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E_1933_Zeitung_Nr.070

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 70 sitzt, müssen die Räder ungefähr doppelt so stark belastet sein, als es lediglich zur schlupffreien Uebertragung der Motorleistung notwendig wäre. Es ist jedoch weiter erforderlich, dass das Fahrzeug auch aerodynamisch stabil ist. Die Karosserie muss so geformt werden, dass der Wagen durch den Luftzug etwas gegen den Boden gedrückt wird, und zwar soll der Abtrieb hinten grösser sein als vorn, damit die Hinterräder nach einem Sprung des Wagens den Boden zuerst wieder be-i rühren. Die Seitenflächen müssen so bemessen sein, dass der Druck-Mittelpunkt eines Seitenwindes hinter dem Wagenschwerpunkt liegt, damit der Wagen auch «iü. der Luft» seine Richtung beibehält. Diese Anforderungen bedingen die Anwendung einer Leitfläche möglichst weit hinten am Wagenhinterende. Damit das Fahrzeug nicht in Nickschwingungen gerät, muss der Radstand mindestens 4,5 Meter betragen, und zur seitlichen Stabilität ist eine Spurweite von. mindestens 1,60 Meter erforderlich. Die Baukosten eines solchen Wagens betrügen ungefähr 500,000 Franken, wovon einzig auf die Windkanal-Versuche 25,000 Pranken entfielen. Vom Konstrukteur Railton wird im übrigen •speziell auf die Notwendigkeit der Schaffung besserer Bremsen hingewiesen. Trommelbremsen, wie sie bisher benützt •wurden, sind fast wirkungslos und vermindern auch noch den Luftwiderstand der Räder in sehr unerwünschter Weise. Räiltort denkt sich die Lösung dieses Problems in einer Art Uebertragungsbremse mit Wasserkühlung, wobei die Bremskühlung mit der Motorkühlung verbunden würde. Eine ausserordentlich schwierige Aufgabe, die es schliesslich noch zu lösen gäbe, wäre die Konstruktion genügend widerstandsfähiger Reifen. Bei Geschwindigkeit von 480 km/St, strebt jeder Quadratzentimeter des Gummibelages sich mit einer Kraft von 25 kg von der Leinwandunterlage loszureissen. Um eine einigermassen zuverlässige Bindung zwischen dem Gummiprotektor und der Leinwandunterlage sicherzustellen, macht man schon heute die Gummiauflage bei derartigen Rennreifen nur millimeterdick. Es versteht sich yon selbst, dass die Widerstandsfähigkeit solcher Reifen gegen Abnützung aber nur sehr gering sein kann. Zu verkaufen komplette 10666 Einrichtung einer at. Frage 8815. Reinigen eines Kühlers. Kann 'ein Kühler mit kaustischer Soda gereinigt werden? Welche Mengen Soda sind in Wasser aufzulösen? J B. in Z. Antwort: Bei der Soda, die, in Wasser gelöst, zur Kühlerreinigung verwendet werden kann, sbandelt es sich nicht um sog. kaustische Soda, d. h. Aeiznatron, sondern gewöhnliche Waech- Autoreparatur- Werkstätte mit "Maschinen, Werkzeugen und Transmission, in gutem Zustand. Ev. Zahlungserleichterung. Offerten unter Chiffre 14047 an die Automobil-Revue, Bern. Lancia Laimbda Trapeze Motorträger jetzt- in verstärkter Ausführung und trotzdem 10829 billiger H. 