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E_1933_Zeitung_Nr.072

E_1933_Zeitung_Nr.072

BERN, Dienstag, 29. August 1933 (Nummer 20 Cts. 29. Jahrgang - N° 72 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •ofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414. Telephon 28.222 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Imeratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Wir und die andern In No. 66 der « A.-R. > haben -wir unter dem Titel « Feststellungen und Vergleiche » eine Eineendung veröffentlicht, die sich mit den zur Zeit sehr aktuellen Fragen des Ausbaues unserer Alpenstrassen befasste und den heutigen Strassenzustand in den Schweizer Alpen mit demjenigen in Oberitalien, Ostfrankreich und Oesterreich verglich. Von anderer Seite werden uns Beobachtungen und Erfahrungen zur Verfügung gestellt, die auf einer grössern Auslandsreise über 19 Pässe durch vier verschiedene Länder gesammelt •wurden. In Ergänzung zu der in No. 66 erschienenen Abhandlung geht aus diesen Ausführungen deutlich hervor, wo der Hebel anzusetzen ist, um unserem Lande auch in autotouristischer Hinsicht den ihn zukommenden Platz zu sichern. Red. Obschon von weitblickenden Verbänden und Kreisen nichts unterlassen wird, um der kleinen Schweiz ihre verkehrspolitische Bedeutung zu wahren und zu sichern, sind immer noch starke Kräfte am Werk, welche glauben, im Stillstand und in der Rückschrittlichkeit liege die Zukunft unseres Automobil-, Fremden- und Durchgangsverkehrs begraben. Während wir heute unter Aufwendung vieler Mühen und unter stärkster Belastung des motorisierten Verkehrs endlich zu angemessenen Strassenverhältoissen im Tiefland gekommen sind, hapert es hinsichtlich des Ausbaues der Alpenstrassen in allen Kantonen noch ganz bedenklich. Unsere vier Nachbarstaaten haben sich diese Chance nicht entgehen lassen und versuchen durch grosszügige Verbesserungsarbeiten und Neubauten den Strassenverkehr über ihre Netze zu leiten. Während seinerzeit auf eisenbahnpolitischem Gebiete zwischen Oesterreich, der Schweiz und Frankreich heftige Kämpfe um den grössten Anteil am Nord-Süd-, resp. Süd-Nord-Verkehr ausgefochten wurden, die mit der heutigen Liniengliederung Brenner, Qotthard, LÖtschberg-SimoIon. Mont Cenis ihren Abschluss gefunden zu haben scheinen, beginnen sich auf dem Gebiete des Autoverkehrs ähnliche Rivalitätsbestrebungen abzuzeichnen. In der Brennerstrasse, die bis auf ein kurzes, noch nicht ausgebautes österreichisches Stück, unmittelbar vor der italienischen Grenze, eine 5—6 m breite, asphaltierte Nordsüdverbindung darstellt; haben Oesterreich und Italien bereits ein grosses Kontingent von Fahrern von der Schweiz abgelenkt, das sich nach Fertigstellung der Gross-GIocknerstrasse noch vergrössern wird. Ohne in Details auch noch auf die vorzüglichen Strassen in Savoyen, im Dauphine oder auf die Route d'hiver des Aloes einzu- Der geheime Kampf. Roman von Philipp Klein. (2. Fortsetzung) Inhalt des bisher erschienenen Teils : Der deutsche Graf Eberhard Hatzberg, der vor dem Kriege •wegen eines Fehltrittes aus dem preussischen Offizierkorps ausgeschlossen worden war und sich viele Jahre in Amerika aufgehalten hatte, kommt wählend des Krieges nach Berlin zurück, und besucht dort seinen Bruder, den Major Graf Hatzberg. Dieser schlägt dem Heimgekehrten vor, sich in den Dienst der internationalen Kriegsspionnage zu stellen. Eberhard Hatzberg hatte darauf mit dem Leiter der Abteilung Illb, Oberst Nicolai, eine Unterredung. Er hat Ihnen, wie ich weiss. von der Abteilung IIIB gesagt, und Sie schienen nicht abgeneigt, sich die Sache durch den Kopf gehen zu lassen. Nun muss ich Ihnen sagen : es ist richtig, dass diese Abteilung III B, von aussen gesehen, nicht für jeden verlockend wirkt. Nachrichtendienst — darunter