstalter, dieser Praxis weiterhin nachleben zu müssen. Hier hilft nur ein radikales Heilmittel, entweder sorgen die in den Initiativkomitees für die verschiedenen Veranstaltungen sitzenden Automobilisten für Ansetzung einer angemessenen Höhe der Parkierungsgebühren, inkl. organisierte Platzbewachung, oder der Automobilist verzichtet dort, wo mehr als Fr. 1.— für Parkierung verlangt wird, auf Aufstellung seines Wagens in den angewiesenen Räumen. Wy. Und das warst in erster Linie du, liebe Käthe, die du ihr ja auch so viel Gutes getan hattest.» «Nicht viel,» sagte Käthe kopfschüttelnd. «Doch. Mehr, als du glaubst. Mutter hat mir alles erzählt, damals schon, als ich über ihrem Bett deine Fürbitte um ihren Schlaf las... Es ist ja nur ein Zufall, dass Mutter nicht mehr dazu kam, die Sache schriftlich festzulegen. Aber da ich das Vermächtnis aus ihrem Munde habe, ist es meine Pflicht, es zu erfüllen.» Und er nannte eine ansehnliche Summe, die er als Erbschaft seiner Mutter für Käthe angewiesen habe. Käthes Protest wurde nicht angenommen. «Noch eins,» sagte Georg. «Die Entzweiung zwischen Anni und Otto beruht, soviel ich sehe, auf einem Missverständnis, zu dem ich, wenn auch ohne es zu wollen, die Veranlassung gegeben habe. Ich werde ihn daher in Berlin aufsuchen. Ich hoffe, es bedarf nur einer kleinen Aufklärung, denn wie du sagst, lieben sich die beiden noch.» Ihr Gespräch wurde unterbrochen durch ein Telegramm, das Georg teleponisch übermittelt wurde. Es kam aus Dramburg und lautete: «Plath gefährlich. Brief folgt W.» Georg kam mit gleichgültiger Miene vom Apparat zurück. «Also, dein Einverständnis habe ich, liebe Käthe,, nicht wahr? Ich darf versuchen, mit Otto die Sache ins reine zu bringen?»