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Man kann annehmen, dass diese Art der Beanspruchung ungefähr mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit zunimmt. Beim Ueberfahren eines kleinen Hindernisses' kommt die Federung des Fahrzeuges kaum zur Auswirkung, und jeder Stein übt auf den Reifen einen ähnlichen Schlag aus, wie ein Hammer mit einer Tonne Gewicht. , Campbell hält es für möglich, dass er selbst in absehbarer Zeit noch eine Geschwindigkeit von 300 Meilen erreichen werde. Dann, bemerkt er, betrachte er jedoch seine Aufgabe als erfüllt und werde sich endgültig von Weltrekordversuchen zurückziehen. m. Abschliessbarer Haubenriegel. Manche Automobilisten ziehen es vor, ihre Motorhaube 1 versperrbar zu haben, meist um den Diebstahl von den rasch abmontierbaren elektrischen Apparaten, die Entnahme von Benzin Der absemiessbare Baubenriegel. usw. zu verhindern, manchmal auch vwn unbefugten Augen das Spionieren unter der Motorhaube zu wehren, insbesondere bei Rennen. Der abgebildete sperrbare Haubenriegel löst das Problem in unauffälliger Weise. ar. Diesel-Autobus in Manchester. Die Stadt Manchester hat nach erfolgreichen Experimenten mit einem Ganzmetall-Diesel-Omnibus eine Bestellung von 30 Wagen der gleichen Versuchsreihe aufgegeben. Während bei den alten, noch im Verkehr stehenden Typen 52 Fahrgäste befördert werden können, ist es möglich, in den neuen Doppeldeckern 56 Passagiere unterzubringen. Eine Konstruktion^ des gegenüber den alten Modellen leichteren,. Typs kommt auf.1600 Pfd. Sterling zu Stehern ZÜRICH «.I ISfOl (giöutesHaui derSdwea I I Zukaufte* gesucht gut erhaltenes Motorboot 23. Aug., um 20.15 Uhr 26. Aug., um 20.15 Uhr 27. Aug., um 15 Uhr Verloren Strecke Zürich-Bern, 16. August, mittags 60140 1 Reserve- Pneu mit Felgen komplett. Der Finder wird um Adressangabe gebeten an Postfach 120, Zürich-Oerlikon. Zu verkaufen 1 Brunner- Luftsäule 1 Weaver- Waqenheber in sehr gutem Zustand, billig abzugeben. 601381 Antwort 8795. Hermetic für Zylinderkopfdichtung. Hermetic ist als Dichtung für Zylinderköpfe gänzlich ungeeignet, da es die Hitze der Explosionen nicht aushalf, sondern herausgbrannt wird und somit seine dichtende Wirkung vollständig verliert. Wenn Sie den Zyilinderkopf nach 20,000 km abmontieren, dann dürfen Sie ruhig wieder eine neu© Kupferasbestdichtung verwenden. Aber auch bei früheren Demontagen lohnt es sich oft, eine neue Dichtung einzusetzen. Durch die Hitze, den Pruck und die langsam© Abkühlung wird nämlich das Kupfer hart; verwendet man die Dichtung wiederum, dann liegt sie nicht mehr gleich auf, das Kupfer schmiegt sich nicht mehr in die feinsten Rillen und die Abdichtung wird daher verschlechtert. Anderseits wird die Diohtung beim Wegnehmen oft leicht beschädigt. Wird sie wieder verwendet, dann passiert es oft, dass sie an einer Stelle durchbläst und dann doch noch ersetzt werden muss. diesmal aber zuzüglich neue Montagekosten. Es ist uns ein Fall bekannt, wo eine ganz winzige Beschädigung einer solchen Dichtung dem .Wasser das Eindringen in den Kompressionsraum nicht verhindern konnte und durch einen Wassertropfen ein Auspuffventil entzweibrach. Als Notbehelf kann man die alte Dichtung sorgfältig ausglühen und abschrecken, damit das Kupfer wieder weich wird. Sicherer fahren Sie aber immer mit einer neuen Dichtung, deren Kosten immer kleiner sind als die einer eventuellen Reparatur. C. P. B. Frage 8814. Wasser im Benzinbehälter. An einem Samstagabend Hess ich in einer gedeckten Garage Benzin einfüllen. Im Laufe des Sonntags, nachdem der Wagen wiederholt strömendem Regen ausgesetzt war, bemerkte ich, dass die Verschlussklappe nicht mehr aufgeschraubt und der Tank somit offen gelassen worden war. Ich habe schon öfters gehört, dass schon eine geringe Menge Wasser im Benzin zu Betriebsstörungen Anlass geben könne. Wie lässt sich das eingedrungene Wasser wieder entfernen, und wie werden auftretende Störungen behoben? 