stellt man sich Spionage vor, und das ist auch bis zu einem gewissen Grad richtig. Falsch ist nur, dass man mit dem Begriff «Spion» im allgemeinen den Begriff der Ehrlosigkeit ver- bau verbundenen Gewerbe und Industrien daraus ihren Nutzen ziehen. Mancher Batzen würde in die Taschen der in den Steintreten, müssen wir zugestehen, dass die Schweiz hinsichtlich des Ausbaues ihrer Alpenstrassen gegenüber den Nachbarstaaten tigten Arbeiter fliessen, wobei im Gebiete brüchen und am Strassenbau direkt beschäf- ins Hintertreffen geraten ist. Auf der imder Alpen in erster Linie an die Beschäftigung der Bergbauern zu denken ist. Nicht September vorgesehenen Studienfahrt der schweizerischen Strassenfachmänner ins Gebiet der Dolomitenstrassen und an denauch Hitler sowie Oesterreichs sympathi- vergebens haben Mussolini und neuerdings Gardasee können sich die Kantonsingenieure scher Bundeskanzler das Hauptgewicht der aus eigener Anschauung ein Bild über die Arbeitslosenbeschäftigung auf den Strassenbau konzentriert, da derartige Leistungen Pionierleistungen unserer südlichen Nachbarn auf dem Gebiete des Strassenbaues machen. Reichlich spät begeben sich unsere schaffungsprojekten wohl den meisten Hän- primär wie sekundär von allen Arbeitsbe- biedern Eidgenossen nach Oesterreich und den Beschäftigung bringen. In erster Linie Italien; doch haben die am Automobilverkehr interessierten Kreise endlich wenigligten Kreise von der Inangriffnahme derar- profitieren die direkt am Strassenbau beteistens Gewissheit, dass auch in den dun-tiger Bauten, aber auch die Zement-, As- kelsten Amtsstuben allmählich die Ausbau bedürftigkeit unserer internationalen Nord- Südverbindungen klar wird und dass man sich im Auslande belehren lassen muss, nachdem unter der Herrschaft der Postkutschen die schweizerischen Alpenstrassen als vorzüglich angelegte Verbindungen bekannt waren. Wohl sind in einigen Kantonen speziell die für das Strassenbauwesen verantwortlichen Männer bestrebt, im Rahmen der vorhandenen Mittel, das Bestmögliche herauszuholen, doch bleiben diese Massnahmen leider immer Flick- und Stückwerk, weil es an einem einheitlichen, nicht durch Kantonsgrenzeri gehemmten Ausbau fehlt. An die Reise der Strassenfachmänner möchten wir die Hoffnung baldiger, positiver Entscheide knüpfen, speziell aber dem Wunsche Ausdruck geben, dass nicht durch Projekt- und Gegenprojektaufstellungen, durch Konferenzen. Gutachten und Vernehmlassungen aller möglichen und unmöglichen Instanzen Monate und Jahre verstreichen, während denen zwar wilder Papierkrieg wütet, Pickel und Schaufel dagegen ruhen. bindet; aber es geschieht. Dass heute, wo Kriege nicht mehr, wie im Mittelalter, von Mann zu Mann geführt werden, Kundschafterdienst notwendig ist, und dass dieser Kundschafterdienst durchaus ehrenhaft sein kann, darüber besteht bei Leuten, die etwas mehr von der Sache wissen, kein Zweifel. Viele Länder haben im Frieden einen sehr umfangreichen Nachrichtendienst unterhalten und von ihrem Standpunkt aus gewiss durchaus recht gehabt. Wir sind auch hier, wie überall, zu spät gekommen, haben auch nicht die Mittel dazu gehabt, unsere Organisation auszubauen, aber wir haben augenblicklich doch einen Dienst, der den Anforderungen im grossen und ganzen entspricht. Ich arbeite mit einer Anzahl von Nachrichtenoffizieren, die ihrerseits wieder eine Reihe von Agenten beschäftigen. Worauf es dabei ankommt, das ist in erster Linie: den feindlichen Nachrichten- und Propagandadienst möglichst unschädlich zu machen —, und dann: der obersten Heeresleitung verlässliches Material über Absichten, Bewegungen, Truppenkörper usw. zu beschaffen. Das erfordert eine grosse Intelligenz. Das erfordert bedeutende Sprachkenntnisse und Sachkenntnisse. Und das erfordert ein hohes Mass von Mut. Der Mann im