0. K. in G. Antwort: Grössere, in den Benzinbehälter eingedrungene Wassertnengen werden am besten entfernt, indem man zuerst die Ablassverschraubung unten am Tank öffnet und den ganzen Tankinhalt auslaufen lässt. Um die letzten Reste Wasser unschädlich zu machen, wird der Behälter darauf noch mit möglichst hochprozentigem Alkohol ausgespült. Bleiben schliesslich auch noch einige Reste von Alkohol und Wasser zu- - rück; so verbinden sich diese nun gegenseitig, und nachher auch wieder mit dem Benzin, und können keinen .Anlass zu Störungen mehr geben. Das abgelassene Benzin darf natürlich nur nach vorheriger Filterung durch ein Hirschleder wieder in den Behälter zurückgeschüttet werden. neuere 6-Plätzer-Limousjne. — Offerten mit An- des Jährganges, Fa- Anfragen an G. Wid-gabmer, Rötelstrasse 24, Zü-brikmarkerich 6. Kassapreis unter Chiffre Steuer-PS u. 60109 an die Automobil-Revue, Bern. Zu verkaufen: Saulen-Lift 60164 automatische Luftwaage Weaver-Hochheber Abschleppkran elektrische Luftpumpe Offerten unter Chiffre Z 2684 an die Automobil- Revue, Bureau Zürich. Tedhn. Zukaufen gesucht eine gut erhaltene Carrosserie 4pl., 4türig, runde Form, zu 9989 Citroen B14 event. alten Wagen mit solcher Carrosserie. - Offerten an Gebr. Grell, Rheinfelden. Tel. 99. CitroSn C 4 Fiat 514 oder Opel, 6 Zyl. nicht unter Jahrg. 1930. Es kommen nur Occasionsoiferten in Frage unter Chiffre 60138II an die Automobil-Revue, Bern. Zukaufe** gesucht Packard-Coupe s» Zukaufet* oesucht Zukaufet* gesucht 8 Zyl., 28 HP, 4pl., in nur ganz Ia. Zustand, billig. — Preisoff, unt. 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Ich habe an einem Postauto, das täglich zwei Bergfahrten zu machen hat, einen neuen bekannten Vergaser eingebaut, der jedoch Benzin verlor. Zuerst glaubte ich an Undichtigkeit des Nadelventils und wechselte dasselbe aus, nachher ste'.lte mir die Lieferfirma einen ganz neuen Vergaser probeweise zur Verfügung. Alles nützt nichts. Der Vergaser überläuft nur nach der Bergfahrt, und zwar nach dem Abstellen erst nach ca. 6 bis 8 Minuten, solange bis der Vakuum-tApparat (fünf Liter) leer ist. Nach einer Talfahrt hat der Vergaser noch selten getropft. Nun suchte ich zuletzt den Fehler zu beheben, indem ich den Vakuum-Apparat versetzte und die Auspuffleitung isolierte, weil ich vermutete, der Vergaser überlaufe infolge der ziemlich hohen Motorwärme. Der gewünschte Erfolg blieb jedoch aus; der Vergaser überläuft wie vorher, -wenn der Wagen die Bergtour gemacht hat. Sonst ist er absolut dicht. Ich rouss zugeben, dass ich mir trotz zwanzigjähriger Erfahrung hier nicht mehr zu helfen weiss. Es interessiert mich, ob nicht vielleicht jemand schon dieselbe Erfahrung gemacht hat und den Fehlet kennt? F. F. in B. Antwort: Dem Umstand nach beurteilt, das« die Verluste nur nach der Bergfahrt vorkommen, scheint die- Störung doch irgendwie mit einem durch die Erhitzung des Motors verursachten Ueberdruck im Leitungssystem zusammenzuhängen. Ob das zutrifft, können Sie übrigenß leicht feststellen, indem Sie das nächste Mal beim Ueberlaufen des Vergasers den Ablaufhahn des Vakuumförderers schliessen und die Verbindungsleitung zum Vergaser am Vakuum-Apparat abschrauben. Hört der Brennstoffverlust sofort auf, so war er ziemlich sicher durch einen Ueberdruck im Leitungssystem verursacht. Tropft der Vergaser aber solange weiter, bis auch das in der Leitung noch vorhandene Benzin abgeflossen ist, dann wäre der Fehler am Vergaser zu suchen. Ein Ueberdruck im Leitungssystem kann dann Zustandekommen, wenn die Oeffnung oder das Ventil, das den unteren Behälter des Vakuumapparates mit der Aussenhift verbinden soll, verstopft oder unwirksam ist. Gewöhnlich befindet eich die Entlüftungsöffnung des erwähnten Behälters in einer Schraube auf dem oberen Band des Vakuumapparates. Ist die Entlüftung aus irgendeinem Grund unwirksam, so genügt auch eine Isolation des Vakuumapparates und der Leitungen nicht, um Störungen vorzubeugen. Das Benzin wird trotzdem noch genügend warm, um in grösseren Mengen zu verdunsten und so einen Ueberdmck hervorzurufen, der auch ein gut abdichtendes Vergaser- "Wa rlalirnn t%} »um Vnrea rrnn l-ifi«rrt «f A.G. AUTO-PARTS S.A. ZÜRICH, August 1933. Firma! Wir beehren uns, Ihnen mitzuteilen, dass wir unter der Bezeichnung A.G. AUTO-PARTS S.A. ZÜRICH 1 in den Räumlichkeiten der ehemaligen Auto-Ersatzteile A.-G. ein Geschäft für Auto-Ersatzteile und -Zubehör eröffnet haben. Unser Prinzip wird es sein, ausschliesslich Reparaturwerkstätten, Vertretungen und Garagen zu beliefern. Ein reich assortiertes Lager, das den Bedürfnissen entsprechend ausgebaut werden soll, steht zu Ihrer Verfügung. Gleichzeitig war es uns möglich, die Mitarbeit der Herren H. Aeberli und P. Cappelli zu gewinnen, deren langjährige Erfahrungen und Tätigkeit in der Branche Ihnen einen fachmännischen Service garantieren. Wir hoffen, Sie recht bald zu unserer ständigen Kundschaft zählen zu dürfen und begrüssen Sie in dieser Erwartung hochachtungsvoll Automobil-Revue. Bern. A.G. AUTO-PARTS S.A. Zukaufen, gesucht Lastwagen 3—4 Tonnen, wenig gebraucht, nur in allerbestem Zustande, Erstellungsjahr nicht vor 1931. Offerten mit detaillierten Angaben nur von erstem Besitzer an Poetfach 528, St. Gallen.

Bern, Dienstag, 22. August 1933 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 70 Camping Agnes Debrit. Vergangene Woche wurde bekanntlich bei Caux ob Montreux das I. Schweizerische Auto- Camping durchgeführt. Bei dieser Gelegenheit sei der folgenden reizvollen Skizze gerne Raum gewährt: In Aegypten hatte er es kennengelernt. Weite Strecken mussten dort zurückgelegt werden, mit dem Auto, auf Kamelen, da war nirgends mehr eine Gaststätte zu finden gewesen, und willig nahm die afrikanische Erde jeweilen das leichte und doch sichere Zelt und ihre müden, braungebrannten Körper auf. Und herauf stieg die Nacht der Wüste, kalt, aber wolkenlos, winderfüllt, doch ohne Feuchtigkeit. Schlaf schien nur ein Einswerden mit Sand und Stein und Sternen. Nach Europa zurückgekehrt, sollte die ganze Familie, mit der er häufig zu reisen gewohnt war, für das Camping begeistert werden. Bei den Kindern war das mehr als leicht, aber die Frau! Wenn man schon Mutter von drei halberwachsenen Kindern ist, plötzlich Nomadengewohnheiten annehmen müssen, den Picknickzustand dauernd werden lassen, auf hundert kleine Sächelchen, Komfort genannt, mehrere Tage hintereinander verzichten, freiwillig verzichten wollen — jede kann das nicht. Aber sie liebte ihren Mann, sie liebte ihn fast wie ein grosses Kind, und wie eine geduldige, nachsichtige Mutter gab sie seinem ungestümen