Schützengraben, der von den Feinden gefangengenommen wird, kann hoffen, mit dem Leben davonzukommen. Der Agent, der sich fassen lässt, nicht. Erwischt werden, bedeutet den sicheren Tod. Es sind zwei Kategorien von Menschen, die wir beschäftigen: Patrioten, die auf diese, wie ich zugebe, äusserst gefahrvolle Weise dem Vaterland ihre Es ist uns wohlbekannt, wie in vielen Kreisen unseres Volkes noch die Auffassung vom Automobilisten als einer Herrenklasse vorherrschend ist, obschon es auch in dieser Hinsicht allmählich zu dämmern beginnt. Der Ruf nach schnellem und grosszügigem Ausbau userer Bergstrassen hängt nicht zusamen mit den Wünschen und den Bestrebungen einer privilegierten Sonderklasse, sondern muss sich im Rahmen des gesamten Volkswohles behandeln lassen. Es sind nicht nur die «Herren», wie man sie speziell in der Innerschweiz so gerne tituliert, die von einer Alpenstrassenbau-Initiative profitieren werden, sondern ebensosehr werden die vielen direkt und indirekt mit dem Strassen- phalt-, Teer- und Baumaschinenindustrie wird mit zusätzlichen Leistungen rechnen können. Das grosse und schwer zu lösende Problem der Arbeitslosigkeit, das in zunehmendem Masse mit seiner ganzen Schwere auch auf unserer Wirtschaft lastet, könnte ähnlich wie in Italien und in Oesterreich durch Strassenbauarbeiten weitgehend einer Lösung entgegengeführt werden. Die durchschnittliche Zahl der Stellensuchenden betrug in der Schweiz im Jahre 1932 rund 54,000, in den ersten sieben Monaten 1933 ca. 70,000, Ziffern, die in Berücksichtigung unserer Wirtschaftslage zu denken geben. Wohl werden da und dort Arbeitslose durch Strassenbauarbeiten beschäftigt, aber die dafür ausgesetzten Kredite sind viel zu klein, um eine wirklich fühlbare Entlastung zu bringen. Zudem tragen diese Arbeiten vielfach den Stempel temporärer Verlegenheitsmassnahmen, indem dadurch nur Teilstrecken ausgebaut oder verbessert werden. Hindernd stehen der Inaogrimahme durchgehender Projekte die vielen Kantonsgrenzen entgegen, die meistenteils noch durch Gemeindegrenzen besonders herausgestrichen werden, was unserm einheimischen Strassenbau den Anschein eines buntgewürfelten Zusammensetzspieles verleiht. Einen bemühenden Eindruck hinterlassen derartige Strassenzustände namentlich unter den ausländischen Automobilisten, denen in ihrem Heimatland Hunderte von Kilometern gleichmassig ausgebauter Strassen zur Verfügung stehen, während bei uns gute, sogar sehr gute Strecken mit staubigen und mit Schlaglöchern versehenen Strassenstücken abwechseln. Dienste widmen, und Abenteurer, die für Gelderwerb ihr Leben in die Schanze schlagen. Diese letzteren sind es, an denen die oberflächliche öffentliche Meinung leider das Mass zur Beurteilung des gesamten Nachrichtenwesens nimmt, aber wir können sie nicht entbehren. Dass Sie für diese Kategorie nicht in Betracht kommen, darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Wenn Sie zu uns kommen, rechne ich Sie im voraus zu den opferfreudigen Patrioten, die um der Heimat willen ihr Leben einsetzen, ohne Aussicht auf Wir sind uns dessen bewusst, dass durch alle Massnahmen, die im Interesse des Automobilverkehrs durchgeführt werden sollen, in vielen Kreisen heftigster Widerstand geweckt wird. Namentlich in einigen, speziell für den Passverkehr in Betracht fallenden Kantonen wird das Schlagwort vom eigenen Weg der Schienenbahn und der untragbaren Abnützung der öffentlichen Strassen durch das Automobil immer noch als Dogma vertreten. Vielfach ist man sogar soweit gegangen, diejenigen Summen als Kapitalfehlleitungen zu bezeichnen, welche in den Strassenbau gesteckt wurden. Abgesehen davon, dass die Kritiker in ihrer blinden Wut gegen den Motorfahrzeugverkehr von der völlig falschen Voraussetzung ausgehen, als ob die Strasse einzig und allein dem