Drängen nach. Es wurde beschlossen, den älteren Sohn, der im Ausland weilte, mit dem Wagen abzuholen und dabei andauernd, ob Regen, ob Mondschein, draussen zu kampieren. Erst sollte aber noch eine kürzere Probefahrt in der heimatlichen Umgebung stattfinden. Gegen die Billigkeit dieses Verfahrens für eine Familie von mehreren Personen war ja nichts einzuwenden. Auch das Zelt durfte sich sehen lassen: es stammte aus der englischen Armee, war in Aegypten erprobt worden und bot Raum für bequem drei, unbequem vier Betten. Ein hübscher, gedeckter Vorraum Hess sich noch davor aufbauen, der Boden war ebenfalls mit einem wasserdichten Tuch besetzt, und überhaupt war alles selbstverständlich wasserdicht und windsicher. Dass zum Aufrichten zwei Stunden benötigt wurden und ebensoviel zum Abbrechen, war wohl langweilig, aber man ging eben mit der Sonne schlafen und stand mit ihr auf. Nicht als ob sie keine Leuchtgelegenheit gehabt hätte, o nein: eine richtige biblische Ampel brannte an der Decke des Vorraumes, ein mildes Licht verbreitend (jedoch etliche Mücken anziehend), und wenn noch das Klapptischchen und die so bequemen Klappfauteuils — alle auch aus der englischen Armee! — dazu aufgestellt waren, klar die Luft und voller Sterne der Himmel, konnte man es richtig gemütlich nennen. Und wer sagte vorhin, es fehle an Komfort? Es waren doch Klappbetten da, mit rechten Matratzen, warmen Decken und Kissen — fast konnte man nicht begreifen, wie dies alles auf dem Dach des Wagens Platz fand! So stellte er sich eines Abends im Garten seines Freundes ein. Dieser bot ihm Gastfreundschaft im Hause an, was empört zurückgewiesen wurde. Wie, unter der alten Ulme, im frischgeschnittenen Grase, diesen herrlichen Campplatz sollte er sich entgehen lassen? Der Wagen wurde hereingeführt, und rasch begannen Vater und jüngster Sohn — die Tochter war diesmal noch zu Hause geblieben — das graue Ungetüm aufzurichten, während die Mutter, gemütlich mit den Freunden plaudernd, zusah, in ihrem Herzen über alle Massen froh, dass sie wenigstens kein Abendessen zuzubereiten hatte. Denn es war des Campings zweite Nacht, und sie spürte die erste noch in allen Gliedern und in den Augen den ausgefallenen Schlaf. Aber der Mund lief über von den Herrlichkeiten des Naturlebens, von der Lieblichkeit des Bächleins, an dessen Rande sie gelagert, von der Frische des Vogelsanges am Morgen, und weiter in diesem Ton. Die Kinder liefen zusammen, halfen, schrien und bewunderten, in den Fenstern der Nachbarhäuser standen die Leute und bestaunten das Treiben. Dann nahte die Nacht, eine mitteleuropäische Nacht, vollgesogen von Feuchtigkeit, obschon der Himmel heiter war. Die Nomadenfamilie verkroch sich in ihr Zelt, lange waren ihre Stimmen noch hörbar, und die Kinder im Hause Hessen ihren Gelüsten freien Lauf und Wollten auch ein Zelt haben. «Lasst sie erst wiederkommen», sprach der weise Vater. Nach zehn Tagen, von denen einige regenreich gewesen, kamen sie wieder. Bleich und übernächtig sah die Frau aus, von Magenschmerzen geschüttelt war der Sohn, wollte nichts essen, sondern warf sich sofort ins Gras, wo er einstweilen liegen blieb. Nur der Vater lächelte vergnügt und schickte sich an, das Lager vom Wagen abzuseilen. Diesmal fragte sein Freund nicht viel, erwähnte nur rücksichtsvoll und dringend die in den Ferien gänzlich unbesetzten Betten bei ihnen oben, worauf sie zögernd, immer mit einem Seitenblick auf ihren Mann, erwiderte: «Ja, der Junge sollte diese Nacht doch in einem richtigen Bett schlafen, sonst wird er mir noch krank, und ich, ja — ich— war letzte Nacht sehr durch sein Unwohlsein gestört — ja, ich nehme für mich gerne an — und du?» — «Ich?» rief ihr Mann dann fröhlich aus, «ich! Nun, wenn ihr mich alle im Stiche lasst, dann werde ich mein Bett hier auf der Terrasse aufschlagen, und das wird noch meine schönste Nacht unter europäischem Himmel werden!» So geschah's. Die altmodische Mutter und der moderne Sohn krochen mit gleicher Freude in das hölzerne Innenbett, sich mit Inbrunst jeder wohnlichen Bequemlichkeit, als da sind: Fussboden, Teppiche, Badezimmer und weiter, vermählend; der Vater aber schlug jegliche Freundesangebote und Kompromisse in den Wind, trug, als alle ins Haus gegangen waren, sein Lager auf die geräumige Terrasse und legte sich hin, das Gesicht zu den Sternen gerichtet, mit denen er in Afrika eine nicht mehr zu lösende Verbindung eingegangen war. Es kam eine gütige, für unser Klima milde Nacht und die Schatten des mächtigen Rebstockes zeichneten feine Formen auf die helle Hauswand : eine Palme, die im Nachtwind zitterte. Als ihn aber der Freund eine Woche später in seiner Stadt besuchte und nicht recht wusste, sollte er nach der Auslandreise fragen oder nicht, fand er die ganze Familie Benita Da zieht sie hin, die « Benita », ein feiner, weisser Rauchstreif am Himmel. Bald wird auch er verschwunden sein. Ich halte noch die Rosen in Händen, die ich dem Mädchen zum Abschied schenken wollte. Alle Rosen unseres Gärtchens habe ich heute früh für sie gebrochen, obgleich sie sich wenig aus Blumen macht. Nun vergass ich, da ich sie anschaute, ihr die Rosen zu geben. Wo lasse ich sie jetzt? Bring ich sie heim, so wird meine Mutter mich schweigend ansehen — nein!... Ich gebe sie den Wassern, über die ihr Schiff jetzt gleitet. Hei — da treiben sie fort zwischen den Oelflecken, geschwärztem Holz und Tang... Ein Jahr ist vergangen, seit ich dem Mädchen zum erstenmal begegnete — wir reisten gemeinsam auf diesem selben Schiff — von Oslo aus, wo sie an einem Wettschwimmen teilgenommen hatte. Der Wind riss lockige Strähnen aus ihrem dichten, scharzen Haar. Auf der Brust trug sie ein mir bekanntes Sportabzeichen. Das gab mir Mut, sie zu fragen... „. r So begann es. Der Tag war frisch und sonnig, der Abend kühl, die Hiacht sternklar. Ich hatte sie in meine Reisedecke gehüllt, und sie erzählte mir von ihrem Leben: dass sie in meiner Vaterstadt wohne, Waise und zwanzig Jahre alt sei. Obwohl sie wie fünfzehn aussah. Und dass sie Benita heisse, Benita, ebenso wie das Schiff. Das wäre komisch. Und dass sie sich ernsthaft überlege, ob a sie heiraten solle oder nicht. — Ja, die Frage wäre wohl reiflichen Nachdenkens wert. Ob sie denn schon jemand lieb hätte, fragte ich. — Das nicht! O keinesfalls! (und sie lachte laut und herzlich). Aber sie wolle doch Kinder haben, vor allem Jungens! Jungens wären so nett. Aber auch einige Mädchen. Schwestern übten zuweilen einen günstigen Einfluss auf verwildernde Brüder aus. Auch sie besässe zwei Brüder. Wir trennten uns fortan nicht mehr, nahmen die Mahlzeiten zusammen, blick- atemlos beschäftigt: Mutter und Tochter nähten an einem zweiten Zelt, aus so dichtem Stoff, dass er kaum eine Nadel, geschweige denn einen