Autotourismus diene, und als ob sie nicht schon lange vor den Eisenbahnen die weitaus älteste Grundlage für den gesamten Landverkehr gebildet hätte, übersieht man absichtlich die unleugbare Produktivität aller Strassenbauarbeiten. Wir möchten auch nicht zu jener Kategorie gezählt werden, die der Arbeitsbeschaffung durch die öffentliche Hand, d. h. der Arbeitsbeschaffung um jeden Preis das Wort reden, haben doch die in allen Ländern gesammelten praktischen Erfahrungen mit dieser Art von Arbeitsbeschaffung zur Genüge bewiesen, wohin derartige Aufwendungen führen müssen. Beim Strassenbau aber sind die Verhältnisse doch etwas anders gelagert, denn einmal stellen die Strassen öffentliche Verkehrseinrichtungen dar, an denen jedem Staatsbürger ein Gemeingebrauch zusteht, den er als Ausiluss seiner Rechte als Staatsbürger und Steuerzahler unbehindert auszuüben befugt ist, während anderseits sich der Fremdenverkehr in steigendem Masse des Personenautomobils bedient, so dass auch in dieser Hinsicht weite Kreise unseres Volkes an einem gut ausgebauten Strassennetz interessiert sind. Sich gegen diese Entwicklung stemmen zu wollen, nützt ebensowenig, wie sich seinerzeit das Fuhrhaltereigewerbe gegen den Eisenbahnbau aufzulehnen vermochte. Sogut wie unter der Herrschaft des Dampfes und der Elektrizität mit der langsamen Pferdepost aufgeräumt wurde, so dass der Passverkehr vollkommen verödete, sowenig werden alle gegen die Entfaltung des Automobilverkehrs ergriffenen Massnahmen sich auf die Dauer als wirksam erweisen. Bereits haben einige Kantone eingesehen, in welche starke Isolierung sie ihre gesamte Wirtschaft hineinmanövrieren, wenn sie glauben, im Interesse des Eisenbahnverkehrs durch ge- den Sie, was Sie über die Einrichtungen des fremden Nachrichtendienstes, seine Führer und Träger wissen müssen. Sie finden ferner detaillierte Angaben über unseren Dienst, die verschiedenen Chiffern, alles, was Sie brauchen. Ich gebe diese Instruktionen sonst nicht aus der Hand — Ihnen vertraue ich. Wie wichtig der Inhalt ist, brauche ich Ihnen nicht erst zu sagen: Unser ganzer Dienstund alle unsere Verbindungen sind in dem Augenblick erledigt, da diese Broschüre zur Kenntnis irgendeiner Ententestelle gelangt.» Eberhard Hatzberg. nahm das kleine Heft entgegen; es war in einer sehr kleinen Schreibmaschinenschrift und hatte etwa 120 Seiten. «Ich danke für diesen grossen Beweis des Vertrauens, Herr Oberst», sagte er, «Sie sollen sich in mir nicht getäuscht haben !» «Davon bin ich überzeugt. Wenn es Ihnen möglich ist, prägen Sie sich den Inhalt in — sagen wir: vier Tagen möglichst wörtlich ein, und dann bringen Sie mir das Heftchen wieder. Nichts abschreiben, auch keine Adressen! Das ist sehr wichtig: so wenig Geschrie- öffentliche Anerkennung. Denn, wer für uns arbeitet, der arbeitet im Dunkel und bleibt im Dunkel. Ist Ihnen das klar?» «Gewiss, Herr Oberst. Ich habe auch, so- weit die militärische Erkundigung in Betracht kommt, ein ungefähres Bild von dem, was dieser Dienst erfordert. Aber damit ist wohl noch nichts getan.» «Nein. Allerdings nicht. Und es hat auch keinen Sinn, ins Blaue hinein zu arbeiten. Die Entente hat Schulen, richtige Schulen zur Information ihrer Nachrichtenagenten. Wir informieren von Mann zu Mann.» Der Oberst stand auf, trat an eines der Bücherregale und entfernte ein Brett — esbenes als irgend möglich. Der Buchstabe ist zeigte sich, dass die schön gebundenen Bücherrücken nur Rücken waren. Dann schloss kann man keinem Menschen hineinsehen.» unter Umständen mörderisch — ins Gehirn er mit einem kleinen Schlüssel einen in die «Ich verstehe, Herr Oberst. Es würde mich Wand eingelassenen Schrank auf und ent-abenahm üim eine kleine Broschüre. «Hier fin- besonderen Wert legen — ich meine, was interessieren, worauf Sie im Augenblick zu