Regentropfen durchlassen mochte, und Vater und Sohn hantierten mit Holz und Säge: «Sieh doch, wie famos! Das gibt einen Kasten für unsere Küchenbatterie, der wird seitlich aufs Trittbrett aufgeschnallt! Uebermorgen fahren wir!» Kein Zweifel, das Camping hatte gewonnen: Europa war durch Afrika besiegt worden. * * * ten stundenlang eng aneinandergelehnt über die Reeling, träumten Hand in Hand auf Liegestühlen in das Abendrot hinaus. Das Meer leuchtete weithin, die Schraube stampfte und rauschte. Möven streiften uns fast im Fluge... Dann war der Hafen da, dieser Hafen, an dem ich jetzt noch stehe... Und ich küsste ihre tiefgebräunte Hand, nein, ihre beiden Hände, denn sie hatte versprochen, uns zu besuchen, meine Mutter und mich. Ich sehe sie noch zwischen ihren Koffern im Wagen stehen und mir winken. Ich selbst kam auf stundenlangen Umwegen erst nach Hause, denn ich wollte ungestört und ungefragt ihrer gedenken dürfen. — Benita, sagte ich vor mich hin, Benita. Gibt es einen Namen, der mehr Klang und Farbe, mehr Geheimnis und Verheissung enthielte als dieser: Benita! F E I U B L L E T O N Der geheime Kampf Von Philipp Klein. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) «Ich? Na ja! Ich habe Pech gehabt. Lungenschuss vor drei Monaten. Ich bin ja soweit wieder recht mobil, aber ganz ist das noch immer nicht in Ordnung. Vielleicht, dass ich im Sommer wieder hinauskann. Vorerst fällt mir jede körperliche Anstrengung noch Techt schwer. Aber nun sprich von dir, Eberhard !» «Da ist nicht allzuviel zu erzählen. Als ich vor sechs Jahren drüben landete, ging es mir anfangs ja nicht am besten. Das Uebliche : Tellerwaschen, Kellner, Barbier und so. Ich schlug mich aber glücklicherweise bald nach dem Westen und zur Landwirtschaft. Fand einen deutschen Farmer, der mich förderte — | übrigens auch ein Adeliger, und Offizier gewesen —, pachtete dann selber ein Unternehmen und hatte Glück damit. Seit zwei Jahren gehörte es mir.» «Bist du verheiratet?» «Auch. Aber, du weisst, mit den Weibern habe ich immer eine unglückliche Hand gehabt. Sie ist Amerikanerin — na: schliesslich hat sie ja auch einiges Verdienst daran, dass ich den ganzen Krempel zu Geld machte. Seit zwei Monaten sind wir geschieden.» «Kinder?» «Nein. Glücklicherweise. Jedenfalls hat die Frau es mir noch ganz besonders zum Bewusstsein gebracht, dass mein Platz augenblicklich nicht in Amerika ist. Und dafür habe ich ihr dankbar zu sein.» «Hast du dich drüben bei der Botschaft gemeldet?» «Nein. Das ist der sicherste Weg, hoppgenommen zu werden. Soviel weiss man jetzt in U. S. A. überall. Nein: ich bin mit einem schwedischen Getreidekahn als Kohlentrimmer herübergefahren, natürlich mit einem falschen Pass, und über die dänische Grenze hereingekommen — mit meinem richtigen Pass. Man hat mir verdammt viel Aufmerksamkeit erwiesen, muss ich sagen. Die Engländer haben fünfmal auf hoher See grosses Interesse für mich gezeigt, aber schliesslich konnten sie mir doch nichts nachweisen. Na — und da bin ich also!» Der Major schwieg einen Augenblick. Dann sagte er:« Und was gedenkst du nun zu tun?» «Mich zur Verfügung zu stellen, — selbstverständlich!» «Hast du bedacht, dass du als gemeiner Soldat einrücken müsstest?» «Allerdings. Die Charge ist mir ja aberkannt worden. Aber ich habe geglaubt — nimm mir das, bitte, nicht übel! — dass unter den augenblicklichen Verhältnissen...» «Lieber Eberhard — wenn du diese Hoffnung gehabt hast, dann muss ich dich bitter enttäuschen. Wir haben ähnliche Fälle zu Dutzenden gehabt: alle Gesuche um Wiederverleihung des Offiziersranges sind abschlägig beschieden worden. Die Bestimmungen bestehen nun einmal...» «Und müssen dementsprechend befolgt dir: das Herz tut mir weh, wenn ich an die werden! Es hat sich also nichts geändert! Millionen denke, die dazu verdammt sind, in Ich habe das schon bemerkt, als ich mich bei Dreck und Blut und Grauen zu vegetieren, dir anmelden Hess. Bestimmungen! Veffügun- wie kein Tier vegetiert!» gen! Erlässe! Dass die ganze Welt gegen «Wenn Millionen dazu verdammt sind — einander aufgestanden ist, ändert natürlich warum soll ich eine Ausnahme machen? Das nichts an den Bestimmungen. Ich habe vor sehe ich nicht ein!» sechs Jahren mehr Schulden gemacht, als ich «Weil du deinem Vaterland vielleicht an bezahlen konnte. Damals war der Gardeoffi- anderer Stelle tausendmal mehr nützen zier eine Dekoration, und es war durchaus in kannst, als in dieser Hölle!» Ordnung, dass man mir die Charge aberkannt Eberhard Hatzberg hob den Kopf und sah hat. Denn Offiziere mit übergrossen Schul- fragend nach dem Bruder. «An anderer den sind nicht dekorativ. Heute braucht man Stelle? Ich verstehe nicht...» dringend Offiziere, aber — da sind die Be- «Ich möchte dir einen Vorschlag machen, Stimmungen! Reden wir nicht mehr darüber Eberhard. Aber du musst mir versprechen, — ich mach dir ja auch keinen Vorwurf. Ich nicht aufzubrausen, wenn er dir im ersten Anwende also als gemeiner Soldat einrücken!» genblick — wie sage ich gleich? — unwürdig «Dazu möchte ich dir nicht raten», sagte scheint!» der. Major nach einer Pause. «Du hast ja «Bitte!» keine Ahnung davon, was das bedeutet. Ich «Du hast doch dein altes Sprachtalent weiss,-was Schützengräben sind, und ich sage noch?» Alkohol und Coffein Sie kam, kam oft. Schliesslich regelmässig an jedem Sonntag. Sie wurde unser Hauskind. Meine Mutter gewann sie lieb. Nach den lang ausgedehnten Mittagessen, die meine Mutter so gut zu bereiten versteht und die Benita zur Freude der alten Dame ausgiebig anerkannte, veranstaltete das Mädchen in unserem grossen Garten Langläufe mit mir, oder wir turnten, in Ermangelung von Geräten, an dem etwas schadhaften Zaun, übten uns bisweilen auch im Hoch- und Weitsprung. Sie war mir in allem überlegen. Sie war ja auch jung, so jung noch, während ich die Vierzig schon überschritten habe und mein Haar zu ergrauen beginnt... Abends sass sie dann artig neben meiner Mutter auf dem Sofa und nähte. Das ging langsam und verursachte ihr Mühe, aber sie wollte es durchsetzen, erklärte sie, und ihr Mund begleitete jeden Stich mit munteren Bemerkungen und witzigen Redensarten. Wann habe ich meine Mutter je so lachen hören wie über Benitas Schnurren? Acln war das eine Zeit! Die Wochen flogen auf die Sonntage zu, und die Sonntage stiegen hastig, leuchtend und prasselnd wie Raketen auf und überschütteten uns mit im- ng gesetzt. Alkohol kann die Wahrnehmungs- und Entschlussfähigkeit herabsetzen. Coffein kann durch seine erregende Wirkung zu «Entscheidungskurzschluss» führen. Das eine ist für den Autofahrer so gefährlich wie das andere. Sicherheit zuerst! Darum den eoffeinfreien Kaffee Hag! Kaffee Hag, der feine echte Bohnenkaffee, ist coffelnfrel und vollkommen unschädlich. nd